20. Januar 2013: 2. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten Beuron

 

Am Ende des Johannesevangeliums heißt es: „Jesus, der wusste, dass seine Stunde gekommen war.“
Und Jesus betet „Vater, die Stunde ist da!“

„Die Stunde Jesu“, das ist die Stunde seines Todes, seiner Hinrichtung!
Diese Stunde ist für alle, die an ihn glauben, die entscheidende Stunde:

Jesus gibt sein Leben endgültig hin an die Menschen. Sein Leben, sein Vertrauen, seine Hoffnung, seine Treue – alles setzt er ein – damit wir glauben, damit wir versöhnt sind, damit endlich niemand glauben muss, Gott wolle die Menschen wegen ihrer Sünde bestrafen!

In dieser Hochzeitsgeschichte sagt Jesus: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen!“
Und doch offenbart er seine Herrlichkeit, so dass seine Jünger an ihn glaubten.

Die Geschichte von der Hochzeit zu Kanaan ist der Auftakt von Jesus öffentlichen Auftreten im Johannesevangelium:
In den anderen drei Evangelien beginnt Jesus sein öffentliches Auftreten mit der Botschaft vom Reich Gottes!

Meiner Meinung nach entsprechen sich diese verschiedenen Anfänge im Inhalt – nur nicht in der Form: Die Hochzeit ist nämlich ein bekannter biblischer Vergleich für Gottes Bund mit den Menschen. Durch Jesus wird dieser Bund erneuert und ausgeweitet auf alle, die an ihn glauben.

Das wird ausgedrückt, indem Jesus für den besseren Wein sorgt, und durch diese riesige Menge des Weines!

Als die Stunde da ist, wäscht Jesus den Jüngern die Füße und er reicht ihnen den Kelch mit Wein. Im Evangelium ist die Hochzeit zu Kanaan ein Vorausbild des Abendmahls, in dem Jesus Brot und Wein zum Zeichen seiner Gegenwart unter den Jüngern macht.

Wie können wir Christen es rechtfertigen, dass wir den Kelch nicht mit anderen teilen, die ebenso an Jesus glauben wie wir!

Mit Gläubigen, die wie wir versuchen, Marias Wort zu befolgen: „Was er euch sagt, das tut!“

Wie wir glauben die evangelischen, die orthodoxen, die reformierten, die altkatholischen Christen, dass Christus sein Leben gab – um uns zu befreien. Wie wir sind sie voll Hoffnung, dass sie von Jesus ewiges Leben empfangen.

Wann werden die verschiedenen christlichen Kirchen gegenseitig anerkennen, dass auch die Christen der anderen Konfessionen als Jünger Jesu vom Wein Jesu trinken,
dass Jesus im Zeichen des Mahles bei ihnen gegenwärtig ist.

Er ist es doch, der für den Wein sorgt!

Wir dürfen davon trinken und wir dürfen an ihn glauben.
Dürfen wir jemanden, der ebenso an ihn glaubt, ausschließen?

13. Januar 2013: Fest der Taufe Jesu (LJ C)

Sie haben sich entschieden! Wofür?
Sie haben sich entschieden heute diese Sonntagsmesse mitzufeiern!

Die meisten unter uns haben sich irgendwann entschieden, dies in der Regel zu tun – wann immer es ihnen möglich ist.

Wir feiern die Eucharistie, weil wir an Christus glauben! Weil wir getauft sind!
Von Zeit zu Zeit ist es gut und notwendig, dass wir uns erinnern, dass wir getauft sind und dass wir die Entscheidung für das Leben als Getaufte erneuern und bekräftigen.

Wenn ich heute gefragt würde: würde ich mich taufen lassen?
Auf den Namen Jesu Christi? Im Glauben an ihn, den Sohn Gottes? In diese katholische Kirche hinein?

Da ich schon als Kind in diesen Glauben hineingewachsen bin, kann ich mich fragen: Was bewirkt dieser Glaube in meinem Leben?
Was in meinem Leben ist so, wie es ist, weil ich als Christ glaube und lebe?

Ich möchte persönlich Zeugnis geben:

Das erste und wichtigste ist für mich,
dass ich glaube, dass ich, dass jedes Lebewesen in dieser Welt  von Gott gewollt und angenommen ist – in der Vergänglichkeit dieses irdischen Seins.

Diese Überzeugung ist sehr existenziell und bedeutsam: meine Eltern konnten sich nur überraschen lassen, von dem Kind, das ihnen geschenkt wurde. –
Ich glaube aber, dass in all den Zufälligkeiten ich von Gott gewollt bin. Dass er der Uranfang meines Seins ist. Dass jedes neugeborene Kind seine Idee ist – eine wunderbare, einzigartige Idee!

Das zweite ergibt sich fast von selbst daraus:
Da ich von Gott gewollt bin, bin ich geliebt von Gott, von Anfang an!
Dieses Vertrauen darf mich immer mehr prägen; dies darf immer mehr wie ein helles Licht in mir leuchten: ich bin Gottes geliebtes Kind!

Ich kann es kaum mit Worten beschreiben, was dies für das tägliche Leben bedeutet: für das Aufstehen und Arbeiten, für das Genießen und Freuen:
Ich habe einen festen Anker, einen Lebensatem, eine Lebenskraft,
eine Quelle, die nicht versiegt!
Ich muss mir dies auch nicht verdienen, sondern ich darf aus dieser Quelle leben – ohne etwas dafür getan zu haben.
Das erste und wichtigste meines Leben ist: ich bin von Gott geliebt!

Das dritte ergibt sich wiederum daraus:
Ich wünschte mir, dass alles, was ich tue und anfange, da seinen Aus­gangspunkt hat: Ich tue das und ich tue es so, weil ich von Gott geliebt bin.

Oft gelingt mir das nicht: Manchmal handle ich aus Ärger!
Manchmal bestimmen meine Vorstellungen und Wünsche mein Tun!
Oft zieht mich einfach der tägliche Betrieb in seinen Bann.
Oft lasse ich mich von den Menschen und ihren Wünschen und Erwartungen bestimmen.

Viel öfter könnte ich handeln unter der Überschrift:
Weil ich glaube, dass Gott mich liebt, und
weil ich glaube, das die Liebe das Größte ist, …

Jedes der vier Evangelien erzählt von der Taufe Jesu durch Johannes im Jordan. Diese Taufe des Johannes wird verbunden mit der himmlischen Aussage über Jesus: Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe!

Wenn ich lese und bedenke, was die Evangelien über Jesus zu erzählen wissen, dann fast diese Aussage alles zusammen:
Du bist mein geliebter Sohn!

Jesus ist für mich der Mensch, der davon ganz und gar durchdrungen war und der sich ganz diesem Glauben geöffnet hat – so dass alles, was er tat und sagte, darin seinen Ausgang hatte. Dieses Licht leuchtet aus ihm und es leuchtet in mein Leben.

Es leuchtet auch in mir – und in jedem der glaubt – je mehr ich mich dafür öffne.

6. Januar 2013: Erscheinung des Herrn

Anbetung der Könige (Volkach)Ich stelle eine kühne Behauptung auf: Diese christliche Botschaft ist gerade für unsere gegenwärtige Zeit eine Chance und kann einen Weg zeigen für Entwicklung der Menschen hinein in die Zukunft!

Schütteln sie nicht gleich mit dem Kopf. Denken sie nicht gleich: „das ist das typische kirchliche Missionsbewusstsein, das andere Kulturen und Religionen missachtet!“

Es ist erstens nicht nötig, weil ich in aller selbstbewussten Bescheidenheit von einer Chance spreche, von einem Angebot für die Menschen. Eine Chance kann man ergreifen, ein Angebot kann man annehmen oder nicht – niemand soll sich genötigt sehen – kein Muslim, kein Hindu, kein Buddhist, kein Jude und kein Atheist.

Zweitens möchte ich erklären, warum das Christentum gerade in den gegenwärtigen Herausforderungen der Menschheit ein Weg zeigen kann:

Das Merkmal unseres Zeitalters ist Globalisierung! Waren und Infor­mationen werden mit immer größerer Schnelligkeit transportiert.
Die Menschheit rückt immer mehr zusammen.

Dadurch sind neue Herausforderungen und Möglichkeiten entstanden:
Fabriken werden dort gebaut, wo Arbeit am billigsten ist.
Die Wissenschaftler stimmen weltweit ihre Forschungen aufeinander ab.
Die Politik wird zunehmend zu einer Weltinnenpolitik, so dass + Peter Struck sagen konnte: die Sicherheit Deutschlands wird am Hindukusch verteidigt.

Umso größer sind die Möglichkeiten, anderen Unrecht zu tun, umso weitreichender sind die Schäden, die der Mensch anrichten kann:

Tiere wandern mit den Menschen aus einem Weltteil in den anderen und werden dort zu Schädlingen.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten eines Landes wirken in die ganze Weltwirtschaft hinein.
Verbrecher und Terroristen können ganze Kontinente bedrohen.

Wie kann das Chaos vermieden werden, wie kann Gerechtigkeit entstehen, wie können die Völker in Frieden miteinander leben?

Die christliche Botschaft bietet dafür einen Weg an und verkündet:
Jeder Mensch ist ein Kind Gottes.
Jesus sagt: Alles, was du von anderen erwartest, das tu auch ihnen.
und er verkündet: Das Reich Gottes ist mitten unter euch!

Das Reich Gottes ist nicht beschränkt auf einen Land oder einen Kontinent, auf eine Kultur oder eine der menschlichen Rassen.

Vielmehr steht das Reich Gottes jedem Menschen offen und jeder Mensch ist berufen, dem Reich Gottes zu dienen. Die Engelsbotschaft im Lukasevangelium formuliert es einprägsam und einsichtig: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden.

Wenn Menschen Gott ehren, den Höchsten, den Schöpfer, die Quelle und das Ziel der Schöpfung, wenn Menschen ihn achten und einander als seine geliebten Kinder, dann können sie zu einer Menschheitsfamilie werden,
in der die Rechte jedes einzelnen geachtet werden,
in der jeder frei ist, sein Leben zu bestimmen,
in der die Wahrhaftigkeit das gegenseitige Vertrauen möglich macht
und in der jedem das Wohl des anderen am Herzen liegt.
So kann Friede werden unter den Menschen auf der Erde.

Das besonders unseres Glaubens ist, dass wir Christen zur Gerechtigkeit, zur Wahrhaftigkeit, zur Solidarität und zu Respekt und Toleranz verpflich­tet wissen, auch gegenüber Menschen, die diese Werte nicht anerkennen.

Liebe Schwestern und Brüder, gerade heute am Fest der Erscheinung des Herrn liegen diese Gedanken nahe. Das Evangelium verkündet in der Geschichte von den Sterndeutern, dass die Völker der Welt zum Licht der Welt, zu Jesus Christus kommen und an ihn glauben.

Die Völker der Welt ehren Gott, und setzen ihre Macht, ihre Weisheit und ihren Reichtum ein, damit in dieser Welt Frieden unter den Menschen ist.

Die Botschaft Jesu ist nichts anderes als die Einladung an alle Welt, im Hören auf Gott Frieden zu schaffen.

1. Januar 2013: Neujahr und Hochfest der Gottesmutter Maria

Ich bin froh, dass ich am Beginn des neuen Kalenderjahres nicht alles neu anfangen muss. Ich hoffe, dass das Leben in ‑ Großen und Ganzen – weiter­ geht wie bisher!

Ich weiß auch: Es gibt immer etwas zu verbessern. Und das geht nicht, ohne Veränderung. Veränderungen aber sind schwierig aus mehreren Gründen:
Wer etwas verändern will, muss sich anstrengen. Er muss bereit sein, etwas aufzugeben, etwas zurückzulassen.
Wer Veränderungen herbeiführt, gerät dadurch leicht in Konflikt mit anderen, die entweder keine Veränderung wollen oder eine andere.
Nicht übersehen möchte ich: Dass ich mir Verbesserungen wünsche, ist eine Sache.
Eine andere Sache ist, ob ich die Verbesserungen selbst herbeiführen oder vornehmen kann.

Es war vermutlich der amerikanische Theologe Reinhold Niebuhr, der diese Fragen in ein Gebet fasste, das vielen von ihnen bekannt ist:

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
Gott gebe mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
Gott gebe mir und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

 

Es gibt Dinge, die man nicht ändern kann und es gibt Dinge, die man ändern kann – oder sogar ändern soll. Beides liegt oft nicht weit auseinander: die Gesundheit ist eines der größten Geschenke. Wir können zwar gesunde oder ungesunde Lebensweisen haben – Doch selbst der Kettenraucher Helmut Schmitt ist inzwischen 94 Jahre alt, während manchmal schon Kinder schwer erkranken.

Unser Leben ist mit Gott verbunden.  Er ist die Quelle des Lebens, aus seiner Hand empfangen wir, was wir zum Leben brauchen. Auch die Vergänglichkeit entspringt seinem Schöpferwillen – obgleich er – wie Paulus es ausdrückt – auch das Vergängliche mit Unvergänglichkeit umkleidet.

Deshalb dürfen wir am Anfang des Jahres über unser Leben nachdenken und darüber, was Gott mit uns vorhat.
Wir dürfen fragen: Gott, was hältst Du im neuen Jahr für mich bereit?

Was muss ich hinnehmen und annehmen?
Was könnte mir helfen, dass ich darin gelassener werde?

Diese Dinge lehren mich, meine Grenzen und meine Begrenztheit anzunehmen. Dadurch lerne ich, mich und meine Leben anzunehmen und Gott anzuvertrauen. Daran kann ich denken, wenn ich bete: Vater, dein Wille geschehe – und ich darf Gott vertrauen, dass er für mich das Heil will.

Was muss ich hinnehmen und annehmen? …

Wir dürfen uns auch fragen: Gott, was willst du, das ich tun soll?

Was will ich dieses Jahr anfangen?

Solange wir Anteil nehmen am Leben anderer, können wir anfangen, neu anfangen:

Aufmerksamer zu werden für den Mitmenschen,
den Verstand zu üben, eine neue Gewohnheit zu erlernen,
neue Gedanken zu haben, barmherziger zu werden, Dinge zu ordnen,
…,

Auch daran denke ich, wenn ich bete: Vater, dein Wille geschehe – denn Gottes Wille geschieht dort, wo Menschen seinen Willen tun.

Als Maria Jesus empfangen hat, hat Gott einen neuen Anfang mit den Menschen gemacht:
Jesus ist der neue Mensch, der in allem den Willen seines Vaters getan und angenommen hat.
In jedem Kind, das empfangen wird, macht Gott einen neuen Anfang mit uns Menschen, damit dieser Mensch Gottes Willen annimmt und tut.

Wir dürfen jeden neuen Tag annehmen als Gottes Geschenk und ihn füllen mit der Frage:
Gott, was hältst Du an diesem Tag für mich bereit?
Gott, was willst Du, das ich tun soll?

Messfeier zum Jahresschluss 2012

1. Lesung: Jes 32,15-18

15 Wenn aber der Geist aus der Höhe über uns ausgegossen wird, /
dann wird die Wüste zum Garten / und der Garten wird zu einem Wald.

16 In der Wüste wohnt das Recht, / die Gerechtigkeit weilt in den Gärten.

17 Das Werk der Gerechtigkeit wird der Friede sein, /
der Ertrag der Gerechtigkeit sind Ruhe und Sicherheit für immer.

18 Mein Volk wird an einer Stätte des Friedens wohnen, /
in sicheren Wohnungen, an stillen und ruhigen Plätzen.

Antwortgesang:

8. Ich will hören, was Gott redet: / Frieden verkündet der Herr seinem Volk und seinen Frommen, *
den Menschen mit redlichem Herzen.

9. Sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten. * Seine Herrlichkeit wohne in unserm Land.

10. Es begegnen einander Huld und Treue;  * Gerechtigkeit und Friede küssen sich.

11. Treue sproßt aus der Erde hervor; * Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder.

12. Auch spendet der Herr dann Segen, * und unser Land gibt seinen Ertrag.

13. Gerechtigkeit geht vor ihm her, * und Heil folgt der Spur seiner Schritte.

2. Lesung: Kol 3,12-15
12 Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen.
Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld!

13 Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander,
wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat.
Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!

14 Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band,
das alles zusammenhält und vollkommen macht.

15 In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes.
Seid dankbar!

Ruf vor dem Evangelium:
So spricht der Herr: Frieden hinterlasse ich euch,* meinen Frieden gebe ich euch.

Evangelium: Joh 14,23-29
23 Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten;
mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.

24 Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest.
Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.

25 Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.

26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird,
der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

27 Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch;
nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch.
Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.

28 Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück.
Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.

29 Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.

Ansprache:
Die Erde kreist um die Sonne und der Mond um die Erde und die Erde um sich selbst. Deshalb wird es hell und dunkel, Sommer und Winter. Wir beobachten die Wiederkehr der hellen Stunden, der wärmeren und der kälteren Perioden und nennen sie Jahr und Tag.
Nach einem Jahr stehen wir zur Sonne genauso wie ein Jahr zuvor.
Diese Bewegung dauert seit Jahrmillionen an – für mich sind das Ewigkeiten. ‑ Drehen wir uns nur im Kreis?

Man könnte es meinen! Doch wir wissen, dass sich das Universum andauernd verändert – gemessen an einer Sonnenumrundung zwar ziemlich langsam – aber eben doch!
Wir wissen auch, dass sich auf dieser Erde viel verändert, bevor diese auf ihrer Bahn um die Sonne wieder am Ausgangspunkt steht.

Auch hier kommt es auf die Perspektive an:
Frieden und Krieg, Rauben und Helfen, Hassen und Lieben, Sterben und Gebären gibt es alle Tage – für die Welt scheint der einzelne unwichtig zu sein. Doch mich interessiert es sehr wohl, wann mein Vater verstarb, wann mein Neffe geboren wurde und welches Glück und welche Enttäuschung ich in einem Jahr erlebe.

Je mehr die Ereignisse uns betreffen, desto schneller, desto spannender und bewegender sind sie für uns. Deshalb schauen wir zurück und voraus und fragen:
Wie habe ich mich verändert im vergangenen Jahr? Und:
Was kommt im neuen Jahr alles auf mich zu.

Wie habe ich mich verändert im vergangenen Jahr?
Bin ich genauso wie vor einem Jahr?
Hätte ich mir eine Veränderung gewünscht?
Bin ich froh oder unzufrieden, dass es so oder anders geworden ist?

Der Blick zurück auf das vergangene Jahr macht die einen froh und dankbar, andere möchten am liebsten nicht erinnert werden.
Manches wirkt vielleicht noch in das neue Jahr hinüber.

Das Gute und Schlechte, das uns widerfahren ist und das wir getan haben, ‑ es ist Vergangenheit und wir können daran nicht mehr ändern.
Wir können aber beten: Herr, ich danke Dir, für alles Gute, das es im vergangenen Jahr gab.

Ich danke Dir, wenn in meinem Tun deine Liebe sichtbar werden konnte.
Hoffentlich wird dadurch der Glaube an dich, den guten und barmherzigen Gott,
stark in der Welt, so dass sich Frieden und Gerechtigkeit ausbreiten.
Gott, verzeihe mir, wenn ich durch mein Tun deine Liebe verdunkelt habe.
Hilf mir auf dem Weg zurückzukehren und zu bleiben, den Du mir zeigst.
Gott des Lebens, du kennst auch meine Ängste und Sorgen;
du weißt, was mir die Freude raubt und mich traurig macht.
Hilf mir, darüber nicht an dir zu verzweifeln.
Hilf mir dennoch zu glauben, dass du mit deiner Liebe bei mir bist und alles gut machen wirst,
so wie du Jesus Christus auferweckt hast zum Leben. Amen.

Was kommt im neuen Jahr alles auf mich zu?

Auch der Blick auf das kommende Jahr kann sehr verschieden sein:
Manchen stehen Prüfungen bevor, der Einstieg in den Beruf – oder eine berufliche Veränderung.
Manche sorgen sich um ihre Gesundheit oder um die ihrer Angehörigen;
Viele hoffen vielleicht, dass das neue Jahr einfach ruhig verläuft – und ihnen böse Überraschungen erspart bleiben.

Wir erkennen unsere Aufgaben und Möglichkeiten, wir wissen um unsere Grenzen. Wir möchten gern die Zukunft, unser Leben, gestalten – wir erkennen, unsere Verantwortung und unsere Berufung.

Was immer auch geschehen wird – es ist Zukunft und wir wissen nicht, was geschehen wird. Wir wissen nicht einmal, ob wir selbst alles so tun können und möchten, wie es unserem Christ Sein entspricht. Wir können aber beten:

 Gott, himmlischer Vater, dein Name ist: „Ich bin da!“ 
Ich vertraue Dir, dass Du immer bei mir bist, an jedem künftigen Tag. 

Jeden Tag schenkst du mir neu deine Güte.
Schenke mir Einsicht und Verständnis, damit ich meine Aufgaben erfüllen kann; 
Bewahre mich vor Mutlosigkeit und Angst, vor Bitterkeit, vor Neid und Hass.
Lass mich deinen Willen erkennen, schenke mir deinen Geist und deine Kraft,
     damit ich das Gute tun kann,
damit Gerechtigkeit und Frieden mehr werden in der Welt.
Schenke mir die Gnade, dass ich Dich preisen kann
für das Leben, das du mir schenkst. Amen.

Fürbitten:

Pr.: Gott, Freund des Lebens und Freund der Menschen, wir bitten Dich:

L      Für die gesamte Christenheit:
dass die Verfolgungen ein Ende nehmen,
dass die Spaltungen überwunden werden,
dass wir miteinander das Brot brechen.

L      Für den Bischof von Rom und für alle Bischöfe
besonders für unseren neuen Bischof Rudolf:
dass sie die Einheit der Kirche bewahren,
dass sie die frohe Botschaft recht verkünden,
dass sie ihren Glauben mit den Gläubigen teilen,
       dass sie Vorbilder sind im Beten und Handeln.

L      Für unsere Stadt, für unser Volk und für alle Völker Europas:
dass der Frieden erhalten bleibt
und dass kein Unfriede von unserem Land ausgeht.
Dass die Wohlhabenden Gerechtigkeit üben
und dass alle Menschen nach ihren Möglichkeiten
in der Gesellschaft mitarbeiten können.

L      Für die Menschen im Nahen Osten, in Afrika und auf der ganzen Welt:
dass der Frieden sich ausbreite,
dass Armut und Hunger überwunden werden,
dass Bildung und Medizin für jeden erreichbar sind,
dass die Volker immer mehr zu einer Menschheitsfamilie werden

L      Für die Angehörigen aller Religionen, die wie wir die Wahrheit suchen
        und danach streben, gute Menschen zu sein:
       dass sie sich gegenseitig achten,
       dass sie ihre gemeinsame Verantwortung  für den Frieden erkennen,
       dass sie die Religion nicht als Vorwand benutzen,
      um Feindschaft und Neid, Angst und Verachtung gegenüber anderen zu schüren.

Pr.: Gott, Du bist die Wahrheit. Du zeigst uns den Weg. Du bist das Leben. Wir loben und preisen dich in Ewigkeit. Amen.

30. Dezember 2012: Fest der Heiligen Familie

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

 

Wer den Messias, den Sohn Gottes verkünden will, überlegt sehr genau, welche Geschichten er überliefern möchte und in welcher Form. Das Lukasevangelium erzählt, wie wir wissen: Die Verkündi­gungsgeschichten, die Geburtsgeschichten, dann die Begegnung mit Simeon und Hanna am 8. Tag nach der Geburt, dem der Beschneidung. Summarisch heißt es dann, „Das Kind wuchs heran. Gottes Gnade ruhte auf ihm.“ Dann aber erzählt das Evangelium diese Geschichte, von dem 12jährigen Jesus.

Für Jüdische Jungen ist der 12. Geburtstag bis heute etwas ganz besonderes. Bar Mizwa heißt das Fest, bei dem der Junge zum ersten Mal aus der Tora vorlesen darf. Von da an gilt er als erwachsener Jude, der sich an alle Regeln des jüdischen Glaubens halten muss.

Dass Jesus als 12jähriger Bar Mizwa gefeiert hatte – davon konnte das Lukasevangelium ausgehen. Wichtig ist, wie das Evangelium diese Geschichte erzählt.

Voraussetzung für alles, was Jesus tut und verkündet, Voraussetzung seiner Sendung als Messias und Retter der Welt ist: Jesus wuchs als Jude auf, er lebte als Jude und er starb als Jude. Lukas möchte dies den Christen, die aus dem Heidentum vermitteln: Jesus erfüllt die Verheißungen, die dem jüdischen Volk gegeben waren.

Das Evangelium verkündet aber: Als Jesus als „erwachsener“ Jude anerkannt war, kam er sozusagen erst richtig heim.
„Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“

Lukas zeigt, dass Jesus voll und ganz erfüllt war vom Glauben an den Gott Israels, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.
Alles, was er später verkünden wird, all das speist sich und nährt sich aus dieser Quelle.

Jesus ist nicht gekommen, um eine neue Religion zu gründen.

Er ist gekommen, um die Sünder zu rufen! Er ist gekommen, damit den Armen eine frohe Botschaft verkündet wird. Er ist gekommen, um den Kranken die Gemeinschaft mit Gott zurück zu geben.

Zugleich verkündet Jesus nicht nur die Vergebung der Sünden und das Heil für die Kranken. –
Er wird selbst zum verkündeten. Er wird zum Ausgangspunkt eines neuen Weges, der aber im eigentlichsten Sinn der Weg der Tora ist – gereinigt und befreit von allem, was die Klarheit und Einfachheit dieses Weges getrübt hatte.

Das Evangelium Jesu war einfach und weise: wer wollte, konnte es verstehen und annehmen.

Doch im Laufe der Geschichte bemühten sich die Gläubigen, immer besser zu erklären, wer Jesus ist und was die Jünger Jesu glauben:
Der Vater und Jesus und der Heilige Geist, die Schöpfung und die Wiederkunft, die Auferstehung und das ewige Leben, die Gegenwart des Auferstandenen in der Gemeinde, in der Eucharistie, …

Da der Mensch nun mal denkt und verstehen will, ist das unumgänglich – auch heute. Hinter all dem aber steht das Evangelium Jesu, das einfach ist: einfach zu verstehen und einfach zu leben. Es lautet schlicht:

  • Das Reich Gottes ist mitten unter euch!
  • Gott ist der barmherzige Vater aller und er schließt niemand aus, niemand! Auch nicht die Kranken und Sünder, nicht die Fremden und nicht die Ungläubigen.
  • Gott schenkt dem Menschen das ewige Leben in seiner Herrlichkeit.
  • Der Mensch soll Gott lieben und den Nächsten wie sich selbst.

Das Evangelium Jesu ist einfach und leicht zu verstehen.

25. Dezember 2012: Hochfest der Geburt Christi

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

 

Frieden und Freude verkünden die Engel in der Geburtsgeschichte des Lukasevangeliums.
Die es als erste hören sind bei Lukas die Hirten. Warum?
Die Hirten gelten nicht viel, sie leben außerhalb der Ortschaften auf dem offenen Feld. Deshalb sind sie den Bewohnern der Städte und Dörfer immer ein wenig verdächtig – als Leute, die schon mal was mitgehen lassen, die ihre eigenen Ausdrücke und Gewohnheiten haben … Leute, denen man nachts lieber nicht allein begegnet. Und: Hirten sind arm!

Deshalb sind sie für Lukas ideal geeignet, als erste die Frohbotschaft zu hören und das Kind in der Krippe zu finden, Jesus, den der Himmel schickt, damit er die Welt rettet.

In manchem Krippenspiel wird noch dazu erfunden, was die Hirten alles mitnehmen, um es dem Kind zu schenken: Milch, ein warmes Fell, eine Kerze, … Das macht sie uns sympathisch: wir denken, das sind nette, praktische Leute, die daran denken, was die junge Familie jetzt am nötigsten braucht.

Im Evangelium aber kommen sie mit leeren Händen und finden das Kind in der Krippe. Sie erzählen nur, was ihnen über das Kind gesagt worden war.

Da liegt nun der neugeborene Messias, der Sohn Gottes,  der  Sohn des Höchsten, dem Gott den Thron seines Vaters David gibt;  der neue König Israels, Herrschaft wird kein Ende haben.

Er bringt Frieden und Freude in die Welt, er befreit uns aus Sünde und Tod, er ist der Immanuel, der Gott mit uns.
Er ist das ganz besondere Geschenk Gottes an uns Menschen.

Und wir? Was können wir ihm schenken? Was möchten wir ihm schenken?

Lukas gibt uns die Hirten als Vorbild!
Sie glauben der Botschaft, sie laufen hin, sie erzählen von ihm, sie kehren zurück zu den Herden und rühmten und Gott und priesen ihn für das, was sie gesehen und gehört hatten.

Das erste Geschenk, das wir Jesus machen können ist, dass wir ihm glauben:
dass er Gottes Wort verkündet: nämlich die Botschaft von der Befreiung des Menschen aus Sünde und Tod!

Ihm glauben  ‑ das ist vielleicht das größte Geschenk, das wir ihm machen können. Denn damit nehmen wir ihn und seine Botschaft an und schenke ihm uns selbst: Wir nehmen ihn an als unseren Herrn und Gott, dem wir folgen und dessen Reich wir dienen.

„Ich glaube an Jesus Christus, den Retter und Heiland der Welt!“
Wer dies ehrlich bekennt, bindet sich an ihn mit Haut und Haar und bis in das Innerste seine Seele.

Das zweite Geschenk, das wir ihm machen können ist, dass wir erzählen, was er uns bedeutet und was wir über ihn gehört haben.
So werden wir seine Botschafter: Botschafter Jesu und Botschafter des Friedens, den er gebracht hat.

Dass die Hirten zu ihren Herden zurückkehrten, also Hirten bleiben, zeigt mir, was das dritte Geschenk ist: wir müssen und brauchen nichts Außergewöhnliches tun.
Es kommt darauf an, dass wir das unsere so tun, wie es in Gottes Augen gut ist. 

Die Schafe müssen gehütet werden, die Kinder unterrichtet, die Patienten geheilt und die Straßen gereinigt werden.
Dass wir unser Leben annehmen und aus Vertrauen und Hoffnung und Liebe handeln – und dabei immer mehr Jesus ähnlich werden ‑ das ist das dritte Geschenk, das wir ihm machen können.

Gott schenkt uns durch Jesus sich selbst, denn in ihm ist Gottes Liebe Fleisch geworden.
Schenken wir Gott uns selbst, in dem wir JA sagen zu Gott und seiner Schöpfung.

24. Dezember 2012: Christmette

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Haben Sie sich heute Abend über die Geschenke gefreut?
Können Sie Geschenke annehmen? Auch sonst? Oder nur am Geburtstag und an Weihnachten?

Manche tun sich sehr schwer damit, Geschenke anzunehmen.
Andere warten auf die Geschenke und wären sehr enttäuscht, wenn sie vergessen würden. 
Kinder sind Meister im „Sich-Beschenken-Lassen!“ Sie belohnen die Schenker mit glänzenden Augen und freuen sich ungeniert.

Vielleicht spielt Jesus auf diese Eigenart von Kindern an, wenn er sagt: „Wenn ihr nicht wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ (Mt 18,3)

Weihnachten handelt vom Geschenk und vom Beschenkt werden! Maria und Josef wird ein Sohn geschenkt!
Die Engel, denen das Evangelium seine Stimme gibt, sprechen von Freude, von der Geburt des Messias, vom Frieden und von der Gnade, die Gott den Menschen schenkt.

Lukas verkündet Jesus Christus, den Messias der Welt: Deshalb schildert schon seine Geburtsgeschichte, dass Jesus das Geschenk des Himmels ist – so wie das Leben, die Natur, die Welt, das Universum, so wie alles ein Geschenk des Himmels ist!

Das ist die spezielle Antwort des Glaubens auf die Fragen, die sich dem Menschen schon immer stellen.

Durch diese Fragen hat der Mensch seine besondere Stellung in dieser Welt und unter allen anderen Lebewesen:
Der Mensch fragt nach dem Woher, nach seiner Geschichte.
Er fragt danach, warum die Dinge sind, wie sie sind.

Wir haben durch dieses Fragen großes Wissen und großes Können erworben.
Dennoch werden die Fragezeichen nicht weniger sondern mehr. Das Fragen wird nie ein Ende haben, wie viel auch noch erforscht werden wird. 

Es bleibt dabei: der Mensch findet sich in dieser Welt vor –
er hat sich die Welt und sich selbst nicht ausgedacht;
er lebt und kann nichts dafür. Das wird immer so bleiben.
Immer wird die Frage bleiben: Woher und Wozu? Und was ist das Ziel? 

Ich glaube daran, dass das Leben ein Geschenk ist,
ein Geschenk, dessen WOHER meinen Augen und Ohren, meinem Rechnen und Forschen ein Rätsel bleibt!

Ich glaube aber daran, dass das Leben das Geschenk des Himmels, das Geschenk Gottes ist!

Ich glaube daran, dass in ganz besonderer Weise Jesus Christus uns von Gott geschenkt ist, weil er ernst gemacht hat mit dem Mensch Sein und mit der menschlichen Berufung, Ebenbild Gottes zu sein.

  • Er ist gekommen, um den Willen seines Vaters im Himmel zu tun!
  • Er redet nicht aus sich, sondern verkündet, was er von seinem himmlischen Vater gehört hat!
  • Er ist gekommen, damit wir das Leben in Fülle haben!
  • Er ist gekommen, damit unsere Freude (am Leben) vollkommen wird.

Das JA des Menschen zu Gott und zum Leben in Gottes Schöpfung ist in ihm Fleisch geworden und
Das JA Gottes zum Menschen und zu seiner Schöpfung ist in ihm Mensch geworden!

Er ist uns von Gott geschenkt,
damit wir seine Freude am Leben in uns haben und
Frieden mit uns und dem Leben in dieser Welt schließen können.

Gottes Geschenke nennen wir Gnadengaben.
Ich wünsche ihnen ein gnadenreiches Weihnachtsfest.
Ich wünsche Ihnen, dass Gott ihnen seine Gnadengaben schenkt:
Dass Frieden und Freude, Hoffnung und Liebe durch dieses Weihnachtsfest in Ihnen gestärkt werden.

23. Dezember 2012: 4. Adventsonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

Zahlreiche Christen und die Vertreter des Bistums empfingen am Donnerstag Rudolf Voderholzer, unseren künftigen Bischof. Es war ein froher und herzlicher Empfang. Der neue Bischof fand sehr herzliche Worte. Vor allem aber sprach er als Christ zu den Menschen. Selbst wenn man nicht dabei war, kann man in den Berichten und Aufzeichnungen spüren, wie bewegend die Situation war.

Jeden Tag grüßen wir Menschen und werden begrüßt – doch manchmal ist es etwas ganz Besonderes:

Eine besondere Begrüßung schildert das Lukasevangelium: Maria besucht Elisabeth, um ihr in der Schwangerschaft beizustehen.

Lukas schildert keine historische Situation: Aber er schildert lebendig und anschaulich: ich sehe die Szene vor mir, in der Elisabeth Maria zuruft:

Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes!

Diesen Worten möchte ich mich anschließen: Denn die Frau, die Jesus geboren und erzogen hat, ist wirklich eine gesegnete Frau! Gottes Geist ist mit ihr und spricht aus ihr.

Wir hätten viel gewonnen, wenn eine Schwangerschaft grundsätzlich als Segen empfunden würde und nicht als Bedrohung für die eigene Lebensentfaltung.
Es wäre viel gewonnen, wenn die Gesellschaft werdenden Mütter gratuliert und ihnen jeden Beistand gewährt, damit sie das Kind ruhig und zuversichtlich erwarten können.
Es wäre viel gewonnen, wenn ein ungeborenes Kind als Segen begrüßt werden könnte, wie Elisabeth sagt: Gesegnet ist die Frucht deines Leibes!

Für unsere Zeit ist das eine wichtige Botschaft in den Sätzen des Evangeliums.

Lukas aber lag aber etwas anderes am Herzen:
Elisabeth ist die Mutter Johannes’ des Täufers, der das Volk Israel auf die Ankunft des Messias vorbereitete.
Elisabeth ist Vertreterin des Volkes Israel, auf dem die Verheißungen Gottes ruhen. Sie begrüßt freudig und dankbar Maria und das Kind, das den Namen Jesus tragen wird.

Sie grüßt Maria als Mutter ihres Herrn. Ich möchte mich innerlich Elisabeth anschließen.

Ich möchte sagen: Gesegnet ist Jesus, den Maria empfangen hat.

Er ist gesegnet, erfüllt mit dem Heiligen Geist!
Er ist für mich und für die Menschen zum Segen geworden,
denn durch ihn sind wir versöhnt mit Gott,  dem diese Welt so am Herzen liegt, dass er in ihr als Mensch leben wollte.

 

Bußgottesdienst Advent 2012: „Wachet auf“, ruft uns die Stimme …

Die Vorlage zum Bußgottesdienst stammt vom Deutschen Liturgischen Institut.

kluge-Jungfrauen-2 Berner Münster

 

 

Wachet auf ruft uns die Stimme

Bußgottesdienst im Advent 2012

 

 

 

 

 

 

ERÖFFNUNG

Gesang zur Eröffnung GL 110/1

Einführung:  Schwestern und Brüder!
Es ist ein frohes Lied, dessen erste Strophe wir eben gesungen haben. Nicht nur weil der Text von einer Hochzeit handelt – vor allem die Melodie weckt eine frohe, festliche Stimmung. Erstaunlich ist, in welcher Situation dieses Lied entstanden ist:

Die Pest wütete in Unna, der Stadt, in der Philipp Nicolai, der Autor und Komponist dieses Liedes, lebte. Innerhalb eines Jahres hatte sie 1400 Menschen dahingerafft.
Nicolai singt mit seinem Lied gegen dieses Elend und gegen die allgegenwärtige Klage an. Im Bild von der Hochzeit singt er vom Schönsten, vom größten Glück: von der Liebe, von der Hochzeit, vom Fest.

Die Pest ist eine furchtbare Wirklichkeit. Aber es gibt noch eine andere Wirklichkeit, von der die Heilige Schrift, die Geschichte des Volkes Israel, reiches Zeugnis gibt.

GEBET
Hilf uns, Gott, dass wir in diesen Tagen
die Ankunft deines Sohnes voll Freude erwarten.
Nimm alle Trägheit von uns
und mache uns bereit, zu wachen und zu beten,
damit uns Christus nicht schlafend findet,
wenn er kommt und anklopft.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Verkündigung und Gewissenserforschung

Nehmen Sie bitte das Bild zur Hand.

Evangelium von den klugen und törichten Jungfrauen? Mt 25,1-13

Das Bild zeigt Frauen mit brennenden Öllampen in den Händen. Das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen wurde häufig an Portalen von Kirchen und Kathedralen dargestellt. Diese drei gehören zur Darstellung der Jungfrauen am Hauptportal des Berner Münsters.

Sie bilden ein Spalier. Wenn man durch das Portal eintritt, erinnern sie daran, dass es töricht ist, unvorbereitet auf den Bräutigam, auf Christus, zu warten. Klug sind die, die vorgesorgt und ihre Lampen aufgefüllt haben. In diesem Gottesdienst haben wir – um im Bild zu bleiben – Gelegenheit, unsere Lampen in Ordnung zu bringen. Nehmen wir uns jetzt Zeit.

Inhaltlich führt uns das Lied: Wachet auf, runftuns die Stimme durch diesen Gottesdienst. Impulse und Fragen können uns helfen, auf unser Leben zu schauen. Entsprechend den drei Liedstrophen sind die Denkanstöße in Abschnitte aufgeteilt.

Nach jeder Strophe hören wir zunächst jeweils eine kurze Lesung und einige Gedanken dazu. Dann regen uns die Fragen an, unser Leben in den Blick zu nehmen.

Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja. (Jes 52,8-9)

Horch, deine Wächter erheben die Stimme, sie beginnen alle zu jubeln. Denn sie sehen mit eigenen Augen, wie der Herr nach Zion zurückkehrt. Brecht in Jubel aus, jauchzt alle zusammen, ihr Trümmer Jerusalems! Denn der Herr tröstet sein Volk, er erlöst Jerusalem.

„Mitternacht heißt diese Stunde; sie rufen uns mit hellem Munde: ,Wo seid ihr klugen Jungrauen?‘ Wohlauf, der Bräutgam kommt; steht auf, die Lampen nehmt. Halleluja. Macht euch bereit zu der Hochzeit. Ihr müsset ihm entgegengehn.'“

So haben wir eingangs gesungen. Das Lied verbindet zwei Bibelstücke miteinander:
das Gleichnis Jesu von den klugen und den törichten Jungfrauen und den Ruf des Propheten Jesaja, der dem Volk Israel in der babylonischen Gefangenschaft einen Erlöser ankündigt, und dass es in die Heimat Jerusalem zurückkehren wird.

„Wacht auf“ ruft uns die Stimme. Gott kommt uns entgegen, er geht auf uns zu. Doch auch wir dürfen nicht untätig sein: „Wir müssen ihm entgegengehn. – Steht auf, die Lampen nehmt.“

Impulse zum Nachdenken

Was ist der Schlaf, aus welchem ich aufwachen muss? Wozu muss ich aufstehen?

Zwischen den folgenden Impulsen ist immer eine Pause zu machen, die es den Mitfeiernden erlaubt, die Frage innerlich zu beantworten.

  • Sind mir die Mitmenschen gleichgültig geworden?
    Wie es ihnen geht? Was sie brauchen?
  • Habe ich resigniert? Oder habe ich Ideale?
  • Welche Werte sind mir wichtig?

Was sind meine Lampen, mit denen ich dem Herrn entgegen gehe?

  • Kann ich Vertrauen schenken? Kann ich anderen Wohlwollen und Sympathie zeigen?
  • Was sind meine Fähigkeiten und Begabungen, die ich einsetzen und einbringen kann?

2 Minuten meditatives Orgelspiel

Lied: GL 110/1. Strophe – Zwischenspiel – GL 110/2

Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja. (Jes 60,1-2)

Mach dich auf, Zion, werde licht; denn dein Licht kommt, die Herrlichkeit des Herrn geht über dir auf. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir.

„Ihr Freund kommt“, „prächtig“, „von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig“, „du werte Kron“, „Gottes Sohn“, „Hosianna“, „Freudensaal“, „Abendmahl“ – Aus dem Aufeinander-zu-Gehen, von dem die erste Strophe gesungen hat, wird in der zweiten die persönliche Begegnung:

Aus der Stadt Jerusalem ist die Braut geworden, die ihren Bräutigam bewundert und anbetet.

Die Worte „Freudensaal“ und „Abendmahl“ stellen eine neue Verbindung her: Der Bräutigam ist Jesus Christus und die Braut, das sind die Jünger Jesu, die mit ihm im Abendmahlssaal sitzen; die Kirche als Gemeinschaft der Christen ist die Braut Christi.

Gott kommt mir entgegen und bietet mir seine Freundschaft an.

Impulse zum Nachdenken

Christus kommt auch mir in meinem Leben entgegen.
Wie gebe ich ihm Gelegenheit, mir zu begegnen?
Wie gehe ich ihm entgegen?

  • Bete ich persönlich privat?
    Wie gestalte ich mein privates Gebet?
  • Was prägt mein Gebet zu sehr oder zu wenig: Staunen über Gottes Wirken, Freude, Dank, Lob, Klage, Bitte?
  • Wie feiere ich den Gottesdienst mit?
    Singe und bete ich mit? Öffne ich mich für Gottes Wort und das Geheimnis des Glaubens?
  • Wie versuche ich, meine Gottesbeziehung zu vertiefen?

2 Minuten meditatives Orgelspiel

Lied: GL 110/2. Strophe – Zwischenspiel – GL 110/3

Lesung aus dem Buch der Psalmen (Ps 150)

Halleluja! Lobt Gott in seinem Heiligtum,
lobt ihn in seiner mächtigen Feste!
Lobt ihn für seine großen Taten,
lobt ihn in seiner gewaltigen Größe!

Lobt ihn mit dem Schall der Hörner,
lobt ihn mit Harfe und Zither!
Lobt ihn mit Pauken und Tanz,
lobt ihn mit Flöten und Saitenspiel!

Lobt ihn mit hellen Zimbeln,
lobt ihn mit klingenden Zimbeln!
Alles, was atmet, lobe den Herrn! Halleluja!

In der dritten Strophe kommt die Bewegung der ersten beiden Strophen an ihr Ziel. Es ist mehr als ein Hochzeitssaal:
Besungen wird der himmlische Freudensaal. Hier herrscht nur noch Jubel.

Menschen und Engel bilden einen einzigen großen Chor, der jubelnd singend Gottes Thron umgibt?

Impulse zum Nachdenken

Was bewirkt dieses Bild in mir:

  • Möchte ich einstimmen in den Jubelchor? Möchte ich dazu gehören?
  • Sehne ich mich danach, so jubeln zu können?

Wirkt sich der Glaube an die Auferstehung in meinem Leben aus?

  • In Freude und Leid?
  • Im Umgang mit Menschen?
  • In der Suche und im Bemühen um ein erfülltes Leben?

2 Minuten meditatives Orgelspiel

Lied: GL 110/1. Strophe – Zwischenspiel – GL 110/2

BUSSE UND VERSÖHNUNG

Schuldbekenntnis – Vergebungsbitte

„Wachet auf“, ruft uns die Stimme … – das vertraute Lied hat uns vor Fragen gestellt: Welche Rolle spielt der Glaube ganz persönlich bei mir? Vor allem: Ist das, was ich mit dem Wort „Himmel“ verbinde, für mich eine Realität? Eine Realität, die etwas bewirkt: im Alltag, im Umgang mit meinen Mitmenschen, in dem, was mich zutiefst bewegt?

Jede und jeder hat seine eigene Geschichte mit Gott, seine besondere Beziehung zu ihm. Wir alle aber bleiben hinter dem zurück, was wir aus Gottes Gaben machen könnten.

Die Hoffnung und Freude des Glaubens könnten unser Leben noch stärker prägen.
Unser Verhalten gegenüber uns selbst und den Mitmenschen und gegenüber Gott widerspricht oft dem, was wir glauben und nbekennen und was Gottes Willen entsprechen würde.

Deshalb wollen wir jetzt mit den Worten des Allgemeinen Schuldbekenntnisses miteinander und füreinander Gott um Verzeihung bitten:

Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen, …

Gott hat Jesus in die Welt gesandt, um uns mit sich zu versöhnen.
Er hat uns den Heiligen Geist gesandt, den Geist des Friedens und der Versöhnung. Er verzeihe uns unsere Sünden.
Er führe und leite uns in der Nachfolge Jesu, damit wir einst teilhaben an der himmlischen Freude. Amen.

Friedensgruß

Im Advent betrachten wir, dass Gott uns entgegenkommt, um uns Frieden und Versöhnung zu schenken durch Jesus Christus:
Sein Friede sei allezeit mit euch.

Gebt einander ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung.

Vater Unser

L: Als versöhnte Kinder des einen himmlischen Vaters dürfen wir beten, wie uns unser Bruder Jesus Christus selbst gelehrt hat:

A: Vater unser … Denn dein ist das Reich …

Zeichen der Umkehr

„Wo seid ihr klugen Jungfrauen?“ – Vielleicht ist es Ihnen beim Gesang der ersten Strophe unseres Liedes aufgefallen: Es ist nur von den klugen Jungfrauen die Rede. Die törichten werden gar nicht erwähnt.
Das ist so, weil das Lied mitten im Elend Hoffnung wecken will.
Das ist Advent. Wir wollen klug sein.
Wir dürfen und wollen dem Herrn mit brennenden Lichtern entgegen gehen.

Überlegen wir, welches Zeichen wir in unserem Leben setzen.
Wie machen wir deutlich, dass wir an Jesus Christus glauben,
dass wir für ihn brennen, dass er es ist, dessen Ankunft wir erwarten und ersehnen.

Orgelmeditation zu „Wachet auf‘ —

ABSCHLUSS

Dankgesang

Am Ende dieses Gottesdienstes fassen wir, was uns jetzt bewegt hat, noch einmal zusammen, indem wir das Lied, das uns jetzt begleitet hat, noch einmal mit allen seinen Strophen singen.

GL 110,1-3       „Wachet auf`, ruft uns die Stimme

Segen

Der barmherzige Gott hat uns den Glauben an das Kommen seines Sohnes geschenkt; er segne und heilige euch (uns) durch das Licht seiner Gnade. – A: Amen.

Er mache euch standhaft im Glauben, froh in der Hoffnung und eifrig in den Werken der Liebe. – A: Amen.

Die erste Ankunft des Erlösers sei euch ein Unterpfand der ewigen Herrlichkeit, die er uns schenken wird, wenn er wiederkommt auf den Wolken des Himmels. – A: Amen.

Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn + und der Heilige Geist.

A: Amen.

POSTLUDIUM Improvisation über „Wachet auf, ruft uns die Stimme“

„Wachet auf`, ruft uns die Stimme
der Wächter sehr hoch auf der Zinne,
„wach auf, du Stadt Jerusalem!“ ‑
Mitternacht heißt diese Stunde;
sie rufen uns mit hellem Munde: ‑
„Wo seid ihr klugen Jungfrauen?
Wohlauf, der Bräutgam kommt;
steht auf, die Lampen nehmt. Halleluja.
Macht euch bereit zu der Hochzeit,
ihr müsset ihm entgegengehn.“

Zion hört die Wächter singen;
das Herz tut ihr vor Freude springen,
sie wachet und steht eilend auf.
Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig,
von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig;
ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.
Nun komm, du werte Kron,
Herr Jesu, Gottes Sohn. Hosianna.
Wir folgen all zum Freudensaal und halten mit das Abendmahl.“

Gloria sei dir gesungen
mit Menschen- und mit Engelzungen,
mit Harfen und mit Zimbeln schön.
Von zwölf Perlen sind die Tore
‚an deiner Stadt; wir stehn im Chore
der Engel hoch um deinen Thron.
Kein Aug hat je gespürt,
kein Ohr hat mehr gehört solche Freude.
Des jauchzen wir und singen dir
das Halleluja für und für.

Bußgottesdienst im Advent „Wachet auf,
Herausgeber: Deutsches Liturgisches Institut, 54216 Trier.
Foto: S. Angerhausen: Die klugen Jungfrauen, Hauptportal des Berner Münsters 1460/80.