2. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

Einführung:
Jeder von uns hat etwas, das ihn belastet, was ihm das Leben schwer macht, was ihn bedrückt.
Besonders schlimm finde ich, wenn ich mit jemandem Streit habe – noch dazu, wenn mir der Mensch wichtig ist.
Noch schlimmer ist es, eine richtige Feindschaft zu haben.

Leider gibt es unter uns Menschen viele Spaltungen und tiefe Gräben. Feindschaften, Neid, Konkurrenz, Ablehnung.
Leider gibt es auch in der Christenheit viele Spaltungen.

Wenn ich mir wünschen dürfte, von einer großen Last befreit zu werden, dann würde ich mir wünschen, dass die Menschen und erst recht wir Christen einander nicht ausschließen, sondern wie in einer Familie miteinander verbunden wissen.

Ansprache:

„Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“

In der Messfeier beten wir ein bisschen umgewandelt:
„Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt!“

Dieser Satz steht in einem ganzen Kosmos von bildlichen Vorstellungen über die Welt und Gott:

Gott ist der Schöpfer der Erde!
Der Mensch lebt durch ihn und aus seiner Kraft.

Der Mensch hat nicht auf Gott gehört:
Er möchte selbst bestimmen, was für ihn gut ist.

Er fügt anderen einen Schaden zu, für den eigenen Vorteil.
Das passiert uns jeden Tag:
Drängeln beim Anstehen und im Verkehr.
Etwas abstreiten, damit man keinen Ärger bekommt.
In der Probe abschreiben, damit man die Aufgabe lösen kann.
Es passieren noch viel schlimmere Dinge, von denen ich jetzt gar nicht reden mag.

Jesus nimmt die Sünde weg: Wie ist das gemeint?

1. Jesus sagt uns: Gott will trotzdem, dass es dir gut geht. Er verzeiht dir.
Er bleibt bei dir. Er straft dich nicht. Du bist und bleibst Gottes Kind.

2. Jesus nimmt die Sünde weg, das heißt auch, er zeigt uns, dass wir die Sünde nicht brauchen. Er zeigt uns, dass wir gut sein können zu den anderen. Er zeigt uns wie das geht. Wir können miteinander leben, ohne dass einer dem anderen etwas Schlechtes tut. Wir können helfen, teilen, trösten, …

Liebe Schwestern und Brüder,
das gilt für alle, die an Jesus glauben: für uns röm.kath., für die orthodoxen, für die evangelischen Christen.

Jesus nimmt die Sünde von uns weg. Eine große Sünde ist die Spaltung zwischen uns Christen:
Warum gibt es diese Spaltungen? Wegen Meinungsverschiedenheiten, wegen Rechthaberei, wegen gegenseitigen Beschimpfungen, weil man einander nicht zugehört hat, weil man selbst bestimmen wollte.

Dann wollte man nichts mehr miteinander zu tun haben.

Jesus nimmt die Sünde weg, was heißt das in diesem Fall:

Wir dürfen erkennen: obwohl es Unterschiede gibt, obwohl wir alle manche Dinge anders machen dürfen wir erkennen:
Wir glauben an Jesus, wir hören auf ihn, wir folgen ihm.

Die Spaltung muss nicht für immer bleiben. Wir können sagen:
Wir gehören zusammen, weil Jesus die Sünde von uns allen wegnimmt.
Und deshalb wollen wir auch miteinander beten.
Und deshalb dürfen wir auch beim Abendmahl,
bei der Kommunion unsere einander willkommen heißen.

Wir brauchen uns nicht gegenseitig ausschließen, sondern wir dürfen einander einladen.

Am nächsten Donnerstag üben wir das wieder.
Die ev. Christen und wir röm.katholischen Christen beten miteinander,
wir singen miteinander, wir hören miteinander auf die heilige Schrift und dabei spricht Gott uns zu Herzen.

Ich bitte Sie, dass wir das schätzen. Wir sind wirklich weit gekommen. Wir sind inzwischen Freunde geworden. Geschwister im Glauben.

Diese Gemeinschaft müssen wir pflegen und stärken und dadurch müssen wir auch unseren Kirchenleitungen klar machen: Wir möchten diese Spaltung nicht mehr: Auch wenn wir verschieden sind, wollen wir doch miteinander den Glauben feiern. Wir wollen uns gegenseitig zum Abendmahl und zur Kommunion einladen. Hoffentlich wird das bald.

FÜRBITTEN

Lektor/in: Gott, du bist unser Vater, in Gemeinschaft mit allen Christen beten wir zu dir:

Gott, Vater der Menschen – (A) führe uns durch deinen Geist

  • Wir beten für die Kinder, die heuer das erste Mahl die heilige Kommunion empfangen werden: dass sie in ihren Familien lernen, als Jünger Jesu zu leben. Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten für die Eltern, die ihre Kinder zur Taufe gebracht haben: dass sie die Verbindung mit Jesus halten und mit ihren Kindern beten und Nächstenliebe üben. Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten für alle Menschen in unserem Stadtviertel: dass wir offen sind füreinander und dass Menschen in Not geholfen wird.
    Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten für unsere Pfarrgemeinde und für die Matthäusgemeinde und für die Pfarrgemeinde von St. Albertus Magnus: Dass wir den Glauben gemeinsam leben lernen und dass wir zum Segen für die Menschen in unserem Stadtviertel werden. Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten für alle christlichen Kirchen: dass wir die Spaltungen überwinden, dass wir unsere Gemeinsamkeiten immer mehr entdecken und dass wir bald gemeinsam das Herrenmahl feiern können.
    Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten um den Frieden überall dort, wo Menschen Krieg gegeneinander führen, wo Feindschaft besteht, wo Angst und Schrecken die Menschen plagen. Gott, Vater der Menschen –

Priester: Himmlischer Vater, wir loben dich für deine Gaben, für den Geist, der in uns ist und uns lenkt und treibt. Gib, dass wir deinen Segen erfahren, dass wir dir danken durch Jesus Christus, unseren Herrn.

08.01.2023: Taufe Jesu

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Liebe Schwestern und Brüder,
immer wieder fragen Eltern im Taufgespräch nach einem Taufspruch oder schlagen mir einen vor: Zum Beispiel: „Gottes Engel mögen dich behüten!“ Nach einem Satz von Psalm 91. Es ist ganz gut, dass dieser Brauch aus der evangelischen Kirche langsam auch von katholischen Eltern übernommen wird.

Manche evangelische Christen leben wirklich mit ihrem Taufspruch und machen ihn zu ihrem Lebensmotto. Es ist erstaunlich, wie ein solcher Satz auf verschiedene Lebenssituationen bezogen und fruchtbar werden kann.

Im Evangelium gerade haben wir von einer entscheidende Episode im Leben Jesu gehört. Wie wichtig dieses Erlebnis für Jesus war, zeigt sich darin, dass alle vier Evangelien davon berichten. Nur 2 Evangelien hingegen erzählen etwas von der Geburt und Kindheit Jesu.

Aber das erste was von dem Mann Jesus aus Nazareth, Sohn der Maria und des Josef aus Nazaret in Galiläa erzählt wird, ist, dass er zu Johannes an den Jordan kam, um sich von ihm taufen zu lassen.

Diese Taufe ist nicht dasselbe wir unsere christliche Taufe, die in der orthodoxen, der röm.kath., der altkatholischen und in all den Kirchen der Reformation gespendet wird. Die Taufe des Johannes war eine symbolische Waschung im Jordanfluss. Die Menschen kamen zu ihm, bekannten ihre Sünden und erhielten den Zuspruch der Vergebung. Sie wollten sozusagen von ihren Sünden reingewaschen werden – aber nicht durch das Blut eines Opfertieres, sondern indem sie im fließenden Wasser des Jordan untertauchten.

So kam also auch Jesus zu Johannes – wie die vielen anderen Leute. Das Evangelium weist schon darauf hin, dass Jesus keine Reinwaschung von Sünden nötig hatte.

Entscheidend ist aber, was Jesus bei dieser Taufe erlebte, was jedenfalls alle vier Evangelien damit verbinden:

Jesus sah den Geist auf sich herabkommen und hörte Gottes Stimme:
„Dieser ist mein geliebter Sohn, der mir gefällt!“

Das, Schwestern und Brüder, ist der Taufspruch Jesu, das ist sein Lebensmotto. Das ist die Grundmelodie seines Lebens.

„Du bist mein geliebter Sohn“:

Aus dieser Grunderfahrung und Grundhaltung heraus hat Jesus gelebt.

Als er Menschen begegnete, die unter ihrer Schuld litten: Da ich Gottes geliebter Sohn bin, will ich dir zeigen, dass auch du von Gott geliebt bist – trotz und mit deiner Schuld.

Als er Menschen begegnete, die unter ihrer Krankheit litten: Da ich Gottes geliebter Sohn bin, will ich dich aufrichten, denn Gott liebt dich – in deiner Krankheit und er schenkt dir sein Heil.

Als er Menschen begegnet, die auf der Suche sind nach einem sinnvollen Leben: da ich Gottes geliebter Sohn bin, will ich diese Erfahrung mit euch teilen. Auch ihr könnt und dürft immer wissen und anderen zeigen, dass ihr Gottes geliebte Kinder seid.

Und auch am Lebensende ist das die Quelle dessen, was Jesus tut: Da ich Gottes geliebter Sohn bin, werde ich daran nicht zweifeln und auch nicht daran, dass jeder Mensch Gottes geliebtes Kind ist – auch ihr, auch wenn ihr mich deshalb als Gotteslästerer verurteilt und mit dem Tod bestraft.

Liebe Schwestern und Brüder,
wir wurden getauft. In der christlichen Taufe wird uns zugesagt, dass für uns gilt, was für Jesus gilt und für jeden Menschen:

Du bist Gottes geliebtes Kind.

Das ist das grundlegendste, was man von einem jeden Menschen sagen kann. Stellen sie sich vor, wir würden wirklich in jeder Begegnung mit einem anderen Menschen aus dem Bewusstsein handeln:

Weil ich Gottes geliebtes Kind bin und weil auch du Gottes geliebtes Kind bist, …..

Die Freude Jesu, das Glück Jesu, wäre in uns.

Aber in jeder sonntäglichen Danksagung dürfen wir uns neu vergewissern: Ich und du, wir sind Gottes geliebte Kinder und deshalb

Fürbitten:

Pr.: In der Taufe hat sich der dreieinige Gott mit uns verbündet. Am Fest der Taufe Jesu bitten wir:

Du, Gott des Lebens A: Wir bitten dich, erhöre uns.

  • Für unsere Kirche: um den Heiligen Geist, dass sie von dir Zeugnis geben kann und von dem Heil, das von dir kommt.
  • Für alle christlichen Kirchen und Gemeinschaften: dass die Sehnsucht nach der Einheit in der Eucharistie wach bleibt.
  • Für alle Menschen, die an sich zweifeln und manchmal verzweifeln: dass sie Mut und Kraft daraus schöpfen können, dass sie von dir geliebt sind und dass du an sie glaubst.
  • Für alle Menschen in materieller Not: dass sie Ansehen erhalten und Solidarität erfahren.
  • Für alle, die das Evangelium verkünden: dass sie glauben, was sie verkünden und es in ihrem eigenen Leben verwirklichen.
  • Für unsere Verstorbenen: dass sie von vollkommener Freude erfüllt sind.

Pr.: Guter Gott, in der Taufe Jesu hast du den Himmel auch über uns geöffnet. Wir danken dir, dass wir zu dir gehören und dass du alle unsere Wege mitgehst in Christus Jesus, unserem Bruder und Herrn.