17.04.2022: Ostersonntag

Liebe Schwestern und Brüder,
Gelobt sei Gott! Gepriesen und Verherrlicht sei Gott auf dieser Erde!
Dieser Ruf ist angemessen – heute genauso wie irgendwann sonst:

Gelobt sei Gott für Jesus Christus! – Ich finde keinen Grund dieses Lob zu beenden oder verstummen zu lassen. – Ganz im Gegenteil: Es muss die Welt erfüllen! Es muss lauter erschallen als das Geplärr der Wut, der Angst, des Zorns, des Hasses.

Jesus ist auferstanden!
Der auf Gott gehört hat und alles gesagt hat, was Gott ihm ins Herz gegeben hat – ER lebt!
Der für die Wahrheit Zeugnis abgelegt hat, dass Gott ihn liebt und dass jeder Mensch Gott unendlich wertvoll und kostbar ist – Er lebt!

Liebe Schwestern und Brüder!
Denken wir an die Zeichen, die  Jesus in seinem Leben gewirkt hat!
Erinnern wir uns an seine Botschaft: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, wer davon isst, hat das ewige Leben.
Wir haben sein Gebet gehört:
Bleibt in meiner Liebe, so wie ich in der Liebe des Vaters bleibe.

Wenn unser Herz nicht völlig taub ist und unser Geist nicht völlig stumpf, dann merken, spüren, ahnen und verstehen und erkennen wir:

Jesus hat die Wahrheit gesagt:

Gott schenkt ewiges Leben – kein Wegwerf – Leben.

Deshalb kann es auch gar nicht anders sein, als so, wie wir es bekennen:
Jesus lebt. Er ist auferstanden. Gelobt sei Gott. Halleluja.

Die Auferstehung und die wundersamen Geschichten, wie er seinen Jüngern erscheint, die Erzählung vom leeren Grab – alles das ist nicht der Grund, für den Glauben, dass Jesus lebt:

Diese Geschichten drücken aus, was gar nicht anders denkbar ist:
Jesus lebt! Gott sei gelobt!

Ich glaube nicht an das leere Grab, und auch nicht weil es leer war;
ich glaube auch nicht weil oder daran, dass Jesus nach seinem Tod einen Fisch vor den Augen der Jünger gegessen hätte.

Ich glaube an Jesus und an die Wahrheit, für die er Zeugnis abgelegt hat.

Und diese Wahrheit ist:
Gott ist das Leben und das Leben ist stärker als der Tod.
Könnte es sonst überhaupt Leben geben? Warum sollte etwas am Leben sein, wenn der Tod stärker wäre als das Leben?

Nun also leben wir und mit uns die Hasen und die Katzen und die Tulpen und die Narzissen und das überaus bewundernswerte Gänseblümchen.
Gelobt sei das Leben, Gelobt sei Gott, von dem das Leben kommt.

Liebe Schwestern und Brüder,
Jesus hat Gott verherrlicht in dieser Welt: Er hat Gott über alles gestellt. Er hat das Leben über alles gestellt.
Gerade durch sein Leiden und Sterben hat er verkündet, dass Gott das Leben ist und dass das Leben stärker ist als der Tod.

Und, liebe Schwestern und Brüder,
heute treten wir in die Fußstapfen Jesu und stellen Gott, stellen das Leben über alles. Durch uns soll Gott verherrlicht werden in dieser Welt.

Durch die Nächstenliebe, die Feindesliebe, die Gottesliebe und den Glauben an seine Liebe, die Leben schenkt, verherrlichen wir Gott und sorgen dafür, dass sein Name groß wird unter den Menschen.

Wir verherrlichen Gott, wenn wir dem Mitmenschen etwas Gutes tun.
Wir verherrlichen Gott, wenn wir den Feind nicht töten, sondern ihn zum Freund machen.
Wir verherrlichen Gott, wenn wir ‑ so wie Jesus ‑ auch in der Krankheit, in der Enttäuschung, in der Angst beten: Vater, ich will deinen Willen tun; ich glaube an die Liebe, an deine Liebe zu mir und zu meinem Mitmenschen.

Gelobt sei Gott, Gepriesen und Verherrlicht auf der ganzen Erde!
Gelobt sei Jesus, den er gesandt hat, um uns aus den Fängen des Todes zu retten. Amen.

FÜRBITTEN

Lektorin: Wir sind voller Dankbarkeit, dass wir an Jesus und seine Auferstehung in Gottes Herrlichkeit glauben dürfen. Wir denken an die Menschen und ihre vielen Nöte und beten:

  • Für die christlichen Kirchen in Deutschland und in ganz Europa:
    Dass sie selbst die Hoffnung auf das Leben bewahren und diese Hoffnung unter den Menschen verbreiten.
  • Für die Erneuerung unserer Kirche in Deutschland: dass wir uns immer wieder auf den Kern unseres Glaubens besinnen und besonders den Ärmsten mit Liebe begegnen.
  • Für die Menschen im Krieg: dass sie die tödliche Gewalt beenden und dass möglichst viele Menschen überleben.
  • Für die Frauen und Kinder und Männer, die von Hunger bedroht sind: dass sie erhalten, was sie zum Leben brauchen, weil wir mit ihnen teilen.
  • Für die Menschen, die in der österlichen Zeit getauft werden, für die Erstkommunionkinder und für die jungen Leute, die sich auf die Firmung vorbereiten: dass der Glaube an Gottes Liebe sie in ihrem Leben leitet.
  • Für unsere Gemeinde, dass wir Wege finden, wie wir froh unseren Glauben gemeinsam Ausdruck geben und dass sich uns wieder mehr Menschen anschließen.

Pr.: Gott, wir loben und preisen dich. Alle Tage verkünde unser Leben dein Lob durch Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

15.04.2022: Karfreitag

Liebe Schwestern und Brüder,
es ist der Freitag des Leidens Jesu und der Trauer um ihn, den König seines Volkes, der gekommen ist, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen.

Für welche Wahrheit?

Jedenfalls nicht das, was menschenverachtende Herrscher als Wahrheit ansehen: dass sie ihre Macht immer weiter vergrößern müssen,
und dass deshalb alle Menschen, die sie als Hindernis betrachten, verfolgt, verleumdet, eingesperrt und auch getötet werden.

Auch nicht das, was viele Menschen als Wahrheit ansehen: dass sie möglichst viel aus dem Leben in der Welt herausholen: Reichtum und Luxus ohne Grenzen. Sie sehen den Mitmenschen als Konkurrenten, mit dem sie darum kämpfen, wer mehr für sich herausholen kann.
Das ist die Welt der Kapitalisten.

Auch die Lethargie der vielen Menschen, die es nicht zu Macht und Reichtum bringen ist nicht die Wahrheit Jesu: Sie sagen, dass, die Mächtigen und Reichen und Rücksichtlosesten am Ende gewinnen und fügen sich diesen Regeln und versuchen einigermaßen zu überleben.

Was ist die Wahrheit, für die Jesus Zeugnis ablegt?

Liebe Schwestern und Brüder, die Antwort ist gar nicht so leicht.
Das Johannesevangelium spricht zwar immer wieder von der Wahrheit:
Sie kommt durch Jesus und sie führt zum Licht. Gott will in der Wahrheit angebetet werden. Jesus ist sogar die Wahrheit und er betet für seine Jünger um den Geist der Wahrheit.

Schwer oder kaum zu finden ist aber eine Erklärung, dass Jesus sagen würde: Die Wahrheit ist …..

Im Johannesevangelium habe ich dazu zwei Grundaussagen gefunden:

Jesus ist vom Vater gesandt, um ihn zu verherrlichen. Er und der Vater sind eins.

Und zweitens: Jesus ist von seinem Vater geliebt und liebt den Vater und tut allein das, was sein Vater ihm aufträgt. Deshalb gibt er sein Leben hin, wie ein guter Hirt, der für seine Schafe kämpft und wie ein Weizenkorn, das vergeht, um reiche Frucht zubringen. Jesus tut alles aus Liebe zu seinem Vater und weil er von seinem Vater geliebt wird.

Jesus liebt seine Jünger, wie der Vater ihn liebt und die Jünger sollen den Vater und einander in gleicher Weise lieben.

Liebe Schwestern und Brüder,
ich versuche das Ganze für mich zusammenzufassen:

Die Wahrheit Jesu ist, dass er von seinem Vater geliebt wird und dass der Vater durch ihn allen, die ihm glauben, seine Liebe und sein Leben schenkt. Aus dieser Liebe findet Jesus die Kraft, den Mächten dieser Welt zu widerstehen und aus Liebe sein Leben hinzugeben.

Liebe Schwestern und Brüder, was bedeutet das konkret?

Ist das noch eine Frage?

Liebe ist doch konkret, oder?
Liebe heißt: Du bist mir so wichtig, wie ich selbst mir bin und wie du und ich Gott wichtig sind.
Liebe heißt, ich tu alles für dich.
Und göttliche Liebe heißt: Ich schließe niemanden davon aus.

Wir erleben, wie grausam die Welt wird, wenn der Glaube an diese Wahrheit erlischt. Dann geht es nur noch darum, wer mit größerer Gewalt den Mitmenschen als Feind hasst und tötet und bezwingt.
Das ist die teuflische Wahrheit, auf die wir nicht hereinfallen sollen.
Denn diese Wahrheit bringt Tod und Verderben. – Auch wenn Sie uns jetzt als Rettung angepriesen wird.

Die Wahrheit Jesu ist, dass die Welt durch die Liebe lebt und am Leben bleibt. Dafür lohnt es sich zu leben und sogar zu sterben
– aber nicht zu töten.

10.04.2022: Palmsonntag

Einführung zur Prozession: Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Kinder!
ich bin sehr froh: Wir beginnen die Feier der Heiligen Woche und ich freue mich darauf. Der Sonntag vor Ostern ist dem Leiden und Sterben Jesu gewidmet. Jesus geht nach Jerusalem, weil sich dort sein Schicksal erfüllen wird. Er wird in Jerusalem zunächst wie ein Volksheld empfangen und König genannt.
Das ist der Anfang seines Leidensweges in Jerusalem.

In den Tagen danach lehrt Jesus im Tempel. Die führenden Männer ärgerten sich immer mehr über ihn. Jesus brachte sie immer mehr gegen sich auf – ohne dass er aber einen eindeutigen Grund lieferte, um ihm etwas anhaben zu können.

Deshalb beginnen wir am Palmsonntag die Messe vom Leiden des Herrn ebenfalls mit der Erinnerung an seinen Einzug in die Stadt Jerusalem. Heute ziehen wir mit ihm in seine Stadt – nach Jerusalem. Und wie die Jünger damals haben wir Zweige in den Händen und empfangen ihn mit Jubel und Lobliedern auf Gott.

Ansprache nach dem Evangelium vom Einzug:
Im Himmel Friede und Ehre in der Höhe! Rufen die Jünger als Jesus in die Stadt reitet – auf dem als königlich geltenden Reittier, nämlich einem Eselsfohlen.

Jesus erfüllt Gottes Wille. Er steht für Gott ein: kompromisslos. Er entlarvt, die Mächtigen, die sich als Anwälte des Guten darstellen und in Wirklichkeit nur ihren Vorteil im Blick haben.

Im Himmel Gottes ist Friede, weil Jesus wahrhaftig Gott ehrt.
Im Himmel ist Friede, weil Jesus die Kleinen und Verachteten sammelt:
Der armen Witwe, den Kranken, auch denen, die als Sünder abgestempelt werden – ihnen zuerst und vor allem zeigt Jesus, dass sie wertvolle und wichtige und von Gott geliebte Menschen sind.

Im Himmel ist Friede, wenn Gottes Wille geschieht und die Menschen das Brot teilen, sich gegenseitig Schuld vergeben und der Versuchung durch das Böse widerstehen.

Jesus hat uns eingesammelt: uns bedürftige Menschen, denen es an Liebe fehlt, die Angst haben und Sorgen. Er sieht unsere Sehnsucht nach Frieden und nach dem Heil. Wir sind seine Jünger und begleiten ihn auf seinem Weg – bis hin zu seiner Erhöhung am Kreuz.

Ansprache nach der Leidensgeschichte:
„Betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet“ – so mahnt Jesus seine Jünger.

Was meint Jesus eigentlich mit „Versuchung?“

Auf die Jünger Jesu bezogen: Sie könnten wohl versucht sein, nicht mehr zu glauben, was Jesus verkündete und lebte:
Dass Gott die Menschen liebt – auch wenn sie nicht vollkommen sind: weder im gut sein, noch in der Kraft, noch in der Liebe, noch im gesund sein.

Sünde, Krankheit, Bedürftigkeit, das Sterben – gehören zum Menschsein!

Auf eines aber dürfen sie sich verlassen: Gottes Kraft und Liebe und Energie ist in uns Menschen –
und nichts kann uns davon trennen.

Beten wir und vergessen wir nicht zu beten, werden wir nicht müde zu beten, damit wir nicht in Versuchung geraten, zu vergessen, dass Gottes Kraft und Leben und Geist in uns und in jedem Menschen ist.

04.04.2022: 5. Sonntag der Fastenzeit

Liebe Schwestern und Brüder,
dass Frauen immer noch weniger Lohn als Männer bekommen für die gleiche Arbeit, empfinden wir als ungerecht.
Wir sollen und wollen gerecht handeln und sein.

Ist Gerechtigkeit eine Eigenschaft, die man erwirbt oder auch verlieren kann?

Der Apostel Paulus bringt einen ganz anderen Gedanken ins Spiel:
„Nicht meine Gerechtigkeit will ich erreichen, die aus dem Gesetz hervorgeht.“ sagt er.
wir dürfen das nicht falsch verstehen: Paulus ist der letzte, der dazu aufrufen würde, gegen das Gesetz zu handeln. Er macht aber darauf aufmerksam, dass es für Menschen unmöglich ist immer und absolut gerecht zu handeln. Daran scheitern wir – zwangsläufig.

Stattdessen strebt Paulus nach der Gerechtigkeit, die Gott schenkt.

Gott schenkt uns den Status eines Gerechten. Er übersieht nicht unsere Ungerechtigkeit – aber er verurteilt uns nicht dafür. Aus seiner Zuneigung zu uns heraus, gibt er uns die Belohnung eines Gerechten.

Das ist doch auch die Quintessenz in dieser Begebenheit mit der Ehebrecherin: Sie hat sich schuldig gemacht. Sie hat gegen das Gesetz verstoßen. Sie ist eine Sünderin. Ihr Handeln ist Unrecht, ungerecht.

Jesus stellt das nicht in Frage. Aber er stellt eine entscheidende Frage:
Ist jemand da, der von sich sagen könnte, er wäre anders?

Deshalb ist es wichtiger, dass ich daran glaube, dass Gott mich gerecht macht – trotz meiner Ungerechtigkeit. Dann werde ich nicht mehr urteilen und andere verurteilen. Ich werde an ihrer Seite stehen und daran glauben, dass Gott uns als gerecht gelten lässt. Den anderen und mich.

Das MISEREOR Motto „Es geht. Gerecht!“ ruft uns dazu auf, dass wir dieser zuvorkommenden Gerechtigkeit Gottes antworten.

Glauben wir daran, dass es auf der Welt gerecht geht.
Glauben wir daran, dass der Mensch gerecht sein kann wie Gott selbst.

Es geht, dass der Mensch daran denkt und überlegt:

Gerecht ist nicht, wenn ich meinen Vorteil gegenüber anderen nutze.
Gerecht ist, wenn ich darauf verzichte.

Gerecht ist, wenn wir in Deutschland weniger Treibhausgase produzieren, weil es allen Menschen hilft.

Es ist nicht gerecht, wenn wir darauf bestehen, was wir uns verdient haben. Gerecht ist, wenn wir Umstände herstellen, dass auch andere sich etwas verdienen können.

Bei all dem geht es aber wieder nicht darum, dass wir uns gegenseitig auf die Schultern klopfen und sagen: wir sind so gerecht. Denn wir sind es nie ganz.

Es geht nicht darum ein Gesetz zu befolgen. Es geht darum, dass wir Gott nachahmen und seine Gerechtigkeit, die zuteilt, ohne dass ein Verdienst vorliegt.

MISEREOR handelt aus diesem Glauben:
MISEREOR unterstützt deshalb so viele Initiativen, in denen Menschen ihre Lebenssituation analysieren und dann Projekt entwickeln, um ihre Situation zu verbessern

MISEREOR setzt sich auch sehr dafür ein, dass wir ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie wir unser Handeln verändern können und etwas dazu beitragen, dass die Erde auch im Süden bewohnbar bleibt.

Liebe Schwestern und Brüder.
Jesus hat dieser Frau gezeigt: Es geht, dass du daran glaubst, dass Gott dich gerecht macht. Es geht gerecht. Auch du kannst daran glauben, dass gerecht sein für dich geht.

Diesen Glauben möchte ich in uns bestärken.
Nicht, dass wir immer und in allem gerecht wären.
Aber wir können jederzeit gerecht sein. Wir können die Ungerechtigkeit beenden – weil Gott uns die Möglichkeit dazu gibt und nie damit aufhört. Es ist wirklich eine Glaubensfrage: Glaube ich daran, dass gerecht geht;
dass Gottes Gerechtigkeit geht. Wenn ich daran glaube, werde ich auch selbst so handeln und merken: Gerecht. Das geht.

27.03.2022: 4. Fastensonntag

Ansprache: Ich selbst mag das Gleichnis vom barmherzigen Vater und seinen beiden verlorenen Söhnen sehr gern und halte es für eines der wichtigsten Lehrstücke Jesu. Ich weiß aber, dass es auch kritische Fragen gibt:

Ist der barmherzig genannte Vater wirklich so ideal?

Das ist die Frage des älteren Sohnes in der Geschichte: Er fühlt sich ungerecht behandelt und macht dem Vater den Vorwurf: „Mir hast niemals auch nur einen Ziegenbock geschenkt – obwohl ich mich immer an alles gehalten habe, was du wolltest“.

Ohne Zweifel liegt in dem Verhalten des Vaters eine Provokation.
Diese überschwängliche Reaktion, als der jüngere Sohn zurückkehrt, der auf schäbige Weise sein Erbe verschleudert hat, ist ein Ärgernis.

Wahrscheinlich fällt es vielen nicht schwer, Beispiele im eigenen Erfahrungsbereich zu suchen, wo man sich ebenso empören würde.

Die überschwängliche Freude ist ja nicht das einzige:
kein mahnendes Wort, nicht einmal ein Wort der Verzeihung – im Gegenteil: Er wird sofort wieder mit allen Zeichen in die Sohnschaft eingesetzt.

Aber ich möchte alle, besonders die unter uns, die sich mit dem älteren Sohn identifizieren, bitten, den folgenden Gedankenweg mitzugehen:

Denken wir zuerst an den Ausgangspunkt, warum Jesus diese Gleichnisgeschichte erzählt:

Zöllner und Sünder kommen zu Jesus. Sie wollen ihn hören.
Und Jesus scheint sogar mit ihnen zu essen: das heißt: er macht sich mit ihnen gemein. Er hält keine Distanz. Dabei wird man im jüdischen Denken selbst unrein, wenn man mit Sündern zusammen isst.

„Sage mir, ….“

Untergräbt Jesus damit nicht die Bemühungen der Pharisäer: sie befolgen erstens selbst alle Gebote gewissenhaft und vor allem: sie lehren auch das Volk. Sie setzen Kraft und Mühe und Überzeugungskunst ein, damit das Volk die Gebote achtet und hält.

Arbeitet er dem Bemühen der Schriftgelehrten entgegen?

Jesus will den Pharisäern sein Verhalten erklären – so wie in der Geschichte der Vater zu dem älteren Sohn hinausgeht und versucht, ihn zurückzugewinnen.

Was er erklären möchte ist seine Lehre: „Im Himmel herrscht mehr Freude über einen Sünder, der umkehrt als über 99 Gerechte, die die Umkehr nicht nötig haben.“ Diesen Satz hat die Leseordnung leider weggeschnitten.

In erster Linie geht es also nicht um eine Anweisung zum Verhalten von Vätern mit ungehorsamen Söhnen. In erster Linie geht es um Himmlisches, um Göttliches.

Man muss also nicht überlegen, ob der Vater das Erbe des älteren Sohnes nochmal schmälert. Das Heil, das Glück des Himmels ist unendlich – es ist unerschöpflich. Wer im Himmel ist, ist ganz im Himmel und das gilt für jeden und alle.

Und deshalb ist es im Himmel ein Fest, wenn einer, der Gott den Rücken gekehrt hatte, sich Gott zuwendet. Wenn einer der der Selbstsucht, dem Stolz, der Habsucht, der Machtgier nachlief, wenn so ein Mensch tatsächlich merkt: Ich bin auf dem falschen Weg. Dieser Weg führt mich in den Abgrund, da bleibt nichts übrig. Dann ist einer gewonnen für das Leben, für das Glück des Himmels. Er ist dem Tod von der Schippe gesprungen. Das ist doch wirklich ein Fest für Gott, der doch allen Geschöpfen sein Heil schenken will.

Weil das so ist, gibt sich der Vater auch mit dem älteren Sohn so viel Mühe. Er geht ihm genauso entgegen und wird sich genauso sehr freuen, wenn der das Fest mitfeiert und die Freude des Vaters teilen kann. Wenn er sich freut, dass er seinen Bruder wiedergewonnen hat.

Ich bin froh, dass mich der Vater immer wieder aufnimmt. Ich bin froh, dass er mich nicht ins Katzenhaus schickt, sondern mir seine ganze Fülle und sein ganzes Glück schenkt. Denn verdienen täte ich es nie.

06.03.2022: 1. Fastensonntag

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
„Nie wieder Krieg!“ steht an der Fassade des Stadttheaters am Bismarck­platz. Dieser Ruf stammt aus der Zeit nach dem Schrecken des 2. Weltkrie­ges. Doch es verging seit 1945 kein Jahr ohne Krieg in dieser Welt.

Jetzt schauen wir gebannt in die Ukraine. Was dort geschieht, macht uns Angst: dass wir mit der NATO in einen Krieg geraten könnten. Wir haben Angst vor der atomaren Bedrohung.

Mit unseren Ängsten und Befürchtungen und Hoffnungen sind wir zur Danksagung versammelt. Sagen wir Dank, dass wir bis auf den heutigen Tag von Kriegshandlungen verschont sind. Beten wir für die Menschen in der Ukraine, in den Nachbarstaaten – auch in Russland.

Beten wir, dass die Regierenden auf jeder Seite des Konfliktes vor allem daran denken, dass sie Verantwortung tragen für das Wohl der Menschen in ihren Ländern und auch in ihren Nachbarländern.

Beten wir, dass diese wichtigen Personen wieder auf Gott hören – statt gegen seinen Willen Gewalt über die Menschen zu bringen.

Jesus, du hast Sündern vergeben. – Du hast Gottes Herrschaft begründet. – Du hast uns den Frieden mit Gott gebracht, damit wir Frieden halten.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Das Lukasevangelium erzählt von 40 Tagen, die Jesus in der Wüste gefastet hat und von den Versuchungen, die ihn gequält haben: die Angst um sich selbst; die Anbetung der Macht und die Verachtung der Vernunft.

Wie bei der wunderbaren Geburtsgeschichte Jesu schildert Lukas auch hier Ereignisse – Er will vielmehr auch hier etwas über Jesus sagen: Bei der Geburtsgeschichte: Jesus ist der Retter der Armen und Kleinen.
Hier in der Versuchungsgeschichte: Jesus ist ein Mensch, wie jeder von uns, mit denselben Versuchungen.

Er konnte ihnen wiederstehen, weil er die Liebe zu Gott und zu den Menschen über alles stellte.

Jesus ist der Mensch, der an der Liebe Gottes festhielt und an ihn glaubte!

Deshalb ist Jesus für uns wie ein Stern: er macht Mut, dass es Menschen möglich ist, den Versuchungen der Selbstsucht, der Machtgier und der Überheblichkeit zu widerstehen. Wir können das. Wir können diesen Kampf gewinnen!

Liebe Schwestern und Brüder,
diese Zuversicht ist gefährdet: durch all das Böse, das wir in der Welt sehen. Der Überfall auf die Ukraine, der Terror des „Islamischen Staates“, der Krieg in Mali und in Äthiopien und in Syrien, der Unwille der Kirchenleitung, die innerkirchliche Macht zu teilen und das Wirken des Heiligen Geistes im Volk Gottes anzuerkennen, die vielen bösen Taten im Zusammenleben der Menschen.

Es gibt viele Gründe, über das Böse zu erschrecken. Das ist die große Versuchung, die Zuversicht, den Glauben an die Macht des Guten zu verlieren.

Doch das dürfen wir nicht zulassen.

Gerade angesichts des Bösen müssen wir auf Jesus Christus schauen, der der Versuchung widerstanden hat. Weder ist er ängstlich zurückgewichen – noch hat er sich unterworfen.

Er hat den Selbstsüchtigen, den Überheblichen und Machthungrigen widerstanden und ihren Zorn damit auf sich gezogen.

Er selbst aber handelte nicht selbstsüchtig sondern barmherzig;
er war nicht überheblich sondern demütig;
er war nicht machhungrig sondern diente.

Das ist der Weg, den er uns gezeigt hat – damit wir ihm folgen!

Liebe Schwestern und Brüder,
darum ist es nicht genug, wenn wir die Handlungen der Kriegstreiber verurteilen und uns darüber erregen.
Es ist nicht genug, wenn wir überlegen, wie wir den Angreifer stoppen und ihm Schaden zufügen können – in der Hoffnung, dass er dann einlenken wird.

Es ist notwendig, dass wir uns nicht der gleichen Logik unterwerfen.
Es ist notwendig, dass wir auf Frieden aus sind und auf Versöhnung.
Dazu ist es auch notwendig, dass die Länder der Nato und des Westens nachdenken, ob sie und was sie beigetragen haben, dass es zum Krieg kam.

Es ist notwendig, dass wir darüber reden, wie nach diesem Schrecken und Greuel eine neue stabilere Beziehung zwischen den Staaten entstehen kann, die noch besser als in den vergangenen Jahrzehnten verhindert, dass ein Land ein anderes mit Krieg überzieht.

Wir haben in Europa und in der Welt schon viel gelernt,
wie Krieg vermieden und Frieden geschaffen werden kann.

Diesen Weg sollen wir weitergehen.

Liebe Schwestern und Brüder,
Lukas schreibt, der Teufel habe eine Zeitlang von Jesus abgelassen – und unterstellt, dass die Versuchungen Jesus immer wieder quälten.
Das Übel des Krieges haben wir jetzt schon so viele Jahrzehnte von uns abhalten können. Es ist klar, dass die Versuchung zurückkehrt. Doch wir sollten ihr auch künftig nicht erliegen.

Die österliche Bußzeit ist eine gute Gelegenheit, das zu üben. Amen.

02.03.2022: Aschermittwoch

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
Ich begrüße Sie alle sehr herzlich heute Abend in unserer Pfarrkirche und freue mich, dass sie gekommen sind. Wir wollen die österliche Bußzeit beginnen:

Im Namen des Vater und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Gnade und Frieden von Jesus Christus, unserem Bruder, Erlöser und Herrn, sei mit Euch!

Der Krieg in der Ukraine erschreckt mich und ich vermute sie alle.
Wir haben Ängste, was noch alles passieren könnte.
Wir wünschen uns, dass der Krieg bald endet.

Dennoch ist heute Aschermittwoch.
Dennoch stehen vor uns die hl. 40 Tage der österlichen Vorbereitungszeit.
Dennoch sind wir aufgerufen, unser persönliches Leben zu überdenken und wieder auf das Reich Gottes hin auszurichten.

Mir wird in diesem Jahr besonders bewusst, dass wir auch in unserer persönlichen Lebensführung verwoben sind mit allem, was in dieser Welt geschieht.

Grüßen wir Christus, dem wir nachfolgen

Jesus, du hast Gottes Gerechtigkeit verkündet.
Jesus, du hast Gottes Barmherzigkeit verkündet und gelebt.
Jesus, du bist der König des Friedens

Tagesgebet
Gott, du bist treu!
Im Vertrauen auf dich beginnen wir die vierzig Tage der Umkehr und Buße!
Du weißt, wir sind sündige Menschen und unser Glaube ist oft schwach.
Rede uns nun zu Herzen, tröste, ermahne und ermutige uns.
Gib uns Kraft, dass wir alles Böse von uns weisen und entschieden das Gute tun!
So bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Wenn ihr betet, wenn ihr fastet, wenn ihr Almosen gebt ….
sagt Jesus. Fasten, Beten, und die Hilfe für die Armen sind drei wesentliche Aktivitäten des Glaubens. Sie gehören zum religiösen Leben wie das Amen zum Gebet.

In der Bergpredigt des Matthäusevangeliums wird dafür weder geworben, noch wird es als überflüssig erklärt. Es ist selbstverständlich.
Jesus mahnt nur: Betet, fastet und spendet aus Überzeugung und ehrlichen Herzens – und nicht um bewundert zu werden und Eindruck zu erwecken.

Wer betet, vertraut sich Gott an: er will auf Gott hören und sich von ihm führen lassen. Er vertraut Gott, dass er ihm den Weg zum Leben führt. Gott, was willst du, dass ich tue? Damit verbinden wir alle Sorgen und Bitten: Was willst du, Gott, damit wir gesund bleiben und zufrieden? Damit die oder der gesund wird und bleibt?

Wer fastet, übt sich darin, unabhängig von den selbstbezogenen Wünschen zu werden: ich muss dies und das nicht haben und jedenfalls nicht sofort – wichtiger ist, dass ich auf Gott höre und gerecht und barmherzig bin.

Wer für Arme spendet, fängt schon damit an und erkennt, dass der persönliche Besitz nicht nur ein behagliches Leben garantiert, sondern auch eine Verpflichtung ist gegenüber denen, die weniger haben.

Liebe Schwestern und Brüder,
Beten, Fasten und Almosen helfen uns, unser Leben auf Gott hin, auf die Liebe zum Mitmenschen hin auszurichten und damit helfen sie uns zugleich, die Trennungen, die Sünden zu überwinden.

Dazu ermuntert uns auch das Leitwort der heurigen Aktion MISEREOR:
Es geht. Gerecht.

In dem Schrecken dieser Tage erleben wir, zugleich, dass die Menschen sich nach Gerechtigkeit sehnen und auch etwas dafür tun wollen.
So viele hilfsbereite Menschen unternehmen dies und das, um in der konkreten Not den flüchtenden und vertriebenen Menschen zu helfen.

Auch wir können und werden vor allem mit Geldspenden den Menschen in und aus der Ukraine in Ihrer Not helfen. Dazu halten wir am 6. und am 13. März eine Sonderkollekte, die an Caritas International überweisen wird.

Es geht. Gerecht. ‑ Ermuntert uns die Fastenaktion MISEREOR. Aber was ist gerecht?

Gerecht ist, wenn jeder Mensch sich satt essen kann und einen Wohnraum für sich und seine Familie hat und wenn er für die Gesundheit sorgen kann durch saubere Toiletten und Waschmöglichkeiten.

Gerecht ist, wenn wir uns dafür einsetzen und auch danach fragen, wie diese Gerechtigkeit hergestellt werden kann.
Gerecht ist es auch, wenn wir danach fragen, warum so vielen Menschen das unerreichbar ist.

Liebe Schwestern und Brüder,
der Schrecken über den Krieg Russlands gegen die Ukraine steckt uns in den Gliedern. Wieder einmal regiert die Unvernunft, das Streben nach Macht und Größe, der verletzte Stolz – wieder einmal in der Geschichte der Menschheit regiert die Gewalt und treibt Menschen in den Tod.

Mich erschreckt nicht nur, der Angriffskrieg, den Russland gegenüber der Ukraine begonnen hat. Mich erschreckt auch die Reaktion in unserem Land. Der große Jubel bei Journalisten und Politikerinnen, dass nun endlich wieder aufgerüstet werden soll mit 100 Milliarden Euro.
Ich hatte gedacht, wir hätten gelernt, dass Waffen keinen Frieden bringen und dass wir besser eine Politik machen, die auf Verständigung setzt und nicht auf Konfrontation.
Die Begeisterung für neue Bewaffnung erinnert mich mit Schrecken an die Kriegsbegeisterung von 1914. Welcher Schrecken kam damals über die Welt!

Das ist ein fürchterlicher Rückschritt der Menschheit auf dem Weg zu einer Menschheitsfamilie, die miteinander und füreinander Verantwortung sieht und trägt und übernimmt.

Mir selbst und uns allen möchte ich Mut zusprechen.
Lassen wir uns nicht hineinziehen in die verführerische Spirale von Vergeltung und Feindseligkeit. Halten wir fest an der Hoffnung auf Gerechtigkeit und an dem Entschluss, immer einen Weg zu suchen, der zu mehr Frieden und mehr Gerechtigkeit führt.

Wir können Mut haben, denn Gott ist gerecht – nicht weil er die Guten belohnt und die Bösen bestraft, sondern in dem Sinn, den ich vorhin angedeutet habe: er wohnt in jedem Menschen. In jedem Menschen ist sein Leben. Jeder Mensch ist sein Ebenbild – egal woher und welches Geschlecht: männlich oder weiblich oder divers.

Unsere Gerechtigkeit ist, dass wir dieses Ebenbild ausprägen und es nicht zu einem Zerrbild werden lassen. Unsere Gerechtigkeit ist, dass wir deshalb Jesus nachfolgen. Auch als er in seinem entstellten menschlichen Körper am Kreuz hing – gerade da, als er für seine Verfolger betete – gerade da wurde er am meisten als Ebenbild Gottes sichtbar.
Es geht. Gerecht. Damit wir als Gottes Ebenbild erkennbar sind und die Menschen vertrauen und hoffen können. Amen.

Fürbitten:

Pr.: Gott, du erfüllst uns mit deinem Geist und gibst uns Kraft, damit wir einander Gutes tun und dadurch Zeugnis geben für deine Liebe.

L/A: Herr, wir kommen zu dir.

  • Gott, du hast uns als dein Ebenbild geschaffen

Herr, wir kommen zu dir.

  • Du willst dass wir vor dir in Frieden leben
  • Du bist die Liebe, nach der wir suchen.
  • Du hast uns durch Christus mit dir versöhnt
  • Du bist gerecht und schließt niemanden aus.
  • Du bist der Friede für jeden, der zu dir kommt.

Pr.: Wir beten zu dir, weil du Gott bist und alles in deinen Händen liegt.

  • Für die Menschen in der Ukraine: dass die Gewalt schnell ein Ende hat und Freiheit und Frieden zurückkehren.

L/A: Herr, erhöre unser Rufen

  • Segne uns und unser Bemühen, gerecht zu sein.
  • Gib uns Mut und Einsicht, damit wir die Wege zu Frieden und Gerechtigkeit finden und gehen.
  • Gib uns Kraft, dass wir unsere Verantwortung für andere erfüllen.
  • Stärke in uns die Liebe zu den notleidenden Menschen
  • Bestärke uns im Entschluss durch freiwilligen Verzicht unsere Selbstbezogenheit und Selbstsucht zu überwinden.

Pr.: Gott, du bist die Quelle des Lebens und alles lebt durch dich. Wir preisen dich heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.

Dankgebet:
Gott, unser Vater, wir danken dir für dein Wort, das du an uns gerichtet hast.
Es führt uns den Weg zu dir.
Wir haben das Aschenkreuz empfangen als Zeichen der Vergänglichkeit und der Umkehr.
Bleibe nun mit deinem Segen bei uns und gib uns Kraft,
damit wir uns durch Fasten, Almosen und Gebet für die Feier unserer Erlösung bereiten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

20.02.2022: 7. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,
einerseits bin ich versucht, meine Gedanken weiterzuführen zu unserer Kirche, zur Leitung unserer Kirche und zu den Veränderungen, die im synodalen Weg diskutiert werden.

Bei der letzten Versammlung vom 3. bis 5. Februar wurde ein erster Grundlagentext beschlossen. In diesem Grundlagentext heißt es ganz klar, dass die deutsche Kirche – auch die 2/3 Mehrheit der Bischöfe sich dafür einsetzt, dass verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden.

Außerdem heißt es da unter der Überschrift: Zugang von Frauen zum Amt:

„Wir setzen uns darüber hinaus dafür ein, dass Dienste und Ämter in der Kirche für alle Getauften und Gefirmten zugänglich gemacht und entsprechend ihren Charismen und Berufungen, ihrer Eignung, Befähigung und Leistung besetzt werden.
Wir regen eine synodale Verständigung auf weltkirchlicher Ebene an.
Wir sind überzeugt: Die neue Klärung der Zugangsvoraussetzungen schafft eine Grundlage dafür, dass die Gaben des Geistes, die der Kirche geschenkt sind, besser zur Wirkung kommen und das Zeugnis des Evangeliums an Kraft gewinnt.“

Diese Aussagen wurden auch von 70% der Bischöfe positiv verabschiedet!

Andererseits möchte ich über die Bedeutung der Texte der Hl. Schrift für unser heutiges Leben nachdenken und sie auslegen – gerade bei diesen Texten, die wir heute gehört haben:

Das erste Buch Samuel schildert, wie König Saul nach dem Leben trachtet, weil er durch ihn seine Macht gefährdet sieht. David musste vor ihm fliehen. Er wurde zum Anführer einer kampfbe­reiten Söldnertruppe.

Doch als er die Möglichkeit hatte, Saul, der ihn verfolgte, zu töten, tat er es nicht – weil er in ihm den von Gott erwählten König achtete.
Diese Geschichte ist im Hinblick auf das Evangelium ausgewählt.

Jesus spricht die an, die ihm zuhören, also uns, die wir an ihn glauben.
Was er uns ans Herz legt, ist eine völlig neue Weise des Menschseins.
Es wird nicht mehr zwischen Freund und Feind unterschieden.

Das Liebesgebot, also der Impuls, dem anderen zu helfen und ihm Gutes zu tun umfasst alle Menschen – auch die, die sich feindselig verhalten.

Jesus geht soweit, dass er sagt, wir sollen uns nicht gegen Unrecht wehren, das uns angetan wird.

Liebe Schwestern und Brüder, so unglaublich dieses neue Menschsein ist,
so sehr es mich überfordert in meinem Handeln und Verhalten ‑ dies ist einer der Gründe, warum ich zu Jesus halte und versuche, ihm zu folgen:

Dieses neue Menschsein ist die Zukunft. Barmherzig sein, die Schuld erlassen, Gutes tun – auch dem Feind, nicht richten und nicht verurteilen.

Schon jetzt und seit jeher gibt es dies unter uns Menschen – sonst gäbe es keine Menschen mehr! Die Menschheit wird weiter bestehen und diese Erde wird weiter unser Lebensraum sein, je mehr wir dieses neue Menschsein verwirklichen:

Wir werden lernen, die Wünsche des anderen zu achten wie unsere eigenen und ja: dies wird auch für die Beziehungen zwischen Staaten und Bündnissen gelten. Dann wird es keinen Krieg mehr geben, bei dem so viele Menschen, Tiere und kostbare Güter vernichtet und zerstört werden.

Menschen werden nicht mehr verurteilt und ausgeschlossen und abgewertet, weil sie anders leben, anders sind oder anders lieben.

Jesus sagt: Wir Menschen können das – lernen!

Umso verheerender ist es, dass Männer, die diese Botschaft verkünden sollen, selbst anderen Schaden zugefügt haben. Umso verheerender ist es, dass es einigen immer noch schwerfällt, ihre Verwicklung zuzugeben.

Wir sind mitverantwortlich: dass auch wir dafür eintreten und unsere Stimme erheben, dass sich unsere Kirche so verändert, dass in unserer Mitte solches Unrecht nicht vorkommt und wenn es vorkommt, aufgedeckt wird und die Betroffenen Hilfe und Gerechtigkeit erfahren und den Schutz der Gemeinschaft unseren Schutz.

Verheiratete Priester: ja ‑ Frauen als Priester: Ja; eine menschenfreund­liche Haltung zur Geschlechtlichkeit in all ihren Ausprägungen. Ja

06.02.2022: 5. Sonntag im Jahreskreis

Ansprache:

„Geh weg von mir, Herr, denn ich bin Sünder!“ – das war die Antwort von Franziskus auf die Frage was er als neuer Papst über sich selbst sagen könne.

In dem Abschnitt des Lukasevangeliums drückt Petrus nach dem übergroßen Fischfang mit diesen Worten seine Bestürzung aus, als er merkt, dass er es mit Gottes Kraft zu tun bekommt.

Aber Jesus sagt: „Fürchte dich nicht, von nun an wirst du Menschen fangen!“ – Derzeit laufen die Menschen uns weg – in Massen.

Wie kann das wieder anders werden?

Wenn wir uns von Paulus ins Gewissen reden lassen und am Glauben festhalten, den Paulus in wenigen Worten zusammenfasst: Jesus ist gestorben und begraben worden, er ist am dritten Tage auferweckt worden und erschien dem Kephas und dann über 500 Brüdern.

Und was ist dazu zweitens nötig? Das Jesajabuch drückt es in dichterischer Sprache aus: Jesaja sagt, in einer Vision wären seine Lippen mit glühenden Kohlen berührt worden, um sie zu reinigen. Dann erklärte er: Hier bin ich, Herr, sende mich.

Ich habe keinen Grund, an der göttlichen Kraft zu zweifeln. Ich vertraue darauf, dass Gott die Schöpfung niemals aufgeben wird, sondern dass sie erfüllt ist von der Herrlichkeit Gottes – dreimal heilig ist er. So stimmen wir im Sanctus in das Lob des himmlischen Heeres ein.

Wir Christen und besonders die, die in der Kirche ein Amt übernehmen und innehaben, bedürfen der Reinigung, ehe wir uns senden lassen. Damit wir wirklich reine Absichten haben und nicht hinter der Fassade des Seelsorgers verwerfliche Absichten verfolgen.

Wenn diese „Reinigung“ unterbleibt, kommt es zu solchen verbrecheri­schen Taten, wie sie in den diversen Gutachten seit nun schon 20 Jahren immer wieder auftauchen.

Es genügt eben nicht, den Katechismus zu kennen. Wer Christus verkün­den möchte, muss ein reifer und stabiler Mensch sein, mit einem eigenständigen Charakter. Eine Person, die keinem anderen Schaden zufügt und die ihre Stellung und niemanden auf irgendeine Weise missbraucht.

Solche gefestigten Personen, ob nun mit bischöflicher Beauftragung und in einem kirchlichen Beruf oder in einer Pfarrgemeinde und im eigenen Lebensumfeld sind gesandt, die Botschaft zu verkünden, den Glauben, den Paulus verkündet hat.

Ist ihnen bewusst geworden, wie knapp dieses Bekenntnis ist? Auch das Glaubensbekenntnis ist sehr überschaubar. Da ist im Lauf der Zeit vieles hinzugefügt worden: die leibliche Jungfräulichkeit Mariens nach der Geburt, genaue Vorschriften zum sexuellen Verhalten, die Unfehlbarkeit des Papstes, die Ehelosigkeit für Weltpriester. Der Katechismus ist ein dickes Buch, in dem alles zusammengetragen ist.

Doch eines steht für mich fest: Vieles wurde zu seiner Zeit als wichtig und richtig erkannt und war es hoffentlich auch. Doch genau deshalb haben wir Christen auch heute die Pflicht zu erkennen, was heute wichtig und richtig ist, damit Jesu Botschaft den Menschen Trost und Zuversicht bringt und ihre Liebe stärkt.

Bischöfe, die dies abtun mit dem Vorwurf, dass man dem Zeitgeist nicht nachlaufen dürfe, versuchen jegliche Erneuerung im Keim zu ersticken und setzen in gewohnter Weise dafür ihre innerkirchliche Macht ein. Das bringt viele Christen dazu wegzulaufen.

Wir Christen, das Volk Gottes, sollen die reine Lehre verkünden: Christus, der auferweckt wurde, der durch die Sünden der Menschen ans Kreuz geschlagen wurde. Wir verkünden, dass Gott unsere Zukunft ist und dass wir in ihm leben und leben werden. Dazu sendet und Christus!

Wenn wir auf sein Wort hin und nicht verfälscht durch unsere eigenen Regeln seine Botschaft verkünden und noch wichtiger, zu den verletzten Menschen gehen und ihnen aufhelfen und ihre Wunden versorgen, Dann – werden die Netze auch wieder voll sein.
Denn es gibt so viele Menschen, die sich nach Heilung sehnen und nach Ansehen und nach Respekt und nach Hoffnung.

23.01.2022: 3. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,
mich bewegt heute zweierlei: erstens möchte ich jetzt in der Gebetswoche für die Einheit der Christen uns allen diesen Auftrag Jesu ans Herz legen:
Unsere verschiedenen Konfessionen haben ihre Berechtigung – gerade wegen ihrer Unterschiede. Es wäre gar nicht wünschenswert, sie zu verschmelzen. Doch es ist notwendig, dass wir einsehen und verstehen: die Unterschiede trennen uns nicht von Jesus. Sie dürfen uns nicht daran hindern, das Brot miteinander zu brechen und freudig zusammenzukommen. Unsere Bischöfe sollten endlich aufhören, dies zu blockieren.
– wie das manche Bischöfe getan haben, als es um die Möglichkeit ging, dass ev. Ehepartner zusammen mit ihrem katholischen Partner zur Kommunion gehen.

Damit zusammenhängt das Zweite, was mich bewegt:

Das ist natürlich die Veröffentlichung des Gutachtens über die sexuelle Gewalt seit 1945 in unserem Nachbarbistum vor wenigen Tagen: Seit 1945 haben alle Bischöfe und ihre Generalvikare und Personalverantwortlichen unzureichend reagiert, wenn Priester oder andere kirchliche Mitarbeiter Menschen durch sexualisierte Gewalt schweren und schwersten Schaden zugefügt haben.

Dabei beschäftigt mich natürlich die gleichen Fragen, die von Journalisten gestellt werden: Warum wurde nicht anders gehandelt? Was sind die tieferen Gründe? Gibt es überhaupt entlastende Umstände?

All das wird in der Öffentlichkeit jetzt ausgiebig diskutiert und die Verantwortlichen werden dafür angeklagt.

Mich beschäftigt aber eine andere Frage: Wie kann ich mir und ihnen und wie können wir unseren Bekannten und Freunden erklären, dass wir dennoch als Kirche zusammenhalten.

Der einzige Grund für mich ist: Ich glaube an Jesus und ich glaube ihm, der seine Sendung so beschrieben hat: Ich bin gekommen, um die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen.

Genau das hat er in seinem Leben getan und er hat uns beauftragt es auch zu tun.

Und wenn es noch so viele Christen gibt, und auch Bischöfe, die diesen Auftrag nicht erfüllt haben, ja sogar selbst mitschuldig oder schuld daran sind, dass Leid zugefügt wurde – so glaube ich an diese Sendung durch Jesus von Nazareth. Und ich weiß, dass viele Christen diese Sendung in berührender und bewundernswerter Weise erfüllen.

Allerdings es ist mir ganz und gar nicht gleichgültig, dass in meiner Kirche sexualisierte Gewalt gedeckt wurde und vielleicht immer noch wird.

Mag das ein Problem der ganzen Gesellschaft sein – aber in der Kirche darf das nicht sein und hätte nie sein dürfen.

Wir müssen unsere Kirche verändern. Diese Kirche braucht einen Heilungsprozess und es nicht nur eine Krankheit, an der wir leiden.
Und wie Paulus es so eindrucksvoll meditiert: Leidet ein Glied, dann leiden alle Glieder mit. Deshalb dürfen auch die leitenden Personen nicht sagen, das sei ihre Sache. Es ist unser aller Sache, dafür zu sorgen, dass sich die Kirche ändert.

Und unser Beitrag kann nur sein, dass wir die Missstände benennen,
dass wir Änderungen vorschlagen und fordern.

Viel zu lange schon leben die Bischöfe und auch Pfarrer in Palästen und sind ausgestattet mit Herrschaftszeichen; Stab und Mitra und Priester­kragen. So konnten die Krankheiten des Hochmuts, der Unbelehr­barkeit und der Gefühlskälte Einzug halten.

Wir Katholiken dürfen uns nicht mehr widerspruchslos gefallen lassen, wenn ein Bischof das, was sehr viele Katholiken denken und wollen völlig missachtet und stattdessen seine Meinung als die einzig Richtige und Denkbare darstellt. Ersparen wir uns die immer gleichen Beispiele.

Es kann nicht mehr sein, dass jemand aufgrund seines Amtes sagt: Die Sache ist entschieden, weil ich es will. Vielmehr müssen die „Oberen“ auf jeder Ebene der Kirche mit Macht daran erinnert werden, dass sie verpflichtet sind, auf die zu hören, deren Leitung ihnen anvertraut ist.

Die geweihten Amtsträger in der Kirche sind nicht zu Herrschern geweiht, sondern dafür, für das Volk die Sakramente zu feiern, diese Zeichen, in denen uns Gottes Kraft zugesprochen wird. Sie sind gesandt, die frohe Botschaft Jesu zu verkünden und auszulegen.

Ganz offenbar ist es notwendig, dass aber das Volk Gottes, also Laien, zur rechten Zeit den geweihten Amtsträgern deutlich macht, welche praktischen Folgerungen daraus zu ziehen sind.

Wenn Laien stark auftreten, ist das ein erstes Zeichen, dass die Heilung beginnt.

Nur Mut!