Als Lesungstexte wurden gewählt: 1 Thess 1, 1–5b und Lk 19,1-10
Einführung: Liebe Schwestern und Brüder
Wir feiern das Kirchweihfest. Wir freuen uns über das Gebäude, in dem wir Gott danken und zu ihm beten und die Auferstehung Jesu feiern.
Viel wichtiger aber ist unsere Freude über die Gemeinschaft, zu der wir gehören:
Wir leben aus der gleichen Erfahrung: nämlich, dass wir diese Welt im Geist Gottes gestalten und dass wir durch Jesus Vertrauen in Gottes Liebe zu jedem Menschen haben dürfen.
Jesus,
Du schenkst uns die Liebe des Vaters
Du gibst uns Kraft für das Leben aus Liebe.
Du erfüllst uns mit deinem Geist, der lebendig macht.
Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder
Zum Beginn des neuen Schuljahres hat Bischof Rudolf einen Brief an alle Ehrenamtlichen in den Pfarrgemeinden und auch an alle hauptamtlichen Seelsorgerinnen geschrieben. Sein Thema: wie die anstehenden Veränderungen in der kirchlichen Organisation gemeistert werden können. Den Brief habe ich auf unsere Homepage zugänglich gemacht.
In Ergänzung dazu will ich in dieser Predigt etwas konkreter werden:
Wer unter uns ist jünger als 50 Jahre? Wie viele pflegen noch die Feier der sonntäglichen Eucharistie? Wie viele Christen können das apostolische Glaubensbekenntnis auswendig? Oder die 7 Sakramente – die 10 Gebote? Wieviel wissen die Leute darüber, was die Evangelien von Jesus erzählen?
Wer könnte die Seligpreisungen auswendig rezitieren?
Aus dem erschreckenden Befund, den ich gerade angedeutet habe, geht hervor: Die Kirche – und besonders das Lehramt in der Kirche – hat in den vergangenen Jahrzehnten ihre Sendung, ihren Auftrag nicht besonders gut erfüllt. Heftige Widerstände setzen ihr außerdem zu und schwächen sie.
In den nächsten 20 Jahren wird sich die Zahl der Katholiken in unserem Bistum ungefähr halbieren. Die Einkünfte durch die Kirchensteuer werden entsprechend weniger. Ob die Kirchensteuer in 20 Jahren noch durch die Finanzämter eingezogen wird, kann man in Frage stellen – wenn die derzeit beliebteste Partei die Regierung stellt, jedenfalls nicht mehr.
Derzeit sind etwa 350 Priester im aktiven Dienst. In 20 Jahren werden noch ca. 220 Priester sein. Für die Frauen und Männer in den anderen pastoralen Berufen habe ich keine Zahlen: aber ich weiß: auch Sie werden sehr schnell sehr viel weniger.
Das alles hat Konsequenzen für die Organisation des kirchlichen Lebens: immer größere Gebiete werden zusammengefasst. Pastoralteams von 3 bis 5 Leuten sind zuständig für Gebiete so groß wie ein halber Landkreis.
In Zahlen: ca. 650 selbstständige Pfarreien werden in 150 Pfarreiengemeinschaften zusammengeführt.
Das beschreibt eine ziemlich traurige Entwicklung.
Dennoch werden wir ermuntert, noch näher mit den Menschen in Verbindung zu bleiben und sie zu begleiten. Aber wie geht das, wenn eine Pfarreiengemeinschaft einen Durchmesser von über 20 km hat und fünf Pfarreien umfasst?
Bischof Rudolf wirbt dafür, dies als geistlichen Prozess zu gestalten; die Menschen der künftigen Pfarreiengemeinschaften sollen jetzt schon zusammenkommen. Er ruft zu einer regen Praxis in der Feier von Gottesdiensten und Sakramenten auf. – Aber das sollten wir ja schon immer tun und dafür wurde schon immer geworben!
So einfach ist es nicht. Die wichtigste Frage ist für mich: Wie muss sich Kirche ändern, damit die Botschaft von der Gotteskindschaft eines jeden Menschen die Herzen der Menschen berührt?
Kirche – das sind zuallererst wir – hier in unserer Pfarrgemeinde. Doch die Gestalt der Kirche im Bistum und weltweit wird geprägt von den Bischöfen und ihren Ordinariaten und vom Vatikan mit dem Papst an der Spitze.
Diese Kirche unten und oben ist berufen, es wie Jesus zu machen: die Leute sehen, sie ansprechen und ihnen sagen: ich will bei dir zu Gast sein.
Du bist von Gott geliebt. Du bist sein Kind! Gott lebt in dir und durch dich!
- Diese Botschaft befreit von den Zwängen, was man alles tun und können und leisten und haben muss, um anerkannt zu werden.
- Diese Botschaft gibt Kraft und Mut, auf den anderen Menschen wohlwollend und voll Empathie zuzugehen.
- Diese Botschaft hat die Kraft, dass Feinde zu Geschwistern werden.
- Diese Botschaft bewegt dazu, anderen selbstlos Gutes zu tun.
- Diese Botschaft öffnet das Herz für die Armen, die Kranken und die Notleidenden.
- Diese Botschaft ist ein Heilmittel gegen Gier und Geiz und Neid und jede Art von Egoismus.
- Diese Botschaft weckt die Liebe zum Frieden und macht dazu bereit, die Wege zum Frieden zu suchen und zu gehen.
Deshalb muss diese Botschaft die Menschen erreichen! Amen.
Allgemeines Gebet
Lektor/in: Gott, du lebst in und durch und mit deiner Schöpfung. Du rufst uns als Deine Kirche zusammen. Wir beten zu dir:
Gott, der du die Liebe bist L/A Schenke Liebe und Vertrauen
- Wir beten für Leo XIV., den Bischof von Rom, und für alle Kranken
- Wir beten für das ganze Volk Gottes: für alle Getauften in allen christlichen Kirchen.
- Wir beten für die Menschen jüdischen Glaubens und für die Angehörigen des Islams und für die Menschen jeder Religion
- Wir beten für die die, die nicht an Dich glauben, du Ursprung und Kraft des Lebens.
- Wir beten für unsere Pfarreien St. Anton und St. Albertus Magnus und für unsere Schwestergemeinde St. Matthäus.
- Wir beten für die Frauen und Männer in den Parlamenten und in den Regierungsämtern.
- Wir beten für alle, die sich selbst Vorwürfe machen, die schlecht über sich denken und sich selbst verurteilen.
- Wir beten für alle, die Kinder und Jugendliche erziehen.
Lektor/in: Gott, wir loben und preisen Dich durch unsere Gebete und Lieder und durch unser ganzes Leben bis in die Ewigkeit. Amen.