13. Februar 2011: 6. Sonntag im Jahreskreis

Auffallend oft spricht das Matthäusevangelium vom Gericht.
Das Himmelreich ist die Zukunft des Menschen. Und es geht darum, dieses Himmelreich zu erreichen.

Wer die Gebote hält und halten lehrt, sagt Jesus, der wird groß sein im Himmelreich. Gott gibt dem Menschen die Aufgabe, gerecht zu sein – das heißt: sich so zu Verhalten, wie es vor Gott recht ist. Wie Gottes Maßstäbe aussehen, das erklärt das Matthäusevangelium in der Bergpredigt Jesu.

Die Frage ist also: wie stehe ich vor Gott da, wenn er heute zu mir kommt, um mit mir mein Tun und Lassen zu beurteilen?
Woran soll ich mich halten, um so zu leben, wie es recht ist?
Ich erlaube mir einen Versuch:
Ich gehe nicht aus vom Gesetz der Juden zur Zeit Jesu. Das war damals der Maßstab der Gerechtigkeit. Ich gehe aus von unseren Vorstellungen was gerecht ist und konfrontiere sie mit der Stimme des Evangeliums:

Im Grundgesetz steht:
die Würde des Menschen ist unantastbar!
Aber: Die Würde eines Menschen wird schon verletzt, wenn ich schlechtes über ihn sage und den Kontakt mit ihm meide!

Darum: Wenn du als gerecht gelten willst, zögere nicht, dich mit deinem Gegner zu versöhnen – sonst ist er der Beweis, dass du ungerecht bist. Und du wirst es sein, bis du ihm gegeben hast, was ihm gebührt.

Im Gesetz steht:
Niemand darf zur gleichen Zeit zweimal verheiratet sein.
Aber: wer darauf aus ist, jemand anderen als seinem Ehepartner nahe zu kommen, der hat schon sein Treueversprechen gebrochen.
Jeder sich nicht mehr um seine Ehe bemüht, und aufhört, in der Ehe Liebe zu zeigen, begeht Ehebruch.

Im Gesetz steht:  Du darfst keinen Meineid schwören!
Aber: wer eine der vielen kleinen Ausreden und Notlügen genannten Unwahrheiten sagt, hat sich bereits von der Wahrheit getrennt.
Und wer auch noch so kleine Vereinbarungen nicht einhält, hat einen anderen Menschen enttäuscht.

Schwestern und Brüder!
Wir würden es uns zu einfach machen, wenn wir uns damit begnügen, nicht zu stehlen, keinen umzubringen oder zu schlagen und nicht fremd zu gehen. Wir können unbescholtene Bürger sein ‑ dennoch kann es sein, dass wir vor Gott nicht gerecht sind oder waren.

Zwei Lehren ziehe ich aus der Bergpredigt des Matthäusevangeliums:

Erstens
bleibe ich hinter dem zurück, was gerecht bedeutet: ich tue nicht das, was gerecht gegenüber dem anderen wäre.

Zweitens aber:
Genau dadurch erkenne ich aber: Das Himmelreich kann ich nicht aus eigener Kraft erreichen. Ich nicht und niemand.

Und doch glaube ich an die Gerechtigkeit, des Himmelreiches,
ich glaube, dass die Werte Nachsicht und Geduld, Versöhnung und Treue, dass die Werte, die Jesus gelebt und verkündet hat,
die Werte des Himmelreiches sind und dass es sich lohnt, sie zur Richtschnur des Lebens zu machen – auch wenn ich immer wieder dagegen verstoßen werde.

Erstens: Weil durch Nachsicht und Geduld, Versöhnung und Treue Frieden und Geborgenheit entsteht. Weil das Leben schöner und lebenswerter wird.

Zweitens: Weil Gott Nachsichtig und geduldig ist, bereit zur Versöhnung und treu zu seiner Schöpfung.
Die Treue Gottes ist es, durch die er uns  Zukunft schenkt.

Ich möchte mich nicht damit zufrieden, die Gesetze meiner Gesellschaft und meines Staates zu achten:
Die Gerechtigkeit des Himmelreiches, sein Friede und seine Geborgenheit will ich in dieser Welt suchen.

02. Februar 2011: Darstellung des Herrn

Ich trage ein Licht in meiner Hand.
Ich kann es beobachten, wie es sich bewegt, wie die Flamme ihre Form verändert, wie sie doch beständig leuchtet – genährt durch das Wachs, das der Docht aufsaugt.

Wenn ich es beobachte mich darin vertiefe und vielleicht sogar mich eine Zeit lang darin verliere – dann ist etwas mit mir geschehen: Das Licht, seine Lebendigkeit erfüllt mich selbst.
Ruhe kehrt ein.

Hat das etwas mit Freude zu tun?

Für mich schon: es ist keine laute Freude, kein Jubel über ein Ereignis, ein Geschenk, etc.
Es ist ein stille Freude, aber eine Freude tief in der Seele.
Eine Freude, die genährt ist aus einer tiefen Quelle, die nicht versiegt. Eine anhaltende Freude, die Kraft hat, die sich immer wieder durchsetzt – auch wenn manchmal dunkle Wolken der Bedrücktheit, der Angst, der Zweifel das Bewusstsein verdunkeln.

Schwestern und Brüder, das Licht der Kerze führt mich nach innen – und dort finde ich das Licht in mir, das Licht Gottes, das in jedem Menschen leuchtet und lebt.

Jeder lebendige Mensch trägt dieses göttliche Lebenslicht in sich.
Simeon erblickt dieses göttliche Licht in dem kleinen Jungen, den seine Eltern zum Tempel bringen, um ihn Gott zu weihen.

Als er dieses Kind sieht, begreift er: Meine Augen haben das Heil gesehen.

Schwestern und Brüder!
Meine Augen haben das Heil gesehen! Wir dürfen versuchen, diesen Satz selbst zu sprechen, mit der Freude des Simeon!

Meine Augen haben das Heil gesehen – Das Heil, das von Gott kommt, das Licht das in jeder Menschenseele leuchtet.

Vieles kann uns traurig machen und plagen: Doch immer wieder setzt sich die Freude durch: meine Augen haben das Heil gesehen.

06. Februar 2011: 5. Sonntag im Jahreskreis

Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!
Wer ist mit „Ihr“ angesprochen?

Der Satz unmittelbar zuvor lautet: “ Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.“

Selig sind die Jünger Jesu, weil sie den Neuen Bund verkünden und halten; den Bund, den Gott durch Jesus mit allen schließt, die Jesus und seiner Botschaft glauben!

Wenn die Jünger Jesu den Bund halten, dann sind sie Salz der Erde und Licht der Welt: wenn sie auf seelische und körperliche und auf Waffengewalt verzichten;
wenn sie barmherzig sind mit den Schuldigen,
wenn sie sich einsetzen für die Gerechtigkeit des Himmels;
… ‑ dann sind sie Salz der Erde und Licht der Welt!

Schwestern und Brüder, wie sieht das bei uns aus?
Sind wir Salz der Erde und Licht der Welt?
Werden wir um Jesu willen verfolgt oder verleumdet?
Weisen wir durch unsere Werke auf unseren Vater im Himmel hin?

Diese Sätze im Mt. Evangelium sind als Mahnung für die Jünger Jesu geschrieben: sie sollen nicht aufhören, salzig zu sein und sie sollen das Licht nicht ausgehen lassen oder verstecken.

Die Jünger sind gerufen, durch ihr Leben auf den hinzuweisen, an den sie glauben: den Vater im Himmel.

In der gerade begonnenen Bergpredigt wird das Evangelium Beispiele nennen, was es heißt, Licht in der Welt zu sein.

Ich erlaube mir heute einige Beispiele zu nennen:
Christen werden für Geld nicht alles tun;
Christen werden nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellen;
Christen werden niemanden endgültig abschreiben;
Christen werden nicht auf Vergeltung sinnen.
Christen hoffen auf das kommende Leben und werden deshalb das Liebesgebot zur Mitte des Lebens machen.

Wenn Frauen nicht mehr weiter wissen

Der Arbeitskreis MISSION – ENTWICKLUNG – FRIEDEN

unterstützt seit Herbst 2010 das Projekt

Mutter – Kind – Haus

in Oradea/Rumänien

Das Projekt wurde vom Frauenmissionswerkes der Diözese Regensburg gegründet.

Frau Anna Zahalka besucht, berät und begleitet das Projekt
und informiert an diesem Abend die Besucher.

Wo: Im Josefssaal, Kreuzgasse 24

Wann: 17.02.11 um 19.30 Uhr

30. Januar 2011: 4. Sonntag im Jahreskreis

Auf Wahlversprechen fallen wir Wähler kaum noch herein.
Wir wissen ja, dass vor Wahlen allen alles versprochen wird und dass nach den Wahlen viele dieser Versprechen nicht gehalten werden (können).

Jesus verspricht auch so einiges: Himmelreich, Trost, Land, Sättigung, Erbarmen, Gottesschau und Gotteskindschaft. Das sind Versprechen, die das Jenseits betreffen, das was kommen wird.

Die das erlangen, werden selig gepriesen und zwar: die Armen, die Trauernden, die Gewaltlosen, die Hungernden und Dürstenden, die Barmherzigen, die reinen Herzens sind, die Frieden stiften und die Verfolgten.

Welche Botschaft haben diese Seligpreisungen Jesu?

Manche hören es so:
Ihr müsst arm sein vor Gott, ihr müsst Frieden stiften, ihr müsst barmherzig sein, …
dann werdet ihr selig werden, dann wird Gott euch das Versprochene im Jenseits geben!

Ich kann mich dem nicht anschließen: Ich glaube nicht, dass Jesus diese Seligpreisungen als Verhaltensregeln gelehrt hat, die ich unbedingt einhalten muss, damit ich selig werden kann.

Jesus hat eben oft genug erklärt, dass man sich den Himmel nicht verdienen kann; dass Gott dem Sünder vergibt; dass es nicht um die Einhaltung von Geboten geht, wenn man Gott finden will.

Welche Botschaft haben die Seligpreisungen dann?

Manche hören es so, als ob Jesus gesagt hätte:
Ihr Armen, ihr Hungrigen, ihr Gewaltopfer, ihr Wehrlosen nehmt euer Schicksal geduldig an. Wenn es euch auch in der Welt schlecht geht – dafür wird Gott euch im Jenseits entschädigen.

Ich kann mich dem ebenfalls nicht anschließen: denn Jesus hat Kranke geheilt und Hungernden zu Essen gegeben. Jesus hat gelehrt, dass auch am Sabbat geheilt werden darf.

Jesus hat nicht dazu ermuntert, Elend, Not und Unrecht einfach zu ertragen in der Aussicht auf die Entschädigung im Jenseits.

Welche Botschaft haben diese Seligpreisungen Jesu?

Tatsächlich wird immer eine Zustandbeschreibung verbunden mit einem Versprechen, dass das Jenseits betrifft. Aber es kommt sehr darauf an, richtig zu verstehen, was diese Seligpreisungen im Einzelnen bedeuten:

Die Armen, sind die, die alles von Gott erwarten, die ihre Kräfte einsetzen für Gottes Reich, und zugleich daran denken, dass Gott die Fülle ist und schenkt.

Die Trauernden, sind jene, die sich nicht zufrieden geben mit dem traurigen Zustand der Welt.
Die keine Gewalt anwenden, die nach Gerechtigkeit hungern, die Barmherzigen: damit werden Menschen beschrieben, die den Bund achten, den Gott mit den Menschen geschlossen hat.

Die Seligpreisungen beschreiben Menschen, die so handeln, wie es im kommenden Himmelreich sein wird. Sie werden selig gepriesen, weil das Himmelreich für sie schon Gegenwart ist. Ihnen gehört das Himmelreich, weil es schon jetzt ihr Leben ist.

Der Unterschied ist vielleicht nicht leicht zu erkennen:

Aber die Botschaft ist nicht: Du musst jetzt etwas tun, damit du dann.

Sondern: So wird es sein, so könnt ihr es auch jetzt machen, dann ist jetzt schon das Himmelreich unter euch.
Nicht die Besitzenden, Mächtigen, Eroberer sind selig – ihr Gut verweht im Wind –
Selig sind die Menschen, die solidarisch ins mit anderen, die das Leben des anderen achten. Denn sie leben als Gottes Kinder. Dies wird bleiben und niemand kann es ihnen nehmen.

Jesus erlässt keine neuen Gebote und Verbote. Jesus kündigt nicht Lohn und Strafe an: Jesus sagt:  Das Himmelreich ist euer, Gott ist jetzt bei euch, seinen Friede könnt ihr und dürft ihr jetzt empfangen.

23. Jaunuar 2011: 3. Sonntag im Jahreskreis

Fast jeden Tag erhalte ich Werbeprospekte mit Angeboten zu Sonderpreisen, Lebensmittel, Kleidung, Elektronik  ‑ schlichtweg: alles, was man im täglichen Leben brauchen könnte.

Und noch mehr: Politiker, Gewerkschaften, Wohlfahrts­verbände – alle möglichen melden sich zu Wort und wollen mich für ihren Standpunkt gewinnen; mir wenigstens erklären, dass ihre Meinung die richtige und die der Konkurrenz die schlechtere ist.

Manche schmeicheln und sagen: wir tun mehr für dich als andere. Deine Interessen sind bei uns am besten aufgehoben. Andere wollen mich bewegen, mein Denken, mein Verhalten zu ändern.

Mit den Worten des Matthäusevangeliums gesprochen: Sie alle treten an mich heran mit dem Ruf: „Komm her, folge mir nach!“

Der Ruf Jesu hat eine ganz andere Qualität, als all diese Stimmen, die um meine Zustimmung, meinen Kauf, meinen Beitritt werben. Das merkt man sofort. Was ist der Unterschied?

Warum sollte ich Jesus folgen und was erwartet mich dann?
Was bringt es mir und was kostet es mich?

Dürfen wir so fragen? Das Matthäusevangelium sagt von Simon und Andreas: „Sofort ließen Sie ihre Netze liegen und folgten ihm!“

Spekulieren wir nicht, ob sie Jesus schon kannten, ob Jesus sie schon öfter als Zuhörer gesehen hatte, ob sie Suchende waren, was Jesus in seiner Menschenkenntnis gemerkt hat.

Dem Evangelium geht es darum: In Jesus ruft Gott selbst die Jünger! Da gibt es kein Zögern. Alles andere bleibt dahinter zurück!

Wir sind in einer ganz anderen Situation: Wir sind Christen, katholisch, von Grund auf. Unser ganzes Leben ist davon geprägt und gelenkt. Wir leben in und mit dem Glauben – da brauchen wir nichts zurücklassen?

Es kann sein, dass wir einen christlichen Lebensweg gehen – schon lange, sehr lange vielleicht. Es kann sein, dass wir deshalb nicht alles zurücklassen brauchen, um Jesus zu folgen. Aber: Auch für uns gilt:

Wenn unser Gewissen sich meldet und wir erkennen: das ist die richtige Entscheidung, das andere ist die falsche Entscheidung; das widerspricht dem Glauben an Jesus, so muss t du handeln, dann gibt es auch für uns kein Überlegen.

Das Evangelium macht mir klar: Jesus will nicht etwas von mir, er will keinen Handel mit mir, er will mich und zwar ganz.

Das gilt meiner Meinung nach nicht nur für Ordensleute oder für Priester: Er will mich ganz: das gilt für jeden, der bekennt: Ich glaube an Jesus Christus.
Es gibt keine einzige Handlung, keinen einzigen Gedanken und keine Gewohnheit, die wir aus der Nachfolge Jesu ausklammern könnten. Was immer wir auch tun: Es geschehe in der Nachfolge Jesu!

Was kostet es mich, wenn ich dem Ruf Jesu folge, wenn ich an ihn glaube? Es kostet mich ein lebenslanges und umfassendes Engagement. Ich selbst stehe auf dem Spiel.

Was bringt es mir aber, wenn ich Jesus folge? Was bietet Jesus, was bietet Gott mir dafür an?

Das Matthäusevangelium spricht vom Anfang bis zum Schluss davon: es spricht vom Himmel Reich, von der Herrschaft, vom Reich Gottes. Jesus lädt mich ein, Gemeinschaft mit Gott zu haben, mit dem Schöpfer, mit dem Heiligen, mit dem Lebendigen: Sein Leben, sein Geist, seine Freude, seine Fülle.

Es gibt unzählige Ideen, Hoffnungen, die ich mit dem Reich Gottes in Verbindung bringe. Es ist der Inbegriff des Lebens und des Selbstseins.

Jesus verspricht mir nicht etwas, er schlägt mir keinen Handel vor, keinen Tausch: Was Jesus mir anbietet, ist er selbst, ist Gott, ist das Leben, ist alles.

Schon lange sind wir auf dem Weg mit Jesus und in seiner Nachfolge. Manchmal mit großem Elan, manchmal müde und manchmal zweifelnd, manchmal voller Erfüllung und Freude.

Heute aber macht uns das Evangelium bewusst: Es ist der Weg mit und zu Gott, der Quelle des Lebens: Gott lässt sich finden – in meinem Leben und er will mich, ganz. Das Himmelreich Gott ist mir nahe!

Das christliche Menschenbild – Bernhard Suttner referiert

Das christliche Menschenbild
steht oft im harten Widerspruch zum Zeitgeist;
immer ist es als  Maßstab zur Beurteilung aktueller Entwicklungen in Gesellschaft, Pädagogik, Wirtschaft und Politik nützlich.

Referent: Diplompädagoge Bernhard Suttner

Zeit: Dienstag, 1. Februar 2011 um 19.30 Uhr

Ort: Josefssaal, Kreuzgasse 24

 

 

 

Veranstalter: Pfarrgemeinderat Herz Jesu
Sachausschuss Erwachsenenbildung

16. Januar 2011: 2. Sonntag im Jahreskreis

In jeder Messfeier zitieren wir beim Brechen des Brotes Johannes und beten: Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt.

Das Johannesevangelium und die Offenbarung des Johannes sprechen von Jesus als dem Lamm Gottes. Hier, mit dem Mund Johannes des Täufers. Später, als Jesus gekreuzigt wird, geschieht dies nach dem Johannesev. zu der Stunde, als die Lämmer für das Paschamahl geschlachtet werden. Die Offenbarung des Johannes verwendet das geschlachtete Lamm als Symbol für Jesus, der gekreuzigt wurde.

Warum das Lamm? Das Evangelium spielt damit auf das Pascha­lamm an, das die Juden schlachteten, um an den Aufbruch aus Ägypten zu erinnern. Am Vorabend schlachteten die Israeliten ein einjähriges, fehlerfreies Lamm. Das Blut des Lammes, an den Türpfosten wurde zum Zeichen dafür, dass sie zum Volk Gottes gehören, das seinen Weg in die Freiheit beginnt.

Das Johannesevangelium bringt Jesus mit dem Lamm in Verbin­dung, weil es eine Antwort sucht: eine Antwort auf die Frage, was der Kreuzestod Jesu zu bedeuten hat. Warum musste der Sohn Gottes, der erfüllt war von Gottes Geist, warum musste er den Tod am Kreuz erleiden?

Zunächst, weil er den Zorn der führenden Israeliten auf sich zog. Weil er ihnen Angst machte, Weil sie meinten, dass er ihre Autorität untergräbt und damit die Ordnung und die Religion für die sie stehen.

Jesus starb diesen Tod, weil er die Vergebung der Sünden verkündete und den Sündern im Namen Gottes die Sünden vergab.
Er starb, weil er verkündete, dass das Reich Gottes unter den Menschen ist, also nicht von den Priestern und Schriftgelehrten verwaltet wird.

Sein Tod hat also eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Tod des Paschalammes, dam Symbol des Aufbruchs aus der Sklaverei in die Freiheit.

Jesus steht für die Freiheit – für die Freiheit der Kinder Gottes, die nicht der Vermittlung durch die Priester bedurfte.

Er steht für die Freiheit von der Sünde: denn Jesus erklärte die Sünder zu Kindern Gottes, die er mit Gott versöhnt.

Sein Blut wurde vergossen und damit wurde er, Jesus, zum Zeichen des Neuen Bundes. Eines Bundes zwischen Gott und Mensch, der unauflösbar ist, zu dem Gott bedingungslos steht.
Die Menschen könnten Lämmer ohne Zahl töten – dadurch werden die Sünden der Menschen nicht weniger.

Jesus ab er befreit die Menschen von der Last der Sünde, weil er verkündet: Gott liebt den Menschen – ohne Einschränkung und ohne Bedingung. Gott liebt den Menschen, weil sein Geist in ihm ist, seine Lebenskraft, seine Kraft zu lieben.

Nicht das Opfer eines Lammes befreit die Menschen, sondern Jesus Christus. Deshalb ist Jesus das Lamm Gottes: er, den die Menschen ihrer Ordnung, ihrer Macht, ihrer Angst geopfert haben.

Schwestern und Brüder,
Jesus soll nicht umsonst, nicht vergeblich sein Blut vergossen haben: glauben wir ihm und seiner Botschaft. Glauben wir ihm so, als ob Gott selbst gesprochen hätte.

Wenn wir ihm glauben, dann ist sein Geist in uns.
Es ist der Geist Gottes. Es ist die Liebe zum Leben, zum Friede, zur Versöhnung.

Es ist der Geist der uns frei macht, frei von allem, was unsere Liebe einschränkt und hindert – ob von außen oder von innen.

Jesus tauft uns mit dem Heiligen Geist – oder mit einem anderen Satz aus dem Johannesevangelium gesprochen: Allen, die an ihn glauben, gibt er die Macht Kinder Gottes zu sein. Amen.

09. Januar 2011: Taufe Jesu

Herr Heiko Müller empfängt heute das Sakrament der Taufe zusammen mit der Firmung und der Eucharistie.

Für mich ist es ein Anlass, mir selbst wieder einmal Rechenschaft zu geben: Was bedeutet es mir selbst getauft zu sein?

Gerade, weil ich mich – anders als Herr Heiko Müller ‑ ja nicht für die Taufe gemeldet habe, sondern als Kind bald nach der Geburt getauft wurde, muss ich mir diese Frage immer wieder stellen.

„Ich bin getauft“ heißt für mich „ich gehöre dazu!“

Ich gehöre dazu: augenscheinlich zur Kirche, zu den vielen Menschen in der Kirche, zu meinen Eltern, Geschwistern, Verwandten, Freunden! Ich stehe nicht draußen, sondern gehöre dazu.

Die Kirche ist Gemeinschaft im Glauben an Jesus Christus, sie ist Volk Gottes. Sie ist der Raum, in der ich Jesus kennen und lieben lernte; sie ist die Gemeinschaft, in der ich Gott danken darf für mein Leben und für die Befreiung in Christus.

Die Kirche ist so etwas wie meine Familie, die mir Geborgenheit schenkt, auch wenn ich mich oft über sie ärgern muss.

„Ich bin getauft“ heißt für mich „ich gehöre dazu!“

Ich gehöre zu Jesus Christus! Christus ist der Mittelpunkt, das Warum und Wozu; die eigentliche Antwort auf die Frage nach der Taufe.

Mich fasziniert seine Botschaft vom Reich Gottes das unter den Menschen ist;, ‑ wichtige Sätze, die mich begleiten, die mir bedeutend sind: Sorge, selig die Barmherzigen, damit eure Freude vollkommen wird;
Wer an mich glaubt, hat das ewige Leben!
Ich verurteile dich nicht! Geh hin und handle danach!

seine Zuwendung zu den Menschen, die Lasten tragen,
sein Protest gegen die Menschen, die anderen im Namen Gottes lasten auferlegen;
seine Bereitschaft für alle einzustehen, die zu ihm gehören und auf ihn hören.

Manchmal verstört mich sein Tun, seine Botschaft,
vor allem aber befreit er mich: Er öffnet mir einen schier unendlichen Raum, frei von Angst und Zwang, frei mich dem Leben zuzuwenden und dem Mitmenschen Liebe zu zeigen.
Er befreit mich von jedem Hindernis der Liebe – je mehr ich mich ihm öffne. Er befreit mich zu einem Leben in Vertrauen, Hoffnung und Liebe.

„Ich bin getauft“ heißt für mich „ich gehöre dazu!“

Ich gehöre zum Vater im Himmel!
Das ist ja die eigentliche Botschaft, die Jesus gebracht hat, die Hauptsache seiner Botschaft:
Er macht mir klar, dass es nichts gibt, was zwischen mir, zwischen jedwedem Menschen und Gott steht.
Jeder Mensch hat die Freiheit, sich Gott zuzuwenden;
Jeder Mensch ist in gleicher Weise von Gott mit Leben und Geist beschenkt;
Jeder Mensch ist ihm wertvoll und wichtig!
Und so sehr Gott jenseitig ist und für sich vollkommen;
So sehr ist Gott auch mitten in dieser Welt, in und bei jedem Menschen – besonders bei denen, die unter körperlichen oder seelischen Schmerzen oder unter anderen Menschen zu leiden haben.

Die Evangelien schreiben: Jesus wird als Gottes Sohn geoffenbart;
Jesus sagt: „Ich und der Vater sind eins.“ Das Johannesevangelium verkündet: „Allen, die an ihn glauben, gab er Macht. Kinder Gottes zu werden!“

Das bedeutet es mir getauft zu sein:
Ich bin Gottes geliebtes Kind!
Dies ist die Grunderfahrung, die mir Christus schenkt, zu dem ich durch die Taufe gehöre in Gemeinschaft mit allen, die den Glauben mit mir teilen und mit mir Kirche, Volk Gottes, sind.