15.12.24: 3. Adventsonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung:
Wir wundern uns, warum der christliche Glaube in der Welt soviel Zuspruch hat: das ist kein Wunder.
Es ist ganz natürlich:
Ihre Güte werde allen Menschen bekannt – heißt der Wunsch: Menschen, auf die du dich verlassen kannst, die alles für dich tun, die niemanden im Stich lassen,
die sich umeinander kümmern! – da gehört man gerne dazu. Es bleibt nicht verborgen, dass Jesus der Grund dafür ist.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder
Fast jeder Kirchgänger kennt das Lied von Dietrich Bonhoeffer – jedenfalls den Kehrvers:
„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Viele wissen auch, dass er diesen Text in der Todeszelle schrieb.

Wie kann jemand so denken und dichten, während er seiner Ermordung entgegensieht?

Ein wenig missbrauche ich diesen Text von Dietrich Bonhoeffer –
weil ich die Erinnerung daran benütze, um uns eine Brücke zu bauen zum Brief des Paulus an die Gemeinde in Philippi. Sein Aufruf könnte womöglich in heutiger Zeit unpassend empfunden werden:
„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit. Nochmals: Freut Euch!“

Kann man sich freuen, während rund um die Erde Maschinengewehr­salven und Bomben Pflanzen, Tiere und Menschen zerreißen?

Ja, Jesus hat die seliggepriesen, die über das Unheil in der Welt trauern!
Und er hat Wehrufe über die gesagt, die jetzt lachen, denn sie werden klagen und weinen?

Und doch habe ich gestern eine Reportage über den „Liebeszug“ in der Ukraine gesehen, der Frauen zu ihren Männern bringt, und die sich richtig freuen, wenn sie ein paar Stunden und Tage gemeinsam verbringen.

Viele Reisende berichten, dass die in Armut lebenden Menschen ihnen einen viel fröhlicheren Eindruck machen als die nördlichen Wohlstands­bürger. Woran mag das liegen?

Ich kenne eine kleine Geschichte, in der ein „weiser Mann“ die Frage so beantwortet: Er lässt den Frager durch eine Glasscheibe schauen und fragt: „Was siehst Du?“ „Die Bäume, die Blumen, dich!“ erhält er zur Antwort.

Dann nimmt er ein Stück Silberpapier, legt es hinter die Glasscheibe und lässt den Frager wieder durchschauen: „Was siehst du jetzt?“ Jetzt sehe ich mich selbst!“ heißt die Antwort.

Der weise Mann erklärt: „Siehst du, ein wenig Silber bewirkt, dass Du nur noch dich selber siehst!“ Wer kann sich freuen, wenn er nur noch sich selber sieht? Die vielen schönen Sachen, die jemand besitzt und sich wünscht, binden die Gedanken und es ist schwer, sich unbeschwert zu freuen.

Vielleicht ist es mit den Sorgen leichter: Jeder vergisst gerne für ein paar Stunden all die Sorgen und die Not und freut sich über jedes und alles, was die Not lindert oder zu ertragen hilft.

Liebe Schwestern und Brüder,
Trauer und Freude gehören zum Leben. Es gibt viele Gründe, sich zu freuen und es gibt viele Gründe zur Trauer.

Das eine wird uns nicht und muss uns nicht am anderen hindern.

Worüber also dürfen wir uns freuen? Sollen wir uns freuen?

„Eure Güte werde allen bekannt! Der Herr ist nahe! Macht euch keine Sorgen! Bringt eure Klagen und Bitten mit eurem Dank vor Gott!“

Paulus ist damit ganz nahe an Johannes dem Täufer und seiner Predigt:
Er ruft die Zöllner und Soldaten auf, ihre Stellung nicht zu missbrauchen und er ruft zum Teilen auf ‑ Gut zum anderen sein eben.

Auch er spricht vom Herrn, der schon nahe ist: Er sammelt die guten Früchte und verbrennt den wertlosen Staub.

Ich deute diesen Satz nicht auf eine ferne oder nahe Zukunft hin, sondern auf die Gegenwart:

Jesus ist der Maßstab und er ist es, der unterscheidet, was wertvoll ist und was wertlos ist: Bankpapiere vergehen – die Menschen, die gut zu anderen sind, bewahren das Leben!

Wenn wir Güte erleben, haben wir Grund, echten Grund zur Freude!
Ich wünsche und hoffe, dass sie jeden Tag Grund zur Freude finden.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Paulus ermutigt uns zur Freude! Johannes ruft zum teilen auf. Wir beten zu Gott, der sein und unser Leben mit uns teilt: Gott, unser Ursprung und Ziel

L/A: Wir beten zu dir

  • Wir beten für die Menschen in Syrien und im ganzen Nahen Osten: dass die Sehnsucht nach Frieden sie zur Versöhnung führt. Gott, unser Ursprung und Ziel
  • Wir beten für alle Menschen in unserem Land: dass wir Freiheit lassen und Respekt vor dem anderen üben und so die Gräben schließen. Gott, unser Ursprung und Ziel
  • Wir beten für die Menschen, die am meisten unter dem Klimawandel leiden: dass ihre Stimme gehört wird und dass sie Solidarität erfahren. Gott, unser Ursprung und Ziel
  • Wir beten für unsere Pfarreiengemeinschaft: dass wir für unsere Nachbarn ein Zeichen der Hoffnung sein können. Gott, unser Ursprung und Ziel
  • Wir beten für die Menschen, die neu in unser Viertel gezogen sind: dass sie freundliche und hilfsbereite Nachbarschaft erleben. Gott, unser Ursprung und Ziel

Lektor/in: Vater wir danken dir für die Gemeinschaft, die uns trägt, für die Hilfe, die uns stützt und für die Erde, die uns ernährt. Sei gelobt und gepriesen in Ewigkeit.

01.12.24: 1. Adventsonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder,
das Kirchenjahr beginn einen Monat vor dem Kalenderjahr. Von neuem beginnen wir durch das Jahr hindurch zu feiern, dass Gott uns durch Jesus rettet und von Sünde und Schuld befreit.
Wir bereiten uns auf das Fest der Ankunft des Sohnes Gottes in unserer Welt vor. Wir hören seine Botschaft, die uns Mut macht. Wir staunen über das Geheimnis seines Leidens und preisen seine Auferstehung.
In ihm nimmt Gott uns alle auf in sein Licht und seinen Frieden. Wir feiern den ganzen Sommer und Herbst hindurch, dass er bei uns bleibt und uns mit dem Heiligen Geist erfüllt bis alles vollendet ist.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Im Anschluss an das Evangelium müssen wir uns fast die Frage stellen:
Wann hatte ich meinen letzten Rausch? Wann war ich zuletzt betrunken?
Ich sehe es ihren Gesichtern an: Fehlanzeige. Sie können sich nicht mehr daran erinnern.

Außerdem werden Sorgen angesprochen? Welche Sorgen haben sie?
Ob sie die Krankheitskosten noch leisten können?
Ob das Geld bis zum Monatsende reicht?
Ob die Familie mit dem Weihnachtsessen zufrieden sein wird?
Was von ihnen erwartet wird?

Jesus mahnt uns im Evangelium, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags unser Herz nicht „beschweren“.

Sorgen und Ängste können das Herz beschweren:
Es entsteht eine Traurigkeit, eine Enge, die uns gefangen sein lässt. Wir richten den Blick immer mehr auf uns selbst. Die Beweglichkeit wird geringer – nicht nur die körperliche. Die Gedanken beginnen sich immer um dasselbe zu drehen. Die Erwartungen werden immer düsterer.

Menschlich kann ich das gut mitempfinden.
Aber: ein so beschwertes Herz ist auch ein unbewegliches Herz.
Es kann sich kaum noch aufschwingen zur Hoffnung.
Es ist kaum noch bereit, sich aufzuraffen und sich einzusetzen.
Das schwere Herz sieht keinen Sinn mehr darin, Kraft und Mühe aufzuwenden, um etwas zum Besseren zu bewegen.

Jetzt verstehe ich auch, warum Rausch und Trunkenheit zusammen mit den Sorgen des Alltags gesehen werden. Die Folgen sind sehr ähnlich: Ein schweres Herz.

Es heißt: „Nehmt euch in Acht, dass die Sorgen des Alltags euer Herz nicht beschweren!“
Aber wie? Die Sorgen drücken schwer!

„Wacht und betet allezeit!“

Wir brauchen dieses Wort nicht naiv wortwörtlich zu verstehen: Schlaf ist notwendig und gut! Man kann nicht allezeit die Hände falten, man muss auch Essen kochen und das Haus bauen.

Was „Wachen und beten“ heißt:
Wachsam sein für die Augenblicke des Reiches Gottes:
Das Reich Gottes ist nach Jesu Wort mitten unter uns.
Und es ist uns anvertraut und aufgegeben.

Wir sollen stets bereit sein, das Reich Gottes aufzubauen.

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine darf uns nicht daran hindern, selbst Versöhnung zu suchen.
Die Krankheit soll uns nicht daran hindern, für das Gute zu danken.
Unser beschränkter Einfluss und unsere Ohnmacht sollen keine Ausrede dafür sein, dass wir nicht das tun, was wir können, um einen Beitrag zum Guten zu leisten.

Liebe Schwestern und Brüder,
wer auf einen Brief wartet, ist aufmerksam, dass er das Klappern des Briefkastens hört;
Wer zu einem Ziel unterwegs ist, passt auf, dass er die Abzweigung nicht verpasst.

Wir warten und erwarten das Reich Gottes und sind wachsam für seine Spuren mitten unter uns.
Und wir sind wachsam für die Augenblicke, die Gott uns schenkt, dass durch uns Gottes Reich gegenwärtig ist und bleibt und wird.

So werden wir all dem Schrecken der Zeit entrinnen und können mit leichtem Herzen Gott erwarten, der uns zu sich ruft.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Wir haben die Mahnung gehört, wachsam und bereit zu bleiben, dass wir das Gute suchen und tun. Wir beten deshalb zu unserem Vater im Himmel.

L/A     Gott, wir beten zu dir.

  • Wir beten für die Menschen, die mutlos geworden sind:
    dass sie aus ihrer Antriebslosigkeit herausfinden und Menschen finden, die ihnen Zutrauen schenken.
  • Wir beten für die Menschen, die von Süchten gefesselt sind:
    dass sie Hilfe suchen und finden und befreit werden.
  • Wir beten für die Menschen, denen die Sorgen über den Kopf wachsen: dass sie unterstützt werden und ihnen Lasten abgenommen werden.
  • Wir beten für alle Getauften: dass sie im Glauben an Christus Kraft und Halt finden und ihr Herz unbeschwert bleibt.
  • Wir beten für unsere Pfarreiengemeinschaft: dass es uns gelingt, andere einzuladen und in unsere Mitte aufzunehmen.
  • Wir beten für die Menschheitsfamilie: dass sie besser lernt, Gerechtigkeit walten zu lassen und den Frieden stark zu machen.

Lektor/in: Vater im Himmel. Du bist der Friede. Du bist das Leben. Du schenkst uns Freude und Hoffnung. Wir preisen Dich in Ewigkeit. Amen.

24.11.24: Christkönigssonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
Wir beschließen an diesem Sonntag das Kirchenjahr mit einem besonderen Blick auf Jesus Christus:
“Wir glauben an Jesus Christus, der kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten.“
Damit ist gemeint:
Wir bezeichnen ihn deshalb als König des Himmels und der Erde:
Er richtet gerecht: Vor ihm wird offenbar, wann wir gut sind und wann wir Liebe schuldig bleiben:
Er gründet das Reich des Friedens, in dem keiner mehr dem anderen Unrecht tut.
Er sorgt für alle Menschen und schenkt das Leben und die Freude in Fülle, so dass wir vom himmlischen Hochzeitsmahl sprechen.

Wir grüßen ihn und rufen:

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
In der Show „Stimmts?“ werden den prominenten Kandidaten einige Behauptungen vorgestellt. Diese Sätze klingen mehr oder weniger seltsam oder selbstverständlich oder unvorstellbar. Die Aufgabe besteht darin, zu erraten, welcher Satz wahr ist.

Was ist wahr? Gibt es überhaupt „die Wahrheit?
Es ist einfach zu sagen: Wahr ist, dass der Regen von oben kommt und auf die Erde niederfällt.
Schwieriger ist es zu sagen: der oder die spielt am besten Fußball:
denn was sind die Kriterien dafür?
Und noch viel schwerer ist es zu sagen: Der Wille Gottes ist, dass ich dies oder jenes tue!

Was ist wahr? Gibt es „die eine Wahrheit?“

Es gibt ziemlich oft Probleme und Fragen, in denen es sehr unter­schiedliche Versuche gibt, die Wahrheiten zu erkennen und es ist schwer oder unmöglich, die Wahrheit zu erkennen und zu formulieren.
Der Streit um den richtigen Umgang mit der Corona Pandemie war ein Beispiel dafür.
Auch über die Ursachen der weltweiten Krisen wird heftig diskutiert – ohne dass sich dies zweifelsfrei aufklären lässt.

Jesus sagt im Johannesevangelium: „Ich bin gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen.“
Gibt es die eine Wahrheit?

Es ist ein großer Vorteil, wenn die Menschen sich verständigen können, was wahr ist: das verbindet, das schafft Zusammenhalt und ermöglicht Verständigung.

Wenn wir alle es für wahr halten, dass wir durch Jesus Christus mit Gott versöhnt sind und von Sünde und Tod befreit – tun wir uns viel leichter:

wir hören gemeinsam auf ihn. Wir denken darüber nach, was Jesus verkündet hat und was das für unser Handeln und Tun bedeutet.

Aber selbst wir, die das Glaubensbekenntnis miteinander teilen, kommen nicht zu gleichen Ergebnissen. Und zwar deshalb, weil unsere Fähigkeit die Wahrheit zu erkennen begrenzt ist:

Es gibt verschiedene Überzeugungen darüber, ob Frauen die Weihe empfangen können, ob Priester ehelos leben müssen, ob Homosexualität eine Sünde ist – und vieles mehr.

Wir suchen nach der Wahrheit – aber niemand kann behaupten, dass er die Wahrheit besser erkennt als ein anderer. Aber wir trauen einander zu, dass jeder die Wahrheit sucht und nach der Wahrheit handeln will. Das hat Konsequenzen:
Damit wir die Wahrheit besser erkennen, hören wir auf den anderen und seine Sicht – und der auf uns. Es entsteht ein gemeinsames Suchen nach der Wahrheit – und das ist etwas ganz anderes, als wenn jeder behauptet, die Wahrheit zu kennen und den anderen davon überzeugen zu wollen:

Das nennt man „Ideologie“ – die sich nicht mehr vorstellen kann, dass man selber irren könnte und ein anderer die Wahrheit besser erkennt.

Liebe Schwestern und Brüder,
Jesus hat täglich gelehrt – aber er hat nicht viele Lehrsätze aufgestellt.
Die Wahrheit Jesu ist sehr einfach:

Gott will, dass wir gut sind.
Gut ist, was dem anderen gut tut.
Es ist gut, Frieden zu schließen.
Es ist gut, Wunden zu heilen.
Es ist gut, Mitgefühl zu zeigen.
Es ist gut, Gott für das Leben zu danken und für Jesus Christus.

Das ist die Wahrheit. Amen.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Herr Jesus Christus, du herrschst als König über Himmel und Erde. Wir beten:             L/A: Herr, sende uns deinen Geist

  • Wir beten für alle Christen: dass sie aufeinander hören und einander vertrauen, dass jede und jeder die Wahrheit sucht.
  • Wir beten für die Abgeordneten in den Parlamenten: dass sie nicht Ideologien vertreten, sondern gemeinsam versuchen, das Gemeinwohl zu fördern.
  • Für alle, die Macht haben in der Wirtschaft und in der Industrie: dass sie ihre Verantwortung für ihre Mitarbeiter und auch für die Arbeitslosen wahrnehmen.
  • Für unsere Verstorbenen, dass sie in deinem Reich Geborgenheit und Glück finden.

Lektor/in: Dir, Christus König, gebührt Macht, Ehre und Herrlichkeit heute, alle Tage und in Ewigkeit.

17.12.24: 33. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung:

Wir feiern Namenstag des hl. Albertus Magnus: Glaubenslehrer und Naturforscher.
Was für ein offener Geist. Die Natur zu erforschen ist keine Konkurrenz zum Glauben an Gott.
Was wir in der Natur entdecken ist ein Teil der guten Schöpfung Gottes, die uns trägt und deren Teil wir sind. Wenn manche Entdeckungen zunächst dem Glauben an Gott zu widersprechen scheinen, liegt es nicht an der Natur.
Vielmehr haben wir die Aufgabe, falsche Glaubensvorstellungen zu verändern und unseren Glauben zu reinigen, und Gottes Größe und Wahrheit noch besser zu erkennen.

Grüßen wir Christus, der uns ruft und der uns das Wort des Lebens verkündet.

Ansprache:

Liebe Schwestern und Brüder
die Versuchung ist groß, einige unserer gegenwärtigen geschichtlichen Geschehnisse aufzuzählen – als Gedankenbrücke zu den Bildern im Evangelium: „Die Sonne wird verfinstert werden und der Mon wird nicht mehr scheinen, die Sterne werden vom Himmel fallen, weil die Kräfte des Himmels sie nicht mehr dort halten.“
Das könnte man noch garnieren mit der Botschaft: Das steht uns bevor, wenn die Menschheit sich nicht ändert.
Damit wäre die Botschaft Jesu im Markusevangelium ins Gegenteil verkehrt: Die geht nämlich genau anders herum:
Wenn wirklich einmal das Universum in sich zusammenstürzt, dann habt keine Angst, denn Menschen aus allen Himmelsrichtungen werden bei Gott zusammengeführt; dann ist die Zeit der Vollendung!

Noch mehr zugespitzt: Egal was passiert – ihr braucht keine Angst haben. Gott ist eure Zukunft!

Das ist schnell gesagt – aber wer es ernst nehmen kann, wer dem Vertrauen schenken kann, dessen ganzes Leben ist davon durchleuchtet:

Mein Leben führt zu Gott hin – und das meiner Nachbarin und meines Kollegen und das meiner Angehörigen und Freunde!

Die größte Sorge ist also nicht, wie mein Leben verläuft,
wie lange es dauert, wann ich krank werde, was ich mir noch leisten kann,

Was auch passiert:
Die größte Sorge ist: wie kann ich gut sein. Wem kann ich gut tun?
Wie kann ich gerecht sein? Wie kann ich wahrhaftig sein?

Denn darauf kommt es an, weil ich ja bei Gott sein werde, dem unendlich Guten, der reinen Wahrheit, der gerecht ist und jedem alles gibt.

Spüren sie liebe Schwestern und Brüder, wie sich das Herz weitet, wenn man sich nicht um sich selber Sorgen macht?

Zugegeben:
Schmerzen sind Schmerzen und man muss sich darum kümmern.
Krankheitssymptome muss man beachten und bei der Ärztin Hilfe suchen.
Die weniger werdende Kraft macht das Leben beschwerlich und engt den Lebenskreis ein.
Wer sparen muss, damit das Geld für den ganzen Monat reicht, hat ein hartes Leben.

Das alles plagt – auch uns, die wir auf Gott hin leben.

Und doch ist es etwas anderes:
Wir sind nicht nur auf uns selbst fixiert,
Wir haben einen anderen Horizont. Unser Horizont ist das Leben Gottes.

Das große Bild vom kosmischen Christus in der Kirche kann uns darauf hinweisen.
Ob es einem mehr oder weniger gefällt, ist eine andere Frage:

Aber es zeigt Christus mit segnenden, weit geöffneten Armen. Er ist im tiefen kosmischen Blau gehalten und die Konturen erinnern daran, dass unser Leben geteilt und gelitten hat.
Er war auf der Erde, er kommt vom Himmel und ihn umgibt der Glanz der Herrlichkeit Gottes. Von ihm her geht sie auf die Erde über!

Himmel und Erde werden vergehen – aber Jesu Wort sind ewig:
Unsere Zukunft ist im Goldenen Glanz der göttlichen Herrlichkeit. Amen.

10.11.24: 32. Sonntag im Jahreskreis

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Einführung: Liebe Schwestern und Brüder
wir sind wieder zusammen. Zum Glück und Gott sei Dank. Wir haben Grund Gott zu danken:
für alles Gute in unserem Leben: Denken wir kurz darüber nach, wofür wir danken wollen in dieser Woche.
Es gibt auch Ereignisse und Erfahrungen, die wir beklagen und auch das dürfen wir: über das Elend klagen. Nach dem Glaubensbekenntnis werden die Klagen zum Bittgebet.

Wir sind aber auch da, um zu hören: die Botschaft des Lebens, die Botschaft, die uns Mut macht, auf dem Weg zu bleiben, den Jesus uns gezeigt hat.

Wir hören auf die hl. Schrift und der Heilige Geist lehrt uns,
daraus Hoffnung und Mut und Halt und Richtung zu schöpfen.

Grüßen wir Christus, unseren Herrn:

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
wir werden gerade Zeugen, wie Regierungen zu Ende gehen. Keine Angst – ich werde nicht politisieren. In meiner Lebenszeit bin ich Zeuge, wie die Zeit der „Volkskirche“ zu Ende gegangen ist. Und wir sind gerade dabei Zeugen zu sein, wie die Zeit der Energiegewinnung aus Erdöl und Erdgas und Kohle zu Ende geht. – Eigentlich ist es eine Selbstverständlichkeit – aber es ist eine menschliche Neigung die Einsicht zu verdrängen:

„Alles geht irgendwann einmal zu Ende“.

Jesus war nach Jerusalem gekommen. Wozu? Weil es nötig war: Er wollte und musste den Autoritäten den Spiegel vorhalten. Er wollte seinen Glauben an Gottes Liebe zu den Menschen den Schriftgelehrten und Hohenpriestern bezeugen, die durch die Erfüllung aller Gesetze Gottes Gunst gewinnen wollten.

Er nahm sich kein Blatt vor den Mund: Er bezichtigte die Schriftgelehrten der Ehrsucht und der Arroganz. Und er warf ihnen sogar vor, den Witwen die Häuser wegzunehmen.

Als seine Jünger den Tempel bewundern, antwortet er: „Kein Stein wird auf dem anderen bleiben“. Als das Evangelium seine endgültige Gestalt bekam, war das tatsächlich bereits geschehen – und die Juden wurden in die ganze Welt zerstreut und hatten von da an bis zur Gründung des modernen Staates Israel im Jahr 1948 keinen eigenen Staat.

Liebe Schwestern und Brüder, kostbare Steine und Verzierungen, Edel­steine, Gold und Silber – haben in den Augen Gottes keinen Wert! 😐

Protz und Prunk – ist nichts und davon bleibt nichts!

Was vor Gott zählt ist der Mensch.
Der Mensch ist für Gott der größte Schatz.

Der Prophet Elija geht deshalb aus Protest zu der heidnischen Witwe von Sarepta, um ihr zu helfen – zum Zeugnis gegen den König Ahab, der sich mit Götzen, mit selbstgemachten Göttern umgibt, anstatt Gott im Mitmenschen und in sich selbst zu suchen.

Wer reich werden will und seine Kraft, seinen Geist und seine Phantasie dafür einsetzt – setzt nicht mehr auf Gott, der die Liebe ist.

Liebe Schwestern und Brüder,
ich kann nicht widersprechen, wenn jemand befürchtet, dass ganz schreckliche Dinge in der Welt und auch bei uns geschehen könnten.
Es ist die Aufgabe der Menschen, das zu vermeiden und den Weg des Friedens zu wählen – hoffentlich wird das Licht des Friedens die Menschen bald wieder mehr anziehen als das Feuer des Hasses und der Aggression.

Aber, liebe Christen,
selbst wenn wir Unheil sehen und erleben und erleiden, selbst wenn unser Wohlstand und unsere Sicherheit zerbrechen, selbst wenn wir selbst in Gefahr kommen und des Lebens nicht mehr sicher sind:

Das wichtigste ‑ das, was uns Halt und Kraft gibt, was uns menschlich bleiben lässt, das tragen wir in uns: in unserem Herzen, in unserer Seele:

Es ist der Glaube, dass die Liebe alles entscheidet und dass die Liebe stärker ist und immer wieder siegen wird und am Ende endgültig siegen wird.

Die Witwe und die Spende, die sie gegeben hat und 
die Witwe, die Elija aufgenommen hat, hatten diesen Schatz in sich.

Gerade weil Sicherheit und Wohlstand so gefährdet sind, wie lange nicht, gerade deshalb ist es höchste Zeit, dass wir uns um so mehr dort verankern, wo wir Halt und Kraft finden:

Im Glauben an die Liebe, die Gott ist und die Gott schenkt und die wir den Mitmenschen schenken können und sollen.

Allgemeines Gebet

Lektorin: Gott ist das Leben und er schenkt Leben. In der Sorge besonders für die bedrohten Menschen und Lebewesen beten wir zu ihm:

  • Wir beten für die Menschen, die sich ängstigen, die verunsichert sind: Dass sie das Vertrauen nicht verlieren-
    Gott, Vater des Lebens –                         A: Wir bitten dich, erhöre uns.
  • Wir beten für die Menschen, die Hunger leiden, besonders in Gaza und Palästina: dass sie die dringend nötige Hilfe erfahren.
    Gott, Vater des Lebens –
  • Wir beten für alle Menschen, die sich für Gerechtigkeit und Recht einsetzen: dass sie stark bleiben und Erfolg haben.
    Gott, Vater des Lebens –
  • Wir beten für unser Land, in dem sich so vieles verändert: dass wir gemeinsam die Herausforderungen annehmen und Lösungen suchen.
    Gott, Vater des Lebens –
  • Wir beten für unsere Pfarreiengemeinschaft und alle christlichen Gemeinden: dass wir einander stärken und Halt geben und beistehen.
    Gott, Vater des Lebens –

Lektor/in: Gott, du bist immer bei uns, dein Geist leitet und. Du bist unsere Zukunft. Wir loben dich allezeit durch Christus, unseren Herrn.

Alle: Amen.

03.11.24: 31. Sonntag LJ B

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung:
Jesus ist gekommen, damit wir die Freude haben,
damit wir das Leben in Fülle haben, um uns zu retten,
um uns seinen Vater zu offenbaren.

So beschreibt er im Wort der Evangelisten seine Sendung.

Wir sind jetzt hier, damit wir uns daran erinnern und vergewissern;
damit wir uns gegenseitig bestärken,
damit wir neuen Mut fassen,
und weiter gehen auf dem Weg in der Nachfolge Jesu
und uns nicht beirren lassen von den vielen Stimmen,
die uns davon abbringen wollen.

Kyrie
Herr Jesus Christus;
du bist unser Erlöser und Heiland
du hast uns die Liebe des Vaters geoffenbart
du rettest uns vor dem ewigen Tod.

Ansprache:
In meiner Jugendzeit gab es ein Spiel – genannt der „heiße Stuhl“. Es war ziemlich harmlos und brachte 13 jährige dennoch zum Schwitzen. Die „Eingeweihten“ dekorierten einen Raum mit einem Stuhl über den ein Tuch gelegt war. Kerzenlicht statt Glühbirnen. Dann wurde der unwissende Kandidat über alles Mögliche befragt: Hobbies, Noten und ‑
nach einigen solchen Fragen wurde gesagt: „Sage mir: Wen liebst du?“

Da wurde fast jeder rot im Gesicht und verlegen – das ist doch geheim, darüber will ich nicht reden ….

Liebe Schwestern und Brüder: Wen liebst du? – die Ehefrau, den Ehemann, die Kinder und Enkelkinder, die Mama, den Papa, den Opa und die Oma und … Gott?

Mit der Liebe, Schwestern und Brüder, ist es so eine Sache:
Liebe ist frei – sie kann nicht befohlen werden!

Und doch heißt es: Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben! – mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft. – Mehr geht nicht!

Wie geht das?

  • Wer liebt ist gerne mit dem Geliebten zusammen!
  • Wer liebt hört auf den anderen.
  • Wer liebt, will der Geliebten gefallen.
  • Wer liebt, will dem Geliebten Freude machen, ihn beschenken, ihm alles Gute tun.

Ist die Liebe zu Gott anders?

Sie ist anders, weil unsere Augen und Ohren und unser Geruchs- und Tastsinn Gott nicht direkt wahrnehmen – so wie wir den anderen Menschen wahrnehmen.

Das macht die Liebe kompliziert. Aber versuchen wir es:

Ist es nicht eine Freude, miteinander Gott zu loben und miteinander die Heilige Schrift zu bedenken, in der wir Anteil daran bekommen, wie Gott sich in den Propheten und in Jesus geoffenbart hat?

Es ist doch unser Streben, auf Gott zu hören und deshalb gut zu sein.

Wir wünschen uns doch und leben auch so, dass wir Gott gut gefallen.

Wir können Gott zwar nichts schenken – und doch schenken wir ihm das wertvollste: uns selbst, weil wir mit unserem ganzen Leben seiner Liebe antworten möchten.

Deshalb setzen wir alles in Beziehung zu ihm:
Die partnerschaftliche Liebe, die Elternliebe, die Kinderliebe, die Freundschaft, der Beruf, die Erholung – das ganze Leben ist auf Gott bezogen: wir danken für das Gute und wir versuchen alles mit Liebe und aus Liebe zu tun!

Liebe Schwestern und Brüder,
dieses Glaubensbekenntnis hat es aber dennoch in sich:
Es beginnt: Der Herr, unser Gott, ist der einzige!

Wir haben keinen anderen Herrn als nur den einen und wahren Gott:

Keine Regierung, kein Gesetz, keine Autorität steht über ihn.

Deshalb sind Glaubende unabhängig und frei:
Der Maßstab der Gerechtigkeit, der Maßstab des Guten ist der eine und wahre Gott, der uns zu nichts anderem ruft – außer zur Liebe gegenüber dem Mitmenschen.

Wir können uns nicht unterwerfen, wenn Egoismus, Feindschaft, Hass, Geiz und Neid gegenüber anderen Menschen oder Gruppen Gesetze bestimmen.

Petrus sagte es: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Das kann manchmal sehr schwierig werden: für unsere Umwelt und auch für uns selbst.

Aber es ist nun mal so: Wir lieben Gott.

Übrigens: Der Gag bei dem Spiel war: Der Auftrag hieß: Sage mir: „wen liebst du?“ Es ging nur darum das zu erkennen, dass man diese Frage stellen soll: „Wen liebst du?“ ist Gott der, den ich über alles Liebe?

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Guter Gott, täglich erfahren wir deine Liebe. Daher bitten wir dich voll Vertrauen. 

V/A. Herr, schenke uns deine Liebe.

  • Dass wir deine Liebe in unserem Leben erkennen und diese Erfahrung an unsere Mitmenschen weiterschenken können.
  • Für deine Kirche: Mache uns zum Werkzeug deiner Liebe und zu glaubwürdigen Zeugen deiner Frohbotschaft.
  • Für die Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen: um Boten deiner Liebe, damit sie befreit und erlöst aufatmen können.
  • Für alle Menschen, die an Gott glauben: dass sie erkennen, dass wir alle einen Gott suchen und lieben und anbeten und deshalb eine Menschheitsfamilie bilden.
  • Für uns selbst: Bleibe auch dann mit deiner Liebe bei uns, wenn wir Liebe schuldig bleiben.
  • Gib uns den Mut, dich zur Mitte unseres Lebens zu machen, wenn wir all das Tun, was zu unserem Leben gehört.

Lektor/in: Aus deinen Händen empfangen wir alle das Leben und du führst uns zum Heil in deinem Licht. Wir loben dich und preisen dich in Ewigkeit. Amen.

01.11.24: Allerheiligen

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung:

Liebe Schwestern und Brüder!
Heilige sind Menschen, die die Liebe Gottes zum Leuchten bringen!
Dazu sind wir alle berufen. Die Hilfe, die Geduld, die Zuneigung, die wir verschenken, bringt wirklich Gottes Liebe zum Leuchten.
Es ist einfach schön unter Menschen zu sein, die einander Wohl wollen und Freude und Leid miteinander teilen.

Grüßen wir Christus,
in dem die Liebe Gottes Mensch geworden ist:

Ansprache:

Liebe Schwestern und Brüder,
Manche ältere Menschen haben viele sogenannte Sterbebilder. Warum sammelt man diese Bilder?

Weil sie dabei helfen, die Menschen in Erinnerung zu behalten. Wir bleiben ihnen verbunden über ihren Tod hinaus – nicht nur als Erinnerung.
Es ist eine tiefere Verbindung, die den Tod überdauert: Dankbarkeit, Zusammengehörigkeit, Hoffnung.

Erinnern nur wir uns dankbar an die Verstorbenen – oder denken auch sie an uns? Was können sie noch, wenn sie nicht mehr da sind?
Denken sie an uns, die wir noch dieses Leben leben, das sie schon hinter sich gelassen haben?

Wie um auf diese Fragen zu antworten, wurde für das Fest Allerheiligen die Lesung aus dem Johannesbrief ausgewählt:

Wir sind Kinder Gottes – Jetzt!
Das ist auch unübersehbar: denn wir leben so:
bei uns muss niemand hungern, niemand alleine sein, wir pflegen keine Feindschaften, und vieles mehr!

Ich bitte sie: Stellen sie die berechtigten selbstkritischen Einwände kurz auf Pause, denn tatsächlich: das zeichnet uns Christen aus, trotz aller Unzulänglichkeiten.

Weiter lesen wir:
Es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden!

Das ist die glasklare Erkenntnis: wir haben keine Ahnung davon, in welchem Zustand unsere Verstorbenen jetzt sind. Wir haben keine Vorstellung und können keine Vorstellung davon haben, was uns jenseits der Grenze des Todes erwartet.

Aber dabei bleiben wir nicht stehen, denn es gibt doch eine Aussicht:
Wir werden ihm – also Gott – ähnlich sein und wir werden ihn sehen, wie er ist.

Der Glaube an Gott, die Quelle des Lebens, und der Glaube daran, dass wir ihn sehen werden und ihm ähnlich sein werden sind untrennbar miteinander verbunden – so untrennbar wie die Sonne von der Wärme die sie uns schenkt.

Wenn Jesus Menschen „selig“ preist, drückt er darin die gleiche Zuversicht aus. Selig sind die Menschen, denn ihnen gehört der Himmel, sie empfangen Trost, sie erben das Land, sie werden satt von Gerechtigkeit, sie finden Erbarmen, sie schauen Gott, sie werden endlich Kinder Gottes genannt.

Übrigens heißt es nicht: Selig „nur“ Menschen! Sondern: Selig die Menschen, die Frieden stiften, die sich nichts auf sich selbst einbilden, die sich nach Gerechtigkeit sehen, die barmherzig sind.

Dieses Selig ist auch auf die Gegenwart bezogen: Denn Menschen, die man so beschreiben kann, haben die Seligkeit, die sie erwartet schon in sich, weil sie auf sie hinleben.

Die Menschen, die jetzt schon Kinder Gottes sind, werden selig sein und als Kinder Gottes offenbar werden und sie werden Gott ähnlich sein.

Ich wage zu denken: Sie werden keineswegs weniger „können“ als wir jetzt können. Vor allem aber werden sie fähig sein zu lieben – denn das macht uns am meisten Gott ähnlich sein.

Sie haben Anteil an Gott, der in allem ist und in dem alles ist und der in den Menschen und in der ganzen Schöpfung das Sein wirkt. Wenn wir die Menschen in Erinnerung behalten, die mit uns gelebt haben, bleiben wir tatsächlich mit ihnen verbunden, so wie sie mit uns verbunden bleiben. Sie wirken in uns als Gottes Kraft und stärken uns darin, als Gottes Kinder selig zu leben – als von Gott geheiligte Menschen eben.

Allgemeines Gebet

Lektorin: Herr, unser Gott, wir sehen den Himmel offen. Wir sehen Christus und alle, die mit ihm den Tod überwunden haben. Wir tragen dir unsere Bitten vor:

Vater im Himmel    L/A: Erhöre unser Gebet

  • Wir sind durch die Taufe geheiligt und dein Heiliger Geist ist in uns: Hilf uns, dass wir auf die Seligkeit hinleben, die wir erwarten.
  • Viele Menschen hoffen auf dich und sehnen sich nach Trost und Frieden: hilf ihnen, dass sie sich mit ihrem Leben aussöhnen können.
  • Du hast Frauen und Männer berufen, das Evangelium zu verkünden:
    hilf ihnen, dass sie das Vertrauen in deine barmherzige Liebe stärken.
  • Du hast alle Menschen nach deinem Bild erschaffen, damit sie für das Leben sorgen: hilf ihnen, dass sie sich nicht von Hass und Feindschaft vergiften lassen.

Lektor/in: Gott, wir singen dein Lob zusammen mit allen die an dich glauben – jetzt und in Ewigkeit. Amen.

20.10.24: Kirchweihfest

Evangelium: Lk 19,1-10

Einführung:
Ein neues Haus zu beziehen ist schön. Man lädt Freunde ein und feiert mit ihnen und teilt die Freude. Man zeigt das neue Haus und seine Vorzüge und überlegt auch, was man hätte noch besser machen können.

Wir feiern jedes Jahr, den Tag, an dem diese Kirche bezogen wurde:
Von den Glaubenden und wie wir sagen: von Gottes Gegenwart.

Dieses Haus ist der Ort, an den wir gehen, damit Gottes Gegenwart in einem jeden von uns gestärkt wird. Damit unsere Liebe, unsere Hoffnung und unser Vertrauen gestärkt wird.
Hier finden wir das Heil und die Heilung für das, was uns bedrückt.

Lasst uns gemeinsam das Lob Gottes anstimmen, der uns sein Heil schenkt:

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Wir feiern jedes Jahr das Weihefest unserer Kirchen und dazu wird (fast) jedes Mal das Evangelium von Zöllner Zachäus gelesen. Wie passt das zusammen? Warum nicht etwas anderes: zum Beispiel die Berufung der Jünger?

Vielleicht liegt es ja an dem, was Jesus über Zachäus sagte: „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden!“

Das können wir auf uns, als Volk Gottes, als Kirche beziehen:
„Uns ist das Heil geschenkt worden“.

Ich möchte gerne mit Ihnen darüber nachdenken: Jesus hat uns geheilt und heilt uns. Und weil wir dafür dankbar sind, feiern wir und bauen uns festliche und große Räume dafür – unsere vielen Kirchen.

Waren wir, sind wir denn krank?

Immer wieder: Außer den körperlichen Gebrechen von grippalem Infekt bis zur Arthrose leiden wir unter noch ganz anderen Krankheiten: Geiz und Neid, Eifersucht und Minderwertig­keitsgefühlen, Angst und Schuldbewusstsein und viel mehr fallen mir noch ein.

Jesus hat alle Krankheiten geheilt – sagen die Leute von ihm – aber nicht bei allen Menschen: Geheilt wurde, wer glaubte. „Dein Glaube hat dir geholfen.“ sagte Jesus zu den Geheilten.

Kirche, das sind also die Menschen, die von Jesus geheilt wurden und werden, weil sie glauben! – Was denn?
Sie glauben, dass er die Kraft hat, sie zu heilen!

Liebe Schwestern und Brüder, deshalb wird es die Kirche immer geben:
Es wird immer Menschen, die Jesus heilt, weil sie glauben, dass er sie heilen kann! Ich bin zuversichtlich, denn nach Heilung sehnen sich die Menschen immer!

Ich glaube deshalb daran, dass auch diese unsere Kirche wieder von mehr Menschen als heutzutage gefüllt werden kann. Warum sollte es nicht gehen. Auch zu Zeiten des hl, Antonius und des hl. Albertus Magnus verfielen viele Kirchen, weil sich niemand darum kümmerte. Sie verfielen, weil die Kirche verfiel: die Gemeinschaft im Glauben zerbröselte.

Ähnliches erleben wir heute, wenn auch ganz anders als dazumal.

Wie kann Kirche wieder wachsen? Wie kann Kirche geheilt werden von ihren vielen Krankheiten, zum Beispiel von der Krankheit „Wir wissen alles – besser?“ und der Krankheit der Unverbesserlichkeit, die da heißt „Wir ändern nichts!“

Wie können wir wieder wachsen? Wie können wir andere dafür gewinnen, sich uns anzuschließen?

Natürlich weiß ich ebenso wenig wie Sie und unser Bischof und der Papst ein Patentrezept, das sicher funktioniert.

Aber überlegen kann ich schon und darf ich auch – damit ich und vielleicht auch wir einen Beitrag leisten können, dass unsere Gemeinschaft wieder größer wird:

Ich schau nochmal auf das Evangelium: Zachäus läuft hinaus und sucht Jesus, um zu sehen wer er sei.

Er hat von Jesus gehört – wie sie und ich. Jesus war unter den Menschen und wer ihm mit offenem Geist begegnete und zuhörte merkte: Aus dem spricht Gott selbst. Was er sagt und tut, ist gut und es tut mir gut!

Liebe Schwestern und Brüder,
lassen wir uns von Jesus infizieren: von seiner Freude, von seinem gut sein, von seiner Hoffnung und von seinem Vertrauen. Lassen wir uns von ihm Gottes Botschaft sagen:
Du bist Gott wertvoll und lieb. Genau du – weil du bist!

Laufen wir zu Jesus, damit er uns heilt von all den Krankheiten, die uns daran hindern zu sein, was wir sein können und schon sind:
von Gottes Geist erfüllt.

Amen.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Himmlischer Vater, du hast Jesus gesandt, damit er sie heilt und Heil bringt. Wir beten zu dir:
Himmlischer Vater     A: Wir bitten dich, erhöre uns

  • Wir beten für die vielen Millionen Frauen und Männer und Kinder, die an Jesus glauben: dass sie durch den Glauben an Jesus gestärkt werden für die Liebe zu ihrem Nächsten. Himmlischer Vater
  • Wir beten für die verschiedenen christlichen Kirchen: dass sie ihre Vorbehalte gegeneinander aufgeben und mit einander Abendmahl feiern. Himmlischer Vater
  • Wir beten für unsere Pfarreiengemeinschaft: dass unsere Pfarrgemein­den weiterhin einen guten Weg miteinander finden und gehen. Himmlischer Vater
  • Wir beten für die Menschen, die sich von ihren einfachen Wünschen treiben lassen: dass sie auf ihre Sehnsucht hören, die größer ist als das nächste tolle Erlebnis. Himmlischer Vater
  • Wir beten für die wenigen Menschen, die reicher sind, als wir uns vorstellen können: dass sie begreifen und verstehen, dass teilen glücklicher macht als horten. Himmlischer Vater
  • Wir beten für die Menschen, denen jeden Monat das Geld ausgeht:
    dass sie nicht verbittern, sondern dass sie Menschen finden, die ihnen helfen, aus ihrer Not herauszufinden. Himmlischer Vater

Lektorin: Ewiger Gott, dein ist die Erde, du teilst mit uns dein Leben,
du weckst in uns die Liebe und die Sehnsucht nach dir und deinem Frieden. Wir preisen dich in Ewigkeit. Amen.

29.09.24: 26. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
Wir dürfen dankbar sein, dass wir zusammenkommen. Miteinander singen und beten und wieder ein Stück der Heiligen Schrift bedenken:

Die Botschaft Jesu verkündet nicht nur die Hoffnung auf das ewige Leben.
Die Botschaft Jesu ist nicht nur dazu da, uns innere Ruhe und Frieden zu bringen.
Die Botschaft Jesu will uns inspirieren! Sie will uns zum Aufbruch bewegen, dass wir etwas tun: Sie macht uns Mut, so dass wir versuchen, die Welt in der wir leben ein Stück gerechter und besser zu machen.

Grüßen wir den Herrn, der uns ruft, um uns zu senden:

– Du  rufst uns in deine Nähe
– Du lehrst uns Gottes Botschaft
– Du sendet uns, Salz der Erde zu sein.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Wer ist der Größte? Der Schönste? Der Schnellste? Der Stärkste? Wer ist der Beste?

Die Menschen wetteifern andauernd miteinander:
Die Parteien um die Gunst der Wähler,
die Supermarktketten, die Automobilhersteller und viele mehr um die Kunden,

Man will die Regierungsposten, den besseren Posten in der Firma.

Man will den Wohlstand Vermehren,
sich und seinen Willen durchsetzen,
die größere Anerkennung gewinnen!

Der Jakobusbrief erinnert drastisch daran, was davon bleiben wird:

Euer Reichtum verfault, Eure Kleider werden von Motten zerfressen,
Gold und Silber verlieren den Glanz.

Der Brief prangert die Ungerechtigkeit an: Der Reichtum der einen ist der Lohn, der den Arbeitern vorenthalten wurde.
Und die Reichen halten daran fest – sogar noch am Tag ihres Endes.

Wir wundern uns, liebe Schwestern und Brüder, warum bei uns und in ganz Europa und auch in anderen Kontinenten Politiker und Parteien so viel Anklang finden, die mit grausamen Worten und Ankündigungen auffallen, deren Sprache voller Gewalt ist und die letztlich auch nicht vor Gewalt gegen andere zurückschrecken.
Parteien, die offenbar weniger auf Freiheit und Toleranz setzen, sondern mehr auf Ordnung und Einheitlichkeit.

Dafür gibt es mehr als eine Ursache: Eine aber ist: Seit dem Ende des
2. Weltkriegs gelang es einem kleinen Teil der Weltgesellschaft, die Regeln so zu gestalten, dass sich bei ihnen immer größerer und schier unvorstell­barer Reichtum anhäuft ohne Verhältnis zu dem Einkommen der Frauen und Männer in den ganz normalen Berufen.

Die sollten immer mehr leisten – Effizienz heißt das Wirtschaftswort dafür.
Aus dem gleichen Grund, gibt es immer mehr Menschen, die diesen Ansprüchen nicht gewachsen sind, denen die Kraft ausgeht und die diese Ansprüche jetzt auch nicht mehr erfüllen wollen.

Die seit den 50er Jahren regierenden Parteien werden mit dieser Entwick­lung verbunden – und deswegen werden Parteien beliebt, die das bisherige System von Grund auf in Frage stellen und abschaffen wollen.

Zurecht besteht die Forderung, dass der politische Wille es schafft, die Regeln entschieden und kräftig zugunsten derer zu verändern, die täglich in die Arbeit gehen und ihr Einkommen nicht durch Zinsen und Dividenden erhalten.

Was hat das mit unserem christlichen Glauben zu tun?
Der Jakobusbrief prangert die Ungerechtigkeit an und erinnert an die Vergänglichkeit des Reichtums – scheinbar gehört das zum Auftrag der Christen.

Jesus mahnt seine Jünger, seine geistlichen Schüler:
neidet es niemanden, wenn er die Kraft hat, zu heilen und Gutes zu bewirken. Seht ihn vielmehr als Verbündeten.

Und sehr drastisch warnt er seine Jünger:
Lasst euch von nichts und niemandem vom Glauben an den guten Gott abbringen, den Gott, dessen Lebenskraft in jedem lebendigen Wesen ist.

Lasst nicht zu, dass ihr selbst euch aus irgendeinem Grund vom Glauben an den guten Gott abwendet.

Lasst nicht zu, dass Enttäuschung und Neid, das Unrecht der Menschen, und euer Schmerz euch dazu bringt, den Glauben an das Gute und an den guten Gott zu verlieren.

Dann seid ihr nicht mehr Salz der Erde, vielmehr gibt es unter Euch dann Streit und Zerwürfnisse.

Lasst euch durch nichts davon abbringen, selbst nach dem Guten zu suchen und es zu tun. Denn das Gegenteil – wollt ihr euch nicht mal vorstellen.

Allgemeines Gebet

Lektor/in:
Schwestern und Brüder, wir haben die Botschaft Gottes gehört und die Mahnung, den Glauben an den guten Gott zu bewahren. Wir beten: Gott, du Ziel unseres Lebens:
L/A: Wir beten zu dir

  • Wir beten für die Menschen, die ausgelaugt sind, die nicht mehr können und in Armut leben: Um das Verständnis und die Solidarität in der Gesellschaft
  • Wir beten für die Menschen, die sich für größere Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft einsetzen: um Beharrlichkeit und Weisheit und um Erfolg.
  • Wir beten für die reichsten Menschen in unserer Gesellschaft: um die Bereitschaft, auf Privilegien und Macht und immer größeren Reichtum zu verzichten.
  • Wir beten für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: um gerechten und auskömmlichen Lohn, um Anerkennung und Wertschätzung.
  • Wir beten für alle, die ihre Kraft und Phantasie in der Familie und in Vereinen einsetzen: um die Anerkennung ihres Engagements, um Kraft und Ausdauer und um die Erfahrung von Gemeinschaft und Sinn.

Lektor/in:
Gott, du bist gut. Du siehst in das Herz der Menschen. Du kennst ihr Sorgen und Ängste, ihre Hoffnungen und ihre Liebe. Halte die Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Frieden in unseren Herzen wach, der du lebst und herrschst in Ewigkeit.

Alle: Amen.

22.09.24: 25. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
es waren letzten Sonntag fast die gleichen Worte: Jesus sagte: „Der Menschensohn wird ausgeliefert. Sie werden ihn töten. Er wird drei Tage nach seinem Tod auferstehn“. Jesus spricht das zweite Mal zu seinen Jüngern davon – und was tun die: Sie machen sich Gedanken, wer unter ihnen der Größte sei.

Uns hat Jesus mit auf den Berg genommen. Uns haben die Leute besser zugehört. Ich habe mehr Kranke heilen können. ….

Das ist ein kranker Ehrgeiz. Wenn wirklich jemand etwas besser kann oder macht. –
Soll er deswegen über die anderen bestimmen dürfen?
Soll er im Himmel einen besseren Platz bekommen?

Liebe Schwestern und Brüder,
diese Ehrsucht, diese Geltungssucht plagt Menschen natürlich heute genauso wie damals – und wir Christen sind leider keine Ausnahme. Obwohl wir es sein könnten.

Wir haben ein Gegenmittel: dieses Gegenmittel ist, dass wir Jesus verinnerlichen. Er zeigte keinerlei Geltungssucht. Er wusch die Füße der Jünger nicht, um sie dadurch zu demütigen. Er wollte ihnen diesen Dienst erweisen, diese Wohltat, dieses Wohlbefinden gönnen.

Jesus hat sich auch nicht selbst gedemütigt und sich klein gemacht: als Meister und Herr seiner Jünger wollte er ihnen diesen Dienst erweisen.

Zurück zu der Episode, die wir gerade gehört haben. Jesus sagt: Der Größte ist, wer ein Kind aufnimmt in seinem Namen.
Wahrscheinlich ein Kind, das auf der Straße war und lebte, um das sich niemand kümmerte. Der Größte ist, wer den anderen wohltut – nicht wer am öftesten predigt, die Leute am meisten in den Bann zieht, usw.

In unserer Kirche wurde ein Sprachspiel erfunden: Man bezeichnet das machtvolle Amt in der Kirche als Dienst. Im Leben Jesu gibt es dafür keinen Anhaltspunkt, denn er hat nicht regiert. Er hatte keine Macht außer der, Menschen von ihrem kranken Ehrgeiz zu heilen.

Im kirchlichen Amt sind wir gefährdet, das eigene Geltungs- und Machtbedürfnis zu stillen und es als demütigen Dienst zu verbrämen.

Eine große Hilfe dagegen ist das Zusammenarbeiten: in unserem Fall zu dritt: Pfarrer, Pfarrvikar und unser neuer Gemeindereferent.
Zu dritt dürfen wir üben, miteinander zu überlegen und abzuwägen. Hier nehmen wir uns immer wieder vor, dass wir den Menschen, wenn sie in der Gemeinde zusammenkom­men, wohltun wollen. Hier können wir in einem kleinen Team leben, was Kirche eigentlich ausmacht, nämlich:

Communio – Gemeinschaft. Einander aufnehmen und annehmen im Namen Jesu. Hier teilen wir die Sendung, die Gemeinde zu stärken und aufzubauen. Jeder ist gesandt, zu bestimmten Menschen in der Gemeinde, denen er Jesu Liebe verkünden darf.

Unser Gemeindereferent Rudi Berzl ist gesandt zu den ganz Jungen in unserer Pfarreiengemeinschaft, um mit ihnen in den Zwergerlgottes­diensten Geschichten von Jesus erfahrbar zu machen. Er ist gesandt zu den Ministranten, zu den Kindern in der Grundschule am Napoleonstein, er ist gesandt zu den jungen Christen, die sich auf die Firmung vorbereiten und er wird demnächst zu den trauernden Menschen gesandt, und wird ihnen in der Begräbnisfeier die Hoffnung des Glaubens zusprechen.
Vieles weitere kommt im Alltag hinzu und kann jetzt gar nicht aufgezählt werden.

Jetzt bitte ich Dich, lieber Rudi, mit uns vor den Altar zu kommen, und vor der Gemeinde zu bezeugen, dass du bereit bist, gemäß deiner Sendung durch den Bischof in unserer Gemeinde dem Reich Gottes zu dienen.