17.12.23: 3. Adventsonntag

Einführung
Worüber habe ich mich gefreut? Was macht mir Freude?
Wenn Kinder spielen? Wenn Barbarazweige aufgehen?
Wenn Christrosen blühen?
Wenn ich mich mit Freunden treffe?
Vielleicht sogar, wenn ich am Sonntag zur Messfeier komme?

Den Dank für all das, was uns Freude macht bringen wir mit in diese Messfeier. Und grüßen Christus, unseren Heiland und Herrn:

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
wie ein Bräutigam sich festlich kleidet und eine Braut ihren Schmuck anlegt;
und noch besser: wie die Erde ihr Gewächs hervorbringt und das Feld seine Saat sprießen lässt!

Diese Vergleiche haben eines gemeinsam:
sie beschreiben etwas, das untrennbar zusammengehört: Kein Bräutigam wird in zerrissenen Hosen zur Hochzeit erscheinen und im Garten geht auf, was gesät wurde.

So lässt Gott, der Herr, Gerechtigkeit sprießen!
Wo Gott ist, wächst Gerechtigkeit!

Wenn Menschen auf Gott hören, üben sie Gerechtigkeit,
wenn Menschen auf Gott hören,
werden die Armen aus der Armut geführt,
und die gebrochenen Herzen geheilt;
dann werden die Gefangenen frei gelassen und die Gefesselten befreit.

Tatsächlich denke ich:
wenn wir diese Worte mit unserem Leben vergleichen,
können wir sagen: auch wenn wir nicht voll und ganz verwirklichen, was da beschrieben ist: wir gehen in diese Richtung.
Wir versuchen durch Spenden mitzuhelfen, die Armut zu bekämpfen;
Wir hören zu, wenn jemand seine Not erzählt und leisten Beistand;
Wir schreiben niemanden ab, sondern sind offen dafür, dass Verständnis wächst.

Wir haben tatsächlich Grund zur Freude, dass wir durch den Glauben an Jesus diese Art oder diese Kunst zu leben gefunden haben.

Dadurch wird unser Leben hell: wir tappen nicht im Dunkeln der Ratlosigkeit und der Borniertheit. Wir haben eine Ahnung davon, wozu wir leben und wozu diese Erde geschaffen ist:

Wir leben, damit wir diese Erde zu einem Ort der Mitmenschlichkeit machen, zu einem Ort des Friedens und der Gerechtigkeit.

Johannes der Täufer hat über das Licht gesprochen, das alle Menschen erleuchtet: Er hat damals die Menschen aufgerufen und sein Ruf gilt uns heute genauso: „Begradigt den Weg für den Herrn!“

Er soll geradewegs kommen können, möglichst bald – weil:
jede Verzögerung ist verlorene Zeit. Die Freude über sein Kommen wird so groß sein, dass man es kaum erwarten kann.

Er wird nicht mit Wasser taufen:
Wasser ist kostbar: Es reinigt uns, wir leben vom Wasser.

Doch der Herr, den Johannes angekündigt hat,
tauft mit etwas anderem:

Johannes sagte: „Ich bin ich es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.

Eindrücklicher kann man nicht, die Größe des anderen betonen.

Doch, liebe Schwestern und Brüder,
Johannes durfte auf Jesus hinweisen und ihm den Weg bereiten.

Das dürfen wir auch!

Und er hat uns für gewürdigt, dass wir ihm folgen, dass wir an seinem Tisch sitzen und mit ihm Mahl halten dürfen.

Amen.

Fürbitten

Lektorin: Wir haben Gottes Geist empfangen. Von ihm geleitet beten wir:

  • Wir beten für die Volker der Erde: Um Regierungen, die den Frieden und die Wohlfahrt für die Menschen in ihrem Land suchen. Großer und heiliger Gott
  • Wir beten für die Kinder und Jugendlichen, die sich schwertun, ihre Begabungen und Fähigkeiten zu entwickeln: dass sie die Unterstützung und Motivierung finden, die sie brauchen. Großer und heiliger Gott
  • Wir beten für die Menschen, die darauf hoffen, dass Krieg und Gewalt und Terror ein Ende nehmen: dass sie beharrlich sind und das Vertrauen in die Kraft der Liebe wächst.
    Großer und heiliger Gott
  • Wir beten für die Menschen, die alleine Leben: dass sie Verbundenheit und Wohlwollen erfahren.
    Großer und heiliger Gott
  • Wir beten für die Menschen, die Verschwörungstheorien Glauben schenken und geheime Mächte am Werk sehen: dass sie frei bleiben im Denken und deinem machtvollen Wirken Raum geben. Großer und heiliger Gott
  • Wir beten für deine Kirche: um Bischöfe, die das Volk Gottes leiten und auf die Stimme des Heiligen Geistes in den Glaubenden hören. Großer und heiliger Gott

Lektorin: Guter Gott, wir preisen dich für Jesus deinen Sohn, der von Maria geboren wurde und uns den Glauben an deine Liebe lehrte. Amen.

Ein Haus das beschützt

Bußgottesdienst im Advent

Einzug in Stille

Begrüßung:
Ein besonderer Abend, der einen besonderen Schwerpunkt hat:
Versöhnung. Es kann ein Schritt sein, dass wir versöhnt werden, mit unserem Leben.
Wir versuchen, uns der Versöhnung zu öffnen.
Wir hoffen, dass der Friede in uns mehr wird.

Dafür haben wir uns zusammengefunden: in einem Haus,
das viel Platz hat und nicht so schnell voll sein wird

Versöhnung und Friede: das sind kostbare Gaben,
die Christus uns anbietet und schenken möchte.
Ihn grüßen wir:

Kyrie                                     GL 155

  • Jesus, vom Geist des Vaters erfüllt
  • Jesus, du rufst uns, dir zu folgen.
  • Jesus, du zeigst uns den Weg zu Versöhnung und Frieden.

Einführung
Mit dem Wort Buße verbinden wir eher negative Gedanken: z.B. das Bußgeld, wenn jemand Verkehrsregeln übertritt.
Ungesunde Lebensweise muss man später büßen.
Und es kann schon vorkommen, dass man im Zorn sagt:
„Das wirst du mir büßen!“

Christliche Buße ist etwas anderes:
Gott nimmt uns immer an und lädt uns ein,
nach seiner Weisung zu leben – nicht mehr und nicht weniger.
Das Bemühen, auf Gott zu hören – das nennen wir Buße.

Es geht um Versöhnung:
Versöhnung heißt: das Trennende wird aus dem Weg geräumt und die Zukunft ist wieder geprägt
von Vertrauen und Zutrauen,
von Nähe und Gemeinschaft.

Gebet
Herr Jesus Christus, du bist gekommen,
damit wir das Leben haben
und damit deine Freude in uns ist.
Du hast uns deinen Frieden gegeben.
Hilf uns, dass wir Frieden schließen können,
mit uns und unserem Lebensweg:
mit dem Glück und Unglück,
mit dem Schlechten und dem Guten.
Stärke unser Vertrauen und unseren Willen,
dir zu folgen. Amen.

Lied                                       Meine engen Grenzen                                              GL 437
oder                                      Herr gib uns Mut                                               GL 448, 1+3

Diese unsere Erde ist ein wunderbarer Ort im Weltall;
Sie trägt uns, sie hält uns, sie gibt uns Luft zum Atmen und Wasser zum Leben und Nahrung für unseren Leib.
Sie ist voller Schönheit vom Regenbogen bis zum bizarren Steingipfel.

Zugleich erleben wir sie als unwirtlich und voll von Gefahren:
Deshalb bauen wir Häuser: Sie geben uns Schutz vor Wind und Wetter, es ist ein Platz, der uns gehört, an dem wir uns zurück­ziehen können. Wir können unser Haus, unsere Wohnung mit anderen teilen. Wir können die Tür öffnen oder schließen.

Der Psalm 31 spricht von diesem Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit mit diesen Worten:

2      HERR, bei dir suche ich Zuflucht;
lass mich nie enttäuscht werden!
Rette mich, wie du es versprochen hast!

3      Hör mich doch, hilf mir schnell!
Sei mir ein festes Haus, dann bin ich in Sicherheit.

4      Du gibst mir Halt, du bietest mir Schutz.

6      Ich gebe mich ganz in deine Hand,
du wirst mich retten, HERR, du treuer Gott!

20    Wie groß ist deine Güte, HERR!
Du wendest sie denen zu, die dir gehorchen.
Sie sind geborgen und sicher unter deinem Dach.

Überleitung zum Evangelium
Der Beter wünscht sich, dass Gott selbst ihm zum festen Haus wird. Gott bewahrt uns vor dem Bösen – er bewahrt uns davor, dem Bösen in uns Raum zu geben und uns ihm anzugleichen.
Auch Jesus spricht einmal vom Haus, vom Lebenshaus,
das wir bauen:

Aus dem Mt. Evangelium
Jesus hatte lange zu den Jüngern gesprochen:
vom Vertrauen, von der Bereitschaft zur Vergebung und vielem anderen. Zum Schluss dieser Rede sagte er zu den Jüngern:

Jeder, der meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute.ab

Als ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut.

Das Haus braucht ein Fundament,
feste Mauern, ein dichtes Dach, Türen zum öffnen
und Fenster, die Licht und Luft herein lassen.

Das Haus ist ein Bild, um unser Leben in den Blick zu nehmen,
um uns zu orientieren,
um dankbar zu sein für die Geborgenheit und den Schutz,
und für die schönen Stunden in dem Haus.
um Frieden zu schließen mit mancher Unzulänglichkeit,
und vielleicht auch, um etwas zu verändern.

In den nächsten Minuten stellen wir viele Fragen,
manche Fragen dienen der Vergewisserung?
Manche wecken vielleicht Dankbarkeit.
Manche führen vielleicht zur Selbstkritik und zum Versuch der Veränderung.

1. Das Fundament
Worauf baue ich? Auf wen kann ich mich verlassen?
In wem habe ich mich getäuscht?
Habe ich jemand enttäuscht?

1 Minute Stille

2. Innen im Haus
Was gefällt mir in meinem Leben?
Was und wer gibt mir Geborgenheit?
Bei was finde ich Ruhe und kann Kraft tanken?
Habe ich Beziehungen, Freundschaften
vernachlässigt oder geschadet?
Wie ist meine Beziehung zu Gott?

1 Minute Stille

3. Ein- und ausgehen
Mit wem habe ich Kontakt?
Mit wem ist mir die Begegnung besonders lieb?
Wen meide ich lieber? Was ist mir unangenehm?
Hätte ich gerne mehr oder lieber weniger Kontakte?
Ist es gut so wie es ist?

1 Minute Stille

4. Ausblick
Wonach sehne ich mich?
Was weckt meine Neugierde?
Was kann mich locken, so dass ich hinausgehe?
Denke ich daran,
dass ich einmal jenseits des Horizontes sein werde?
Richte ich mein Leben darauf aus?

Wir haben nun 5 Minuten Zeit geben, darüber nachzudenken.
Danach laden wir sie ein, – wenn sie möchten ‑ nach vorne zu kommen, zu einem persönlichen Segenszuspruch, dass sie für ihr Leben bestärkt werden:
das Gute weiterhin zu üben und das, was sie anders besser fänden,
anders zu tun und mit dem, was sie nicht ändern können, Frieden zu schließen.

2 Minuten meditatives Orgelspiel
1 Minute Stille –                
2 Minuten meditatives Orgelspiel

Segenszuspruch

Der barmherzige Gott nimmt dich an, wie du bist.
Er vergibt dir dein Versagen
und schenke dir Geborgenheit und die Kraft seiner Liebe.

Martin: Das Vater Unser,
das Jesus uns gelehrt hat, ist das Gebet des Vertrauens und der Hoffnung und der Nachfolge:

Wir beten, dass Gottes Reich kommt:
Dass niemand hungert,
dass niemand ohne Vergebung bleibt
und dass niemand mehr durch das Böse versucht wird.

Dieses Gebet begleitet uns und gibt uns den Bauplan für unser Leben.

Schlussgebet
Guter Gott,
du bist der Grund auf dem wir stehen.
Dein Ja zu uns Menschen ist verlässlich und niemals wirst du es zurücknehmen.
Du gibst uns Kraft zum Leben, zum Lieben;
Bei dir sind wir in Sicherheit vor dem Bösen,
dass es sich nicht in unser Herz schleicht.
Du gibst uns die Freiheit, zu kommen und zu gehen
und hältst die Türe immer offen für uns.
Du bist auch das Ziel unseres Lebens
und wirst uns einst mit Licht und Freude belohnen.
Wir preisen dich und danken dir heute und in Ewigkeit.

Segen
Der Herr segne dich und behüte dich,
er bewahre dich davor,
Böses zu wünschen, zu wollen oder zu tun

Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten,
damit du die Welt und das Leben in seinem Licht siehst:
das Leben und seine Schönheit,
das Gute, das Menschen einander tun
und die Gelegenheiten, Gottes Güte Hand und Fuß zu geben.

Der wende dir sein Angesicht zu und schenke dir Frieden:
Denn vor Gottes Angesicht herrscht Frieden;
lebendiger Friede,
gewirkt durch Tatkraft und Mut,
gebildet durch Geduld und Ausdauer,
Frucht der Gerechtigkeit und der Liebe.

Martin
Es segne dich
+ Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Danklied                              Macht hoch die Tür                                     GL 218,1+4+5

10.12.23: 2. Adventsonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
Das Wort Advent beschreibt zwar die letzten Wochen vor Weihnachten. Als Christen leben wir auch in den anderen 11 Monaten im Advent. Denn wir erwarten Christus, der kommen wird. Er wird sein Reich aufrichten: Es wird nicht mehr Arme und Reiche geben. Denn in seinem Reich teilt Gott seine Fülle mit jedem einzelnen. Es wird keine Gräben mehr geben, durch die sich die Oberen von den Unteren abgrenzen. Die jetzt das Kapital zu sich lenken, werden erkennen, wie verkehrt ihr egoistisches Handeln war.
Wir leben im Advent: das heißt, wir ebnen dem Reich Christi die Bahn und füllen die Gräben auf und wir bauen Brücken, um die Gräben zu überwinden.
Rufen wir zu Christus: Er ist die Brücke, die Erde und Himmel, Gott und Menschen verbindet.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder
erlauben Sie mir, dass ich ähnlich wie am vergangenen Sonntag zuerst den Blick auf unsere Erde richte – wie das Leben geworden ist und wie es bis auf den heutigen Tag besteht:

Allen physischen Gewalten zum Trotz bildeten sich immer kompliziertere Moleküle und Strukturen bis zu den Lebewesen, die nur aus einer einzigen Zelle bestehen und das Kunststück vollbrachten, sich zu teilen und auf diese Weise zu vermehren.

Das ist der Anfang des Lebens auf dieser Erde: Allen Meteoritenein­schlägen zum Trotz entwickelte sich immer vielfältigeres Leben auf dieser Erde. Es überstand alle Eis- und Heißzeiten. Die Lebewesen bevölkern die Erde bis zum heutigen Tag: vom Grill in den Meeren bis zum Schimpansen und dem Menschen.

Die Widrigkeiten, die sich dem Leben entgegenstellen, sind heute nicht weniger geworden. Wir Menschen sind sogar so weit gekommen, dass wir in der Lage sind, uns selbst die Lebensgrundlage zu zerstören.
Die technischen Möglichkeiten haben wir und benutzen wir – ohne Bedacht und trotz besseren Wissens gefährden wir Menschen den Fortbestand unserer Art.

Johannes aber rief:
Bereitet dem Herrn den Weg, ebnet ihm die Straßen.

Der Mensch soll die Hindernisse und Bedrohungen des Lebens aus dem Weg räumen. Diese Hindernisse sind weniger die technischen Mittel, mit denen wir Leben zerstören können und zerstören.

Die größten Hindernisse bauen wir in unserem Inneren auf:
Der Neid, die Missgunst, die Abneigung und Vorurteile, Geiz und Machtgier – das sind die Triebkräfte dafür. Sie bringen den Menschen dazu, das Leben zu bedrohen, es anzugreifen und zu vernichten – statt ihm den Weg zu ebnen.

Liebe Schwestern und Brüder,
wir bahnen dem Herrn den Weg,
sooft wir Hindernisse aus dem Weg räumen, die sich dem Leben entgegen-stellen:

Wenn wir in der Gemeinschaft Aufgaben und Verantwortung übernehmen;
wenn wir durch unsere Spenden – auch für Adveniat – helfen, dass Not gelindert wird, dass Kinder zur Schule gehen können und Krankheiten geheilt werden;
wenn wir die Not eines Menschen erkennen und für ihn ein offenes Ohr haben;
wenn wir und Zeit nehmen für einen anderen – obwohl wir gerade etwas ganz anderes tun wollten,

dann ebnen wir die Bahn für den Herrn,
dass er zu den Menschen kommt,
und sie an seine Hoffnungsbotschaft glauben können
und selbst anfangen,
anderen Menschen Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Fürbitten

Lektor/in: Lasst uns beten: Jesus Christus, du bist die Brücke zwischen Gott und uns Menschen. Du rufst und durch Johannes zur Umkehr. Wir bitten dich:

  • Steh allen bei, die heute deine frohe Botschaft verkünden und darum werben, dass die Menschen an die Liebe Gottes glauben. – Christus Höre uns A: Christus erhöre uns!
  • Für alle, die durch die Taufe zum Volk Gottes gehören:
    entzünde in ihnen die Liebe zu dir und deinem himmlischen Vater. –Christus Höre uns       A: Christus erhöre uns!
  • Für alle Menschen, die in unsere Pfarrgemeinde zugezogen sind. Dass sie willkommen sind und Gemeinschaft erleben. Christus Höre uns    A: Christus erhöre uns!
  • Hilf uns, die Gräben bei uns zu überwinden: zwischen verfeindeten Nachbarn, zwischen Ausländern und Einheimischen, zwischen Armen und Reichen. –
    Christus Höre uns         A: Christus erhöre uns!
  • Für die Menschen in Israel und Palästina: wecke die
    Sehnsucht nach Frieden miteinander und stärke die
    Bereitschaft für gegenseitige Vergebung und Versöhnung.
     ‑ Christus Höre uns      A: Christus erhöre uns!

Lektor/in: Gott, unser Vater, dein Sohn Jesus Christus hat uns die frohe Botschaft gebracht, dass du uns nahe bist. Erhalte in uns die Freude und Dankbarkeit. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Lehrer und Herrn.

03.12.23: 1. Adventsonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
als ich ein Kind war, wurde mir vom Weltuntergang erzählt:
nicht so bedrohlich, dass es morgen sein könnte – aber dass er kommen.
Das Ende der Zeiten, das Ende der Geschichte, das Ende der Welt.

Die Evangelien benutzen solche Bilder:
„Die Sonne wird sich verfinstern, der Mond wird nicht mehr scheinen,
die Sterne fallen vom Himmel, die Kräfte des Himmels werden erschüttert“ – also die Kräfte, die wirken, dass Planetensysteme umeinanderkreisen und die Milchstraße diese Gestalt hat …

Nach allem was wir heute wissen, wird es eine solche kosmische Katastrophe in unserem Sonnensystem in ungefähr 5 Milliarden Jahren geben, wenn die Sonne nicht mehr Licht und Energie in diesem Maße abstrahlen kann.

Die Welt wird also untergehen – aber gewiss nicht heute und morgen!
Diese Generation wird nicht vergehen, bis das geschieht – so beruhigt das Evangelium seine Leser aus dem Mund Jesu. Die Menschen gehören zur Erde wie der Mond, der sie umkreist.
Wir sind sozusagen das Spitzen­produkt dieses Planeten, komplexer und anpassungsfähiger und willens­stärker als alle anderen Wesen auf diesem Planeten. Und zugleich auch widersprüchlicher: Wir können heilen und erfinden und gestalten – und zugleich können wir zerstören und vernich­ten, in einem Ausmaß wie es keinem anderen Wesen auf dieser Erde möglich ist. Wir können ganze Kontinente unbewohnbar machen.

Durch die Kriege, die sich ausbreiten, geraten auch heute Menschen in Angst: Wo soll das hinführen? Gibt es Krieg auch bei uns? Wird Putin auch uns angreifen? Werden Atombomben mit ihrer zerstörerischen Kraft eingesetzt werden?

In diese Angst hinein ertönen die Worte: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen!“ Dieses Menschengeschlecht wird nicht vergehen, ehe die Sonne aufhört ihr Licht zur Erde zu senden. Welche ein Trost!

Damit verbindet sich zugleich die Mahnung: „Seid also wachsam!“

Das Weltenende würden wir nicht übersehen können! Aber das Kommen des Herrn – das erfordert unsere Wachsamkeit!

Er kommt zu uns,
und wir sollen das Haus bestellen: Getreide soll wachsen, alle sollen zu Essen haben, der Wein soll nicht ausgehen,
jeder Augenblick ist uns gegeben, damit wir dem Herrn die Tür öffnen.

Schläfrig werden wir, wenn wir uns angleichen, wenn wir leben wie Menschen, die nicht an das Gute, die nicht an das Leben glauben.

Sie suchen ihren Vorteil auf Kosten anderer,
sie beugen die Wahrheit und das Recht zum eigenen Nutzen,
sie sagen, der ehrlich ist der Dumme,
sie erwecken den Anschein der guten Absicht und täuschen die Mitmenschen.

Wir, sollen wachsam bleiben, damit wir die Chance in jedem Augenblick erkennen, Gottes Herrschaft zum Durchbruch zu verhelfen.

So werden wir immer mehr, was wir eigentlich sind:
Menschen, das Spitzenprodukt dieser Erde,
begabt mit der Kraft und der Liebe und der Erkenntnis,
damit wir diese Erde zum Planeten gestalten,
auf dem die Liebe zum Leben des anderen noch mehr Licht verbreitet als es die Sonne jemals kann.

Seid wachsam, dass ihr die Chancen dazu nicht überseht. Amen.

FÜRBITTEN

Lektor/in: Wir haben den Ruf gehört, wachsam zu bleiben und daran festzuhalten, den guten Weg zu suchen und zu gehen. Wir vertrauen dem Wort Jesu, das niemals vergehen wird und beten:

Jesus, Menschensohn       V/A: Komm und schenk uns Frieden

  • Für die Menschen in Israel und Pwalästina: um das Ende der Feindschaft

Jesus, Menschensohn       (A): Komm und schenk uns Frieden

  • Für die Menschen in der Ukraine: um Frieden

Jesus, Menschensohn       (A): Komm und schenk uns Frieden

  • Für die Völker Europas: Um Zusammenhalt

Jesus, Menschensohn       (A): Komm und schenk uns Frieden

  • Für die christlichen Kirchen: Um Erneuerung

Jesus, Menschensohn       (A): Komm und schenk uns Frieden

  • Für das Menschengeschlecht: um die Erkenntnis der Verbundenheit.

Jesus, Menschensohn       (A): Komm und schenk uns Frieden

Lektor/in: Gott unser Vater, wir danken dir, dass wir an dich und deine Liebe glauben und dass du uns die Kraft zur Liebe schenkst: Jetzt und in Ewigkeit. Amen

26.11.23: Christkönigssonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder
Ist ihnen aufgefallen, wie in der ersten Lesung Ezechiel zum Volk redet – das, was er als Spruch Gottes bei seiner Mediation in seiner Seele erkannt hat? Erkannt! Nicht erfunden, nicht ausgedacht, sondern erkannt.

Er vergleicht Gott mit einem Hirten:
Er weidet und lässt ruhen, er sucht die verlorenen, verbindet die verletzten, stärkt die Schwachen und behütet die Starken. So macht es ein Hirt.

Wie hütet, weidet, stärkt, verbindet stärkt und behütet Gott? Können wir das sehen, beobachten, erfahren?
Wie und Wo und Wann und Wen?

Angesichts der grausamen Not, die auf verschiedenste Weise hunderte Millionen Menschen quält, muss ich mich – muss ich Gott das fragen.

Die Frage stellen ist leicht -eine Antwort finden, ist weniger leicht.

Aber die Antwort ist wichtig, damit ich an Gott glauben kann,
damit ich mich von Gott behütet fühlen kann.
Wenn ich nicht wenigstens den Hauch einer Ahnung habe,
wie Gott sich um die Menschen kümmert, dann schmilzt der Glaube dahin wie das Eis unserer Alpengletscher in der warmen Luft.

Wie also kümmert sich Gott?

Schön wäre es, wenn nicht mehr oder weniger gute Regierungen die Geschicke der Nationen lenken würden, sondern Gott:
Dann würden die Kranken versorgt, die Nahrungsmittel gerecht verteilt werden. Die Waffen würden zu Pflugscharen umschmiedet und und niemand würde ungerecht im gefangen sein.
Wenn Gott König wäre und mit Hilfe seiner guten Engel alles auf der Erde zum Besten lenken würde. Es wäre das Paradies auf Erden.

Aber so ist es nicht und so kann es nicht sein! Uns ist diese Erde anvertraut – wie ein Garten, dass wir sie bebauen und behüten.

Aber! Wir wissen, wie es gut wäre!
Dieses Wissen und Sehnen nach Gerechtigkeit und Gesundheit wirkt Gottes Geist in uns! Selbst die Kriegsherren sprechen ja davon, dass sie den Krieg beenden und nach dem Krieg den Frieden wollen.

Es ist unsere Sache und Aufgabe, dass wir Hungrigen zu essen geben und dafür zu sorgen, dass die Menschen nicht Durst leiden. Es ist unsere Aufgabe, Kranke zu heilen und Gefangenen zu befreien.

Wenn wir dies tun, dann wirkt Gottes Geist in uns und seine Kraft.
Die Menschen, die erfahren, dass sie nicht allein sind, dass ihre Not gewendet wird, dürfen deswegen zurecht sagen:
Gott hat mir geholfen.

Die Menschen können mit Fug und Recht sagen:
Ich war hungrig und Gott hat mir zu essen gegeben.
Ich war durstig und Gott hat mir zu trinken gegeben.
Ich war fremd und obdachlos und Gott hat mich aufgenommen.
Ich war krank und Gott hat mich geheilt.

Dies ist kein Gegensatz zu dem, was Jesus gesagt hat:
Der Menschensohn wird sagen:
Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben.

Es ist kein Gegensatz, sondern es durchdringt sich gegenseitig:

Liebe Schwestern und Brüder, verzeihen Sie bitte, dass ich auf die Frage
Wie und wo und wann und wem Gott als Hirte begegnet keine Antwort geben kann, die alle Zweifel beseitigt und eindeutig und klar ist.

Vielleicht aber, vielleicht – und das wäre ja schon viel –
ist es der Hauch einer Ahnung, wie Gott als guter Hirt für die Menschen sorgt.

19.11.23: 33. Sonntag im Jahreskreis – Volkstrauertag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder,
bei einem ist es früher, bei einem anderen später:
ab einem gewissen Alter drängt sich der Gedanke auf:
Mein Leben neigt sich dem Ende entgegen. Die Zeit, die vor mir liegt, kann jeden Tag zu Ende sein.

Das ist eine heilsame Erkenntnis. Die richtige Folgerung daraus ist: Also ist jeder Tag kostbar und ich möchte so leben, dass ich mir nicht denken muss:
Warum hab ich da nicht angerufen?
Warum hab ich das auf später verschoben?

Es gilt jeden Tag zu nützen, dass es ein Tag ist,
der erfüllt und sinnvoll war:
vor allem auch, durch das Gute, das wir anderen erweisen.

Predigt: Liebe Schwestern und Brüder,
Drei Freunde bekommen Lego Steine.
Der eine erkennt sofort, was man damit alles bauen kann und hat seine helle Freude daran, ein tolles Kreuzfahrtschiff zusammenzubauen.
Ebenso der andere, er baut eine Ritterburg – fast wie Burg Eltz, wo er kürzlich mit seinen Eltern war.
Der Dritte – was glauben Sie, wie ich jetzt fortfahren werde – so ähnlich wie im Gleichnis von den Talenten! Ja genau. Am Ende fordert man ihn auf, seine Legos den anderen beiden zu schenken, weil sie bei ihm immer noch originalverpackt herumliegen. Irgendwie macht es ihn dann doch traurig.

Liebe Schwestern und Brüder,
zum Glück ist der dritte nur das schlechte Beispiel, wie man es nicht machen soll. Sein Beispiel sollen wir nicht nachahmen, damit es uns nicht so geht.

Gibt es solche Looser, solche Verlierer? Kennen sie welche?
Kennen Sie Gewinner, wie die ersten beiden, die ihre Talente verdoppelt haben?

Wie könnten wir Christen wieder zu solchen Gewinnern werden?
Genau darum geht es nämlich in dem Gleichnis:

Das viele Geld, die lange Abwesenheit des Mannes, der auf Reisen ging, das alles ist ein Beispiel! So sollen wir es machen, bzw. nicht machen.

Wenn wir es richtig machen, wenn wir Gottes Herrschaft stark machen, dann wird uns die Freude des Reiches Gottes vervielfacht – sagen wir „verhimmelfacht“ werden.

Der Ausgangspunkt, liebe Schwestern und Brüder ist, die Freude über die Legosteine – Entschuldigung: die Freude über das Reich Gottes, für das Jesus uns die Augen geöffnet hat:

Wir haben einen wunderbaren und riesigen Schatz empfangen:
die Erkenntnis, dass es in der Welt, im Leben nur um eines geht:

Wie wird die Liebe mehr! Wie wird der Riesenschatz an Liebe und Vorschussvertrauen, den Gott uns gibt, mehr?

Wem können wir diese Liebe schenken? Wer braucht sie am dringendsten? Wie können wir das tun?

Wie wird das Leben um mich herum mit Liebe angereichert?

Liebe Schwestern und Brüder!
ich will mich eigentlich mit nichts anderem aufhalten.
Meine Aufgabe ist nicht zu überlegen, wie der Bischof besser sein könnte, oder die Stadtverwaltung, oder die bayerische Staatsregierung.
Mein Auftrag ist nicht das zu tun, was andere tun müssen.

Mein Auftrag ist, da wo ich lebe,
den Menschen, die mir dabei begegnen,
und mit denen zusammen ich etwas unternehme,
mit Liebe zu begegnen, und aus Liebe zu sprechen und zu handeln:
Nicht aus Sorge um mich selbst, sondern aus Liebe zum anderen.

Wenn ich die Liebe in der Welt mehren kann,
wenn ich den Willen zur Liebe stärken kann,
wenn ich die Liebe sehen und bewundern  kann, die andere üben,
dann vermehrt sich die Freude über den riesigen Schatz,
der uns anvertraut ist.

Gott bewahre mich davor aus Angst, ich könnte versehentlich etwas Falsches tun, und es wäre es alles umsonst, nichts zu tun.
Ach wie traurig wäre das. Nein, ich will wuchern mit dem Talent, das uns allen gegeben ist,
mit der Freude über die Erkenntnis:
Die Liebe ist das wichtigste im Leben der Menschen.
Und wo die Liebe ist, da ist Gott!

Fürbitten

Lektor/in: Guter Gott und Vater, du hast uns die Erde anvertraut, dass wir sie zu einem Ort deiner Herrschaft machen. Dazu brauchen wir deinen Geist, der uns Mut und Vertrauen gibt. Darum bitten wir dich:

Himmlischer Vater:    (A) Schenke Mut und Zuversicht

  • Bewahre uns vor Resignation, wenn wir längere Zeit Schwierigkeiten aushalten müssen.

A:   Gott schenke Mut und Zuversicht

  • Krankheitsdiagnosen künden manchmal das Ende eines unbeschwerten Lebens an. Schenke allen Betroffenen den Blick für das, was möglich geblieben ist und den Glauben an deine Nähe.

A:   Gott schenke Mut und Zuversicht

  • Für alle, die ihrem Leben keinen tieferen Sinn geben: Dass sie aus der Gleichgültigkeit herausfinden und erkennen, wie viel Freude sie anderen schenken können.

A:   Gott schenke Mut und Zuversicht

  • Für alle, die Verluste erlitten haben, über die sie nicht hinwegkommen. Dass sie Menschen haben, die bei ihnen bleiben und ihnen so Mut und Zuversicht geben.

A:   Gott schenke Mut und Zuversicht

  • Für die Menschen, die alles negativ sehen: dass sie zur Freude des Glaubens gelangen.

A:   Gott schenke Mut und Zuversicht

Lektorin: Barmherziger Gott, dein Wort: „Ich bin bei euch“ wird niemals vergehen. Wir danken dir für dein Versprechen und hören nicht auf dir Gott zu danken heute und in Ewigkeit.

Gebet am Volkstrauertag:

Die Namen vieler Männer, die im Krieg ihr Leben lassen mussten stehen hier aufgeschrieben. Sie waren Teil eines grausamen Geschehens, in dem Männer einander und Frauen und Kinder töteten. Frauen wurden vergewaltigt, Häuser angezündet, menschliche Seelen verletzt und in lebenslange Bitterkeit und Trauer gestürzt. Noch heute leiden nicht wenige unter diesem Erbe.

Krieg bringt Zerstörung und Tod. Er entmenschlicht die Menschen – auf jeder Seite der Front.

Besonders traurig macht, dass diese Männer von einem Diktator, einem Menschenfeind, einem Judenhasser in den Tod getrieben wurden, der viele in unserem Land in seinen mörderischen Bann gezogen hat.

Denken wir an die vielen Kriege, die derzeit auf unserer Erde geführt werden und wünschen uns, dass dieser Gräuel endlich zu Ende geht.

Lasst uns Beten:
Hab Erbarmen, Gott unser Vater, mit uns Menschen.
Immer wieder verlassen wir den Weg des Friedens.
Wir bestreiten das Recht der anderen
und denken nur an unsere Ansprüche.
Wir leben in Feindschaften und sind manchmal bereit,
dafür Unrecht zu verüben.

Sie auf unsere Not:
immer noch führen die Nationen und Stämme Kriege,
Frauen und Männer töten einander, statt für das Leben zu sorgen.

Wecke Propheten, die für den Frieden werben,
Lass sie Gehör finden. Lass uns Menschen Wege finden,
wie wir den Krieg für immer verbannen können.

Vergib denen, die im Krieg töten und getötet wurden.
Schau auf ihre Sehnsucht nach Leben und Überleben
und schenke ihnen den Frieden,
den sie in ihrem Leben nicht genießen konnten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Theaterpredigt über die Komödie „Der nackte Wahnsinn“

S          cheitern im

C         hor erzeugt

H         eiterkeit in der Mitwelt

E          ntsetzlich für den Scheiternden

I           solation und Einsamkeit

T          ränen je nach Eigenart des Scheiternden

E          nde alles aus

R         uinen aus denen doch ein

N         euanfang entstehen kann.

Ich will über Scheitern sprechen
Gedanken, kluge, zusammensetzen
sie sollten jetzt vorhanden sein
vielleicht haben sie ein Stell dich ein
gerade heut in meinem Hirn
sonst zum Scheitern ich verurteilt bin.

Liebe Zuhörende,
können Sie sich erinnern, wenigstens an drei Mal, wo sie gescheitert sind?
An einem Sudoku vielleicht oder einem Kreuzworträtsel?
Oder bei dem Versuch ein Instrument zu erlernen?
Manchmal ist es auch nur ein neues Marmeladenglas, das sich partout nicht öffnen lässt,
oder der Nagel, der nicht in die Wand will – statt dessen entsteht ein großes Loch im Wandputz.

Im Internet gibt es Fotoserien von missglückten Gala Roben,
im Privatfernsehen eine Serie mit Filmen von den lustigsten Missgeschicken.

Man amüsiert sich gern darüber.
Wer den Schaden hat – braucht für den Spott nicht zu sorgen!

Dick und Doof, der Zirkusclown – usw. Sie bringen uns zum Lachen durch ihre gespielte Ungeschicklichkeit, die übertreibt, dreimal übertreibt
und mit komischen Grimassen garniert,
was eigentlich jeden Tag irgendjemand passiert.

Vielleicht versöhnt es uns mit unseren eigenen Unzuläng­lichkeiten, wenn wir auf diese Weise darüber lachen können.

Das eben erwähnte ist alles nicht so tragisch.

Aber – vielleicht erinnern sie sich auch daran – ich wünsch es ihnen nicht:
man kann auch bei wichtigeren Dingen scheitern:
Als Ensemble an der Aufführung,
als Kletterer am Berg,
als Fahrschüler an der Führerscheinprüfung,
als Gymnasiast am Klassenziel,
beim Versuch die Sucht zu überwinden.
Im krassesten Fall, ,spricht man von einer gescheiterten Existenz.

Vor unserem Auge– dem Auge wohlsituierter Bürger – mit festem Einkommen und gemütlicher oder eleganter Wohnung – je nach Geschmack – stehen nun Junkies, verwahrlost und mit Alkoholgeruch, Menschen, die auf der Straße leben,
die irgendwie und wer weiß warum, Schiffbruch erlitten haben; gescheiterte Existenzen – eben.

Dient dieses Bild vielleicht nur dazu, uns von unserem eigenen Scheitern abzulenken?

Hatten wir nicht größere Ziele?
Wollten wir nicht einen neuen Lebensstil,
weniger „Haben“ und mehr Sein?
War es wirklich unser Traum, so angepasst zu sein,
abends den Fernseher einzuschalten oder am PC zu spielen?

Hat man sich nicht die eine große Liebe vorgestellt,
und dass man immer mehr zusammenwächst,
dass man den anderen unterstützt und Freiraum lässt,
und alles miteinander teilt – besonders die geheimsten Gedanken?
Hat man nicht sehr früh angefangen, etwas zu denken, was man dem anderen nicht hätte sagen wollen oder können?
Ist so nicht die eigene Welt entstanden, an der der Partner keinen Anteil hat?

Welches Scheitern verbirgt sich hinter dem anscheinend so gelungenem Lebenslauf?
Unter jedem Dach gibt es ein Ach!

Ist man deswegen ein schlechterer Mensch? Muss man sich dafür schämen?
Muss man das verbergen? – Kann das gelingen?

Man tut so, als ob! Das braucht niemand zu merken
Man will nicht zum Gespött der Leute werden.
Aber hinter vorgehaltener Hand erzählt man sich ….

Diese Widersprüchlichkeit hat leider unsere Gesellschaft befallen:

In Fernsehdiskussionen sagen Politiker öfter mal;
„Wir müssen uns ehrlich machen“ – Also ist scheinbar Unehrlichkeit im Spiel? Weil jeder eben nur die Fakten zitiert, die für seine These sprechen.

Diskutieren die wirklich, wie man diskutieren soll: Versuchen sie ein Problem zu klären, eine Lösung zu finden und die verschiedensten Argumente dabei zu berücksichtigen?
Oder diskutieren sie nur, um sich zu behaupten, so dass die Gegenseite „alt“ ausschaut.

Geht es wirklich um Probleme und ihre Lösung oder um Interessen und wie man sie durchsetzen kann?

Als konkretes Beispiel dient mir
das Problem der Millionen Menschen auf der Flucht, über 200000 davon in unser Land.
Man will den Zustrom durch strengere Gesetze begrenzen.
Zugleich verringert man die Mittel für humanitären Zahlungen z.B: an Flüchtlings­lager in Afrika um 1/3. So entsteht neue Not, die wiederum zu mehr Flüchtlingen führt.

Geht es um das Stück oder geht es um die „Flasche Schnaps“, die verzweifelt gesucht und versteckt wird?

Es werden viele schöne Worte gemacht,
die verschleiern, welche Grausamkeit sich dahinter verbirgt.

Steht unsere Gesellschaft, unser Gemeinwesen vielleicht vor dem komischen Scheitern im nackten Wahnsinn:

Es wird über die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung gesprochen – aber es gibt oft noch gar kein schnelles Internet, auch weil sich Bürger gegen die Sendemasten wehren.

In der Grundschule werden zwar Tablets eingesetzt, doch viel zu viele Kinder verstehen nicht mehr, was sie lesen.

Es werden Milliarden Subventionen in die Industrie gepumpt und zugleich kann über die Hälfte der Bevölkerung von ihrem geringen Einkommen nichts mehr für das Alter sparen.

In der Grundschule werden Kinder zu Streitschlichtern ausgebildet während andere oder auch die gleichen von ihren Eltern Handyspiele bekommen, wo es darum geht, möglichst viele Feinde zu töten.

Die Bischöfe tun immer noch als handelten sie makellos und seien quasi Gottes rechte Hand und weigern sich zu erkennen, wie große Löcher in den roten Soutanen klaffen. Sie halten fest am Feierton, an salbungsvoller Welter­klärungssprache, statt zu Jesus, zu den Menschen umzukehren und ihnen Hoffnung zu geben, dass sie die Welt zum Besseren wenden können.

Der nackte Wahnsinn ist unser täglicher Begleiter.

Ich wurde als kath. Pfarrer hierher eingeladen und will als solcher die Frage stellen:

Da Gott die Wahrheit ist
und uns Menschen durch und durch kennt,
wenn er dank seines Wissens
unser aller „So tun als ob“ zum Vorschein brächte:
und verfügte, dass jeder, der irgendwie nur so tut als ob, langsam an die Decke schwebte – wer würde noch am Boden bleiben?

Wie kommt es eigentlich zum Scheitern? Warum gelingt es uns nicht, dass Schein und Sein dasselbe sind?

Gerard Voss, der Einbrecher braucht den Schnaps –
Es gibt so viele Abhängigkeiten und Anhänglichkeiten.
Darauf wollen und können wir nicht verzichten.
Das wollen wir unbedingt. Egal – es muss sein.
Koste es, was es wolle.

Liebschaften –
haben schon manchen Lebensweg durcheinander oder in eine ganz andere Richtung gebracht – heimliche Liebschaften erfordern ein hohes Maß an „So tun als ob“ die Welt in Ordnung sei.

Aus Neid und Eifersucht ‑
bringen Menschen absichtlich durcheinander, stören, stellen alles in Frage, lösen Chaos aus – zum Schaden für die Beneideten und für die Neider selbst.

Wenn wir überfordert sind,
haben wir kaum eine Chance. Mission Impossible – das ist woran man eigentlich nur Scheitern kann! Wenn der Erfolgsdruck groß ist – was will man anderes tun, als so zu tun als ob der Job gut läuft?

Es bleiben mir noch zwei Aspekte:

Kennen sie die Angst vor dem Scheitern?
Als Pfarrer ist eine meiner skurilsten Ängste mich in der Messe am Wein zu verschlucken und reflexhaft auszuspucken – oder auch nur einen Schluckauf während der Predigt zu bekommen.

Schauspieler haben – vermutlich – Angst, den Text zu vergessen,
Autofahrer davor, zu schnell in die Kurve zu fahren und zu verunglücken.
Was ist ihr Alptraum vom nackten Wahnsinn, vom totalen Scheitern?

Und warum fällt es uns eigentlich so schwer, unser Scheitern zuzugeben und zu zeigen, statt es zu verbergen?

Es ist die Angst vor dem Gelächter. Vor dem Hohn, vor der Verachtung, vor dem Urteil der Meute.

Haben wir dabei nicht eigentlich vor uns selber Angst?
Weil wir mit dem Gescheiterten unbarmherzig sind?
Weil wir hart urteilen? Weil wir uns amüsieren?
Und so denken wir, die anderen sind genauso unbarmherzig wie ich selbst.

Oder ist es die Erfahrung, die wir gesammelt haben,
dass wer scheitert mit Spott und Verachtung überzogen wird?

Ich will wieder als Pfarrer, als Glaubender, sprechen:
Gott ist die Wahrheit – sagte ich. Vor ihm sich zu verstellen geht gar nicht – vielleicht kann ich mich vor mir selbst verstellen – sicher nicht vor Gott.

Aber – so lehrt es nicht erst Jesus, sondern auch schon der Glaube des Volkes Israel und später auch der Glaube Muhammads –
Gott ist barmherzig!

Er lässt uns nicht unter die Decke schweben – und wenn, dann lässt er uns auch wieder auf den Boden runter. Gott genießt nicht unsere Blamage, er freut sich nicht an unserem Scheitern, sondern wenn es uns gelingt unsere Menschlichkeit zu entwickeln und zu leben.

Dieser Zweiklang, dass es eh nicht geht, Gott etwas vorzumachen und dass Gott barmherzig ist, dieser Zweiklang erlaubt es, mit dem (teilweisen) Scheitern, das zum Leben eines jeden gehört, Frieden zu schließen.

Gott ist kein schadenfrohes Publikum, das in Gelächter ausbricht,
Gott ist kein gnadenloser Kritiker, der jede Schwäche aufspießt und – wenn er will – eine Aufführung völlig zerreißt.

Wir brauchen die Katastrophe nicht endlos weiterführen.
Wir dürfen das Scheitern zulassen, bevor wir bei dem Versuch es zu verbergen, wahnsinnig werden und einen Sardinenteller als die Lösung unserer Probleme sehen.

Vielmehr bietet uns das Leben die Chance, auf dem Weg weiterzugehen oder einen neuen zu beginnen.
Wenn wir jeden Tag versuchen, dem Schnaps, dem Neid, der Eifersucht, dem viel zu großen Ziel zu widerstehen und einfach richtig zu handeln,
dann wird die Welt nicht über uns zusammenbrechen wie ein Bühnenvorhang an morschen Seilen. Wir werden sie vielmehr zum Ort Machen, in dem die Barmherzigkeit miteinander die Wahrheit möglich macht.

Vor dem Scheitern keine Angst,
die Blamage geht vorüber.
Wenn nur das Herz in Ordnung bleibt,
und sich am Guten und am Schönen freut,
kann sich der Wahnsinn nicht ausbreiten,
sondern das Leben lebt in der Erde Weiten.

02.11.23: Allerseelen

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder, liebe Angehörige,
der seit einem Jahr Verstorbenen,
wir empfinden es als schlimm, wenn jemand stirbt, der uns viel bedeutet und mit dem wir eng verbunden sind. Wir möchten nicht, dass er weg ist.
Wir empfinden das als großen Verlust. Er/Sie fehlt uns. Das macht uns traurig. Es treibt uns die Tränen in die Augen. Es raubt uns die Lebens­freude. Was soll ich ohne sie/ihn?

Es kann sein, dass wir alles so machen, als lebte der andere noch.
So weigern wir uns, die Wirklichkeit anzuerkennen. Wir leugnen sie.
Zumindest eine Zeit lang, bis wir es irgendwann schaffen.

Es kann sein, dass wir Gegenstände und Fotos heraussuchen und Orte besuchen, wo wir mit dem Verstorbenen waren und schönes erlebt haben. So bleibt die Erinnerung lebendig. Die kann uns der Tod nicht nehmen. Bis wir irgendwann wieder offen werden für neue Erlebnisse und Erfahrungen.

Es kann sein, dass wir überlegen: es hätte anders kommen können:
wenn er da sich nicht so angestrengt hätte, wenn sie sich mehr geschont hätte, wenn er früher zum Arzt gegangen wäre, wenn ich mich besser durchgesetzt hätte oder auch ihn in Ruhe gelassen hätte – vielleicht würde der andere dann noch leben!

So ähnlich war es für Marta, die Schwester des Lazarus. Sie sagt zu Jesus:
„Wärest du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben!“

In diesen Worten liegt ein leiser Vorwurf, den Marta dadurch abmildert, dass sie sagt: Trotzdem glaube ich, dass Gott dir jede Bitte erfüllt!

Eine knifflige Situation für Jesus, den Freund des Lazarus und seiner Schwestern Marta und Maria. Soll er sich verteidigen? Soll er sie belehren? Wird er den Vorwurf zurückweisen oder Ausflüchte suchen, damit er die Situation beruhigt und wieder seinen Frieden hat?

Das Evangelium entwickelt als Lösung der Situation ein Glaubensgespräch über die Auferstehung der Toten. Marta erwartet die Auferstehung am Ende der Zeiten; wenn es mit der Welt zu Ende geht.

Der Evangelist führt die Gedanken weiter, indem Jesus sagt:

„Wer an mich glaubt wird leben – auch wenn er stirbt! Wer an mich glaubt, wird auf ewig (ganz gewiss oder überhaupt) nicht sterben.

Liebe Schwestern und Brüder,
wegen dieses Satzes glaube ich und baue darauf,
dass unsere lieben Verstorbenen weder irgendwelche Strafen erleiden, bevor sie ins Licht Gottes kommen, noch gibt es eine Wartezeit.

Ich glaube fest und überzeugt, dass es kein Fegefeuer gibt und dass die Verstorbenen nicht als „arme Seelen“ bezeichnet werden sollten, weil sie nicht arm sind, sondern reich:
Gott schenkt ihnen Heilung und Heil, sie sind jetzt vollkommen
– also ganz und gar so, dass es nicht besser geht.

Liebe Schwestern und Brüder,
nicht dass dieser Glaube den Trauerschmerz überflüssig machen würde.
Wir verlieren durch den Tod unsere Lieben – und das tut weh.
Bei einem länger, beim anderen kürzer, bei einem stärker, beim anderen schwächer – das ist ganz persönlich, individuell.

Doch dieser Glaube verändert die Situation:
Der Gedanke an den Verstorbenen ist hoffnungsvoll. Er ist im Licht.
Er ist am Ziel. Er hat Anteil an der Freude Gottes.
Für ihn darf ich mich freuen – ganz ohne Sorgen.

Ohne Zweifel fällt es einem leichter, an liebe Menschen zu denken, die nicht da sein können, wenn ich weiß, dass es ihnen gut geht.

Dann kann ich auch leichter das Schöne, das um mich ist genießen und mich daran freuen. Dann kann ich eher im Frieden mich dem zuwenden, was mich erfüllt.
Dann breitet sich leichter die Dankbarkeit aus und die Zufriedenheit oder auch die innere Aussöhnung mit dem was zwischen uns war.

Es war gut. Es darf gut werden hoffentlich bald.
Und ich darf auch traurig sein. Immer wieder und so lange wie es nötig ist.

Denn die Trauer ist der Heilungsprozess der Seele.
Unsere Verstorbenen wünschen uns sicher am meisten, dass wir wieder froh sein können – um so mehr, als sie in der Freude leben. Amen.

Fürbitten

Lektor: Guter Gott, du versprichst uns, dass wir im Leben und im Sterben bei dir geborgen sind. In der Hoffnung, dass unsere Verstorbenen bei dir leben, beten wir:

  • Wir bitten um Frieden für alle, die im Unfrieden mit sich und ihren Mitmenschen aus ihrem Leben gegangen sind.
  • Wir bitten um Geborgenheit für alle, die im Leben bedroht wurden und den Gefahren schutzlos ausgesetzt waren.
  • Wir bitten um dein göttliches Licht für die Menschen, die in ihrem Leben unter der Dunkelheit von Depression, Feindschaft und Zweifeln litten.
  • Wir bitten um deine göttliche Vollkommenheit für die Menschen, die uns ganz nahestanden und denen wir viel zu verdanken haben.
  • Wir bitten um Heilung und Befreiung für die Opfer von Gewalt und für allem deren Leben unter großen Schmerzen und Beschwerden zu Ende ging.

Lektor: Gott, du bist der Schöpfer des Lebens. Du bist auch das Ziel unseres Strebens und die Vollendung unserer Sehnsucht. Gib, dass nichts und niemand uns von dir trennen können. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

01.11.23: Hochfest ALlerheiligen

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
Die Allerheiligenlitanei beten wir an besonderen Höhepunkten:
bei der Taufe, an Ostern und auch bei der Priesterweihe.
In unsere persönliche Allerheiligenlitanei dürfen wir natürlich unsere lieben Verstorbenen einbeziehen und um ihre Fürsprache bitten:

Wir glauben ja, dass sie in Gottes Herrlichkeit sind und wir glauben auch, dass sie mit uns verbunden bleiben und dass sie uns wünschen, dass wir den Weg zu Gott gehen, weil wir bei ihm die Vollendung finden.

Christus hat uns in diese Heilsgemeinschaft berufen. Zu ihm rufen wir:

Herr Jesus Christus, du hast uns mit Gott versöhnt.
du hast uns die Botschaft des Lebens verkündet.
du hast uns die Tür zum ewigen Leben geöffnet.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
die wenigsten unter uns würden wahrscheinlich ihre Eltern, und Tanten, die schon verstorben sind als „Heilige“ bezeichnen ‑ obwohl die Lebensbilder beim Vorbereitungsgespräch der Beerdigung fast immer überaus positiv sind.

Warum gelten sie uns dann nicht als Heilige? Weil wir von Menschen, die als „Heilige“ verehrt werden, eine andere Vorstellung haben:

Entweder ihr Glaube war besonders tief – wie der der hl. Theresia von Avila, oder sie waren besonders überzeugende Theologen wie Albertus Magnus, oder sie haben sich besonders um die Armen gekümmert wir der hl. Bruder Konrad von Parzham, oder sie sind als Märtyrer gestorben wie Mater Maximilian Kolbe, oder sie gründeten einen Orden wie der hl. Franz von Assisi ….

Das Leben unserer lieben Verstorbenen erscheint uns dagegen viel zu normal, zu unscheinbar, zu unbedeutend. – Aber sind sie deswegen weniger „heilig“?

Es könnte auch sein, dass wir – aufgrund unserer engen Beziehung – nicht nur um die Vorzüge unserer Verstorbenen wissen, sondern auch um ihre Schwächen – so wie wir auch unsere eigenen Schwächen kennen.
Heilige erscheinen in der Lebensbeschreibung dagegen meistens makellos.
Dabei bezeichneten viele selbst als Sünder – und wahrscheinlich zurecht.

Haben die „Heiligen weniger „Sünden“? Sind ihre Sünden weniger schlimm?

Aber selbst der Apostel Paulus war an der tödlichen Verfolgung von Christen beteiligt – bis zu seiner Bekehrung! So schlimme Sünden haben die meisten unserer Verstorbenen nicht auf sich geladen: können sie uns dann nicht doch als „Heilig“ gelten?

Diese Anfragen werden nichts daran ändern, dass die Katholiken die sogenannten „Heiligen“ für Menschen halten, die von einem Papst nach ihrem Tod sozusagen einen Verdienstorden bekommen. Und wir denken, dass sie sozusagen ohne Umschweife in Gottes Herrlichkeit eingegangen sind.

Nur: Wer in den Himmel kommt, bestimmt nicht ein Papst – sondern allein der Schöpfer des Lebens – also Gott selbst.

Wir können allenfalls einen Unterschied machen, zwischen allen Heiligen und den von der Kirche „heilig“ gesprochenen. Ich möchte keineswegs die Besonderheit dieser kanonisierten Heiligen in Frage stellen. Und ich bin auch der Meinung, dass sie uns Vorbilder sein können.

Aber in einem haben sie uns nichts voraus: Wir sind – nicht weniger als sie – unserem Gott „heilig“.

Und weil wir ihm „heilig“ sind, gibt er uns alles – sich selbst.
Er macht uns zu seinen Erben, wir haben Anteil an seinem Leben,
wir sind ein Teil von ihm.
Er gibt uns, was wir brauchen, um zu leben: Luft und Wasser, Nahrung und alles, was wir brauchen. Noch wichtiger aber: er gibt uns Menschen, die uns Anerkennung schenken und Zuneigung und Menschen, denen wir unsere Liebe schenken können und mögen.

Wir feiern heute das Fest „Aller Heiligen“. Heute sind damit alle gemeint, alle, die Gott heilig sind, die er mit seinem Heiligen Geist beschenkt hat und beschenkt, alle, die über die Zeitgrenze in einer Gebetsgemeinschaft hinweg füreinander eintreten, alle, die Gott ehren und auf ihn hören, alle, die Gott jemals zu sich gerufen hat und rufen wird:

Selig sind sie, die Friedensstifter, die Barmherzigen, die an Gott Glaubenden, die Einfühlsamen, die am Unrecht in der Welt leidenden.

Die Offenbarung spricht von der großen, unzählbaren Schar aus allen Völkern und Sprachen: Sie alle haben Not und Verfolgung und die Last des Lebens durchgestanden und gehören zu Gott, der sie zu sich ruft – ohne Ansehen ihrer Herkunft und ihrer Abstimmung.

Sie alle sind Gott heilig und deshalb rettet er sie und ruft sie zu sich. Amen.

Fürbitten:

Lektorin: Herr, unser Gott, wir sehen den Himmel offen. Wir sehen Christus und alle, die mit ihm den Tod überwunden haben. Wir tragen dir unsere Bitten vor. Gott Ziel unseres Lebens

  • Wir beten für alle, die durch die Taufe geheiligt sind: Lass sie deinem Ruf folgen, dass sie an dich glauben, auf dich hoffen und in deiner Kraft Liebe schenken. Gott Ziel unseres Lebens.
  • Die Kirche des Himmels und die Kirche auf Erden bilden die Gemeinschaft der Heiligen. Höre auf die Gebete so vieler, die füreinander beten und eintreten. Gott Ziel unseres Lebens
  • Du schenkst unseren Verstoreben Herrlichkeit und Vollendung.
    Wir beten für die Armen und Notleidenden – dass sie schon in dieser Welt von ihrer Not befreit werden. Gott Ziel unseres Lebens
  • Du hast uns als dein heiliges Volk erwählt, damit deine Liebe und Menschenfreundlichkeit aus uns strahlt. Wir beten für die Kirche, dass sie ohne Men­schenfurcht für Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde aller Menschen eintritt. Gott Ziel unseres Lebens

Lektorin: Gott, dein Lob wollen wir singen. Durch uns soll die Botschaft vom Heil,  das du schenkst zu allen Menschen kommen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

29.10.23: 30. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
Die Allerheiligenlitanei beten wir an besonderen Höhepunkten:
bei der Taufe, an Ostern und auch bei der Priesterweihe.
In unsere persönliche Allerheiligenlitanei dürfen wir natürlich unsere lieben Verstorbenen einbeziehen und um ihre Fürsprache bitten:

Wir glauben ja, dass sie in Gottes Herrlichkeit sind und wir glauben auch, dass sie mit uns verbunden bleiben und dass sie uns wünschen, dass wir den Weg zu Gott gehen, weil wir bei ihm die Vollendung finden.

Christus hat uns in diese Heilsgemeinschaft berufen. Zu ihm rufen wir:

Herr Jesus Christus, du hast uns mit Gott versöhnt.
du hast uns die Botschaft des Lebens verkündet.
du hast uns die Tür zum ewigen Leben geöffnet.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
die wenigsten unter uns würden wahrscheinlich ihre Eltern, und Tanten, die schon verstorben sind als „Heilige“ bezeichnen ‑ obwohl die Lebensbilder beim Vorbereitungsgespräch der Beerdigung fast immer überaus positiv sind.

Warum gelten sie uns dann nicht als Heilige? Weil wir von Menschen, die als „Heilige“ verehrt werden, eine andere Vorstellung haben:

Entweder ihr Glaube war besonders tief – wie der der hl. Theresia von Avila, oder sie waren besonders überzeugende Theologen wie Albertus Magnus, oder sie haben sich besonders um die Armen gekümmert wir der hl. Bruder Konrad von Parzham, oder sie sind als Märtyrer gestorben wie Mater Maximilian Kolbe, oder sie gründeten einen Orden wie der hl. Franz von Assisi ….

Das Leben unserer lieben Verstorbenen erscheint uns dagegen viel zu normal, zu unscheinbar, zu unbedeutend. – Aber sind sie deswegen weniger „heilig“?

Es könnte auch sein, dass wir – aufgrund unserer engen Beziehung – nicht nur um die Vorzüge unserer Verstorbenen wissen, sondern auch um ihre Schwächen – so wie wir auch unsere eigenen Schwächen kennen.
Heilige erscheinen in der Lebensbeschreibung dagegen meistens makellos.
Dabei bezeichneten viele selbst als Sünder – und wahrscheinlich zurecht.

Haben die „Heiligen weniger „Sünden“? Sind ihre Sünden weniger schlimm?

Aber selbst der Apostel Paulus war an der tödlichen Verfolgung von Christen beteiligt – bis zu seiner Bekehrung! So schlimme Sünden haben die meisten unserer Verstorbenen nicht auf sich geladen: können sie uns dann nicht doch als „Heilig“ gelten?

Diese Anfragen werden nichts daran ändern, dass die Katholiken die sogenannten „Heiligen“ für Menschen halten, die von einem Papst nach ihrem Tod sozusagen einen Verdienstorden bekommen. Und wir denken, dass sie sozusagen ohne Umschweife in Gottes Herrlichkeit eingegangen sind.

Nur: Wer in den Himmel kommt, bestimmt nicht ein Papst – sondern allein der Schöpfer des Lebens – also Gott selbst.

Wir können allenfalls einen Unterschied machen, zwischen allen Heiligen und den von der Kirche „heilig“ gesprochenen. Ich möchte keineswegs die Besonderheit dieser kanonisierten Heiligen in Frage stellen. Und ich bin auch der Meinung, dass sie uns Vorbilder sein können.

Aber in einem haben sie uns nichts voraus: Wir sind – nicht weniger als sie – unserem Gott „heilig“.

Und weil wir ihm „heilig“ sind, gibt er uns alles – sich selbst.
Er macht uns zu seinen Erben, wir haben Anteil an seinem Leben,
wir sind ein Teil von ihm.
Er gibt uns, was wir brauchen, um zu leben: Luft und Wasser, Nahrung und alles, was wir brauchen. Noch wichtiger aber: er gibt uns Menschen, die uns Anerkennung schenken und Zuneigung und Menschen, denen wir unsere Liebe schenken können und mögen.

Wir feiern heute das Fest „Aller Heiligen“. Heute sind damit alle gemeint, alle, die Gott heilig sind, die er mit seinem Heiligen Geist beschenkt hat und beschenkt, alle, die über die Zeitgrenze in einer Gebetsgemeinschaft hinweg füreinander eintreten, alle, die Gott ehren und auf ihn hören, alle, die Gott jemals zu sich gerufen hat und rufen wird:

Selig sind sie, die Friedensstifter, die Barmherzigen, die an Gott Glaubenden, die Einfühlsamen, die am Unrecht in der Welt leidenden.

Die Offenbarung spricht von der großen, unzählbaren Schar aus allen Völkern und Sprachen: Sie alle haben Not und Verfolgung und die Last des Lebens durchgestanden und gehören zu Gott, der sie zu sich ruft – ohne Ansehen ihrer Herkunft und ihrer Abstimmung.

Sie alle sind Gott heilig und deshalb rettet er sie und ruft sie zu sich. Amen.

Fürbitten:

Lektorin: Herr, unser Gott, wir sehen den Himmel offen. Wir sehen Christus und alle, die mit ihm den Tod überwunden haben. Wir tragen dir unsere Bitten vor. Gott Ziel unseres Lebens

  • Wir beten für alle, die durch die Taufe geheiligt sind: Lass sie deinem Ruf folgen, dass sie an dich glauben, auf dich hoffen und in deiner Kraft Liebe schenken. Gott Ziel unseres Lebens.
  • Die Kirche des Himmels und die Kirche auf Erden bilden die Gemeinschaft der Heiligen. Höre auf die Gebete so vieler, die füreinander beten und eintreten. Gott Ziel unseres Lebens
  • Du schenkst unseren Verstoreben Herrlichkeit und Vollendung.
    Wir beten für die Armen und Notleidenden – dass sie schon in dieser Welt von ihrer Not befreit werden. Gott Ziel unseres Lebens
  • Du hast uns als dein heiliges Volk erwählt, damit deine Liebe und Menschenfreundlichkeit aus uns strahlt. Wir beten für die Kirche, dass sie ohne Men­schenfurcht für Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde aller Menschen eintritt. Gott Ziel unseres Lebens

Lektorin: Gott, dein Lob wollen wir singen. Durch uns soll die Botschaft vom Heil,  das du schenkst zu allen Menschen kommen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Zu Beginn der Tauffeier werden die Eltern angesprochen: „Sie haben für Ihr Kind um die Taufe gebeten. Es soll lernen, Gott und den Nächsten zu lieben, wie Jesus es vorgelebt hat. Sind Sie sich dieser Aufgabe bewusst?“
Das ist die knappste Zusammenfassung, die es für das Christ sein gibt!
Jesus selbst hat so erklärt, was seiner Meinung nach, das Wichtigste sei.

Ich möchte – in der gebotenen Kürze – über zwei Fragen nachdenken:
Was heißt es eigentlich, Gott zu lieben? Und:
Wie geht Nächstenliebe in unserer Zeit?

Mit dem ganzen Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Herzen sollen wir Gott lieben! Das ist viel verlangt. Denn wir können Gott nicht sehen, sie hat keine Gestalt, er singt weder in Tenor noch in Bass.

Zudem ist Gott vollkommen: er braucht keinen Trost, keine Zärtlichkeit.
Er ist die Fülle! Ich kann ihm nichts geben. ‑ Wie kann ich ihn lieben?

Die Liebe zu Gott ist weder die Kinderliebe noch die Elternliebe, weder die begehrende noch die hingebende Liebe. Trotzdem kann jeder dieser Arten der Liebe etwas andeuten, wie ich Gott lieben kann:

Wie ein Kind vertraue ich ihm und werfe mich ihm in die Arme. Ich möchte so sein wie er. Ich möchte können, was er kann. Ich schaue alles von ihm ab. Ich habe nicht die geringste Hemmung, meinen Schmerz, meinen Ärger und Zorn und meine Freude und mein Glück vor ich auszuleben.

Wenn Sie es abstrakter wollen und in sachlicher Sprache:
Gott ist der, dem ich für mein Leben danke!
Er ist der Größte und Wichtigste. Deshalb will ich nach seinem Willen handeln. Auf niemanden will ich mehr hören als auf ihn.

Gott ist meinen Augen und Ohren verborgen, ich kann ihn nicht tasten und riechen. Ich muss ihn mit dem suchen, worin ich ihm am ähnlich­sten bin: Mit meinem Willen, mit meiner Sehnsucht, mit meiner Seele, mit meinem Denken. Und zwar immer versehen mit dem Wörtchen „ganz“.
Da ich ohne Gott weder Vergangenheit noch Gegenwart noch Zukunft hätte, da ich ganz und gar an ihm hänge, liebe ich ihn mit ganzem Herzen, mit meinem ganzen Denken und mit meiner ganzen Seele.

Auf ihn ist alles ausgerichtet: das ganze tägliche Leben und Streben – vom Zähneputzen bis zur Mühe um die Liebe in der Partnerschaft.

Ich vergesse nicht Gebet und Mediation und Gottes­dienst. Da wenden wir uns Gott ausdrücklich zu, und hoffen, dass unsere Seele ihn hört und wir machen ihn zur Hauptsache unseres Lebens.

Und wie geht Nächstenliebe in unserer Zeit, in der geschossen und gebombt, gestochen und mit Bombendrohungen erschreckt wird?
Die 1. Lesung öffnet uns die Augen:

Israel wird schon während seines Auszugs aus Ägypten von Gott gemahnt:
Es hört sich martialisch an: „Einen Fremden sollst du nicht ausnützen denn ihr selbst seid im Land Ägypten Fremde gewesen. Ihr sollt keine Witwe oder Waise ausnützen. Wenn du sie ausnützt und sie zu mir schreit, werde ich auf ihren Klageschrei hören. Mein Zorn wird entbrennen und ich werde euch mit dem Schwert umbringen, sodass eure Frauen zu Witwen und eure Söhne zu Waisen werden.“

Es geht bei der Nächstenliebe nicht um unsere Liebsten, sondern um die Fernsten: Um die Fremden, um „Anderen“. Gerade all die Gewalt zeigt, wie verkehrt sie ist und wie notwendig und segensreich die Liebe ist:

Wenn die Hamas und das palästinensische Volk einmal anerkennen, dass Israel die Heimat ist für die Juden und wenn die Menschen im Staat Israel einmal anerkennen, dass Palästina die Heimat der Palästinenser ist und ihnen gehört; wenn alle anerkennen, dass der andere in Frieden und vom Ertrag seiner Arbeit leben soll, dann hat die Liebe gewonnen, dann werden die Frauen nicht mehr zu Witwen und die Kinder nicht mehr zu Waisen.

So leicht es ist, dies hier zu sagen – so wahr ist es auch!
Und es lässt sich so ähnlich sagen – wahrscheinlich für jeden Ort, wo man mit Gewalt versucht, den anderen aus dem Weg zu räumen.

Den Nächsten lieben heißt: seine Not wenden und mit ihm teilen, damit es ihm wohl ergeht.

Davon sagt Jesus ganz am Ende seines Weges nach Jerusalem:
Gott wird sagen: Was du dem geringsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Gott lieben heißt am Ende: Daran glauben, dass die uneigennützige Liebe, die zuvorkommende Liebe, die helfende Liebe, die teilende Liebe das größte und wichtigste ist.