02. November 2013: Allerseelen

Bayern 5 – der Nachrichtensender – brachte gestern mehrfach eine Kurzreportage über Allerheiligen und die katholischen Bräuche an diesen Tagen. Die Journalistin sagte: „Wer in diesen Tagen Friedhöfe besucht, erlebt ein zu Herzen gehendes Spektakel: viele hundert Kerzen, die Grablichter, flackern an den Gräbern.“
Es war ein sehr positiver Bericht – nur das Wort Spektakel passt nicht zu den Kerzen an den Gräbern. Wir führen kein Spektakel auf, wenn wir Kerzen an den Gräbern entzünden!

An den Gräbern beten wir: „Unseren Verstorbenen leuchte das ewige Licht!“ – Wo Licht ist, kann Leben entstehen – wo es dunkel ist, da ist kein Leben, da ist nur Tod!
Wenn wir beten: „Unseren Verstorbenen leuchte das ewige Licht!“ dann beten wir darum, dass sie in diesem ewigen Licht leben dürfen!

Wir zünden an den Gräbern Lichter an, weil wir den Verstorbenen ein Licht bringen wollen und auch, damit in unserer Trauer ein Hoffnungslicht leuchtet.

Schwestern und Brüder, so gerne möchten wir glauben, dass unsere Verstorbenen leben, dass sie im Himmel sind – doch das stärkste Argument dagegen ist, dass wir uns dieses ewige Leben im ewigen Licht Gottes nicht vorstellen können. Alle Bilder, alle Wörter entstammen der menschlichen, der irdischen Phantasie und sind – nur Spekulation.

Und doch beten wir: „Das ewige Licht leuchte ihnen, oh Herr!“

Das ewige Licht ist das Licht Gottes, das Licht in dem Gott ist und das von Gott ausgeht. Jesus spricht davon, wenn er sagt: „Ich bin das Licht des Lebens!“
Das Bild vom ewigen Licht geht also auf Jesus und seine Verkündigung zurück. Deshalb ist es für mich ein Bild, das wirklich etwas sagt, über das, was uns nach dem Tod erwartet: Nicht Dunkelheit, sondern Licht.

Wer Licht sehen kann, der lebt im Licht Gottes – der steht nicht auf der Schattenseite des Lebens sondern auf der Sonnenseite.
Das ist mir wichtig, wenn ich daran denke, welche Dunkelheiten zu unserem Leben gehören: Schmerzen, Ängste, Misserfolge, Versagen, Schuld, Mangel – Dem das ewige Licht leuchtet, für den gibt es keinen Mangel mehr, keine Dunkelheit, keinen Schatten.

Das ewige Licht durchdringt uns durch und durch und alles in uns wird zu Licht, ja wir werden selber Licht, werden mit dem Licht Gottes, dem ewigen Licht vereint.

Schwestern und Brüder, der Glaube an Gott, der das Licht erschaffen hat und der selber Licht ist, und der Glaube an das Ewige Leben im Licht Gottes gehören untrennbar zusammen.

Durch unseren Glauben an Gott, leben wir jetzt schon in dem Licht und haben Anteil am Licht Gottes, so wie Jesus sagte: Ich bin das Licht der Welt.
Jesus ging noch weiter und sagte: 
„Ihr seid das Licht der Welt!“

Das Licht Gottes strahlt schon in unser Leben mit seinen Dunkelheiten hinein. Wenn wir Hoffnung fassen, wenn wir Gemeinschaft erfahren, Zuneigung und echte Menschlichkeit, spüren wir das ewige Licht schon jetzt in diesem Leben – jenes Licht, das uns einmal durchdringen wird, wenn uns einmal das ewige Licht leuchtet.

27. Oktober 2013: 30 Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

 

 

Wir sind überzeugt vom Grundsatz der Toleranz: „Jeder möge nach seiner Facon selig werden!“ sagte Friedrich II. von Preußen – und so denken wir heute.
Es ist geradezu ein Tabu, anderen seine eigene Meinung aufdrängen zu wollen.

Das Mt.Evangelium aber schließt mit den Worten: „Geht zu allen Völkern. Macht sie zu meinen Jüngern und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe und tauft sie …“

Dürfen wir diesen Missionsauftrag ernst nehmen, oder müssen wir uns ihm verweigern?

Was bedeutet Mission? Wie können wir in unserer Zeit, in der Toleranz und Freiheit so große Werte sind, Mission verstehen und leben?

Zunächst haben wir Christen durchaus das Recht und die Pflicht vor unserem Gewissen, unseren Glauben an Christus zu bekennen und zu bezeugen. Auch das Christentum ist eine religiöse Überzeugung.
Und wie jede Religion und Überzeugung haben wir den inneren Drang, die Hoffnung, die Freude, die Wahrheit mit anderen zu teilen!

Der Glaube an Gott wirkt stark in das Leben des Glaubenden und in das Leben der Gesellschaft hinein:

Der Glaube an Gott, den Ursprung und die Quelle des Lebens, bringt unmittelbar die Einsicht, dass es Werte und Gebote gibt, die für jeden Menschen gelten – über die sich kein Mensch stellen darf.Der Glauben an Gott gibt dem Leben eine Perspektive, dass nicht das Materielle entscheidend ist und zählt, sondern dass Mitmenschlichkeit das wichtigste ist.

Der Glaube an Jesus Christus befreit den Gottesglauben von der Gefahr in als Werkzeug der eigenen Macht zu missbrauchen:
Gott sagt Ja zum Menschen – auch wenn er ein Sünder ist!
Und jeder Mensch kann sich – in der Nachfolge Jesu – als Kind Gottes erfahren und hat Zugang zum himmlischen Vater.

Wenn wir Christen Menschen begegnen, dann sind wir überzeugt, dass Gott bei ihnen ist und dass Gott ihnen nahe ist.
Wir dürfen Gott sozusagen entdecken – gerade auch bei den Menschen, die einer anderen Religion angehören oder die gar nicht an Gott glauben.
Für uns Christen gibt es keine „gott-losen“ Menschen.

Genau das aber ist es, was wir in der Nachfolge Jesu zu verkünden haben: dass Gott der himmlische Vater aller Menschen ist und dass sein Reich allen Menschen offen steht, dass jeder Mensch Gottes Kind ist!
Dass Gott dem Menschen treu ist und ihm Anteil gibt an seiner Ewigkeit.
Dass Gott Gerechtigkeit will und Frieden und Freiheit für alle,
Dass Hunger und Armut Übel sind, die bekämpft werden müssen,
ebenso wie Verachtung und Feindschaft zwischen den Menschen.

Wer dies glaubt und lernt Gott zu vertrauen als seinem himmlischen Vater, der ist ein Jünger Jesu geworden und kann beginnen, seine Gebote zu befolgen: Liebe Gott und den Nächsten!

Von Anfang an machten die Christen die Erfahrung, dass ihre Mitmen­schen diesen Glauben nicht annehmen und nicht tolerieren konnten.
Es ist dann nicht nur unmöglich, andere zu Jüngern Jesu zu machen – sondern der Glaube an Jesus wird zur Gefahr für das eigene Leben:
Christen wurden verfolgt und werden verfolgt – bis auf den heutigen Tag.
Und leider sind auch Christen der Versuchung erlegen, andere wegen ihres anderen oder falschen Glaubens zu verfolgen.
In solchen Zeiten geben Christen Zeugnis durch die Unbeirrbarkeit ihres Glaubens: Der Blick auf die Kreuzigung und Auferstehung Jesu gab und gibt ihnen dazu Kraft und Mut.

Auch wir leben heute in einer schwierigen Situation:
Viele Menschen leben ohne Gott und Kirche – und sie leben nicht schlechter als wir. Manchmal werden wir lächerlich gemacht, manchmal machen wir als Kirche uns selbst lächerlich.

Umso mehr sollten wir uns bemühen, dass wir leben was wir glauben:
Dass jeder Mensch von Gott geliebt ist, dass Gott Gerechtigkeit will und Barmherzigkeit.

20. Oktober 2013: 29. Sonntag im Jahreskreis (Kirchweih)

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

 

Ein ungerechter Richter, der weder Gott fürchtet, noch auf Menschen Rücksicht nimmt, wird Gott gegenübergestellt.
Der ungerechte Richter verhilft der Witwe um ihrer Hartnäckigkeit willen zu ihrem Recht.

Wenn wir Christen aufhören würden, zu Gott zu beten, ihm unsere Not und unsere Klage entgegenzuschreien – das wäre ein fürchterliches Zeichen.
Dann würden wir weniger Hoffnung auf Gott setzen, als die Witwe auf den stadtbekannten ungerechten Richter.
Wir würden Gott überhaupt nichts mehr zutrauen – keine Art von Barmherzigkeit oder wenigstens Gerechtigkeit!

Jesus aber hat genau das vorgelebt. Er macht uns Mut, unserem Vater im Himmel zu vertrauen: Wer bittet, der empfängt; wer sucht der findet, wer anklopft, dem wird aufgetan.
Wenn wir Tag und Nacht zu Gott beten, dann wird er seinem Volk Recht verschaffen.

Alles dürfen wir Gott entgegenschreien:
die Bitte um Gesundheit und um Befreiung aus der Not,
die Bitte um alles Gute, das wir für uns selbst oder für einen anderen erhoffen;
Die Bitte für den Frieden zwischen den Völkern und unter den Menschen eines Landes; die Bitte für ein Ende des Hungers in der Welt;
Die Bitte für die Kirche, die doch von Gott dazu bestimmt ist, den Menschen Heil und Segen zu bringen und zu verkünden.

In all unseren Bitten und Schreien (!) drücken wir aus, dass wir Gott vertrauen, dass er uns Recht verschafft.

Schwestern und Brüder,
auch Jesus selbst hat seine Not seinem Vater entgegengeschrien: am Kreuz, den Tod erwartend und ersehnend schrie er jenes enttäuschte „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen!“

Jeder, der vergeblich auf Rettung, Heilung hoffte, kann mit Jesus schreien: „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen!“

Jesu letztes Wort aber war: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist!“

Hören wir nicht auf, Gott zuzutrauen, dass er uns hilft, was immer auch unsere Not ist. Bitten wir ihn um alles und mit aller Beharrlichkeit.
Schreien wir zu ihm in jeder Not.
Wir wissen ja nicht, wie er den Strom des Lebens in die Zukunft leitet.
Vertrauen wir ihm, dass er es gut machen wird und dass es für jeden gut werden wird.

Zugleich aber, möchte ich uns noch eines zu bedenken geben:
Auch ich möchte dazu einen Vergleich aus unserer Erfahrungswelt nutzen:
Der neue Trainer des FC Bayern, Pep Guardiola, sagte: ich bin ein Freund meiner Spieler, wenn sie meine Worte beachten. Dann werde ich sie so führen, dass wir alle zusammen Erfolg haben werden.

Wenn schon ein Fußballtrainer von seiner Mannschaft verlangen kann, dass sie auf ihn hört, damit es gut wird!

Dann sollten wir doch, wenn wir zu Gott schreien, nicht vergessen auch auf ihn und seine Worte zu hören, damit er uns führt, damit wir den Weg finden, damit wir ihn finden, der uns Anteil geben wird an seiner himmlischen Herrlichkeit.

Das denke ich, passt gut zum Kirchweihfest: denn wir versammeln uns hier in der Kirche, um Gottes Wort zu hören, um unsere Erlösung und Befreiung, unsere Rettung und unseren Sieg zu feiern, und auch um miteinander in unserer Not Gott zu bitten.

So sind wir Kirche: betende Gemeinschaft voll Dankbarkeit und Vertrauen gegenüber unserem Gott. Er wird nicht zögern, uns Recht zu verschaffen und uns zu sich zu holen.

6. Oktober 2013: Erntedank

Erntedank feiern wir!  Und legen Gemüse, Obst und Getreide vor den Altar.

Der Mensch tut viel für die Ernte: Zugleich aber wissen wir:
Soviel wir auch arbeiten und so kunstvoll und sachkundig wir auch sind:
Wir können nur das, was uns gegeben ist, bearbeiten.
Wir sind Mitschöpfer – doch vor allem sind wir ein Teil der Schöpfung.

Pflanzen, Gesteine und Tiere sind unsere Mitgeschöpfe.
Erntedank ist also zugleich Schöpfungsdank.

Wir danken für die Schöpfung und für all die Gesetzmäßigkeiten in der Schöpfung, durch die wir leben und durch die wir selbst für das Leben Sorge tragen können.

In jeder Messe beten wir: Du schenkst uns die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit.

Erntedank – ist ein Fest, das uns erdet:
Wir schauen auf die Früchte der Erde;  auf das, was wir Natur nennen;
Die Erde ernährt uns, sie trägt uns, sie ist wie eine Mutter, die ihre Kinder ernährt. Zu Recht sprechen wir von der Mutter Erde!

Ganz und gar Geschöpf sind wir doch fähig, Mitschöpfer zu sein und sogar neues zu erschaffen.

Das wichtigste aber ist, dass wir die Gabe haben, unser Leben weiterzugeben und neues Leben zu zeugen.

Ist die Kinderarmut in unserem Land nicht auch eine Verweigerung gegenüber dieser Gabe?
Verweigern wir uns nicht dem Leben, wenn wir weniger Kindern das Leben schenken, als nötig sind, damit unsere Gesellschaft Zukunft hat?

Ja, die Erziehung von Kindern ist eine Belastung: seelisch, körperlich, finanziell!

Und doch ist die Weitergabe des Lebens eine Aufgabe,
der sich die Frauen und Männer in der Gesellschaft nicht verschließen sollten – gerade weil jede und jeder das Recht und die Freiheit hat, sein Leben zu gestalten und über sich zu entscheiden.

Die Weitergabe des Lebens ist eine Gabe und Aufgabe – und sie ist in die Verantwortung der Menschen gelegt – damit das Leben Zukunft hat!

Deshalb müssen wir nachdenken, ob wir Kindern und Familien gegenüber aufgeschlossen sind, 
ob uns Kinderlärm Musik in den Ohren ist,
ob wir bereit sind, den Eltern die Last zu erleichtern und mit ihnen. wenigstens finanziell die Last der Erziehung zu teilen.

Unsere Politiker sind gefragt, für Bedingungen zu sorgen, dass junge Frauen und Männer eine Familie zu gründen können;

Und wir alle sind herausgefordert, dass wir anerkennen, dass das Leben und die Sorge für das Leben und für Kinder auch Verzicht bedeutet.

Das Leben ist immer ein Leben für und mit anderen – wer nur für sich selbst lebt, dient letztendlich doch nur dem Tod.

Es ist wie beim Weizenkorn: Es muss seine Kraft abgeben und sich selbst verlieren, damit es Frucht bringt.

Umso mehr freut es mich, dass wir heute wieder eine Familie mit einem noch neugeborenen Kind bei uns haben.

Sie sagen ja zu der Aufgabe, das Leben weiterzugeben und für das Leben zu sorgen; sie sagen ja zur Verantwortung, zu den Lasten;
Sie wollen ihr Kind im Glauben an Christus, das Weizenkorn, erziehen,
und sie wollen ihm durch ihr Beispiel zeigen, dass Gott die Liebe ist und das da, wo Güte und Liebe sind Gott ist.

29. September 2013: 26. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

 

 

Eine sehr eindrückliche Geschichte:

Soll ich mich mit Lazarus freuen?
Oder mit dem Reichen doch Mitleid haben – sein Geschick scheint endgültig zu sein?
Oder mich über Abraham (Gott) wundern, der so unbarmherzig ist?
Oder schadenfroh sein, weil es dem Reichen recht geschieht?
Oder um seine Brüder zittern, dass sie doch auf die Gebote hören?

Leider muss ich zugeben, dass diese Beispielgeschichte durchaus eine Wirklichkeit beschreibt, die wir tagtäglich beobachten müssen:

Reiche sind blind und gleichgültig gegenüber der Not der Armen.
Reiche sind blind und gleichgültig gegenüber dem Zusammenhang zwischen ihrem Reichtum und der Armut der Armen.

(Kleidungs- und Lebensmittelherstellung, Rohstoffausbeutung, Landgrapping, Prekäre Arbeitsverhältnisse, schamloses Ausnützen von Gesetzen, um Lohnkosten zu sparen, Steuern vermeiden)

Reiche erklären Reichtum durch Klugheit und Fleiß  – Armut durch Faulheit und Dummheit.
(Jeder ist seines Glückes Schmid)

Armut ist leise:
Man geht nicht oft aus dem Haus.
Man beteiligt sich nicht an Diskussionen.
Man versteckt die Armut, so gut man kann.
Man ist Bittsteller und abhängig von der Gunst anderer
und muss sich so manchen rüden Ton gefallen lassen.

Diese Beispielgeschichte gilt nicht den Armen: Sonst wäre sie leicht falsch zu deuten:
Halte deine Armut aus – im Himmel wird es dir gut gehen.

Diese Geschichte gilt denen, die in Gefahr sind, blind zu werden für die Armen, die in Gefahr sind, gleichgültig zu werden gegenüber den Armen.

Macht es nicht wie der Reiche, der Gottes Gebot überhört und missachtet:
Es ist eine Qual zu entdecken, dass man versäumt hat, die Not der Anderen zu lindern.

Und das, was man versäumt hat, so lange man Zeit gehabt hat, lässt sich nicht mehr nachholen. Die Einsicht in das Versäumte, mag brennen wie Feuer im eigenen Gewissen. Der innere Frieden, der dadurch entsteht, dass man gerecht und solidarisch handelt und Menschen aus der Not hilft, ist nicht im Nachhinein zugewinnen.

Macht es anders: Seid nicht blind für die Not der Armen, sondern tut fas Eure, um Sie zu lindern!

15. September 2013: 24. Sonntag im Jahreskreis

22779coHier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Alle Zöllner und Sünder kamen zu Jesus – und die Pharisäer und Schriftgelehrten empörten sich darüber!

Da erzählt Jesus ihnen von der Freude des Himmels!
Am liebsten, Schwestern und Brüder, möchte ich mich zu den Sündern setzen – Warum?

Erstens ist dort mein Platz:
Ich weiß doch, was in meinem Leben nicht gut ist:
Ich weiß doch, um den Unfrieden in mir,
um die Gleichgültigkeit gegenüber der Not.

Ich weiß doch, wie viel fehlt, damit ich wirklich auf Gott hin leben würde.

Das Zusammenleben von uns Menschen wird gestört und belastet

  • vom Stolz, der zu sehr danach verlangt, dass wir beachtet werden und dass unsere vermeintlichen Verdienste herausgestellt werden;
  • Von der Habsucht  und vom Geiz, der nicht genug kriegen kann und deshalb nicht davor zurückscheut, Unrecht zu tun;
  • Vom Neid, der dem anderen dies und das nicht gönnt – und deshalb Gefühle der Feindseligkeit entstehen lässt.
  • Vom Zorn der sich nicht besänftigen lässt, der das Maß verliert und einen Menschen unversöhnlich werden lässt.

Das Miteinander der Menschen wird belastet,

  • weil Menschen die Bedürfnisse und die Würde des anderen missachten,
  • weil sie nicht das rechte Maß finden – und sich so selber schaden;
  • und schließlich, weil wir zu träge sind, weil es uns zu mühsam ist, uns füreinander, für die Gemeinschaft, für die Wahrheit, für den Glauben, einzusetzen.

Deshalb, Schwestern und Brüder, möchte ich gerne unter den Sündern sitzen und Jesus zuhören.
Ich merke, wie mich seine Worte treffen, wie er mir hilft, mich zu erkennen und was meine Sünde ist.

Ich merke, wie er Bewegung in die Starrheit bringt und die Sehnsucht danach weckt, wieder lebendiger zu werden.
Er spricht ja von der Freude die im Himmel herrscht, wenn ich tatsächlich anders werde, wenn ich mich verändern lasse.

Wenn wir hinter uns lassen, was uns selbst und das Miteinander blockiert, werden wir wieder mehr Freude spüren und mehr Kraft.

Jesus Wort kann uns verwandeln, so dass wir Menschen werden, durch die das Miteinander leichter wird:

  • Menschen, die Augen bekommen, für das, was andere Gutes schaffen;
  • Menschen, die dankbar und zufrieden sein können;
  • Menschen die sich mit andern über ihr Glück freuen;
  • Menschen, die nachsichtig sind, wenn sie anderen etwas vorzuwerfen haben.

So wird das Miteinander friedlich und heil,

  • weil die Achtung vor dem Anderen an erster Stelle steht;
  • weil das Zuviel und das Zuwenig wahrgenommen wird;
  • weil Mut und Begeisterung erwachsen, um die eigenen Kräfte einzusetzen für das Miteinander und für die anderen.

Die Lebensfreude, die himmlische Freude am Leben, steht jedem offen – das hilft Jesus zu verstehen –
Jesus ruft die Menschen, er ruft mich und sie zurück ins Leben!

Gottesdienst mit den Ehejubilaren

Es ist nun eine schöne Zeit her, seit sie geheiratet haben: Woran erinnern sie sich noch?

An die Kirche? Ein besonderes Vorkommnis? Gab es Tränen der Freude, der inneren Bewegung?

Sind die Hoffnungen, die Sie damals hatten in Erfüllung gegangen?

Jeder neue Anfang hat eine Verheißung, eine Hoffnung, und wenn zwei Menschen heiraten, einander als Frau und Mann annehmen, sich die treue Liebe versprechen,
dann sind die Verheißungen dieses Anfangs, dann sind die Hoffnungen besonders groß!

Je größer aber die Verheißungen sind, desto größer ist auch die Möglichkeit, dass die Erfüllung hinter der Verheißung zurück bleibt.

In dieser Situation befanden sich Abraham und seine Frau Sara!

Von Abraham wird erzählt, dass er sich mit seiner Frau Sara auf den Weg machte – weg von seinem Elternhaus.
Beide hofften, viele Nachkommen zu haben. Sie glaubten daran, dass ihre Nachkommen ein großes Volk werden würden: Viele Kinder und Enkel, die alle wieder viele Kinder und Enkel haben würden.
Ein Volk, das sich durch das Vertrauen auszeichnet, dass Gott ihm Zukunft gibt und Land und Nahrung – dass es also im Frieden leben kann.

Doch die Hoffnungen von Sara und Abraham schienen nicht in Erfüllung zu gehen: Beide waren schon alt geworden und Sara hatte noch kein Kind geboren!
Was bedeuteten da Wohlstand und Reichtum? Was waren da die Hochachtung und der Friede wert, die beide bei ihren Nachbarn genossen?

Und dann erzählt das Buch Genesis diese Geschichte von den drei Männern, die plötzlich da standen.
Es ist beeindruckend, wie detailliert die Gastfreundschaft des Abraham beschrieben wird: Abraham ist nicht vergrämt.

Er bietet alles auf, was ein großzügiger Gastgeber aufbieten kann.
Darin drückt sich aus, dass er nicht aufgegeben hat, der Verheißung zu trauen. Er vertraut darauf, dass Gott ihm Zukunft geben wird.

Und er wird belohnt: Denn das Versprechen des Herrn, den Abraham bei sich beherbergte, ging in Erfüllung. Sara gebar Isaak, ihren einzigen Sohn.

Liebe Ehepaare, liebe Schwestern und Brüder,
haben sie noch Hoffnungen, die auf Erfüllung warten?
glauben sie noch, dass sie ihr Glück finden können – mit ihrem Partner?
auf dem Weg, den sie einmal eingeschlagen haben?

Diese Geschichte macht Mut, an den Verheißungen und Hoffnungen des Anfangs festzuhalten und ihnen treu zu bleiben – denn darin ist der Weg beschrieben, sein Glück zu finden.

Das wünsche ich ihnen von ganzem Herzen –
Ihnen allen, Schwestern und Brüder, und besonders Ihnen, liebe Ehepaare,
Dass sie auf dem Weg, den sie begonnen haben, ihr Glück finden –  immer wieder neu, indem sie treu an dem festhalten, was am Anfang stand:
Das Versprechen, einander zu lieben, zu achten und zu ehren!

Das ist ohne Zweifel ein großes Glück, einen Menschen an seiner Seite zu wissen,
auf dessen Liebe und Achtung und Anerkennung man zählen kann und dem man gerne und nicht zu sparsam seine Liebe und Achtung und Ehrerbietung zeigt.

Dafür möchte ich nun für sie, liebe Ehejubilare um den Segen Gottes beten.

21. Juli 2013: 16. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Da nahm Marta voll Freude die Schürze ab und setze sich wie Maria zu Jesu Füßen hin und hörte ihm zu.

Liebe Schwestern und Brüder, man könnte sich noch einige Möglichkeiten ausdenken, wie die Geschichte weitergeht, oder auch anders ginge.

Je mehr man sich ausdenkt, desto mehr merkt man: Genauso wie sie da steht, ist die Geschichte richtig.

Herausragend ist die Antwort Jesu: „Martha, Martha, du sorgst und beunruhigst dich um vieles. Eines aber ist nötig.“
Vieles beunruhigt – eines ist nötig!

Ich will versuchen, diesen Denkspruch zu verstehen und für mich zu deuten. Doch, bevor ich mich daran mache, wird mir schon klar:
Dieser Spruch kann nicht eindeutig gedeutet werden. Je nachdem, wer darüber nachdenkt, wird das für sich heraus hören, was für ihn nötig und passend ist.

Und – das möchte ich benennen – mit einer Vorentscheidung gehe ich daran:
Ich setze voraus, dass auch dieser Spruch mir helfen soll, zufrieden zu werden, eins zu werden mit mir und meinem Leben, mit den Mitmenschen, mit Gott.

Deshalb kann ich Jesus nicht so verstehen, dass er Faulenzerei empfiehlt. Er ruft so intensiv zur tatkräftigen und wirksamen Nächstenliebe auf;  er sendet die Apostel zur Verkündigung.
Ich kann nicht denken, dass er jemand tadelt, weil er für andere sorgt. Schon deshalb nicht, weil er in der Geschichte über die Nächstenliebe den barmherzigen Samariter als Vorbild entwirft.

Jesus sagt: „Maria hat das Gute gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.“ Was würde ihr genommen, wenn Jesus sie wegschicken würde? Sie hört Jesu Worten zu. Sie hört auf seine Botschaft vom Reich Gottes, von der Versöhnung, vom Frieden. Das ist das Eine, das nötig ist.

Marta ist im gleichen Raum wie Jesus und Maria. Sie !  hat Jesus freundlich aufgenommen. Ganz sicher hört sie Jesu Worte genauso wie Maria.
Doch zu ihr sagt Jesus:  „Martha, du sorgst dich und beunruhigst dich um vieles.“

Sie sich sorgt sich und beunruhigt sich! Es geht also nicht um die Arbeit.  Es geht um das „sich sorgen und sich beunruhigen!“

Sich beunruhigen, sich unruhig machen mit Gedanken, was noch sein könnte, und ob alle zufrieden sind und ob es gut genug ist, ob es das richtige ist, ob nichts vergessen wird, …

Ich möchte diese Szene und die Nachfolgeworten zusammen sehen,  die wir vor zwei oder drei Wochen bedacht haben:

Maria ist es, in diesem Fall, die Jesus folgt, die alles liegen und stehen lässt, die sich ihm und dem neuen öffnet. Sie schaut nicht zurück, während sie die Hand an den Pflug legt. Das darf ihr nicht genommen werden.

Eines nun wäre gar nicht im Sinne des Evangeliums:

Ich darf nicht sagen:
wenn ich mich um etwas oder jemand kümmere,
wenn ich ganz aktiv bin und mich engagiere,
dann wäre ich wie Martha und müsste werden wir Maria.

Damit würde ich alles ins Gegenteil verkehren.
Vielmehr sehe ich die Geschichte von der Nächstenliebe und die Antwort an Martha zusammen und deute sie so:

Wenn Du Gott dienen willst und seinem Reich,
dann lass dich durch nichts abhalten, dem zu helfen, der in Not ist – in ihm dienst du Gott.

Wenn du aber Gott dienen willst und seinem Reich,
dann beunruhige dich nicht selbst mit vielen Sorgen, glaube nicht, du könntest alles regeln und besorgen.
sondern höre auf Jesu Wort und nimm seine Botschaft vom Frieden in dich auf.

Das ist das eine, das wirklich nötig ist – damit du Frieden hast in dir und deine Arbeit tun kannst für Gottes Reich.

14. Juli 2013: 15. Sonntag im Jahreskreis

Barmherziger Samariter (Gisela Harupa)Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

 

Die Gleichnisgeschichte vom barmherzigen Samariter überliefert nur das Lukasevangelium!

Eigentlich ist das verwunderlich – denn diese Geschichte ist doch so anschaulich, dass man sie sich immer merken wird, wenn man sie einmal gehört hat.

Zugleich aber: wir wissen ja, dass Lukas es versteht einzigartig anschaulich Geschichten zu erzählen, die sich jedem einprägen, der sie hört.

Ich muss sie aber heute ein wenig enttäuschen:
Dieses Gleichnis vom barmherzigen Samariter ist nur ein Beispiel und es geht weniger darum, die jüdischen Tempelpriester und ihre Helfer, die Leviten in einem schlechten Licht darzustellen.

Etwas anderes möchte ich betonen:

Ist ihnen aufgefallen, dass sowohl das Gebot der Liebe zu Gott als auch das Gebot der Liebe zum Nächsten der Thora entnommen sind,
also der Heiligen Schrift der Juden?
Das Gebot der Gottesliebe findet sich im Buch Deuteronomium und das Gebot der Nächstenliebe im Buch Leviticus!

Das Doppelgebot der Liebe sehen wir für uns Christen als besonders und ursprünglich und wesentlich an – und doch stammen diese beiden aus dem Schatz unserer älteren Schwestern und Brüder, aus dem Schatz des Volkes Israel und der Juden, wie wir sie heute nennen.

Wir sollten also große Hochachtung haben vor den Juden – denn ihnen verdanken wir die Offenbarung Gottes in Jesus Christus: und Jesus Christus schöpfte ganz und gar aus dem Schatz der Offenbarung Gottes in seinem Volk Israel.

Wenn aber sogar das Liebesgebot der jüdischen Überlieferung entstammt? Was unterscheidet uns eigentlich voneinander?
Was ist das besondere, einzige an unserem christlichen Glauben im Vergleich zur jüdischen Religion?

Dieses Bild, ist zugegeben eine sehr schlichte Darstellung der Samaritergeschichte.
Die Räuber, der Priester und der Levit, der überfallene auf dem Reittier, die Herberge – alles ist leicht erkennbar und sehr einfach für Kinder gezeichnet.

Entscheidend ist die Gestalt in der Mitte, der barmherzige Samariter:
Er ist doppelt so groß dargestellt wie alle anderen Personen. Er blickt gleichzeitig auf uns und auf den überfallenen Mann!
Überaus auffallen ist das weiße Tuch, das nach Beduinen Art seinen Kopf schützt und lange auf den Rückenherunterfällt.

Dieses weiße Tuch erinnert an das Leinentuch, mit dem Jesus am Kreuz noch bedeckt bleibt. Es erinnert an das Untergewand Jesu, um das die Soldaten würfeln, weil sie es nicht zerstückeln wollen.

Das Bild identifiziert den barmherzigen Samariter in der Geschichte mit Jesus selbst, der in einer Tat völlig selbstloser Liebe und Hingabe sein Leben gab, um so Gottes Liebe sichtbar zu machen.

Der also, der sein Leben aus Liebe hingibt,
der ist es, der die Geschichte vom barmherzigen Samariter erzählt,
und es ist seine eigene Geschichte,
und er ist es, der seine Schüler ermuntert:
Geh und handle genauso!

7. Juli 2013: 14. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

 

Liebe Schwestern und Brüder!
Im großen Glaubensbekenntnis heißt es:  „Ich glaube die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“

Apostolisch heißt die Kirche, weil die Verkündigung der Apostel ihr Ausgangspunkt ist. Apostel – das sind die Gesandten, die Boten.

Die Kirche ist apostolisch, das heißt: die Kirche ist gesandt zu den Menschen. Papst Franziskus weist immer wieder darauf hin, dass die Kirche zu den Menschen gesandt ist, besonders zu denen, die am Rand leben.
Wer gesandt wird, hat auch eine Aufgabe, eine Botschaft. Seine Sendung hat einen Inhalt und ein Ziel!

Die Jünger Jesu sollen als erstes sagen: „Friede diesem Haus!“
Sie sollen die Kranken heilen und verkünden:
Das Reich Gottes ist euch nahe!“

Wie kann ich als Pfarrer einer Pfarrei in Regensburg diese Sendung erfüllen? Und sie, Christen die 80, 70, 60, 50, Jahre alt sind?

Die Situation ist die:
Es gibt die Boten und es gibt die, zu denen die Boten gesandt sind.
Wenn jemand die Boten aufnimmt – was bedeutet das für ihn?

Muss er selbst zum Boten werden? Manche sicher – aber gewiss nicht alle.

Wer die Jünger Jesu aufnimmt, nimmt den Frieden an, den sie bringen;
bei dem werden die Kranken geheilt und er wird hineingenommen in eine besondere Gottesbeziehung: Das Reich Gottes ist ihm nahe!
Gott ist ihm nahe!

Es gibt allerdings folgende Erscheinung:
Es gibt viele, die die Jünger Jesu aufgenommen haben und die ihre Botschaft angenommen haben. Aber das bleibt nicht automatisch und für immer so:
Man stellt fest, dass es mit dem Nachbarn immer noch Zwistigkeiten gibt, dass Tote aus dem Haus getragen werden, dass nach wie vor das Brot im Schweiße des Angesichts verdient werden muss – dann können schon Zweifel kommen.

Dann bleibt für das Neue nicht mehr so viel Zeit und Begeisterung.
Man muss ja schließlich im Leben bestehen. – Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott – heißt es. Das Leben ist, wie es immer schon war.

Ist es das? Muss es so sein? – Ist das alles?

Ich erinnere an die Botschaft: „Friede diesem Haus. Sorgt für die Kranken. Vertraut Gott, der bei euch ist.

Das befreit niemanden davon, für sich und sein Leben Verantwortung zu übernehmen.
Doch ich kann, wenn ich glaube, alles unter eine neue Überschrift stellen.

Nicht mehr: „Hilf dir selbst. Nicht: Hast du was, dann bist du was! Der Stärkere hat Recht. Jeder ist sich selbst der Nächste!“

Sondern:
Wem kann ich helfen? Wer braucht meinen Beistand!
Wie kann ich gegen Unrecht eintreten? Wem kann ich zum Nächsten werden?

Schwestern und Brüder, das ist die Lebensweise der Menschen, die darauf vertrauen, dass Gott sein Leben mit ihnen teilt.
Menschen, die daran glauben, dass Frieden dem Menschen aufgetragen ist und dass der Mensch für das Heil bestimmt ist, für den großen Frieden, den wir in Gott erfahren dürfen.

Schwestern und Brüder,  wir dürfen leben in dem Vertrauen, dass Gott sich durch uns der Welt mitteilen will: als Frieden und als Zukunft.