30. Juni 2013: 13. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder!
Der Menschensohn hat keinen Ort, zum Ausruhen!
Lass die Toten die Toten begraben!
Keiner, der zurückblickt, taugt für das Reich Gottes!

Wie reagieren wir auf diese Denksprüche Jesu?

Vielleicht haben wir uns ja daran gewohnt:  Wenn in der Kirche, wenn in der Bibel solche Sätze gesagt werden, muss man sie nicht so ernst nehmen.

Aber werden wir mit dieser Einstellung Jesus gerecht?
Tun wir ihm nicht Unrecht, wenn wir ihn einfach nicht für ganz ernst nehmen?

Doch bevor ich diese Sätze für mich auslegen kann – es sind ja sogenannte „Denksprüche“ – muss ich unbedingt nachschauen, in welchem Zusammenhang sie stehen:

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Er geht auf Konfrontation und er weiß, dass es für ihn keinen Ausweg mehr geben wird.
Er weiß, dass die Lehrer der Religion und ihre Richter ihn und sein Handeln und Reden nur verurteilen können.
Zugleich aber ist er entschlossen, seine Botschaft bis zum Ende zu verkünden: Das Reich Gottes ist nahe! Gott verurteilt nicht. Gott schließt niemanden von seiner Liebe aus.

Doch gerade diese frohe Botschaft, die er kompromisslos lebt und verkündet, bringt ihn so in Gefahr und in die Zwickmühle.

Gerade in dem Ausschnitt, den wir gerade gehört haben, werden beide Seiten deutlich:
Die jünger weist er Zurecht: sie sollen nicht über das Dorf richten, das ihn nicht aufnehmen wollte – niemand wird ausgeschlossen.
Gott liebt auch die, die ihn ablehnen. Das aber bedeutet ein so grundlegendes Umdenken, dass es nur ein entweder oder gibt:

Wer mit Jesus geht, wer wie er rückhaltlos Gott und seiner Liebe traut, der ist anders als alle Welt, der beginnt etwas neues, der kann nicht mehr zurück ins alte Leben! In das Leben, das aus beurteilen und verurteilen aus abgrenzen und ausgrenzen besteht.

Liebe Schwestern! Liebe Brüder!
Ich will das mit drei Beispielen unserer gegenwärtigen Situation in Verbindung bringen:

1. Heute (GESTERN) empfingen 12 Männer die Priesterweihe.
Jeder folgt auf seine Weise dieser Berufung, im Auftrag Jesu das Reich Gottes zu verkünden. Ich wünsche ihnen, dass sie das Vertrauen in Gottes Liebe für sich selbst durchhalten und sich bis in die Wurzeln ihrer Persönlichkeit davon prägen lassen.

2. Am kommenden Freitag werden in unserer Pfarrkirche 104 junge Menschen gefirmt: ich wünsche ihnen, dass der Geist Jesu sie stärkt für ihr Leben: dass alles, was sie anfangen, seinen Ausgangspunkt hat, beim Vertrauen in Gott, der niemanden ausschließt von seiner Liebe.

3. Über eine Denkschrift der ev. Kirche in Deutschland wird in diesen Tagen heftig diskutiert: „Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken!“
Gibt diese Schrift die christlichen Standpunkte zu Ehe und Familie auf? – das werfen ihr die Kritiker jedenfalls vor!
Auch in den Fragen von Familie, Partnerschaft und Ehe geht es um das Vertrauen in Gottes Liebe, die niemanden ausschließt und die jedem gibt, was er zu seinem Heil braucht.

Leben entsteht durch die Liebe zwischen Mann und Frau. Und wer liebt, wünscht sich, dass diese Liebe unzertrennlich ist.
Dies anzuerkennen und dies zu unterstützen ist die eine Sache.

Die andere Sache ist, dass es auch andere Lebensformen gibt und schon immer gab.
Darf ich glauben, dass Gottes Liebe auch Frauen und Männer umfasst, die nicht in einer Ehe leben oder deren Liebe doch zerbrochen ist?

Muss ich deswegen aufhören, die Liebe zwischen Frau und Mann in der Ehe besonders zu schätzen: als Sakrament, in dem Gottes Leben schaffende und treue Liebe sichtbar wird?

23. Juni 2013: 12. Sonntag im Jahreskreis

P1080470Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder, es ist nicht besonders geschickt, jemanden zu fragen: Was hältst du von mir?
Man bringt den anderen und sich selbst damit in eine schwierige Situation.

Was soll man darauf antworten? Was, wenn der Fragende enttäuscht ist?

Doch Lukas schildert eine Szene, in der Jesus gleich zweimal die Frage stellt: „Für wen halten mich die Leute?“ und dann noch mal:
Und ihr: für wen haltet ihr mich?

Wenn ich könnte, würde ich Jesus gerne fragen:
„Wie hast du dich selbst gesehen?
Wolltest du deine Religion erneuern?
Wolltest du nur das Verhältnis zu Gott von Angst befreien?
Für wen hast du, Jesus, dich selbst gehalten?“

Die Antwort werde ich in diesem Leben nicht erhalten können, denn die Evangelien verkünden Jesus als den Auferstandenen!

Auch das Leben Jesu wird immer in diesem Licht dargestellt und erzählt. So hören wir auch heute das österliche Bekenntnis des Petrus – stellvertretend für alle Jünger Jesu.
„Du bist der Messias Gottes“

Damit keine Missverständnisse aufkommen, fügt das Evangelium gleich noch eine Vorausschau an: Jesu steht das Leiden bevor und die Verurteilung durch die Schriftgelehrten – doch er wird auferstehen!

Messias – das heißt also nicht: Der Friedenskönig, der sich alles unterwirft.
Mit ihm kommt nicht das Ende der Weltzeit: Werden und Vergehen, Friede und Streit, Wohlstand und Not ‑
das alles räumt Jesus nicht aus der Welt.

Für die Glaubenden ist Jesus ist der Messias, weil er ihnen offenbart, dass sie Gottes geliebte Kinder sind – und dass Gottes Liebe größer ist,
als jede Lieblosigkeit z der Menschen fähig sind.

Schwestern und Brüder! Für wen haltet ihr mich?

Die Firmlinge dieses Jahres haben sich dieser Frage gestellt und diese Antworten gegeben:

  • Ich möchte dein Freund sein und in deiner Liebe sein.
    Durch dich kann ich an Gott, den himmlischen Vater, glauben.
  • Du bist für mich wie eine Hand, die mich hält
  • Du beschützt mich davor, dass ich etwas Böses tue
  • Du bist mir ein gutes Vorbild, weil du den Kranken und Armen geholfen hast.
  • Du bewahrst mich davor, Böses zu tun.
    Du hilfst mir, in guten und in bösen Zeiten an das Gute zu glauben.
    Du gibst mir Kraft und Mut
  • Du verurteilst mich nicht, sondern bist mein Freund, auch wenn ich etwas Falsches mache.
  • Ich kann immer zu dir kommen und dich um Mut bitten
  • Du bist mutig. Du opferst dein Leben für andere.
  • Du bist der Messias für alle Menschen.

Das sind ganz echte und persönliche Antworten. Und ich war sehr beeindruckt, dass sich die 12 jährigen darauf eingelassen haben.

Vielleicht reizt es Sie auch: Nehmen Sie sich einen Zettel und schreiben Sie – zuhause oder nach dem Gottesdienst – darauf, was sie Jesus antworten würden auf seine Frage:
Wer bin ich für Dich? Was bedeute ich Dir?

16. Juni 2013: 11. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder!

Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? fragen sich die Gäste des Pharisäers Simon.

„Wer ist das?“ diese Frage und ihre Antwort ist entscheidend, damit wir diese Geschichte des Lukasevangeliums verstehen.

Noch etwas ist wichtig und darf nicht übergangen werden:

Das Gleichnis von den beiden Schuldnern steht in der Mitte dieses Evangeliums. Simon zieht die Schlussfolgerung:
Der, dem die größere Schuld vergeben wurde, wird den Geldverleiher mehr lieben!
Dann vergleicht Jesus das Verhalten des Simon mit dem der Frau und zieht den Schluss: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat:

Wie nun: Zeigt der Sünder Liebe, weil ihm vergeben wurde?
Oder wird dem Sünder vergeben, weil er viel Liebe zeigt?

Vor allem aber kommt es als drittes darauf an:
Was hat diese Geschichte mit uns zu tun? Hier und Heute?
Mit uns, die wir schon lange an die Versöhnung und Vergebung durch Christus glauben?

Diese Geschichte stellt uns also vor drei Fragen – fangen wir an!

Zuerst fällt mir auf, wie sehr sich das Verhalten des Simon und der Sünderin zu Jesus unterscheiden:

Simon ist kühl und reserviert – er lässt es an den üblichen Höflichkeiten fehlen.
Auch die namenlose Sünderin hält sich nicht an die Gepflogenheiten:
Doch sie schießt über das übliche Maß hinaus und sprengt als Sünderin jeden Rahmen – so wie Jesus, der sich das gefallen lässt!

Das wird auch vom Evangelisten herausgestellt:
Jesus vergleicht in drei Punkten das Verhalten des Simon und der Sünderin.

Simon gab Jeus kein Wasser zum Waschen der Füße –  die Frau hat ihre Tränen über seinen Füßen vergossen.
Simon hat Jesus den üblichen Begrüßungskuss vorenthalten ‑ die Sünderin hat ihm die Füße geküsst.
Simon hat Jesus das Haar nicht mit Öl gesalbt – sie hat Jesus mit wohlriechenden Öl die Füße gesalbt.

Eines ist offensichtlich: Die Frau ist Jesus näher als der Pharisäer!
Die Sünderin ist voll Liebe zu Jesus,
Der Gesetzestreue hingegen prüft Jesus und schätzt ihn ab – er ist ihm fern.

An dieser Stelle ist entscheidend, dass ich mir vor Augen halte, wer Jesus ist: Ich glaube, dass er von Gott kommt, um Versöhnung zu bringen,
um das Reich Gottes zu begründen, das jedem offen steht.

Wenn ich – wie die Sünderin – Jesus nahe komme, bin ich dem nahe, der mich mit Gott versöhnt, der Frieden bringt.

So wird mir nun klar, was diese Geschichte mit mir zu tun hat – hier und heute:

Ich möchte – wie die Sünderin – Jesus meine Liebe zeigen, meine Zuneigung, meine Dankbarkeit,
weil er mich nicht verurteilt, weil er mir den Frieden Gottes bringt!

Nehmen Sie das doch mit aus dieser Sonntagsmesse:

Wie kann ich Jesus meine Liebe zeigen und ihm nahe sein  – nach dem Vorbild der Sünderin? In dem Maße wird auch Friede in mir sein.

9. Juni 2013: 10 Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder!
Der Verfasser des Lukasevangeliums ist ein wunderbarer und kenntnisreicher Erzähler!
Er kennt die Geschichten den Propheten Israels:
Bis ins Detail ist ihm die Geschichte bekannt, wie der Prophet Elija den Sohn der Witwe von Sarepta zum Leben erweckte.

Geschickt wählt er die Wörter aus – denn er weiß, was sie für seine Hörer bedeuten: Wenn er Jesus den Herrn nennt, weiß jeder in seiner griechisch römischen Umgebung, dass Jesus als von Gott kommend gezeigt wird.

Gekonnt legt er den Ort und die Bewegung in der Geschichte fest:
Zwei Züge begegnen sich: der Zug des verkündigenden Jesus und der Leichenzug.
Der Zug mit dem Toten bewegt sich aus der Stadt heraus –
Der Zug des Herrn bewegt sich auf die Stadt zu.

Der Tote ist der einzige Sohne einer Witwe! Sein Tod stürzte die Witwe in völlige Unsicherheit. Jetzt gab es niemanden mehr, der für sie Sorgen würde. Ihre Existenz war bedroht!

Jesus hatte die Weinenden seliggepriesen und die hungernden, weil sie lachen werden und satt würden. (Lk 6 – die Feldrede).

Nun begegnet er, einer weinenden Frau, die durch den Tod ihres Sohnes zur Armut, verurteilt ist.

Nun muss sich Jesus bewähren – bringt er wirklich das Heil?

Auffallend ist, dass das Evangelium sagt: Der HERR sah die Frau!
Als Jesus von den Toten auferstanden war, wurde er eingesetzt zum Herrn über Lebende und Tote.

Das Lk-Evangelium holt damit den österlichen Herrn in die Zeit des Lebens des Jesus von Nazareth. Hier handelt der österliche Herr, Christus.

Nachdem Jesus den jungen Mann seiner Mutter zurückgegeben hat,
staunen die Leute. Der Evangelist hat genau überlegt, was sie sagen:
Sie preisen Gott, sie nennen Jesus eine großen Propheten, durch den sich Gott seines Volkes angenommen hat.

Die Geschichte von der Erweckung den Jünglings von Naim verkündet also folgende Botschaft:

Jesus ist der Kyrios, der Herr, er herrscht auch über den Tod.
In ihm hat Gott sich seines Volkes angenommen.
Das Weinen der Witwe verwandelt sich in Jubel!

Lukas hat keine Episode im Leben Jesu geschildert,
er ist kein Chronist, sondern er verkündet Jesus Christus,
den Herrn, der den Armen und Kranken und den Trauernden Heil bringt.

Für das Evangelium möchte aber unbedingt zeigen:

Erst wenn Menschen, wie die Witwe in dieser Geschichte Hilfe erfahren,
erst dann kann man erkennen und verkünden:
Gott hat sich seines Volkes angenommen.

Wir Christen dürfen nicht den Fehler machen,
allein auf das jenseitige Heil hinzudeuten und die armen und leidenden auf das Jenseits zu vertrösten.
Wenn wir daran glauben, dass Gott im Jenseits Heil schenkt,
dann ist es an uns, im Diesseits, den Weinenden, den Hungernden,
den Menschen in jeglicher Not beizustehen und ihre Not zu wenden,
wo immer wir es können.

Weil wir an das Heil glauben, das Gott im Himmel schenkt
wirken wir das Heil jetzt auf der Erde!

So verkündet diese Geschichte Jesus den österlichen Herrn,
der den Tod überwindet
und ruft die Glaubenden auf, die Armen aus ihrem Elend zu befreien in dieser Welt.

2. Juni 2013: 9. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder!
Erst kürzlich habe ich wieder gelesen, es sei nicht richtig, dass wir uns in der Messfeier so oft und so intensiv als Sünder bezeichnen –
zum Beispiel auch in dem Gebet vor dem Empfang der Kommunion:

Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach.
Aber sprich nur ein Wort, dann wird meine Seele gesund.

Ich gebe zu, dass ich das nachempfinden kann.
Muss sich der Mensch vor Gott wirklich so klein machen?
Demut, Ehrfurcht, Gehorsam – wird das nicht in übertriebener Weise betont?

Ich meine, dass ich da eine gewisse Ungleichzeitigkeit beobachten kann:

Während die Texte der Messfeier und die Gebete dies nach wie vor ausdrücken und nahelegen – sind uns diese Haltungen seit langem mehr oder weniger fremd geworden.
Sollen wir das bedauern oder uns darüber freuen?

Lassen wir uns von der Geschichte des römischen Hauptmann und seiner Sätze gegenüber Jesus anregen und denken wir über die rechte Gottesbeziehung nach.

Warum lässt der Hauptmann Jesus ausrichten: „Ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Ich habe mich nicht für würdig gehalten, selbst zu dir zu kommen.“

Der Hauptmann – ein Heide – möchte dem Juden Jesus auf keinen Fall etwas zumuten, das ihn in Verlegenheit bringen könnte. Ein Jude hätte sich verunreinigt, sobald er das Haus eines Römers betritt.
Mir erscheint der Hauptmann in dieser Geschichte äußerst respektvoll und rücksichtsvoll gegenüber Jesus.

Zugleich vertraut er darauf, dass Jesus bereit ist ihm und seinem Sklaven zu helfen.

Was ich mir nicht vorstellen kann ist, dass irgendein Mensch Angst haben muss, er könnte Gottes Größe mindern.
Wir können Gott nicht kränken, ihn nicht verletzen oder auf irgendeine Weise seine Vollkommenheit antasten. Davor müssen wir keine Angst haben.

Für uns jedoch ist es wichtig, dass wir zum Ausdruck bringen, wie groß wir von Gott denken! Dadurch wächst in uns das Vertrauen in ihn, den Anfang und das Ziel aller Dinge.
Von ihm her haben wir die Würde empfangen, die wir als unveräußerlich und unantastbar einschätzen.
Zu Recht könnten wir die Worte des Hauptmanns auch verändern und sagen: Herr, du gibst mir Würde, du gibst mir Leben, dein Wort schenkt mir Frieden und Einheit und Leben.

Darf ich unser Verhalten gegenüber Gott vergleichen, mit einer Verhaltensweise, die uns Menschen angeboren ist:
Dass wir ein kleines Kind so behutsam wie möglich anfassen und behüten, damit wir ihm nicht im Geringsten wehtun sondern ihm Zärtlichkeit und Bewunderung schenken?

Dabei fühlen wir uns nicht klein und demütig, sondern wir freuen uns, wir sind voll guter Gedanken und nehmen Teil an der Sorge für dieses Menschenkind und sein Leben.

Schwestern und Brüder, diese Ehrfurcht, die wir ganz von selbst einem Menschenkind entgegen bringen, ist auch Gott gegenüber angemessen.

Sie macht uns nicht klein, sondern sie drückt aus, dass wir uns ihm anvertrauen, dass wir ihm vertrauen und dass wir ihm dankbar sind für das Geschenk des Lebens.
Wenn wir Gott verehren, wird darin unsere Ehrfurcht vor dem menschlichen und vor allem irdischen Leben gestärkt,
dass in ihm seinen Ursprung hat. Und das ist gut so.

30. Mai 2013: Fronleichnam

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13 (31)

Liebe Schwestern und Brüder!
Es ist Brot! Es ist Wein! – auch nachdem der Priester in der Messfeier die Einsetzungsworte gesprochen hat – und doch sind Brot und Wein für uns Glaubende danach etwas ganz anderes geworden.

Das Wort Wandlung versucht das auszudrücken. Was hat sich gewandelt? Was ist anders geworden?

Alle Christen zeigen allergrößte Ehrfurcht davor – wenn auch auf verschiedene Weise. Mit größter Andacht und Ehrfurcht empfangen wir dieses Brot, diesen Wein in der Austeilung der Heiligen Kommunion.

Wir beweihräuchern Brot und Wein! Wir knien uns hin!
Wir beten: Hochgelobt und gebenedeit sei das allerheiligste Sakrament des Altares.

Wenn Christus selbst leibhaftig vor uns stehen würde, könnten wir ihm nicht ehrfurchtsvoller begegnen.
Damit ist das entscheidende gesagt: Die Ehrerbietung, die Andacht, die Sammlung den geweihten eucharistischen Gaben gegenüber gilt Jesus Christus – nicht dieser Hostie, nicht diesem Schluck Wein!

Nach der Wandlung sind das für uns die Zeichen der ganz realen Gegenwart Christi unter uns. Was er getan hat, hat er für mich getan:
Mir hat er das Reich Gottes verkündet!
Mir hat er Gottes Treue verkündet!
Mich hat er eingeladen und gerufen das Reich Gottes zu suchen!
Mir hat er die Angst genommen, verurteilt zu werden und dem Tod verfallen zu sein!
Für mich hat er sich dem hingegeben, was die Menschen mit ihm gemacht haben, ohne sie dafür zu verurteilen.

In ihm begegnet mir Gott, der eine und einzige Schöpfer des Lebens, die Quelle des Seins.
In den eucharistischen Gaben Brot und Wein begegnet ER mir, in dem ich Gottes Sohn erkenne.

Und deshalb bringe ich in dem Brot und in dem Wein Christus selbst bringe ich Gott selbst, meine Anbetung und Ehre.

Es ist gut und heilsam für uns, diese Verehrung zu zeigen!
Es ist heilsam, weil wir uns dadurch bewusst werden, dass wir Gott, unserem Schöpfer, so sehr wir ihn als unseren Vater lieben,  nur in der Haltung der Ehrfurcht und Anbetung nähern können.

Außenstehende, die unseren Glauben nicht teilen und verstehen, können das vielleicht falsch verstehen.
Sie könnten vielleicht den Eindruck gewinnen, wir müssten uns klein machen vor unserem Gott!

In Wirklichkeit ist es anders herum:
Diese Zeichen der Ehrfurcht sind unsere menschlichen Versuche, dem geliebten Vater, dem geliebten Bruder Jesus Christus, alle zärtliche Liebe zu zeigen, die uns nur möglich ist.

In dieser Haltung der Anbetung und Ehrfurcht, in dieser liebenden Zuwendung zu unserem Gott,
spüren wir am meisten seine Liebe, spüren wir am meisten die Geborgenheit,
erfahren wir uns am meisten als seine Kinder, die im Geist der Liebe innigst mit dem Vater verbunden sind.

Mitten in diesem Geschehen, das uns selbst zuinnerst berühren und verwandeln kann, hören wir die Worte Jesu:

Ich gebe mich für euch! Tut dies zu meinem Gedächtnis!

Wir sollen uns füreinander geben.
Wir sollen uns gegenseitig die Hoffnung stärken,
Wir dürfen Gottes Reich verkünden,
Wir sollen denen helfen, die unsere Hilfe brauchen
und wir setzen füreinander unsere Kräfte, unsere Möglichkeiten, vielleicht sogar unser Leben ein.
Jesus sagt uns: Schenkt euch gegenseitige Zuneigung und Liebe im Gedächtnis an meine Hingabe für euch.

26. Mai 2013: Dreifaltigkeitssonntag

26456coLiebe Schwestern und Brüder, der Glaube an den einen Gott, der sich uns offenbart hat in seinem Sohn Jesus Christus und den wir erkennen können im Heiligen Geist ist das einmalige und besondere an uns Christen.
Wer hat sich das ausgedacht? Wie kommen wir dazu, vom dreieinigen Gott zu sprechen?

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.
Jesus betete zu seinem Vater und er versprach uns den Geist, den Beistand, der für immer bei uns bleiben wird.

Liebe Schwestern und Brüder, es ist leicht, in zwei Zitaten aus der Bibel Gott den Schöpfer des Himmels und der Erde zu finden; ebenso Jesus der diesen Gott seinen Vater nannte und den Heiligen Geist, der schon im ersten Satz der Bibel genannt wird.

Dadurch wird uns eine ganz besondere Beziehung zu Gott eröffnet – anders als in allen anderen Religionen:
Gott ist nicht nur der Herrscher über das all, dessen Gebote wir halten müssen, damit wir gerecht sind vor ihm.
Gott ist nicht nur der, der alles fügt und der vor allem Ergebung in das Schicksal fordert.
Gott ist nicht nur der, in dessen Einheit hinein sich alles auflöst.

Sondern Gott sucht die Beziehung zu uns Menschen, zu seiner ganzen Schöpfung – sein Geist ist in ihr und besonders im Menschen, der durch den Geist die Begabung hat, Gott zu erkennen.

Der dreieine Gott ist für uns Menschen zugänglich:
er lässt uns unsere Eigenheit in unserer endlichen Gestalt und
dennoch ist er in uns und wir sind in ihm:
Er gibt uns Anteil an sich und seiner göttlichen Art und
er hat Anteil an uns und unserer weltlichen Art.

In beiden – im ewigen unendlichen Gott und in der endlichen begrenzten Welt ist Gottes Geist.

Bewirkt diese ganz besondere Beziehung zu Gott etwas in mir und meinem Leben?

Das hängt ganz und gar von mir ab: Diese Beziehung kann etwas bewirken, wenn ich mich auf sie einlasse,

Wenn ich auf das Angebot eingehe und  eine Beziehung zu Gott zulasse und gestalte:
dann ist es eine Beziehung der gegenseitigen Bejahung:

Gott anerkennt und will meine Endlichkeit
und ich anerkenne Gott und will seine Unendlichkeit.

Für Gott ist es eine Freude mein Gott zu sein
und für mich eine Freude, sein Geschöpf zu sein.

Gott gibt mir alles, was sein ist
und ich gebe ihm alles, was mein ist.

Schwestern und Brüder, gehalten und getragen in dieser Beziehung zu Gott,
will ich Gott danken und preisen für alles, was er mir gibt.

Ich will entdecken, was sein Wille ist für mich und das tun, was ihm gefällt.

Ich kann mich auf ihn verlassen, dass er mich und jeden Mitmenschen bewahrt,
dass meine Endlichkeit aufgenommen wird in seine Unendlichkeit.

Ich kann auf ihn hoffen, dass er mich versteht, wenn ich manches in meinem Leben schuldig bleibe – und dass ich in ihm vollkommen sein werde.

Schwestern und Brüder, Anerkennung und Bejahung, Vertrauen und Hoffnung, Dankbarkeit und Interesse beschreiben meine Beziehung zu Gott – deshalb möchte ich auch mit meinen Mitmenschen so leben.

Das bewirkt die ganz besondere christliche Beziehung zu Gott, die wir mit dem Glauben an den dreieinen Gott, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist ausdrücken.

19. Mai 2013: Pfingsten

Pfingsten (Zacharias)Liebe Schwestern und Brüder!
Die Verwirrung der Sprachen und das gemeinsame Verstehen der Menschen aller Sprachen – es ist ein eindrucksvoller Kontrast und Zusammenhang, den die Apostelgeschichte mit der Pfingsterzählung herstellt.

Der Theologe im Buch Genesis erklärt die Verschiedenheit der Sprachen
und die Zerstreuung der Menschheit über die ganze Erde mit dem Eingreifen Gottes: Gott verhindert, dass die Menschen zu mächtig werden.

Vergessen wir nicht den Plan, den die Menschen hatten:
Einen Turm wollten sie bauen, dessen Spitze zum Himmel reicht.
Die Menschen in dieser Urgeschichte der Bibel machen sozusagen Gott Konkurrenz.
Sie bauen sich ein Denkmal, einen Turm. Der soll ihren Zusammenhalt garantieren. Der Mensch will sich selbst erschaffen und selbst seine Existenz sichern und bewahren.

Doch genau das wird ihm zum Verhängnis. Der Mensch muss lernen, dass er sich nicht selbst zu Gott machen kann. Wenn der Mensch leugnet, dass er sich, dass er sein Leben Gott verdankt, dann wird er zurückgeworfen auf seine Beschränktheit: Er gewinnt nicht Einheit und Macht, sondern erfährt seine Zerstreuung, Spaltung und Schwäche

Insgesamt ist dies eine eher pessimistische Sicht auf den Menschen und auf seine Beziehung zu Gott: Es herrschen Neid und Eifersucht, Aufbegehren und Demonstration von Macht und Stärke.

Die umgekehrte Bewegung schildert die Apostelgeschichte:
Menschen aus allen Sprachen weilen in Jerusalem, um Gott anzubeten.
Sie finden im Tempel zusammen. Gottes Geist spricht aus den Menschen und alle verstehen diese Sprache des Geistes Gottes.

Alle verstehen, die Botschaft Jesu und die Botschaft seiner Auferstehung.

Die Beziehung zwischen Gott und Mensch wird völlig neu gestaltet und definiert: Die Jünger Jesu sind von Jesus zusammengerufen und erwarten nach seinem Wort den Beistand und die Kraft aus der Höhe.
Gott schenkt eine völlig neue Qualität: mit dem Heiligen Geist gibt er dem Menschen Anteil an seiner Größe und Macht.

Nun ist die Beziehung zwischen Gott und Mensch geprägt von Vertrauen und Hoffnung, von Gemeinschaft und Dankbarkeit.

Schwestern und Brüder,
Gottes Plan mit dem Menschen ist die Einheit, ist Verständigung und Frieden.
Der Mensch nun ist offen für Gottes Gaben. Er dankt Gott und sieht seine Ehre darin, nach Gottes Willen in Frieden und Gerechtigkeit zu leben.

Schwestern und Brüder!
was die Apostelgeschichte in dieser eindrücklichen Geschichte zeichnet, ist weithin geschichtliche Wahrheit geworden.

Menschen aus fast allen Sprachen und Völkern finden im Glauben an Christus zusammen.
Die Botschaft Jesu verstehen die Menschen – überall auf der Erde und zu jeder Zeit:

Die Botschaft Jesu ist Frieden, ist Leben und ist Freude.

Seine Botschaft ist, dass Gott dem Menschen nahe ist und dass der Mensch Anteil hat an Gott;
dass Gott im Menschen lebt – umso mehr er das Leben als Gottes Gabe liebt, das des anderen wie das eigene.

12. Mai 2013: 7. Ostersonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Kennen sie den „Baum des Lebens“?
Das Buch Genesis enthält die Geschichte: Adam und Eva essen gegen das Verbot Gottes vom Baum der Erkenntnis von gut und böse.

Diese Auflehnung gegen ihren Schöpfer, gegen ihre Natur hat allerlei schlechte Wirkungen – insbesondere werden sie aus dem Paradies vertrieben, damit sie nicht auch noch vom Baum des Lebens essen.

Nun aber lesen wir in der Offenbarung des Johannes am Ende der Bibel:
„Wer sein Gewand wäscht, hat Anteil am Baum des Lebens!“
und einige Sätze später: „Wer will, empfange umsonst das Wasser des Lebens!“

Das letzte Buch der Bibel stellt die Verbindung mit dem ersten Buch der Bibel her. Was dort verloren gegangen ist – das ist die Botschaft – ist durch Christus wiederhergestellt.

Was aber ist der Menschheit verloren gegangen?
Was fehlt dem Menschen?
Was ist seine tiefste Sehnsucht?

Der Mensch will leben –
ohne Krankheiten, die das Leben zur Qual werden lassen;
ohne Feindschaften, die den Menschen zum Unmenschen machen,
ohne den alten Widersacher des Menschen, den Tod.

Der Mensch will
gesund sein, will sein Leben bestimmen, möchte den Frieden und will nicht sterben, bevor er satt an Jahren ist.

Das letzte Buch der Bibel endet mit der Zusage des Lebens für den, der sein Gewand wäscht.

Was ist damit gemeint?
Selbstverständlich ist damit nicht die Kleiderpflege gemeint.
Vielmehr geht es darum, wie der Mensch lebt,
oder noch genauer: es geht darum, ob ich an Christus glaube.

Wenn ich an ihn glaube, dann steht mir sozusagen das Paradies offen.
Das Paradies, in dem der Mensch zu keiner historischen Zeit war und sein kann.

Offen steht mir dann das Paradies, das mir verschlossen ist,
weil ich sterblich bin, weil ich Zorn und Angst kenne.
weil ich uneins bin mit meinem Leben, mit mir selbst,
mit meinem Mitmenschen und mit dem mir so unbekannten und fremden Schöpfer des Lebens.

Schwestern und Brüder,
im Johannesevangelium überliefert ein langes Gebet Jesu zum Vater am Abend vor seiner Hinrichtung, nachdem er den Jüngern die Füße gewaschen hat.
Aus diesem Gebet, das er in Gegenwart der Jünger spricht, betet er:
Vater sie sollen eins sein, wie wir eins sind: ich in ihnen und du in mir.
Der innerste Punkt der Einheit ist also der Vater, der in Jesus lebt, der wiederum in seinen Jüngern lebt.

Es drängt sich auf, diese biblischen Vorstellungen und Bilder miteinander zu verbinden:
Gott hat durch Jesus die Spaltung beendet.
Gott und Mensch sind miteinander versöhnt.
Der sterbliche Mensch hat Zugang zum Vater – der ewige Schöpfer des Lebens ist in ihm und er hat Anteil an seiner himmlischen Herrlichkeit.
Das wird offenbar werden, wenn das vergängliche Leben hineinmündet in das Leben in Gottes Herrlichkeit.

Durch den Glauben an Christus,

der den Namen Gottes bekannt gemacht hat, in seiner Liebeshingabe am Kreuz,

dürfen wir jetzt schon, in dieser vergänglichen Welt,
uns erfreuen an der Einheit mit Gott, der Quelle des Lebens.

9. Mai 2013: Christi Himmelfahrt

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

 

Liebe Schwestern und Brüder!
Im Namen  Jesu wird allen Völkern – angefangen in Jerusalem – verkündet, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden! Ihr werdet meine Zeugen sein, bis an die Grenzen der Erde!

Dem Lukasevangelium war es ein großes Anliegen, deutlich zu machen, dass Jesus Christus und seine frohe Botschaft universale Bedeutung hat.

Die Jünger Jesu, die Kirche, ist keine Sekte, kein Privatclub, keine Interessengemeinschaft, keine regionale und modebedinge Erscheinung.
Die Kirche ist von ihrem Wesen her KATHOLISCH:
Sie wendet sich mit der Botschaft von Gott, dem barmherzigen Vater an alle Menschen, die sie erreichen kann – im Norden und Süden, im Osten und Westen.

Was macht diese Botschaft so bedeutend?
Was ist so wichtig daran, dass sie bis heute die Menschen dieser Welt bewegt?

Die Botschaft Jesu beutet: Frieden, Freude und Befreiung – für jeden, der Jesus glaubt und der an ihn glaubt.
Gleichzeitig wird niemand ausgeschlossen – allen steht es frei, zu glauben oder nicht zu glauben.

Denn es gibt – so lehrt es Jesus ‑ nur einen Herrn über Himmel und Erde, den er „himmlischen Vater“ nennt. Deshalb darf niemand einen anderen Menschen zwingen, unter Druck setzen, ausschließen.

Die Machthaber dieser Welt verlieren so die Herrschaft über die Menschen, denn sie unterstehen dem gleichen Gebot wie jeder andere.
Dem Gebot Jesu: „Wer unter euch der größte sein will, der soll der Diener aller sein.“

Die Botschaft Jesu und die Botschaft über Jesus hat also die Kraft, die Menschen zu bewegen und zu befreien. Es ist die Botschaft des Himmels, die Botschaft Gottes an die Menschen. Weil wir glauben, dass Jesus von Gott gesandt ist und Gott geoffenbart hat, nennen wir ihn Sohn Gottes. Deshalb glauben wir auch, dass er aufgefahren ist in den Himmel und zur Rechten Gottes des allmächtigen Vaters sitzt.

Da Jesu Botschaft Frieden bedeutet, Freude und Freiheit, bewegt sie die Menschen zuerst und vor allem im Herzen.

Wenn wir an Christus glauben, müssen wir also zunächst einmal gar nichts tun.
Wir müssen keine Programme entwickeln, wie wir die Welt verändern, wie wir die Botschaft verbreiten oder etwas ähnliches.

Zuerst und vor allem verändert Christus uns – unsere Persönlichkeit.
Er verändert uns nicht dadurch, dass er uns umerzieht oder manipuliert.
Er verändert uns dadurch, dass er uns Gottes Liebe zusagt – ohne dass wir dafür etwas tun müssen.

Gott nimmt uns an, so wie wir sind. Wir haben Anteil an Gott, weil er uns sein Leben einhaucht und weil wir in ihm sind und leben.
So gibt es nichts mehr, was uns von Gott, vom Leben trennen kann.

Welche Freude! Welches Glück! Himmlische Freude!

Das verändert uns und bringt die besten Seiten und Eigenschaften unsere Persönlichkeit zur Entfaltung.
Jesus verändert uns, weil er das scheinbar Tote in uns zum Leben erweckt.
Er verändert uns so wie die Sonne mit ihrer Wärme die Knospen zum Blühen bringt.

Schwestern und Brüder! von Jesus empfangen wir Freiheit, Frieden und Freude,
mit anderen Worten seinen Heiligen Geist.

Mit diesen Schätzen im Gepäck sind wir seine Zeugen,
damit die Menschen umkehren und beschenkt durch die Liebe Gottes Freiheit und Frieden und vollkommene Freude finden.