20. November 2011: Christkönigssonntag

Jesus preist die Barmherzigen selig und die Friedliebenden, die Gewaltlosen und die ein reines Herz haben.
Jetzt – unmittelbar bevor man ihm den Prozess macht – gibt er den Jüngern noch einmal ähnliche Gedanken – wie ein Testament:

Das Verhalten zu den Hungernden und Dürstenden und zu den Nackten, zu den Gefangenen und den Kranken, zu den Obdachlosen und Fremden,
das Verhalten zu Schwächsten und am meisten Ausgegrenzten entscheidet letztlich darüber, ob ein Mensch sein Ziel erreicht: das Weiterleben in Gottes Herrlichkeit.

Zwei Gedanken gehen mir durch den Kopf:
Der erste:
Wie verhalte mich? Wie verhalten wir uns als Christen?
Leben wir diese Werte? Dass wir die Not der geringsten Schwestern und Brüder lindern oder beseitigen?
Oder gehen wir an Ihnen vorüber – unberührt von ihrem Leid?

Sicher: Niemand kann die ganze Not der Menschen beseitigen.
Aber tue ich, was ich kann? Gibt es wenigstens einen Gefangenen, den ich besuche? Einen Armen für den ich sorge?

Hier ist eine Gewissenserforschung angesagt.

Der zweite Gedanke:
Jesus spricht vom Kommen des Menschsohnes in seiner Herrlichkeit.
Er spricht von der Scheidung der Menschen: Er spricht von der ewigen Strafe und vom ewigen Leben.

Ohne Zweifel ist es nicht angebracht, Höllenangst zu schüren.
Keinesfalls ist Christus ein kleinkrämerischer Gesetzeshüter, der jede kleine Sünde, Unachtsamkeit, Lüge, jedes unterlassene Gebet bestraft.

Aber ist die extreme Gegenmeinung richtig, nach der das Leben in dieser Welt eine Einbahnstraße ist, die sozusagen automatisch in den Himmel führt. Ich kann quasi das Ziel gar nicht vermeiden?
Es gibt die Möglichkeit das Mensch Sein ganz und gar zu verfehlen? Sich selbst vom Leben auszuschließen – indem man andere vom Leben ausschließt?

Würden wir uns vorstellen, das eigene Handeln habe keinen Einfluss darauf, ob wir das Ziel erreichen – dieser Glaube würde dem Egoismus in dieser Welt Tür und Tor öffnen. Dann könnten die Starken wirklich denken: Hier hole ich mir auf Kosten der Schwächeren, was ich kriegen kann und in der Ewigkeit habe ich dafür keinen Nachteil zu erwarten.

Der Himmel, den Jesus verheißen hat und an den er geglaubt hat, dieser Himmel ist nicht der Himmel der Armen oder der Reichen, der Mächtigen oder der Schwachen.
Der Himmel, von dem Jesus sprach, gehört denen, die Not lindern und von Armut befreien.
Er gehört denen, die Achtung vor dem Leben – gerade der Schwächsten haben.