18.10.26: Kirchweihsonntag

Als Lesungstexte wurden gewählt: 1 Thess 1, 1–5b und Lk 19,1-10

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder
Wir feiern das Kirchweihfest. Wir freuen uns über das Gebäude, in dem wir Gott danken und zu ihm beten und die Auferstehung Jesu feiern.

Viel wichtiger aber ist unsere Freude über die Gemeinschaft, zu der wir gehören:

Wir leben aus der gleichen Erfahrung: nämlich, dass wir diese Welt im Geist Gottes gestalten und dass wir durch Jesus Vertrauen in Gottes Liebe zu jedem Menschen haben dürfen.

Jesus,
Du schenkst uns die Liebe des Vaters
Du gibst uns Kraft für das Leben aus Liebe.
Du erfüllst uns mit deinem Geist, der lebendig macht.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder
Zum Beginn des neuen Schuljahres hat Bischof Rudolf einen Brief an alle Ehrenamtlichen in den Pfarrgemeinden und auch an alle hauptamtlichen Seelsorgerinnen geschrieben. Sein Thema: wie die anstehenden Veränderungen in der kirchlichen Organisation gemeistert werden können. Den Brief habe ich auf unsere Homepage zugänglich gemacht.

In Ergänzung dazu will ich in dieser Predigt etwas konkreter werden:

Wer unter uns ist jünger als 50 Jahre? Wie viele pflegen noch die Feier der sonntäglichen Eucharistie? Wie viele Christen können das apostolische Glaubensbekenntnis auswendig? Oder die 7 Sakramente – die 10 Gebote? Wieviel wissen die Leute darüber, was die Evangelien von Jesus erzählen?
Wer könnte die Seligpreisungen auswendig rezitieren?

Aus dem erschreckenden Befund, den ich gerade angedeutet habe, geht hervor: Die Kirche – und besonders das Lehramt in der Kirche – hat in den vergangenen Jahrzehnten ihre Sendung, ihren Auftrag nicht besonders gut erfüllt. Heftige Widerstände setzen ihr außerdem zu und schwächen sie.

In den nächsten 20 Jahren wird sich die Zahl der Katholiken in unserem Bistum ungefähr halbieren. Die Einkünfte durch die Kirchensteuer werden entsprechend weniger. Ob die Kirchensteuer in 20 Jahren noch durch die Finanzämter eingezogen wird, kann man in Frage stellen – wenn die derzeit beliebteste Partei die Regierung stellt, jedenfalls nicht mehr.

Derzeit sind etwa 350 Priester im aktiven Dienst. In 20 Jahren werden noch ca. 220 Priester sein. Für die Frauen und Männer in den anderen pastoralen Berufen habe ich keine Zahlen: aber ich weiß: auch Sie werden sehr schnell sehr viel weniger.

Das alles hat Konsequenzen für die Organisation des kirchlichen Lebens: immer größere Gebiete werden zusammengefasst. Pastoralteams von 3 bis 5 Leuten sind zuständig für Gebiete so groß wie ein halber Landkreis.

In Zahlen: ca. 650 selbstständige Pfarreien werden in 150 Pfarreien­gemein­schaften zusammengeführt.

Das beschreibt eine ziemlich traurige Entwicklung.

Dennoch werden wir ermuntert, noch näher mit den Menschen in Verbin­dung zu bleiben und sie zu begleiten. Aber wie geht das, wenn eine Pfarreiengemeinschaft einen Durchmesser von über 20 km hat und fünf Pfarreien umfasst?

Bischof Rudolf wirbt dafür, dies als geistlichen Prozess zu gestalten; die Menschen der künftigen Pfarreiengemeinschaften sollen jetzt schon zusammenkommen. Er ruft zu einer regen Praxis in der Feier von Gottes­diensten und Sakramenten auf. – Aber das sollten wir ja schon immer tun und dafür wurde schon immer geworben!

So einfach ist es nicht. Die wichtigste Frage ist für mich: Wie muss sich Kirche ändern, damit die Botschaft von der Gotteskindschaft eines jeden Menschen die Herzen der Menschen berührt?

Kirche – das sind zuallererst wir – hier in unserer Pfarrgemeinde. Doch die Gestalt der Kirche im Bistum und weltweit wird geprägt von den Bischöfen und ihren Ordinariaten und vom Vatikan mit dem Papst an der Spitze.

Diese Kirche unten und oben ist berufen, es wie Jesus zu machen: die Leute sehen, sie ansprechen und ihnen sagen: ich will bei dir zu Gast sein.

Du bist von Gott geliebt. Du bist sein Kind! Gott lebt in dir und durch dich!

  • Diese Botschaft befreit von den Zwängen, was man alles tun und können und leisten und haben muss, um anerkannt zu werden.
  • Diese Botschaft gibt Kraft und Mut, auf den anderen Menschen wohlwollend und voll Empathie zuzugehen.
  • Diese Botschaft hat die Kraft, dass Feinde zu Geschwistern werden.
  • Diese Botschaft bewegt dazu, anderen selbstlos Gutes zu tun.
  • Diese Botschaft öffnet das Herz für die Armen, die Kranken und die Notleidenden.
  • Diese Botschaft ist ein Heilmittel gegen Gier und Geiz und Neid und jede Art von Egoismus.
  • Diese Botschaft weckt die Liebe zum Frieden und macht dazu bereit, die Wege zum Frieden zu suchen und zu gehen.

Deshalb muss diese Botschaft die Menschen erreichen! Amen.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Gott, du lebst in und durch und mit deiner Schöpfung. Du rufst uns als Deine Kirche zusammen. Wir beten zu dir:

Gott, der du die Liebe bist   L/A Schenke Liebe und Vertrauen

  • Wir beten für Leo XIV., den Bischof von Rom, und für alle Kranken
  • Wir beten für das ganze Volk Gottes: für alle Getauften in allen christlichen Kirchen.
  • Wir beten für die Menschen jüdischen Glaubens und für die Angehörigen des Islams und für die Menschen jeder Religion
  • Wir beten für die die, die nicht an Dich glauben, du Ursprung und Kraft des Lebens.
  • Wir beten für unsere Pfarreien St. Anton und St. Albertus Magnus und für unsere Schwestergemeinde St. Matthäus.
  • Wir beten für die Frauen und Männer in den Parlamenten und in den Regierungsämtern.
  • Wir beten für alle, die sich selbst Vorwürfe machen, die schlecht über sich denken und sich selbst verurteilen.
  • Wir beten für alle, die Kinder und Jugendliche erziehen.

Lektor/in: Gott, wir loben und preisen Dich durch unsere Gebete und Lieder und durch unser ganzes Leben bis in die Ewigkeit. Amen.

11.10.26: 28. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder,
wir atmen alle die gleiche Luft. Wir sitzen alle in einem Boot.
Dieses Raumschiff heißt Erde.

Über 8 Milliarden Menschen, unzählige Ameisen, Katzen, Hunde, Hasen bevölkern diese Erde – dazu die Fische im Wasser und die Vögel. ‑ Wir leben nicht jeder für sich selbst sondern wir leben füreinander.

Hoffen wir, dass die Menschheitsfamilie immer wieder einsieht, dass unsere gute Zukunft nur im Miteinander liegt – wenn wir Ehrfurcht voreinander haben, wenn einer den anderen höher schätzt als sich selbst.

Jesus hat uns dies vorgelebt und er macht uns klar:
Es geht dabei um unser Leben: um das der anderen und um das eigene. Grüßen wir ihn, der uns mit so großer Demut begegnet ist:

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
haben Sie ein Sonntagsgewand für die Messfeier? Wenn man dieses Gleichnis hört, könnte man denken: Das wäre wichtig im Himmelreich.

Überhaupt geht es in dieser Gleichnisgeschichte sehr grausam zu:
Die Einladung zur Hochzeit wird ausgeschlagen. Die Boten, die die Einladung überbringen werden umgebracht. Die Mörder werden ebenfalls getötet und ihre Stadt in Schutt und Asche gelegt. Am Ende wird einer wegen des fehlenden Hochzeitsgewand ins Elend hinausgeworfen.

Ich frage mich: Was will dieses Gleichnis mir und ihnen heute sagen?
Und ich mache mir klar: Es ist leicht möglich, dass es das nicht für jeden unter uns gleich ist. Jeder lebt in einer anderen Situation und jeder hat eine andere Berufung.

Ich werde deshalb nur einige Bemerkungen machen. Vielleicht können sie wie ein Türöffner den Zugang zu dem Gleichnis aufschließen.

1. Die viele Gewalt in dem Gleichnis darf uns ruhig irritieren. Es wird aber nicht Gottes Gewalttätigkeit verkündet. Wohl aber geht es um Leben und Tod: Wer der Einladung Gottes folgt, ist im Leben – wer Gottes Einladung verschmäht, wählt den Tod. Dabei ist gar nicht ausgeschlossen, dass Gott den Verstorbenen ewiges Leben schenkt, selbst wenn sie in ihrem irdischen Leben den Tod gewählt haben.

2. Dass die vielen Menschen von der Straße eingeladen werden erinnert an den Auftrag des Auferstandenen an seine Jünger: „Geht zu allen Völkern!“ Gottes Reich ist kein Reich für ein Volk – es ist universal und alle Menschen sind berufen.

3. Selbstverständlich geht es bei dem fehlenden Hochzeitsgewand nicht um Textilien. Es ist eine bildliche Rede für etwas anderes. Gut ist es, dem Ruf Gottes zu folgen und das Leben zu wählen. Das Reich Gottes ist mitten unter uns. Es ist denen aufgegeben, die den Ruf Gottes hören. Wer aber diesem Ruf gefolgt ist und nicht danach handelt – der ist nicht anders als die, die Gottes Ruf erst gar nicht gefolgt sind. Er hat den Weg des Lebens verlassen und lebt wieder in den Fesseln des Gesetzes, des Verdienstes, der Feindschaft und des Neids.

Liebe Schwestern und Brüder,
ohne Zweifel liegt es nahe, die Finsternis als ewige Verdammnis zu deuten. So wurde es immer gedeutet.

Aber – vielleicht ist diese Finsternis nicht die jenseitige Finsternis der Verdammnis, sondern die diesseitige Finsternis der Hoffnungslosigkeit, der Angst und der Feindseligkeit und des Geizes.

Dann kann ich es so verstehen:
Jeder, der dem Ruf Gottes ins Reich Gottes folgt, lebt im Licht, er wählt Freude und Gemeinschaft, Vertrauen und Zuversicht. Er wählt das Leben!

Wir dürfen jetzt Gottes Gastfreundschaft genießen. Amen.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Barmherziger Gott, du rufst uns in dein Reich und befreist uns von Angst und Hoffnungslosigkeit. Wir beten zu dir:

Gott, du Ziel unseres Lebens      L/A: Wir vertrauen dir.

  • Dass es der Menschheitsfamilie gelingt, die Folgen des Klimawandels besonders für die armen Länder der Erde abzumildern.
  • Wir beten für die Menschen in Not, dass sie Hoffnung haben und nicht allein gelassen werden
  • Für alle, die sich für andere Menschen einsetzen: für die jungen Menschen in der Jugendhilfe und für die alten und kranken Menschen in der Krankenpflege: dass sie immer wieder neuen Antrieb für ihren Dienst finden.
  • Für alle Menschen, die an Gott glauben: dass sie Mitmenschlichkeit üben, Verständnis für die Probleme anderer zeigen und die Freude der Kinder Gottes bewahren.
  • Für alle Menschen, die am Guten zweifeln: dass sie im Glauben bestärkt werden.

Lektor/in: Guter Gott, du erfüllst uns mit Leben und Hoffnung und Liebe. Wir preisen dich jetzt und in Ewigkeit. Amen.

27.09.2026: 26. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder,
Wir haben alle eine Entscheidung getroffen: Dass wir jetzt hier sein wollen. Dahinter steht die Entscheidung für den Glauben an Jesus, die vielen von uns quasi schon in die Wiege gelegt wurde. Vielleicht haben wir auch niemals in Frage gestellt, ob wir an Jesus glauben.

Wir danken Gott für Jesus, der für uns gelebt hat: damit wir an das Himmelreich glauben, das mitten unter uns ist.

Wir lassen uns stärken, damit wir auch in der kommenden Woche das Himmelreich mitten unter uns aufbauen und erleben.

Wir grüßen Jesus in unserer Mitte:

Jesus, du rufst uns zum Glauben
Du öffnest uns die Tür zum Himmelreich
Du stärkst unsere Liebe.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Jesus war in Jerusalem mit Hosanna Rufen empfangen worden. Im Tempel hatte er die Händler vertrieben. Blinde und Lahme hatte er geheilt. Wenn die Kinder im Tempel ihn sahen riefen sie: „Hosanna dem Sohne Davids!“

Da fragte man Jesus: Wer hat die die Vollmacht dazu gegeben!
„Von meinem Vater im Himmel!“ wäre die kürzeste Antwort gegeben.
Aber das Evangelium erzählt anders: Jesus will die Tür nicht zuschlagen. Er ringt um die Hohepriester und die Ältesten und stellt die Gegenfrage:

Hat Johannes in Namen Gottes getauft oder aus Geltungssucht und Einbildung? Darauf wollte man ihm nicht antworten.

Dann erzählt Jesus die Geschichte von den beiden Söhnen. Sie stehen für die, die Johannes geglaubt haben, oder die ihn ablehnten!

Denn egal ob Zöllner und Dirnen oder andere öffentliche Sünder oder ob Pharisäer und Schriftgelehrte: Alle standen vor der Frage:

Glaube ich Johannes?
Johannes hatte dasselbe verkündet wie Jesus: „Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe!“

Die Zöllner und Dirnen und andere öffentliche Sünder haben geglaubt.
Die Pharisäer nicht! Sie bestanden darauf, dass das Himmelreich in weiter Ferne ist: Sowohl den Umständen nach, als auch der Zeit nach.

Die Johannes glaubten, haben ihr Leben geändert: Sie bauten das Himmel­reich mitten unter sich auf: So wie das halt geht: Ehrlich sein, nicht betrügen, für die Armen sorgen, nicht zu viel für sich selbst verlangen, ….

Wie kann es sein, dass die Fachleute, die Schriftgelehrten nicht erkannten, dass Johannes im Auftrag Gottes sprach?

Aber bevor wir mit den Fingern auf andere zeigen, sind wir gefragt:
Glauben wir, dass das Himmelreich nahe ist? Leben wir danach?

Jeden Tag stellt sich die Frage wieder neu. In jedem Augenblick. Bei allem was wir denken und sagen und tun.

Glaube ich an das Himmelreich, das unter uns ist?
Handle ich danach?

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Himmlischer Vater, du hast dein Reich in unsere Hände gelegt wir beten zu dir:

Vater im Himmel                         Wir bitten dich, erhöre uns

  • Wir beten zu dir für die Priester und Diakone und für die Bischöfe, die in deinem Namen sprechen: dass Sie auf Dich hören und die frohe Botschaft unverfälscht verkünden.
  • Wir beten für alle getauften Christen: dass sie an das Himmelreich glauben und es täglich durch ihr Handeln stärken.
  • Wir beten für die vielen Menschen, die nicht an Gottes Wirken in unserer Welt glauben: dass sie ihrem Gewissen folgen und gute Menschen sein wollen.
  • Wir beten für unsere Gesellschaft, dass der Abstand zwischen Armen und Reichen Menschen wieder verringert wird.
  • Wir beten für die Menschen, die Pflege bedürfen und für die Pflegenden: dass sie sich auf die Anerkennung und Solidarität der Gemeinschaft verlassen können.

Lektor/in: Vater, wir wollen unser ganzes Leben auf dich hin ausrichten. Wir wollen Vertrauen schenken, Hoffnung wecken und anderen Gutes tun. Amen.

13.09.26: 24. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder,
Welche behaupten, dass Deutschland schon fast im Chaos versinkt oder versunken ist.
Andere haben Angst vor Nationalismus und zweifelhaften Vorstellungen von einer deutschen Identität.
Viele haben ein mulmiges Gefühl, weil die Möglichkeit eines Krieges auch mit deutscher Beteiligung zu wachsen scheint.
Die Veränderung des Klimas und die Folgen bedrohen Pflanzen, Tiere und Menschen.

Die Lesung aus dem Paulusbrief bietet uns einen Halt an:
Wir gehören dem Herrn. Solange wir leben, sind wir Christen gerufen, das Reich Gottes aufzubauen. Niemand kann uns hindern, zu helfen, zu teilen und Gutes gut zu tun.

Richten wir uns auf Christus aus. Jetzt – in dieser Eucharistiefeier:

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
gerade hat Jesus seinen Jüngern gezeigt, wieviel Mühe sie sich machen sollen, wenn sie schlecht behandelt worden sind – damit sie den Bruder, die Schwester zurückgewinnen – also um Versöhnung zu finden. Petrus ist davon offenbar beeindruckt und fragt:

Und wie oft müssen wir vergeben? Die Antwort Jesu übersteigert das Angebot Petrus ins unendliche: „siebzig mal sieben mal“!

Die Gleichnisgeschichte erklärt sich von selbst: Der König steht für Gott, die Knechte für uns Menschen. Interessant ist: Die Schuld des ersten Knechts gegenüber dem Herrn ist 600.000 mal größer als die Schuld des zweiten Knechts gegenüber dem ersten! Diese Schuld von 10.000 Talenten könnte niemals beglichen werden.

Liebe Schwestern und Brüder,
ich erkläre das ganz lapidar: Wir Menschen bleiben einander Liebe schuldig; es gibt Untreue, Unehrlichkeit, Missgunst, Verleumdung, usw.
Wenn ich alles zusammenzähle, was ich Mitmenschen schuldig blieb, kommt ganz schön was zusammen: das ist meine Schuld gegenüber meinem Herrn und Gott – 10.000 Talente.

Was hingegen der einzelne Mitmensch mir gegenüber an Liebe schuldig blieb –ist im Vergleich dazu wenig – 100 Denare.

Wenn ich also hoffe und bitte, dass Gott mir all meine Lieblosigkeiten und mitunter auch Boshaftigkeiten vergibt, kann ich doch gar nicht anders, als meinen Mitmenschen ebenfalls das Bisschen zu vergeben, das sie mir gegenüber an Schuld haben.

Bleiben zwei Probleme:

Das erste: die wenigsten Menschen denken, dass sie in ihren Leben anderen so viel Liebe schuldig blieben. Die eigene Ungerechtigkeit wird entschuldigt, wegerklärt, verkleinert.

Aber wo führt das hin? Gerader zur Selbstgerechtigkeit!
Ich habe mir nichts vorzuwerfen! Und zur Scheinheiligkeit.

Seien wir ehrlich zu uns selbst und vor Gott. Seien wir selbstkritisch. Schauen wir uns selbst an, wie eine Mutter ihr Kind: Sie weiß, wie oft das Kind trotzig, zornig, ungeduldig, eigensinnig ist: und doch hat sie es lieb, weil es ihr Kind ist.

Das zweite Problem – das ist der Schluss dieses Gleichnisses. Es droht mit Folter und zwar mit ewiger, weil die unermessliche Schuld ja doch nicht bezahlt werden kann.

Der Sinn dieser abschließenden Drohung mit dem Gericht ist aber nicht, dass irgendjemand dieses Schicksal ertragen muss:
der Sinn ist, dass niemand sich so verhält, dass ihn dieses Schicksal ereilen könnte!

Denn es liegt doch auf der Hand:

wenn ich einmal einsehe, dass ich Gottes barmherzige Vergebung brauche, weil ich in meinem Leben anderen Menschen so viel Liebe schuldig bleibe und manchmal auch Unrecht zufüge – dann werde ich nicht zögern, auch meinem Mitmenschen zu vergeben – das wenige, was er mir an Liebe schuldig blieb.

Nach dieser Mahnung zur Barmherzigkeit und Vergebung beginnt Jesus seinen Weg nach Jerusalem: wo man ihn verurteilen und foltern und töten wird.

Da zeigt sich, dass Gottes Barmherzigkeit keine Grenzen hat:
Er vergibt auch denen, die ihn ablehnen, verfolgen und zu Tode quälen.

Wir können nichts anders als zuversichtlich sein und danach streben Gott ähnlich zu sein: in der Barmherzigkeit, in der Vergebung. Amen.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Jesus hat uns die Vergebung unserer Schuld geschenkt. Durch ihn beten wir:            

Gott, unser Vater:             L/A: Erhöre unser Gebet

Lektor/in:: Gott, du bist maßlos in deiner Liebe zu den Menschen, die Unrecht erlitten haben und ebenso maßlos in deiner Vergebung. Gib, dass wir dir ähnlich sind, als dein Abbild und Liebe schenken und Vergebung gewähren. Amen.

06.09.26: 23. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder,
Wie kann man erklären, was einen Christen ausmacht?
Heute werden wir eine weitere Antwort im Evangelium und in seiner Auslegung finden.

Es geht um ein Thema, dass alle betrifft: Manchmal werden wir von jemandem gekränkt, benachteiligt, blamiert. Es kommt zum Abbruch von Beziehungen, von Freundschaften. Man denkt: Mit dieser Person will ich nichts mehr zu tun haben.
Wie ist das bei Ihnen?

Wir vertrauen und hoffen, dass Christus keinen verloren gibt. Zu ihm rufen wir:

Herr Jesus Christus, auf den wir warten
Herr Jesus Christus, zu dem wir rufen
Herr Jesus Christus, auf den wir hören

Lasst uns preisen Gott, den Vater mit seinem Sohn im Heiligen Geist.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Leider überspringt die Leseordnung im Lesejahr A die kleine Beispielgeschichte: Ein Hirt möchte keines seiner Schafe verlieren und freut sich ganz besonders, als er ein verirrtes Schaf wiedergefunden hat. So, sagt Jesus, will Gott, dass kein Mensch verloren geht!

Vor diesem Hintergrund möchte ich die wenigen Sätze verstehen und deuten, die wir gerade gehört haben. Und mit dem Ausblick darauf, was als Nächstes kommt: „Die Verpflichtung zur Vergebung – 70 mal 7 mal.

Darin eingebettet sind diese Sätze über die Zurechtweisung des Bruders und das Binden und das Lösen und die Erhörung der Bitten.

Es verbietet sich also darin eine Anleitung zu sehen, wann man einen Mitmenschen verloren geben kann, in dem man sagt: „Mit dem will ich nichts mehr zu tun haben.“

Im Gegenteil: Man soll alles Mögliche tun, damit es dazu nicht kommt.

Seien wir ehrlich: wenn jemand uns kränkt oder demütigt –
Haben wir den Mut, zu ihm zu gehen und zu sagen: Du hast mich gekränkt, als du gesagt hast …?

Oft wird so getan, als sei gar nichts geschehen und oft wird sofort die Konsequenz gezogen: mit dem oder der will ich nichts mehr zu tun haben.

Stattdessen – sagt das Evangelium, sollen wir uns anstrengen, dass wir von uns aus das Gespräch suchen und versuchen, die Beziehung zu heilen.

Dabei sollen wir bedenken: wenn wir einen Menschen verloren geben, wenn wir uns von ihm lossagen – dann tun wir das vor Gott, der niemanden verloren gibt. – Das passt nicht zusammen.

Die schöne Zusage: was zwei von euch einmütig erbitten, werden sie von meinem Vater erhalten – ist ebenfalls darauf bezogen, wenn einer vom anderen gekränkt oder gedemütigt oder benachteiligt wurde:

Wenn zwei einmütig um Versöhnung bitten, werden sie Versöhnung erhalten: Interessant ist der Grund: Wenn sie im Namen Jesu versammelt sind, wenn sie Frieden und Versöhnung im Sinn haben, dann ist Jesus unter ihnen. Ihm gibt der Vater alles, um was er ihn bittet.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Gott, du willst, dass niemand verloren geht und dass wir niemanden verloren geben wir beten zu dir:

Vater des Friedens L/A: erhöre unser Gebet.

  • Wir beten um den Mut zum Gespräch, wenn wir uns gekränkt oder benachteiligt fühlen.
  • Wir beten darum, dass unsere Schwestern und Brüder im Glauben und alle Menschen, mit denen wir verbunden sind, mit uns den Willen teilen, einander Respekt und Achtung zu schenken.
  • Wir beten für die Menschen, die in Feindschaft leben: dass die Sehnsucht nach Versöhnung und Frieden immer größer wird.
  • Wir beten für die Krieg führenden Länder in aller Welt: dass sie der Gewalt und des Tötens überdrüssig werden.
  • Wir beten für die Staatengemeinschaft in der Europäischen Union: dass alle nach gerechten Lösungen suchen und die Freundschaft zueinander pflegen und vertiefen.
  • Wir beten für die Staaten in den Vereinten Nationen: dass sie mit neuem Elan das Ziel anstreben, die Völkergemeinschaft von der Geißel des Krieges zu befreien.

Lektor/in: Gott, in dir ist Frieden und wer dich sucht, sucht den Frieden. Wir loben Dich in Ewigkeit. Amen.

02.08.26: 18 Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
Wenn jeder gibt, was er hat, dann werden alle satt.
Dies gilt ganz sicher, wenn wir an den Hunger in der Welt denken – niemand müsste verhungern, denn die Nahrungsmittel würden für alle
8,3 Milliarden Menschen reichen.

Wenn jeder gibt, was er hat, dann werden alle satt:
das gilt ganz sicher auch für die geistigen Dinge,
die jeder zum Leben braucht:
Liebe, Anerkennung, Glaube und Vertrauen:

Herr Jesus Christus, du teilst unser Leben mit uns;
Du teilst dein Leben und deine Liebe mit uns.
Du sendest uns, dass wir den Hunger stillen

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Stehen Eheleute nicht manchmal vor der Frage, ob es noch Sinn macht, um die Liebe zu kämpfen? Menschen, die in Vereinen und Gremien, im Stadtrat, in den Parlamenten und Regierungen Widerspruch, Ärger und Anfeindungen erleben und sehen, wie manche von ihren Kollegen fertig gemacht werden – überlegen ganz gewiss manchmal, ob sie sich zurückziehen sollten.

Als die ersten Christen von Zweifeln geplagt wurden, erinnerten sie sich an Jesus – der ebenfalls eine Entscheidung treffen musste: Herodes hatte Johannes, den Täufer, töten lassen – weil er ihm unnachgiebig seinen Ehebruch vorhielt.

Die Jünger des Johannes berichteten Jesus davon. Jesus will sich daraufhin zurückziehen: will er in Ruhe um Johannes trauern? Überlegt er, ob er aufhören soll, dass Himmelreich zu verkünden? Wenn er jetzt aufhören würde – wären seine Auseinandersetzungen mit den Schriftge­lehrten und Pharisäern bald vergessen und er würde ein friedliches Leben führen.

Wie seine Geschichte weitergeht erzählt das Evangelium: Die Menschen laufen ihm nach. Sie lassen ihn nicht allein. Mt erzählt vom Mitleid Jesu mit den Kranken und heilte sie. Er baut also weiter am Himmelreich.

Dann erzählt das Evangelium die Speisung der 5000 Menschen zuzüglich Frauen und Kinder mittels zwei Fischen und fünf Broten. Für wen ist diese Geschichte geschrieben?

Für die Christen der ersten Generation, die gerade erlebten, wie man sie aus den Synagogen ausschloss, weil sie an Jesus, den Gekreuzigten glaubten und seine Auferstehung verkündeten: Familienangehörige brachen den Kontakt mit ihnen ab. Sie wurden am Markt nicht mehr zur Arbeit angeworben. Es gab erste Verfolgungen, Auspeitschungen und schlimmeres

Wie die Gleichnisse vom Sauerteig und vom Senfkorn will auch diese Geschichte Mut machen, motivieren, Hoffnung wecken, bestärken.

Die Logik ist ungefähr so:

Jesus wurde ebenfalls angefeindet – aber er ist nicht davongelaufen. Er hat der Versuchung widerstanden. Er hatte Mitleid mit den Menschen, die sich verlassen fühlten; ausweglos in der Römerdiktatur gefangen.
Die Synagogen waren kein Ort der Hoffnung, sondern der Vertröstung.

Die Not und der Zweifel der Christen äußern sich in der Aufforderung an Jesus: „Schick die Leute weg, dass sie sich etwas zu essen kaufen. Schon lange haben sie Hunger. Jetzt ist es Zeit, sie gehen zu lassen“.

Jesus antwortet: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Der Hinweis der Jünger auf die fünf Brote und zwei Fische dokumentieren die Hilflosigkeit: „Wir haben kaum genug für uns selbst.“

Manche Christen waren am Aufgeben: ihr Glauben fing an zu zerbröseln, die Widerstände waren scheinbar groß und die Kräfte zu gering.

Das Evangelium wagt ein großes Versprechen:
„Jesus nimmt das Wenige, das kaum genügt, dankt Gott dafür, gibt es seinen Jüngern – und siehe da: 5000 + Frauen und Kinder werden satt.“

Das Evangelium sagt: Macht es wie Jesus. Haltet fest am Glauben an das Himmelreich. Teilt miteinander: eure Hoffnung – euer Vertrauen – euer Brot und auch den Fisch – also das mehr ist als das Notwendige. Ich werdet sehen, was passiert. Jesus dankt Gott dafür und es wird wachsen.

Liebe Schwestern und Brüder, es ist nicht schwer, dies ins Hier und Heute zu aktualisieren: Menschen wenden sich von uns als Gemeinde ab, mancherorts werden Kirchen beschmiert und Exkremente zurückgelassen;
in unseren Gottesdiensten geht es fad her. Begeisterung sieht anders aus.
Hat der Glaube an Jesus noch Zukunft? Trägt er noch?

Ich höre das Evangelium: Ihr müsst euch nicht schämen. Auch Jesus hat gezweifelt. Aber sein Mitleid und sein Vertrauen waren größer. Haltet an ihm fest – ihr werdet es erleben, dass viele, viele Menschen durch euch lernen, an Gottes Liebe zu glauben.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Gott, unser himmlischer Vater gibt uns, was wir selbst uns nicht geben können: das Leben jetzt und das Leben in seiner Herrlichkeit. Darum beten wir:

  • Wir beten für die Menschen, die sich nach Sinn in ihrem Leben sehnen. Dass sie empfangen, was sie suchen: etwas wofür sie leben wollen und können. ‑ Gott, unser Vater!

Antwortruf: Wir bitten dich, erhöre uns!

  • Vielen Menschen leiden unter Gewalt und Terror, viele fliehen davor: Wir beten, dass sie Helfer und Beschützer finden – Gott, unser Vater!
  • Wir beten für die Menschen, die in Kirche und Religion Verantwortung tragen. Dass sie den Menschen geben, was sie von dir empfangen haben: Frieden und Trost. – Gott, unser Vater!
  • Wir beten für die Frauen und Männer, die das Gefühl haben, übersehen zu werden und meinen, dass geflüchtete Menschen mehr Aufmerksam­keit bekommen. Wir beten, dass auch sie gehört und beachtet werden. ‑ Gott, unser Vater!
  • Wir beten für die gesamte Menschheitsfamilie: dass wir lernen, dass wir alle aufeinander angewiesen sind und miteinander verbunden sind.

Lektor/in: Darum bitten wir, durch deinen Sohn Christus Jesus, unseren Herrn und Bruder. Amen.

26.07.26: 17. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder,
Was sind Christen für Leute?

Christen sind Leute mit Zuversicht:
Sie nehmen sich Jesus als Vorbild und versuchen so zu leben, wie er an ihrer Stelle leben würde. Dabei haben sie die Zuversicht und das Vertrauen, dass sie tatsächlich das Himmelreich mitten auf dieser Erde aufbauen können.

Diese Zuversicht ist eine gute Vorbeugung gegen Bitterkeit und Verbitterung durch alle möglichen schlimmen Ereignisse.

Nichts auf der Welt kann uns nämlich daran hindern, so zu leben und zu handeln, wie Jesus an unserer Stelle handeln würde.
Aus Liebe zu Gott und zum Mitmenschen.

Jesus, du bist unser Vorbild.

Dein Geist treibt uns an, aus Liebe zu handeln.

Du schenkst uns Mut und Zuversicht

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
„Das Himmelreich ist mitten unter euch!“ es ist nicht künftig oder vergangen, es ist nicht links oder rechts: Sondern mitten unter euch!

Ich muss das betonen, bevor ich ihnen Gedanken vortrage, warum und wie diese Gleichnisse für uns heute froh machende Botschaft sind:

Das Himmelreich ist da, wo Menschen einander zuhören, miteinander teilen, einander verzeihen, Frieden halten, einander beistehen statt übereinander zu herrschen. Das Himmelreich ist, wo der als der Größte gilt, der der Diener aller ist.

Allen Menschen steht dies offen. Keiner wird ausgeschlossen. Das einzige notwendige ist: daran glauben und danach handeln, was Jesus verkündet hat.

Die beiden Gleichnisse vom Schatz in Acker und von der Perle sagen ganz klar: Das Himmelreich betritt man, in dem man dafür alles einsetzt: alles, was man hat. Alles. Sein gesamtes Vermögen. Denn wie kann man, wenn man das Himmelreich sucht, die Not eines Mitmenschen sehen und gleichzeitig um seinen Wohlstand besorgt sein.

Das dritte Gleichnis könnte uns gleich noch mehr in Besorgnis bringen:
Es spricht von der Erfahrung, dass unter denen, die an Christus glauben auch solche sind, die überhaupt nicht so leben. Die weiterhin egoistisch leben, über andere urteilen, sich Vorteile auf Kosten anderer verschaffen.

So sehr ich daran glaube, dass Gott mit jedem seiner Geschöpfe Erbarmen hat und Schuld verzeiht, ebenso sehr glaube ich, dass das Unrecht, das wir tun, dann als solches sichtbar wird und das Gute ebenso.

Alle werden es anerkennen: gerade von sich selbst: Ich wusste nicht, wie viel mehr Liebe ich hätte schenken können. So wird das Geständnis lauten.
Diese Einsicht bewegt uns dazu, täglich zu üben, dass unsere Liebe noch größer wird. Um am Ziel unseres Lebens zu erfahren, dass Gottes Liebe noch viel größer ist als unser Mangel an Liebe.

Das ist die frohe Botschaft: das Himmelreich könnt ihr aufbauen und es ist größer und bringt mehr Glück als Macht, Ruhm und Besitz.

Im Himmelreich wird nur die Liebe zählen.
Vor Gott sind wir reich durch das, was wir verschenken,
nicht durch das wir anhäufen.

Das Evangelium beschließt die Reihe von Vergleichsgeschichten über das Himmelreich mit dem Wort vom Schriftgelehrten, der „ein Jünger des Himmelreiches geworden ist“. Er sei wie ein Hausherr, der aus seinem Schatz Altes und Neues hervorholt.

Dieser Satz erinnert mich daran, was Jesus zu Beginn seines öffentlichen Wirkens sagt: Ich bin nicht gekommen, um das Gesetz aufzulösen, sondern um es zu erfüllen.

Es geht nicht um weniger Gesetze. Es geht um mehr Liebe!

Das Geheimnis des Himmelreiches ist nämlich, dass man es sich nicht verdienen kann, sondern dass man es aufbaut – durch sein eigenes Leben.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Gott, du hast uns deinen Geist geschenkt, der uns lehrt, worum wir beten sollen. Wir beten zu dir:

Heiliger, dreieiniger Gott –          L/A: Schenke Geist und Leben

  • Schenke den Regierenden in aller Welt ein hörendes Herz, damit sie das Gute erkennen und dafür sorgen.
    Heiliger, dreieiniger Gott:
  • Wir beten für alle Getauften: dass sie an das Himmelreich glauben und es mitten in dieser Welt aufbauen.
    Heiliger, dreieiniger Gott:
  • Wir beten für die Ordensangehörigen, die ganz auf persönliches Eigentum verzichten: dass sie in ihren Gemeinschaften die Freude des Himmelreiches erleben. Heiliger, dreieiniger Gott:
  • Wir beten für unsere Pfarrei und für unser Bistum:
    dass wir unsere Mitmenschen in den Mittelpunkt unseres Tuns stellen. Heiliger, dreieiniger Gott:
  • Wir beten für die Menschen in aller Welt: besonders im Sudan, in Indien, in China und Taiwan, in Israel und Palästina, in der Ukraine und in Russland: dass der Wille zum Frieden den Krieg überwindet. Heiliger, dreieiniger Gott:

Lektor/in: Gott, der du uns liebst, wie ein Vater und eine Mutter, wir danken dir, dass du uns die Augen geöffnet hast für das Himmelreich, das wir mitten unter uns aufbauen können – im Geist Jesu Christi, unseres Herrn. Amen.

19.07.2026: 16. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung:
Begrüße die Ehejubilare

Miteinander Gott danken

Für das Geschenk, das sie füreinander sind:
Menschen, die einander begleiten und stützen und halten
die einander Zuneigung und Wohlwollen schenken
und auch Bewunderung und Anerkennung.

Dies alles ist wie ein Same, den Sie in ihrem Leben aussäen und der auf vielfältige Weise fruchtbar geworden ist:

Zum Beispiel und vor allem in Kindern und Enkelkindern.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
woran haben Sie gedacht, als sie gerade das Wort „Himmelreich“ gehört haben? An den Himmel, in den wir alle einmal kommen wollen?
Oder an das Leben – hier, in der Pfarrei St. Anton in der vergangenen Woche?

Jesus hat verkündet: „Das Reich Gottes ist euch nahe!“ oder mit den Worten des Lukasevangeliums: „Das Himmelreich ist mitten unter euch!“

Dabei sprach er nicht vom sogenannten „jüngsten Tag“, sondern von heute und morgen – von der Gegenwart.

Wer – wie Jesus – verkündet, dass das Himmelreich jetzt da ist, muss mit Gegenfragen rechnen: Besonders ernst ist diese:

Warum gibt es dann soviel Gewalt, Krieg und Unfrieden und Ungerechtigkeit und Boshaftigkeit – und das genauso bei denen, die Jesus nachfolgen. Vielleicht haben sie sich auch schon gefragt: Wie kann ein Mensch, der das Evangelium verkündet, sich so verhalten?
Oder auch – auf sich selbst bezogen:

Seit eh und je hören wir das Evangelium,
wir lassen uns ermutigen, an die Liebe und ihre Kraft zu glauben und aus Liebe zu handeln – und dann verhalten wir uns doch wieder ganz anders:

sind auf den eigenen Vorteil bedacht – können nicht verzeihen –
sind hart und unbarmherzig.

Das Evangelium antwortet darauf: Der Feind ist daran schuld!
Es stimmt: so sehr wir auch auf Jesus hören: Es gibt beides in uns. –

Woher Neid und Missgunst in uns kommen?
Wir haben jedenfalls die Begabung und die Aufgabe, das Raubtier in uns zu bändigen.

Aber eines ist gewiss: wenn wir nicht mehr auf dieser Erde leben und bei Gott sind, werden Egoismus und Zorn und Neid uns nicht mehr plagen. Wir werden nicht mehr Angst haben, zu kurz zu kommen.

Liebe Schwestern und Brüder, es ist aber eine betrübliche Lebenserfahrung, dass wir kaum fähig sind, immer aus Vertrauen und Liebe zu handeln. Das könnte uns den Mut rauben und uns am Glauben zweifeln lassen:

Die nächsten beiden Gleichnisse machen uns dagegen Mut:

Wir erleben es ja am eigenen Leib:
Es ist so schön und befreiend, wenn wir erleben, wie Menschen zuvorkommend sind und nachsichtig, wenn man großzügig ist und dem anderen nichts vorspielt. Diese Haltung breitet sich aus und auch die Sehnsucht danach. Es werden immer mehr, die Freude an diesem Leben haben: Das klitzekleine Senfkorn wird zu einem großen Strauch.

Und drittens: Auch das durften wir schon erleben:

Manchmal bringt eine Kleinigkeit und einen richtig großen Prozess in Gang:
Da ist ein Mensch, der sich nicht vom gegenseitigen Misstrauen und Missgunst anstecken lässt, sondern dem anderen etwas gönnt und ihm Anerkennung schenkt.

Das kann ansteckend wirken:
erst recht, wenn es nicht nur einer ist, sondern ein paar.

Das kann das ganze Klima unter den Menschen zum Positiven ändern:

Ich habe das in unserem Bistum erlebt, als Bischof Manfred Müller in den 70er Jahren bei uns Bischof wurde, der seinen Mitarbeitern etwas zugetraut hat und ihnen vertraute. Dadurch wuchsen im ganzen Bistum Vertrauen und Verbundenheit.

Entscheidend ist nur – wie beim Sauerteig:
Jemand muss aktiviert, also begeistert sein; jemand muss anfangen;
wahrscheinlich ich und sie?!

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Gott, unser Vater, du bist bei uns – jeden Tag und zu jeder Zeit. Voll Vertrauen beten wir:

Christus, höre uns A: Christus, erhöre uns

  • Für die Christenheit: dass sie zur Einheit im Sakrament der Eucharistie zurückfindet.
  • Für Leo den Bischof von Rom, unseren Bischof Rudolf: dass durch sie allen Menschen deine Güte bekannt wird.
  • Für die Regierenden dieser Erde: dass sie auf deinen Geist hören und den Frieden suchen und das Recht jedes einzelnen Volkes achten.
  • Für alle, die an Christus glauben: dass ihre Gerechtigkeit und Güte zum Vorbild für andere wird.
  • Für die Kindern, Frauen und Männer in unserer Stadt: segne sie: Bewahre uns vor Unglück, Krieg und Not, erhalte uns im Glauben und stärke unter uns den Geist echter Gemeinschaft.
  • Wir beten für unsere Verstorbenen: dass sie Gäste sind an deinem himmlischen Hochzeitsmahl.

Lektor/in: Gott, du schaust voll Güte auf dein Volk und leitest es durch deinen Heiligen Geist. Wir ehren dich und danken dir heute und in Ewigkeit. Amen.

ökumen. Gottesdienst beim SC Regensburg

Katholisch & Evangelisch = Volk Gottes

Gebet (M)
Gott, du hast uns
   nicht als Einzelkämpfer geschaffen,
sondern als Menschen,
   die zueinander gehören.
Durch die eine Taufe sind wir verbunden –
über alle Grenzen
   von Konfession und Herkunft hinweg.
Öffne uns jetzt Augen und Herzen füreinander,
damit wir entdecken, was uns eint.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Bruder und Herrn. Amen.

Lesung       Eph 4,1–6  Lektor:in

1    Ich, der Gefangene im Herrn, ermahne euch,
      ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging.

2    Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe
3    und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren
           durch das Band des Friedens!

4    Ein Leib und ein Geist,
      wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung:

5    ein Herr, ein Glaube, eine Taufe,
6    ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.

Predigt
Liebe Schwestern u. Brüder im Glauben an Jesus, unseren Bruder u. Herrn,
dieses Kinderspielzeug zeigt die Erde als Kugel – was sie ja ist – und welche Tiere in den verschiedenen Erdteilen und Regionen zuhause sind. Selbstverständlich leben (fast) überall auch Menschen.

Alle Lebewesen haben Gott zum Vater. Er ist über ihnen – denn ihm und seiner Lebenskraft verdanken sie das Leben. Er lebt durch (!) sie: Die Lebewesen – ALLE – sind sozusagen eine Lebensäußerung Gottes. Gott lebt in ihnen. Gott ist dem Lebendigen und dem ganzen Universum innerlich. Alles ist miteinander verbunden.

Jesus hat deshalb verkündet: das Himmelreich ist mitten unter euch. Sucht Gott nicht irgendwo anders – er ist in euch und unter euch!

Das ist sein Evangelium! An dieses Evangelium glauben wir – die katholischen und die evangelischen Christen, etc!

Warum nennen sich also nur die Einen „evangelische Kirche“?

Das hat durchaus seinen Grund und seine Berechtigung: Martin Luther, der Reformator, sagt: die Schrift allein ist Maßstab für das Leben und den Glauben der Kirche. Er hat damals erkannt, dass die Kirche Traditionen entwickelt hat, von denen nichts im Evangelium steht und die sogar dem Evangelium widersprechen: Wie zum Beispiel der Satz, der Luther auf die Palme brachte: „Wenn die Münz‘ im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt!“

Die Evangelische Kirche stellt heraus, dass das Evangelium Jesu über allem steht. Deshalb trägt sie es im Namen. Dadurch wollte Martin Luther verhindert, dass die Kirche nach ihm als lutherisch bezeichnet wird.

In der vom Papst geleiteten römischen Kirche wird hingegen gelehrt, dass sowohl die Tradition als auch die Heilige Schrift Frucht des Heiligen Geistes sind und es zwischen beiden keinen Widerspruch geben kann. –
Doch auch die röm. Kirche verkündet das Evangelium Jesu und glaubt daran. Es ist der Kern und die Mitte ihrer Botschaft, Quelle und Richtschnur.

Jesus und sein Evangelium sind die Mitte unseres gemeinsamen christlichen Glaubens.

Schauen wir uns nochmal den Erdball an: Die Bibel (AT und NT) ist in über 750 Sprachen übersetzt. Das NT in mehr als 1.800 Sprachen. In jedem Land auf diesem Erdball leben Menschen, die an Jesus und sein Evangelium glauben – selbst da, wo der christliche Glauben im Geheimen gelebt werden muss, um Bestrafung zu entgehen. Genau das meint das Wort „katholisch“: Die ganze Welt umspannend und geeint im Glauben.

Katholisch müssen alle christlichen Gemeinschaften sein, weil das dem Willen Jesu entspricht: Geht zu allen Völkern! Macht alle Menschen zu meinen Jüngern und lehrt sie daran zu glauben, dass Gott über ihnen und durch sie und in ihnen ist.

Die röm.kath. Kirche betont stärker, dass ihre Mitglieder auf dem ganzen Erdenrund die Lehre der Kirche einhalten und befolgen und annehmen und dadurch eins sind.

Aber auch in der evangelischen Kirche gilt überall das Prinzip: Allein die Heilige Schrift ist Richtschnur des Lebens der Christen. Allein dank der göttlichen Gnade wird der Mensch gerettet – ohne sein Verdienst. Und allein der Glaube an Jesus ist notwendig um das Heil zu empfangen.

Wir Christen verkünden Jesus, den Auferstandenen überall auf der Erde.  und sind deshalb „katholisch“. Das gilt auch für die ev. Kirche, auch wenn die röm.kath. Kirche die Einheit stärker betont, die durch den Bischof von Rom und sein Leitungsamt gewährleistet wird.

Liebe Christen, die Zeit des Bruchs zwischen Luther und den Bischöfen ist lang vorbei. Inzwischen merken wir, dass wir alle eins sind durch die Taufe und den Glauben an Jesus und sein Evangelium. Wir erkennen unseren gemeinsamen Ursprung und unser gemeinsames Ziel.

Wir sind das eine Volk Gottes, das sich in verschiedenen Kirchen versam­melt und überall auf der Erde das Evangelium Jesu verkündet:

Das Himmelreich ist nahe! Gott ist über allen und durch alle und in allen. Amen.

28.06.26: 13. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder,
wenn in dieser Hitzeperiode von kühlen Kirchen die Rede ist, klingt das sympathisch: Im Kirchenraum kann man der allzu großen Hitze entfliehen.
Ich wünsche mir aber keine „kühle Kirche“: In unserer Gemeinschaft wünsche ich mir herzliches Interesse aneinander.
Eine Gemeinschaft, die sich miteinander freuen und auch miteinander trauern kann.
Ich wünsche mir eine Kirche voll mitmenschlicher Nähe und Wärme.

Grüßen wir Jesus:
Du warst voll Zuneigung zu den Menschen
Du hast Erbarmen mit den Menschen, die Not leiden.
Du bist bei uns, jeden Tag, solange wir leben.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
das ist mehr als heftig:
Wenn du es wert sein willst, mein Jünger zu sein, musst Du mich mehr lieben als Vater oder Mutter oder Kinder;
Du musst bereit sein, für mich zu sterben!

Das erinnert an das 1. der 10 Gebote: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“

Mt stellt Jesus damit unmittelbar neben Gott: Wer Jesus liebt, liebt Gott! Wer Gott liebt, erkennt, dass Jesus Gottes Wort verkündet!

Dann wiederum stimmt es schon, denn:

Gott zu folgen ist wichtiger als auf Menschen zu hören.
Die Stimme Gottes in unserem Herzen ist die höchste Autorität, der wir folgen. Sie steht höher sogar als die Menschen, die uns die liebsten sind, ja sogar als unser eigenes Leben.

Würde aber jemand sagen:
Jesus will, dass Eltern ihre Kinder und Kinder ihre Eltern missachten und verachten – ich würde ihm klar entgegnen, dass er irrt:

Jesus hat die Verantwortung der Kinder für ihre alternden Eltern und die Sorge für die Kinder öfter den Menschen eingeschärft.

Es gilt das 4. Gebot: Ehre deinen Vater und deine Mutter.

Doch wenn eine Mutter ihrer Tochter sagen würde:
Hör auf mit deiner Nächstenliebe!
Hör auf, mit deinem Gottvertrauen!
Höre auf an Gottes Liebe zu glauben!

Dann könnte die Tochter ihrer Mutter nicht folgen:
Sie müsste sagen:
Mutter ich danke dir für das Leben und ich werde alles tun, damit es dir gut geht – aber den Glauben an Gottes Liebe werde ich nicht aufgeben!

Und selbst wenn Du mich aus dem Haus jagst: Ich glaube an Gott, der dich liebt und auch mich.

Liebe Schwestern und Brüder, was immer auch in unserem Leben geschieht: ob man uns verfolgt, beraubt, ausschließt, einsperrt oder mit Lob überschüttet. Auch nicht die Sorge um ein sorgenfreies Leben!

Nichts soll uns davon abhalten, die Menschen zu lieben, wie Jesus sie geliebt hat. Amen.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Jesus, du hast Gott, deinen Vater an die erste Stelle gesetzt. Du mahnst uns, dass wir uns durch nichts davon abbringen lassen. Wir beten zu dir:

Jesus, Sohn Gottes und unser Bruder     L/A: Voll Vertrauen beten wir

  • Für alle die an dich glauben: dass sie daran festhalten, dass der himmlische Vater jeden Menschen liebt – ohne Ausnahme.
  • Für die jungen Männer, die in diesen Wochen für zu Priestern geweiht werden: dass sie leben, was sie verkünden.
  • Für alle Menschen in einem kirchlichen Beruf: dass sie die Freude des Glaubens ausstrahlen.
  • Für die Ehepaare, deren Kinderwunsch unerfüllt blieb: dass sie die Enttäuschung darüber nicht zu unglück­lichen Menschen macht.
  • Für alles Lebendige auf unserer Erde: dass wir Menschen die Erde bewahren und behüten wie einen Garten, der uns anvertraut ist.

Lektor/in: Vater im Himmel, wir preisen dich, weil du die Schöpfung mit Leben erfüllst und uns gibst, was wir zum Leben brauchen. Jetzt und in Ewigkeit. Amen.