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Einführung vor der Feier
Liebe im Glauben versammelte Gemeinde,
Viele unter uns haben gestern gehört und bedacht, dass wir durch Jesus Gemeinschaft mit Gott haben, wenn wir seinen Liebesdienst annehmen und uns von ihm die Füße waschen lassen.
Dass Jesus den Jüngern die Füße wusch, ist ein Zeichen. Darin deutet er im Voraus an, dass seine Liebe keine Grenze hat: Jesus unterwirft sich dem Urteil der Menschen und leidet den Foltertod.
Er läuft nicht weg. Er bleibt. Er wehrt sich nicht.
Nicht aus Schwäche, sondern aus Liebe – zu denen, die ihm Schmerzen zufügen und töten.
Wir begegnen heute Gottes grenzenloser und unüberwindlicher Liebe. Seiner Größe, die sich in Jesu Ohnmacht zeigt und die uns erschaudern lässt.
Deshalb beginnt die Feier heute damit, dass wir uns niederknien und uns auf den Boden legen. ‑ Gott hebt uns empor.
Ansprache
Liebe Schwestern und Brüder,
ich muss zugeben: ich habe erst einmal oder zweimal ein Konzentrationslager der Nazis besichtigt und ich schau mir fast nie Filme an, die das Gräuel zeigen, das jüdischen und behinderten und psychisch kranken Menschen angetan wurde: Warum: Es ist eigentlich unerträglich! –
So ähnlich geht es mir mit der Leidensgeschichte Jesu: Wie geht es ihnen damit, anzuhören, dass Jesus auf diese grausame Art gefoltert und ermordet wurde? Ich finde es zutiefst verstören. Dieser arme Mensch! Dieses fürchterliche Leid. Schon bei der bloßen Vorstellung schüttelt es mich.
Warum tun wir uns das an?
Warum erinnern wir uns an diese Grausamkeit?
Es ist nicht nur die Geschichte von der Grausamkeit, es ist zugleich die Geschichte größter Menschlichkeit.
Denn Jesus hat diese unmenschliche Gewalt entmachtet.
Nicht, indem er ihr noch größere Gewalt entgegengesetzt hat,
sondern weil er nicht aufgehört hat zu lieben:
die, die ihn anklagten und verurteilten;
die, die ihn allein gelassen haben und sogar verraten;
die ihn gequält haben.
So wie er seinen Jüngern die Füße wusch,
so hat er diese Gewalt ertragen – aus Liebe.
Worin besteht diese Liebe?
Das hat Jesus bei der Fußwaschung den Jüngern erklärt:
Wenn ich dir nicht die Füße wasche, hast du keinen Anteil an mir.
Jesus weiß: Nur wenn ich auch die Menschen liebe, die mich verurteilen, verleugnen und im Stich lassen und mich foltern, können Sie glauben, dass die Liebe größer ist. Nur so können sie an Gott glauben. Nur so finden sie zur Gemeinschaft mit Gott. ‑ Es geht nicht anders.
Darum hören wir uns diese Geschichte immer wieder an.
Die Geschichte zeigt uns, wozu wir Menschen fähig sind:
Man muss Gewalt nicht mit Gewalt beantworten.
Man muss Feindschaft nicht mit Feindschaft beantworten.
Man kann bei der Liebe bleiben.
Es geht nur so:
Wenn wir auch diesen Liebesdienst Jesu annehmen, der Leid und Tod ertrug, und an der Liebe festhielt, haben wir Gemeinschaft mit Gott
und er verwandelt uns, so dass wir ihm ähnlich werden: immer mehr.
In einem Gebet beten wir darum:
Herr, mach mich zum Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde,
sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde,
sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde,
sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.