20. September 2015: 25. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder,
ich finde es anrührend, wie Jesus versucht, die Jünger zu gewinnen,
Wie er sie anspricht, damit sie verstehen, worum es ihm geht und damit sie seine Weisheit und seinen Geist annehmen;
damit die Jünger nicht mehr so denken und empfinden wie Menschen sonst – sondern so wie Jesus.

Die Jünger haben Streit: Wer ist der Größte, wer ist der Beste, wen hat Jesus wohl am liebsten, wer darf Vorrechte gegenüber den Anderen beanspruchen?

So denken wir Menschen, so sind wir. Jedenfalls ist das eine Seite an uns.

Einerseits brauchen wir das auch: dieser Ehrgeiz, besser sein zu wollen, treibt uns an und bringt uns Vorwärts.
Und das Zusammenleben erfordert eine gewisse Ordnung und Hierarchie:
Es ist vieles einfacher, wenn jemand die Vollmacht hat, Entscheidungen zu treffen und auch die Ordnung durchzusetzen.

Anarchie funktioniert nicht und kann nicht funktionieren.

Jesus sagt einmal zu den Jüngern: Ihr nennt mich Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so. Jesus war auch der Anführer seiner Jünger. Er entschied, dass man weitergeht, dass man sich ausruht, dass man in ein Dorf geht. Er handelte souverän, ohne einen Menschen um Erlaubnis zu bitten.

Aber: Jesus wusch seinen Jüngern die Füße; er ließ sich nicht bedienen;
er wollte keine Posten und kein Amt – weder im Tempel noch im Palast.

Jesus hat uns etwas zu sagen – aber er will nicht über uns herrschen.
Er will, dass wir ihn verstehen; er will, dass wir seinen Geist in uns haben;
dass wir selbst so denken und handeln wie er.

Ist es nicht so: wir Menschen neigen dazu, groß sein zu wollen: deshalb gibt es Sätze wie diese:
hinter dem brauche ich mich nicht zu verstecken; der ist auch nicht besser als ich; das, was die kann, kann ich schon lange.

Jesus aber lädt zu einem ganz neuen Mensch Sein ein:

Wer ein Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf.
Wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.

Schwestern und Brüder,
das ist toll, das ist atemberaubend: Jesus sagt:
Sorgt für die Kleinen, für die unbedeutenden. Das soll euer Ehrgeiz sein.

Das ist mehr als ein Aufruf zur Mildtätigkeit. Es geht einen Schritt weiter:
Wir können wie Jesus sagen: Wer ein kleines und verlorenes Kind aufnimmt, der nimmt mich auf. Das heißt, dass wir Christen uns mit den kleinsten und unbedeutendsten Menschen identifizieren.

Das ist genau das, was Franziskus sagt:
eine Kirche der Armen – für die Armen.
Wir Christen werden Jesus immer ähnlicher, wenn wir die Welt mit den Augen der Menschen sehen, die keine Macht haben, die übersehen werden, deren berechtigte Bedürfnisse nicht einmal wahrgenommen werden: Ob es nun alte, gebrechliche Menschen sind, oder Menschen mit Behinderungen, oder Kinder..

Alle Christen, auch wenn sie an der Spitze stehen, auch wenn sie reich und mächtig sind, können diesen Geist Jesu umsetzen, und
und erst recht wir, die wir uns oft klein und machtlos und vielleicht sogar ausgeliefert fühlen,

können sagen: Wer einen schutzlosen Menschen aufnimmt,
der nimmt mich auf. Der tut mir etwas Gutes, dem bin ich dankbar.

Schwestern und Brüder, Jesus spricht uns ins Herz:
Strebe nicht danach, nach oben kommen,
sondern streben danach, denen ganz unten beistehen –
das ist der Geist Jesu.

13. September 2015: 24. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie: Schott

Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst,
nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

Liebe Schwestern und Brüder,
diese Seite der Botschaft Jesu blenden wir lieber aus.
Das hört sich befremdlich an und eher abstoßend.

Doch es steht im allerengsten Zusammenhang mit dem Lebensweg Jesu selbst. Wer sich zu Jesus bekennen möchte, kann diese Seite an ihm und seinem Leben und seiner Botschaft nicht wegschieben.

Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst,
nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

Wie hat Jesus selbst diesen Satz verwirklicht?
Was bedeutet er für ihn selbst?

Fast möchte ich sagen: Jesus hat sich nie verleugnet!
Er tat und sagte, was er als Gottes Wille und Weisheit erkannt hatte.
Niemand und nichts hat ihn davon abbringen können.

Er nannte die Äußerlichkeit und Hartherzigkeit der Menschen beim Namen; er prangerte die Scheinheiligkeit an und machte sich zum Freund der Kranken, der Trauernden, der Zöllner und Sünder.

Seine Botschaft war, dass die Menschen Gottes Kinder sind,
und dass niemand das Recht hat, sich zwischen einen anderen Menschen und Gott zu stellen.

Jesus verbeugte sich vor keiner Autorität,
gab seiner Angst nicht nach und nahm keine Rücksicht darauf, ob seine Botschaft und sein Handeln gut ankam und bei wem.

Man sagte über ihn: „Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und dabei auf niemand Rücksicht nimmst; denn du siehst nicht auf die Person, sondern lehrst wirklich den Weg Gottes.“

Verleugne dich selbst heißt also: geh deinen Weg! Sprich wahr! Handle gut! Und nimm dabei nicht Rücksicht darauf, ob du Zustimmung oder Widerspruch erfährst. Mach dich nicht abhängig von deiner Sehnsucht nach Anerkennung und Lob! Vielmehr steh zu dir und zum Willen Gottes – selbst wenn es dich alles kostet!

Liebe Schwestern und Brüder, da genau sind wir Menschen betroffen: Bei allem, was wir tun geht mit uns die Frage: „Was bringt es mir?“ Oft steht die Frage eben in Spannung oder sogar im Gegensatz zu der Frage: „Was ist gut? Was ist wahr?
Was will Gott?“

Ich möchte das mit der Lesung aus dem Jakobusbrief in Verbindung bringen: Eindringlich werden wir Christen gemahnt:
Was nützt der Glaube, wenn die Werke fehlen? Der Glaube für sich allein ist tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat.“

Es liegt auf der Hand: die Sorge um andere Menschen, um Not leidende Menschen, erfordert oft, eigene Wünsche hinten an zu stellen: es kostet Zeit, Kraft, Mühe, Angst und Ärger.

Und plötzlich sind wir mitten in der großen Herausforderung: Millionen Menschen laufen vor Krieg und Not und Katastrophen davon: aus Syrien und Irak, aus Somalia und dem Balkan, aus der Ukraine, aus Lybien, Afghanistan und Pakistan usw.

Am Ende der Tage wird der Menschensohn kommen und er wird sagen:
Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen!

Fremde beherbergen ist ein Werk der Barmherzigkeit, die uns von Jesus aufgetragen ist – auch wenn es uns viel kostet!

Ich bitte sie deshalb vor allem um eine freundliche Gesinnung gegenüber den Fremden, die bei uns Zuflucht suchen.
Natürlich kann und soll Bayern, Deutschland darum bitten und dafür verhandeln, dass die Nachbarn auch mithelfen.

Eine andere Sache ist es aber, den Menschen freundlich zu begegnen. Lassen wir uns nicht Angst machen vor der Fremdheit und durch die Alarmstimmung, die die unablässige Berichterstattung hervorruft.

Sehen wir einfach die Menschen, die Zuflucht bei uns suchen und nehmen sie freundlich auf.

20. September 2015: 25. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten des Sonntags: Schott

Liebe Schwestern und Brüder,
ich finde es anrührend, wie Jesus versucht, die Jünger zu gewinnen,
Wie er sie anspricht, damit sie verstehen, worum es ihm geht und damit sie seine Weisheit und seinen Geist annehmen;
damit die Jünger nicht mehr so denken und empfinden wie Menschen sonst – sondern so wie Jesus.

Die Jünger haben Streit: Wer ist der Größte, wer ist der Beste, wen hat Jesus wohl am liebsten, wer darf Vorrechte gegenüber den Anderen beanspruchen?

So denken wir Menschen, so sind wir. Jedenfalls ist das eine Seite an uns.

Einerseits brauchen wir das auch: dieser Ehrgeiz, besser sein zu wollen, treibt uns an und bringt uns Vorwärts.
Und das Zusammenleben erfordert eine gewisse Ordnung und Hierarchie:
Es ist vieles einfacher, wenn jemand die Vollmacht hat, Entscheidungen zu treffen und auch die Ordnung durchzusetzen.

Anarchie funktioniert nicht und kann nicht funktionieren.

Jesus selbst hatte in der Gemeinschaft seiner Jünger die führende Rolle: Jesus sagt einmal zu den Jüngern: Ihr nennt mich Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so. Jesus war auch der Anführer seiner Jünger. Er entschied, dass man weitergeht, dass man sich ausruht, dass man in ein Dorf geht. Er handelte souverän, ohne einen Menschen um Erlaubnis zu bitten.

Aber: Jesus wusch seinen Jüngern die Füße; er ließ sich nicht bedienen;
er wollte keine Posten und kein Amt – weder im Tempel noch im Palast.

Jesus hat uns etwas zu sagen – aber er will nicht über uns herrschen.
Er will, dass wir ihn verstehen; er will, dass wir seinen Geist in uns haben;
dass wir selbst so denken und handeln wie er.

Ist es nicht so: wir Menschen neigen dazu, groß sein zu wollen: deshalb gibt es Sätze wie diese:
hinter dem brauche ich mich nicht zu verstecken; der ist auch nicht besser als ich; das, was die kann, kann ich schon lange.

Jesus aber lädt zu einem ganz neuen Mensch Sein ein:
Wer ein Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf.
Wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.

Schwestern und Brüder, das ist toll, das ist atemberaubend: Jesus sagt:
Sorgt für die Kleinen, für die unbedeutenden. Das soll euer Ehrgeiz sein.

Das ist mehr als ein Aufruf zur Mildtätigkeit. Es geht einen Schritt weiter:
Wir können wie Jesus sagen: Wer ein kleines und verlorenes Kind aufnimmt, der nimmt mich auf. Das heißt, dass wir Christen uns mit den kleinsten und unbedeutendsten Menschen identifizieren.

Das ist genau das, was Franziskus sagt:
eine Kirche der Armen – für die Armen.
Wir Christen werden Jesus immer ähnlicher, wenn wir die Welt mit den Augen der Menschen sehen, die keine Macht haben, die übersehen werden, deren berechtigte Bedürfnisse nicht einmal wahrgenommen werden: Ob es nun alte, gebrechliche Menschen sind, oder Menschen mit Behinderungen, oder Kinder..

Alle Christen, auch wenn sie an der Spitze stehen, auch wenn sie reich und mächtig sind, können diesen Geist Jesu umsetzen, und
und erst recht wir, die wir uns oft klein und machtlos und vielleicht sogar ausgeliefert fühlen,

können sagen: Wer einen schutzlosen Menschen aufnimmt,
der nimmt mich auf. Der tut mir etwas Gutes, dem bin ich dankbar.

Schwestern und Brüder, Jesus spricht uns ins Herz:
Strebe nicht danach, nach oben kommen,
sondern streben danach, denen ganz unten beistehen –
das ist der Geist Jesu.

19. Juli 2015: 16. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Ruht euch ein wenig aus! Das klingt gut. Richtig wohltuend.
Jemand gesteht uns zu, dass wir auch mal Ruhe brauchen und sieht, wie beansprucht und vielleicht sogar überbeansprucht wir sind.

Manchmal wünschen wir uns ja eine einsame Insel, einfach nur Ruhe haben! Oft aber laufen wir immer weiter, um ja nicht zur Ruhe zu kommen. Haben wir vielleicht Angst davor, was uns in der Ruhe bewusst werden könnte?

Wechseln wir die Perspektive in der Geschichte:
Schließen wir uns in Gedanken den vielen Menschen an, die Jesus und den Jüngern vorausliefen und sogar noch vor ihnen da waren:

Jesus hatte Mitleid mit Ihnen – so wie vorher mit seinen Jüngern – denn sie waren wir Schafe, die keinen Hirten haben!

Schafe, die keinen Hirten haben sind stark gefährdet:
Sie verlaufen sich, geraten an gefährliche Stellen, von denen sie den Weg zurück nicht mehr finden, sie sind leicht3e Beute der Raubtiere, die ihre Nahrung suchen, sie finden kein Wasser, verwahrlosen.

Was ist mit Menschen, die wie Schafe ohne Hirten sind?

Sie verlieren die Orientierung – sie wissen nicht mehr, was sie wofür tun.
Sie werden empfänglich für Botschaften die Heil versprechen, aber in Wirklichkeit die Menschen von sich selbst entfremden.
Die Hoffnung schwindet, das Vertrauen in das Leben und in die Zukunft,

Geben wir den Menschen, die zu Jesus gekommen sind, eine Stimme:

Welche Fragen haben sie wohl gestellt?
Welche Not hat sie geplagt?
Was haben sie gesucht und erhofft?

Gehen wir noch einen Schritt weiter und nehmen wir unsere eigenen Erfahrungen und Nöte und Fragen mit:
Was würden wir fragen wollen?
Was erhoffen wir zu hören? Welche Nöte plagen uns selbst?

Jesus, wie soll ich mich entscheiden?
Oder: ist es richtig, wie ich entschieden habe?
Warum komme ich mit diesem und jenem nicht zurecht?
Wie werde ich zufrieden und glücklich?
Es macht mich so traurig …; Ich kann bald nicht mehr ….
Wie soll es weitergehn?
Was kann ich tun, damit wir uns wieder verstehen?

Mit welchen Fragen und Nöten und Sehnsüchten kommen wir selbst, um Jesus zu hören?

Und welche Antwort hören wir?
Es ist die Antwort, die uns weiterbringt. Die uns stärkt, herausfordert, tröstet, die uns den Weg zeigt, wie wir zu uns selbst finden und wie wir die Kraft des Lebens in uns spüren, die Kraft, die von Gott selbst kommt.

In Wirklichkeit haben wir diese Antworten in uns.
Doch Jesus ist der, der uns hilft, dass wir sie finden, dass wir sie tun:
Seine Klarheit und sein Verständnis machen uns selbst fähig,
zu verstehen und zu tun, was der Weg zum Leben ist.

Schwestern und Brüder,
am Ende ist es nicht so wichtig, ob wir wie die Apostel von Jesus zu dem einsamen Ort eingeladen werden, oder ob wir wie die Menge Jesus dorthin folgen:

ER, Jesus unser Bruder und Herr, ist der einsame Ort: In ihm und durch ihn finden wir zum Frieden in uns und zu der Weisheit, die uns erkennen lässt, wie der Weg zum Leben weitergeht und welcher Schritt der Nächste ist.

12. Juli 2015: 15. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie: Schott

Amos klagte das Unrecht und die Ungerechtigkeit an, die er bei seiner Reise nach Israel beobachtete. Er brachte die Herrschenden gegen sich auf: den König und seinen Hofstaat und auch die Priester im Tempel.

Es schimpfte und wetterte gegen die Missstände, di da herrschten, mit groben Worten wie diesen:

5. 21 Ich hasse eure Feste, ich verabscheue sie /
und kann eure Feiern nicht riechen.

22 Wenn ihr mir Brandopfer darbringt, /
ich habe kein Gefallen an euren Gaben /
und eure fetten Heilsopfer will ich nicht sehen.

23 Weg mit dem Lärm deiner Lieder! /
Dein Harfenspiel will ich nicht hören,

6,4 Ihr liegt auf Betten aus Elfenbein / und faulenzt auf euren Polstern. Zum Essen holt ihr euch Lämmer aus der Herde /
und Mastkälber aus dem Stall.

5 Ihr grölt zum Klang der Harfe, / ihr wollt Lieder erfinden wie David.

6 Ihr trinkt den Wein aus großen Humpen, /
ihr salbt euch mit dem feinsten Öl /
und sorgt euch nicht über den Untergang Josefs.

Mich erinnert das an die Worte, mit denen Franziskus den ungebremsten Kapitalismus anprangert: Er spricht von einer Wirtschaft, die tötet!

Das klingt hart: aber was ist mit den Menschen in den Nähereien,
was ist mit den Feldarbeitern, die den giftigen Nebel einatmen, wenn Flugzeuge über ihnen giftige Pflanzenschutzmittel sprühen?
Was ist mit den Kindern, die aus engen Schächten die seltenen Rohstoffe aus der Erde holen ….

Diese Liste ließe sich noch lange fortführen: Zigtausende Menschen sterben an der Weltwirtschaft, wie sie sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat – besonders seit dem Globalisierungsschub, der seit den 80er Jahren von multinationalen Konzernen betrieben wird.

Johannes Paul II forderte schon damals dass der Mensch und die Arbeit Vorrang haben müssten vor den Interessen des Kapitals.

Wenige Konzerne reißen die Güter der Welt an sich, in dem unersättlichen Bestreben, das eigene Kapital zu vermehren:
Es gibt ein paar Menschen, die könnten die Schulden Griechenlands bezahlen, ohne deshalb arm zu werden.

Schwestern und Brüder,
Jesus sandte die Apostel aus und gab ihnen Vollmacht, die Menschen von den unreinen Geistern zu befreien: diese inneren Stimmen treiben uns dazu an, uns über andere Menschen zu stellen und uns auf deren Kosten einen Vorteil zu verschaffen.

Wenn man nicht auf sie hört, dann sollen die Apostel ihnen sogar den Straßenstaub zurücklassen, um sich nicht anstecken zu lassen von dem Egoismus und der Hartherzigkeit.

Immer wieder trifft uns der Ruf: Kehrt um! Glaubt an das Evangelium! Glaubt an das Heil, das von Gott kommt!

Halten wir uns fern von der Heuchelei, die behauptet, die Armen wären selbst schuld an ihrer Armut;
Lassen wir uns von Jesus immer wieder von den unreinen Abergeistern befreien: dass wir den anderen ebenso wichtig nehmen, wie uns selbst,
dass wir der Wahrheit den Vorzug geben vor der Lüge,
dass wir den Frieden höher schätzen, als unser Streben zu bestimmen, was gemacht wird.

Pirmin Spiegel ist der Geschäftsführer von MISEREOR: er weigert sich, einen vergoldeten Kelch zur Messe zu benutzen, weil er gesehen hat, durch welches Unrecht und durch welche Unmenschlichkeit das Gold gewonnen wurde.

Hören wir nicht auf, immer wieder den nächsten Schritt zu tun und umzukehren zum Himmelreich, das von Gott kommt.

28. Juni 2015: 13. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Lieben Schwestern und Brüder,
Was sind die dichtesten Szenen in diesen beiden miteinander verwobenen Wundererzählungen des Markusevangeliums?

Worauf kommt es dem Evangelisten an, wenn er solche Geschichten erzählt?

Die Vorgänge die erzählt werden, sind spektakulär:

Kaum verlässt Jesus das Boot schart sich eine Menschenmenge um ihn – die Menschen drängten sich um ihn.
Eine Frau, die aussichtslos unter Blutungen leidet, findet Heilung!
Ein Mädchen, um das schon die Totenklage gesungen wird, erwacht zum Leben.

Am Ende sagt Jesus: Niemand dürfe etwas davon erfahren!
Das kann ja gar nicht sein – das so etwas nicht erzählt und verbreitet wird!

Im Markusevangelium begegnet uns immer wieder dieses seltsame Schweigegebot, das natürlich unbeachtet bleibt, so dass sich der Ruf Jesu wie ein Lauffeuer verbreitet.
Genau das möchte der Evangelist vermitteln: Die Botschaft von Jesus kann nicht verborgen bleiben!

Was sind nun die entscheidenden Worte in diesen beiden Geschichten?

Die Frau sagte Jesus die ganze Wahrheit. Er aber sagte zu ihr: „Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!“

Zu dem Synagogenvorsteher sagte Jesus: „Sei ohne Furcht; glaube nur!“ Und zu dem Mädchen sagte er: „Steh auf!“

Liebe Schwestern und Brüder,
das Markusevangelium verkündet Jesus nicht als Wunderheiler mit besonders herausragenden Kräften –
Die Botschaft des Markus ist: Glaubt an Jesus, dem Sohn Gottes

Dein Glaube hat Dir geholfen, glaube nur – darauf kommt es an!
Und darauf, was der Glaube bewirkt: „Geh in Frieden!“ sagt Jesus zu der Frau und das Mädchen steht lebendig auf und geht umher.

Frieden und Leben – schenkt Jesus dem, der ihm glaubt und der an ihn glaubt!

Glaubt an Jesus! – Was heißt „an Jesus glauben“?

An Jesus glauben heißt, der Frohbotschaft glauben, die er verkündet:

„Das Reich Gottes ist euch nahe!“ Gott ist euch nahe!
Ihr seid nicht verloren, ihr gehört nicht dem Tod, dem Feuer, der Grube,
Fürchtet euch nicht vor dem Tod!

Denn ihr gehört zu Gott, dem lebendigen.
In ihm findet ihr den Frieden und das Leben!

Euer Leben hat in Gott seinen Ursprung und auch sein Ziel!
Glaubt und habt Vertrauen in den Ursprung des Lebens.

14. Juni 2015: 11. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder, Manchmal müssen wir schwierige Phase durchmachen:
Ein Sportverein kann finanziell oder sportlich in Schwierigkeiten geraten, so dass die Zukunft unsicher wird;
Ein Auftragsrückgang oder Personalprobleme können eine Firma ins Schlingern geraten lassen;
Heranwachsende Kinder machen fast immer schwierige Phasen durch und die Eltern bangen, was wohl aus dem Kind werden wird;
Ehe und Partnerschaft können durch finanzielle Belastungen, durch enttäuschte Erwartungen, durch persönliche Veränderungen schwierig werden, so dass die Partner nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll.

Da ist es ein schwieriger Balanceakt, ob man Zuversicht verbreiten soll und sagen:
Das wird wieder, wir schaffen das, ich bin mir sicher, dass ihr die Krise übersteht!

Soll man als Mut machen oder soll man warnen und auf die Fehler hinweisen, auf die Schwachpunkte, damit
die Kriselnden daran arbeiten und das verbessern, was die Krise herbeigeführt hat?

Das Markusevangelium stellt Gleichnisse vom Reich Gottes zusammen.
Diese Gleichnisse sind ausgesprochene Mut mach Gleichnisse:

Der Same wächst von selbst. Was so klein und unscheinbar ist, wird ein großes Gewächs und bietet Lebensraum für die Vögel des Himmels.

Liebe Schwestern und Brüder, Jesus vertraut der Botschaft, die er im Namen Gottes verkündet: der Botschaft vom Reich Gottes, das zu den Menschen gekommen ist.

Jesus vertraut der Kraft des Wortes, dass Gott niemanden ausschließt;
dass Gott den Menschen liebt, mehr noch als ein Vater und eine Mutter ihr Kind lieben;
Jesus vertraut darauf, dass diese Botschaft das Harz der Menschen erreicht und in denen, die es hören wirkt: aus sich selbst heraus, so wie der Same aus sich selbst heraus wächst und Frucht bringt.

Liebe Schwestern und Brüder, dieser Botschaft dürfen auch wir trauen:
Gott liebt jeden Menschen und ist ihm Zukunft und Heil.
Wer diese Botschaft annimmt, wird geheilt von dem Unfrieden in sich selbst;

Der Glaube an Gottes Liebe weckt den Willen, selbst den Nächsten zu lieben und das Gute zu tun.

Liebe Schwestern und Brüder,
die Menschen auf der Sonnenseite des Lebens haben es vielleicht schwerer, dass sie diese Heils Botschaft annehmen – weil sie alles haben, was man in dieser Welt haben kann.

Die Menschen am Rand aber, die wenig Liebe erfahren, die ausgegrenzt werden und die nicht teilhaben an den Reichtümern der Erde,
für diese Menschen ist diese Botschaft wie ein Licht vom Himmel – besonders, wenn sie damit verbunden ist, dass sich jemand für diese Menschen engagiert und ihnen beisteht.

Das Wort Gottes, die Botschaft von Gottes Reich, von Gottes Treue und Liebe zu jedem einzelnen Menschen – diese Botschaft wird ihre Kraft entfalten und wirksam sein, in jedem, der sie annimmt.

Hören wir nicht auf, diese Botschaft in unserer Welt zu verkünden:
Sie wird Frucht bringen. Vertrauen wir der Kraft des Wortes Gottes.

Donnerstag, 3. Juni 2015: Fronleichnam

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder,
viele Hochzeitspaare haben eine Hochzeitskerze, die bei der Trauung gesegnet und entzündet wird. Wozu ist diese Kerze da?

Ein sinnreicher Text empfiehlt dem Hochzeitspaar:
Wenn ihr einmal Streit habt und wenn es euch schwer fällt, den ersten Schritt zu tun und das Gespräch zu beginnen – dann setzt euch an den Tisch und zündet die Hochzeitskerze an. Schaut miteinander in das Kerzenlicht, solange, bis ihr Worte findet. Denn diese Kerze erinnert euch an das, was ihr füreinander bedeutet – an das, was ihr euch versprochen hat, an den Bund der Liebe, den ihr geschlossen habt.

Ich hoffe, dass dieser Ritus schon manchem Paar geholfen hat –
jedenfalls verkörpert die Kerze das, was das Paar verbindet und eint.
Sie erinnert nicht nur daran, sondern sie soll es lebendig und wirksam werden lassen; die Kraft des Versprechens und die Freude der Liebe kann durch diese Kerze genährt und bestätigt werden – sowie durch ein bestimmtes Lied oder durch alte Bilder und gemeinsam geweckte Erinnerungen.

Etwas ähnliches – nicht das gleiche – bedeutet es, wenn wir Christen das Brot brechen und teilen und uns dabei an Jesus Christus erinnern:
an sein Leben, an seine Botschaft und an seine Liebestat, als er den Tod auf sich nahm, um seiner Liebe zum Vater und zu den Menschen treu zu bleiben.

Wenn wir das Brot brechen und teilen –
dann kann Jesus in uns aufs Neue unser Herz berühren;
dann kann der Glaube an Gottes Liebe gestärkt und genährt werden;
dann kann unsere Entscheidung aus Liebe zu leben und zu handeln neue Kraft erfahren:

Wir brauchen diese Kraftquelle, denn es ist nicht leicht, den Idealen treu zu bleiben. Enttäuschungen, Erschöpfung, Bequemlichkeit, Neid, Zorn und Wut nagen an uns. Sie können uns dazu verleiten, dass wir keine Lust mehr haben, nachzugeben oder die Mühe einer Auseinandersetzung auf uns zu nehmen.

Deshalb brechen wir immer wieder das Brot und erinnern uns an Jesus Christus und seine Liebe – die stärker war als die Angst vor dem Tod und die Enttäuschung über die Jünger, die ihn verließen.

Liebe Schwestern und Brüder,
wir feiern hier in der Kirche Jesu Liebestat und Jesu Sieg über den Tod –
aber die Konsequenzen ziehen wir dort wo wir arbeiten, wo wir leben, wo wir weinen und leiden, wo wir Feste feiern und leben.

Da ist er bei uns mit seiner Liebeskraft, er dem wir begegnen, wenn wir das Brot miteinander teilen.

Wenn wir heute mit dem Brot, das wir teilen durch einige Straßen ziehen, dann denken wir daran: Jesus gibt uns seine Kraft, dass wir seine Werke vollbringen – in unseren Häusern und Wohnungen, an unseren Arbeitsstellen, da wo wir einander begegnen.

24. Mai 2015: Pfingsten

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder!
unsere Firmlinge können sie zurzeit fast auswendig aufzählen: Die 7 Gaben des Heiligen Geistes:
Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht.

Die Gaben des Geistes werden in der Taufe und Firmung dem Christen zugesagt und er empfängt sie – mit dem Heiligen Geist – in diesen beiden Sakramenten.

Was passiert eigentlich, wenn wir den Heiligen Geist empfangen?
Wie empfangen wir den Heiligen Geist! Woran merkt man das?

Jeder, der gefirmt ist, weiß, dass er nach der Firmung kein anderer war als vorher: man wird durch den Heiligen Geist nicht verzaubert, das ist keine Gehirnwäsche und man verliert dabei nicht seine Persönlichkeit.

Wie empfängt man den Heiligen Geist?

Es geschieht tief im Inneren, in der Seele, in der Mitte unserer Persönlichkeit: es geschieht, indem wir berührt werden vom Geist Jesu Christi: von der vollendeten Menschlichkeit, die er hatte;
von der Lauterkeit, die in ihm war: er hatte ein reines Herz, ohne Hintergedanken und böse Absichten und Wünsche.

Wenn sein Geist uns zutiefst berührt,
wenn wir uns anstecken lassen, wenn wir ihm ähnlich werden wollen,
beginnt das, was wir beschreiben wenn wir sagen: wir empfangen den Heiligen Geist.

Wenn wir anfangen, dass wir in der Schöpfung die Liebe und die Größe des Schöpfers entdecken;
wenn wir lernen, uns ihm anzuvertrauen,
wenn wir merken, dass seine Liebe uns erfüllen kann und die Liebe zu ihm uns erfüllt – dann fängt der Heilige Geist an, in uns zu wohnen.

Wenn wir aufhören, andere zu beurteilen und zu verurteilen,
wenn wir den Eifer entwickeln, dass wir helfen, wo Hilfe nötig ist,
dann entfaltet der Heilige Geist in uns seine Kraft.

Wir empfangen den Heiligen Geist, diese kostbare Gabe, je mehr wir uns Jesus dem Herrn zuwenden, je mehr wir uns ihm öffnen, je mehr wir uns ihm überlassen, damit er uns formt und unser Handeln prägt.

Der Heilige Geist ist die kostbarste Gabe, die wir im Glauben empfangen:
denn durch ihn lebt Gott in uns, durch ihn ist Christi Liebe in uns wirksam und schenkt sich der Welt.

Der Heilige Geist macht uns weise:
wir lassen uns nicht leiten von schnellen Empfindungen: von Wut und Zorn –  vielmehr leitet uns die Sehnsucht nach Frieden, nach Gerechtigkeit und Versöhnung bei dem, was wir tun.

Wir lassen uns nicht blenden von Vorurteilen
und von dem, was scheinbar so erstrebenswert ist,
wir lassen uns nicht in den Bann ziehen von Dingen und Versprechungen und Süchten, die uns nur unfrei machen würden:

Wir haben die Weisheit empfangen und gelernt,
den Dingen auf den Grund zu gehen,
das Wesentliche zu erkennen und uns nicht täuschen zu lassen.

Der Geist der Weisheit macht uns fähig uns zu spüren, zu erkennen und zu verstehen, was das Leben stärkt, was den Menschen heil werden lässt,
was dazu hilft, die Schöpfung zu bewahren, damit auch die kommenden Generationen in ihre Leben können.

Der Heilige Geist und seine Gabe der Weisheit sind uns nie endgültig geschenkt – vielmehr empfangen wir sie immer neu,
je mehr wir uns Jesus zuwenden und er uns berührt,
so dass wir ihm ähnlich werden in dem die Weisheit Gottes war.

14. Mai 2015: Christi Himmelfahrt

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

 

Liebe Schwestern und Brüder,
Als vor 10 Jahren Roger Schutz, der Gründer von Taizé getötet wurde, fragte sich vielleicht mancher: Wie wird es jetzt mit der Gemeinschaft weitergehen?

Der Tod des Gründers ist für eine Gemeinschaft ein großer Einschnitt.
Vor allem, wenn es ein charismatischer Anführer ist,
einer mit besonderer Ausstrahlung und Glaubwürdigkeit.

Was sollte aus der kleinen Schar der Jünger Jesu werden, da ihr Meister und Herr nicht mehr bei ihnen war?

Wir wissen, was geworden ist:
in unglaublicher Geschwindigkeit nahm die Zahl der Glaubenden zu;
erst Recht nach der Erhebung zur Staatsreligion durch Kaiser Konstantin.
Es gab Spaltungen, es gab Verweltlichung und Erneuerung,
die Kirche ist immer wieder unselig mit den Mächtigen verquickt,
Es gab immer wieder leuchtende Glaubensgestalten wie Franziskus, Johannes Bosco und Mutter Teresa,
Christen leisten immer schon Großartiges für die Entwicklung der Menschen: Sie kümmern sich um die Menschen am Rand, um die Ausgegrenzten, um Bildung und Gesundheit der Menschen – das sind und bleiben die großen Aktivitäten der christlichen Kirchen.

In uns Christen ist tatsächlich der Geist Christi bis heute wirksam und wir dürfen und können das Werk Jesu fortsetzen:
Auch wenn wir zugleich auch immer wieder gegen diesen Geist verstoßen und so Christus und das Heil verdunkeln, das er in die Welt gebracht hat.

Christi Himmelfahrt – die Erhöhung des Herrn zur Herrlichkeit des Himmels – wurde also zusammen mit der Geistsendung zum Ausgangspunkt einer Bewegung, die die Weltgeschichte entscheidend mitprägte und mitprägt bis auf den heutigen Tag.

Durch seine Heimkehr zum Vater hat Jesus sein Werk in unsere Hände gelegt:
Gottes barmherzige Treue zum Menschen zu verkünden,
die Hoffnung auf das Leben in Gottes Herrlichkeit zu wecken,
und aus die Liebe zum himmlischen Vater und zum Nächsten zu handeln.

Jesus hat uns das Reich Gottes in dieser Welt anvertraut, dass es wächst und immer mehr Menschen im Glauben an Jesus Frieden finden!

Das ist die Botschaft von Christi Himmelfahrt.