22.02.2023: Aschermittwoch

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
Ich begrüße Sie alle sehr herzlich heute Abend in unserer Pfarrkirche und freue mich, dass sie gekommen sind. Wir wollen die österliche Bußzeit beginnen:

Im Namen des Vater und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Gnade und Frieden von Jesus Christus, unserem Bruder, Erlöser und Herrn, sei mit Euch!

Müssen wir denn Buße tun? Wofür? Haben das andere nicht viel mehr nötig als wir? Fühlen wir uns gegängelt durch den Appell Buße zu tun und zu fasten?

Das hängt davon ab, was wir unter Buße verstehen. Die Buße im christlichen Sinn bedeutet: Neuorientierung, Kurskorrektur.
Selbstkritische Reflexion ist sehr nützlich und hilfreich.
Sie kann der Anfang, um seine Lebensweise zu korrigieren.
Sie kann einem helfen, das Gute, das wir schon tun zu festigen oder sogar noch zu steigern.

Am Ende dieser Zeit der Selbstreflexion und Konzentration steht jedenfalls die Feier unseres Osterfestes. Der Jubel darüber, dass Christus nicht im Tod bleibt und dass wir mit ihm zum Leben in Gottes Herrlichkeit berufen sind.

Jesus ist in unserer Mitte. Ihn grüßen wir voll Freude und Dankbarkeit

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
wir feiern heute keine Eucharistie. Warum nicht? Das war doch immer so!
Denken Sie vielleicht. Und mit Recht. Da bin ich Ihnen eine Antwort schuldig.

Der Aschermittwoch bedeutet mir persönlich sehr viel. Er ist ein großer Schatz in unserer katholischen Kirche, den ich nicht missen möchte.
Wie Sie es auch handhaben mögen: Alle wissen um den Appell heute auf Fleisch und Fisch und Genussmittel zu verzichten: (Alkohol, Nikotin, andere berauschende Substanzen, Süßigkeiten). Das gilt ja eigentlich für jeden Freitag. Dazu kommt noch der Aufruf, sich an diesem Tag so wie am Karfreitag nur einmal satt zu essen.

Das sind an und für sich schon starke Signale. Und dazu kommt der Gottesdienst jetzt mit der Auflegung des Aschenkreuzes. Es wird von zwei Zusprüchen begleitet: „Bedenke Mensch, du bist Staub und zum Staub kehrst du zurück“ und „Bekehre dich und glaube an das Evangelium!“

Der erste Spruch warnt uns: Wir sollen an unsere Sterblichkeit denken und die entsprechenden Folgerungen daraus ziehen: Es geht um unsere persönliche Ausrichtung: Genuss, Wohlstand, Reichtum, Annehmlich­keiten, Luxus, tolle Erlebnisse, Fitness, Anerkennung, Erfolg, ….
Das alles ist erstrebenswert und das alles ist gut.
Aber: das alles ist Staub, so wie wir selbst. Es sind vergängliche Güter.
Sehr leicht wird daraus ein Egoismus, der auch in Kauf nimmt und akzeptiert, dass andere weniger haben und kränker sind – vielleicht sogar zu meinen Gunsten.

Richte dein Leben nicht darauf aus, toll zu sein, tolles zu erleben, reich zu werden, Erfolg zu haben.

Der zweite Spruch: „Kehre um und glaube an das Evangelium“ ist eine Ermutigung und eine Ermunterung: Dieser Spruch ermuntert an die Hauptbotschaft Jesu: „Ich verkünde euch eine frohe Botschaft: Das Reich Gottes ist euch nahe!“

Das Reich Gottes das ist Frieden, das ist Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, das ist Freiheit und Liebe.

Das Reich Gottes ist uns nahe. Jedem und jeder ist es erreichbar. Es steht uns offen. Es ist unsere Zukunft. Es ist die Zukunft, die Gott für uns bereit­hält – endgültig und unübersehbar.

Und deshalb soll unser tägliches Denken und Handeln, unser Wollen und Wünschen darauf ausgerichtet sein.

Wenn unser Leben zu Ende gehen wird, zählt mehr,
was wir für andere getan haben als was wir für uns getan haben.
es zählt mehr, wie wir Menschen geliebt haben und wer uns geliebt hat,
als was wir uns selbst gegönnt haben,
es zählt mehr, dass wir gerecht waren in unseren Ansprüchen,
als dass wir immer größere Ansprüche erfüllen konnten;
es zählt mehr, das wir verzeihen konnten, als dass wir uns durchgesetzt haben.

Liebe Schwestern und Brüder,
der heutige Tag ist ein Tag, in dem wir uns unsere Vergänglichkeit bewusst machen und vielleicht merken, wie sehr wir den vergänglichen Gütern nachlaufen.

Es ist ein Tag der Trauer darüber, dass unser Glaube an das Evangelium nicht größer ist.

Zum Zeichen dafür lassen wir uns Asche auf den Kopf streuen.

Die Eucharistie hingegen ist Zeichen des österlichen Jubels und Dankes.
Zeichen der natürlichen und ausgelassenen Freude über den Sieg des Lebens über den Tod.

Der Aschermittwoch ist aber Zerknirschung darüber, dass wir stattdessen dem nachlaufen, was uns im Sterben wie Staub zwischen den Fingern zerrinnen wird.

Geben wir der Umkehr Raum. Der Erneuerung. Dem Neuanfang. Dem Evangelium. Damit wir offen werden für das Reich Gottes, das uns so nahe ist.

05.02.2023: 5. Sonntag im Jahreskreis

Ansprache:

Wozu sind wir Christen gut in dieser Welt und auf dieser Erde?
Der letzte Satz des heutigen Leseabschnitts aus dem Mt. Ev. – Bergpredigt – bietet uns eine Antwort an:

„Damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen!“

Der Vater im Himmel soll aber nicht gepriesen werden, damit er sich besser fühlt. Gott ist vollkommen, er ist die Fülle des Lebens.
Es geht nicht um Gottes Wohlbefinden – es geht um die Menschen in der Welt und auf dieser Erde.
Wenn sie nämlich unseren Vater im Himmel preisen,
erkennen sie ihn an, dann hören sie auf Gott und leben nach seiner Weisung. Dann wird Friede in dieser Welt unter den Menschen, denen Gott seine Liebe schenkt.

Wir Christen, liebe Schwestern und Brüder, haben also eine Aufgabe, eine Sendung, eine Mission. Und dabei geht es nicht um uns als Gemeinschaft oder Institution. Es geht um die Menschen, die mit uns diese Erde bevölkern.

Jesus wählt eindrucksvolle Worte für diese Sendung:
„Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!“

Ohne Salz ist alles fad und mehr sogar: Salz ist lebensnotwendig.
Das gleiche gilt für das Licht. Ohne Licht gibt es kein Leben.

Das Evangelium verknüpft diese anspruchsvolle Zusage mit einer Warnung: Ihr Jünger Jesu, ihr Christen, könnt eure Sendung verraten:
Ihr könntet aufhören Salz der Erde zu sein und ihr könntet aufhören zu leuchten. Dann seid ihr überflüssig. Dann braucht man euch nicht mehr.

Das ist ungefähr die Sicht eines 36 jährigen im BR Interview: Er hat erklärt, er könne es trotz seiner christlichen Erziehung nicht mit seinen Werten vereinbaren, der Kirche anzugehören. Schuld seien die diversen Skandale in der Kirche und deren Vertuschung. Es ist fürchterlich, wenn Menschen ein solches Bild von uns haben.

Liebe Schwestern und Brüder, als Prediger muss ich nun aufpassen:
Oft werden für diese Sendung alle Christen in die Pflicht genommen – obwohl auf ihre Stimme sonst kein Wert gelegt wird. Der Pfarrer predigt und bestimmt und die Leute sollen gute Werke tun. Das wäre ungebührlich und ungerecht.

In diese Sendung Salz und Licht zu sein, sind alle einbezogen.
Als Pfarrer in der Pfarrei habe ich die Aufgabe, mich zu sorgen und zu kümmern, dass wir uns diese Frage stellen:
wie wir alle in diese Sendung erfüllen.

Welche guten Werke können wir tun und anstoßen?
Welche guten Werke können wir unterstützen und wie.
Wie verwirklichen wir gemeinsam, unsere Sendung, dass die Menschen unseren himmlischen Vater preisen für die guten Taten, die wir Christen vollbringen.

Die Antwort kann nicht von oben gefunden werden.
Die Antwort darauf können wir nur miteinander finden.
Dazu müssen wir zuerst gemeinsam auf das Wort Jesu hören.
Wir müssen darauf schauen, wie die Menschen leben,
und gemeinsam überlegen wie wir Salz und Licht sein können
und dies in die Tat umsetzen: nicht nur die Gemeindemitglieder,
nicht nur die Amtsträger, sondern wir alle gemeinsam als Kirche Jesu Christi.

Wie es aber geht, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein, das hat Jesus in den Sätzen zuvor erklärt: in den Seligpreisungen, die wir vergangenen Sonntag hörten und die dieser Stelle vorausgehen:

Selig, die arm sind vor Gott und die Anteil nehmen am Leid der Menschen; selig, die die niemandem weh tun und die für Gerechtigkeit eintreten; selig, die Barmherzigen und die ohne Arglist sind; selig, die Frieden stiften und die verfolgt werden, weil sie Gottes barmherzige Gerechtigkeit bringen.

Diese sind das Salz der Erde und das Licht der Welt.
Menschen, die so handeln, sind lebensnotwendig in dieser Welt.
Es wird sich immer wieder zeigen, dass sie es sind, die der Zukunft der Menschen einen Weg bereiten,
Es wird sich immer wieder zeigen, dass durch sie das Leben weitergeht. Und die Menschen dieser Erde werden Gott preisen, und selbst die guten Werke tun, die Menschen selig werden lassen.

2. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

Einführung:
Jeder von uns hat etwas, das ihn belastet, was ihm das Leben schwer macht, was ihn bedrückt.
Besonders schlimm finde ich, wenn ich mit jemandem Streit habe – noch dazu, wenn mir der Mensch wichtig ist.
Noch schlimmer ist es, eine richtige Feindschaft zu haben.

Leider gibt es unter uns Menschen viele Spaltungen und tiefe Gräben. Feindschaften, Neid, Konkurrenz, Ablehnung.
Leider gibt es auch in der Christenheit viele Spaltungen.

Wenn ich mir wünschen dürfte, von einer großen Last befreit zu werden, dann würde ich mir wünschen, dass die Menschen und erst recht wir Christen einander nicht ausschließen, sondern wie in einer Familie miteinander verbunden wissen.

Ansprache:

„Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“

In der Messfeier beten wir ein bisschen umgewandelt:
„Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt!“

Dieser Satz steht in einem ganzen Kosmos von bildlichen Vorstellungen über die Welt und Gott:

Gott ist der Schöpfer der Erde!
Der Mensch lebt durch ihn und aus seiner Kraft.

Der Mensch hat nicht auf Gott gehört:
Er möchte selbst bestimmen, was für ihn gut ist.

Er fügt anderen einen Schaden zu, für den eigenen Vorteil.
Das passiert uns jeden Tag:
Drängeln beim Anstehen und im Verkehr.
Etwas abstreiten, damit man keinen Ärger bekommt.
In der Probe abschreiben, damit man die Aufgabe lösen kann.
Es passieren noch viel schlimmere Dinge, von denen ich jetzt gar nicht reden mag.

Jesus nimmt die Sünde weg: Wie ist das gemeint?

1. Jesus sagt uns: Gott will trotzdem, dass es dir gut geht. Er verzeiht dir.
Er bleibt bei dir. Er straft dich nicht. Du bist und bleibst Gottes Kind.

2. Jesus nimmt die Sünde weg, das heißt auch, er zeigt uns, dass wir die Sünde nicht brauchen. Er zeigt uns, dass wir gut sein können zu den anderen. Er zeigt uns wie das geht. Wir können miteinander leben, ohne dass einer dem anderen etwas Schlechtes tut. Wir können helfen, teilen, trösten, …

Liebe Schwestern und Brüder,
das gilt für alle, die an Jesus glauben: für uns röm.kath., für die orthodoxen, für die evangelischen Christen.

Jesus nimmt die Sünde von uns weg. Eine große Sünde ist die Spaltung zwischen uns Christen:
Warum gibt es diese Spaltungen? Wegen Meinungsverschiedenheiten, wegen Rechthaberei, wegen gegenseitigen Beschimpfungen, weil man einander nicht zugehört hat, weil man selbst bestimmen wollte.

Dann wollte man nichts mehr miteinander zu tun haben.

Jesus nimmt die Sünde weg, was heißt das in diesem Fall:

Wir dürfen erkennen: obwohl es Unterschiede gibt, obwohl wir alle manche Dinge anders machen dürfen wir erkennen:
Wir glauben an Jesus, wir hören auf ihn, wir folgen ihm.

Die Spaltung muss nicht für immer bleiben. Wir können sagen:
Wir gehören zusammen, weil Jesus die Sünde von uns allen wegnimmt.
Und deshalb wollen wir auch miteinander beten.
Und deshalb dürfen wir auch beim Abendmahl,
bei der Kommunion unsere einander willkommen heißen.

Wir brauchen uns nicht gegenseitig ausschließen, sondern wir dürfen einander einladen.

Am nächsten Donnerstag üben wir das wieder.
Die ev. Christen und wir röm.katholischen Christen beten miteinander,
wir singen miteinander, wir hören miteinander auf die heilige Schrift und dabei spricht Gott uns zu Herzen.

Ich bitte Sie, dass wir das schätzen. Wir sind wirklich weit gekommen. Wir sind inzwischen Freunde geworden. Geschwister im Glauben.

Diese Gemeinschaft müssen wir pflegen und stärken und dadurch müssen wir auch unseren Kirchenleitungen klar machen: Wir möchten diese Spaltung nicht mehr: Auch wenn wir verschieden sind, wollen wir doch miteinander den Glauben feiern. Wir wollen uns gegenseitig zum Abendmahl und zur Kommunion einladen. Hoffentlich wird das bald.

FÜRBITTEN

Lektor/in: Gott, du bist unser Vater, in Gemeinschaft mit allen Christen beten wir zu dir:

Gott, Vater der Menschen – (A) führe uns durch deinen Geist

  • Wir beten für die Kinder, die heuer das erste Mahl die heilige Kommunion empfangen werden: dass sie in ihren Familien lernen, als Jünger Jesu zu leben. Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten für die Eltern, die ihre Kinder zur Taufe gebracht haben: dass sie die Verbindung mit Jesus halten und mit ihren Kindern beten und Nächstenliebe üben. Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten für alle Menschen in unserem Stadtviertel: dass wir offen sind füreinander und dass Menschen in Not geholfen wird.
    Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten für unsere Pfarrgemeinde und für die Matthäusgemeinde und für die Pfarrgemeinde von St. Albertus Magnus: Dass wir den Glauben gemeinsam leben lernen und dass wir zum Segen für die Menschen in unserem Stadtviertel werden. Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten für alle christlichen Kirchen: dass wir die Spaltungen überwinden, dass wir unsere Gemeinsamkeiten immer mehr entdecken und dass wir bald gemeinsam das Herrenmahl feiern können.
    Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten um den Frieden überall dort, wo Menschen Krieg gegeneinander führen, wo Feindschaft besteht, wo Angst und Schrecken die Menschen plagen. Gott, Vater der Menschen –

Priester: Himmlischer Vater, wir loben dich für deine Gaben, für den Geist, der in uns ist und uns lenkt und treibt. Gib, dass wir deinen Segen erfahren, dass wir dir danken durch Jesus Christus, unseren Herrn.

08.01.2023: Taufe Jesu

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Liebe Schwestern und Brüder,
immer wieder fragen Eltern im Taufgespräch nach einem Taufspruch oder schlagen mir einen vor: Zum Beispiel: „Gottes Engel mögen dich behüten!“ Nach einem Satz von Psalm 91. Es ist ganz gut, dass dieser Brauch aus der evangelischen Kirche langsam auch von katholischen Eltern übernommen wird.

Manche evangelische Christen leben wirklich mit ihrem Taufspruch und machen ihn zu ihrem Lebensmotto. Es ist erstaunlich, wie ein solcher Satz auf verschiedene Lebenssituationen bezogen und fruchtbar werden kann.

Im Evangelium gerade haben wir von einer entscheidende Episode im Leben Jesu gehört. Wie wichtig dieses Erlebnis für Jesus war, zeigt sich darin, dass alle vier Evangelien davon berichten. Nur 2 Evangelien hingegen erzählen etwas von der Geburt und Kindheit Jesu.

Aber das erste was von dem Mann Jesus aus Nazareth, Sohn der Maria und des Josef aus Nazaret in Galiläa erzählt wird, ist, dass er zu Johannes an den Jordan kam, um sich von ihm taufen zu lassen.

Diese Taufe ist nicht dasselbe wir unsere christliche Taufe, die in der orthodoxen, der röm.kath., der altkatholischen und in all den Kirchen der Reformation gespendet wird. Die Taufe des Johannes war eine symbolische Waschung im Jordanfluss. Die Menschen kamen zu ihm, bekannten ihre Sünden und erhielten den Zuspruch der Vergebung. Sie wollten sozusagen von ihren Sünden reingewaschen werden – aber nicht durch das Blut eines Opfertieres, sondern indem sie im fließenden Wasser des Jordan untertauchten.

So kam also auch Jesus zu Johannes – wie die vielen anderen Leute. Das Evangelium weist schon darauf hin, dass Jesus keine Reinwaschung von Sünden nötig hatte.

Entscheidend ist aber, was Jesus bei dieser Taufe erlebte, was jedenfalls alle vier Evangelien damit verbinden:

Jesus sah den Geist auf sich herabkommen und hörte Gottes Stimme:
„Dieser ist mein geliebter Sohn, der mir gefällt!“

Das, Schwestern und Brüder, ist der Taufspruch Jesu, das ist sein Lebensmotto. Das ist die Grundmelodie seines Lebens.

„Du bist mein geliebter Sohn“:

Aus dieser Grunderfahrung und Grundhaltung heraus hat Jesus gelebt.

Als er Menschen begegnete, die unter ihrer Schuld litten: Da ich Gottes geliebter Sohn bin, will ich dir zeigen, dass auch du von Gott geliebt bist – trotz und mit deiner Schuld.

Als er Menschen begegnete, die unter ihrer Krankheit litten: Da ich Gottes geliebter Sohn bin, will ich dich aufrichten, denn Gott liebt dich – in deiner Krankheit und er schenkt dir sein Heil.

Als er Menschen begegnet, die auf der Suche sind nach einem sinnvollen Leben: da ich Gottes geliebter Sohn bin, will ich diese Erfahrung mit euch teilen. Auch ihr könnt und dürft immer wissen und anderen zeigen, dass ihr Gottes geliebte Kinder seid.

Und auch am Lebensende ist das die Quelle dessen, was Jesus tut: Da ich Gottes geliebter Sohn bin, werde ich daran nicht zweifeln und auch nicht daran, dass jeder Mensch Gottes geliebtes Kind ist – auch ihr, auch wenn ihr mich deshalb als Gotteslästerer verurteilt und mit dem Tod bestraft.

Liebe Schwestern und Brüder,
wir wurden getauft. In der christlichen Taufe wird uns zugesagt, dass für uns gilt, was für Jesus gilt und für jeden Menschen:

Du bist Gottes geliebtes Kind.

Das ist das grundlegendste, was man von einem jeden Menschen sagen kann. Stellen sie sich vor, wir würden wirklich in jeder Begegnung mit einem anderen Menschen aus dem Bewusstsein handeln:

Weil ich Gottes geliebtes Kind bin und weil auch du Gottes geliebtes Kind bist, …..

Die Freude Jesu, das Glück Jesu, wäre in uns.

Aber in jeder sonntäglichen Danksagung dürfen wir uns neu vergewissern: Ich und du, wir sind Gottes geliebte Kinder und deshalb

Fürbitten:

Pr.: In der Taufe hat sich der dreieinige Gott mit uns verbündet. Am Fest der Taufe Jesu bitten wir:

Du, Gott des Lebens A: Wir bitten dich, erhöre uns.

  • Für unsere Kirche: um den Heiligen Geist, dass sie von dir Zeugnis geben kann und von dem Heil, das von dir kommt.
  • Für alle christlichen Kirchen und Gemeinschaften: dass die Sehnsucht nach der Einheit in der Eucharistie wach bleibt.
  • Für alle Menschen, die an sich zweifeln und manchmal verzweifeln: dass sie Mut und Kraft daraus schöpfen können, dass sie von dir geliebt sind und dass du an sie glaubst.
  • Für alle Menschen in materieller Not: dass sie Ansehen erhalten und Solidarität erfahren.
  • Für alle, die das Evangelium verkünden: dass sie glauben, was sie verkünden und es in ihrem eigenen Leben verwirklichen.
  • Für unsere Verstorbenen: dass sie von vollkommener Freude erfüllt sind.

Pr.: Guter Gott, in der Taufe Jesu hast du den Himmel auch über uns geöffnet. Wir danken dir, dass wir zu dir gehören und dass du alle unsere Wege mitgehst in Christus Jesus, unserem Bruder und Herrn.

31.12.2022 Silvester „Wir beschließen das Jahr“

Liebe Schwestern und Brüder,
Wir beschließen das Jahr 2022!

In diesem Jahr ist viel passiert: Kinder wurden geboren, Menschen haben geheiratet, viele haben erfreuliches erlebt und Erfolge errungen, es gab viel Hilfe für andere Menschen, neue Anfänge wurden gemacht.

Aber es wurden auch Menschen zu Schaden gebracht bei Verkehrsun­fällen und Verbrechen, Freunde und Ehepaare haben sich zerstritten, Junge und Alte sind schwer krank geworden oder gar verstorben …
Jeder mag sich fragen: was ist bei mir passiert?

Auch in der weltweiten Menschheitsfamilie und in unserer Kirche ist viel passiert. Im Gedächtnis stehen die schlimmen, skandalösen, fürchterlichen Ereignisse im Vordergrund: Naturkatastrophen wie auf den Philippinen, Krieg, Inflation, Seuche, Gutachten über sexuellen Missbrauch in mehreren Diözesen, die Kirchenaustritte und der Kampf für oder gegen Reformen in der Kirche.

Das sind nur wenige Schlaglichter. Dieses Jahr 2022 beschließen wir.

Was heißt das eigentlich, ein Jahr beschließen?
Eigentlich passiert es ja einfach: Eine Sekunde folgt der anderen bis die Uhr auf 12 umschlägt – dann ist es vorbei das Kalenderjahr 2022.

Und außerdem: Der 1. Januar und die darauf folgenden Tage und Wochen setzen das fort, was in den Monaten vorher geschehen ist. Der Anfang eines neuen Kalenderjahres unterbricht nicht die Zusammenhänge und Wirkungen der Ereignisse und menschlichen Handlungen.

Wir Menschen geben solchen Jahrestagen eine besondere Bedeutung:
Für uns ist es wichtig, dass uns bewusst wird: Vergangen ist vergangen.
Nichts können wir ungeschehen machen. Versäumtes bleibt versäumt.

Das ist jeden Tag im Jahr so – an Silvester machen wir es uns bewusst und ebenso, dass jeder Tag ein Geschenk ist, mit so vielen Gelegenheiten, das Leben und das Miteinander zu gestalten.

Wie können wir also das vergangene Jahr, wie jeden Tag beschließen?

Das erste ist der Dank – trotz allem, was wir bedauern, bejammern und betrauern. Dank für das Leben. Dank für die Menschen, die mit uns leben. Dank für die Schöpfung, die uns trägt und nährt. Dank an den, der uns und allen Lebewesen den Lebensatem einhaucht. Dank für die schöne Musik, das schöne Bild, den guten Geschmack und für vieles, das nur jeder für sich selber weiß.

Das zweite ist das Annehmen: Was immer auch mit uns geschah, es ist unser Leben. Wenn es uns gar zu schwerfällt, können wir vielleicht wenigstens darum beten, dass wir es annehmen können: auch wenn es schlimm oder traurig ist. Wenn wir annehmen können, können wir auch verwandeln und verarbeiten und verändern.

Das dritte ist loslassen: Wir haben dies und das erlebt und vollbracht – Gutes und weniger Gutes und vielleicht auch Schlechtes. Was gestern war ist vergangen. Es soll uns nicht daran hindern, weiter zu gehen und uns dem neuen Jahr und jedem neuen Tag zuzuwenden.
Die Erinnerung wird uns ermutigen oder mahnen, in der Gegenwart gut und im Geist Gottes zu handeln.

Aus den Gedanken über das Beschließen des vergangenen Jahres wird ein Gebet:

Danke Gott und den Menschen für alles Gute, das ich in diesem Jahr erleben durfte,

Gib mir Mut und Vertrauen, anzunehmen und zu tragen, was mir Gutes und Schlechtes widerfahren ist. Hilf mir, es zu verwandeln, dass daraus Gutes wächst und entsteht.

Und, himmlischer Vater, verzeih mir, meine Lieblosigkeiten, meine Unzulänglichkeiten, meine Gleichgültigkeit, Schau auf meine guten Taten, auf die Liebe, die ich geschenkt habe und hilf mir, im neuen Jahr das Leben mit Liebe zu füllen.

Liebe Schwestern und Brüder, wenn es uns gelingt, das alte Jahr gut zu beschließen, breitet sich Frieden in uns aus. Ein versöhnter Friede, der uns das neue Jahr zu beginnen: zuversichtlich, dass wir wieder jeden Tag das Licht Gottes in dieser Welt zum Leuchten bringen können.

Fürbitten

Lektor/in: Himmlischer Vater, am letzten Abend in diesem Jahr beten wir voll Vertrauen zu dir:

  • Für die Kinder und Erwachsenen, die in diesem Jahr getauft wurden:
    Dass deine Geistkraft in ihnen wirkt. Gott, du Quelle des Geistes.
  • Für alle, die das Sakrament der Eucharistie feiern: dass sie Freude daran haben, in der Gemeinschaft der Glaubenden dir zu danken.
    Gott, du Quelle der Freude.
  • Für alle Gefirmten: dass sie das Leben anderer Menschen hell machen.
    Gott du Quelle des Lichts.
  • Für alle Eheleute: dass sie in der gegenseitigen Liebe deine Liebe erfahren. Gott, du Quelle der Liebe.
  • Für alle, die mit dem Öl für die Kranken gesalbt wurden: dass sie von Angst verschont bleiben, dass sie auf Heilung hoffen und sich dir anvertrauen. Gott, du Quelle der Hoffnung
  • Für alle, die als Diakone, Priester und Bischöfe und in den kirchlichen Berufen in den Dienst des Volkes Gottes gestellt sind: dass sie die frohe Botschaft voll Freude verkünden und die Sakramente mit den Glaubenden voll innerer Hingabe feiern. Gott, du Quelle des Lebens.
  • Für alle Verstorbenen, besonders für den verstorbenen Papst Benedikt: dass sie im Licht Gottes vollkommene Freude finden.

Priester: Du, gütiger Vater, bist immer bei uns, alles Tage unseres Lebens, wir dich einst schauen in deiner Herrlichkeit. Amen.

Neuanfang

Liebe Besucherinnen und Besucher,

der Wechsel an einen neuen Dienstort, hat dazu geführt, dass ich seit Mai keine Predigten mehr auf dieser Seite veröffentlicht habe. Nun, da der Wechsel vollzogen ist und die Arbeit in der neuen Pfarrstelle langsam eine angenehme Regelmäßigkeit annimmt, möchte ich ab heute, 31.12.2023 meine Ansprachen wieder zur Lektüre anbieten.

Ich hoffe, dass mein Bemühen um ein heutiges Denken des Glaubens manchem hilft und in seinem Christ-Sein bestärkt.

22.05.2022: 6. Sonntag der Osterzeit

Einführung:
Schön, dass wir wieder zusammengekommen sind.
Schauen sie neben und hinter sich. Grüßen sie einander mit einem freundlichen Blick. Es ist ein großes Geschenk, dass wir den Glauben teilen, dass wir gemeinsam Jesus nachfolgen,
dass wir versuchen in seinem Geist zu leben:
erfüllt von seinem Frieden:

Es ist gut, dass wir da sind,
weil uns das Leben von dem guten Gott geschenkt ist.

Es ist gut, dass wir da sind, in dieser Zeit,
in diesen Lebensumständen. Wir danken Gott für unser Leben:

Herr, du bist das Wort, das alles ins Leben ruft.
Du bist die Kraft, die in uns wirkt.
Du lädst uns ein an deinen Tisch.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
als Jugendlicher ging in der St. Wolfgangskirche in Landshut in die Sonntagsmesse. Im Altarraum vorne war ein wandfüllendes Bild vom himmlischen Jerusalem – so wie es in der Lesung gerade beschrieben wurde. Es ist sehr hell und freundlich und einladend.
In der Mitte ist keine Kirche, kein Dom, kein Tempel, sondern Christus:

Liebe Schwestern und Brüder, daran möchte ich uns erinnern:
Gott braucht keine Wohnung. Gott braucht kein Kirchengebäude, um unter uns Menschen sein zu können. Denn Gott ist überall gegenwärtig.
Wenn wir „Gotteshaus“ sagen, sind wir in Gefahr, ein falsches Bild zu entwickeln: Als ob Gott in der Kirche wohnen würde und nicht „in ihrer Wohnung“.

Gott, ist da, wo Menschen leben, Gott ist da, wo Leben ist,
Gott ist da wo Menschen lieben, Gott ist da wo Liebe ist,
Gott ist da, wo Menschen hoffen, Gott ist da, wo Hoffnung ist.
(Detlev Jöcker)

Das ist großartig! Davon bin ich begeistert!

Zugleich bedeutet das, dass jeder Mensch direkt und unmittelbar mit Gott verbunden ist und sozusagen in seinem Licht lebt. Sie brauchen keine Mittler, um mit Gott in Kontakt zu treten.

Das ist wieder wichtig: im christlichen Glauben gibt es keine Rangordnung in der Nähe zu Gott. Sie dürfen ruhig scherzen und sagen, der Pfarrer wäre zuständig fürs schöne Wetter beim Pfarrfest, weil er einen besonderen Draht zu Gott habe. Aber: Das ist ein Scherz, der sich zurecht über den Anspruch amüsiert, Priester seien wegen ihres Amtes oder ihrer Weihe Gott näher – welch unangemessener Standesdünkel.

Ganz im Gegenteil: Gott schenkt seinen Geist jedem Menschen, jedem Lebendigen – und zwar ganz, nicht in Portionen. Dieser Geist weckt in uns die Sehnsucht nach dem Guten, nach Gerechtigkeit, nach Frieden.
Dieser Geist gibt uns die Kraft, anderen Gutes zu tun, gerecht zu handeln und zu urteilen und den Weg zum Frieden zu gehen.

Liebe Schwestern und Brüder,
das Stichwort „Frieden“ ist in diesen Monaten problematisch. Wir sind Zeugen des Unfriedens und müssen zumindest daran denken, dass die Gewalt auch zu uns vordringen kann. Hoffentlich bleiben wir davor verschont. Hoffentlich aber machen die Menschen der Gewalt in der Ukraine bald ein Ende.

„Frieden hinterlasse ich euch“ sagt Jesus zu den Jüngern.

Was ist dieser Friede, der anders ist als der Friede, den die Welt gibt?

Jesus hatte diesen Frieden in sich. Den Urgrund dieses Friedens hat er oft genannt: „Mein Vater liebt mich und ich habe seine Gebote gehalten, weil ich ihn liebe.“
Wir Jünger Jesu sollen verstehen: Der Vater liebt jeden von uns genauso wie Jesus und wir erwidern seine Liebe, wenn wir seine Gebote halten.

So wohnt der Friede Christi in uns – der stärker ist als aller Unfriede, den Menschen in der Welt anrichten können.

Eines ist klar: Wer diesen Frieden in sich hat, dem ist es unmöglich, einem anderen Menschen absichtlich Schaden zuzufügen.
Dieser Friede drängt danach, Schaden vom anderen fernzuhalten und dem anderen Gutes zu tun, Frieden zu bringen.

In dieser Welt wird es aber immer Menschen geben, die nach Macht und Herrschaft über andere streben, die Gewalt anwenden, um ihre selbst­süchtigen Ziele zu erreichen.
Das ist sehr schwer für die, die sich nach Frieden sehnen.

Die Frage nach Gegenwehr oder Gewaltverzicht ist ein Dilemma, vor dem wir immer wieder stehen: Nicht nur Kriegsparteien, sondern auch in unserem privaten Leben. In jedem Streit stehen wir vor dieser Frage.

Jesus hat für sich entschieden, sich und der Liebe seines Vaters treu zu bleiben: Er stand ein für seine Botschaft und genau deshalb erwiderte er die Feindschaft nicht. Darin liegt sein Sieg. Es braucht viel Mut, um diesen Weg zu gehen. Und den Frieden, der von Gott kommt.

Fürbitten

Lektorin: Guter Gott, in dir ist keine Spaltung. Du bist der Friede und von Dir geht Friede aus.
Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

  • Wir beten für die Menschen in der Ukraine, dass sie den Krieg beenden und den Frieden suchen und dass die Angreifer von ihrem Unrecht ablassen.

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

  • Wir beten für alle Menschen, die unter Krieg leiden und Krieg führen,
    dass sie aufhören einander zu töten.

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

  • Wir beten für alle zerstrittenen Menschen, dass sie versuchen den Streit auch vom Standpunkt des anderen zu sehen und eine gerechte Lösung suchen.

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

  • Wir beten für unsere und für alle christlichen Kirchen: dass wir auf die Stimme des Heiligen Geistes hören und in seiner Kraft das Gute tun.

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

  • Wir beten für die Bischöfe: dass sie hellhörig sind und wahrnehmen und achten, was der Heilige Geist in den Glaubenden wirkt. Wir beten, dass sie nicht glauben, etwas Besonderes und besser zu sein.

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

Priester: Gott, dein Geist wirkt in uns das Leben. Jedem hast du die Gabe verliehen. Wir wollen auf deine Stimme hören und loben dich und preisen dich, weil du mitten unter uns lebst. Amen.

01.05.2022: 3. Ostersonntag

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
In der Kälte brauchen wir einen Ort, um uns zu erwärmen,
im Dunkel suchen wir nach einem Ort, wo es hell ist,
wenn wir Hunger haben, suchen wir nach etwas zu essen,
wenn wir Durst haben suchen wir nach etwas zu trinken:

Zurecht nennen wir den Geist Feuer, das uns wärmt und Jesus das Licht der Welt. Er ist das Brot des Lebens und er wird in uns zur sprudelnden Quelle, die uns ewiges Leben schenkt.

Lassen wir jetzt unsere Seele wärmen und erleuchten,
lassen wir uns den Hunger stillen, nach einem Wort das uns Mut macht;
lassen wir unseren Durst nach Leben löschen: nach der Gewissheit, dass es gut ist zu leben.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Manchmal mache ich mir einen Spaß: Ich erzähle von irgendetwas – aber mache nur so unklare Andeutungen, dass niemand verstehen kann, was ich zu erzählen habe. Manchmal sagt man dann zu mir: „Du sprichst in Rätseln!“ So könnte man auch zu den Verfassern des Johannesevangeliums sagen: „Du sprichst in Rätseln!“.

Das Joh.Evangelium verwendet Wörter öfter in einem übertragenen Sinn verwendet, den die Hörer nicht verstehen (können):
Ich gebe dir lebendiges Wasser: wenn du davon trinkst, wirst du nie mehr Durst haben. Ich bin das Brot des Lebens. Wer davon isst, wir nie mehr hungrig sein. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben.

„Fischen“ bedeutet nicht unbedingt „Fischen“ und „Fisch“ nicht einfach „Fisch“.

Der Satz „Die Jünger gingen fischen und fingen nichts“ erzählt nicht vom leeren Netz. Wovon dann?

Vielleicht von der Situation der Jünger. Sie hatten durch Jesus viel gelernt – aber jetzt war Jesus nicht mehr da. Ihr früheres Leben – ihr früheres Denken und Urteilen – das ging nicht mehr. Das konnte sie nicht mehr erfüllen. Es wäre wie ein erfolgloser Fischzug.

Jesus und alles, was sie von ihm gelernt hatten, wirkte weiter: Bleibt in meiner Liebe. Wer den Willen meines Vaters tut, bleibt in meiner Liebe.
Das Gebot Jesu hieß: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!

Dieses neue Leben erfüllte die Jünger Jesu – auch nachdem er nicht mehr bei ihnen war. Das wurde ihre Nahrung. Ihr Leben hatte eine neue Überschrift: Die alte war: „Du musst die Gebote halten, damit Gott dich liebt!“ Die neue Überschrift heißt: „Gott liebt dich. Darum hören wir auf ihn und handeln aus Liebe!“

Das ist die Erklärung dafür, wie die kleine Jüngergemeinschaft in kurzer Zeit groß werden konnte. Warum immer mehr sich ihnen anschlossen. Das ist auch heute der Grund, warum Menschen Christen werden und sind und bleiben.

Es stimmt nämlich: Man kann niemand zum Glauben überreden oder mit Argumenten überzeugen. Aber wenn man den Menschen begegnet, um für sie da zu sein. „Was kann ich für dich tun?“ berührt man die Herzen und gewinnt Freunde ‑ nicht für sich, sondern für Jesus und das ewige Leben, das er schenkt.

Liebe Schwestern und Brüder, ich glaube, in dieser Geschichte geht es vor allem um eines: Die Jünger glauben dem Wort Jesu und folgen ihm –
und finden so ein erfülltes Leben und viele Menschen, die ebenfalls hungern und dürsten.

Man kann verschiedene Schlussfolgerungen ziehen. Ich versuche es so:

Wenn wir auf Jesus hören und den anderen Menschen im Blick haben und sehen, was er braucht, was ihm fehlt, was ihn bedrückt und krank macht, dann wird uns viel mehr geschenkt: Menschen, die mit uns glauben und hoffen.

Und zugleich werden wir merken: Es ist es, der in uns gewirkt hat.
Er ist es, der uns stärkt und nährt und nicht nur uns, sondern auch die, die unsere Freunde geworden sind.

Im Matthäusevangelium heißt es: Sorgt euch zuerst um das Reich Gottes, dann wird euch alles andere dazugegeben.
Bei seinem Abschied sagt Jesus: Verkündet das Evangelium allen Geschöpfen und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.
Ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt:

Das ist die gleiche Botschaft, wenn auch in ganz anderer Sprache.

Beginnen wir auch diese Woche und suchen wir die Gelegenheiten, was wir für unsere Angehörigen, Freundinnen, Kollegen tun können. Amen.

Fürbitten

Lektorin: Gott, wir haben die Botschaft Jesu gehört. Es fällt uns schwer, ihm zu glauben, nachdem er nicht mehr in der Welt ist. Es fällt uns schwer, zu glauben, dass seine Worte wahr sind und von dir kommen. In unseren Ängsten und Zweifeln beten wir:

  • Für alle Getauften, die den Heiligen Geist empfangen haben: dass sie nicht mehr für sich leben, sondern Vergebung bringen und neue Hoffnung wecken.
  • Für die Menschen, die in der Ukraine und an vielen Orten der Erde in Kellern und Bunkern sitzen und ausharren und Angst um ihr Leben haben müssen: dass sie einen starken Geist haben und nicht innerlich zerbrechen.
  • Für die Menschen in den Flüchtlingslagern in Mali, im Jemen, im Libanon, in Griechenland: dass sie die notwendige Hilfe erfahren, um zu überleben und dass ihnen der Weg aus den Lagern in eine bessere Zukunft geöffnet wird.
  • Wir beten auch für die Menschen in Deutschland, die immer noch unter den Folgen der Überschwemmungen im vergangenen Jahr leiden:
    dass sie ein neues Heim finden und nicht allein gelassen werden.
  • Wir beten für die ungezählten Menschen, die notleidenden Helfen: als freiwillige Helfer oder in den Hilfsorganisationen: dass sie durch die Anerkennung und den Dank immer wieder neue Energie für Ihr Engagement erhalten.

Pr.: Guter Gott, du bist allezeit bei uns und dein Geist ist in uns, damit wir teilen, trösten, helfen, heilen. Wir danken Dir für deine Kraft und Stärke. Amen.

24.04.2022: 2. Ostersonntag

Ich möchten ihre Blick auf die kurze Sammelerzählung aus der Apostelgeschichte richten: es wird erzählt, dass Scharen von Männern und Frauen zum Glauben an Jesus Christus, den auferstandenen Herrn geführt wurden. Schier unglaublich wirkt die Bemerkung, dass man die Kranken auf die Straße legte und sie gesund wurden, wenn der Schatten des Petrus auf sie fiel.

In dieser Weise kann ich das auch nicht für bare münze nehmen. Was ich aber erkenne ist, die Absicht der Apostelgeschichte: Die Apostel und die kleine und erst seit kurzer Zeit sich findende Gemeinde um die Apostel setzen das fort, was Jesus getan hat:
Sie wenden sich den Kranken zu, weil sie eben nicht von Gott gestraft sind.
Ganz im Gegenteil: Gott will ja, dass die Menschen heil sind und durch Gottes Kraft werden sie heil.

Und sie verkündeten die Auferstehung Jesu und dass er der von Gott verheißene Retter ist: Und zwar, weil er zeigte, dass niemand von Gottes Liebe ausgeschlossen ist und dass niemand von einem anderen behaupten darf, dass er von Gott verstoßen sei.

Liebe Schwestern und Brüder,
aus diesem Grund handelt jeder Mensch gegen Gott, der einem anderen Gewalt antut oder ausschließt oder verachtet oder verurteilt: Er tut so, als ob der andere vor Gott nicht zählen würde, als ob der andere Gott nicht wertvoll wäre, als ob der andere nicht auch Gottes Kind wäre.

Das ist ein Verrat an Gottes unbeschränkter Liebe! Für Krieg und Mord und Totschlag leuchtet das sofort ein. Doch auch, wer den Mitmenschen gängelt, ihm das Leben schwer macht, ihm ständig Unvermögen und Unfähigkeit vorwirft und alle Fähigkeiten in Abrede stellt –
nimmt einem anderen Menschen das Selbstvertrauen und leugnet, dass er die gleichen Rechte hat und genauso wertvoll ist.

Manchmal geraten wir in Zweifel, ob diese Botschaft wirklich wahr ist.
Manchmal sind wir in Versuchung, zu denken, dass Menschenfreundlich-keit und Anstand, Rücksicht und Respekt zu nichts führen, weil die Gewalttätigen doch die Herrschaft an sich reißen und die anderen unterdrücken.

Es geht uns so, wie es das Johannesevangelium von Thomas erzählt, der bezweifelte, was ihm die anderen erzählten: Wir haben den Herrn gesehen. Thomas zweifelte! Doch in der Gemeinschaft der anderen machte er die gleiche Erfahrung: Was Jesus verkündete ist wahr – gerade, weil er dafür getötet wurde. Sein Leiden und sein Tod sind kein Gegenargument, sondern vielmehr der deutlichste Beweis dafür.

Das Johannesevangelium erzählt, wie die Apostel von Jesus beauftragt werden: Die Szene erinnert an die Erschaffung des Menschen, dem Gott den Lebensatem in die Nase blies. Johannes schildert eine feierliche, geradezu rituelle Szene: Jesus erscheint, er grüßt mit dem Friedensgruß und er gibt den Auftrag, den Menschen die Sünden zu erlassen – also Frieden zu bringen und Versöhnung!

Liebe Schwestern und Brüder,
dazu ist die Kirche gesandt: Frieden zu bringen und Versöhnung – nicht wie die Herrscher dieser Welt dies tun, sondern so wie Jesus es getan hat:

Ohne Waffen! Ohne Gewalt! Ohne Ausgrenzung!
Was immer auch jemand bisher ist oder wahr: wenn er dem Ruf folgt und den Frieden annimmt, gehört er zu Gottes Reich.
Künftig wird er mit den Besitzlosen teilen und sich um die Kranken kümmern.

Und deshalb liebe Schwestern und Brüder, dürfen wir und darf auch das Lehramt der Kirche niemanden wegen bestimmter Eigenschaften ausgrenzen: weder aus unserer Gemeinschaft im Glauben noch von Aufgaben in unserer Gemeinschaft. Entscheidend ist allein, ob ein Mensch dem Ruf Jesu folgt und den Frieden annimmt, den Jesus seinen Jüngern zuspricht.