24. Dezember 2010 Christmette

Liebe Schwestern und Brüder!
Kaiser Augustus wurde von seiner Nachwelt gelobt und verehrt: Er begründete vom Jahr 27 vor Christus an eine 40 jährige Friedens­zeit für das römische Reich. Und das nachdem 100 Jahre lang immer neue Bürgerkriege das Land und Menschen geplagt hatten.

Augustus heißt auf Deutsch der Erhabene!

Ich muss das erzählen, weil ich deutlich machen möchte, welchen Anspruch das Lukasevangelium stellt: In der Szene, die das Evangelium entwirft, verkünden Engel den Hirten auf dem Feld:

Heute ist euch in Bethlehem der Retter geboren, der Messias, der Herr! Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden Friede den Menschen, die seine Liebe annehmen können.

Das Evangelium verkündet und propagiert:
Nicht von Rom, von Augustus,
sondern von Jesus geht Friede aus!

Nicht Augustus ist der Herr, sondern Jesus.
Nicht der Kaiser wird verherrlicht – sondern Gott!

Retter und Herr – die römischen Kaiser ließen sich gerne so nennen – Das Lukasevangelium aber nennt ein kleines Kind so, von dessen Geburt die Welt seinerzeit keine Notiz genommen hatte. Über 30 Jahre später wird dieser Jesus vom römischen Staat provokativ jeder Ehre beraubt und nackt ans Kreuz gehängt werden – so nackt, wie jeder Mensch geboren wird.

Retter und Herr ist Jesus – verkünden die Engel den Hirten!

Die Geburtsgeschichte von Jesus ist einerseits ähnlich verfasst und stilisiert wie die Geburtsgeschichten anderer großer Persönlichkeiten in der Antike.

Zugleich aber ist sie das Gegenteil davon!

Denn hier sind die kleinen groß!
Hier wird nicht in einem Palast geboren, sondern in einem Stall!
Hier bewundern nicht die Mächtigen der Welt den neuen König, sondern das wandernde Hirtenvolk!

Dieses Kind also bringt der Welt den Frieden,
und den Menschen, die die Botschaft hören eine große Freude!

Der Friede ist ein Gottesgeschenk für die Menschen, die seine Liebe annehmen können und wollen.

Der Friede kann das Geschenk dieser Stunde sein, in der wir die Geburt Jesu feiern. Dieser Friede kann tief in unserem Inneren einziehen und uns erfüllen.
Es ist ein Friede, der uns von ihm geschenkt wird und der eine große Sehnsucht erfüllt. Er ist anders als der Friede, den wir in Verhandlungen manchmal erringen.

Der Friede breitet sich warm aus im Herzen.
Es ist die Gewissheit: es ist gut, dass ich lebe!
Es ist die Überzeugung: Es darf so sein, wie es ist!
Es ist das Erlebnis: ich bin wertvoll für andere.
Es ist die Zuversicht: Es wird gut werden!

Schwestern und Brüder,
schauen wir hin auf das Kind:
Es ist klein und schwach. Es ist nichts und kann nichts.
Und doch hat das neugeborene Kind diese Gewissheit, diese Überzeugung, diese Erfahrung und diese Zuversicht.

Und wir, die das Kind betrachten und in unser Herz schließen, werden mit hineingezogen in diesen Frieden. Dabei entsteht eine große Freude am Leben und über das Leben.

Schwestern und Brüder!
ein neugeborenes Kind verströmt diesen Frieden!
Jesu lädt uns ein, dass wir ihm folgen:
dass dieser Frieden in uns ist,
dass wir dieses Licht in uns behüten und bewahren,
dass diese Freude in uns bleibt und aus uns strahlt.

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