Hier geht es zu den liturgischen Texten: 
Während Jesus in Nazareth Misserfolg hatte, weil man nicht glauben konnte, dass Gott in einem ganz normalen Menschen handelt – hatten seine Jünger offenbar glänzenden Erfolg:
Jesus hatte sie ausgesandt, die Botschaft zu verkünden und die unreinen Geister auszutreiben. Die Leute liefen ihnen von überall her nach – so dass nicht einmal mehr Zeit zum Essen blieb. Selbst der Versuch, dem Andrang durch eine Bootsfahrt zu entkommen, konnte den Ansturm nicht beruhigen.
Wir Kirchgänger, oder wir Leser, oder wir Christen sind sozusagen unter den vielen Menschen, die zu Jesus strömen – weil wir „Hunger“ haben – Hunger nach seinem Wort, Hunger nach ihm, der etwas hat, was sonst keiner hat. Dieser Hunger beschäftigt mich. Was ist das für ein Hunger? Welche Menschen spüren diesen Hunger? Wer kann den Hunger stillen? Womit?
Nicht alle Menschen spüren diesen Hunger:
Es waren nur wenige von den Führenden unter ihnen: die Hohenpriester und Schriftgelehrten spürten keinen Hunger, sie saßen ja sozusagen an der Quelle;
Gebildete und Reiche waren selten unter ihnen zu finden: sie spüren keinen Hunger: sie können die Annehmlichkeiten des Lebens genießen: Festessen, Konzerte, Schauspiel, Philosophie und Wissenschaft: Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Es gibt kein Problem, das nicht zu lösen wäre durch Geschick, Eifer, Beharrlichkeit, Geduld und Geld.
Die zu Jesus kamen, waren Menschen, die Probleme hatten: vielen waren krank: ob und körperlich oder seelisch krank. – andere waren arm: der Hunger war ihr täglicher Gast –
wieder andere plagte ihr schlechtes Gewissen: sie lebten nicht nach dem Gesetz, oder konnten es nicht.
Jedenfalls hatten sie einen Mangel, ihnen fehlte etwas – das suchten sie bei Jesus.
Der Mangel, die eigene Schwäche ließ sie suchen und öffnete sie für die Botschaft:
Wer um seine Gesundheit kämpft, wer sich um das tägliche Brot müht, wer sich nach Anerkennung und Frieden sehnt, hat leichter Zugang zu dem existentiellen Hunger, zu der Ur-Sehnsucht, die in jedem Menschen ist: Es ist die Sehnsucht nach dem Ursprung, nach der Quelle aus der wir hervorgehen und zu der wir wandern.
Wir können versuchen diesen Hunger zu übertönen mit den schrillen Tönen, mit dem Rausch der Geschwindigkeit, mit den grellen Farben und dem Überfluss im Genuss.
Doch der Hunger nach der Quelle wird dadurch nicht gestillt. Es ist der Hunger nach etwas, das wir uns selber nicht geben können.
Jesus weiß um dieses Geheimnis, er kennt den Schlüssel, mit dem wir Zugang erhalten. Wer immer auch zu ihm kommt, dem ist er bereit, nicht nur aufzuschließen, sondern sogar den Schlüssel zu geben.
Denn die Quelle, die diesen Hunger stillen kann, trägt der Mensch in sich selbst. Jesus offenbart uns, dass wir diese Quelle in uns tragen und dass die Wasser für das ewige Leben in uns sprudeln.
Jesus offenbart uns, dass wir Töchter und Söhne Gottes sind – dass jede und jeder unmittelbar Zugang hat zu der Quelle und nicht der Vermittlung durch andere Bedarf.
Damit wir uns daran erinnern, damit die Quelle nicht versiegt, damit das Wasser des Lebens in uns fließt, trinken wir immer wieder aus der Quelle.
In der Messfeier lassen wir die Dinge zurück, die den Hunger übertönen, wir wenden unseren Blick nach innen: dorthin, wo die Quelle in uns ist, wo Gottes ewiges Leben uns durchströmt, wo unsere Liebe sich nährt.
Das Evangelium von Jesus, das Gebet über Brot und Wein, die heilige Kommunion – sie sind die sichtbaren Zeichen, für das, was Gott in uns wirkt: Leben und Liebe.