18. Dezember 2011: 4. Adventsonntag

„Sag ja zu den Überraschungen,
die deine Pläne durchkreuzen,
deine Träume zunichte machen,
deinem Tag eine ganz andere Richtung geben –
ja vielleicht deinem Leben.
Sie sind nicht Zufall.
Lass den himmlischen Vater die Freiheit
selber den Einschuss deiner Tage zu bestimmen.“

Dieser Ausspruch von Dom Helder Camara scheint mir genau auf die Haltung zu passen, die das Lukasevangelium mit Maria, der Mutter Jesu verbindet.

Das Evangelium entwirft eine wunderschöne Geschichte als Ouvertüre für das ganze Evangelium:

Ist die Erscheinung des Engels nicht eine Überraschung, die die Pläne dieser jungen Frau zunichte machen?

Diese Begegnung gibt nicht nur dem Tag, sondern dem Leben dieser Frau eine ganz andere Richtung.

Und Maria lässt dem himmlischen Vater die Freiheit, den Einschuss ihrer Tage zu bestimmen indem sie sagt: „Mir geschehe nach deinem Wort“.

„Sag ja zu den Überraschungen,
die deine Pläne durchkreuzen,
deine Träume zunichte machen,
deinem Tag eine ganz andere Richtung geben –
ja vielleicht deinem Leben.
Sie sind nicht Zufall.
Lass den himmlischen Vater die Freiheit
selber den Einschuss deiner Tage zu bestimmen.“

Kann ich die Überraschungen des Lebens als Gottes Wirken in meinem Leben begreifen?

Diese Haltung ist nicht einfach. Sie konträr zu der Lebenseinstellung, die sagt: Ich habe mein Leben im Griff.

Ich wünsche mir doch, dass ich im Alter unabhängig bleibe und ohne größere fremde Hilfe auskomme.

Ich mache viele Pläne und entwickle Vorhaben
– und wenn es anders kommt?

Ich könnte mich dann auch fragen: Was will Gott mir zeigen?
Was will Gott mir sagen? Was ist sein Ruf an mich – durch diese Überraschung.

So könnte Gott mir ganz nahe rücken. Ich würde anfangen, das Leben als das zu betrachten, was es ist: als Gottes Gabe und Auftrag.

Gott ist dann nicht fern – hinter den Grenzen des Alls und der Zeit,
sondern ganz nah – und er bestimmt den Lauf meiner Tage.

Kann ich ihm vertrauen, so wie das Lukasevangelium es von Maria sagt:
Dass er rettet und Heil schafft – mir und allen?

„Sag ja zu den Überraschungen,
die deine Pläne durchkreuzen,
deine Träume zunichte machen,
deinem Tag eine ganz andere Richtung geben –
ja vielleicht deinem Leben.
Sie sind nicht Zufall.
Lass den himmlischen Vater die Freiheit
selber den Einschuss deiner Tage zu bestimmen.“

Ich möchte die Überraschungen und die Läufe meines Lebens als Gottes „Einschuss“ in meine Tage sehen lernen.

Bußgottesdienst im Advent 2011

Zu Hause sein – bei sich selbst und mit anderen

Einleitung
Karl Valentin prägte den Spruch:
Heute Nachmittag besuche ich mich. Ich bin gespannt, ob ich daheim bin. Zu Hause sein – bei sich selbst und mit anderen.
Darüber können wir in unserem Bußgottesdienst nachdenken.

Gebet
Herr, unser Gott, in deinem Haus sind wir als deine Gemeinde.
Du schaust auf uns. Du siehst unser Versagen und unser Bemühen.
Wir bitten dich um den Heiligen Geist:
Er gebe uns Kraft zur Umkehr und gieße uns neues Leben ein. Amen.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder
„Die Stadt Regensburg ist nicht mehr das, was sie früher war.“ Jemand aus der Nachbarschaft sagte das vor einiger Zeit zu mir.
Leicht verbittert war der Ton – denn der Mann ist in Regensburg aufgewachsen, aber er fühlt sich nicht mehr zuhause – es ist nicht mehr seine Stadt, es ist nicht mehr sein zuhause.

Diese Erfahrungen kennen wir alle. In immer kürzeren Abständen verändern sich die Dinge.

Man muss den Arbeitsplatz wechseln. Oder sogar den Arbeitgeber.
Man zieht an einen neuen Ort und weiß, dass man auch da nicht sehr lange bleiben wird.

Die Frage: Wo sind sie zuhause“ lässt sich kaum noch beantworten.
Da wo ich jetzt wohne, wo ich aufgewachsen bin oder noch da, wo ich zuletzt wohnte?

„Mobilität macht auch vor der Religion und der Liebe nicht Halt.

Manche finden nie sop richtig ihre geistige Heimat in einer Religion – suchen immer noch etwas anderes …
Man sucht seinen Weg, immer weiter, hat der Weg noch ein Ziel – so wie es Abraham gegeben war, der zwar seine Heimat verließ – aber dem ein neues Land verheißen war.

Ähnlich ist es in der Liebe. Immer mehr Frauen und Männer verlassen ein Beziehungshaus und ziehen um in eine neue Beziehung“ (Paul M. Zulehner), weil sie sich in der alten nicht mehr wohl fühlten, weil es zuviel Streit gab, weil man sich zu sehr aneinander gewohnt hatte und sozusagen das Besondere fehlte, das, warum ein junger Mensch Vater und Mutter verlässt und sich an einen anderen bindet.

Alte Menschen denken mit Schrecken an die Möglichkeit, dass sie vielleicht nicht in ihrer Wohnung bleiben können und in ein Heim ziehen müssen, das eben nicht ihr Heim ist und es niemals werden wird – vielmehr ein Ort der Fremde – so etwas wie ein Dauerkrankenhaus, das trotz aller Bemühungen immer fremd und verunsichernd bleibt.

Menschen, die auf Dauer nirgendwo zu Hause sind, können „seelisch obdachlos“ werden, weil sie zwar eine Wohnung haben und vielleicht auch eine Liebe. – aber sie haben kein wirkliches zuhause. Sie gehören nirgendwo wirklich dazu. Gerade in einer Zeit mit so vielen Veränderungen ist es wichtig, in sich zu ruhen. Es ist wichtig, einen geistigen uns spirituellen Anker zu haben.
damit man nicht nur von den Wellen und Winden umhergetrieben wird ohne Richtung und Ziel in sein Leben zu bringen.

Schriftwort (Joh 14, 1-6)

Im Johannesevangelium lesen wir:

Jesus sagte: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich. Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?
Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.

Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?

Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, außer durch mich.

Ansprache 2. Teil
„Das Haus des Vaters“ hat viele Wohnungen.  Wer will, findet beim himmlischen Vater sein Zuhause.

Nicht erst dann, wenn wir einmal gestorben sein werden –  jetzt schon können wir beim Vater und mit dem Vater leben.
Jeder wird vom Vater angenommen.  Jeder kann und darf auf die Stimme Jesu hören und sich ihm zugehörig fühlen – ihm und damit dem Vater im Himmel.
Wer ihn als Vater annimmt und zu ihm kommt,  hat eine geistige Mitte, eine spirituelle, geistliche Heimat.

Die aber, die zum Vater kommen, haben die Möglichkeit, sich gegenseitig zu stärken, als eine wirkliche Gemeinschaft.

Gemeinde Jesu sein heißt: aneinander Anteil nehmen, einander Sympathie schenken und Vertrauen können.
Gemeinde Jesu sein heißt: Einer meint es dem anderen gut. Keiner ist fremd, Jeder ist willkommen.

Gerade wir, die so viele Veränderungen bewältigen und bewältigen müssen, haben die Möglichkeit so Heimat zu erleben.
Wir gehören dazu: zu Jesus Christus und seiner Gemeinde, zum Volk Gottes, zum himmlischen Vater – in seinem Haus dürfen wir wohnen.

Gebet
Gott, Vater des Erbarmens, komm uns entgegen, und hilf uns, dass wir uns so sehen, wie wir sind.
Bewahre uns vor Mutlosigkeit und Selbstgefälligkeit.
Gib uns Kraft und Mut, in unserem Leben das zu ändern, was geändert werden muss und was wir ändern können.
Schenke uns ein neues Herz und einen neuen Geist durch Christus, unseren Herrn. Amen.

 Gewissenserforschung

1. Bei sich selbst zu Hause sein

„Wenn du in dir selber nicht zu Hause bist, bist du nirgendwo zu Haus“, singt Peter Horton. Darum geht es, einen Selbststand, eine eigene Identität zu haben, zu wissen, wohin ich gehöre, wo ich daheim und geborgen bin.

Denke ich manchmal darüber nach, was meine Wurzeln sind? Was meine Ideale sind? Was mich zufrieden macht?

Glaube und Gottvertrauen gehören zu unseren Wurzeln. Pflege ich diese Wurzeln? Und wie?
Was könnte ich mehr tun, um diese Wurzeln zu stärken und aus ihnen zu leben?

Nehme ich mir Zeit für mich selbst? Zeit zum Gebet? Zum Gottesdienst?

Nehme ich meine persönlichen Wünsche und Bedürfnisse wahr und ernst? Was sind sie? Ordne ich diese? Nicht alles, was ich wünsche, ist wichtig; manches vielleicht sogar schädlich!

Was bedrückt und belastet mich? – Zum Beispiel schuldhaftes Verhalten in meiner Vergangenheit.
Wie kann ich das überwinden, so dass es meine Lebensenergie nicht blockiert?

Renne ich vor meinen Problemen davon oder sogar vor mir selbst? Fernsehen, Internet, Veranstaltungen zuhause bieten dazu viele Möglichkeiten.

Pflege ich meine Talente, meine kleinen und großen Fähigkeiten? Sehe ich, was ich kann oder schaue ich nur auf das, was ich nicht oder nicht mehr kann?

Kapsele ich mich von meiner Umwelt ab, genüge ich mir selbst, so dass ich einsam werde?

Benütze ich Alkohol und anderes, um Ruhe zu suchen und Gelassenheit?

Orgelspiel etwa drei Minuten

2. Mit anderen zu Hause sein

Ein Zuhause ist nicht nur ein Dach über dem Kopf, nicht nur eine Wohnung. Menschen, die mich lieben und schätzen, mit denen ich glauben und beten, leben und arbeiten kann, las­sen uns zu Hause sein.

Suche ich Gemeinschaft der Christen?  Trage ich etwas zum Gemeindeleben bei? Durch meine Teilnahme an den Veranstaltungen

Bejahe ich den christlichen Glauben?

Feiere ich die Feste des Glaubens mit?

Prägt der Glaube mein Leben zuhause?

Erfahre ich Geborgenheit, in meiner Familie? Bin ich dankbar dafür

Bin ich, sind wir gastfreundlich?

Habe ich eine offene Tür für Nachbarn,  die meine Hilfe brau­chen?

Pflege ich Freundschaften? Bin ich für meine Freunde da? Bin ich vertrauenswürdig?

Äußere ich offen meine Wünsche und Bedürfnisse?
Ziehe ich mich zurück, wenn nicht alles nach meinem Ge­schmack läuft?

Übernehme ich Verantwortung für das Gemeinwohl?
in der Hausgemein­schaft, im Wohnbezirk? in Gruppen, Verbänden, Parteien?

Traue ich mich etwas zu sagen, wenn ein klares Wort angebracht ist?

3. Menschen ohne ein Zuhause

Zu keiner Zeit gab es so viele heimatlose Menschen wie in unserem Jahrhundert: Flüchtlinge, Asylsuchende, Obdachlose … Nicht alle Probleme lassen sich leicht lösen, vor allem nicht von Ein­zelnen.

Was empfinde ich bei dem Wort „Asylbewerber“?  Ärger, Angst, Mitleid …?

Hege ich Vorurteile?  Oder helfe ich, Vorurteile abzubauen?

Zeige ich Verständnis für Menschen, die sich in großer Not befin­den? Lege ich ein gutes Wort für sie ein?

Glaube ich, dass alle Menschen Kinder Gottes sind, also zur Fa­milie Gottes gehören?

Gehe ich auf Neuankommende zu? Zeige ich Ihnen, dass sie willkommen sind? In der Nachbarschaft? In der Pfarrgemeinde?

Schuldbekenntnis

Vor dem allmächtigen Gott bekennen wir unsere Schuld, und voreinander gestehen wir ein, dass wir gefehlt haben: Ich bekenne …

Vergebungsbitte
Wir bitten dich, allmächtiger Gott, sei uns gnädig und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Amen.

Friedensgruß

Danklied Kündet allen in der Not (GL 106, Advent)

Vater unser

Segen

Leicht veränderte Vorlage
aus dem Buch „15 Bußgottesdienste“ von Horst Krahl

11. Dezember 2011: 3. Adventsonntag

Zeugen sind an und für sich Leute, die sagen:
Ich heiße …
Ich war am diesem Tag da und dort …
Ich habe dies und das gesehen und gehört.

Johannes wird vom Johannesevangelium zwar als Zeuge, als von Gott gesandter Zeuge vorgestellt, aber sein Zeugnis beginnt seltsam: Ich bin nicht der Messias. Ich bin nicht Elija! Ich bin nicht der Prophet. Die Juden in Jerusalem wollten aber wissen, wer er ist – immerhin strömten ja die Leute zu ihm hinaus und er taufte sie, nachdem sie ihm ihre Sünden bekannt hatten ‑
er muss einen gewaltigen Eindruck gemacht haben.

Einen so großen, dass die Evangelien allesamt von Johannes berichten und seine Stellung zu Jesus klären.
Doch an diesem Tag erfahren die Juden noch nicht viel: Nur, dass der, der kommt, viel größer ist, also direkt von Gott kommt, da Johannes sich nicht mal für würdig hält, ihm die Schuhriemen aufzubinden.

Aber er, Johannes, ruft dazu auf, ihm – dem Herrn ‑ den Weg zu ebnen! Der Herr – so das Evangelium – ist das Licht der Welt.

Wie so oft ergeben die Worte in ihrer strengen Bedeutung keinen Sinn. Das Licht braucht keinen Weg und ein Herr, der so großartig ist, braucht keinen Wegbereiter.

Für uns können diese Sätze nur das gleiche bedeuten wie für die Menschen, die Johannes begegneten: Das Licht der Welt kommt!
In diesem Licht lässt sich nichts verbergen. Da sieht man, was drüber und drunter ist, was sich versteckt, was überkleistert ist, was sich im hintern Winkel verbirgt.

Was wird da offenbar werden, vor mir, vor den anderen in diesem Licht – meine Menschlichkeit oder meine Scheinheiligkeit?
Höchste Zeit, meine Menschlichkeit zu entwickeln.

Der Herr aller Herren kommt! ‑ das heißt Gott selbst kommt.

Achte ich seine Gebote, diene ich dem Leben, das von ihm kommt oder bin ich darauf aus, mir ein schönes Leben zu machen?
Ist mein Leben auf seine Ankunft ausgerichtet? Oder habe ich mit dem Luxus, der Bequemlichkeit, der Ruhe verschrieben?

Kenne ich seine Gebote noch?

Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!
Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen!
Gedenke des Sabbats halte ihn heilig!
Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen!

Lebe ich nach diesen Geboten?

Johannes ruft in der Wüste: Ebnet den Weg für den Herrn.
Machen wir uns bewusst, wie die Übertragung heißt:
Ändert Euer Leben, damit ihr bereit seid und der Herr in euer Leben kommt.

4. Dezember 2011: 2. Adventsonntag

Advent – heißt Ankunft.
Es ist spannend, am Anfang in der Mitte und am Ende des Advents die verschiedenen Dimensionen des Advent zu entdecken.

Zuerst geht es um die erneute Ankunft des Herrn – am Ende der Zeit, wenn die alte Schöpfung vergeht und die neue Schöpfung kommt.

Dann geht es um die Ankündigung des Messias durch Johannes den Täufer, der auf Jesus hinweist, der nach der lukanischen Darstellung gerade ein halbes Jahr jünger ist als Johannes selbst.

Und schließlich geht es um die Geburt des Messias, die historisch betrachtet im Dunkel der Geschichte liegt.

Wir feiern und bedenken die dreifache Ankunft unseres Messias!

Heute wird unsere Aufmerksamkeit auf Johannes den Täufer gelenkt. Warum: Er ist sozusagen der Türöffner:

Er öffnet uns für Jesus, den verheißenen Messias, und er ebnet dadurch dem Messias den Weg. – Er bringt den Messias und die Menschen, zu denen er gesandt ist zueinander: Wie?

Indem er uns zur Umkehr ruft!

Schwestern und Brüder! Das fremdartige, herbe Auftreten des Johannes ist wichtig: Dadurch wird er glaubwürdig. Dadurch sieht jeder: er sucht nicht Anerkennung. Er sucht nicht den Weg in die Festsäle und zu den Banketten, um dort aufrüttelnde Worte zu sprechen.

Er lebt in der Wüste und er lebt von der Wüste.

Er kann zur Umkehr rufen. Ihm kann ich es abnehmen, weil er selbst prophetisch lebt.

Johannes ruft zur Umkehr und zur Taufe zur Vergebung der Sünden.

Habe ich Umkehr nötig? Haben Sie Umkehr nötig?

Eine schwierige Frage: denn einerseits habe ich gelernt. Umkehr habe ich immer nötig. Ich muss nur an das Bemühen um das Gebet denken und auch an die Bereitschaft, mein Geld mit Armen zu teilen.

Andererseits versuche ich als Christ zu leben. Anbetung Gottes,
Spenden für Arme, ein offenes Herz für die Nöte der Menschen, die helfende Hand – das alles üben sie – seit langem!

Auf unsere Pfarrei bezogen kann ich aber doch erkennen, dass Umkehr mindestens in dieser Hinsicht nötig ist:

Der Umkehrruf heißt:

Lasst ab von Eurer Teilnahmslosigkeit!

Zum Christ-Sein gehört nicht nur der Gottesdienst, sondern das tägliche Engagement. Es mangelt in unserer Pfarrei nicht an Christen, die einladen, die sich etwas ausdenken, die dafür etwas tun.

Es mangelt an denen, die sich beteiligen, die Interesse zeigen, die zusammen kommen, die Gemeinschaft bilden.

Zu dem Vortrag über das Gebet kürzlich kam niemand.

Zur der Veranstaltung über Präimplantationsdiagnostik kamen etwa 10 Mitglieder der Pfarrgemeinde;

Zu den adventlichen Gesprächen am Dienstag kamen drei.

Auch beim Festmahl zur Einweihung von St. Leonhard blieben Plätze leer.

Schwestern und Brüder!
Das ist mein Umkehrruf an die Gottesdienstbesucher in Herz Jesu!
Fangt an, Gemeinde zu werden! Nehmt Anteil! Macht mit!
Wendet Euch nicht ab! Wenn Sie Wünsche haben, sagen sie es!

Gemeinde lebt vom Miteinander!

27. November 2011: 1. Advent

Liebe Schwestern und Brüder
wie kann es geschehen, dass Industrieanlagen havarieren und schlimmste Katastrophen auslösen: Von der wochenlang Öl ins Meer ergießenden Bohrinsel bis zu den Kernkraftwerken, die offenbar doch nicht so gegen alle Eventualitäten gerüstet sind, wie man uns glauben machen möchte.

Wurde zu wenig aufgepasst?

Der Ruf: Seid wachsam! bewegt mich.

Mubarak war zu wenig wachsam und Gaddafi und Honecker:
sie  muteten ihrem Volk zu viel zu lange zu.

Sind wir wachsam genug: oder verschließen wir die Augen vor den drohenden Gefahren? Wir kaufen Geschenke für Weihnachten – obwohl unsere Gesellschaft dabei ist, das Gleichgewicht zu verlieren?

Worauf sollen wir die Wachsamkeit richten? – wir erinnern uns an den letzten Sonntag: die Kranken, die Hungernden, die Gefangenen, die Fremden und Obdachlosen.

Doch statt dessen werden Leute ausgebeutet für 2,50 € die Stunde und weniger. – Dafür wird dann eine Tafel eingerichtet. Bürgerli­ches Engagement, selbstlos, ehrenamtlich – nötig, weil die Gesellschaft ihrer Verpflichtung nicht nachkommt für die gerechte Teilhabe aller an den lebensnotwendigen Gütern zu sorgen.

Die Großverdiener reden den Erwerbstätigen ein, die Empfänger der Sozialleistungen seien eine Gefahr für ihren Wohlstand.
Dabei ziehen die Großverdiener immer mehr für sich heraus – ohne eine entsprechende Leistung bringen zu können.

Seid wachsam! Während die Renditen steigen und die Solidarität unter den Menschen untergraben wird – und Gefahr droht, dass die Menschen die Geduld verlieren.

Was ist es, was uns davon abhält, wachsam zu sein, für die Ankunft des Herrn, der in denen zu uns kommt, die am Rande stehen?

Wenn im Hof zum Tanz gespielt wird, wenn ein Festmahl nach dem anderen gegeben wird und die Vorräte geplündert werden – dann späht der Türhüter nicht mehr aus nach dem Herrn. Er ist in Gefahr, seinen Posten zu verlassen. Er möchte auch etwas vom Festschmaus haben und zur Musik tanzen.

Schwestern und Brüder! Statt dessen sollten wir wachsam sein und spähen – ausspähen und die Vorboten einer neuen Zeit erkennen. Wir sollten mithelfen, dass eine neue Zeit anbrechen kann:

Eine Zeit, in der die Menschen nicht die Schätze der Erde plündern, bis nichts mehr da ist.

Ein Zeit, in der der Mensch nicht mehr das Objekt, sondern das Ziel des Handelns ist.

Eine Zeit, in der nicht die Gier regiert, sondern die Sorge für den anderen.

Diese neue Zeit braucht nicht viel Regeln und Gesetze:

Was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen!
Wenn dich einer bittet, dann gib!
Liebe deinen Nächsten so, wie du dich selber liebst.
Liebt einander, wie Christus euch geliebt hat – bis zur Hingabe seiner selbst.

Seid wachsam!

Was lässt uns Wachsam bleiben – für die Ankunft des Herrn? Für unsere Berufung? Für die neue Zeit?

Abstand halten – nicht von den Menschen, sondern von den Treiben, das müde macht und die Sinne trübt.

Die Ruhe – die Stille suchen: damit die Sinne sich erholen können.

Die Erinnerung an den Herrn, der uns alle Verantwortung übergeben hat – bis er kommt.

Seien wir wachsam – für ihn. Wenn er kommt und mit ihm das Licht und der Glanz, dass wir ihn nicht überhören. Er kommt leise!

20. November 2011: Christkönigssonntag

Jesus preist die Barmherzigen selig und die Friedliebenden, die Gewaltlosen und die ein reines Herz haben.
Jetzt – unmittelbar bevor man ihm den Prozess macht – gibt er den Jüngern noch einmal ähnliche Gedanken – wie ein Testament:

Das Verhalten zu den Hungernden und Dürstenden und zu den Nackten, zu den Gefangenen und den Kranken, zu den Obdachlosen und Fremden,
das Verhalten zu Schwächsten und am meisten Ausgegrenzten entscheidet letztlich darüber, ob ein Mensch sein Ziel erreicht: das Weiterleben in Gottes Herrlichkeit.

Zwei Gedanken gehen mir durch den Kopf:
Der erste:
Wie verhalte mich? Wie verhalten wir uns als Christen?
Leben wir diese Werte? Dass wir die Not der geringsten Schwestern und Brüder lindern oder beseitigen?
Oder gehen wir an Ihnen vorüber – unberührt von ihrem Leid?

Sicher: Niemand kann die ganze Not der Menschen beseitigen.
Aber tue ich, was ich kann? Gibt es wenigstens einen Gefangenen, den ich besuche? Einen Armen für den ich sorge?

Hier ist eine Gewissenserforschung angesagt.

Der zweite Gedanke:
Jesus spricht vom Kommen des Menschsohnes in seiner Herrlichkeit.
Er spricht von der Scheidung der Menschen: Er spricht von der ewigen Strafe und vom ewigen Leben.

Ohne Zweifel ist es nicht angebracht, Höllenangst zu schüren.
Keinesfalls ist Christus ein kleinkrämerischer Gesetzeshüter, der jede kleine Sünde, Unachtsamkeit, Lüge, jedes unterlassene Gebet bestraft.

Aber ist die extreme Gegenmeinung richtig, nach der das Leben in dieser Welt eine Einbahnstraße ist, die sozusagen automatisch in den Himmel führt. Ich kann quasi das Ziel gar nicht vermeiden?
Es gibt die Möglichkeit das Mensch Sein ganz und gar zu verfehlen? Sich selbst vom Leben auszuschließen – indem man andere vom Leben ausschließt?

Würden wir uns vorstellen, das eigene Handeln habe keinen Einfluss darauf, ob wir das Ziel erreichen – dieser Glaube würde dem Egoismus in dieser Welt Tür und Tor öffnen. Dann könnten die Starken wirklich denken: Hier hole ich mir auf Kosten der Schwächeren, was ich kriegen kann und in der Ewigkeit habe ich dafür keinen Nachteil zu erwarten.

Der Himmel, den Jesus verheißen hat und an den er geglaubt hat, dieser Himmel ist nicht der Himmel der Armen oder der Reichen, der Mächtigen oder der Schwachen.
Der Himmel, von dem Jesus sprach, gehört denen, die Not lindern und von Armut befreien.
Er gehört denen, die Achtung vor dem Leben – gerade der Schwächsten haben.

13. November 2011: 33. Sonntag im Jahreskreis

Wer hat dem wird gegeben und er wird im Überfluss haben! Wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

In der neutestamentlichen Exegese nennt man dies „Weisheitsspruch“!
Ich frage mich: Welche Weisheit ist hier ausgedrückt? Auf Anhieb erschließt sich mir das nicht.

Wer hat was? Also zum Beispiel: Wer Geld hat, dem wird Geld gegeben?
Das würde aber so gar nicht zum Leben Jesu passen: er besaß kein Haus und keinen Geldbeutel und keine Vorratstasche. Nichts liegt Jesus ferner, als das Geld als Lebensziel darzustellen.

Aber was dann? Was muss ich haben, damit mir noch mehr gegeben wird und ich die himmlische Freude empfange?

Bei der Suche nach einer Antwort setze ich bei der Gemeindesituation an, für die dieses Gleichnis in das Mt. Ev. aufgenommen wurde.
So wie am vergangenen Sonntag ist die frühchristliche Gemeinde an, die dabei ist, mutlos zu werden. Die Christen erwarteten, dass Jesus auf den Wolken des Himmels wiederkommt – und zwar zu ihren Lebzeiten – nicht Jahrzehnte später. Der Advent, die Ankunft zog sich hin: nicht 4 Wochen, nicht vier Monate, nicht vier Jahre – Die Zeit wurde immer länger!
Aber er kam nicht. So gab es immer öfter Christen, die sich abwandten. Manche starben. Die Gemeinde wurde kleiner und kleiner.

Niemand von uns heute erwartet diese endgültige Wiederkunft Christi konkret für seine Lebenszeit. Damit ist eine Gefahr verbunden:
Nämlich gar nicht mehr mit ihm zu rechnen. Er wird niemals kommen!
Wenn er aber niemals kommt, warum dann überhaupt ihn erwarten?
Wenn er niemals kommt, braucht er auch nichts vorzufinden.
Wenn er niemals kommt, dann ist er Vergangenheit – und damit bedeutungslos.

Das Mt.Ev. ermahnt deshalb die junge Kirche: Es ist zwar eine lange Zeit – aber er wird ganz sicher kommen. Lasst also nicht nach. Werdet nicht müde, Jesus nachzufolgen!

Wir heutigen Christen – wir sind uns nach 2000 Jahren Geschichte und mit unserem heutigen Wissensstand sicher:
Er wird niemals auf den Wolken des Himmels kommen ‑ Die Welt wird nicht untergehen – außer wir richten sie selbst zugrunde.
Wir rechnen nicht mit seiner Wiederkunft.

Vorsicht: Bevor wir aufhören, mit Jesus zu rechnen, schauen wir nochmal auf ihn.

Er hat das Reich Gottes nicht nur angekündigt als ferne oder nahe Zukunft – Er hat es als Gegenwart verkündet.
Diese Zeit, heute, der Augenblick – jetzt ereignet sich Reich Gottes – oder nicht. Es ist mitten unter uns.

Der Mann vertraute den Knechten sein Vermögen an! Zwei Knechte haben das Vertrauen angenommen – einer aber nicht!

Das Reich Gottes ist uns anvertraut – ob es wächst oder im Untergrund verschwindet – das liegt an mir, an jedem selbst.

Wenn ich dann in mein Leben schaue, dann sehe ich: Spuren des Reiches Gottes, Spuren des Vertrauens, Spuren der Freiheit –
oder aber: Spuren der Angst, Spuren des Zwangs, Spuren der Herrschaft des Geldes, der Ausbeutung, der Unterdrückung.

Gott wird nicht kommen, um alles durcheinander zu werfen,
Gott ist gekommen, und mit ihm die Möglichkeit zu Vertrauen, Freiheit zu geben, und Leben zu teilen.

Wer mit ihm rechnet, wird ihn auch entdecken,
Wer aus Vertrauen und Freiheit und Zuversicht lebt, durch den wird die Welt immer mehr zu einem Ort des Lebens, zum Reich Gottes.
Wer aber kein Vertrauen hat in den himmlischen Vater und seine Treue, der wird auch noch das bißchen Geld und Ansehen verlieren, das er sich in diesem Leben mühsam erworben hat.

6. November: 32. Sonntag im Jahreskreis

Ist Ihnen der Widerspruch aufgefallen? Am Ende gibt Jesus den Jüngern als Quintessenz dieser Geschichte mit auf den Weg: „Seid wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde!“
Doch der Unterschied zwischen den klugen und den törichten Jungfrauen ist gerade nicht das Schlafen, sondern das Öl, das sie in die Reserve dabei hatten.
Müsste es am Ende nicht heißen: „Achtet darauf, dass ihr immer etwas in Reserve dabei habt?“

Klug sin die Jungfrauen wegen dem Öl in Kanistern und somit gelten sie im Gleichnis als „wachsam!“
Bedrohlich ist, was mit den anderen geschieht: Sie bleiben draußen vor der Tür.

Leistungsbezogen, wie wir nun mal sind, könnten wir denken: Jesus droht allen, die nicht klug und wachsam sind an, dass ihnen das Himmelreich verschlossen bleibt!
Ist das wirklich die Botschaft?  Die Botschaft ist: Seid klug! Seid wachsam!
Denn der Bräutigam wird kommen, und euch mit zur Hochzeitsfeier nehmen.

Das Adventlied – wir werden es in wenigen Wochen wieder singen – betont diesen Aspekt des Gleichnisses:

1. Wachet auf, ruft uns die Stimme der Wächter sehr hoch auf der Zinne,  wach auf, du Stadt Jerusalem.
Mitternacht heißt diese Stunde;  sie rufen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr klugen Jungfrauen?
Wohl auf, der Bräutgam kommt;  steht auf, die Lampen nehmt. Halleluja.
Macht euch bereit zu der Hochzeit, ihr müsset ihm entgegengehn.

2. Zion hört die Wächter singen; das Herz tut ihr vor Freude springen, sie wachet und steht eilend auf.
ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig; ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.
Nun komm, du werte Kron,  Herr Jesu, Gottes Sohn. Hosianna.
Wir folgen all zum Freudensaal und halten mit das Abendmahl.

Da ist von der Freude die Rede, und von der Stärke und Macht des Freundes, der kommt. Als er kommt, beginnen die zu strahlen,
die ihn erwartet und ersehnt haben.
Die zweite Strophe identifiziert den Hochzeitssaal mit dem Abendmahl, das wir Christen feiern. Die Ankunft des Bräutigams ereignet sich also nicht nur zu einem fernen unbestimmten Zeitpunkt – dann, wenn die Erde vollendet wird.

Die Ankunft des Bräutigams – uns sie hat immer endgültigen Charakter – kann mitten in unserem Leben geschehen.
Die Freude, mit Christus, dem endzeitlichen Bräutigam im Hochzeitssaal zu sitzen, kann jeden Augenblick wirklich werden – das können wir erleben, wenn wir klug und wach sind ‑

wenn wir also Öl in Krügen dabei haben;
wenn wir darauf hoffen und warten, dass Christus kommt – und mit ihm die Freude der Erlösung und der Friede.

Was es für jeden einzelnen bedeuten kann, Öl in Krügen mitzunehmen,  – da möchte ich keinem vorgreifen: jeder kennt sich selbst am besten.

Doch mit einem Gedanken möchte ich schließen: Offenbar kommt es in dem Gleichnis auf die eigene Klugheit an: werde teilen ist möglich und auch nicht die Lösung zu sagen: Wir stellen uns neben euch, wir gehören alle zusammen.
Klug und wachsam muss ich schon selber sein und warten und hoffen, dass ER kommt und wir die Hochzeitsfreude empfangen.

1. November 2011: Allerheiligen

Sicher haben sie schon ein barockes Deckengemälde besichtigt, das die Heiligste Dreifaltigkeit dar stellt, die umgeben ist von den Heerscharen des Himmels. Päpste sind dargestellt und Ordensgründer, Mütter und Väter, Kaiser und Könige. Alle sind gekleidet, wie sie in ihrem Leben gekleidet waren.

Allerheiligen ist das Fest des Triumphes. Gerade heute ist das Lied angebracht: Ein Haus voll Glorie schauet. Die Kirche stellt uns heute die glorreiche Zukunft der Menschen vor Augen, die in ihrem Leben auf Gott hören und anderen Gutes tun.

Die Trauernden sind selig zu preisen sind und die Friedensstifter – nicht die Gewalttätigen und Kriegstreiber.
Selig sind die Barmherzigen und nicht die, die über Leichen gehen.

Den Armen, die ausgenützt werden und sich nicht wehren können, widerfährt endlich Gerechtigkeit. Deshalb sind sie selig zu preisen und nicht die Ausbeuter, die vom Thron gestoßen werden und letztlich leer ausgehen.

Das Fest Allerheiligen lenkt unseren Blick auf die himmlische Zukunft, in der die groß sind, die dem Leben der anderen dienten.

Dass endlich einmal die Gerechtigkeit zum Zuge kommt – das ist ein tröstlicher Gedanke für alle, denen Unrecht getan wird.
Es ist ein mahnender Gedanke für jeden Lebenden, der an das denkt, was kommt.

Doch: glauben wir an diese Zukunft im Himmel? Glaube ich an das Leben in der zukünftigen Welt?
Oder ist es zu wenig vorstellbar? Zu unwirklich? Zu unsicher? Um wirklich darauf zu setzen?

Ich gebe zu, letztlich ist es nicht beweisbar. Es bleibt eine Sache des Glaubens – ebenso wie der Glaube an Gott selbst.

Doch der Glaube an Gott ist fast unlösbar mit dem Glauben an das ewige Leben verbunden.

Denn Gott, der einzige und ewige, der unser Herz kennt, unsere Freude und Trauer, unsere Angst und unsere Hoffnung, ‑
er vergisst niemanden. Wenn Gott an mich denkt, bedeutet das Leben! Ich lebe in den Gedanken Gottes, der mich erschaffen hat, der mir das Leben geschenkt hat, der für mich und zu meinem Heil Jesus Christus in diese Welt gesandt hat.

Wie dieses Leben sein wird, kann ich mir nicht vorstellen. Ich weiß nicht, wie Gott ist – er ist Geist, sagt Joh.
Ich weiß deshalb auch nicht, wie es sein wird, Gott ähnlich zu sein.

Doch dies gilt für mich: Jeder der dies erhofft, wird versuchen, schon auf der Erde Gott ähnlich zu werden – wie immer der eigene Lebensweg auch verläuft.
An Gott, die Quelle des Lebens glauben,
Ein Herz haben für die Armen,
Gerechtigkeit üben,
den anderen und sein Leben achten,
Versöhnung und Frieden suchen,
voll Sehnsucht sein nach dem Leben.

Das alles gehört zusammen.
Der erste Johannesbrief beschreibt es so: Wer das ewige Leben von Gott erhofft, wird sich heiligen, weil auch Gott heilig ist.

Der Glaube an Gott und das ewige Leben sollte die Kraft haben,
dass wir lernen, wirklich mit ‑ menschlich zu handeln.

30. Oktober 2011: 31. Sonntag im Jahreskreis

Was sind Sonntagsreden?
Hehre Ideale beschworen und begründet, die im Alltag nicht gehalten werden. Diese Sonntagsreden kennen wir und fürchten wir.

Nicht die Worte sind entscheidend, sondern das Tun.

Dies gilt genauso für uns Christen. Jesus hat uns das Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe gegeben und eifrig bringen wir diese Gebote in Erinnerung.
Und nicht nur das: anspruchsvolle Gebote gibt es in der Kirche für die Sexualität des Menschen, für die Treue in der Ehe,
Fastengebote, und vieles mehr.

Hohe und höchste moralische Ansprüche werden in der Kirche an die Menschen gestellt – umso schlimmer, wenn offenbar wird, dass offizielle Vertreter der Kirche – Priester, Ordensleute – in gröbster Weise gegen diese Ansprüche und Gebote verstoßen haben.

Die Glaubwürdigkeit ist schnell verloren.

Für uns Christen – und zwar für alle – geht es darum, dass wir tatsächlich leben, wie es dem Glauben an Jesus entspricht und dass wir keine größeren Ansprüche stellen, als wir selbst halten können.

Die Sonntagsreden werden meistens von Menschen gehalten, die im Licht der Öffentlichkeit stehen – Prominente, Honoratioren – nennen wir sie.

Wie sehr können sie die Menschen in den Bann ziehen und zu ungewöhnlichem Engagement motivieren, wenn sie eine natürliche Autorität haben. Diese Autorität entsteht nicht nur einen Titel oder ein Amt – sondern wenn Leben und Reden im Einklang stehen.
Wenn sie nicht sagen, was man von ihnen erwartet oder was ihnen angemessen erscheint, sondern das, was sie wirklich denken und mit ihrem Leben ausfüllen.
Diese Menschen haben es nicht nötig, dass sie besonderen Respekt erwarten. Sie beanspruchen keine roten Teppiche – weil es ihnen nicht darum geht, im Mittelpunkt zu stehen.

Den Anschein waren, strenge Verhaltensregeln und Personenkult wie bei Stars und Machthabern – das passt nicht zum Lebensstil Jesu.

Christen sind – das ist die Vorstellung des Matthäusevangeliums – eine Gemeinschaft von Schwestern und Brüder!

Es widerspricht geradezu dem Kern des christlichen Glaubens, wenn Christen danach streben, von anderen als Lehrer, als Vater, als Großer bezeichnet und geachtet zu werden.

Christen sind nicht Menschen, die Gehorsam einfordern, sondern Menschen, die alles für andere tun.
Christen sind nicht Menschen, die bedient werden wollen, sondern Menschen, die anderen gerne einen Dienst erweisen.

Liebe Schwestern und Brüder,
diese Anrede soll mehr als eine Floskel sein – egal wer sie in den Mund nimmt. Sie drückt aus, dass der Redner seine Zuhörer als Schwestern und Brüder betrachtet – und weiß, dass viele darunter sind, die mehr zu sagen haben und hätten als er selbst.

Gerne würde ich auch Ihnen zuhören und ihren Gedanken und mich davon ermuntern lassen.

Zutiefst bin ich davon überzeugt: Keiner steht Gott näher, weil er einen bestimmten Dienst ausübt, keiner ist mehr wert und würdiger als ein anderer – sondern wir alle sind Schwestern und Brüder im Glauben an den himmlischen Vater, der durch Christus unseren Bruder zu uns gesprochen hat.