27. März 2011: 03. Fastensonntag

Das Gespräch zwischen Jesus und der Frau aus Samaria ist typisch für das ganze Johannesevangelium. Das Gespräch zwischen Jesus und den Personen geht aneinander vorbei – Jesus spricht von seiner Sendung und von dem, was er für die Menschen bedeutet. Diese Frau meint, es ginge um Wasser.

Dennoch wird das Ziel erreicht: Die Frau und mit ihr die Bewohner des Dorfes bekennen am Schluss: Er ist wirklich der Retter der Welt!

In 4 Wochen – in der Auferstehungsfeier – werden wir gefragt:
Glaubt ihr an Gott? Glaubt ihr an Jesus? Glaubt ihr an den Heiligen Geist?

Die Wochen vor dem Osterfest sind eine Einladung, uns auf die Erneuerung unseres Taufversprechens vorzubereiten:
Uns selbst zu fragen? Ist Jesus für mich der Retter der Welt?

Gerade in diesen Zeiten können wir uns fragen: Rettet Jesu wirklich die Welt? Wie kann dann das in Japan, in Lybien, in Afghanistan, in Israel und Palästina geschehen?

Mit dem gleichen Missverständnis dachte die Frau, Jesus würde ihr ersparen, künftig Wasser vom Brunnen holen zu müssen.

Jesus rettet die Welt, rettet jeden einzelnen Menschen, weil er uns die Augen öffnet für eine viel wichtigere und bedeutendere Erkenntnis: In uns ist das göttliche Leben, das unvergängliche Leben – das bleibt in Ewigkeit.

Das ist das Wasser, das Jesus uns gibt. Und diese Quelle kann nicht versiegen! Das Leben Gottes ist in jedem von ihnen, von uns Schwestern und Brüder! Wir sind Töchter und Söhne Gottes – in Ewigkeit.

Dies hat allergrößte Bedeutung für unser Handeln in dieser Welt:
Denn aus dieser Erkenntnis heraus verstehen wir, dass es wichtiger ist, dass die Erde auch künftigen Generationen zur Heimat werden kann, als unseren Konsum im gewohnten Maß aufrecht zu erhalten.

Da unser Leben ewiges Leben ist, zählt mehr, was wir mit anderen geteilt haben als das, was wir für uns herausgeholt haben.

Was das Johannesevangelium mit den sprudelnden Quellen meint, deren Wasser ewiges Leben schenkt, formuliert in ganz anderer Sprache Paulus: und für uns vielleicht eher verständlich. Er sagt:
„Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen“

Diese Liebe Gottes wirksam in uns und allen, die an Gott glauben, der die Liebe ist – diese Liebe vermag die Welt zu retten – auch vor Ausbeutung, Vergiftung, Gewalt und Zerstörung.

Amen.

20. März 2011: 2. Fastensonntag

Sechs Tage bevor Jesus mit Petrus, Jakobus und Johannes auf den Berg stieg, sagte er zu ihnen: „Amen, ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht erleiden, bis sie den Menschensohn in seiner königlichen Macht kommen sehen.“

Wie zur Bestätigung fügt das Evangelium dann die Geschichte ein, wie Jesus vor den Augen seiner Jünger verwandelt wird.
Damit erklärt das Evangelium seinen christlichen Lesern: Der Menschensohn ist schon gekommen: Er, durch den offenbar wird, ob die Menschen Gutes oder Böses im Sinn haben.

Und obwohl Jesus der geliebte Sohn Gottes ist, der Gott gefällt, obwohl in ihm das Reich Gottes schon Gegenwart ist,
wird er in Jerusalem leiden und sterben.

Nach seiner Auferstehung erkennen die Jünger Jesus an seinen Wundmalen. Der Auferstandene ist derselbe wie der Mensch Jesus von Nazareth.
Aber auch in seiner Menschlichkeit ist er schon der Messias, der kommt und der das Reich Gottes aufrichtet in der Welt.

Es ist derselbe Jesus, der Sünden vergibt und Kranke heilt, der gefangengenommen und getötet wird, der aufersteht und der kommen wird.

So hilft mir Jesus zu glauben, dass unsere Welt – so grausam sie sein kann – Gottes Reich ist und dass die Schrecken dieser Welt nicht das Letzte sind, was Menschen erwartet.

Diese Welt ist Gottes Schöpfung. In Jesus ist Gott ein Teil der Schöpfung geworden. Gott und die Welt gehören zusammen.

Gerade deshalb möchte ich heute in dieser Messfeier ganz bewusst an die Ereignisse in Japan denken: an die Menschen, die unsägliches erleiden – weil ein Erdbeben und ein Tsunami ihre Häuser zerstörte; weil ihre Angehörigen und Freunde von der Gewalt der Flut getötet wurden.

Ihr Leid und ihr Schmerz, ihre Wut und Trauer, ihrem Aufbäumen und dem Überlebenskampf möchte ich Raum geben bei uns.

Die betroffenen Menschen haben das Leben von Gott empfangen – wie jeder von uns. Ihr Glaube möge ihnen Trost und Kraft schenken.

… Stille …

Ich selbst aber möchte nicht fragen: Warum hat Gott nicht das Erdbeben verhindert? Denn ich höre die Erklärung, dass dieses Beben und diese Flut die Folge geologischer Vorgänge sind.
Ich will nicht fragen, warum Gott diese Welt, dieses Weltall im Dasein hält.

Ich will nur versuchen zu vertrauen, dass er, der alles ins Dasein ruft, auch im Schrecken des Todes den Menschen nahe ist.

Ich will versuchen zu vertrauen,
dass es so ist wie bei Jesus selbst:

In seiner Menschlichkeit ist er schon Gottes Sohn – und auch nach seiner Auferstehung ist er der Mensch, dem die Jünger folgten.

Auch im unsäglichen Leid sind wir Menschen für das Leben in und bei Gott bestimmt. Doch auch eingetaucht in seine Herrlichkeit werden wir Menschen sein, deren Leben gefüllt war von Liebe und Hoffnung, Menschen die versucht haben, das Leben anzunehmen und es als Gottes Ebenbild zu gestalten.

9. März 2011: Wortgottesdienst zum Aschermittwoch

Die Ansprache hielt der Pastoralreferent in der Pfarrei Herz Jesu H. Wolfgang Kaiser

Fastenzeit – Abnehmen oder Zunehmen ?

In einer katholischen Pfarrei in Oberösterreich lud der Pfarrer im Pfarrbrief kurz vor der Fastenzeit seine Gemeinde mit folgenden Worten zur Eröffnung der Fastenzeit am 1. Fastensonntag  ein:

„Aus der Sicht eines kirchlichen Insiders stelle ich mehr und mehr fest, dass das Fasten die Christen in unseren Breiten so sehr schwächt, dass sie in dieser Zeit noch nicht einmal mehr in der Lage sind, den Gottesdienst zu besuchen. Um diesem Missstand entgegen zu wirken, laden wir sie nach dem Gottesdienst am 1. Fastensonntag zu einem Mittagessen mit anschließendem Kaffee und Kuchen ein! “

Ein Schelm wer arges dabei, denkt möchte man gern sagen. Falsch hat er ja nichts gemacht. Zählen die Sonntage in der Fastenzeit ja nicht zur vierzigtägigen Buß- und Fastenzeit.

Uneingeweihte dagegen könnten jetzt auf den Gedanken kommen in der katholischen Pfarrei wird die kirchliche Fastenordnung nicht mehr ernstgenommen und es ginge nicht mehr ums Abnehmen, was ja viele mit der Fastenzeit verbinden, sondern ums Zunehmen.

Und genau darum ging es diesem Pfarrer mit seiner Provokation:
Fastenzeit heißt nicht abnehmen sondern zunehmen.

Ein faszinierender Gedanke: In den 40 Tagen auf Ostern hin geht es ums Zunehmen.

Sicherlich haben sie jetzt schon gespürt, dass der eigentliche Sinn der Fastenzeit nicht der Wettbewerb sein kann: Wer verliert die meisten Pfunde, Wer entschlackt am besten. Sicherlich kann das ein schöner Nebeneffekt sein, wenn es darum geht sich in der Fastenzeit einmal Gedanken zu machen über seine Ess- und Trinkgewohnheiten.

Ehrlicher gesagt: Sein Balancegefühl wieder einzuüben dass ja oft gestört wird von dem Zuviel an Lustgewinn.

Denn neben dem Zuviel an Essen und Trinken, gibt es noch andere Schauplätze die uns das Abnehmen erschweren.( Denken sie an das geliebte Auto, dass sie mit Verachtung straft, wenn sie es sinnvollerweise öfters mal stehen lassen würden und dafür zu Fuß gehen würden, Denken sie an ihren Fernseher, der ihnen schwarze strafende Blicke zuwirft, wenn sie ihn auslassen und dafür selber etwas mit ihrer Zeit anfangen).

Sie und ich können sicher in einer ruhigen Minute selber einmal eine Liste erstellen was uns das Abnehmen  so schwer macht.

Also wie gesagt, dass mit dem Abnehmen ist wirklich nicht leicht und ehrlich gesagt nicht nur in der Fastenzeit.

Dann könnten wir doch einmal den anderen Vorschlag betrachten. Fastenzeit heißt zunehmen.

Klingt auf den ersten Blick sympathisch, aber ob es ein sinnvoller Weg für Sie für mich sein kann, dürfen sie am Schluss selber entscheiden.

Im Brief an die Gemeinde von Korinth sagt Paulus: Lasst euch mit Gott versöhnen.
Da steht schwarz auf weiß eben nichts von Abnehmen sondern vom Zunehmen. Unser Leben mit Gott versöhnen zu lassen soll zunehmen. Aber wie geht das?

An erster Stelle steht uns da eine Lebenshaltung im Weg, die modern gesprochen OUT ist. Jesus nennt sie lapidar UMKEHR

Umkehr ist für uns ja im alltäglichen Leben eher mit negativen Gedanken besetzt. Keiner von uns kehrt gern um ob als Autofahrer oder Wanderer.

Wenn ich umkehren muss weil es einfach nicht mehr anders geht ist meistens ein Gefühl der Ohnmacht, der Wut und der Enttäuschung damit verbunden. Denn ich muss mir eingestehen, dass ich buchstäblich auf dem falschen Weg bin. Gründe dafür kann es viele geben. Übersehene Wegmarkierungen oder Hinweisschilder, falsch eingegebene Daten beim Navi oder einfach nur Selbstüberschätzung (Den Weg kenn ich eh, denn bin ich doch schon hundertmal gegangen, die Strecke bin ich doch letztes Jahr schon so gefahren). Umkehren müssen bedeutet dann Zeitverlust, Ärger, Stress.

Aber Umkehren kann auch positive Seiten haben. Jeder Bergwanderer weiß, dass bei bestimmten Wetteranzeichen ein weitergehen Leben und Gesundheit gefährden würden. Kein vernünftiger Mensch würde weitergehen.

Umkehren ist dann keine Schande, sondern Not – Wendig, Ja kann Lebens-Notwendig sein.

Wenn also von Umkehr die Rede ist und ganz besonders wenn Jesus uns zur Umkehr einlädt, dann bedeutet das eben kein Abnehmen von Lebensqualität sondern ein Zunehmen von Lebensperspektiven.

Könnte es nicht sein dass Gott, der mein Leben versöhnt anschaut mich dann spüren lässt: – es stimmt in manchen Bereichen etwas nicht mehr so, irgendwas liegt bei mir  „quer“, raubt mir jegliche Motivation und Lebensfreude.

Könnte es nicht sein dass gerade da Gott mir ein Zunehmen von Lebensperspektive eröffnen will?

Könnte es nicht sein wenn ich in meinem Leben achtsam mit mir, meinen Freunden, meiner Familie, meinen Kollegen umgehe?

Könnte es nicht sein wenn ich in meinem Leben rücksichtsvoll und nachhaltig  mit meiner Umwelt, mit Genussmittel, Medien und Geld umgehe?

Könnte es nicht sein, wenn ich mich von Gott in der Stille, im Beten, im feiern des Gottesdienstes miteinander, berühren lasse?

Könnte es nicht sein, wenn ich versuche solidarisch zu leben, mit Menschen die auf unsere Hilfe angewiesen sind?

Könnte es dann wirklich sein, dass Ihnen, dass mir, das unseren Mitmenschen ein Mehr geschenkt wird, eine Zunehmen von Lebensqualität und Lebensmut?

Das Aschenkreuz, mit dem wir uns heute bezeichnen lassen wird diese Fragen begleiten und uns Mut geben auf Ostern hin einen Antwortversuch zu geben.

Fastenzeit – Nicht Abnehmen  sondern  Zunehmen, denn Gottes versöhnende Liebe nimmt da zu, wo sie bei uns immer wieder abnimmt.

Und so wünsche ich Ihnen und mir für diese Fastenzeit das der folgende Segenszuspruch jeden Tag mehr für Sie für mich zunimmt:

Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst,
niemand ist da, der mir die Hände reicht.
Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst,
der mit mir Wege geht.

Und der Friede (die Versöhnung) Gottes,
der höher ist als unsre Vernunft,
der halte unsern Verstand wach und unsre Hoffnung groß
und stärke unsre Liebe.

Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst,
niemand ist da, der mich mit Kraft erfüllt.
Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst,
niemand ist da, der mir die Hoffnung stärkt.
Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst,
niemand ist da, der mich mit Geist beseelt.
Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst,
niemand ist da, der mir das Leben schenkt.

(Liedtext von Uwe Seidel)

06. März 2011: 9. Sonntag im Jahreskreis

Gefährliche Worte sind das am Ende der Bergpredigt.
Gefährlich, weil sie uns einladen könnten, auf andere mit dem Finger zu zeigen, anstatt an die eigene Brust zu klopfen!

Dabei warnt Jesus nur wenige Sätze vorher:
„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“

Wir müssen weniger fragen, wer jene sind, die „Herr, Herr rufen“ aber von ihm abgewiesen werden als Übertreter des Gesetzes.

Wir müssen vielmehr fragen, was das Evangelium meint, wenn es sagt: „Wer den Willen meines Vaters erfüllt!“

Die Grundfrage des Matthäusevangeliums ist:
Wie kann der Mensch in das Himmelreich gelangen?

Dabei steht es in einer starken Auseinandersetzung mit den Lehrern der jüdischen Religion, die das Befolgen des mosaischen Gesetzes und der Tora in den Vordergrund stellen – und jene vielen Gebote und Gesetze, die im Lauf der Zeit daraus entwickelt wurden.

Ich erinnere noch mal an den Satz: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht viel größer ist, als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, kommt ihr nicht in das Himmelreich!“

Er ist der Schlüssel, um die Bergpredigt zu verstehen.

Die ganze Bergpredigt beschreibt diese größere Gerechtigkeit – niemand kann übersehen, wie sehr er selbst dahinter zurückbleibt. Den Feind zu lieben – das ist die größere Gerechtigkeit.

In diesem letzten Abschnitt nimmt aber das Matthäusevangelium bereits eine Fehlentwicklung der Urkirche in den Blick:
Es gab Christen, die für sich besondere Fähigkeiten in Anspruch nahmen: Als Propheten zu reden – Dämonen auszutreiben – Wunder zu vollbringen und zwar im Namen Jesu, des Herrn!

Was immer genau gemeint ist – es scheint etwas besonderes gewesen zu sein. Und doch werden diese Christen als Übertreter des Gesetzes bezeichnet und weggeschickt!

Es geht um die größere Gerechtigkeit!
Es geht darum, sich nicht selbst in den Mittelpunkt zu stellen – auch nicht dann, wenn jemand besondere Fähigkeiten hat und besondere Leistungen vollbringt.

Niemand darf sich über andere stellen: wie viel er auch beten, fasten, spenden, lehren und studieren mag, wie sehr er sich auch im Dienst am Nächsten engagiert.

Besonders, wer in der Gemeinschaft der Christen eine besondere Aufgabe, eine besondere Verantwortung und Vollmacht erhält, ist besonders in Gefahr, dass er zwar den Namen Jesu im Munde führt, dass er aber nicht mehr den Willen des Vaters sucht, sondern sich selbst.

Man merkt es spätestens an seinem Verhalten: wenn er wert legt auf besonderen Respekt und eitel wird – wenn er unbarmherzig wird, weil jemand nicht auf ihn hört, wenn er anfängt zu verurteilen –

Das sind deutliche Zeichen dafür, dass der Mensch sich selbst und nicht den Willen Gottes in den Mittelpunkt stellt.

Wenn dann das Leben sich zuspitzt und ich mit Gott gemeinsam mein Leben, mein Wollen und Streben, mein Tun und Lassen beurteile – was bleibt dann noch übrig davon!

Wer aber in seinem Leben nicht auf sich selbst setzt, sondern auf Gott und seine Barmherzigkeit, wer sich um Gottes Reich sorgt und seine Gerechtigkeit, wer wirklich Gott und nicht sich selbst zur Mitte des Lebens macht – der kann bestehen.

Seien wir gütig mit anderen und mit uns selbst – dann dürfen wir auch auf Gottes Güte vertrauen.

27. Februar 2011: 8. Sonntag im Jahreskreis

„Mach Dir keine Sorgen!“
Erinnern sie sich an eine Situation, in der sie diesen Satz gesprochen oder gehört haben? „Mach dir keine Sorgen!“

Ich finde viele Gründe, die wirklich Anlass zur Sorge sein können – und jeder von ihnen kennt sie aus seinem Leben!

Will Jesus wirklich, dass wir uns keine Sorgen machen um die Menschen in Lybien, in den Magreb Staaten, die sich nacheinander erheben, um Ihre Machthaber abzuschütteln?
Wie wären die Bergarbeiter in Chile im vergangenen Herbst gerettet worden, wenn sich niemand um sie gesorgt hätte.

Ich würde mir für viele Frauen und Männer, die bei uns leben, wünschen, es würde weniger Gründe geben, sich Sorgen zu machen.

Vor diesem „Macht euch keine Sorgen“ stellt das Evangelium den Satz: „Ihr könnt nicht beiden dienen – Gott und dem Mammon!“

Mammon – ist nicht nur das Geld.
Dem Mammon dient, wer sein Leben darauf ausrichtet, Besitz, Macht, Komfort, Ansehen, Genuss, Bequemlichkeit zu steigern.

Dem Mammon dienen, beschreibt ein egozentrisches Lebenskonzept. Wer so lebt, erkennt nicht mehr, dass er Verantwortung für andere trägt. Er betrachtet alles nur aus der Perspektive des eigenen Wollens und Strebens.
Selbst die Rücksichtnahme auf andere ist darauf hingeordnet: Das wird mir Vorteile bringen.

Wer dem Mammon dient, setzt sich selber absolut.

„Ihr könnt nicht beiden dienen: Gott und dem Mammon“ sagt Jesus.

Jesus erinnert damit an das erste der 10 Gebote: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“ und an die erste Hälfte des Doppelgebotes: Du sollst den Herrn deinen Gott lieben, mit deinem ganzen Herzen und mit all deiner Kraft.

Erinnern wir uns daran, dass am Anfang der Bergpredigt steht:
„Eure Gerechtigkeit muss größer sein als die der Schriftgelehrten und Pharisäer!“ – dann wird diese Aussage sehr konkret.

Sorgt euch darum, vor Gott gerecht zu sein – das ist wichtiger als die Sorge um euch selbst.

Wenn wir Gott anerkennen, als den höchsten, den Ursprung des Lebens, werden wir unsere Verantwortung für das Leben erkennen. Wir bleiben davor bewahrt, uns selbst und unsere selbstbezogenen Wünsche für wichtiger zu halten als andere und ihre Wünsche.

Wir sind zum Leben berufen: in Gemeinschaft mit den Menschen und allem, was auf der Erde lebt.

Wir Menschen haben den Auftrag, für das Leben zu sorgen, nicht nur für das eigenen, sondern für das Leben der Schöpfung.

Eine der stärken des Gottesglaubens ist: Menschen die Gott anerkennen – wer immer auch Gott ist – sind bereit, über sich hinauszuschauen, sind bereit, sich für andere einzusetzen.

Die Aufgabe, dem Leben auf dieser Erde zu dienen, kann uns zu groß erscheinen. Wir wissen, dass alles, was wir tun, auch das Gute, unerwünschte Nebenwirkungen hat. Die Angst mehr zu Schaden als zu helfen, könnte uns lähmen, denn wir können nicht alle Folgen bedenken und alle negativen Folgen ausschließen.

Deshalb bin ich dankbar für den Satz: Sorgt euch nicht um euer Leben. Gott weiß, was ihr alles braucht. Der morgige Tag wird für sich selber sorgen!“

Ich brauche mich also nicht ängstlich in die Passivität zurück­ziehen, nur damit kein Schaden entsteht. Ich darf der Kraft ver­trauen, die Gott in das Leben gegeben hat. Es genügt, wenn ich heute Verantwortung übernehme – so gut es möglich ist.

Auch in der Zukunft wird das Leben seine Kraft entfalten. Gott wird sein schöpferisches Handeln niemals beenden. Er ist treu.

20. März 2011: 7. Sonntag im Jahreskreis

Ich werde einen Ausspruch eines meiner Kapläne nie vergessen:
Der Himmel ist, wenn du deinem größten Feind in die Augen schaust und aus seinen Augen nichts als Liebe strahlt.

Der Himmel ist, wenn es keine Feindschaft mehr gibt.

Das Matthäusevangelium setzt die Bergpredigt fort mit dem Abschnitt über die Feindesliebe. Ich muss deshalb an den einleitenden Satz erinnern, den wir letzten Sonntag hörten:

„Wenn eure Gerechtigkeit nicht viel größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“

Diese viel größere Gerechtigkeit beschreiben die Sätze über die Feindesliebe höchst anschaulich und provozierend:
Provozierend! Vielleicht stört sie dieses Wort. Aber es diese Aufforderungen Jesu sind eine Provokation:
„Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, halt ihm auch die andere hin.“ Bis hin zu dem Gebot: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“

Was soll das für eine Liebe sein, mit der ich den Feind lieben könnte?

Wenn mir Feindseligkeit begegnet reagiere ich entweder wütend und entwickle spontane Rachegelüste. Mindestens aber jammere ich und beklage mich über das, was mir angetan wird oder wurde.

Jesus sagt aber, ich soll meinen Feind lieben!?
‑ dann ist meine Gerechtigkeit so groß, dass ich in das Himmelreich komme. Auch hier merke ich wieder wie ich überfordert bin – das kann ich nicht schaffen. Vielleicht schaffe ich es, meine Rachegelüste wieder zu bändigen. Vielleicht schaffe ich es manchmal, darüber nachzudenken, wie ich es hinbringen könnte, dass wir wenigstens einander nichts Böses tun. Wie kann ich dem anderen seine Grenzen zeigen, ohne mich zu rächen, ohne Gewalt anzuwenden?

Aber den lieben, der sich feindselig zu mir verhält?
Das ist sehr oft zu viel. Das schaffe ich nicht!

Durch das Gebot der Feindesliebe muss ich erkennen: In das Himmelreich komme ich nicht durch meine Gerechtigkeit.

Doch bevor ich anfange darüber zu trauern,
bevor ich den Mut verliere oder damit beginne, verzweifelt gegen mich und meine automatischen Gefühlsreaktionen anzukämpfen,
führ mich das Evangelium einen Schritt weiter:

Damit ihr Söhne (Kinder) eures Vaters im Himmel werdet;
denn er lässt seine Sonne aufgehen über Gerechte und ungerechte und er lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte.

Der Vater im Himmel schenkt uns das Leben – obwohl wir hinter seiner Gerechtigkeit zurückbleiben. Wir wählen aus, wen wir mögen und wen nicht. Gott aber – das ist Jesu Lehre – teilt das Leben aus an Gerechte und Ungerechte.

Zum Glück: denn sonst wäre ich ebenso ausgeschlossen.

Dennoch: Wer daran glaubt, dass jeder Mensch sein Leben von Gott empfangen hat, der wird, der kann daraus Konsequenzen ziehen.

Ich kann nicht mehr beschließen, jemandes Feind zu sein,
denn damit würde ich leugnen, dass wir beide geliebte Kinder Gottes sind. Wenn Gott diesen Menschen als sein Kind liebt,
kann ich nicht sein Feind sein wollen.

So ist der Glaube an Gottes Freundschaft zu jedem Menschen
der Ursprung meines Strebens nach Versöhnung mit allen Menschen.

Amen.

13. Februar 2011: 6. Sonntag im Jahreskreis

Auffallend oft spricht das Matthäusevangelium vom Gericht.
Das Himmelreich ist die Zukunft des Menschen. Und es geht darum, dieses Himmelreich zu erreichen.

Wer die Gebote hält und halten lehrt, sagt Jesus, der wird groß sein im Himmelreich. Gott gibt dem Menschen die Aufgabe, gerecht zu sein – das heißt: sich so zu Verhalten, wie es vor Gott recht ist. Wie Gottes Maßstäbe aussehen, das erklärt das Matthäusevangelium in der Bergpredigt Jesu.

Die Frage ist also: wie stehe ich vor Gott da, wenn er heute zu mir kommt, um mit mir mein Tun und Lassen zu beurteilen?
Woran soll ich mich halten, um so zu leben, wie es recht ist?
Ich erlaube mir einen Versuch:
Ich gehe nicht aus vom Gesetz der Juden zur Zeit Jesu. Das war damals der Maßstab der Gerechtigkeit. Ich gehe aus von unseren Vorstellungen was gerecht ist und konfrontiere sie mit der Stimme des Evangeliums:

Im Grundgesetz steht:
die Würde des Menschen ist unantastbar!
Aber: Die Würde eines Menschen wird schon verletzt, wenn ich schlechtes über ihn sage und den Kontakt mit ihm meide!

Darum: Wenn du als gerecht gelten willst, zögere nicht, dich mit deinem Gegner zu versöhnen – sonst ist er der Beweis, dass du ungerecht bist. Und du wirst es sein, bis du ihm gegeben hast, was ihm gebührt.

Im Gesetz steht:
Niemand darf zur gleichen Zeit zweimal verheiratet sein.
Aber: wer darauf aus ist, jemand anderen als seinem Ehepartner nahe zu kommen, der hat schon sein Treueversprechen gebrochen.
Jeder sich nicht mehr um seine Ehe bemüht, und aufhört, in der Ehe Liebe zu zeigen, begeht Ehebruch.

Im Gesetz steht:  Du darfst keinen Meineid schwören!
Aber: wer eine der vielen kleinen Ausreden und Notlügen genannten Unwahrheiten sagt, hat sich bereits von der Wahrheit getrennt.
Und wer auch noch so kleine Vereinbarungen nicht einhält, hat einen anderen Menschen enttäuscht.

Schwestern und Brüder!
Wir würden es uns zu einfach machen, wenn wir uns damit begnügen, nicht zu stehlen, keinen umzubringen oder zu schlagen und nicht fremd zu gehen. Wir können unbescholtene Bürger sein ‑ dennoch kann es sein, dass wir vor Gott nicht gerecht sind oder waren.

Zwei Lehren ziehe ich aus der Bergpredigt des Matthäusevangeliums:

Erstens
bleibe ich hinter dem zurück, was gerecht bedeutet: ich tue nicht das, was gerecht gegenüber dem anderen wäre.

Zweitens aber:
Genau dadurch erkenne ich aber: Das Himmelreich kann ich nicht aus eigener Kraft erreichen. Ich nicht und niemand.

Und doch glaube ich an die Gerechtigkeit, des Himmelreiches,
ich glaube, dass die Werte Nachsicht und Geduld, Versöhnung und Treue, dass die Werte, die Jesus gelebt und verkündet hat,
die Werte des Himmelreiches sind und dass es sich lohnt, sie zur Richtschnur des Lebens zu machen – auch wenn ich immer wieder dagegen verstoßen werde.

Erstens: Weil durch Nachsicht und Geduld, Versöhnung und Treue Frieden und Geborgenheit entsteht. Weil das Leben schöner und lebenswerter wird.

Zweitens: Weil Gott Nachsichtig und geduldig ist, bereit zur Versöhnung und treu zu seiner Schöpfung.
Die Treue Gottes ist es, durch die er uns  Zukunft schenkt.

Ich möchte mich nicht damit zufrieden, die Gesetze meiner Gesellschaft und meines Staates zu achten:
Die Gerechtigkeit des Himmelreiches, sein Friede und seine Geborgenheit will ich in dieser Welt suchen.

02. Februar 2011: Darstellung des Herrn

Ich trage ein Licht in meiner Hand.
Ich kann es beobachten, wie es sich bewegt, wie die Flamme ihre Form verändert, wie sie doch beständig leuchtet – genährt durch das Wachs, das der Docht aufsaugt.

Wenn ich es beobachte mich darin vertiefe und vielleicht sogar mich eine Zeit lang darin verliere – dann ist etwas mit mir geschehen: Das Licht, seine Lebendigkeit erfüllt mich selbst.
Ruhe kehrt ein.

Hat das etwas mit Freude zu tun?

Für mich schon: es ist keine laute Freude, kein Jubel über ein Ereignis, ein Geschenk, etc.
Es ist ein stille Freude, aber eine Freude tief in der Seele.
Eine Freude, die genährt ist aus einer tiefen Quelle, die nicht versiegt. Eine anhaltende Freude, die Kraft hat, die sich immer wieder durchsetzt – auch wenn manchmal dunkle Wolken der Bedrücktheit, der Angst, der Zweifel das Bewusstsein verdunkeln.

Schwestern und Brüder, das Licht der Kerze führt mich nach innen – und dort finde ich das Licht in mir, das Licht Gottes, das in jedem Menschen leuchtet und lebt.

Jeder lebendige Mensch trägt dieses göttliche Lebenslicht in sich.
Simeon erblickt dieses göttliche Licht in dem kleinen Jungen, den seine Eltern zum Tempel bringen, um ihn Gott zu weihen.

Als er dieses Kind sieht, begreift er: Meine Augen haben das Heil gesehen.

Schwestern und Brüder!
Meine Augen haben das Heil gesehen! Wir dürfen versuchen, diesen Satz selbst zu sprechen, mit der Freude des Simeon!

Meine Augen haben das Heil gesehen – Das Heil, das von Gott kommt, das Licht das in jeder Menschenseele leuchtet.

Vieles kann uns traurig machen und plagen: Doch immer wieder setzt sich die Freude durch: meine Augen haben das Heil gesehen.

06. Februar 2011: 5. Sonntag im Jahreskreis

Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!
Wer ist mit „Ihr“ angesprochen?

Der Satz unmittelbar zuvor lautet: “ Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.“

Selig sind die Jünger Jesu, weil sie den Neuen Bund verkünden und halten; den Bund, den Gott durch Jesus mit allen schließt, die Jesus und seiner Botschaft glauben!

Wenn die Jünger Jesu den Bund halten, dann sind sie Salz der Erde und Licht der Welt: wenn sie auf seelische und körperliche und auf Waffengewalt verzichten;
wenn sie barmherzig sind mit den Schuldigen,
wenn sie sich einsetzen für die Gerechtigkeit des Himmels;
… ‑ dann sind sie Salz der Erde und Licht der Welt!

Schwestern und Brüder, wie sieht das bei uns aus?
Sind wir Salz der Erde und Licht der Welt?
Werden wir um Jesu willen verfolgt oder verleumdet?
Weisen wir durch unsere Werke auf unseren Vater im Himmel hin?

Diese Sätze im Mt. Evangelium sind als Mahnung für die Jünger Jesu geschrieben: sie sollen nicht aufhören, salzig zu sein und sie sollen das Licht nicht ausgehen lassen oder verstecken.

Die Jünger sind gerufen, durch ihr Leben auf den hinzuweisen, an den sie glauben: den Vater im Himmel.

In der gerade begonnenen Bergpredigt wird das Evangelium Beispiele nennen, was es heißt, Licht in der Welt zu sein.

Ich erlaube mir heute einige Beispiele zu nennen:
Christen werden für Geld nicht alles tun;
Christen werden nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellen;
Christen werden niemanden endgültig abschreiben;
Christen werden nicht auf Vergeltung sinnen.
Christen hoffen auf das kommende Leben und werden deshalb das Liebesgebot zur Mitte des Lebens machen.