08.06.2023: Fronleichnam

Einführung:
Ich weiß ja nicht, was die Hälfte unserer Mitmenschen im Stadtviertel, die keiner Kirche angehören, darüber denken, wenn wir heute unter freiem Himmel singen und beten und hernach mit dem Baldachin aus Goldbrokat über der Monstranz betend und singend durch die Straße ziehn.

Für mich jedenfalls ist es ein Fest aus Freude darüber, dass wir danken können. In einem neueren Kirchenlied heißt es: Herr ich will dir danken, dass ich danken kann.

Wir danken für das Sakrament des Brotbrechens, in dem Christus unter uns ist und in dem wir seiner Liebe gewahr werden und sie annehmen.

Christ sein ohne dieses Sakrament – unvorstellbar.
Grüßen wir Christus, unseren Bruder und Herrn.

Ansprache:
Menschen, die es ganz bös mit uns meinen, bezeichnen uns Christen als Kannibalen, weil wir behaupten, wir würden den Leib Jesu essen und sein Blut trinken.

Tun wir das?
Immerhin heißt es ja bei der Austeilung der hl. Kommunion: „Der Leib Christi!“

Und in der Brotrede des Johannesevangeliums spricht Jesus noch drastischer: „Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tag.“ Usw.

„Fleisch und Blut“ Jesu – damit deutet das Johannesevangelium
eindeutig auf das ganze Leben und den Tod Jesu hin:

Er hat mit Fleisch und Blut
– wir würden vielleicht sagen: „mit Haut und Haar“ –
jedenfalls mit ganzer Kraft
und unter Verzicht auf jeden persönlichen Vorteil, alles dafür getan,
damit die Menschen an seinen Vater im Himmel glauben.
Damit sie verstehen und begreifen, dass der Vater ihr Leben will,
dass er ihnen vergeben will,
dass er ihnen ewiges Leben schenkt,
dass er unter den Menschen wohnen will.

Mein, unser Glaube an Gottes Treue und Liebe zu jedem von uns
lebt durch und aus dem Glauben an Jesus,
der von seiner Taufe durch Johannes angefangen
bis zu seinem Tod sein Leben, sein Fleisch und Blut,
genau dafür gegeben hat.

Fleisch und Blut – das ist ein eindeutiger Hinweis auf den Kreuzestod Jesu.
zu dem er verurteilt wurde für das,
was wir in der Messe feiern
und woran wir glauben: dass Gott ewiges Leben schenkt.

Das Evangelium treibt diese Bildsprache auf den Gipfel, wenn Jesus sagt:
„Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt“.

Darf ich es ganz einfach und bei weitem nicht so einprägsam sagen:
„Wer an Jesus und seine Botschaft glaubt,
wer das glaubt, wofür Jesus sein Leben gegeben hat,
hat das ewige Leben.“?

Deswegen beten wir nach den Einsetzungsworten im großen Dankgebet der Messfeier: Deinen Tod o Herr ….

Damit bin ich beim Fest Fronleichnam:
Wir feiern heute Eucharistie aus Freude darüber,
dass wir Eucharistie feiern.

Wir dürfen wirklich dankbar sein, dass wir die Messe haben:
das Mahl, in dem wir Brot teilen und uns immer wieder neu an Jesus Christus binden. Wir nehmen seine Liebe an und
empfangen von ihm das ewige Leben,
sein Geschenk ‑ Gottes Geschenk ‑ an uns.

Wer mit offenem Herzen und Geist Jesu Tod und Auferstehung feiert,
wird dadurch ermuntert und ermutigt und darin bestätigt, das zu tun,
was Jesus getan hat: für seine Mitmenschen zu leben,
ihnen (Gottes) Liebe zu erweisen, damit sie verstehen und begreifen,
dass Gott sie liebt und ihnen ewiges Leben schenkt.

„Tut dies zu meinem Gedächtnis“ hat Jesus gesagt:
Wascht einander die Füße, einer soll für den anderen da sein,
brecht das Brot miteinander, erinnert euch an mich und wie ich für euch gelebt habe! So wird unser Glaube gestärkt durch Jesus,
so wie Brot unseren Körper Kraft gibt,
damit wir Jesu Liebe annehmen,
die er uns mit seinem Fleisch und Blut, ganz handgreiflich geschenkt hat.

28.05.2023: Pfingsten

Liebe Schwestern und Brüder,
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!
Pfingsten ist nämlich unser aller Geburtstag, der Geburtstag der Kirche Gottes! Das Werk Jesu Christi – die Versöhnung der Menschen mit Gott ‑ ist vollendet, weil sein Geist uns erfüllt:
Der Geist der Gottes­kindschaft.

Das ist nicht zu vergleichen mit einem Computerprogramm, das so geschickt sein kann, dass wir sogar von künstlicher Intelligenz sprechen.
So wenig wie Eltern ihre Kinder programmieren können und wollen.

Der Geist Jesu, der Geist der Kindschaft, verleiht uns vielmehr Selbständigkeit und Freiheit.

Wir dürfen uns freuen, dass Gottes Geist in uns ist; dass es gar keinen Graben gibt zwischen Gott und uns Menschen, sondern dass Gott uns so nahe ist, wie Jesus der Sünderin war, die ihm die Füße geküsst hat oder seinen Jüngern, denen er die Füße gewaschen hat.

Aus Freude darüber singen wir Jubellieder wie: „Der Geist des Herrn erfüllt das All“, „Lobe den Herren“, „Großer Gott, wir loben dich“ und auch und warum nicht: „Ein Haus voll Glorie schauet!“

Ich würde wahrscheinlich einiges Kopfnicken bekommen, wenn ich sagen würde: So wie die Kirche derzeit dasteht, sollten uns die Jubellieder im Hals stecken bleiben.

  • Die Empörung über das Verhalten der Bischöfe und Prälaten gegenüber Missbrauchstätern und -betroffenen, erhält durch immer neue Entdeckungen und Enthüllungen beständig neue Nahrung;
  • Die Zahl der Menschen, die aus den Kirchen austreten ist so hoch, dass man schon einer Tsunami Welle sprechen muss;
  • die Zahl der Gläubigen, die sich zum Gottesdienst versammeln ist so klein, dass man nur mehr von einem kleinen Häufchen sprechen kann;
  • was viele Menschen vom christlichen Glauben wissen ist so wenig,
    dass man es mit der Lupe suchen muss.

So könnte ich noch mehr Sätze aneinanderreihen.

Und dennoch: Da ich an Christus und an sein Wort der Versöhnung glaube und da ich ihm glaube, dass wir vom Tod und von der Sünde befreit snd, habe ich allen Grund zu jubeln und zu jauchzen: Der Herr hat mich befreit. Er hat mir seinen Geist geschenkt. ‑ Nicht, weil ich Priester bin, sondern weil ich getauft und gefirmt bin – so wie die meisten unter uns.

Liebe Schwestern und Brüder,
die Kirche, das sind die Menschen, die durch den Glauben in der Taufe und in der Firmung den Heiligen Geist empfangen haben.
Wir alle sind berufen, das Werk Jesu weiterzuführen, damit das Reich Gottes wächst wie der Sauerteig eine große Menge Mehr durchsäuert.

Wenn Sie Ihren Mitmenschen mit Zuneigung und Herzlichkeit begegnen, erleben die Menschen darin Gottes Zuneigung.
Wenn Sie in ihrem Engagement für die Gemeinschaft in einem Verein treu sind, machen sie Gottes Treue sichtbar;
Wenn Sie Not sehen und lindern, erleben die Menschen Gottes Barmherzigkeit;

So bezeugen sie Gottes Liebe, die sie von Christus empfangen haben.

Liebe Schwestern und Brüder, auch wenn wir wenige geworden sind,
auch wenn wir und unsere Vorsteher keineswegs leuchtende Säulen sind, sondern vielleicht nur kleine Lichter,
dennoch haben wir Grund, aus frohem Herzen Gott zu preisen:

Denn Gott hebt den Niedrigen empor aus dem Staub,
die nach Liebe und Anerkennung hungern, beschenkt er mit seinen Gaben,
sein Geist spricht aus denen, die als gering und unbedeutend gelten,
die sich selbst für weise halten, werden als Toren entlarvt.

Liebe Schwester und Brüder, lassen Sie es sich bitte gesagt sein und nehmen sie es sich zu Herzen:

Gottes Geist ist in ihnen und er wirkt in ihnen und er beschenkt sie mit seinen kostbaren Gaben, damit sie ein Licht sind für die Menschen unter denen sie leben.

Wie immer sie leben und was immer sie tun:
Sie haben die Kraft es so zu tun, dass Gottes Reich wächst. Amen.

24.05.2023 ökumenischer Gottesdienst

Der Bibeltext:

Wir hören aus der Apostelgeschichte im 27. Kapitel

Paulus befand sich im Gewahrsam eines römischen Offiziers, der ihn nach Rom bringen sollte. Obwohl die Seefahrt in dieser Jahreszeit schon gefährlich geworden war, beschloss der Kapitän des Schiffes mit dem Offizier noch einen anderen Hafen anzusteuern, der besser für das Überwintern geeignet war. Sie fuhren los.

13 Als leichter Südwind aufkam, meinten sie, ihr Vorhaben sei schon geglückt; sie lichteten den Anker und fuhren dicht an Kreta entlang.

14 Doch kurz darauf brach von der Insel her ein Orkan los, Eurakylon genannt.

15 Das Schiff wurde mitgerissen, und weil es nicht mehr gegen den Wind gedreht werden konnte, gaben wir auf und ließen uns treiben.

18 Da wir vom Sturm hart bedrängt wurden, erleichterten sie am nächsten Tag das Schiff

19 und am dritten Tag warfen sie eigenhändig die Schiffsausrüstung über Bord.

20 Mehrere Tage hindurch zeigten sich weder Sonne noch Sterne und der heftige Sturm hielt an. Schließlich schwand uns alle Hoffnung auf Rettung.

21 Niemand wollte mehr essen; da trat Paulus in ihre Mitte und sagte: Männer, man hätte auf mich hören und von Kreta nicht abfahren sollen, dann wären uns diese Gefahr und dieses Ungemach erspart geblieben.

22 Doch jetzt ermahne ich euch: Verliert nicht den Mut! Niemand von euch wird sein Leben verlieren, nur das Schiff wird untergehen.

23 Denn in dieser Nacht ist ein Engel des Gottes, dem ich gehöre und dem ich diene, zu mir gekommen

24 und hat gesagt: Fürchte dich nicht, Paulus! Du musst vor den Kaiser treten. Und siehe, Gott hat dir alle geschenkt, die mit dir fahren.

25 Habt also Mut, Männer! Denn ich vertraue auf Gott, dass es so kommen wird, wie mir gesagt worden ist.

26 Wir müssen allerdings an einer Insel stranden.

27 Als wir schon die vierzehnte Nacht auf der Adria trieben, merkten die Matrosen um Mitternacht, dass sich ihnen Land näherte.

28 Sie warfen das Lot hinab und maßen zwanzig Faden; kurz danach loteten sie nochmals und maßen fünfzehn Faden.

29 Aus Furcht, wir könnten auf Klippen laufen, warfen sie vom Heck aus vier Anker und wünschten den Tag herbei.

30 Als aber die Matrosen unter dem Vorwand, sie wollten vom Bug aus Anker auswerfen, vom Schiff zu fliehen versuchten und das Beiboot ins Meer hinunterließen,

31 sagte Paulus zum Hauptmann und zu den Soldaten: Wenn sie nicht auf dem Schiff bleiben, könnt ihr nicht gerettet werden.

32 Da kappten die Soldaten die Taue des Beibootes und ließen es forttreiben.

33 Als es nun Tag werden wollte, ermahnte Paulus alle, etwas zu essen, und sagte: Heute ist schon der vierzehnte Tag, dass ihr ausharrt, ohne auch nur die geringste Nahrung zu euch zu nehmen.

34 Deshalb ermahne ich euch: Nehmt Nahrung zu euch; das ist gut für eure Rettung. Denn keinem von euch wird auch nur ein Haar von seinem Kopf verloren gehen.

35 Nach diesen Worten nahm er Brot, dankte Gott vor den Augen aller, brach es und begann zu essen.

36 Da fassten alle Mut und nahmen Nahrung zu sich.

37 Wir waren im Ganzen zweihundertsechsundsiebzig Menschen an Bord.

38 Nachdem sie sich satt gegessen hatten, warfen sie das Getreide ins Meer, um das Schiff zu erleichtern.

Ansprache:

Kirchenträume – Zwischen Schiffbruch und Aufbruch

Liebe Schwestern und Brüder, es ist großartig, dass wir hier sind: drei kath. Pfarrer, der Pst.ref in der ev. Kirche St. Matthäus zusammen mit dem ev. Pfarrer. Wie ist das möglich?

Wir verdanken dies der ökumenischen Bewegung. die seit der Weltmis­sionskonferenz im Jahr 1910 versucht, Gemeinsamkeiten der christ­lichen Konfessionen zu entdecken und herauszustellen. Das große Ziel ist die Einheit des Volkes Gottes, die Einheit der Christen wieder zu gewinnen.

Das Suchen nach Gemeinsamkeit und Einheit ist inzwischen eine lange Geschichte. Ich vergleiche Sie mit der Schifffahrt des Apostel Paulus.
Sein Ziel war es, die Gelegenheit zu bekommen, vor dem Kaiser für Christus Zeugnis abzulegen.

Trotz des Schiffbruches vor Malta erreichte er dieses Ziel. Im darauffol­genden Frühjahr gelangte er nach Rom. In seiner Wohnung empfing er viele Menschen, denen er Jesus Christus als Den Messias verkündete.

Ich bin voller Zuversicht, dass auch die ökumenische Bewegung ihr Ziel erreichen wird: „Die Einheit des Volkes Gottes“.

Wir sind schon weit gekommen: die ev.luth. Kirche und die röm.kath. Kirche haben nämlich schon 1999 die Glaubensfrage, die der inhaltliche Grund der Kirchenspaltung des 16. Jahrhunderts war, beigelegt: Die Frage Luthers: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Heute können ev.luth. und röm.kath. Christen diese Frage gemeinsam beantworten.
Der Kernpunkt der Kirchenspaltung ist überwunden.

Darüber hatte Luther gesagt: «Wenn wir nur das erreichen könnten, dass Gott allein durch die Gnade rechtfertigt, würde ich den Papst nicht nur seine Füße küssen, sondern ihn auf Händen tragen.»

Bei der Weiterfahrt auf dem ökumenischen Schiff gab es und gibt es leider heftige Stürme, die das Schiff gleichsam zum Kentern brachten.

Die Frage des Weihepriestertums in der Zuordnung zum allgemeinen Priestertum aller Gläubigen scheint unter anderem zum Zerschellen des Einheitsschiffes geführt zu haben.

Wir müssen daraus aber nur die richtige Lehre ziehen: Dass wir auf ein neues Schiff umziehen oder sogar auf eine ganze Flotte: Denn das Ziel ist nicht die Einheitlichkeit, sondern die Einheit der Christen.

Das Schicksal des Paulus lehrt uns: Die Fahrt geht weiter, auch wenn ein Schiff kentert. Entscheidend ist, dass die Personen auf dem Schiff gerettet werden.

Und das glauben wir alle: Christus hat uns gerettet. Aus seiner Gefangen­schaft schrieb Paulus an die von ihm so geliebte Gemeinde in Ephesus: „Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.“ (Eph 4,4-6)

Wenn wir gemeinsam und verbunden über das Meer der Zeit fahren, können wir gemeinsam Zeugnis geben für Jesus Christus, der uns gerettet hat. Und wir können gemeinsam Halt machen und Feste feiern.

Wir werden vielleicht bald gemeinsam das Gedächtnis an Jesu Tod und Auferstehung begehen und Gott für die Erlösung danken: „Deinen Tod o Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“ So wird uns bewusst, dass Jesus uns alle einlädt und uns von dem Brot und den Fischen gibt, die er auf dem Kohlenfeuer bereitet hat.

Liebe Schwestern und Brüder, die Gemeinschaft in der Eucharistie beruht auf dem gleichen Glauben, den uns die Hl. Schrift lehrt: dass Jesus Christus uns durch Gottes Gnade gerettet hat und dass wir auf seinen Namen getauft sind und durch ihn mit dem himmlischen Vater versöhnt sind als Familie Gottes.

Dieses Ziel vor Augen, können dürfen und sollen wir in unseren Gemein­den heute schon gemeinsam Zeugnis geben für Jesus Christus: in dem wir gemeinsam unseren Blick auf die Menschen und ihre Nöte werfen und uns gemeinsam ausdenken, wie wir den Menschen Gottes Nähe zeigen können. Gemeinsam Beten und singen. Das Evangelium betrachten.

Vielleicht haben wir sogar mehr Möglichkeiten, weil wir auf verschiedenen Schiffen unterwegs sind. Doch unser Steuermann ist einer: Jesus Christus.


01.05.23: 1. Mai Patrona Bavaria

Evangelium: Johannes 2,1-11 (Hochzeit zu Kanaan)

Einführung:
Maria, Schutzfrau Bayerns. Vor Unheil schützen und bewahren:
Vor Krieg, vor Bürgerkrieg, vor Armut und Hungersnot,
Erweitern wir die Anliegen:
Dass wir nicht zu Egoisten werden, dass wir unsere Verantwortung erfüllen, dass wir bereit sind zum Teilen, dass wir Not leidenden helfen,
Dass wir den Weg nicht verlassen, auf den Jesus uns gerufen hat und führt.

Ansprache:
Diese Hochzeitsgeschichte auszulegen ist hochinteressant und vielfältig. So beginnt Jesus im Johannesevangelium sein öffentliches Wirken nach seiner Taufe durch Johannes.
Von großer Bedeutung ist das Ziel der Geschichte, zu der alles hinführt:
„Er offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.“

Im Mk. Ev. sind die ersten Sätze Jesu nach seiner Taufe im Jordan:
Die Zeit ist erfüllt! Das Reich Gottes ist nahe.
Das Joh.Ev. drückt die gleiche Botschaft mit dieser Wundergeschich­te aus.

Herausgreifen möchte ich heute, was Maria zu den Dienern sagt:
„Was er euch sagt, das tut!“ Sie füllten die Krüge bis zum Rand mit Wasser. Geschöpft wurde bester Wein.

Es stimmt, wir können nur mit unseren begrenzten, menschlichen Kräften Gutes tun. Aber wenigstens das, sollten wir!
Die Hochzeit kann nicht gelingen, das Reich Gottes kann nicht unter uns wachsen, wenn wir nicht die Krüge wenigstens mit Wasser füllen.

Die Beschreibung des Reiches Gottes ist: Gerechtigkeit, Freiheit, Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit, Frieden und Liebe.
Diese Werte gelten als der Unterbau unseres Heimatlandes, unserer Demokratie in der die Menschenrechte an erster Stelle stehen.

Gerechtigkeit heißt, dass alle Menschen, jeder einzelne, Anteil haben kann an den Gütern, die zu einem menschenwürdigen Leben gehören.
Wenn die Güter nicht gerecht verteilt werden, ist die Demokratie nur noch eine hohle Phrase und Wahlen verkommen zur Bedeutungslosigkeit.

Wie kann es sein, dass 5 Personen ein so großes Vermögen haben, wie die unteren 32 Millionen zusammen? (PublikForum 1/2023)

Wenn wir in unserem Land auf Maria hören, und tun, was Jesus sagt, dann würden wir alle – und wirklich ALLE – mit unseren begrenzten menschlichen Möglichkeiten dafür sorgen, dass jeder Mensch in unserem Land Anteil haben kann an dem, was zu einem würdevollen Leben gehört. Dann würde das Reich Gottes sichtbar, dann bräuchten wir uns nicht um Demokratie zu sorgen.

Wenn wir auf Maria hören, werden wir unseren Beitrag gerne leisten und wir werden dafür eintreten, dass diese Pflicht wieder ins Bewusstsein kommt und dass ihr besser nachgekommen wird.

10.04.23: Ostermontag

Liebe Schwestern und Brüder,
der Glaube an den Tod und die Auferstehung Jesu Christi ist der Dreh und Angelpunkt des christlichen Glaubens. Wäre Christus nicht gestorben, gäbe es keine Auferstehung. Wäre Jesus nicht auferstanden wäre sein Leben vergeblich gewesen.

Seine Auferstehung ist ein himmlisches Ereignis – kein irdisches.
Und er – der Auferstandene Jesus Christus ist kein irdischer Mensch mehr.
Das zeigen die Ostererzählungen dadurch, dass Jesus unversehens „erscheint“ und ebenso plötzlich nicht mehr zu sehen ist. So ging es auch den beiden Jüngern, die ihn beim abendlichen Mahl am Brot brechen erkannten.

Es hilft nicht weiter zu fragen: Was haben die genau erlebt? Was haben sie gesehen?

So verschieden die Ostererzählungen auch sind: sie stimmen in einem Aspekt überein: Sie beschreiben etwas, das den Jüngern widerfahren ist. Sie haben es sich nicht ausgedacht. Es ist nicht das Ergebnis ihrer Überlegungen, sondern es wurde ihnen geoffenbart.

Und was sie erlebten, war so stark, dass sie das Risiko eingingen, die Auferstehung Jesu zu verkünden und auch, dass Jesus der Messias ist, der Gott und Menschen miteinander versöhnt.

Es war ein Risiko, denn Jesus war ja gerade erst hingerichtet worden, weil er als Messias mit göttlicher Vollmacht aufgetreten war.

Liebe Schwestern und Brüder,
das Bekenntnis zur Auferstehung Jesu Christi ist der Anfang von allen.
Schon wenige Tage nach Jesus Tod verkündeten die Jünger:
Jesus ist auferstanden und er wird auch uns auferwecken und alle die glauben.

Dieser Glaube ist die Wurzel für die Sorge um die Witwen und Waisen, für die Kranken und Armen. Dieser Glaube hilft uns, auch in den Schwierig­keiten und Problemen und Katastrophen aufrecht zu bleiben.
Denn wir haben versstanden: es kommt darauf an, dass wir Gottes Barmherzigkeit und Großzügigkeit unseren Mitmenschen zeigen.

07.04.23: Karfreitag

Liebe Schwestern und Brüder,
wir haben – wieder – gehört, wie Jesus festgenommen, angeklagt, verur­teilt, gefoltert und getötet wurde. Diese Leidensgeschi­chte ist nicht schön anzuhören. Aber wir tun es, weil das Leiden Jesu für uns Christen von größter Bedeutung ist. Warum eigentlich? Warum musste Jesus sterben?

Er starb, weil die jüdische Obrigkeit verurteilt Jesus nach ihrem Gesetz wegen Gotteslästerung zum Tod.
Sie hatten Angst, dass „alle an ihn glauben“. Dann würde vielleicht das Abkommen mit den Römern platzen und sie würden ihre Stellung und den Tempel und damit ihr gutes Auskommen verlieren.

Pilatus, der Vertreter der römischen Staatsgewalt, verurteilte ihn als „König der Juden“ also als einen Aufwiegler, einen, der die Staatsmacht nicht anerkennt, der die Macht an sich reißen will.

Warum starb Jesus? Mit diesen Erklärungen findet diese Frage für mich noch nicht eine richtige Antwort. Und außerdem: Es ist auch schwer und vielleicht gar nicht ganz möglich, diese Frage zu beantworten.

Jesus wäre für uns nicht der, der er ist, wenn er eines Tages an einer Krankheit oder an Altersschwäche gestorben wäre. Dieser Tod, diese Verurteilung gehört zu seinem Leben und war ihm – so erkennen wir im Nachhinein – von Anfang an vorbestimmt. Alle vier Evangelien stimmen darin überein, dass Jesus einen solchen Tod sterben musste. Sein ganzes Leben führte – trotz aller Begeisterung in Galiläa – auf dieses Ziel hin.

Aber warum musste Jesus sterben?

Wir können und dürfen und wollen die Augen nicht davor verschließen: Jesus starb, weil wir Menschen Sünder sind: Wir beschuldigen zu Unrecht. Wir erzählen falsche Gerüchte, Wir verraten. Wir sind bereit, um des eigenen Vorteils willen jemandem zu schaden, wir üben Gewalt, wir folgen unserer Angst, wir lassen uns aufhetzen und manipulieren.

An diesen Sünden ist Jesus gestorben. So wie jeden Tag Menschen an diesen Sünden sterben. Und wenn jemand es auf den Punkt bringt und sagt: „Diese Wirtschaft, diese Politik, tötet“ – wird er dafür ausgebuht – auch in unseren Tagen.

Warum musste Jesus sterben?

Das Evangelien erklärt immer wieder: Jesus musste sterben, damit wir an ihn glauben und durch den Glauben an ihn gerettet werden. Einer seiner letzten öffentlich im Tempel gesprochen Sätze ist: „Ich bin nicht in die Welt gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten.“

Nach diesen Worten ist Jesu Tod tatsächlich ein Tod für uns. Denn mit der Hingabe seines Lebens besiegelt Jesus seine Sendung, die er so beschreibt: „Der Auftrag meines Vaters ist ewiges Leben“.

Niemals würden wir diese Worte heute noch zitieren, wenn Jesus nicht bereit gewesen wäre, dafür sein Leben zu geben. Dadurch aber haben sie Kraft: sie überzeugen und sie wirken in den Menschen und bewegen die Glaubenden dazu, das Werk Jesu weiterzuführen und Menschen zu heilen und zu versöhnen.

Deshalb sagt Jesus zu Recht wiederholt: Der Menschensohn muss all das erleiden, „damit durch mich der Vater verherrlicht wird und damit ich im Vater verherrlicht bin“. Das bedeutet nichts anderes als:
Durch mein Leiden bin ich meinem Vater und seinem Auftrag treu. Er hat mich gesandt, den Menschen ewiges Leben zu verkünden.
Dass Jesus verherrlicht wird, bedeutet auch: „Alle Welt wird erkennen, dass meine Botschaft wahr ist: Gott schenkt Vergebung und ewiges Leben.
Das erste und wichtigste dabei ist: Gott über alles lieben und den Nächsten lieben, wie sich selbst.“

Jesus wird dadurch verherrlicht, dass wir Christen – gleich welcher Kirche – sein Werk weiterführen.
Es darf im Volk Gottes keinen höheren Wert geben als diesen:
Nichts darf uns daran hindern, diese Sendung zu erfüllen:
Nicht die Angst vor den Menschen und ihrem Urteil.
Nicht das Festhalten an der Spaltung des Volkes Gottes,
nicht die von der Kirche selbst festgesetzten Gesetze.

Jesus hat seinen Jüngern dafür die Vollmacht gegeben: Alles, was ihr bindet, wird auch im Himmel gebunden sein und alles was ihr löst, wird auch im Himmel gelöst sein.

06.04.23: Feier vom letzten Abendmahl

Liebe Schwestern und Brüder,
in Syrien und in der Türkei wankte buchstäblich der Boden unter den Füßen – Häuser stürzten ein. 10.000ende Menschen starben.
Innerhalb weniger Minuten geriet das Leben von Millionen von Menschen aus dem Gleichgewicht.

Was da buchstäblich geschah, passiert jeden Tag ungezählten Menschen:
eine Krankheit verändert das ganze Leben, ein Unfall stellt alles auf den Kopf, ein Partner trennt sich vom anderen, die Arbeitsstelle geht verloren, der Arbeitsplatz wird gekündigt, …

Ganz Europa – ja fast die halbe Welt – ist unsicher geworden durch den Krieg, den Putins Russland vom Zaun gebrochen hat. Der Weltfriede wankt. Unser Verhältnis zu China ist fragwürdig und unsicher. Die Demokratie ist in vielen Ländern brüchig geworden.

Die Erwärmung der Atmosphäre verändert die Lebensmöglichkeiten in vielen Ländern der Erde: Ernten, Tierhaltung, Trockenheiten und Überschwemmungen, Erdrutsche und, und, und.

Vermessen wäre es, zu sagen: „Keine Angst! Das wird sich alles wieder lösen. So schlimm wird es schon nicht“. Es kann tatsächlich sehr schlimm werden. Schlimmer, als wir es uns vorstellen möchten.

Dem, der wahrnimmt, wie unsicher der Grund ist, auf dem wir leben, stel­len sich diese und ähnliche Fragen: „Was zählt für mich? Was will ich? Wofür strenge ich mich an? Worüber kann ich mich freuen? Was gibt mir Kraft?“

Komprimiert: „Was hilft mir leben?“ und: „Wie geht das Leben weiter?“

Eigentlich sind uns die Antworten auf diese Fragen ins Herz geschrieben.
Uns: also jedem Mitglied der Menschheitsfamilie. Wer in sich hineinhört und erkennt, dass er ein Teil dieser Menschheitsfamilie ist, kann die Antwort in sich finden. Als Glaubender Mensch sage ich: Gott schreibt uns Menschen die Antwort ins Herz – Wir brauchen nur auf ihn hören.

Jesus von Nazareth, den wir unseren Erlöser und Herrn nennen,
hat in seinem Leben und Lehren die Antworten gegeben, die jeder in seinem Herzen finden kann:

Er hat geheilt – nicht nur in einem begrenzten Sinn als Wunderheiler.
Er hat den Menschen gezeigt, dass sie für ihn wertvoll und wichtig sind und liebenswert. Dieser Aufgabe hat er sich hingegeben, mit Haut und Haar und ganzer Kraft.

Gestritten hat er auch: mit Menschen die an der bestehenden Ordnung interessiert waren, weil sie in dieser Ordnung oben waren und also bessergestellt. Über manche Menschen urteilten sie, dass sie wertlos sind und nicht liebenswert, sondern zu verachten, wenn sie die Regeln nicht annehmen. Jesus wollte und konnte nicht hinnehmen, dass Menschen sich zwischen Gott und andere stellen.

In der Fußwaschungserzählung verdichtet das Johannesevangelium dieses heilende Leben Jesu: Ich habe euch ein Beispiel gegeben. Ihr sollt es ebenso machen.

Das ist die eine Antwort: Wie sehr auch die Erde wankt: die Sendung bleibt gleich: Heilt Menschen; zeigt ihnen dass sie für euch und für Gott liebenswert sind.

Die zweite Antwort schließt diesen Aspekt mit ein:
Jesus sagt beim Mahl: Das ist mein Leib, mein Blut – für euch gebe ich es hin, damit ihr glaubt, damit ihr glaubt: mir und an mich.
UND: Er teilte das Brot an seine Jünger aus:
Das hilft uns zu leben: Dass wir miteinander teilen. Das Brot und noch mehr: unsere Hoffnung, unser Vertrauen, unsere Schwachheit, unser Versagen, unser Bedauern und unsere Begeisterung.

Jesus sagt: Tut dies zu meinem Gedächtnis. So werdet ihr immer wieder stark. So helft ihr euch gegenseitig, auf die Stimme in euch zu hören, auf die Antwort, die Gott jedem ins Herz geschrieben habt und die ich euch vorgelebt und gelehrt habe.

Heilen und Teilen: die Hoffnungen und Ängste, die Leiden und Freuden. Das hilft uns zu leben und so geht das Leben weiter.

02.04.2023: Palmsonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Auf ein kleines Detail lenke ich ihren Blick.

In der Verhandlung vor Kajaphas, dem Hohepriester,
als sich keine zwei Zeugen finden, die das gleiche gegen Jesus aussagen,
drohte der Prozess gegen Jesus schon zu scheitern.

Eine Verurteilung wäre – nach jüdischem Recht – nicht möglich.

Deshalb unterbricht Kajaphas – so wie es das Ev. darstellt –
und befragt Jesus direkt. Er beschwört ihn und fragt:

Ich beschwöre dich beim lebendigen Gott:
„Bist Du der Christus, der Sohn Gottes?“

Jesus antwortet: Du hast es gesagt.

Und noch bevor der Hohepriester Jesus für diese „Gotteslästerung“ verurteilt, fügt aber Jesus hinzu:

„Ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen.“

Das Evangelium verkündet so den Glauben:

Jesus ist der Weltenrichter – auch über Kajaphas und den Hohen Rat.

Der nun aber – das wissen wir aus dem ganzen Evangelium – ist kein Richter, der Freude daran hat, Höllenstrafen zu verkünden.

Sein Gericht ist ein anderes.

Sein Gericht ist der Zuspruch der Gnade, des Lebens, des Heils.

Durch sein Gericht wird offenbar, was „Recht“ ist:

Recht ist es, Hungernde zu speisen, und Gefangene zu befreien.

Unrecht hingegen ist, vom Elend der Menschen ungerührt zu bleiben und Hilfe zu verweigern.

Liebe Schwestern und Brüder, Jesus sitzt zur rechten der Macht, der König des Friedens. Wir wollen so leben, dass wir uns auf sein Gericht der Gnade freuen können, wenn offenbar wird, dass wir recht getan haben.