24. Juli 2011: 17. Sonntag im Jahreskreis

Von klein auf wurde uns oder wird uns gelehrt, dass wir etwas dafür tun müssen, um in den Himmel zu kommen.

Seit Jahrzehnten hat sich die Tonart geändert: Es wird betont, dass Gott barmherzig ist und uns die Sünden verzeiht – dass wir also keine Angst haben brauchen.

Seit einigen Jahren aber höre ich immer stärker die Frage: Kann es aber sein, dass alle in den Himmel kommen – auch die Bösewichter, die grausamen – solche, die schuld sind an Völkermord, Menschen wie Hitler oder Stalin und andere mehr.

Wo ist die Grenze? Natürlich: letztlich bestimmt Gott
– aber wo sollte sie sein – nach unserem Empfinden von Gerechtigkeit? –
Mord? Totschlag? Missbrauch von Kindern? Besondere Grausamkeit? Verweigerung von Hilfe trotz übermäßigem Reichtum?

Wenn ich mit solchen Gedanken anfange, dann lande ich wieder bei dem Anspruchsdenken – selbst wenn es auf ein Minimum reduziert wird:
Du kommst in den Himmel, wenn du kein allzu großes Unrecht begehst!

Ich frage mich: Ist das Jesu Botschaft vom Vater im Himmel, von Gottes Reich?
Ich finde das ist zu klein gedacht; das ist ein unbedeutender, nichtssagender Satz.
Das gibt mir weder Kraft noch Ansporn für mein Leben – darauf könnte ich genauso gut verzichten.

Die beiden kurzen Gleichnisse vom Schatz im Acker und von der Perle fallen dadurch auf, dass der Finder, der Entdecker alles dafür verkauft.
Nun wäre es meiner Meinung nach eine Sackgasse in der Auslegung, zu sagen: Du musst für das Himmelreich alles verkaufen – Auto und Haus, Grund und Boden.
Es wäre zu kurz gegriffen. Kann ich mir dafür das Himmelreich kaufen? Was soll ich dann tun, wenn ich alles verkauft habe?

Schnell wäre ich wieder in der Überlegung gefangen: Wie viel muss ich tun, spenden, beten, einsetzen, um in den Himmel zu kommen?
Wie viel darf ich gerade noch behalten, damit der Besitz mich nicht am Eintritt in den Himmel hindert.

Ich möchte darauf hinweisen, warum die beiden Männer alles verkauften:
Sie freuten sich über alle Maßen, dass sie den Schatz ihres Lebens gefunden hatten.

Und das ist die Frage, die diese Gleichnisse stellen: Was bedeutet mir das Reich Gottes?
Was bedeutet mir das Reich Gottes im Vergleich zu dem, was ich in meinem Leben sonst gewinnen und erwerben und finden kann?
Ist es mein wertvollster Schatz? Ist es die Entdeckung meines Lebens?
Ist es so wichtig, so toll, so berauschend und begeisternd, dass ich mein Leben insgesamt dem Reich Gottes widme:
Mein Leben für die Familie, mein Engagement in einem Verein,
die Freuden und Schmerzen, die mir das Leben bringt?

Ist das Himmelreich, das kommt und zu dem ich schon gehöre,
der größte Schatz, die wichtigste Entdeckung in meinem Leben?

17. Juli 2011: 16. Sonntag im Jahreskreis

wäre es nicht wunderbar, wenn man das Böse ausmerzen könnte auf dieser Welt?
Kein Krieg mehr ‑ keine Waffen – keine Lügen – keine Ungerechtig­keit – kein Neid – keine Krankheiten – kein vorzeitiger Tod –
Nur noch gute Menschen – nur noch gesunde – jeder teilt mit dem anderen, was der braucht – gegenseitiges Verständnis –

Zurecht denken Sie vielleicht kritisch: was sollen diese Hirngespinste. Eine solche Welt gibt es nicht. Stimmt: eine solche Welt gibt es nicht.

Aber die Abschaffung des Privateigentums und die Vergesell­schaftung aller Vermögen sollte für Gerechtigkeit sorgen.
Diverse Säuberungsaktionen in den Ländern Lateinamerikas sollten die Straßenkinder, die betteln und stehlen, verschwinden lassen – oder auch Slums: weil sie die Brutstätte von Gewalt und Kriminalität seien.
Nicht zuletzt fragen manche Leute: Wie kann Gott das zulassen? oft dann, wenn Menschen schreckliche Dinge tun.
Gott müsste doch dafür sorgen, dass dies und das nicht geschehen kann.

Die sich eine saubere, reine Welt vorstellen und wünschen, eine Welt ohne Gräueltaten und Naturkatastrophen – haben ein gutes empfinden: sie lieben das Leben und wollen das Beste für den Menschen.
Doch die eine saubere Welt herstellen wollen, die mit aller Macht gegen Unrecht und die Schuldigen vorgehen – vor denen müssen wir uns noch mehr hüten – ob nun in der Kirche oder in der Gesellschaft –ob in der Politik oder in einem Unternehmen:
Oftmals erscheint den Saubermännern jedes Mittel recht, um die zu vertreiben, zu vernichten, die sie als Übeltäter identifizieren wollen. Verfolgung, Gefängnis Tod – Angst und Schrecken verbreiten sie bei Guten und Bösen, denn jeder hat Angst, als Übeltäter entlarvt zu werden – und jeder hat irgendetwas gesagt oder getan, das reicht, um ihn zum Feind der guten und gerechten Gesellschaft zu erklären.

Wir brauchen die Einsicht:  Wo Weizen wächst – da wächst auch Unkraut.
Wer das Unkraut völlig und restlos ausreißt und vernichtet, wird auch keinen Weizen mehr ernten.
Deswegen lässt Gott seine Sonne aufgehen über Guten und Bösen. Wer Leben will und wer will, dass sich das Leben entfalten darf, muss sich damit abfinden, dass es sich nicht nur so entfaltet, wie er es gerne sehen würde.
Vor allem aber: wenn Menschen anfangen zu entscheiden, was richtig und falsch ist, was leben darf und was ausgerissen werden muss – wenn Menschen sich an Gottes Stelle setzen und selbst den Maßstab definieren – dann müssen wir Angst bekommen.

Es ist schwer: aber lassen wir dem Lebendigen Raum; auch dem, was uns nicht gefällt und als Unkraut erscheint.
Setzen wir alles daran, gute Früchte zu bringen – überlassen wir es aber ihm, der Quelle des Lebens, zuletzt zu entscheiden, was und wer in ihm eine ewige Zukunft hat.

10. Juli 2011: 15. Sonntag im Jahreskreis

Die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen beschlossen im September wichtige Ziele, die bis zum Jahr 2015 erreicht werden sollten:

Bis 2015 sollte die Zahl der Menschen halbiert werden, die weniger als einen US-Dollar täglich zur Verfügung haben. Ebenfalls sollte der Anteil der Menschen, die Hunger leiden, halbiert werden.

Bis zum Jahr 2015 sollte sichergestellt werden, dass Kinder auf der ganzen Welt, Jungen wie Mädchen, eine Grundschulbildung abschließen können.

Bis 2015 sollte die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren bis um zwei Drittel verringert werden.

Das sind große Ziele – wenn sie verwirklicht werden, ist die Welt dem Frieden unter den Völkern sicher einen großen Schritt näher gekommen – inzwischen steht allerdings fest: Die Ziele werden nicht erreicht werden:

Soll man sie deshalb aufgeben?

In den Frageboxen fand sich die Frage, ob alle Spendengelder wirklich bei den Menschen ankommen? Auch wenn die kirchlichen Hilfswerke ihre Lauterkeit immer wieder überprüfen lassen – es gibt ohne Zweifel Spendenorganisationen, die mehr der Bereicherung ihrer Initiatoren dienen als dem Spendenzweck: Soll man also nicht mehr für Hungernde spenden?

MISEREOR leistet seit Jahrzehnten an vielen Orten der Welt Hilfe zur Selbsthilfe: Doch ständig kommen neue Anfragen aus aller Welt – sollte MISEREOR wegen Erfolglosigkeit schließen?

Seit den Tagen Jesu wird die Botschaft verkündet, dass Gottes Reich nahe ist – ist davon etwas zu merken? Hat sich die Welt seitdem verbessert? Herrschen nicht nach wie vor Egoismus und Unfriede vor?
Wenden sich die Menschen nicht immer mehr ab vom Glauben an Jesus?

Sollte man nicht aufhören, von Jesus zu reden?

Nein – sollte man nicht: Was den Menschen hilft, was zum Frieden beiträgt, was Ungerechtigkeit mindert – es hat seine Wirkung und sein Ziel.

Es war nicht umsonst, dass viele Menschen vom Hunger befreit wurden.
Es war nicht umsonst, dass viele Schulen gebaut wurden.
Es war nicht umsonst, dass Wüstendörfer eine eigenständige Energieversorgung durch Solarenergie bekamen.

Es war nicht vergeblich, dass viele Milliarden Menschen Jesu Botschaft aufnahmen und in ihrem Leben umsetzten.

Seine Botschaft ist: Das Reich Gottes, das dem Menschen nahe ist;
ja, das gegenwärtig ist: denn es ist überall da, wo ein Mann, wo eine Frau, wo ein Kind im Geist Jesu, im Geist Gottes, im Heiligen Geist handelt:

Nötig ist, dass wir nicht so viel des guten Samens verschwenden!
Nötig ist, dass wir uns endlich zu Herzen nehmen, was Jesus meinte:

Hören wir auf damit, das Reich Gottes bloß für das Jenseits zu erwarten.
Fangen wir an, Jesus ernst zu nehmen:
Das Reich Gottes können und müssen wir in dieser Welt aufbauen – durch jedes Werk und Wort der Menschenfreundlichkeit.

Hören wir auf damit, zu warten, bis es kommt,
fangen wir damit an: dass Gott in dieser Welt das Sagen bekommt –
indem wir das werden, was wir schon immer sind: sein Ebenbild – berufen, dem Leben zu dienen und Leben zu zeugen.

Alles, was wir einem Menschen Gutes tun, wird Frucht bringen –
das ist das Vertrauen, für das Jesus wirbt.

Das Reich Gottes ist unser täglicher Auftrag.

Es ist wie mit unserer täglichen Arbeit. Wenn auch manches daneben geht. Meistens erreichen wir unser gewünschtes Ziel.

3. Juli 2011: 14. Sonntag im Jahreskreis

Es gibt ganz besondere Gasthäuser: da sitzen in der Gaststube verschiedenste Menschen an einem Tisch, so wie es sich gerade ergibt: Man geht hinein und setzt sich an einen freien Platz an irgendeinem Tisch zu anderen Leuten dazu. Und man beginnt miteinander zu reden. Der Akademiker mit dem Handwerker, der Wohlhabende mit dem, der sich grade so über Wasser halten kann. Es gibt keine sozialen Barrieren! Viele solche Gasthäuser gibt es nicht – aber es sind ganz besonders gemütliche.

Bei uns in der Pfarrgemeinde Herz Jesu soll es auch so sein:  Es braucht keine Barrieren: Vermögen, Ausbildung, Titel, Karriere, ‑ unterscheiden uns zwar. Das bringt die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Begabungen zum Ausdruck, aber darin liegt kein besser oder schlechter.

Eines verbindet uns: Uns allen hat Jesus den himmlischen Vater offenbart.

Weisen und Klugen bleibt es verborgen: Damit ist nicht gemeint, wie viele Bücher jemand gelesen hat – Weise und Kluge: sind Menschen, die allein auf menschliche Weisheit bauen, die meinen, durch eigene Anstrengung dem Leben einen Sinn zugeben, die den Himmel verdienen wollen, die selbst den Himmel bauen wollen.

Wir, die Gemeinde Jesu, das Volk Gottes, glauben an unseren gemeinsamen himmlischen Vater und an Jesus, den er gesandt hat, damit wir Ruhe finden: zu inneren Frieden, zur inneren Harmonie.
Damit wir im Einklang leben können mit dem Vater im Himmel, mit dieser Welt und unseren Mitmenschen.

Wir sind untereinander verbunden, weil wir uns bemühen, von Jesus zu lernen: Dass wir gütig und demütig sind: Gütig: gut zu anderen und uns selbst;
demütig: wir haben Mut, zu unseren Grenzen und Schwächen zu stehen. Wir sind uns selbst bewusst, dass es vieles gibt, was andere besser verstehen und können und dass wir nicht ohne die anderen auskommen und das, was sie für uns tun.

Wir sind Gemeinde Jesu Christi: das heißt: Wir setzen unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten füreinander ein und wir nehmen dankbar den Einsatz der anderen an.
Keiner kann alles alleine – jeder braucht den anderen und das, was er kann.

So kann so ein gemeinsames Fest organisiert werden, wie unser heutiges Pfarrfest. So können wir dieses Fest genießen, weil jeder sich angenommen und getragen weiß von allen anderen, die hier verweilen.

Miteinander kommen wir zu Jesus – mit allen Lasten, die wir zu tragen haben und finden Ruhe bei Jesus. Nicht nur heute Nachmittag, wenn wir Pfarrfest feiern, immer mehr und das ganze Jahr hindurch kann dies unser Miteinander in der Gemeinde prägen:
Wir setzen uns füreinander ein;
Wir nehmen dankbar an, was ein anderer tut,
Wir brauchen einander und schenken einander Achtung und Aufmerksamkeit.

Das dürfen wir von Jesus lernen, damit wir zum Einklang mit uns selber finden.

26. Juni 2011: 13. Sonntag im Jahreskreis

Wie kann eine Buddhistin in Regensburg leben? Entweder, sie gibt ihren Glauben auf – jedenfalls nach außen hin –
oder sie steht ganz bewusst dazu: Dann aber wird sie mehr oder weniger oft mit Gebräuchen und Sitten in Konflikt geraten, die für uns selbstverständlich sind.
Sie wird immer wieder einmal vor die Wahl gestellt werden:  Passe ich mich an – vermeide ich ignorante Bemerkungen, Fragen – oder stehe ich zu meinen Überzeugungen.

Ebenso geht es Christen in fernöstlichen Ländern, ebenso erging es Christen in den kommunistischen Ländern Osteuropas bis 1989: Ein bekennender Christ hatte Schwierigkeiten: in der Schule, bei der Berufswahl, ein Studium war gänzlich ausgeschlossen.
Manchmal ergaben sich wegen der religiösen Überzeugung auch Konflikte in der Familie: zwischen Eltern und Kindern, zwischen Partnern, unter Geschwistern.

Solche schwierigen Situationen steht hinter den Sätzen des Mt-Evangeliums: „Wer Eltern oder Kinder mehr liebt als mich, kann nicht mein Jünger zu sein! Wer nicht bereit ist, für den Glauben, für die Liebe, Schmerzen und Nachteile hinzunehmen, kann nicht mein Jünger sein.“

Hinter diesen Sätzen stehen existentielle Konflikt­situationen:  Manche Christen standen vor der Wahl, den Glauben zu verleugnen oder zu sterben.  Kann eine Frau, ein Mann das Martyrium wählen
– ungeachtet der Kinder, die zu versorgen sind?

Kann ich meinen Glauben verleugnen und gegen meine Überzeu­gung handeln – wegen dem, was mir angedroht wird?
Was ist schlimmer: seine Unversehrtheit zu verlieren oder sein Gesicht, seine Selbstachtung?

Zum Glück stehen wir heute nicht vor solchen Entscheidungen! Jedenfalls nicht so, dass es um Leben und Tod geht dabei.

Aber Situationen der Entscheidung gibt es auch in unserem Leben.
Situationen in den wir uns  für den einfacheren Weg entscheiden oder für die Wahrheit.
für das Zuhören oder dagegen; für das Bekenntnis oder für das Schweigen; …

Nehmen wir solche Entscheidungssituationen war?
Benützen wir das Instrument des Gewissens – der bewussten Entscheidung – oder folgen wir einfach unseren Gewohnheiten und Reflexen?
Bedenken wir, was wir reden oder tun?  Ob es der Nachfolge Jesu entspricht?

Es gibt sicher Beispiele, in denen wir selbstbezogen handeln, ohne Rücksicht darauf, was es für den Mitmenschen bedeutet.

Wenn ich darauf achte, wie barmherzig Jesus mit seinen Jüngern war, vertraue ich ihm und seinem Verständnis.
Aber darum möchte ich mich bemühen, dass ich merke, was eine Situation der Entscheidung ist.

Die Entscheidung für Jesus Christus, für sein Vertrauen zum himmlischen Vater,
für seine Achtung vor dem Menschen, für seine Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit,
die Entscheidung für die Gemeinschaft mit den Glaubenden,
erfordert ganz gewiss eigenständiges Denken.

Man braucht Mut, sich zu unterscheiden;
man wird beobachtet, ob man lebt, was man zu glauben behauptet,
man muss auch den eigenen Glauben immer wieder befragen und vor sich und den Mitmenschen begründen und erklären.

ChristSein ist in unserer Zeit keine Lebensweise für Mitläufer.  Notwendig ist eine bewusste Entscheidung für den Glauben und die Bereitschaft, sich zu unterscheiden und Unterschiede aus- und durchzuhalten.

23. Juni: Fronleichnam

Fragen sie sich doch bitte: Wovon lebe ich? Was gibt mir Kraft?
Essen und Trinken! Ohne Flüssigkeit, ohne Wasser überlebt der Mensch nur wenige Tage. Ohne Nahrung verlieren wir die Kraft, gehen wir langsam aber sicher zugrunde.

Und wenn sie genügend zu essen und zu trinken haben?
Reicht es ihnen dann? Möchte sie nicht auch noch ein gemütliches Zuhause? Wärme?

Was gibt ihnen Kraft? Wovon leben sie?

Wir leben von der Begegnung mit Menschen?
Wir leben von der Anerkennung, die uns gegeben wird?
Wir leben von der Zuwendung, die wir erfahren.

Es gibt uns Kraft, wenn wir merken, dass jemand uns mag.
Es gibt uns Kraft, wenn wir merken, dass unser Tun und Mühen etwas bewirkt.
Wir können unglaubliche Kräfte frei setzen, wenn wir ein großes Ziel haben, für das wir uns einsetzen und das uns wichtig ist.

Wahrscheinlich haben Sie schon die gedankliche Brücke zur Eucharistiefeier erkannt:
In der Eucharistie begegnet uns der Auferstandene Christus;
er wendet sich uns zu und erkennt uns als Kinder Gottes, als seine geliebten Schwestern und Brüder;
er setzt sich für uns ein, so dass er sein ganzes Leben für uns lebt und auch noch für uns sein Leben gibt.
Er beruft uns einem großen Ziel zu folgen:
das Reich Gottes soll gegenwärtig sein in unserem Tun.

Wir empfangen das gebrochene Brot. Dabei empfangen wir Gemeinschaft mit Jesus, und werden Gemeinschaft untereinander. Wir werden zu dem, den wir empfangen – Christus.

Wenn wir mit dem geweihten, konsekrierten Brot durch unsere Straßen ziehen, wird eines deutlich:
Wo wir Christen hinkommen, kommt Christus.
Wo wir handeln, handelt der, an den wir glauben: Christus.
Durch uns und in uns ist Christus gegenwärtig – er, den wir im gebrochenen Brot empfangen.

Schwestern und Brüder, es kann nicht ohne Wirkung bleiben, wenn wir Kommunion, Gemeinschaft haben mit Christus, wenn wir Gott loben und preisen.
Da durch uns und in uns Christus gegenwärtig wird in dieser Welt, leitet uns ein Gedanke:

Was würde Jesus an meiner Stelle tun? Was würde er an meiner Stelle sagen?
Wie kann Christus durch mich gegenwärtig werden, so dass mein Nächster erhält, wovon er leben kann:
Zuwendung, Anerkennung und die Einladung, am Reich Gottes mitzubauen.

19. Juni 2011: Dreifaltigkeitssonntag

Was macht den Menschen zum Menschen?
Wodurch wird er zur einmaligen, unverwechselbaren Person?
Was macht den Menschen aus?

Der aufrechte Gang?
Die Gabe zum abstrakten Denken in Begriffen?
Die die Fähigkeit Werkzeuge zu bauen und Kunstwerke zu schaffen?
Die Entwicklung von Sprache?

Man könnte sicher noch mehr aufzählen, was den Menschen ausmacht. Wesentlich für den Menschen ist aber noch etwas:
Der Mensch ist Mensch, weil er und indem er in Beziehung steht mit anderen.

Es sei nicht in Abrede gestellt, dass auch andere Lebensformen Beziehungen zueinander entwickeln,
Es sei auch nichts darüber gesagt, ob die Beziehungen zwischen Menschen eine andere Qualität haben als die anderer Lebewesen.

Aber: der Mensch kann nicht alleine Mensch sein.

Seit den Anfängen des menschlichen Denkens bewegt den Menschen die Frage: woher komme ich? Woher kommen die Pflanzen, die Tiere, die Erde, die Sterne, das All.

In der Bibel, die wir mit den Juden teilen, wuchst die Erkenntnis:
Es gibt einen Gott, der über allem ist. Durch ihn ist die ganze Schöpfung. Er was schon vor der Schöpfung und er wird immer sein.

Aber schon in der Bibel, die wir mit den Juden teilen, ist Gott thront Gott nicht nur unbeweglich über allem. Die Bibel spricht vom Geist Gottes und von der Weisheit Gottes:

Die Weisheit kommt zu den Menschen, durch sie ist die Erde geworden.

Und der Geist Gottes spricht aus den Propheten.

Gott tritt mit den Menschen in Beziehung. Er ist der Schöpfer, er ist Jahwe, der immer da ist, er sendet seinen Geist, er holt die Menschen aus ihrem Elend, er ist gnädig und barmherzig.

Das Volk, das sich Israel nennt, erfährt, dass Gott es begleitet und führt, dass Gott sich ihm zuwendet.

Ist es nicht auffallend?
Der Mensch fragt danach, was den Menschen zum Menschen macht und er fragt nach dem Woher und Warum?
Die Antworten, die er findet, ähneln sich.

Der Mensch gestaltet die Welt – sie ist von Gott erschaffen.
Der Mensch lebt in Gemeinschaft – Gott begleitet den Menschen.
Der Mensch hat Vernunft – Gottes Weisheit ist in seinen Werken.

Durch Jesus, dem wir und an den wir glauben,
wird die Frage nach dem Woher und Warum noch klarer gestellt.

Wir glauben, dass er vom Vater kommt,
und dass er uns mit dem Vater versöhnt hat
und dass uns den Geist der Kindschaft gegeben hat,

Wir nennen das die Erlösung, die Befreiung von der unsäglichen Grausamkeit, die den Menschen plagt: Die Sünde und der Tod.

Wir glauben, dass Jesus und der Vater eins sind,
deshalb sind sein Leben und Sterben und Auferstehen ein göttliches Werk – wir sind wahrhaftig erlöst.

Wir glauben, dass wir durch ihn Anteil haben an Gott und seiner Herrlichkeit. Durch ihn haben wir erkannt, dass Gottes Geist im Menschen lebendig ist, dass jeder Mensch aus Gottes Geist lebt.
Unser Ursprung ist in Gott – und nichts und niemand kann uns von ihm trennen. Wir sind und bleiben Gottes geliebte Kinder.
Sein Geist ist in uns.

Dies alles haben wir im Glauben gefunden und erkannt. Nicht wir haben uns Vater, Sohn und Geist ausgedacht. Sondern Gott hat sich uns so gezeigt und hat sich so von uns finden lassen, weil er seit Ewigkeiten so lebt: In Beziehung, als Liebe, als Vater – Sohn und Heiliger Geist.

12. Juni 2011: Pfingsten

Warum dieser bittere Ton – selbst nach den schönsten Sätzen?
Es wäre wunderbar: Jesus, der Auferstandene sendet die Jünger, sie sollen wie er den Menschen die Sünden nachlassen. Aber dann: „Denen ihr die Sünden festhaltet, ihnen sind sie festgehalten.“

Geht es darum? dass die Jünger Jesu entscheiden, wem nicht vergeben wird?
Sollen die Jünger an Gottes Stelle urteilen?

Mich stört dieser Satz. Und ich gebe zu: Es fällt mir schwer ihn auszublenden. Es fällt mir auch deshalb schwer, weil dieser Satz so sehr mit dem Vollzug des Bußsakramentes verbunden wurde und wird: Die Aufgabe des Priesters, der die Beichte hört, wird auch als richterliche Aufgabe verstanden und dargelegt. Er urteilt darüber, ob er die Lossprechung erteilt – oder auch nicht.
So wurde dieses Sakrament von einem Sakrament der Versöhnung zum Ort der Angst und Unsicherheit entstellt.

Doch es zeigt sich: diesen schwer verständlichen Abschluss kann man nur verstehen, wenn man den Zusammenhang betrachtet.

Es ist der Ostertag! Der Tag der Auferstehung. In der Frühe entdeckten die Frauen das geöffnete Grab; Petrus und der andere Jünger hatten sich davon überzeugt. Die Jünger versammeln sich – und sperren sich ein – aus Angst. Was werden sie nun tun ?

Dann entwirft das Evangelium die Szene: Jesus kommt und sagt: Friede sei mit euch!
Das Friedenswort war schon befreiend für die Jünger, die doch Jesus zwei  Tage vorher im Stich gelassen und verraten hatten. Der Friede, den Jesus zusagt, ist mehr als die Versöhnung nach einem Streit E s geht um den Frieden, der in Jesus war, den die Welt nicht geben kann, um den Friede als völliges Ruhen in sich selbst; mit sich im Einklang sein.

Kennen sie einen Menschen, der so ganz zufrieden ist – in dem ungestörter Frieden ist? Für mich ist dieser Friede ein höchst erstrebenswertes Gut. Mehr oder weniger aktiv sucht doch jeder nach diesem Frieden:

Man versucht sich und anderen Wünsche zu erfüllen; Man strebt nach Zielen; Man kämpft gegen die Übel; Man versucht ein guter Mensch zu sein; Man meditiert, wallfahrtet, treibt Sport ….

Jesus sagte: Einen Frieden, den die Welt nicht geben kann, gebe ich euch. Was ist das für ein Friede?

Er muss Jesus im tiefsten Inneren erfüllt haben.
Jesus beschrieb ihn mit den Worten: „Ich und der Vater sind eins!“
Theresia von Avila sagte: „Wer Gott hat, hat alles. Gott allein genügt!“
Paulus sagte: „Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes!“
Thomas Morus zeigte ihn durch seinem Humor bei seiner Hinrichtung am Schafott, als er den Bart zur Seite und sagte: „Der wenigsten hat keinen Verrat begangen!“
Dietrich Bonhoeffer dichtete in der Todeszelle: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag!“

Dieser Friede ist das eins sein mit dem, den Jesus Vater nennt! Jede Unehrlichkeit, jede Lieblosigkeit, jeder Schmerz kann mich aus dieser Einheit mit dem Lebendigen in mir herauskatapultieren.
Die Rückkehr in diesen Frieden ist immer wieder möglich, das hat Jesus gezeigt: denn Gott ist bereit zur Versöhnung, er schließt die Tür nicht zu, sondern hält sie offen.

Die Jünger sind gesandt, diese Versöhnung immer wieder anzunehmen und den Frieden zu empfangen. Und wann immer ein Mensch die Botschaft von der Versöhnung annimmt, empfängt er den Frieden. Der Geist Jesu, das Lebensgeheimnis Jesu ist dieser Friede. Durch den Glauben an Jesus, den der Vater gesandt hat, kehrt dieser Geist in den Glaubenden ein. Diese Botschaft jemandem nicht anzubieten, wäre ein Versagen, denn man würde ihm die Versöhnung, den Frieden mit Gott verwehren.

Wer diesen Glauben nicht, oder noch nicht oder nicht mehr teilen kann, den Glauben an die Einheit mit Gott, der bleibt in seiner Zerrissenheit festgehalten, bis er zum Glauben kommt. Das meint dieser letzte Satz.

Jesus sendet uns aber, dass wir die Sünden vergeben, dass wir den Frieden bringen, der in der Einheit mit dem göttlichen Leben in uns besteht.

5. Juni 2011: 7. Ostersonntag

Das Johannesevangelium sagt: Jesus hat Gott verherrlicht. Was kann ich mir darunter vorstellen? Fragte ich mich. Da dachte ich an das Vermählungswort in der kirchlichen Eheschließung.

Vor Gottes Angesicht nehme ich dich an. Ich verspreche dir die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens.

Den anderen lieben – jeden Tag des Lebens lieben! – lässt sich das durchhalten?

Ich würde schon gerne hören, was Ehepartner dazu sagen, die schon viele Jahre verheiratet sind und die darüber froh und dankbar sind.

Wer liebt, wünscht dem Geliebten Gutes, will ihm gut sein, will ihm Gutes tun, will ihn vor Schaden bewahren, will zu ihm halten. Und das auch im Streit, im Ärger, im Unverständnis, im Zorn …

Ich möchte diese Gedanken über die Liebe in der Ehe in Verbindung bringen mit den Worten des Johannesevangelium. Jesus sagt zu seinem himmlischen Vater: „Ich habe dich auf der Erde verherrlicht.“

Ich meine, das ist etwas ähnliches: Bei allem, was er tat und sprach, ging es Jesus darum, aus Liebe zu seinem Vater zu reden und zu handeln.
Da ich die liebe, spreche ich gut von dir und verkünde deine Barmherzigkeit, Gott.
Da ich dich liebe Gott, wende ich mich den Kranken zu, weil du willst, dass sie heil sind.
Da ich dich liebe Gott, wende ich mich denen zu, die in ihrer Schuld gefangen sind, weil du willst, dass sie frei sind.

Jesus sprach also wirklich die Worte, die der Vater ihm gegeben hat;
Bei allem, was er sagte und tat, ging Jesus von der Liebe zu seinem Vater aus – er war von ihm gesandt.

Indem ich das erkenne, bin ich sein Jünger und Christ.
Der Glaube an Jesus, der vom Vater ausgegangen ist und der die Worte des himmlischen Vaters gesprochen hat,
wirkt sich dann fast wie von selbst, zwangsläufig im Leben aus:

Und zwar so:  Wer an Jesus glaubt, versucht wie dieser sein Leben so zu gestalten: Da ich an Gottes Liebe zu mir und zu jedem Menschen glaube und da ich diese Liebe erwidern möchte, ….

Werde ich an das Gute im Menschen glauben und an die Zukunft, des Lebens.
Werde ich offen sein für die Sorgen und Nöte anderer.
Werde ich gut zu anderen sein.
Werde ich wahrhaftig und ehrlich sein – aber nicht ohne Liebe und Nachsicht.

Schwestern und Brüder,  können wir dies vor unser Reden und Handeln setzen:
Da ich an Gottes Liebe zu mir und zu jedem Menschen glaube,
und da ich diese Liebe erwidern möchte, werde ich …

2. Juni 2011: Christi Himmelfahrt

Wenn wir vom Himmel sprechen, vom Himmel, in dem Gott ist und zu dem Jesus aufgefahren ist, wird es ziemlich kompliziert. Denn der Himmel Gottes – ist unvorstellbar.

Der Epheserbrief spricht nicht vom Himmel, sondern von der Herrlichkeit des Vaters Jesu.

Unsere große Hoffnung ist diese Herrlichkeit. Sie ist das Erbe, das wir als Schwestern und Brüder Jesu empfangen, wenn Gott seine Macht an uns erweist

Er hat sie an Jesus erwiesen, als er ihn auferweckt hat und ihn neben sich gestellt. „Hoch über alle über alle Mächte und Gewalten, über alle Kräfte und Herrschaften dieser und der zu­künftigen Welt“ – wie der Epheserbrief sagt.

Christus ist im Himmel, neben Gott – wie Gott – als Gott!

Und das sagen wir – wohlgemerkt – von einem Menschen, der vor den Augen der Zuschauer hingerichtet wurde und starb. Ist das zu groß? Zu mächtig? Zu anspruchsvoll? Zu abgehoben?

Erst am Montag hatte ich wieder einen kleinen Dialog mit einer klugen und soweit ich weiß, gläubigen Frau, die sagte: Wir sollten uns doch klar werden, dass es nur einen Gott gibt für alle Menschen. Dass dieser eine Gott – wie immer wir ihn auch nennen – doch alle Menschen retten möchte. – Ich kann diesem Gedanken nur zustimmen –

Aber was sagen dazu die Buddhisten? Was sagen dazu die Japaner, die in diesen Tagen den Tod so vieler Verwandter und Freunde betrauern und deren Zukunft so ungewiss ist? Was sagen dazu die Muslime, die Atheisten, die weder an einen Gott noch an einen Himmel glauben?

Der schöne Gedanke, dass es nur einen Gott und Vater aller Menschen gibt, ist ein urchristlicher Gedanke. Trotz aller Weherufe und trotz aller Gerichtsandrohungen in den Evangelien hat sich gerade bei uns Christen der Glaube durchgesetzt, dass Gott alle Menschen zu sich führen will – nicht nur die Christen.

Der Glaube an Gottes unbegrenzte Barmherzigkeit unterscheidet uns von anderen Religionen und Überzeugungen.
Dieses unbegrenzte Vertrauen zu Gott, als Vater und Mutter allen Lebens, als Ziel der ganzen Schöpfung, verdanken wir Christus.
Diese universelle Hoffnung drückt der Epheserbrief in den anmaßend klingenden Worten aus: „Gott hat Jesus über alle Mächte und über jeden Namen gestellt!“

Als Christ glaube ich, dass die Muslime durch Christus gerettet sind und selbst die Atheisten – jeder, der das Leben annimmt und für das Leben eintritt, ist durch Christus mit der Quelle des Lebens verbunden, mit Gott!

Diese Freudenbotschaft muss der ganzen Welt bekannt werden:
Nicht, weil die Menschen anderen Glaubens verloren sind, sondern damit sie auch glauben können, dass kein Mensch verloren ist ‑ in den Augen Gottes.

Wir verkünden Christus nicht, weil wir andere Überzeugungen abwerten, sondern weil in ihm die Spaltungen überwunden sind, weil er deutlich macht: es gibt nur Eines, was in dieser Welt zählt: das ist die Liebe zum Leben, zum Lebendigen, zum Mitmenschen – die Sorge um ihn, die Zuwendung.

Deswegen können wir Christen auch andere Glaubensüberzeugun­gen respektieren und achten. Als Jünger Jesu dürfen wir niemand von unserer Achtung, von unserem Respekt ausschließen.

Da wir aber den gefunden haben, der größer ist als alle, werden wir keiner anderen Macht folgen. Als Christen werden wir für alle Mächte dieser Welt sperrig und eigenwillig bleiben, weil wir allein auf ihn hören, der das Leben für alle will. Es gibt niemand, der über uns herrschen kann, der uns zwingen kann, gegen das Leben und gegen die Quelle des Lebens zu handeln. Keine Macht der Welt.