26. Oktober 2014: 30. Sonntag im Jahreskreis Weltmission

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Geht hinaus in alle Welt! Lehrt die Menschen, die Gebote zu halten, die ich euch geboten habe und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! (Mt 28, 19)

Wie stehen wir heute zu diesem Auftrag? Dürfen wir diese Sendung Jesu noch ernst nehmen?–
Oder stülpen wir dadurch anderen Menschen etwas über, das sie von ihrer religiösen und kulturellen Tradition und von sich selbst entfremdet?

Doch bevor wir zurückfallen in die Diskussion über Missionsmethoden vergangener Jahrhunderte – verbunden mit europäischer Überlegenheit und Überheblichkeit (Erinnerung an das Unrecht gewaltsamer Missionstätigkeit) – machen wir uns erst einmal bewusst:
Welche Gebote sind es denn, die Jesus lehrt?  und: Wie hat Jesus selbst missioniert?

Die beiden Gebote haben wir gerade gehört: Du sollst den Herrn deinen Gott lieben! Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!

Das ist eine wahrhafte Befreiung:
Die Liebe ist das einzige Gebot, das jemand einhalten muss, damit er zu Jesus gehören kann.
Wer sich auf ihn taufen lässt, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes – muss nur diesem Doppelgebot zustimmen, das Jesus als wichtigstes und zentrales Gebot erinnert hat.

Schwestern und Brüder – zugegeben ist das ziemlich reduziert (wenn man an die vielen Regeln und Gebote im Katechismus denkt) – aber eben auf das Wesentliche reduziert.
Damit kann man zu den Menschen gehen ‑ Dies kann man verkünden und sie lehren, dass es allein auf die Liebe ankommt – auf die Liebe zu Gott und damit verbunden zum Mitmenschen und dass zwischen beiden niemals ein Widerspruch bestehen kann. Niemand muss dafür seine Kultur aufgeben! Muss jemand dafür seinen Gott bzw. seine Religion aufgeben, durch die er die Verbindung mit Gott sucht?

 

Die zweite Frage war: Wie hat Jesus missioniert?

Er ging in die Gotteshäuser und verkündete: Kehrt um, das Reich Gottes ist euch nahe! Er heilte die Kranken und er vergab den Sündern.

Er hat niemanden bedrängt oder gar gezwungen, mit ihm zu kommen.
Nichts lag ihm ferner, als die Freiheit eines Menschen zu missachten.
Wenn ein Dorf ihn nicht aufnahm, dann ging er in ein anderes Dorf.

Kenner der Evangelien werden jetzt vielleicht einwenden:
Jesus hat doch das Gericht angedroht, für manche, die ihm nicht folgen wollten. Er hat doch zum Beispiel gesagt, Betsaida werde es schlimmer ergehen als Sodom und Gomorra.

Ja! Er sprach vom Gericht Gottes für die, die sich nicht bekehren wollten:
Das ist nun mal die Art prophetischer Rede, die Jesus angewandt hat:
Wer von seinem Unrecht nicht ablässt, wer sich Gott verweigert, wer sich der Liebe versagt, der wird so vor Gott hintreten und erkennen dass er den falschen Weg ging.
Wie Gott dann diesem Menschen begegnet, wie er diesem Menschen Heil schenken kann, das steht auf einer anderen Seite, die nur Gott beschreibt.
Menschen können das nicht beurteilen und in ihrem Urteil vorwegnehmen.

Schwestern und Brüder,
wir können Ja sagen zur Mission, zur Sendung der Kirche:
Es ist eine Sendung die befreit und die jedem die Freiheit lässt.
Sie betont das wesentliche des Mensch-Seins: Die Liebe zu Gott und die Liebe zum Mitmenschen, die niemals ein Widerspruch sein können.

Dieses Ja können wir ausdrücken, indem wir Anteil nehmen an den Christen, die in schwierigen Situationen leben: die aus ihren Städten vertrieben werden, wie kürzlich in Mossul, oder die immer wieder Ziel von gewalttätigen Angriffen werden.
Dieses Ja können wir ausdrücken durch das Gebet für die Missionare in aller Welt und dafür, dass immer mehr Menschen Christen werden.
Dieses Ja können wir ausdrücken durch unsere Spende, die wie heute geben, damit die ärmsten der 3000 katholischen Bistümer überhaupt wirtschaftlich existieren können.

12. Oktober 2014: 28. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder,
für mich ist der Schluss dieses Gleichnisses schockierend und rätselhaft: Alle möglichen Leute wurden von der Straße geholt, damit sich der Festsaal füllt – und dann wird einer hinausgeworfen, nur weil er kein Hochzeitsgewand anhatte. Wer hat schon ein Hochzeitsgewand im Beutel, wenn er von der Arbeit kommt – möchte ich fragen.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die anderen Gäste alle ein Hochzeitsgewand hatten.

So wie ich Jesus aber aus den Evangelien kenne, geht es ihm nicht um kleinliche Kleiderordnungen.
Was also will mir das Evangelium mit diesem Ende der Geschichte sagen?

Dazu frage ich mich:  Wodurch mag sich der eine, der hinausgeworfen wird, von den anderen unterscheiden – wenn es nicht um Textilien geht?

Die Antwort ist mir wichtig:
Denn, als getaufter Christ gehöre ich zu den vielen, die von der Straße geholt wurden – und ich möchte nicht wieder hinausgeworfen werden.

Dass es bei dem Hochzeitmahl um das Reich Gottes geht, um das ewige Leben bei Gott im Himmel, liegt auf der Hand.
Offenbar gibt es nicht nur die Möglichkeit, die Einladung gleich zu verweigern, sondern man kann auch – obwohl man schon im Saal ist – wieder hinausgeworfen werden.
Man kann das Leben wieder verlieren, das einem schon geschenkt war.

Was könnte daran schuld sein?

Jedenfalls nicht das Leben, das ich geführt habe, bevor mich die Einladung erreichte – das scheint egal zu sein. Gute und Böse füllen den Festsaal.

Vielleicht aber hängt es damit zusammen, ob ich mich angemessen verhalte:

Statt in Freude die Hochzeit mitzufeiern, verbreitet der Mann vielleicht Missstimmung: Stößt die Nachbarn an, versucht für sich die schöneren Stücke vom Teller zu fischen und auch etwas mehr als die anderen?

Schwestern und Brüder, etwas anderes kann ich mir eigentlich nicht vorstellen: Der Mann verhält sich nicht so, wie es der Hochzeitsfeier entspricht.

Das Evangelium mahnt mich:

Die Taufe, die Firmung, keine Kommunion würden nichts nützen, wenn ich nicht so lebe, wie es dem Reich Gottes entspricht.

Wenn ich an Gott glaube, der das vergängliche Leben mit Unvergänglichkeit bekleidet,
Wenn ich glaube, dass Gott der Gute ist,

dann muss auch ich gut sein und gut werden.

28. September 2014: 26. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder,
Inzwischen befinden wir uns in Jerusalem. Dort war Jesus von den Leuten – darunter viele, die als Sünder galten – wie ein König empfangen worden:
Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn“ sangen die Leute.

Jesus war in den Tempel gegangen und hatte die Händler und Geldwechsler vertrieben.

Wie zu erwarten stellen ihn die Hohenpriester und Ältesten zur Rede und fragten ihn: mit welchem Recht tust du das alles. Wer hat dir dazu die Vollmacht gegeben.

Damit stellen sie Jesus vor ein Dilemma:
Beruft er sich auf einen göttlichen Auftrag – dann wird er als Gotteslästerer verurteilt werden.

Wenn er sich aber nur seine eigene Ansicht und Einsicht beruft, dann werden sie ihn verurteilen, weil er den Tempel und den Tempelkult angegriffen hat.

Jesus sitzt also in der Klemme. Nur mit einem geschickten Schachzug kann er sich daraus befreien: Er stellt eine Gegenfrage:
Er wird die ihm gestellte Frage beantworten, wenn ihm die Ältesten beantworten, ob Johannes im Auftrag Gottes taufte oder nur aus eigenem Antrieb:

Nun saßen die Hohenpriester in der Klemme:
Denn wenn sie sagen: Johannes taufte im Namen Gottes, dann machen sie sich unmöglich, weil sie Johannes nicht glaubten.
Wenn sie antworten: Es war seine eigene Sache – dann brachten sie das Volk gegen sich auf, das Johannes für einen Propheten hielt.

Nun war die Situation wieder offen und Jesus hatte sich schlau aus der Affäre gezogen. Aber statt wegzugehen und seinen Sieg auszukosten, begann er eine neue Runde in der Auseinandersetzung:

Mit dem Gleichnis von den beiden ungleichen Söhnen stellte er den Hohenpriestern und Ältesten die Zöllner und Dirnen als Beispiel vor, weil sie der Predigt des Johannes glaubten und sich bekehrten.

Die Botschaft Jesu ist klar:
Gott ruft die Menschen zur Umkehr, damit sie von ihrem Unrecht ablassen und anfangen, nach Gottes Willen zu leben.

Alleine darauf kommt es an: dass ich wirklich Gottes Willen tue!

Deshalb ist es nötig, dass wir Christen selbstkritisch bleiben – dass wir unser Verhalten, unser Tun immer wieder mit dem vergleichen, was Jesus getan und gelehrt hat:

Ist Gott die Mitte meines Lebens? Liebe ich Gott?
Oder benutze ich das Wort, benutze ich Gott dafür, um meine eigenen Interessen und Vorlieben zu rechtfertigen?

Liebe ich meine Mitmenschen? Oder beurteile ich und verurteile sie?
Bin ich bereit zu teilen? Zu helfen? Gutes zu tun – auch da, wo mich keiner verpflichten würde?

Die selbstkritische Prüfung der eigenen Gesinnung und des eigenen Handelns nennt Jesus Umkehr.
Das konkrete Üben, wirklich nach Gottes Willen zu fragen und ihn zu tun, nennt Jesus Buße.

Umkehr und Buße sind also nichts Schlimmes. Es geht nicht darum, etwas Böses oder Schlechtes auf sich zu nehmen, quasi als Strafe.

Umkehr und Buße sind nichts anderes als die ständige Einübung darin, Gottes Willen für sich zu erkennen und ihn zu tun.

Sie sind nötig, damit wir Gottes Güte in der Welt sichtbar machen.

21. September 2014: 25. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder
Es ist ein geflügeltes Wort geworden, das Michail Gorbatschow vor 25 Jahren in den Mund gelegt wurde: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“

Ich möchte diesen Satz aber nicht als Motto wählen – auch wenn er zunächst eine ganz alltägliche Erfahrung beschreibt:

Wer die Entwicklungen verpasst, an dem zieht das Leben vorbei und er hat das Nachsehen und viele Nachteile:
Das System der DDR konnte sich nicht verändern und auf die Entwicklungen in seiner Gesellschaft reagieren – und es verschwand!

Aber dieser Satz ist zugleich gnadenlos:
Kein Busfahrer würde mehr an der Haltestelle ein paar Augenblicke warten, bis der heraneilende Passagier gerade noch hereinhüpfen kann.
Deswegen ist er meiner Meinung nicht geeignet als Norm für das Miteinander der Menschen.

Das heutige Evangelium beschreibt genau das Gegenteil:
Nicht nur in der Frühe, auch spät am Vormittag und sogar erst kurz vor Feierabend wurden die Arbeiter angeworben – und nicht bestraft dafür, sondern erhielten das, was sie zum Leben brauchten – und zwar noch vor den anderen, die den ganzen Tag die Gluthitze des Tages ertragen hatten.

Wir dürfen da schon Verständnis haben für deren Entrüstung, die wir in ähnlichen Situationen durchaus kennen:

Da zieht jemand neu in das Haus ein – und genießt von Anfang an die Sympathie aller im Haus und wird gefragt, wenn es etwas zu regeln gibt.

Da kommt jemand neu in die Firma und wird sofort denen gleich gestellt, die schon lange dabei sind.

Sollten nicht die, die neu dazu kommen, sich erst mal hinten anstellen und sich anpassen und einfügen, statt gleich in der ersten Reihe zu stehen?
Das weckt Neid und Eifersucht.

Liebe Schwestern und Brüder, ist es aber nicht auch so, dass jeder – auch und gerade der zuletzt dazu kommt – die Gemeinschaft bereichert?
Sollte nicht der Letzte genauso ernst genommen werden, wie der letzte?
Es wäre doch ungerecht zu sagen: Weil du neu bist, hast du hier nichts zu sagen. Wer könnte sich da willkommen fühlen?

Liebe Schwestern und Brüder, dieses Gleichnis über das Himmelreich lehrt mich zweierlei:

Zum einen, dass die Türe nie verschlossen wird: Jesus hat es vorgelebt:
Er hat die in sein Reich berufen, die als Zöllner und Sünder überall ausgeschlossen waren.

Es gibt bei Gott kein zu spät – vielmehr kann jeder seine Einladung zu jeder Zeit annehmen – solange er lebt.
Und deshalb sollten auch wir uns freuen über jeden, der mit uns leben will und zu uns gehören will:

Und zweitens:
In den Fragen, die demnächst von der Weltbischofssynode diskutiert werden heißt das für mich: Wir dürfen nicht sagen: dein Leben war verkehrt – jetzt ist die Tür geschlossen. Du hast keinen Platz am Tisch des Herrn.
Wir sollten vielmehr jeden, der zu uns kommt und mit uns leben will willkommen heißen und uns freuen, dass wir nun mit ihm das Brot teilen können.

Jesus hat die Menschen nicht festgelegt auf ihre Vergangenheit – er hat ihnen eine neue Zukunft eröffnet – und wir, seine Kirche, sollten das gleiche tun: wenn Menschen zu uns kommen, wenn sie auf der Suche nach Gott sind, dann sollen wir sie froh und dankbar aufnehmen – und sie nicht in die letzte Reihe schicken.

07.09.2014: 23. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder,
Der Apostel Paulus bringt es im Römerbrief auf den Punkt:
Alle Gebote über das Zusammenleben der Menschen sind in dem einen Satz zusammengefasst: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
denn die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses!

Soweit die Theorie. Das Matthäusevangelium hingegen setzt sich mit folgender Situation auseinander: „Wenn dein Bruder sündigt!“

Der viel ältere Text aus dem Buch Ezechiel schärft erst Recht die Pflicht ein, die Menschen auf das Unrecht hinzuweisen, das sie tun – damit sie umkehren und nicht ihrer Sünde wegen sterben müssen.

In den Prophetenworten erscheint Gott wie ein Monarch, der sein Volk durch die Gewalt seiner Feinde straft, weil es Gräueltaten verübt, statt auf seinen Gott zu hören.

Die Menschen tun einander Böses.

Wie soll man sich verhalten, gegenüber einem, der Unrecht tut?
Wenn einer betrügt, wenn einer seine Kinder schlägt, wenn einer zu viel Alkohol trinkt, wenn einer ungerecht ist und gemein?

Erinnern sie sich an Beispiele, wo sie gesehen haben, dass jemand auf dem falschen Weg ist und sie sich damit plagten: soll ich etwas sagen? Darf ich etwas sagen? Darf ich mich einmischen?

Das Mt. Evangelium gibt den ersten Christen für eine solche Situation Hinweise, die zu größter Sorgfalt raten: Vier Augen Gespräch – zwei Zeugen – schließlich die ganze Gemeinde!

Das ist ein großer Aufwand, bevor es zu dem radikalen Schnitt kommt: er sei für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.

Neigen wir nicht dazu, schon viel früher zu entscheiden: Mit dem oder will ich nichts mehr zu tun haben?

Neigen wir nicht dazu, mit anderen über die Fehler eines Menschen zu sprechen – statt mit ihm zu reden?

Vielleicht würden wir unser Urteil ändern, wenn wir mit dem sprechen, dem wir ein Unrecht vorhalten.

Liebe Schwestern und Brüder, die Verkündigung Jesu ist voll von Beispielen, wie er Sündern begegnet ist:
Ohne Vorhaltungen – sondern er lud sie ein, bot ihnen Gemeinschaft an, sprach ihnen die Vergebung zu.

Wie der Hirte das verlorene Schaf sucht, so will Jesus den Menschen nachgehen und sie zu sich holen.
Wie die Frau sich freut, wenn sie die verlorene Drachme wiedergefunden ist, so freut sich Jesus über jeden Menschen, der wieder anfängt
an Gottes Güte zu glauben.

Jesus will die Menschen zu sich einladen, zur Gemeinschaft mit Gott einladen, er will ihnen helfen, an Gottes Güte zu glauben und deshalb selbst gütig zu werden.

Jesus ist gekommen, um zu retten, um zu sammeln, um zu heilen ‑
nicht um zu urteilen und auszuschließen!

Darum geht es: Schwestern und Brüder zu gewinnen!

Das sollte man uns einzelnen Christen anmerken: dass wir barmherzig miteinander umgehen!

Und wir sollte es auch von unseren Bischöfen erleben und erwarten können: dass sie nicht Urteile fällen über die Menschen und darüber wie sie als Familie und als Mann und Frau zusammen leben.

Schließlich und endlich sollten die Zeiten vorbei sein, in denen Menschen wegen tatsächlicher oder vermeintlicher Unrechtstaten an den Pranger gestellt werden. Ausgesetzt dem Spott, dem Hohn und der Häme der vorbeiziehenden öffentlichen Aufmerksamkeit.

Schwestern und Brüder,
gibt es denn jemand, der wirklich eine weiße Weste hat?
Brauchen wir nicht alle die Nachsicht, das Verständnis, die Geduld unserer Mitmenschen?

Lasst uns sparsam damit umgehen, andere zu beschuldigen und sie auszuschließen. Es sollte uns darum gehen, Brüder und Schwestern zu gewinnen, die mit uns leben im Glauben an Gottes Güte.

31. August 2014: 22. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder!
Mir ist das Gegensatzpaar aufgefallen, das Jesus aufstellt:  Die Welt zu gewinnen setzt er in den Gegensatz zu das Leben verlieren!

Danken wir nicht genau anders?: Die Welt gewinnen – das heißt das Leben auskosten und es genießen.

Wer möchte nicht gerne – wenigstens hin und wieder – Leben wie Gott in Frankreich?
Wer möchte nicht, wenigstens etwas von den schönen Dingen des Lebens genießen können: Musik, Theater, Bilder und Kunstwerke ‑ jeder das, was ihm gefällt?

Die Welt gewinnen – das wäre schon erstrebenswert, weil sie so vieles bieten kann, was das Leben lebenswert macht.

Jesus hingegen sagt: Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt.

Stellen wir die Worte in ihren Zusammenhang, damit sie verständlich werden: Petrus hat Jesus als Messias bekannt und erkannt.
Jesus hat ihm daraufhin als Fels seiner Kirche bezeichnet: Was du auf Erden löst, wird auch im Himmel gelöst sein.

Seither spricht Jesus davon, dass man ihn in Jerusalem töten wird.
Petrus möchte sich diesen Ahnungen in den Weg stellen:
Herr, das darf nicht geschehen. Wir lassen das nicht zu. Gott soll das verhüten.

Dann sagt Jesus diese Worte: Was nützt es einem Menschen, was nützte es mir, wen ich die ganze Welt gewinne, dabei aber mein Leben verliere.

Jesus ist klar geworden: sein Weg führt ihn in die Konfrontation mit denen, die meinen an Gottes Stelle darauf achten zu müssen, dass die Ordnung erhalten bleibt.
Würde er diese Konfrontation meiden, würde er sich, seinen Glauben und seinen himmlischen Vater verraten. Er würde sich selbst verlieren.
Und dasselbe wäre es, wenn er sich mit den Mitteln der Kraft und Stärke verteidigen würde oder gar die angreifen würde, die ihn für gefährlich halten.

Liebe Schwestern und Brüder,
sie alle kennen diese Situationen, in denen sie unangenehmes tun, ertragen, auf sich genommen haben, weil ihnen das Gewissen sagte:
jetzt kommt es darauf an, dass ich für den anderen da bin;
jetzt kommt es darauf an, dass ich meine Überzeugung vertrete;
jetzt kommt es darauf an, dass ich die Schwierigkeiten überwinde;
jetzt geht es um mehr als um Annehmlichkeit und Wohlbefinden.

Nicht immer folgen wir der Stimme des Gewissens:
wir versuchen uns durchzuschlängeln und sind innerlich gespalten.
Wir versuchen den Schein zu wahren, und dennoch die größten Unannehmlichkeiten zu vermeiden.

In solchen Situationen, wo es um mehr geht, wo es um die Liebe geht, um Wahrheit und Gerechtigkeit, wünsche ich uns den Mut und die Stärke, das zu tun, was uns das Gewissen sagt.

27. Juli 2014: 17. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder,
Warum laufen Kinder um die Wette?
Warum entwickeln schon Kinder immer neue Wünsche:
Das will ich haben?
Warum haben Kinder schon den Ehrgeiz, sie möchten besser sein, im schöneren Haus wohnen, die schönere Kleidung haben?

Sie spiegeln darin oft das Denken der Erwachsenen wider.

Es ist eine urmenschliche Eigenart: Wir wollen es besser. Wir wollen mehr. Wir wollen es größer!

Und diese menschliche Eigenschaft ist sehr erfolgreich und sinnvoll:
Das ist der Antrieb des Fortschritts: Deshalb können heute so viele Krankheiten geheilt werden. Deshalb gibt es Fabriken.
Deshalb gibt es unsere Zivilisation:

Besser, größer, schneller, weiter, mehr!

Das treibt den Menschen an – auch jene beiden Männer, die Jesus in seinen kleinen Geschichten beschreibt:
Der Mann geht auf den Acker, um durch seine Arbeit Brot zu verdienen,
der Kaufmann sucht schöne Perlen, um damit zu handeln und zu verdienen.

Der Schatz und die Perle, die sie finden, setzen ihrem Streben ein Ende:
Das ist das Größte, beste, meiste, wertvollste – das ist nicht steigerbar!
Dieses eine zu besitzen genügt. Dann hört der Handel auf, der Landmann muss nicht mehr aufs Feld!

Der Schatz, die Perle ist genug. Mehr geht nicht!

Das, Schwestern und Brüder bedeutet es, das Himmelreich zu finden. Mehr gibt es nicht. Schöneres und Besseres – ist nicht vorstellbar!
Das möchte Jesus den Jüngern sagen.

Woher weiß er das?

Er weiß es, weil er selbst diesen Schatz, diese Perle gefunden hat. Er weiß es, weil er selbst so voller Freude darüber ist, dass er nichts anderen anstreben will: Ich habe es gefunden sagt Jesus – glaubt mir, das mach so glücklich, die Freude ist so unbändig groß und vergeht nie wieder.

Wer das Himmelreich gefunden hat, für den hat die manchmal quälende, ewige Mühe, das ewige „noch einmal“, die ständige Suche nach etwas Besseren ein Ende:
Jesus sagt: Wenn du das Reich Gottes gefunden hast, dann hast du das größte denkbare Glück gefunden.

Ich erinnere mich an die Einladung Jesu:
Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten auf euren Schultern tragt: Ich werde euch Ruhe verschaffen! Nehmt mein Joch auf euch, denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele:

Jesus befreit uns vom Leistungszwang, vom Konsumzwang und vom Druck des immer mehr, immer schnelle, immer größer, immer besser.

Er schenkt uns das Himmelreich, also jene Erfahrung, die uns Frieden schenkt:

Jeder Mensch ist von Gott um seiner selbst willen geliebt.
Jeder Mensch ist Gott unendlich wertvoll.

Diese Erfahrung ist besser als alles, was wir sonst in der Welt leisten und schaffen können: Es ist gut, dass es mich gibt.
Ich darf sein – so wie ich bin – weil Gott mich so liebt.

Das ist das Himmelreich.

 

13. Juli 2014: 15. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder,
wie gehen Sie mit Ihrem Geld um?
Kaufen Sie überflüssige Sachen, die später nur im Schrank stehen oder hängen?
Kaufen Sie Sachen, die es woanders viel billiger in gleicher Qualität gibt?

Verschwenden Sie Geld?

Die Maßstäbe sind dabei sehr verschieden: was der eine als Verschwendung empfindet, ist für den anderen eben eine Annehmlichkeit, ein kleines bisschen Luxus.

Aber Geld ausgeben und einsetzen ohne dass irgendetwas dabei herauskommt, das empfinden die meisten als ärgerlich –
wenn staatliche Stellen zu teure und überflüssige Anschaffungen oder Baumaßnahmen tätigen – dann ist das Verschwendung von Steuergeld.

Schildert Jesus in dem Gleichnis einen Sämann, der unfähig ist,  weil er seinen Samen dahin sät, wo es nichts zu ernten gibt?

Mitnichten – Jesus beschreibt, was jeden Tag geschieht:
Auch heute fallen Samenkörner vom Anhänger auf Wege und Straßen.
Jeder Koch weiß, dass ab und an ein Ei zu Boden fällt.
Jede Ingenieurin weiß, dass manches Produkt fehlerhaft die Fabrik verlässt,
jeder Lehrer weiß, dass seine Bemühungen nicht bei allen Schülern fruchten.

Aber was kommt häufiger vor?

Der Misserfolg, das Scheitern der Bemühungen, der Fehleinkauf –
oder der Erfolg, das Gelingen, der erhoffte Nutzen.

Schwestern und Brüder,
vor diesem Gleichnis Jesu erzählt das Evangelium von einer schwierigen Periode in seinem Leben: Die Pharisäer stellen sich gegen ihn;
wegen einer Heilung am Sabbat beschließen sie ihn, umzubringen.
Sie bezichtigen ihn nach der Heilung eines blinden und stummen Mannes, er stünde mit dem Satan im Bund.

Ich kann mir die Stimmung unter den Jüngern vorstellen:
Jesus, wie geht es weiter! Das hat doch keinen Erfolg.
Siehst du nicht, dass sie Dir übel wollen.
Glaubst Du wirklich, dass das Reich Gottes kommt?
Glaubst Du wirklich, du kannst das Reich Gottes zu den Menschen bringen?

Dieser Zaghaftigkeit setzt Jesus die alltägliche Erfahrung entgegen:
Jeder vernünftige Mensch wird sein Werk, sein Bemühen auch nach einem Misserfolg weiterführen.

Es wäre völlig unangemessen, nicht mehr zu arbeiten, weil man einen Fehler gemacht hat, oder weil etwas nicht angenommen wurde.

Liebe Schwestern und Brüder,
der Sämann wird reiche Frucht ernten können, trotz der Körner, die neben den fruchtbaren Boden fielen.
Die Lehrer werden den Erfolg ihrer Bemühungen sehen können.
Und die Familie wird essen können, was in der Küche zubereitet wurde.

Und so ist es auch mit dem Reich Gottes,
wenn wir Versöhnung bringen,
wenn wir kranke heilen,
wenn wir der Macht der Liebe trauen,
wenn wir Gottes Güte in die Welt bringen,
werden wir die Früchte ernten können.

Darauf dürfen wir vertrauen.

Jesus macht uns Mut,
dass wir den guten Kräften trauen und uns einsetzen für Freiheit und Frieden, für Gerechtigkeit und Wahrheit
und dass wir vor allem barmherzige und tätige Liebe üben. 

6. Juli 2014: 14. Sonntag im Jahreskreis

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1. Mühe und Plage gehören zur Schöpfungswirklichkeit

Nachdem Adam und Eva ihren Platz im Paradies verloren haben, heißt es, dass sie nun unter Mühsal den Boden bebauen müssen, um Ackerfrüchte zu ernten. Im Schweiße seines Angesichts muss der Mensch sein Brot essen, bis er zurückkehrt zum Ackerboden; Staub ist der Mensch und zum Staub kehrt er zurück.

Mühe und Plage gehören zum Leben. Wer könnte nicht davon berichten!
Ohne Fleiß kein Preis. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!

Ich habe diese Sprichwörter im Ohr – die geradezu eine Überzeugung daraus machen: DU musst dich mühen und plagen, wenn du etwas erreichen willst.

2. Die Mühe des Menschen braucht gerechten Lohn

Seit Papst Leo XIII stellt sich das kirchliche Lehramt auf die Seite der Menschen, die ausgenützt werden, die unterdrückt werden, die für ihre Arbeit nicht den gerechten Lohn erhalten.

Der faire Handel, der seit 40 Jahren von der Kirche entwickelt und Aufgebaut wird: vom Bund deutscher kath. Jugend, von MISEREOR und anderen kirchlichen Gruppen, ist ebenfalls ein Beispiel dafür:
Es geht darum, dass die Menschen, die Kaffee und Schokolade, Gewürze und Früchte produzieren dafür gerechten Lohn erhalten und nicht von Großgrundbesitzern, multinationalen Konzernen und Zwischenhändlern ausgebeutet und ausgenützt werden.

3. Jesus schenkt dem Menschen Ruhe in seinem innersten Bedürfnis nach Angenommen sein

Jesus sagt: „Kommt alle zu mir, die ihr euch müht und belastet. Ich lasse euch ausruhen. Lernt von mir: denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.

Schwestern und Brüder, das klingt so verheißungsvoll, das klingt einladend und freundlich. Jesus will nicht wieder etwas von mir, sondern er gönnt mir Ruhe; er will mich Ruhe finden lassen:

Wie kann ich und warum kann ich bei Jesus Ruhe finden?

Er befreit mich von der Last, die mir andere auferlegen:
Ich muss mir seine Zuneigung nicht verdienen.
Ich muss nicht perfekt sein, um seine Anerkennung zu finden.
Ich muss nichts leisten, um mein Dasein zu rechtfertigen.

Jesus ist gütig und demütig:

Er stellt sich nicht als Richter über mich.
Er stellt mich nicht bloß für das, was schief gelaufen ist
und was ich nicht schaffe.

Im Gegenteil:
Er schenkt Zuneigung und Anerkennung,
er versteht und übt Nachsicht.
Er öffnet die Türen, statt sie zu verschließen.

Deshalb können wir bei ihm zur Ruhe kommen!

Er lässt uns erkennen:
Wir sind nicht wertvoll, durch das, was wir leisten und uns leisten können.
Wir sind ihm wertvoll, weil wir da sind.

Schwestern und Brüder, das brauchen wir:
ihn, der uns einlädt und aufnimmt um unser selbst willen – nicht wegen unserer Leistung. So schenkt er uns Ruhe und Frieden,

 Er nimmt alle Joch von unserer Schulter: den Leistungszwang, den Geltungsdruck, den Konsumzwang, den Erfolgsdruck.

Der Mensch ist wichtig und wertvoll um seiner selbst willen.
Jeder einzelne – sie und ich.

21. Juni 2014: 12. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:Schott

Liebe Schwestern und Brüder,
sind ihnen die Gegensatzpaare in diesem Abschnitt des Mt. Ev. aufgefal­len?

Verhüllt – enthüllt; dunkel – hell; flüstern – verkünden; Leib töten – Seele verderben; bekennen – verleugnen

Nach den 40 Tagen der Fastenzeit, nach den 7 Wochen der Osterzeit und den darauffolgenden Festtagen setzt das Kirchenjahr nun die Reihe der Sonntag im Jahreskreis fort.

Von diesem Sonntag an bis zum Advent hören wir der Reihe nach Abschnitte des Matthäusevangeliums –mit einigen Auslassungen und zufälligen Unterbrechungen: zum Beispiel, wenn am nächsten Sonntag das Patrozinium trifft.

Der Abschnitt, den wir gerade gehört haben, gehört zu einer Rede Jesu, in der er die 12 Apostel aussendet. Sie sollen verkünden: „Das Himmelreich ist nahe!“

Dabei gibt ihnen Jesus bestimmte Regeln mit auf den Weg:
„Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“ Sie sollen kein Geld mitnehmen und keine Vorratstasche – nicht einmal Reservekleidung, keine Schuhe und keinen Wanderstab.

In unserem heutigen Abschnitt geht es darum, dass die Jünger ihre Botschaft von den Dächern verkünden sollen – also so, dass sie von jedem gehört werden. Und sie sollen ohne Angst verkünden – sie sollen nicht einmal Angst vor dem Tod haben!

Liebe Schwestern und Brüder, es geht ums Ganze:
Es geht um Himmel und Hölle, um Leben und Tod.

Schlimmer ist es, wenn die Seele stirbt, als wenn der Leib stirbt – weil es eine Zukunft gibt, die Gott schenkt!
Eine Zukunft bei Gott, in der wir Gott sehen werden, wie er ist – in der wir also keinen Leib mehr brauchen, sondern wie Gott leben und sein werden.

Die Botschaft Jesu ist eindeutig: Wer zu ihm hält, wer ihm treu bleibt,
der darf gewiss sein: Gott wird ihm Platz geben in den himmlischen Wohnungen.

Diese Münze der Hoffnung hat auch eine zweite Seite:
Unser Leben steht unter dem Anspruch der Wahrheit und des Guten.

Es geht nicht nur um das Wohl und Wehe in dieser Welt:
es geht nicht nur um Gesundheit und Krankheit, um Armut und Wohlstand.

Wichtiger als das Wohl des Leibes ist das Wohl der Seele:

Wichtiger ist, dass ich das tue, was ich als gut erkenne,
als dass es mir gut geht nach weltlichen Gesichtspunkten.

Deshalb werden Menschen die an Gott glauben, lieber auch ein ungeplantes Kind annehmen – und ihre Lebensplanung ändern.

Deshalb werden Menschen, die an Gott glauben, lieber ihrem Gewissen folgen, als sich dem Druck einer Autorität zu beugen.

Denn wir wissen:
Entscheidender ist, dass unsere Seele lebendig bleibt.
Entscheidender ist, dass wir tun, was in Gottes Augen gut ist.

Es gibt eine Wahrheit, die am Ende offenbaren werden wird. Nichts wird verhüllt bleiben, alles wird ans Licht kommen,
dann soll sich zeigen, dass wir für Frieden und Wahrheit, für Gerechtigkeit und Freiheit und vor allem für die Liebe zu Gott und zum Menschen gelebt haben.