22.10.2023: Weltmissionssonntag – 29. So im Jkr

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder,
bei einem ist es früher, bei einem anderen später:
ab einem gewissen Alter drängt sich der Gedanke auf:
Mein Leben neigt sich dem Ende entgegen. Die Zeit, die vor mir liegt, kann jeden Tag zu Ende sein.

Das ist eine heilsame Erkenntnis. Die richtige Folgerung daraus ist: Also ist jeder Tag kostbar und ich möchte so leben, dass ich mir nicht denken muss:
Warum hab ich da nicht angerufen?
Warum hab ich das auf später verschoben?

Es gilt jeden Tag zu nützen, dass es ein Tag ist,
der erfüllt und sinnvoll war:
vor allem auch, durch das Gute, das wir anderen erweisen.

Predigt: Liebe Schwestern und Brüder,
Drei Freunde bekommen Lego Steine.
Der eine erkennt sofort, was man damit alles bauen kann und hat seine helle Freude daran, ein tolles Kreuzfahrtschiff zusammenzubauen.
Ebenso der andere, er baut eine Ritterburg – fast wie Burg Eltz, wo er kürzlich mit seinen Eltern war.
Der Dritte – was glauben Sie, wie ich jetzt fortfahren werde – so ähnlich wie im Gleichnis von den Talenten! Ja genau. Am Ende fordert man ihn auf, seine Legos den anderen beiden zu schenken, weil sie bei ihm immer noch originalverpackt herumliegen. Irgendwie macht es ihn dann doch traurig.

Liebe Schwestern und Brüder,
zum Glück ist der dritte nur das schlechte Beispiel, wie man es nicht machen soll. Sein Beispiel sollen wir nicht nachahmen, damit es uns nicht so geht.

Gibt es solche Looser, solche Verlierer? Kennen sie welche?
Kennen Sie Gewinner, wie die ersten beiden, die ihre Talente verdoppelt haben?

Wie könnten wir Christen wieder zu solchen Gewinnern werden?
Genau darum geht es nämlich in dem Gleichnis:

Das viele Geld, die lange Abwesenheit des Mannes, der auf Reisen ging, das alles ist ein Beispiel! So sollen wir es machen, bzw. nicht machen.

Wenn wir es richtig machen, wenn wir Gottes Herrschaft stark machen, dann wird uns die Freude des Reiches Gottes vervielfacht – sagen wir „verhimmelfacht“ werden.

Der Ausgangspunkt, liebe Schwestern und Brüder ist, die Freude über die Legosteine – Entschuldigung: die Freude über das Reich Gottes, für das Jesus uns die Augen geöffnet hat:

Wir haben einen wunderbaren und riesigen Schatz empfangen:
die Erkenntnis, dass es in der Welt, im Leben nur um eines geht:

Wie wird die Liebe mehr! Wie wird der Riesenschatz an Liebe und Vorschussvertrauen, den Gott uns gibt, mehr?

Wem können wir diese Liebe schenken? Wer braucht sie am dringendsten? Wie können wir das tun?

Wie wird das Leben um mich herum mit Liebe angereichert?

Liebe Schwestern und Brüder!
ich will mich eigentlich mit nichts anderem aufhalten.
Meine Aufgabe ist nicht zu überlegen, wie der Bischof besser sein könnte, oder die Stadtverwaltung, oder die bayerische Staatsregierung.
Mein Auftrag ist nicht das zu tun, was andere tun müssen.

Mein Auftrag ist, da wo ich lebe,
den Menschen, die mir dabei begegnen,
und mit denen zusammen ich etwas unternehme,
mit Liebe zu begegnen, und aus Liebe zu sprechen und zu handeln:
Nicht aus Sorge um mich selbst, sondern aus Liebe zum anderen.

Wenn ich die Liebe in der Welt mehren kann,
wenn ich den Willen zur Liebe stärken kann,
wenn ich die Liebe sehen und bewundern  kann, die andere üben,
dann vermehrt sich die Freude über den riesigen Schatz,
der uns anvertraut ist.

Gott bewahre mich davor aus Angst, ich könnte versehentlich etwas Falsches tun, und es wäre es alles umsonst, nichts zu tun.
Ach wie traurig wäre das. Nein, ich will wuchern mit dem Talent, das uns allen gegeben ist,
mit der Freude über die Erkenntnis:
Die Liebe ist das wichtigste im Leben der Menschen.
Und wo die Liebe ist, da ist Gott!

Fürbitten

Lektor/in: Guter Gott und Vater, du hast uns die Erde anvertraut, dass wir sie zu einem Ort deiner Herrschaft machen. Dazu brauchen wir deinen Geist, der uns Mut und Vertrauen gibt. Darum bitten wir dich:

Himmlischer Vater:    (A) Schenke Mut und Zuversicht

  • Bewahre uns vor Resignation, wenn wir längere Zeit Schwierigkeiten aushalten müssen.

A:   Gott schenke Mut und Zuversicht

  • Krankheitsdiagnosen künden manchmal das Ende eines unbeschwerten Lebens an. Schenke allen Betroffenen den Blick für das, was möglich geblieben ist und den Glauben an deine Nähe.

A:   Gott schenke Mut und Zuversicht

  • Für alle, die ihrem Leben keinen tieferen Sinn geben: Dass sie aus der Gleichgültigkeit herausfinden und erkennen, wie viel Freude sie anderen schenken können.

A:   Gott schenke Mut und Zuversicht

  • Für alle, die Verluste erlitten haben, über die sie nicht hinwegkommen. Dass sie Menschen haben, die bei ihnen bleiben und ihnen so Mut und Zuversicht geben.

A:   Gott schenke Mut und Zuversicht

  • Für die Menschen, die alles negativ sehen: dass sie zur Freude des Glaubens gelangen.

A:   Gott schenke Mut und Zuversicht

Lektorin: Barmherziger Gott, dein Wort: „Ich bin bei euch“ wird niemals vergehen. Wir danken dir für dein Versprechen und hören nicht auf dir Gott zu danken heute und in Ewigkeit.

Gebet am Volkstrauertag:

Die Namen vieler Männer, die im Krieg ihr Leben lassen mussten stehen hier aufgeschrieben. Sie waren Teil eines grausamen Geschehens, in dem Männer einander und Frauen und Kinder töteten. Frauen wurden vergewaltigt, Häuser angezündet, menschliche Seelen verletzt und in lebenslange Bitterkeit und Trauer gestürzt. Noch heute leiden nicht wenige unter diesem Erbe.

Krieg bringt Zerstörung und Tod. Er entmenschlicht die Menschen – auf jeder Seite der Front.

Besonders traurig macht, dass diese Männer von einem Diktator, einem Menschenfeind, einem Judenhasser in den Tod getrieben wurden, der viele in unserem Land in seinen mörderischen Bann gezogen hat.

Denken wir an die vielen Kriege, die derzeit auf unserer Erde geführt werden und wünschen uns, dass dieser Gräuel endlich zu Ende geht.

Lasst uns Beten:
Hab Erbarmen, Gott unser Vater, mit uns Menschen.
Immer wieder verlassen wir den Weg des Friedens.
Wir bestreiten das Recht der anderen
und denken nur an unsere Ansprüche.
Wir leben in Feindschaften und sind manchmal bereit,
dafür Unrecht zu verüben.

Sie auf unsere Not:
immer noch führen die Nationen und Stämme Kriege,
Frauen und Männer töten einander, statt für das Leben zu sorgen.

Wecke Propheten, die für den Frieden werben,
Lass sie Gehör finden. Lass uns Menschen Wege finden,
wie wir den Krieg für immer verbannen können.

Vergib denen, die im Krieg töten und getötet wurden.
Schau auf ihre Sehnsucht nach Leben und Überleben
und schenke ihnen den Frieden,
den sie in ihrem Leben nicht genießen konnten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
wie kann ein Mensch so schlagfertig sein, wie Jesus? Die Frage, die man ihm stellte, was hinterhältig: „Darf man dem Kaiser Steuern zahlen oder nicht?“ Sowohl Zustimmung als auch Verneinung führen in die Katastrophe: Als Jude muss Jesus mit „Nein“ antworten – und muss mit der Verhaftung durch die Römer rechnen. Wenn er aber mit „Ja“ antwortet, ist er als Verräter offenbar, der den eigenen Glauben an den einen und wahren Herrn und Schöpfer der Welt verrät.

Die Entgegnung Jesu ist genial: Statt sich dem „entweder oder“ zu unterwerfen, findet Jesus zum „Sowohl als auch“! Der Kaiser darf fordern, was ihm zusteht – aber Gott sollen wir geben, was Gott gehört!

Waren sie jemals in einer ähnlichen Situation? Sie sollen sich entscheiden, aber jede Entscheidung ist falsch? – Die Coronaimpfung war für manche eine solche Situation: Lass ich mich impfen – viele befürchteten schlimme gesundheitliche Folgen für sich selbst. Lasse ich mich nicht impfen – dann kann eine Infektion mich niederstrecken.
Was ist richtig? Was ist falsch?

Was kann der Staat von mir verlangen?
Auf jeden Fall im Grundsatz Gesetzestreue: Verkehrsregeln, Baurecht, steuerliche Abgaben, Datenschutz, Gewaltverbot, …

Wo sind die Grenzen des Staates? Was kann er nicht von mir erwarten?

Was Gott gehört: Das ist meine Seele! Und was bedeutet das genau?
Am liebsten würde ich jetzt wirklich mit Ihnen reden, denn mich interessiert, wie sie das für sich denken und leben.
Es ist die Frage, was mir in meinem Leben wirklich wichtig ist – wofür ich sozusagen mein Leben geben würde:

  • Lieber würde ich arm werden, als durch eine Lüge reich.
  • Lieber ließe ich mich beschämen, als durch Gewalt meinen Stolz zu wahren.
  • Lieber ließe ich mir Gewalt antun, als dass meinen Lieben etwas geschieht.
  • Lieber sterbe ich, als jemand anders.
  • Lieber bleibe ich meiner Liebe treu, als Ehebruch zu begehen.

Gebt Gott, was Gott gehört – was bedeutet das?
es gibt dafür Worte, die aus der Bibel stammen, die aber heute fremd klingen und jungen Leuten kaum noch verständlich sind:

Ehrfurcht, Gehorsam und Liebe

Gott schulde ich Ehrfurcht: die Ehrfurcht vor dem Leben und der ganzen Schöpfung, die durch seine Kraft besteht und immer weiter geht.
Niemand sonst will ich höher schätzen. Niemand darf sich zwischen Gott und Menschen stellen. Gott ist der Einzige, dem die Ehre gehört.

Gott schulde ich Gehorsam, mehr als jedem anderen. Niemand kann von mir verlangen, einem anderen Unrecht zu tun. Vielmehr schulde ich Gott für Gerechtigkeit einzutreten.

Gott schulde ich Liebe, denn durch Gottes Liebe lebe ich. Sein Ebenbild soll ich sein. Die Liebe zum Mitmenschen, die Liebe zum Du, das kann Gott von mir erwarten. Liebe heißt: Du sollst leben.

Liebe Schwestern und Brüder,
dem Staat schulden wir viel. Wir sind ein Teil der großen Gemeinschaft und wir haben viele Pflichten, damit wir dazu beitragen, dass das Miteinander in der Gesellschaft friedlich und geordnet ist.

Gott aber schulden wir uns selbst – denn wir leben durch ihn und aus seiner Kraft.

01.10.23: Erntedank

Lesungen: Joel 2,21-24.26-27 – 1 Tim 6,6-11,17-19 – Lk 12, 15-21

Liebe Schwestern und Brüder,
Einen Bauer habe ich im Fernsehen sagen hören: „Eine solche Getreide­ernte hätte früher eine Hungersnot bedeutet. Heute kaufen wir das Getreide eben aus anderen Ländern ein!“ – Zum Glück ist das möglich.
Vielen anderen leider nicht!

Können wir dankbar sein? Haben wir Grund dazu?

Die Antwort fällt sicher verschieden aus: manche werden sich einge­stehen: Letztlich kann ich zufrieden sein – mit dem wie ich lebe und wie mein Leben verlaufen ist.

Manche werden vielleicht sagen: „Viel Glück hatte ich nicht im Leben und auch jetzt geht es mir nicht besonders gut.“

Für sie alle bedeutet „Erntedank“ jeweils etwas anderes.

Dennoch: ich will Gott danken – für diese heurige Ernte, die andere für mich eingebracht haben – und überhaupt: Ich will Gott danken!

Für das Rot der Tomaten und ihren Geschmack.
Für das Getreide und das tägliche Brot. Für Gemüse und Obst.

Dies alles ist lebendig und hält uns und alle Lebewesen – die essen, um den Hunger zu stillen am Leben!

Immer stärker wird mir bewusst, dass unsere Erde genügend Nahrung wachsen lässt für Mensch und Tier – wenn wir Menschen nicht der Habsucht verfallen und uns bewusst bleiben, dass die Erde und was auf ihr wächst, letztlich allen gehört:

Der erste Grund dankbar zu sein ist schon, dass ich bin! Ich müsste ja nicht sein. Auch ohne mich ist diese Welt schön und vollkommen. Aber es wurde mir geschenkt, da zu sein und Anteil zu haben: am Leben, am Schönen. Viele Menschen sind gut – gut zu mir.

Danke, dass ich lebe und danke für das Weltall, in dem diese Erde gehalten ist von den außerirdischen Kräften, die sie um die Sonne kreisen lassen. Diese Kräfte halten uns auf der Erde, sie lassen Gebirge wachsen und erhalten um die Erde die Hülle aus Luft, die wir atmen und die Strahlen der Sonne schenken uns Licht und wärmen uns.

Wir sind ein Teil dieser Erde – wir sind buchstäblich von der Erde genommen.

Deshalb sind wir verbunden mit allen Geschöpfen dieser Erde: Was wären wir ohne das Wasser in unseren Zellen und im Körpergewebe? Was wären wir ohne Calcium und Eisen in unserem Blut.

Liebe Schwestern und Brüder, ich will hier keine allgemeine Naturroman­tik pflegen. Es ist ein Wesenszug von uns Menschen, dass wir verbunden sind – mit allem was ist. Wenn wir dies vergessen und uns herauslösen wollen, wenn wir über Pflanzen und Tiere herrschen wollen, wenn wir die Erde ausbeuten, leugnen wir unsere Verbundenheit und unsere Abhängigkeit. Wir sägen an dem Ast, der uns trägt und hält.

Und wir würden durch unser Handeln leugnen, dass alles auf der Erde und im Weltall einen gemeinsamen Ursprung hat, dass eine Kraft in allem wirkt und wirksam ist: die Kraft zu Leben und zu sein.

Dies war der Fehler des reichen Kornbauern, dem eine so große Ernte geschenkt war. Er tat so, als sei sie sein Eigentum und vergaß, dass er verbunden ist mit allen Geschöpfen. Er vergaß, zu teilen.

Das Gleichnis lehrt uns: Wer vergisst, dass er Teil eines Ganzen ist,
dass er durch andere lebt, wer leugnet, dass er empfängt, damit er teilt,
wer sich loslöst und abschneidet von der großen Gemeinschaft des Lebens – der schneidet sich auch ab von der Quelle des Lebens, von dem, den wir Gott nennen und den wir mit dem Wort Gott meinen.

Liebe Schwestern und Brüder,
dankbar sein heißt sich verbunden und beschenkt fühlen und weckt von selbst die Bewegung zu anderen hin: Mit ihnen zu teilen und sich gemeinsam am Geschenk des Lebens zu freuen. Deshalb soll es und dürfte es unter der Gemeinschaft der Christen keine Armen geben. Unsere Dankbarkeit stiftet uns an, es dem Ursprung des Lebens, unserem Gott, gleich zu tun und miteinander zu teilen, damit wir gemeinsam Gott danken und ihn lobpreisen, der sein Leben mit uns teilt.

17.09.23: 24. Sonntag im Jahreskreis

Jesus, der Messias, Petrus der Fels sind weiter im Gespräch: Es geht um lösen und binden, um bitten und erhört werden, um das verlieren und wiederfinden.
Es geht darum, ob wir jemanden an seine Schuld binden wollen – so wie an einen Mühlstein, der ihn auf den Meeresgrund hinabzieht?
Oder wollen wir ihn von seiner Schuld lösen, damit er den Fluten entkommen, das rettende Ufer erreichen und am Leben bleiben kann?

Mit der Aufgabe der Vergebung hängt auch diese Frager zusammen: Welche Art von Gerechtigkeit brauchen eigentlich die, denen Unrecht getan wurde, damit sie Frieden finden und heil werden?

Diese Fragen beschäftigen uns selbst – nicht nur, weil sie im Ev. stehen!

Wer vergangenen Sonntag in einer kath. Eucharistiefeier war, hat das große Versprechen gehört: Alles, was zwei von euch einig erbitten, werden sie vom himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Unmittelbar daran schließt das Mt. Evangelium die Frage des Petrus an:
Jesus, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? (Lüge, Täuschung, üble Nachrede, bestehlen, Beleidigen?)
Petrus selbst schlägt ein Maß vor: die Siebenzahl, die ohnehin schon symbolischen Charakter hat und auf Vollendung hindeutet.

Jesus steigert das ins unermessliche und sagt sieben und siebzigmal. Er erklärt dies mit der sehr eindrucksvollen Geschichte von dem unbarm­her­zigen Knecht, die damit endet, dass er gebunden ins Gefängnis wandert.

Diese Geschichte macht mir bewusst, dass ich vor Gott – trotz allen Bemühens – immer ein riesiger Schuldner sein werde: Er hat mir unzählige Gelegenheiten gegeben, Liebe zu üben, und wie oft bin ich diese Liebe schuldig geblieben und bleibe sie Gott schuldig?

Jesus hat von Anfang bis Ende deutlich gemacht, dass ich Gott um Vergebung bitten darf und auf seine Vergebung vertrauen darf.

Was Menschen mir schuldig geblieben sind, oder sogar Böses getan haben, ist im Vergleich dazu nicht erwähnenswert.
Und deshalb, liebe Schwestern und Brüder, ist es so abscheulich, wenn ich es nicht schaffe, meinen Mitmenschen zu vergeben, wo ich doch auf die Vergebung meiner viel größeren Schuld durch Gott vertraue.

Die Kirche, also die Menschen, die versuchen, Jesus nachzufolgen und Gottes Barmherzigkeit zu verkünden, muss daraus die Konsequenzen ziehen: Die Aufgabe der Kirche ist es also gerade nicht, festzulegen, wann sie jemand ausschließt, sogar verfolgt, als Sünder erklärt,
Dies hat die Kirche leider oft getan und tut es immer noch!

Wenn sie die Menschen so an ihre Sünden, an ihre Schuld, Liebesschuld bindet, wird sie selbst alle Schuld zurückzahlen müssen – und wie bitter das ist, erleben wir gerade überaus schmerzlich!

Was Menschen brauchen, denen Unrecht getan wurde, ist weniger die Qual derer, die das Unrecht verübten, sondern zweierlei:
1. Dass sie geheilt werden, dass sie wiederhergestellt werden, dass sie nicht länger daran leiden müssen, was ihnen angetan wurde –
letztlich die himmlische Herrlichkeit.

Und 2. ist es notwendend, dass das Unrecht, das sie erlitten haben als solches anerkannt wird – besonders von dem, der es verübt hat und auch von der Gemeinschaft der Lebenden.

Dass wir als Kirche das doch endlich beherzigen würden, damit wir wieder frei werden und das Lob der maßlosen Barmherzigkeit Gottes verkünden dürfen.

Und so kann ich mir heute das Versprechen Jesu aneignen: Wann immer zwei Christen einmütig um die Vergebung für ihre Mitmenschen bitten, wird ihre Bitte erfüllt.
Sie werden erleben, dass sie frei werden, gelöst von aller Schuld, weil Jesus in ihrer Mitte selbst ‑ sie dazu bewegt und dafür gewinnt, die Fesseln der Schuld zu lösen. Amen.

10.09.23: 23. Sonntag im Jahreskreis

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
wie soll ich das auslegen, was ich gerade vorgelesen habe?
Teilweise fällt es mir wirklich schwer:

Den ersten Teil kann ich noch leichter verstehen: da geht es um das Verhalten gegenüber einem Mitchristen geht, der mir selbst gegenüber ungerecht war (Vorwürfe? Gerüchte?). Das gipfelt in dem Satz: Wenn du ihm vergibst, gilt das auch im Himmel: du wirst ohne Zorn und Wut in den Himmel kommen und der Mitchrist ohne Verurteilung und Vorwürfe.

Der zweite Teil klingt sehr freundlich. Es ist ein riesiges Versprechen: „Was immer zwei einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.“ Aber gerade deshalb ist es schwierig:

Entweder sehr viele unserer Gebete sind nicht einmütig, oder das Versprechen stimmt nicht: denn wie oft haben wir schon um Frieden gebetet: in der Familie; wie oft haben wir um Gesundheit gebetet, um Gerechtigkeit für die Armen usw.

Verzeihen Sie bitte, wenn es jetzt ein wenig kompliziert wird. Ich versuche, diesen Abschnitt in den Zusammenhang des ganzen Evangeliums zu stellen:

Unmittelbar vorher erzählt Jesus von dem Hirten, der ein einziges Schaf sucht, dafür die anderen 99 zurücklässt und sich über das eine Schaf, wenn er es wieder findet mehr freut, als über die 99.

Jesus geht es darum, dass niemand verloren geht! Die Regeln für den Streit unter Mitchristen haben also den Sinn, dass niemand verloren geht! So ist auch das Wort vom binden und lösen zu verstehen: Streit und Vorwürfe lösen, damit wir nicht gebunden, sondern gelöst – also frei – in den Himmel kommen.

Daran schließt sich das Versprechen der Gebetserhörung an begründet durch das zweite Versprechen: „Wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“. – „Im Namen Jesu“ ist damit etwas über den Inhalt der Bitten angedeutet?

Im Mt. Evangelium ist früher schon vom Bitten die Rede gewesen – und zwar in der Bergpredigt im 5. und 6. Kapitel:
Jesus preist – auf unsere Frage bezogen – die Barmherzigen und die Friedenssstifter selig!

Einige Absätze später mahnt er dann: Sorgt euch nicht um Essen und Trinken und Kleidung – Sorgt euch zuerst um das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit!
In unseren einigen Bitte soll es also nicht um unsere unmittelbaren Lebensbedürfnisse gehen.
Aber was dürfen wir einig erbitten und werden es auch erhalten?
Mit welchen bitten sorgen wir uns um das Reich Gottes?

Leicht ist es zu sagen: Wir erbitten das ewige Leben – nicht nur füreinan­der, sondern sogar auch für die, die ungerecht zu uns sind oder waren:

An die Erfüllung dieser Bitte glaube ich – aber niemand kann es in dieser Welt „überprüfen“.

Wir können um „Versöhnung“ beten: aber wohl nur um unsere eigene:
wenn also zwei Streitpartner miteinander einig sind und um Versöhnung beten – dann ist die Bitte schon in diesem Augenblick gewährt!

Was ist mit all den anderen Bitten für die Armen, für die Kranken, für die Sterbenden, für die Kirche für die Glaubenden und ihre Bischöfe?

Um all das dürfen wir beten – ganz sicher. Wir dürfen als Kinder Gottes unserem Vater alles sagen und bitten und uns dabei ihm anvertrauen. Aber sind diese Bitten mit dem Versprechen gemeint?

Trotz der vielen Votivbilder, die von Gebetserhörungen Zeugnis geben, würde ich sagen: Diese Art von Bitten  sind mit diesem Versprechen wohl doch nicht gemeint:

Was ist nun die Quintessenz?

Ich gebe zu, so richtig zufrieden bin ich mit diesen Gedanken auch nicht.
Ich habe versucht, mich heranzutasten und diese wunderschönen Sätze im Mt. Ev. zu verstehen.

Vielleicht sind Sie schon weiter!
Dann lasse mir gerne von ihnen weiterhelfen!

03.09.23: 22. Sonntag im Jahreskreis

Ansprache:
Jesus und Petrus, was ist das für eine Männerfreundschaft!

Gerade eben herrscht tiefstes Einverständnis: „Du bist der Messias!“ „Du bist der Fels!“

Im nächsten Augenblick dieses Aufeinanderprallen:
„Das darf nicht geschehen!“ Geh mir aus dem Weg, Du Satan!“

Warum? Weil Petrus unter „Messias“ etwas ganz anderes versteht als Jesus.

Petrus möchte mit seinem Messias Jesus etwas gewinnen: Das ganze Volk soll an Jesus glauben. Der Messias wird die Krankheiten beseitigen, und die Menschen werden nichts Böses mehr tun. Und natürlich werden auch die führenden Schriftgelehrten und Pharisäer und Hohenpriester davon überzeugt sein, dass Jesus der Messias ist. Das bedeutet auch das Ende der Fremdherrschaft durch die Römer!

Diese Art Siegermentalität ist genau das Gegenteil von dem, was Jesus tut und verkündet. Wer in dieser Weise siegen will, kann gar nicht anders, als andere zu opfern: Regeln definieren, wer nicht dazugehört. Sie müssen zum Schweigen gebracht werden, sie müssen sich beugen, schlimmsten­falls werden sie ausgeschlossen oder müssen sogar sterben.

Deshalb kann Jesus gar nicht anders als Petrus anzufahren:
Stell dich mir nicht in den Weg, sondern geh hinter mich!

Dann erklärt Jesus es den Jüngern:
Hinter Jesus gehen heißt: wichtiger als mein Gewinn ist meine Liebe.
Liebe wendet Kraft auf zu Gunsten anderer. Liebe verzichtet und schenkt.
Liebe trägt Schmerzen, Enttäuschung. Und weil es eben bei Jesus so gewesen war drückt es das Ev. so aus: : Wer liebt ist auch bereit, sein Kreuz auf sich zu nehmen.

Dann wiederholt Jesus sein jesuanisches Paradoxon, das darauf hinweist, dass die Genusswelt, die uns tagtäglich angepriesen wird, die Verschwendung, die Bequemlichkeit – eben nicht zum Leben führt, sondern in den Tod.

Liebe Schwestern und Brüder, wir erleben diesen Zwiespalt mehr als deutlich: Wir könnten versuchen, großen Schaden abzuwenden: Missernten, die Zerstörung der Küstenorte, Hungersnöte – allerdings müssten wir dafür einige Nachteile in Kauf nehmen:

Die Industrie niedrigere Gewinnmarschen,
die Milliardäre langsameres Wachstum ihres Reichtums,
die Wohlhabenden auf einige Annehmlich­keiten
und alle müssten zusammenhalten, damit den Armen keine zusätzlichen Opfer abverlangt werden.

Politiker, die so etwas sagen, werden geschmäht. Die Menschen wollen eben doch lieber „ihr Vermögen retten.“

Jesus schließt seine Unterweisung mit dem Hinweis auf das kommende Gericht: Der Menschensohn, Jeus und seine Botschaft, werden bei jedem Menschen offenbar machen, ob er andere geopfert hat für seine Bedürfnisse – oder ob er Kraft und Zeit und Geld geopfert hat, damit andere Liebe erfahren.

„Der Menschensohn wird jedem nach seinen Taten vergelten“ – heißt es: Das hört sich nach Drohung an. An anderer Stelle ist von Finsternis die Rede, vom Heulen und Zähneknirschen.

Die Vergeltung besteht darin, erkennen zu dürfen, wieviel Leben man durch seine Liebe geschenkt hat; wie viel man beigetragen hat, dass Menschen heil wurden; wie man anderen geholfen hat, an das Gute zu glauben und die Hoffnung zu bewahren.

Leben wir einfach so, dass wir uns darauf freuen können.
Was kann uns daran hindern?

23.07.23: 16. Sonntag im Jahreskreis

Einführung:
Gott beweist seine Stärke in dem er alles schont und milde richtet. Der Gerechte muss menschenfreundlich sein. Das hören wir in der Lesung.

Und noch besser: Gott schenkt uns die Hoffnung, dass er den Sündern Umkehr gewährt.

Für Gott ist niemand ein für alle mal verloren.
Es ist nie zu spät, um damit zu beginnen, ein guter Mensch zu werden.
Gott urteilt nicht ab, sondern er richtet gerade, was krumm ist und er richtet auf, was gebeugt ist.

Lasst uns Gott loben und preisen.

Ansprache:

„XXX regiert die Welt“ – Sie haben sicherlich das zutreffende Wort sofort gedacht. Aber wer regiert die Welt? Oder auch: wer sollte die Welt regieren? – Jetzt sind Sie an der Reihe: Was denken Sie?

Eine Weltregierung gibt es zum Glück nicht. Der Weltsicherheitsrat der UNO ist es jedenfalls nicht.

Soll eine Partei regieren, ein Regierungschef mit seinen Ministern, ein König, eine Partei – für eine begrenzte Zeit oder unbegrenzt? Alles hat seine Vor- und Nachteile!

Wer sollte diese Welt regieren?

Jesus sagt: „Kehrt um, denn die Königsherrschaft des Himmels (Gottes) ist nahe!“ Gott soll die Welt regieren! Das ist kein Appell an Gott, sondern an die Menschen in der Welt.

Die Herrschaft Gottes, das Himmelreich, ist das Ideal!
Also nicht das Geld, nicht eine politische Partei, nicht ein König oder ein Staatschef sollte mich regieren.

Es ist aber nicht so einfach: Denn Gott hat keinen Regierungssitz und keinen Beamtenstab. Gott unterhält keine Polizei, um die gesetzliche Ordnung zu gewährleisten und kein Militär zur Verteidigung oder gar zur Ausbreitung seines Reiches.

Gott hat nur eine Möglichkeit, zu regieren: Er spricht uns Menschen zu Herzen. In unserem Gewissen hören wir die Stimme Gottes. Es gibt keine höhere Instanz als diese. Deshalb sind religiöse, an Gott glaubende Menschen für jede Regierung, besonders für autoritäre, ein Problem.

Menschen, die an Gott glauben, hören in erster Linie auf ihr Gewissen, und versuchen Gottes Stimme darin zu erkennen. Die obersten Werte von uns Glaubenden sind eben nicht die Steigerung des Bruttosozialprodukts oder der Aktienkurs, und auch nicht die unbegrenzte Selbstbestimmung und das eigene Wohl.

Unsere obersten Werte beziehen sich auf das Miteinander der Menschen. Unser größtes Bestreben ist „gut“ zu sein, weil wir an den „Guten“, an Gott glauben und auf ihn hören.

Über diese Königsherrschaft Gottes spricht Jesus und sagt:
Wie ein wenig Sauerteig eine große Menge Mehl durchsäuert, so ist es auch mit der Herrschaft Gottes, mit dem Himmelreich: Es ist verborgen, aber im Verborgenen wird es immer größer und durchwirkt die ganze Erde – bis am Ende der Zeit, sichtbar werden wird:
Das Gute besteht, was Leben zerstört und zersetzt, vergeht.
„Die Reichen müssen gehen, ihr Gut verweht im Wind!“

Liebe Schwestern und Brüder,
Jesus hat die Verkündigung des Himmelreiches uns, die wir seine Jünger sind, anvertraut. Wir, seine Gemeinde, sind gesandt, dem Himmelreich, der Herrschaft Gottes immer mehr zum Durchbruch zu verhelfen. Dadurch sind wir Kirche Jesu Christi und Kirche Gottes.

Die Verkündigung im Gottesdienst ist eine der Aufgaben der Diakone.
In der Predigt sollen die Menschen stärken, ermutigen und auch darüber sprechen, welche Hindernisse uns im Wege stehen und wie wir sie erkennen und überwinden können.

Unser Diakon Gereon Piller hat diese Aufgabe in vielen Predigten angenommen und erfüllt. Er hat uns immer wieder angeregt, uns selbst zu prüfen, damit wir auf dem Weg bleiben und wirklich auf Gottes Stimme in unserem Gewissen hören und uns auch nicht von anderen Reizen und Stimmen davon abhalten zu lassen.

Für diesen Dienst der Verkündigung wollen wir ihm nach der Messe danken.

Jetzt aber dürfen wir miteinander bekennen, dass wir an Gott glauben, an den Guten und darin, dass wir von ihm her die Kraft haben, selbst gut zu sein:

Ich glaube ….

Fürbitten:

Gott, unser Vater, du bist bei uns – jeden Tag und zu jeder Zeit.
Voll Vertrauen rufen wir zu dir:

  • Wir beten für die Christenheit: Dass sie ihre Spaltungen überwindet,
    so dass alle Getauften im Sakrament der Eucharistie vereint sind. ‑ Christus, höre uns       A: Christus, erhöre uns
  • Wir beten für alle, die die Gute Nachricht vom Kommen des Himmelreiches verkünden für ihren Dienst, dass durch sie allen Menschen deine Güte bekannt wird.
    Christus, höre uns        A: Christus, erhöre uns
  • Wir beten für die Menschen in der Ukraine und für die russischen Soldaten, dass Präsident Putin den Befehl zum Ende des Krieges gibt.
    Christus, höre uns        A: Christus, erhöre uns
  • Wir beten für unser Bistum und für alle Bistümer in Deutschland: Dass auch unser Bischof sich für Erneuerung und für Veränderungen in der Kirche öffnet.
    Christus, höre uns        A: Christus, erhöre uns
  • Wir beten für die Kindern, Frauen und Männern in unserer Stadt um deinen Segen: stärke unter uns den Geist echter Gemeinschaft. Christus, höre uns           A: Christus, erhöre uns

Pr.: Ja Gott, du schaust voll Güte auf dein Volk und leitest es durch deinen Heiligen Geist. Wir ehren dich und danken dir heute und in Ewigkeit. Amen.

16.07.23: 15. Sonntag im Jahreskreis

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
wir beten und manche stoßen sich heute daran:

Vater, führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse – befreie – uns von dem Bösen.

Gott wird uns nicht in Versuchung führen; denn Gott ist der Gute.
Aber das Böse ist eine ständige Versuchung:

Das Böse, das wir erleben: die menschliche Bosheit, die böse Krankheit, das schreckliche Unglück –
das Böse kann uns versuchen, nicht mehr an das Gute zu glauben.

Gott, befreie uns vom Bösen, damit wir nicht in Versuchung geraten, den Glauben und die Hoffnung und die Liebe zu verlieren.

Ansprache:
Die Juden predigen die Gottesliebe und die Nächstenliebe seit 4000 Jahren. wir Christen haben das Gebot der Feindesliebe – seit 2000 Jahren.
der Buddhismus leitet an zur Erleuchtung und zum Einklang mit allem und zur Bedürfnislosigkeit, der Islam ruft auf zur Hingabe an Gottes Willen.

Muslime bekriegen sich gegenseitig,
ebenso wie Christen gegeneinander Krieg führen:
Juden liegen mit Muslimen in dauernder tödlicher Feindschaft
und auch Buddhisten üben Gewalt gegen scheinbar Fremde.

Ist alles vergeblich? Hat es überhaupt einen Sinn, an das Gute im Menschen zu glauben und danach zu suchen?

Haben die Recht, die sagen:
Europa gehört uns? Die anderen sollen draußen bleiben?
Haben die Recht, die lieber wieder die Nationalstaaten stärken und die europäische Einigung zurückdrängen wollen?
Ist es nicht gescheit, der Regel zu folgen: der stärkere hat Recht?
Ist es besser einen Feind vor Augen zu haben, als sich einzubilden er könnte ein Freund werden?

Doch wohin würde das führen?
Mit den Mitteln, die der Menschheit heute zur Verfügung stehen,
müssten wir damit rechnen, dass nur ein kleiner Teil der Menschheit überleben würde. Große Teile dieser Erde würden unbewohnbar.

So wie vor Millionen Jahren, als ein Meteorit auf die Erde stürzte und sie für lange Zeit in eine Eiszeit schickte, weil die Asche das Sonnenlicht von der Erdoberfläche abschirmte.

Heute würden wir eine solche drohende Gefahr sehr früh mit unseren Teleskopen erkennen und wir würde alles tun, um diese Gefahr irgendwie abzuwenden. Doch: Es wäre ein Naturgeschehen. Kein Mensch könnte etwas dafür.

Ich möchte mir nicht vorstellen, dass die Menschheit sich selbst entschließt, mittels Atomwaffen und anderem schrecklichen Mordwerkzeugen dieses Unheil selbst zu verüben.

Liebe Schw. und Br.; wenn wir den Parolen der Pessimisten folgen,
die sich als Messiasse gebärden,
wenn wir auf Stärke und Macht, auf Sieg und Überlegenheit setzen,
wenn wir dies tun würden,
dann glaubten wir nicht mehr an Gott, den Guten,
sondern an den Teufel, der das Böse verbreitet und der der den Gestank des Todes verströmt.

Hoffentlich fragen sie sich, was diese düsteren Worte in einem fröhlichen Freiluftgottesdienst verloren haben. Die Frage ist berechtigt.

Liebe Mitmenschen, um solchen Pessimismus zu vertreiben und den Glauben an das Gute zu stärken, hat Jesus das Gleichnis vom vierfachen Boden erzählt, das leicht zu verstehen ist, wenn man weiß:

Zu Jesu Lebzeiten säte man auf die brach liegende Erde und dann pflügte man den Samen in die Erde ein. Man sah also nicht genau, auf welchen Grund man säte. Viel von dem Samen ging verloren.
Dennoch war es vernünftig zu säen, weil – letztlich ‑ das meiste auf guten Boden fiel und Frucht brachte.

Diese Weisheit des Alltags – lass dich vom Misserfolg nicht abhalten, das Richtige zu tun – wendet Jesus auf den Glauben an das Reich Gottes an:
Und ich wende es heute auf die Weltzeit an, in der wir leben:

Auch wenn die Gewalt und die Befürworter der Gewalt immer mehr werden,
Auch wenn die Raffgierigen immer erfolgreicher scheinen,
Auch wenn die Verächter der Freiheit und der Würde des Menschen immer lauter ihren Hass und ihre Verachtung hinausschreien:
Die Zukunft liegt in der Hand derer, die daran glauben, dass Frieden möglich und Versöhnung unumgänglich ist.

Die Gewalttätigen zerstören und dann haben sie ihr Werk getan.
Die Raffgierigen raffen, bis die Beraubten sich ihren Teil gewaltsam holen.

Die an das Gute, an Gott, glauben, bleiben und säen die Hoffnung, die Saatkörner des Friedens, die Samen der Gerechtigkeit. Der Samen bringt vielmehr Frucht, als die Raben jemals fressen können. Sie sind dafür der Beweis. Amen.

Fürbitten

Lektor: Herr Jesus Christus, dein Wort verändert den, der es annimmt und dir glaubt. Es bringt reiche Frucht. Wir beten durch dich zum himmlischen Vater

  • Wir beten für die jungen Menschen: dass sie unruhig bleiben und auf der Suche bleiben nach dem Guten.
  • Wir beten für die Menschen, die sich von ihren Bedürfnissen und Wünschen treiben lassen: dass sie ihre Verantwortung für ihre Mitmenschen erkennen.
  • Wir beten für die Menschen, die nicht an dich glauben. Dass sie die Einsicht gewinnen, dass alles zusammenhängt und dass das Leben im Universum ein Geschenk ist.
  • Wir beten für die Glaubenden: für Christen und Muslime, für Buddhisten und alle Religiösen: dass sie dadurch stark werden, den Frieden zu mehren.
  • Wir beten für unsere christlichen Kirchen: dass sie mutig mit deiner Liebe unsere Gesellschaft gestalten.

Pr.: Darum bitten wir Dich, unseren Herrn und Gott, der Du durch deine Heilige Geistkraft Leben schenkst und allem Lebendigen Zukunft gibst in Ewigkeit. Amen.

09.07.23: 14. Sonntag im Jahreskreis

Ansprache:
In Liebesgeschichten gibt es nicht selten Verwicklungen. Es dauert manchmal lange Zeit, bis sie oder er oder beide merken, wie sehr sie geliebt sind und die Liebe erwidern.

Wie war das bei Ihnen, liebe (Ehe-) und Liebespaare? War da gleich am Anfang ein Funke, der allmählich zur Flamme wurde – oder dauerte es, bis der Funken endlich übersprang?

Diese mehr oder wenig romantisch-komischen Verwicklungen und Umwege, möchte ich als Verstehensmodell für diese so bekannten Jesusworte nehmen, die wir gerade gehört haben:

Jesus betet:
Vater ich preise dich dafür, dass es Menschen gibt, die verstehen, dass du aus mir sprichst und dass deine Kraft in mir wirksam ist. Sie verstehen, dass sie durch dich leben und dass sie das Leben von dir empfangen und bei dir finden und nicht aus eigener Kraft.“

Etwas übertrieben könnte man sagen:
Jeus ist froh darüber, dass es einige gibt, denen er die Augen dafür öffnen kann, dass Gott sie liebt und dass sie dadurch das Leben und die Freude finden.

In der Liebesgeschichte zwischen Gott und Mensch gibt es also wenigstens bei einigen ein Happy End.

Daran schließt sich der Heilandsruf Jesu an, der in der Apsis unter dem großen, die Menschen zu sich rufenden Christus steht.

Jesus möchte den Kreis derer, die zu ihm kommen weiten und sagt deshalb:
Kommt doch alle zu mir! Alle, die ihr euch so viel Mühe gibt und die ihr euch so viele Lasten auferlegt.

Da möchte ich noch einmal innehalten:
Die Menschen geben sich ja so viel Mühe mit allem Möglichen und nehmen so viel auf sich:

Sportler opfern ihre Gesundheit, um die besten zu werden.
Selbständige Firmeninhaber arbeiten Tag und Nacht und 7 Tage, damit das Geschäft gut läuft,
Politiker nehmen einen Termin nach dem anderen wahr – aus Pflichtbewusstsein und auch um wieder gewählt zu werden;
Auch glaubende Menschen steigern ihre Bemühungen im Gebet und Frömmigkeit manchmal bis zur Selbstaufgabe.

Dahinter steht oftmals die Haltung:
Ich kann mir nur selbst vertrauen. Es kommt nur auf mich an, damit ich ein gutes Leben habe. Ich plane mein Leben und ich sorge für meinen Erfolg.

Sie alle lädt Jesus noch einmal ein: Komm zu mir, ich bin gütig.
Ich verlasse mich selbst ganz auf Gott, meinem und euren himmlischen Vater. Er schenkt mir Zukunft und auch euch! Niemand kann sich selbst das Leben geben und erhalten. Ich nehme euch die Lasten ab.

Alle, die sich auf die Liebe eines anderen verlassen und einlassen, üben dabei genau das, wozu Jesus uns alle einlädt: Vertrau nicht auf dich allein. Vertrau auf den anderen und seine Liebe zu dir.

So üben sie sich darin, auch Jesus zu vertrauen, der uns einlädt, es wie er zu machen und ganz auf Gott und seine Liebe zu vertrauen.

In dem Vertrauen geliebt zu sein, können wir Frieden finden und frische Lebendigkeit, wie es das Wort erquicken andeutet.

Manchmal darf man sehen, wie zwei Menschen sich aneinander lehnen und schmiegen oder halten und stützen. Das ist ein wunderbares Gleichnis für das, was Jesus verspricht: Bei mir könnt Ihr Ruhe finden und Frieden.

Fürbitten

Lektor*in: Jesus sagt: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ Darauf vertrauen wir uns beten:

  • Für alle Frauen und Männer, die Jesu Botschaft verkünden:
    Dass sie den Menschen nicht Angst machen sondern ihre Hoffnung stärken.

Christus, höre uns.            (A) Christus, erhöre uns.

  • Für die gewählten Amtsträger im Staat und für die einflussreichen Wirtschaftsbosse: dass ihre Selbstlosigkeit und ihr Gerechtigkeitssinn größer werden.

Christus, höre uns.            (A) Christus, erhöre uns.

  • Für alle, die enttäuscht oder mutlos sind oder unter Depressionen leiden: dass sie ermutigende Nähe von Menschen erfahren.

Christus, höre uns.            (A) Christus, erhöre uns.

  • Für alle, denen der Zeitdruck und Leistungsdruck in unserer Gesellschaft zusetzen: dass sie Zeit und Gelegenheit und Raum finden zur Entspannung und Erholung.

Christus, höre uns.            (A) Christus, erhöre uns.

  • Für die Menschen, die sich aus Wut auf unseren Staat und seine Institutionen undemokratischen Gruppierungen zuwenden:
    Dass ihre Unzufriedenheit Gehör findet und dass sie sich nicht verführen lassen, menschenfeindlichen Parolen nachzulaufen.

Christus, höre uns.            (A) Christus, erhöre uns.

Herr, unser Gott, bei dir finden wir Ruhe und Kraft für unser Leben. Dafür danken wir dir im Heiligen Geist durch Jesus Christus jetzt und in Ewigkeit. Amen.

02.07.2023: 13. Sonntag im Jahreskreis

Einführung:
Der Selbsterhaltungstrieb ist tief in uns angelegt.
Jeder Mensch will leben und überleben und tut alles dafür.

Damit hängt eng zusammen das Bedürfnis, es sich angenehm einzurichten: warm ist besser als kalt, weich ist besser als hart, maschinelle Unterstützung ist besser als körperliche Anstrengung.

Klein ist der Sprung zu sagen: Hauptsache mir geht’s gut.

Die Menschen, die dafür sorgen, dass sie sich immer größere Teile des Bruttosozialprodukts sichern auf Kosten anderer leben diesen Egoismus besonders erfolgreich aus.

Sie riskieren aber damit den Frieden, den Zusammenhalt, die Achtung vor der öffentlichen Ordnung.

Das Evangelium sagt dazu: Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber dabei sein Leben verliert.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Du bist meiner nicht wert!
Du bist es nicht wert, dass ich mich mit dir befasse, auseinandersetze, für dich etwas tue, mit dir spreche!
Solche Entwertung des anderen ist – vielleicht stimmen sie mir zu ‑ ein schlimmes Unrecht.

Diese eindeutige Überlegung möchte ich an den Anfang stellen.

Da das Ev. uns mit solch schwer genießbaren Aussagen konfrontiert, möchte ich auch noch daran erinnern, was uns über Jesus erzählt wird:
Er sagt: Gib dem, der dich zwingt, nicht nur den Mantel, sondern auch das Hemd, geh nicht nur eine Meile, sondern zwei mit ihm.
Er sagt: Kommt alle zu mir, die ihr es schwer habt im Leben, bei mir findet ihr Entlastung, Ruhe Frieden.
Er sagt: Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen – also gerade die Menschen, die es scheinbar nicht wert sind.

Aber im 10. Kapitel des Mt.Ev., wir haben es gerade gehört ‑  heißt es:

Wer seine liebsten mehr liebt als Jesus.
Wem sein Wohlergehen wichtiger ist als Jesus, der ist es nicht wert,
– ja was jetzt?
Jesu Jünger zu sein, dass Jesus für ihn lebt und stirbt und aufersteht? dass Jesus ihn sendet?

Egal: Diese Aussage stellt eine Bedingung:
Du bist nur dann wert, dass du zu mir gehörst, und dass ich für dich da bin, wenn du mich mehr liebst als deine Allernächsten und Liebsten.

Und ich will es gleich sagen: Jesus sagt das mit Recht.

Denn in vielen alltäglichen Situationen fällt es uns ganz leicht zu sagen, im Geist Jesu zu handeln: wir leihen und gegenseitig, wir helfen einander, wir spenden sogar …

Aber manchmal wird es auch knifflig: Es kann schon ganz schön anstrengend werden, mit dem Freund. Der ist sich zurzeit selber nicht gut. Jedes Mal das Geschimpfe und Gejammere, das nervt.

Sicher fallen ihnen selbst Beispiele ein.

Wenn ich in solchen Situationen ausweiche, … wende ich mich von dem Weg ab, den Jesus mir zeigt und damit von Jesus selbst. Dann bin ich mir selbst der Nächste. Dann geht es jetzt erst mal um mich.

Wenn man es hart und zugespitzt sagt: Jesus ist es mir nicht wert!
So groß ist meine Liebe nicht. Ich will, dass es jetzt für mich passt –
ob das gut ist oder schlecht – darüber danke ich jetzt nicht nach.

Der Satz Jesu könnte also nicht nur lauten: „der ist meiner nicht wert“
sondern genauso: „Dem bin ich nichts wert.“

Es ist heilsam, wenn Jesus und sein Reich der aller oberste Wert im Leben ist. Das schützt auch unsere Allernächsten und Liebsten.

Um Jesu willen, lasse ich sie nicht hängen.
Weil ich an Gottes Reich glaube und Gottes Barmherzigkeit und Güte, bin ich barmherzig und will vergeben.

Um es ganz einfach zusammenzufassen:
wer sich und seine Ansprüche ganz nach oben stellt,
der verliert dabei oft Geliebte, Gemeinschaft, den Zusammenhalt, den Frieden, die Geborgenheit, den Rückhalt.

Wo das Ich überhandnimmt, verschwinden das Du und das Wir.

Wer Jesus und sein Reich an die erste Stelle setzt und deswegen Mühe und Anstrengung und Entbehrung und Schmerzen auf sich nimmt, der gewinnt mehr als er einsetzt: Er gewinnt das Licht, das in ihm leuchtet und die Freude, die unzerstörbar ist. Er gewinnt Gott, er findet sich selbst und sein Leben. Amen.

Fürbitten

Lektor: Gott, du Grund unserer Hoffnung, voll Vertrauen beten wir:

Du Gott des Friedens          V (A) Erfülle uns mit deinem Geist

  • Die vielen Kriege und gewaltsamen Auseinandersetzungen in der Welt machen uns traurig. Wir beten, dass die Menschen Wege zur Versöhnung suchen und finden und gehen.
  • Der menschengemachte Klimawandel führt zu Zerstörungen in der Natur. Hunderte Millionen Menschen verlieren ihre Lebensgrundlagen. Wir beten, dass die Menschen, besonders die Reichen von der Gier nach immer mehr Reichtum und Macht ablassen.
  • In unseren Gesellschaften gibt es tiefe Risse. Der Abstand zwischen Reich und Arm wird immer Größer. Der Protest und der Hass gegen die Regierenden immer Größer. Wir beten, dass die Menschen ihre Verantwortung füreinander erkennen und wieder mehr auf das Gemeinwohl achten.
  • Die christlichen Gemeinschaften und Kirchen sind gesandt Hoffnung und Mut zu stärken, dass Frieden möglich ist und möglich wird. Wir beten für alle, die sich für das Leben einsetzen und für die Zukunft der Menschen.

Pr.: Gott, du bist unsere Hoffnung, dass wir in dir Frieden finden für immer und ewig. Mache uns zu Boten deines Friedens durch Christus, unseren Herrn.