07. Nov. 2010: 32. Sonntag im Jahreskreis

Wenn Sie an die Auferstehung glauben und wenn Gott Ihnen in ihrem Leben wichtig ist, gehören Sie zu einer Minderheit in unserem Land.

Das muss sie nicht erschrecken, denn Minderheiten haben oft schon viel bewirkt und großen Einfluss ausgeübt. Allerdings sind Minderheiten ab und an auch von Intoleranz bedroht, werden ausgegrenzt und mitunter auch gewaltsam unterdrückt:
Deshalb gibt es Märtyrer – nicht nur die christlichen!

Für Angehörige von Minderheiten ist es wichtig, ein Selbst – Bewusst­sein zu entwickeln, eine starke Überzeugung, damit sie die Kraft haben, umgebend von einer andersdenkenden und –lebenden Mehrheit, ihre Überzeugung und ihre Lebensweise beizubehalten.

Ganz zentral für unseren christlichen Glauben ist der Glaube an die Auferstehung der Toten zum ewigen Leben. Jesus hat diesen Glauben verkündet und daraus die Kraft geschöpft, seinem Glauben treu zu bleiben, als ihm das Martyrium drohte.

Aber: wenn wir an Gott und an die Auferstehung glauben, stellen wir uns außerhalb der Gedankenordnung, in der wir sonst leben – wir stellen uns außerhalb des Weltverständnisses der Naturwissenschaft, die nur Thesen und Theorien gelten lässt, von denen nachgeprüft werden kann, ob sie falsch oder richtig sind.

Niemand aber kann beweisen, dass es Gott, dass es die Auferstehung der Toten nicht gibt – ebenso wenig wie man Gottes Existenz beweisen kann. – Im Gegenteil, heute versuchen die Wissenschaften alle Naturphänomene, die Krankheiten durch die Naturgesetze zu erklären. Gott – ist nicht nötig, um zu erklären, warum jemand krank wird oder warum eine Wasserwand ganze Dörfer wegspült.

Wozu also von Gott, von der Auferstehung der Toten reden?

Die drei synoptischen Evangelien begegnen schon dieser Thematik:
Die Sadduzäer – eigenartiger Weise also die Priesterklasse Jerusalems – versucht aufzuweisen, dass es unlogisch und widersinnig ist, an die Auferstehung der Toten zu glauben: Das führt in Widersprüchlichkeiten ohne Ende – so denken sie und konfrontieren Jesus mit einem – wie sie meinen überzeugenden Beispiel.

Solche Argumente sind auch heute verbreitet: „All die vielen Menschen können im Himmel doch gar nicht Platz finden!“ etwa; oder: „Wie sollen die Seelen wieder zu ihrem Leib kommen, der lange zu Staub geworden ist und verteilt auf viele andere  Lebewesen.

Diese Art der Einwände trifft den Auferstehungsglauben nicht: denn der Himmel ist nicht irdisch, sondern göttlich; nicht materiell, sondern geistig!

Aber der Auferstehungsglaube und der Gottesglaube hängen aufs engste zusammen: Denn Gott ist ewig und deshalb gibt es für ihn kein Sterben und vergessen. Wenn wir Gottes Geist in uns tragen, dann werden wir in Gott eine ewige Zukunft haben – auch wenn wir das wie nicht beschreiben können. Gott ist ein Gott der Lebenden, er ist das Leben selbst.

Wie ist es aber mit Gott selbst? Ja, es ist wahr, wir können es nicht beweisen, dass es Gott gibt. Dennoch gehört es zum Urwissen der Menschheit: die Welt und das Leben haben einen Grund, eine Quelle, einen Ursprung und ein Ziel: und das meinen wir, wenn wir von Gott reden.

Und Gott, der Lebendige will das Leben – auch das vergängliche. Er will das, was er selbst nicht ist. Sein Geist ist zwar in allem Lebendigen, aber er selbst ist und bleibt die Fülle des Lebens. Er wird nicht kleiner oder geringer, je mehr Geschöpfe er ins Dasein setzt. Er bleibt eins mit sich selbst.

Wer an Gott glaubt, ist davor bewahrt, etwas anderes, etwas kleineres an Gottes Stelle zu setzen. Der Materialismus aber, der Gott und alles jenseitige leugnet, setzt den Menschen unter Stress: denn er muss sich selbst Sinn geben: Er macht etwas zu seinem Gott ‑ das Werk seiner Hände. Er hat niemanden, der ihm hilft, der ihn befreit, der ihn hält, der ihm Zukunft gibt. Der Mensch ohne Gott ist verloren. Wir haben eine Zukunft. Gott gibt sie uns.