01.05.23: 1. Mai Patrona Bavaria

Evangelium: Johannes 2,1-11 (Hochzeit zu Kanaan)

Einführung:
Maria, Schutzfrau Bayerns. Vor Unheil schützen und bewahren:
Vor Krieg, vor Bürgerkrieg, vor Armut und Hungersnot,
Erweitern wir die Anliegen:
Dass wir nicht zu Egoisten werden, dass wir unsere Verantwortung erfüllen, dass wir bereit sind zum Teilen, dass wir Not leidenden helfen,
Dass wir den Weg nicht verlassen, auf den Jesus uns gerufen hat und führt.

Ansprache:
Diese Hochzeitsgeschichte auszulegen ist hochinteressant und vielfältig. So beginnt Jesus im Johannesevangelium sein öffentliches Wirken nach seiner Taufe durch Johannes.
Von großer Bedeutung ist das Ziel der Geschichte, zu der alles hinführt:
„Er offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.“

Im Mk. Ev. sind die ersten Sätze Jesu nach seiner Taufe im Jordan:
Die Zeit ist erfüllt! Das Reich Gottes ist nahe.
Das Joh.Ev. drückt die gleiche Botschaft mit dieser Wundergeschich­te aus.

Herausgreifen möchte ich heute, was Maria zu den Dienern sagt:
„Was er euch sagt, das tut!“ Sie füllten die Krüge bis zum Rand mit Wasser. Geschöpft wurde bester Wein.

Es stimmt, wir können nur mit unseren begrenzten, menschlichen Kräften Gutes tun. Aber wenigstens das, sollten wir!
Die Hochzeit kann nicht gelingen, das Reich Gottes kann nicht unter uns wachsen, wenn wir nicht die Krüge wenigstens mit Wasser füllen.

Die Beschreibung des Reiches Gottes ist: Gerechtigkeit, Freiheit, Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit, Frieden und Liebe.
Diese Werte gelten als der Unterbau unseres Heimatlandes, unserer Demokratie in der die Menschenrechte an erster Stelle stehen.

Gerechtigkeit heißt, dass alle Menschen, jeder einzelne, Anteil haben kann an den Gütern, die zu einem menschenwürdigen Leben gehören.
Wenn die Güter nicht gerecht verteilt werden, ist die Demokratie nur noch eine hohle Phrase und Wahlen verkommen zur Bedeutungslosigkeit.

Wie kann es sein, dass 5 Personen ein so großes Vermögen haben, wie die unteren 32 Millionen zusammen? (PublikForum 1/2023)

Wenn wir in unserem Land auf Maria hören, und tun, was Jesus sagt, dann würden wir alle – und wirklich ALLE – mit unseren begrenzten menschlichen Möglichkeiten dafür sorgen, dass jeder Mensch in unserem Land Anteil haben kann an dem, was zu einem würdevollen Leben gehört. Dann würde das Reich Gottes sichtbar, dann bräuchten wir uns nicht um Demokratie zu sorgen.

Wenn wir auf Maria hören, werden wir unseren Beitrag gerne leisten und wir werden dafür eintreten, dass diese Pflicht wieder ins Bewusstsein kommt und dass ihr besser nachgekommen wird.

10.04.23: Ostermontag

Liebe Schwestern und Brüder,
der Glaube an den Tod und die Auferstehung Jesu Christi ist der Dreh und Angelpunkt des christlichen Glaubens. Wäre Christus nicht gestorben, gäbe es keine Auferstehung. Wäre Jesus nicht auferstanden wäre sein Leben vergeblich gewesen.

Seine Auferstehung ist ein himmlisches Ereignis – kein irdisches.
Und er – der Auferstandene Jesus Christus ist kein irdischer Mensch mehr.
Das zeigen die Ostererzählungen dadurch, dass Jesus unversehens „erscheint“ und ebenso plötzlich nicht mehr zu sehen ist. So ging es auch den beiden Jüngern, die ihn beim abendlichen Mahl am Brot brechen erkannten.

Es hilft nicht weiter zu fragen: Was haben die genau erlebt? Was haben sie gesehen?

So verschieden die Ostererzählungen auch sind: sie stimmen in einem Aspekt überein: Sie beschreiben etwas, das den Jüngern widerfahren ist. Sie haben es sich nicht ausgedacht. Es ist nicht das Ergebnis ihrer Überlegungen, sondern es wurde ihnen geoffenbart.

Und was sie erlebten, war so stark, dass sie das Risiko eingingen, die Auferstehung Jesu zu verkünden und auch, dass Jesus der Messias ist, der Gott und Menschen miteinander versöhnt.

Es war ein Risiko, denn Jesus war ja gerade erst hingerichtet worden, weil er als Messias mit göttlicher Vollmacht aufgetreten war.

Liebe Schwestern und Brüder,
das Bekenntnis zur Auferstehung Jesu Christi ist der Anfang von allen.
Schon wenige Tage nach Jesus Tod verkündeten die Jünger:
Jesus ist auferstanden und er wird auch uns auferwecken und alle die glauben.

Dieser Glaube ist die Wurzel für die Sorge um die Witwen und Waisen, für die Kranken und Armen. Dieser Glaube hilft uns, auch in den Schwierig­keiten und Problemen und Katastrophen aufrecht zu bleiben.
Denn wir haben versstanden: es kommt darauf an, dass wir Gottes Barmherzigkeit und Großzügigkeit unseren Mitmenschen zeigen.

07.04.23: Karfreitag

Liebe Schwestern und Brüder,
wir haben – wieder – gehört, wie Jesus festgenommen, angeklagt, verur­teilt, gefoltert und getötet wurde. Diese Leidensgeschi­chte ist nicht schön anzuhören. Aber wir tun es, weil das Leiden Jesu für uns Christen von größter Bedeutung ist. Warum eigentlich? Warum musste Jesus sterben?

Er starb, weil die jüdische Obrigkeit verurteilt Jesus nach ihrem Gesetz wegen Gotteslästerung zum Tod.
Sie hatten Angst, dass „alle an ihn glauben“. Dann würde vielleicht das Abkommen mit den Römern platzen und sie würden ihre Stellung und den Tempel und damit ihr gutes Auskommen verlieren.

Pilatus, der Vertreter der römischen Staatsgewalt, verurteilte ihn als „König der Juden“ also als einen Aufwiegler, einen, der die Staatsmacht nicht anerkennt, der die Macht an sich reißen will.

Warum starb Jesus? Mit diesen Erklärungen findet diese Frage für mich noch nicht eine richtige Antwort. Und außerdem: Es ist auch schwer und vielleicht gar nicht ganz möglich, diese Frage zu beantworten.

Jesus wäre für uns nicht der, der er ist, wenn er eines Tages an einer Krankheit oder an Altersschwäche gestorben wäre. Dieser Tod, diese Verurteilung gehört zu seinem Leben und war ihm – so erkennen wir im Nachhinein – von Anfang an vorbestimmt. Alle vier Evangelien stimmen darin überein, dass Jesus einen solchen Tod sterben musste. Sein ganzes Leben führte – trotz aller Begeisterung in Galiläa – auf dieses Ziel hin.

Aber warum musste Jesus sterben?

Wir können und dürfen und wollen die Augen nicht davor verschließen: Jesus starb, weil wir Menschen Sünder sind: Wir beschuldigen zu Unrecht. Wir erzählen falsche Gerüchte, Wir verraten. Wir sind bereit, um des eigenen Vorteils willen jemandem zu schaden, wir üben Gewalt, wir folgen unserer Angst, wir lassen uns aufhetzen und manipulieren.

An diesen Sünden ist Jesus gestorben. So wie jeden Tag Menschen an diesen Sünden sterben. Und wenn jemand es auf den Punkt bringt und sagt: „Diese Wirtschaft, diese Politik, tötet“ – wird er dafür ausgebuht – auch in unseren Tagen.

Warum musste Jesus sterben?

Das Evangelien erklärt immer wieder: Jesus musste sterben, damit wir an ihn glauben und durch den Glauben an ihn gerettet werden. Einer seiner letzten öffentlich im Tempel gesprochen Sätze ist: „Ich bin nicht in die Welt gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten.“

Nach diesen Worten ist Jesu Tod tatsächlich ein Tod für uns. Denn mit der Hingabe seines Lebens besiegelt Jesus seine Sendung, die er so beschreibt: „Der Auftrag meines Vaters ist ewiges Leben“.

Niemals würden wir diese Worte heute noch zitieren, wenn Jesus nicht bereit gewesen wäre, dafür sein Leben zu geben. Dadurch aber haben sie Kraft: sie überzeugen und sie wirken in den Menschen und bewegen die Glaubenden dazu, das Werk Jesu weiterzuführen und Menschen zu heilen und zu versöhnen.

Deshalb sagt Jesus zu Recht wiederholt: Der Menschensohn muss all das erleiden, „damit durch mich der Vater verherrlicht wird und damit ich im Vater verherrlicht bin“. Das bedeutet nichts anderes als:
Durch mein Leiden bin ich meinem Vater und seinem Auftrag treu. Er hat mich gesandt, den Menschen ewiges Leben zu verkünden.
Dass Jesus verherrlicht wird, bedeutet auch: „Alle Welt wird erkennen, dass meine Botschaft wahr ist: Gott schenkt Vergebung und ewiges Leben.
Das erste und wichtigste dabei ist: Gott über alles lieben und den Nächsten lieben, wie sich selbst.“

Jesus wird dadurch verherrlicht, dass wir Christen – gleich welcher Kirche – sein Werk weiterführen.
Es darf im Volk Gottes keinen höheren Wert geben als diesen:
Nichts darf uns daran hindern, diese Sendung zu erfüllen:
Nicht die Angst vor den Menschen und ihrem Urteil.
Nicht das Festhalten an der Spaltung des Volkes Gottes,
nicht die von der Kirche selbst festgesetzten Gesetze.

Jesus hat seinen Jüngern dafür die Vollmacht gegeben: Alles, was ihr bindet, wird auch im Himmel gebunden sein und alles was ihr löst, wird auch im Himmel gelöst sein.

06.04.23: Feier vom letzten Abendmahl

Liebe Schwestern und Brüder,
in Syrien und in der Türkei wankte buchstäblich der Boden unter den Füßen – Häuser stürzten ein. 10.000ende Menschen starben.
Innerhalb weniger Minuten geriet das Leben von Millionen von Menschen aus dem Gleichgewicht.

Was da buchstäblich geschah, passiert jeden Tag ungezählten Menschen:
eine Krankheit verändert das ganze Leben, ein Unfall stellt alles auf den Kopf, ein Partner trennt sich vom anderen, die Arbeitsstelle geht verloren, der Arbeitsplatz wird gekündigt, …

Ganz Europa – ja fast die halbe Welt – ist unsicher geworden durch den Krieg, den Putins Russland vom Zaun gebrochen hat. Der Weltfriede wankt. Unser Verhältnis zu China ist fragwürdig und unsicher. Die Demokratie ist in vielen Ländern brüchig geworden.

Die Erwärmung der Atmosphäre verändert die Lebensmöglichkeiten in vielen Ländern der Erde: Ernten, Tierhaltung, Trockenheiten und Überschwemmungen, Erdrutsche und, und, und.

Vermessen wäre es, zu sagen: „Keine Angst! Das wird sich alles wieder lösen. So schlimm wird es schon nicht“. Es kann tatsächlich sehr schlimm werden. Schlimmer, als wir es uns vorstellen möchten.

Dem, der wahrnimmt, wie unsicher der Grund ist, auf dem wir leben, stel­len sich diese und ähnliche Fragen: „Was zählt für mich? Was will ich? Wofür strenge ich mich an? Worüber kann ich mich freuen? Was gibt mir Kraft?“

Komprimiert: „Was hilft mir leben?“ und: „Wie geht das Leben weiter?“

Eigentlich sind uns die Antworten auf diese Fragen ins Herz geschrieben.
Uns: also jedem Mitglied der Menschheitsfamilie. Wer in sich hineinhört und erkennt, dass er ein Teil dieser Menschheitsfamilie ist, kann die Antwort in sich finden. Als Glaubender Mensch sage ich: Gott schreibt uns Menschen die Antwort ins Herz – Wir brauchen nur auf ihn hören.

Jesus von Nazareth, den wir unseren Erlöser und Herrn nennen,
hat in seinem Leben und Lehren die Antworten gegeben, die jeder in seinem Herzen finden kann:

Er hat geheilt – nicht nur in einem begrenzten Sinn als Wunderheiler.
Er hat den Menschen gezeigt, dass sie für ihn wertvoll und wichtig sind und liebenswert. Dieser Aufgabe hat er sich hingegeben, mit Haut und Haar und ganzer Kraft.

Gestritten hat er auch: mit Menschen die an der bestehenden Ordnung interessiert waren, weil sie in dieser Ordnung oben waren und also bessergestellt. Über manche Menschen urteilten sie, dass sie wertlos sind und nicht liebenswert, sondern zu verachten, wenn sie die Regeln nicht annehmen. Jesus wollte und konnte nicht hinnehmen, dass Menschen sich zwischen Gott und andere stellen.

In der Fußwaschungserzählung verdichtet das Johannesevangelium dieses heilende Leben Jesu: Ich habe euch ein Beispiel gegeben. Ihr sollt es ebenso machen.

Das ist die eine Antwort: Wie sehr auch die Erde wankt: die Sendung bleibt gleich: Heilt Menschen; zeigt ihnen dass sie für euch und für Gott liebenswert sind.

Die zweite Antwort schließt diesen Aspekt mit ein:
Jesus sagt beim Mahl: Das ist mein Leib, mein Blut – für euch gebe ich es hin, damit ihr glaubt, damit ihr glaubt: mir und an mich.
UND: Er teilte das Brot an seine Jünger aus:
Das hilft uns zu leben: Dass wir miteinander teilen. Das Brot und noch mehr: unsere Hoffnung, unser Vertrauen, unsere Schwachheit, unser Versagen, unser Bedauern und unsere Begeisterung.

Jesus sagt: Tut dies zu meinem Gedächtnis. So werdet ihr immer wieder stark. So helft ihr euch gegenseitig, auf die Stimme in euch zu hören, auf die Antwort, die Gott jedem ins Herz geschrieben habt und die ich euch vorgelebt und gelehrt habe.

Heilen und Teilen: die Hoffnungen und Ängste, die Leiden und Freuden. Das hilft uns zu leben und so geht das Leben weiter.

02.04.2023: Palmsonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Auf ein kleines Detail lenke ich ihren Blick.

In der Verhandlung vor Kajaphas, dem Hohepriester,
als sich keine zwei Zeugen finden, die das gleiche gegen Jesus aussagen,
drohte der Prozess gegen Jesus schon zu scheitern.

Eine Verurteilung wäre – nach jüdischem Recht – nicht möglich.

Deshalb unterbricht Kajaphas – so wie es das Ev. darstellt –
und befragt Jesus direkt. Er beschwört ihn und fragt:

Ich beschwöre dich beim lebendigen Gott:
„Bist Du der Christus, der Sohn Gottes?“

Jesus antwortet: Du hast es gesagt.

Und noch bevor der Hohepriester Jesus für diese „Gotteslästerung“ verurteilt, fügt aber Jesus hinzu:

„Ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen.“

Das Evangelium verkündet so den Glauben:

Jesus ist der Weltenrichter – auch über Kajaphas und den Hohen Rat.

Der nun aber – das wissen wir aus dem ganzen Evangelium – ist kein Richter, der Freude daran hat, Höllenstrafen zu verkünden.

Sein Gericht ist ein anderes.

Sein Gericht ist der Zuspruch der Gnade, des Lebens, des Heils.

Durch sein Gericht wird offenbar, was „Recht“ ist:

Recht ist es, Hungernde zu speisen, und Gefangene zu befreien.

Unrecht hingegen ist, vom Elend der Menschen ungerührt zu bleiben und Hilfe zu verweigern.

Liebe Schwestern und Brüder, Jesus sitzt zur rechten der Macht, der König des Friedens. Wir wollen so leben, dass wir uns auf sein Gericht der Gnade freuen können, wenn offenbar wird, dass wir recht getan haben.

22.02.2023: Aschermittwoch

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
Ich begrüße Sie alle sehr herzlich heute Abend in unserer Pfarrkirche und freue mich, dass sie gekommen sind. Wir wollen die österliche Bußzeit beginnen:

Im Namen des Vater und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Gnade und Frieden von Jesus Christus, unserem Bruder, Erlöser und Herrn, sei mit Euch!

Müssen wir denn Buße tun? Wofür? Haben das andere nicht viel mehr nötig als wir? Fühlen wir uns gegängelt durch den Appell Buße zu tun und zu fasten?

Das hängt davon ab, was wir unter Buße verstehen. Die Buße im christlichen Sinn bedeutet: Neuorientierung, Kurskorrektur.
Selbstkritische Reflexion ist sehr nützlich und hilfreich.
Sie kann der Anfang, um seine Lebensweise zu korrigieren.
Sie kann einem helfen, das Gute, das wir schon tun zu festigen oder sogar noch zu steigern.

Am Ende dieser Zeit der Selbstreflexion und Konzentration steht jedenfalls die Feier unseres Osterfestes. Der Jubel darüber, dass Christus nicht im Tod bleibt und dass wir mit ihm zum Leben in Gottes Herrlichkeit berufen sind.

Jesus ist in unserer Mitte. Ihn grüßen wir voll Freude und Dankbarkeit

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
wir feiern heute keine Eucharistie. Warum nicht? Das war doch immer so!
Denken Sie vielleicht. Und mit Recht. Da bin ich Ihnen eine Antwort schuldig.

Der Aschermittwoch bedeutet mir persönlich sehr viel. Er ist ein großer Schatz in unserer katholischen Kirche, den ich nicht missen möchte.
Wie Sie es auch handhaben mögen: Alle wissen um den Appell heute auf Fleisch und Fisch und Genussmittel zu verzichten: (Alkohol, Nikotin, andere berauschende Substanzen, Süßigkeiten). Das gilt ja eigentlich für jeden Freitag. Dazu kommt noch der Aufruf, sich an diesem Tag so wie am Karfreitag nur einmal satt zu essen.

Das sind an und für sich schon starke Signale. Und dazu kommt der Gottesdienst jetzt mit der Auflegung des Aschenkreuzes. Es wird von zwei Zusprüchen begleitet: „Bedenke Mensch, du bist Staub und zum Staub kehrst du zurück“ und „Bekehre dich und glaube an das Evangelium!“

Der erste Spruch warnt uns: Wir sollen an unsere Sterblichkeit denken und die entsprechenden Folgerungen daraus ziehen: Es geht um unsere persönliche Ausrichtung: Genuss, Wohlstand, Reichtum, Annehmlich­keiten, Luxus, tolle Erlebnisse, Fitness, Anerkennung, Erfolg, ….
Das alles ist erstrebenswert und das alles ist gut.
Aber: das alles ist Staub, so wie wir selbst. Es sind vergängliche Güter.
Sehr leicht wird daraus ein Egoismus, der auch in Kauf nimmt und akzeptiert, dass andere weniger haben und kränker sind – vielleicht sogar zu meinen Gunsten.

Richte dein Leben nicht darauf aus, toll zu sein, tolles zu erleben, reich zu werden, Erfolg zu haben.

Der zweite Spruch: „Kehre um und glaube an das Evangelium“ ist eine Ermutigung und eine Ermunterung: Dieser Spruch ermuntert an die Hauptbotschaft Jesu: „Ich verkünde euch eine frohe Botschaft: Das Reich Gottes ist euch nahe!“

Das Reich Gottes das ist Frieden, das ist Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, das ist Freiheit und Liebe.

Das Reich Gottes ist uns nahe. Jedem und jeder ist es erreichbar. Es steht uns offen. Es ist unsere Zukunft. Es ist die Zukunft, die Gott für uns bereit­hält – endgültig und unübersehbar.

Und deshalb soll unser tägliches Denken und Handeln, unser Wollen und Wünschen darauf ausgerichtet sein.

Wenn unser Leben zu Ende gehen wird, zählt mehr,
was wir für andere getan haben als was wir für uns getan haben.
es zählt mehr, wie wir Menschen geliebt haben und wer uns geliebt hat,
als was wir uns selbst gegönnt haben,
es zählt mehr, dass wir gerecht waren in unseren Ansprüchen,
als dass wir immer größere Ansprüche erfüllen konnten;
es zählt mehr, das wir verzeihen konnten, als dass wir uns durchgesetzt haben.

Liebe Schwestern und Brüder,
der heutige Tag ist ein Tag, in dem wir uns unsere Vergänglichkeit bewusst machen und vielleicht merken, wie sehr wir den vergänglichen Gütern nachlaufen.

Es ist ein Tag der Trauer darüber, dass unser Glaube an das Evangelium nicht größer ist.

Zum Zeichen dafür lassen wir uns Asche auf den Kopf streuen.

Die Eucharistie hingegen ist Zeichen des österlichen Jubels und Dankes.
Zeichen der natürlichen und ausgelassenen Freude über den Sieg des Lebens über den Tod.

Der Aschermittwoch ist aber Zerknirschung darüber, dass wir stattdessen dem nachlaufen, was uns im Sterben wie Staub zwischen den Fingern zerrinnen wird.

Geben wir der Umkehr Raum. Der Erneuerung. Dem Neuanfang. Dem Evangelium. Damit wir offen werden für das Reich Gottes, das uns so nahe ist.

05.02.2023: 5. Sonntag im Jahreskreis

Ansprache:

Wozu sind wir Christen gut in dieser Welt und auf dieser Erde?
Der letzte Satz des heutigen Leseabschnitts aus dem Mt. Ev. – Bergpredigt – bietet uns eine Antwort an:

„Damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen!“

Der Vater im Himmel soll aber nicht gepriesen werden, damit er sich besser fühlt. Gott ist vollkommen, er ist die Fülle des Lebens.
Es geht nicht um Gottes Wohlbefinden – es geht um die Menschen in der Welt und auf dieser Erde.
Wenn sie nämlich unseren Vater im Himmel preisen,
erkennen sie ihn an, dann hören sie auf Gott und leben nach seiner Weisung. Dann wird Friede in dieser Welt unter den Menschen, denen Gott seine Liebe schenkt.

Wir Christen, liebe Schwestern und Brüder, haben also eine Aufgabe, eine Sendung, eine Mission. Und dabei geht es nicht um uns als Gemeinschaft oder Institution. Es geht um die Menschen, die mit uns diese Erde bevölkern.

Jesus wählt eindrucksvolle Worte für diese Sendung:
„Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!“

Ohne Salz ist alles fad und mehr sogar: Salz ist lebensnotwendig.
Das gleiche gilt für das Licht. Ohne Licht gibt es kein Leben.

Das Evangelium verknüpft diese anspruchsvolle Zusage mit einer Warnung: Ihr Jünger Jesu, ihr Christen, könnt eure Sendung verraten:
Ihr könntet aufhören Salz der Erde zu sein und ihr könntet aufhören zu leuchten. Dann seid ihr überflüssig. Dann braucht man euch nicht mehr.

Das ist ungefähr die Sicht eines 36 jährigen im BR Interview: Er hat erklärt, er könne es trotz seiner christlichen Erziehung nicht mit seinen Werten vereinbaren, der Kirche anzugehören. Schuld seien die diversen Skandale in der Kirche und deren Vertuschung. Es ist fürchterlich, wenn Menschen ein solches Bild von uns haben.

Liebe Schwestern und Brüder, als Prediger muss ich nun aufpassen:
Oft werden für diese Sendung alle Christen in die Pflicht genommen – obwohl auf ihre Stimme sonst kein Wert gelegt wird. Der Pfarrer predigt und bestimmt und die Leute sollen gute Werke tun. Das wäre ungebührlich und ungerecht.

In diese Sendung Salz und Licht zu sein, sind alle einbezogen.
Als Pfarrer in der Pfarrei habe ich die Aufgabe, mich zu sorgen und zu kümmern, dass wir uns diese Frage stellen:
wie wir alle in diese Sendung erfüllen.

Welche guten Werke können wir tun und anstoßen?
Welche guten Werke können wir unterstützen und wie.
Wie verwirklichen wir gemeinsam, unsere Sendung, dass die Menschen unseren himmlischen Vater preisen für die guten Taten, die wir Christen vollbringen.

Die Antwort kann nicht von oben gefunden werden.
Die Antwort darauf können wir nur miteinander finden.
Dazu müssen wir zuerst gemeinsam auf das Wort Jesu hören.
Wir müssen darauf schauen, wie die Menschen leben,
und gemeinsam überlegen wie wir Salz und Licht sein können
und dies in die Tat umsetzen: nicht nur die Gemeindemitglieder,
nicht nur die Amtsträger, sondern wir alle gemeinsam als Kirche Jesu Christi.

Wie es aber geht, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein, das hat Jesus in den Sätzen zuvor erklärt: in den Seligpreisungen, die wir vergangenen Sonntag hörten und die dieser Stelle vorausgehen:

Selig, die arm sind vor Gott und die Anteil nehmen am Leid der Menschen; selig, die die niemandem weh tun und die für Gerechtigkeit eintreten; selig, die Barmherzigen und die ohne Arglist sind; selig, die Frieden stiften und die verfolgt werden, weil sie Gottes barmherzige Gerechtigkeit bringen.

Diese sind das Salz der Erde und das Licht der Welt.
Menschen, die so handeln, sind lebensnotwendig in dieser Welt.
Es wird sich immer wieder zeigen, dass sie es sind, die der Zukunft der Menschen einen Weg bereiten,
Es wird sich immer wieder zeigen, dass durch sie das Leben weitergeht. Und die Menschen dieser Erde werden Gott preisen, und selbst die guten Werke tun, die Menschen selig werden lassen.