02.01.2022: 2. Sonntag der Weihnachtszeit

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
In der Weihnachtszeit kommen wir oft zusammen und feiern Gottesdienst. Wir feiern Gottes Dienst an uns!
Wir singen ja in dem Lied: Christ ist erschienen, um uns zu dienen.
So wie Jesus es gesagt hat: Ich bin unter euch wie der, der bedient und hat seinen Jüngern die Füße gewaschen.

Als danken wir Gott für seinen Dienst, für seine größte Gabe, das Leben:

Herr, Ursprung des Lebens.
Quelle der Freude.
Ziel unsrer Hoffnung.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
„Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort“. Dieser erste Satz des Johannesevangeliums geht mir leicht ins Gehör. Wie könnte ich ihn nicht auswendig rezitieren können.

Dennoch frage ich mich und sie: „Was können wir über Gott und das Wort sagen und wissen?“

Reden wir über Gott! dann reden wir über den, der uns unzugänglich ist, den auch die vier sogenannten Gottesbeweise des Thomas von Aquin und der des Anselm von Canterbury nur dem beweisen können, der schon an ihn glaubt.

Was können wir über Gott und das Wort sagen und wissen?
Aus menschlicher Perspektive im Grunde nichts. Kein Mensch hat ihn je gesehen, kein Ohr gehört. Trotzdem gehört der Glaube an Gott oder Götter zum Menschen wie die Fähigkeit zu Sprechen oder Bilder zu malen.

Wenn wir über Gott sprechen, sprechen wir also zugleich über uns Menschen. Wir sprechen über das Höchste, das wir Menschen und vorstellen können.

Wir Menschen finden in dieser Erde alles, was wir zum Leben brauchen. Wir empfinden Berge, Gewässer, Pflanzen, Tiere als schön oder auch als ekelig. Nahrung und Wasser, Wärme und Höhlen geben uns Schutz und erhalten uns am Leben. Es gibt so viel davon, dass man sogar dick davon werden kann.

Zugleich lauert überall der Tod: die Kälte, die wilden Tiere, Hitze, Stürme und Fluten, Trockenheit, Krankheiten – wir müssen uns in Acht nehmen.

Was uns nützt, nennen wir gut, was uns schadet, nennen wir böse. Auch in uns ist das Gute und das Böse: wir können anderen viel Gutes tun und wir können ihnen Böses tun.

Wir Menschen haben ein leistungsfähiges Gehirn: Wir beobachten Dinge, wir probieren sie aus, wir untersuchen sie, wir überlegen wie das funktioniert und was es bedeutet und mit diesen Erkenntnissen überleben wir nicht nur, sondern wir gestalten die Welt und bauen sie um.

Wir verbessern unser Leben. Wir wollen nicht frieren und nicht hungern, wir suchen Bequemlichkeit, sogar Luxus und neue Lebensräume ‑ sogar im Weltall.

In all dem wirkt eine Urkraft, die im ganzen Universum wirkt und wir haben Anteil an dieser Kraft, die wir in uns spüren, die wir nützen, die uns antreibt, auf die wir hören.

Diese Kraft, diese Energie, die Neues schafft, die Leben zeugt, drückt sich in dieser Schöpfung aus, sie lebt in dieser Schöpfung, sie ist diese Schöpfung – doch sie ist mehr als diese Schöpfung, weil diese Schöpfung der Ausdruck ihres Seins ist und nicht sie selbst.

Da wir uns nun so weit vorgewagt haben im Nachdenken über uns und das Universum und die Kraft, durch die dieses Universum entsteht und sich entwickelt, wage ich noch einen Schritt:

Wir Menschen erfahren nicht nur unsere Kraft, Neues zu erschaffen.
Wir erleben in uns noch andere Kräfte, die in uns wirken, die unsere Handlungen bestimmen und unsere Beziehungen prägen:
Wir vertrauen und fürchten, wir lieben und hassen, wir hoffen und bangen.

Doch das, was wir selbst geschaffen haben, lieben wir, denn wir haben es uns vorgestellt und gewünscht und es vollbracht.

Wir rächen und wir vergeben, wir befeinden und wir versöhnen,
wir bestrafen und belohnen, wir verachten und haben Erbarmen.

Doch besser wird unser Leben im Vergeben und Versöhnen, im Belohnen und Erbarmen.

Ich kann nicht anders von Gott, dieser ursprünglichen Kraft reden, als dass sie gut ist: aus Liebe drückt sie sich in dieser Schöpfung aus und deshalb kann ich dieser Kraft vertrauen und hoffen, dass sie nicht in Selbstzer­störung endet, sondern immer lebt und Leben wirkt und Erbarmen hat. Und ich hoffe darauf, Gott zu erkennen und wie in ihm Tod und Leben, Gutes und Böses versöhnt sind.

„Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“
Und es wohnt unter uns – heute und immer. Amen.

31.12.2021: Jahresschluss

Gott, der jeden Tag bei uns ist und uns mit seinem Geist erfüllt,
seit mit euch

Einführung:
In Unterfranken wünscht man sich in den Tagen vor dem 31. Dezember einen „guten Beschluss“. Ich finde, das ist eine schöne regionale Eigenheit: Es ist ja wichtig, das Jahr gut zu beschließen. Das hilft auch, um das neue Jahr gut anzufangen.

Dieses Jahr war kein leichtes. Wir kämpfen uns mühsam durch die Zeit der Pandemie. Aber wir leben: Es gab hoffentlich viele Anlässe, sich zu freuen.
Es gab hoffentlich viele schöne und gute Begegnungen.
Es gab- hoffentlich nur wenige Enttäuschungen, nur wenig Misserfolg, nur wenig Streit.

Herr Jesus Christus, du bist das Licht in unserem Leben.
Herr Jesus Christus, du zeigst uns den Weg zum Leben.
Herr Jesus Christus, du bist das Ziel unsres Lebens.

Vergebungsbitte
Der Blick zurück zeigt uns Gutes und Böses, Freude und Trauer und so bitten wir: Gott unser Vater schenke uns sein erbarmen. Er vergebe uns und führe uns zur ewigen Freude!

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
an Silvester würde ich gerne eine Ansprache halten an die Regierenden Frauen und Männer, an die Bischöfinnen und Bischöfe in den christlichen Kirchen und nicht zuletzt selbstverständlich an die Bevölkerung – sowohl in der Kirche als auch außerhalb – aber: selbst wenn ich alle Weisheit dieser Welt besäße und der Heilige Geist direkt aus mir spräche:
ich steh hier in unserer Gemeinde und leite diesen Gottesdienst und –
ja, was ist wirklich meine Aufgabe heute und jeden Tag?

Jesus sagt: Sorgt euch zuerst um das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere dazugegeben:
das Reich Gottes verkünden, heißt: Frieden stiften, so dass in die Herzen Frieden kommt;
es heißt aber auch: mahnen: so dass wir wachsam bleiben und nicht müde werden.
und es heißt auch: Unruhe stiften, den Finger in die Wunde legen,
auf Unrecht und Ungerechtigkeit hinweisen und zur Umkehr rufen.

Liebe Mitchristen; jede und jeder von uns kann sich die Frage stellen: Was habe ich falsch gemacht? Und ihm wird so manches einfallen – sehr oft ist es wahrscheinlich nur ein zu wenig oder zu viel.
Jeder kann sich fragen: Was ist in diesem Jahr gut gelaufen? Was schlecht?

Erlauben sie mir an dieser Stelle einen Blick auf 4 Wochen dieses Jahres. Von Palmsonntag bis 25. April – also genau über Ostern – gab es in der Herz Jesu Kirche keine Gottesdienste – als freiwillige Kontaktbeschränkung in der 3. Coronawelle.

Diese Entscheidung fanden viele richtig und viele falsch. Die stärkeren Wirkungen gab und gibt es natürlicherweise bei denen, die sie falsch fanden: Ihnen wurden die Osterfeiern in der vertrauten Gemeinde weggenommen. Die Argumente gegen die Absage der Gottesdienste zählten weniger. Die Verbindung zur Gemeinde hat dadurch Schaden genommen.

Das tut mir leid. Niemand wollte jemandem weh tun und Schmerz zufügen. Und ich bitte einfach darum: bleiben sie mit der Gemeinde Herz Jesu verbunden. Bleiben wir dennoch gemeinsam auf dem Weg – auch, wenn diese vier Wochen und besonders die Ostertage für sie eine große Enttäuschung waren und sie sich noch immer darüber ärgern.

Wir alle sollten versuchen, die Gründe der anderen zu verstehen.
Wir können uns gegenseitig zutrauen, dass wir den Glauben gerne leben und feiern und dass wir uns gegenseitig wichtig und wertvoll sind.

Deshalb bin ich denen dankbar die, die ihren Unmut, ihren Widerspruch geäußert haben, so wie auch denen, die ihre Zustimmung und Anerkennung ausgedrückt haben.

Ich danke allen, die weiterhin mitmachen in der Pfarrei, die zu den Gottesdiensten kommen und hoffe, dass wir im gemeinsamen Weitergehen diese Enttäuschung überwinden.

Liebe Gemeinde, wir brauchen den Zusammenhalt: die flapsigen Sprüche wie „Wir sind – mit Abstand – die Besten“ und ähnliche waren eine Hilfe, um uns an die Verhaltensänderungen zu gewöhnen. – Aber jetzt brauchen wir einen langen Atem, Beharrlichkeit und Geduld und Vertrauen.
Dazu können wir uns gegenseitig stützen, ermuntern, Mut machen.

Die Natur stellt die Menschheit durch diesen Virus vor eine große Herausforderung: und unsere Aufgabe ist, sie zu bestehen: möglichst wenige Menschen sollen Schaden leiden. Es wird uns nach der Pandemie helfen, wenn wir – jeder – das mögliche dafür getan haben.

Im Rückblick auf das vergangene Jahr und in der Vorausschau auf das kommende können die beiden Schriftlesungen eine Hilfe sein:
„Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes – nichts im Leben und nicht einmal der Tod.“ Dieses Bewusstsein gibt uns Sicherheit und ist ein Rückhalt, der nicht zu überwinden ist.

Und daraus ziehen wir die Konsequenz: Um glücklich zu sein, also im Einklang mit sich selbst, ist nur eines wichtig: Sorgen wir uns zuerst um Gottes Reich: darum, dass wir unterstützen, helfen, heilen, teilen, trösten, stützen – dann werden wir alles erhalten, was wir brauchen, um diesen Weg zu gehen. Amen.

25.12.2021: Weihnachten

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
warum lasse ich mir, warum lassen sie sich
den Glauben an Jesus Christus nicht ausreden?

Es gibt zahlreiche Argumente, die uns entgegengehalten werden:

Die Erzählungen des Lukas- und des Matthäusevangeliums sind völlig verschieden und lassen sich auch nicht harmonisch zusammenfügen.

Die Jahresangaben in den Evangelien sind zu ungenau. Man kann nicht sagen, wann Jesus geboren wurde.

Die Geburtsgeschichten enthalten viele Elemente, die sich auch in außerchristlichen und zum Teil älteren Geburtsgeschichten bedeutender Menschen finden lassen.

„Was stimmt eigentlich noch? Kann ich das alles noch glauben?“

Muss ich auch gar nicht. Denn es ist eigentlich glasklar: Die Geburtsge­schichten sind Geschichten, die den Glauben an Jesus verkünden.
Sie sind keine Reportage, sie entspringen keinen Tagebucheinträgen.

Lukas und Matthäus verwenden Anspielungen auf Verheißungen in der hebräischen Bibel, sie greifen sogar außerchristliche Motive auf und bringen sie mit Jesus in Verbindung. Sie verkünden jeder auf seine Weise:
Jesus ist der Heiland, der Sohn Gottes, der Retter.

Zusätzlich wird uns entgegengehalten: Jesus hat die Welt nicht gerettet!
Seuchen, Kriege, Feindschaften, Naturkatastrophen, Boshaftigkeit usw. sind nicht weniger geworden.

Auch das stimmt selbstverständlich. Und es ist ‑ bemerkenswert(!), dass Jesus sich gar nicht wie der Retter der Welt verhalten hat: Er hat keine Soldaten rekrutiert, er hat nicht demonstriert, er hat nicht behauptet, alles Leid dieser Welt abzuschaffen.

Im Gegenteil: Er hat darauf hingewiesen, dass es immer Arme geben wird, dass Naturkatstrophen die Menschen erschrecken werden, dass die Menschen weiter Krieg führen werden.
Allerdings hat Jesus auch gesagt: Mein Reich ist nicht von dieser Welt! Und er hat sich nicht unterkriegen lassen: Er hat seinem himmlischen Vater vertraut, mehr als ihm der Tod Angst gemacht hat.

Da haben wir es wieder: Sein himmlischer Vater. Er ist der Sohn! Der Sohn Gottes!

Es geht nicht darum, wie er gezeugt wurde.
Es geht nicht darum, wer sein biologischer Vater gewesen ist –
auch nicht darum, wer seine biologische Mutter war.

Gottes Sohn ist Jesus aus einem viel tieferen Grund:
Seine Gedanken und Worte und seine Handlungen haben eine Wurzel:

Das Vertrauen in den himmlischen Vater und seine schöpferische Liebe.

In den Evangelien ist überliefert und auf jeder Seite verständlich:
Die Liebe Jesu zum Leben und zu seinem Ursprung.

Jesus geht es ums Leben. Er hat den Menschen das Leben zurückgegeben:
davon erzählen die Heilungsgeschichten.

In seinen Lehren, seinen Weisungen und seinen Reich Gottes Gleichnissen hat Jesus den Weg gezeigt und erklärt. Wer sein Denken studiert und lernt so zu denken wie er, der kann – so wie Jesus selbst und vielleicht sogar noch mehr – dem Leben dienen, dem Leben aufhelfen,
die Menschen trösten und versöhnen und Frieden finden.

Deshalb verkündet das Johannesevangelium in seinem Vorwort:

Allen, die an ihn glauben, gab er Macht Kinder Gottes zu werden.

Liebe Schwestern und Brüder, Jesus heilt meine Seele – immer wieder – so dass sie nicht zerrissen wird von Angst und Aggression;
Jesus versöhnt mich mit meinem Leben und meiner Geschichte,
Jesus hilft mir, Frieden zu finden,
er zeigt mir den Weg des Lebens.

Und deshalb lasse ich mir den Glauben nicht ausreden, sondern feiere die Geburt meines Retters und Lehrers, der mich lehrt, ein Kind Gottes zu sein.

Fürbitten

Pr.: Gott, himmlischer Vater, du bist da, in uns und wir sind in dir.
Es ist eine unlösbare Einheit zwischen dir und uns. Deshalb beten wir für die Menschen, dass sie heil werden:

Herr, erhöre unsere Bitten.

  • Wir beten für die Mutlosen, um Mut.
  • Wir beten für die Menschen, die sich selbst Vorwürfe machen:
    um Versöhnung.
  • Wir beten für die Menschen in Armut und Not: um ein menschenwürdiges Leben.
  • Wir beten für die Glaubenden: dass sie immer besser lernen, deine Kinder zu sein.
  • Wir beten für die werdenden Mütter und Väter, um Freude und Zuversicht.
  • Wir beten für die Menschen in Russland und Belarus: dass sie vom Krieg verschont bleiben.
  • Wir beten für unsere Lieben: um Gesundheit und Wohlergehen.

Pr.: Gott, wir danken dir für das Leben, wir preisen dich für deine wunderschöne Schöpfung und wir ehren dich durch unsere Liebe zu deinen Geschöpfen. Amen.

19.12.2021: 4. Adventsonntag

Einführung: Die Tage vor Weihnachten sind kritische Tage. In der Familie und im miteinander der Staaten ballen sich in manchen Jahren Dramen zusammen. Es gab auch schon Terrorakte gerade um die Weihnachtstage.

Das Lukasevangelium hingegen erzählt eine Geschichte, wie zwei werdende Mütter zusammenkommen und von der Freude, die sie erleben.

In unseren Gottesdiensten müsste die Begegnung mehr Platz haben.
Wenn Menschen sich begegnen, die Liebe bedenken und sich verbünden,
da berühren sich Himmel und Erde und der Friede wächst.

Wir wollen die Liebe bedenken: die Liebe Gottes und wie wir Liebe schenken können.

Herr Jesus Christus,
Du bist das Wort des ewigen Vaters.
Du stillst die Hoffnung auf Frieden.
Du versöhnst uns mit unserem himmlischen Vater.

Tagesgebet:

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
ist unsere Zeit wirklich schwer? Aus dem Blickwinkel der Jahre zwischen 1980 und 2000 ganz sicher: In den letzten 20 Jahren musste die ganze Welt und auch wir in Europa und in Bayern viele Krisen überstehen:
Und seit fast 2 Jahren ist es das erste Mal, dass eine Krise wirklich jeden Menschen betrifft und erfasst:
Unser tagtägliches Verhalten wird dadurch bestimmt, Angst und Verweigerung prallen aufeinander, Beruf, Erwerb und Freizeitmöglichkeiten sind eingeschränkt bis hin zur Reglementierung, dass man sich privat nicht nach Belieben treffen kann.

Diese Krise wirkt auch so als ob man eine Decke wegzieht und Dinge zum Vorschein kommen, die man nicht gesehen hat oder nicht sehen wollte:

Es gibt viele Menschen, mehr als man dachte, die unzufrieden sind: 
Sie fühlen sich benachteiligt, und sie haben oft wenig Einkommen,
sie fühlen sich von der parlamentarischen Demokratie übersehen und nicht ernstgenommen. Sie haben Wut im Bauch, die in Hass umschlägt und auch in Gewalt.

Der Propheten Micha lebte in einer Zeit, in der es ähnliche Erfahrungen gab: Viele waren unzufrieden, weil die Männer um König Ahas in Jerusalem sich immer mehr Macht und Einfluss verschafften und die einfache Bevölkerung auf dem Land immer ärmer machten.

Micha protestierte dagegen: „Ihr erbaut den Tempel mit Blut und die Stadt Jerusalem mit lauter Unrecht!“ Er droht: „Jerusalem wird ein Trümmerhaufen werden!“

Micha ist ein Bauernprophet aus dieser unteren Einkommensschicht, aber ein Prophet: einer, der im Namen Gottes spricht: er ruft nicht zum Umsturz auf. Er redet den Reichen und Mächtigen ins Gewissen, damit sie erkennen, wohin ihr Handeln führen wird und damit sie das ausbeute­rische Unrecht beenden. Er sagt: Wenn ihr nicht auf Gott hört und wieder Gerechtigkeit übt, wird das Unheil kommen nicht nur über die anderen, sondern auch über euch.

Liebe Schwestern und Brüder, ich befürchte, dass das für alle Zeiten gilt:
Wenn die Reichen und Mächtigen den Bogen überspannen, wenn sie unersättlich immer noch mehr Reichtum und Macht sammeln, endet es am Schluss in der Katastrophe.

Darum hoffe ich sehr, dass unsere Gesellschaft, unsere Parlamente und die Interessensgruppen, sich aufraffen und etwas ändern:

Welch ein Ruck ginge durch die Gesellschaft, wenn der Ertrag der produktiven Arbeit wieder mehr in die Hände derer ginge, die ihn erwirtschaften.

Welch ein Ruck ginge durch die Gesellschaft, wenn man darauf achtet, was die wahren Ursachen jener Wut sind, die sich in Parolen Luft macht, die eher die wahren Probleme verdecken und sie deshalb auch nicht lösen werden – selbst wenn ihre Anführer die Macht erringen würden.

Doch viel zu viele Menschen– die Reichen und Mächtigen und die wütenden und oft auch hasserfüllten Menschen – laufen dem Irrtum nach, sie könnten aus eigener Kraft ihr eigenes Glück schmieden – nur für sich und ihre Freunde und sagen: „Gott brauche ich dazu nicht!“

Doch gerade und besonders der Glaube an Gott versetzt uns in die Lage, nicht das eigene Wohl, nicht den eigenen Wunsch in die Mitte zu stellen, sondern das Wohl des anderen zu suchen wie das eigene.

Ja, auch wir Glaubenden lassen uns blenden: auch wir genießen den Wohl­stand und fragen nicht immer, wie er entsteht. Oft sieht es so aus, als würden auch unsere Anführer die Menschen ohne Macht und Geld übersehen. Die Mitren und Hirtenstäbe und Messgewänder glänzen von Gold und Seide.

Darum sollten wir auf den Propheten Micha hören: Es gibt keinen Frieden, wenn nicht auch die Armen daran Anteil haben. Die Menschen, die in „Bethlehem“ wohnen. Von den missachteten Leuten kommt die Rettung. Selig sind, die glauben, was Gott ihnen sagen lässt:
Frieden und Gerechtigkeit sind die zwei Seiten einer Medaille und sie gedeihen gebettet in Barmherzigkeit und Sanftmut.

Fürbitten

Pr.: Gott, Vater der Armen und Retter der Machtlosen. Wir bitten dich:

  • Für die Menschen in Bethlehem, die umgeben sind von haushohen Betonwänden und nur mit großen Hindernissen ihre Stadt verlassen dürfen: dass sie Frieden erleben dürfen, als gleichberechtigte Bürger in ihrem Land.
  • Für die Menschen, die voller Wut und Hass sind, dass ihre Not gehört wird und dass sie zur Besinnung kommen und nicht durch Gewalttaten ihren berechtigten Anliegen schaden.
  • Für die Nationen Europas und Russland: dass sie sich nicht der schein­baren Zwangsläufigkeit hin zu militärischer Gewalt ergeben, sondern im Gespräch die Konflikte austragen und nach fairen Lösungen suchen.
  • Für unsere ganze Gesellschaft: dass die Abscheu vor Gewalt gegen Menschen und Sachen tief in uns einwurzelt und wir stattdessen den Frieden lieben und das Leben und den Besitz des anderen achten.

Pr.: Gott, du sendest Jesus in diese Welt, um uns zu versöhnen. Um deines Namens willen, sende deinen Geist in die Herzen der Menschen,
dass sie den Frieden suchen – in allem, was sie tun. Amen.


28.11.2021: 1. Adventsonntag Lesejahr B

Einführung:
Es gibt so viele Krisen und Gefahren und Katastrophen.
So viele Menschen (manchmal auch ich selbst) verhalten sich rücksichtslos, gleichgültig, nur auf sich selbst bezogen, sorglos und sogar verantwortungslos.

Wie wird das weitergehen? Wo wird das hinführen?

Was erwarten wir? Was wird kommen? Kann es gut werden? Gibt es eine Zukunft?

Lassen wir unsere Hoffnung stärken. Öffnen wir uns für Gottes Geist.
Das ist kein Geist der Verzagtheit sondern

Kyrie
Herr Jesus Christus, du führst uns den Weg.
Du machst uns Mut, auf dein Reich zu hoffen.
Du stärkst unsere Hoffnung auf Leben und Heil.

Tagesgebet:

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
was wird in 3 Jahren sein oder in 20?
Diese Frage kann ich auf mich beziehen:  Was wird mit mir sein?
In 3 Jahren? Hoffentlich bin ich noch Pfarrer, hoffentlich kräftig und zufrieden und voller Pläne. In 20 Jahren allerdings, muss ich damit rechnen, dass ich vielleicht schon gestorben bin – aber nicht tot!
Ich glaube ja an das Leben in Gottes Ewigkeit.

Wie sehen Sie ihre Zukunft in 2 in 6 oder in 20 Jahren?

Diese Frage können wir aber auch auf unser Land beziehen, auf Europa, auf die Welt: Werden wir es schaffen, dass wir den Menschen in den Küstengebieten neuen Wohnraum schaffen – weil ihr bisheriger Lebensraum durch den steigenden Meeresspiegel unter Wasser ist?

Werden wir die Pandemie überwunden haben?

  • Werden die großen Machtblöcke der Erde einen Weg gefunden haben, friedlich miteinander zu existieren und sich gegenseitig zu nützen statt zu bekämpfen?
  • Werden die Atomwaffen abgeschafft sein?
  • Werden die Länder der EU es schaffen, ihre freundschaftlichen Beziehungen zu vertiefen und ihre unterschiedlichen Interessen gerecht auszugleichen?
  • Wird die Lebensqualität besser geworden sein?
  • Diese Aufzählung ließe sich noch lange fortsetzen.

Im Kern geht es um die Frage: Glaube ich an eine gute Zukunft für die Menschen? Trotz aller Krisen und Katastrophen, die es immer wieder geben wird? Glaube ich daran, dass der Mensch es schafft kann, einen Weg in die Zukunft zu finden?

Dieses Vertrauen und diesen Glauben an die Menschheit stärkt die 1. Lesung aus dem Buch Jeremia: Die gerechten Menschen werden Recht und Gerechtigkeit wirken. Israel kann in Sicherheit wohnen.

Damals war das auf das Volk Israel bezogen. Israel soll den Mut nicht verlieren. Es wird Recht und Gerechtigkeit geben im Land, weil sie wieder auf Gott hören.

Paulus im 1. Thessalonicherbrief und auch die Stelle aus dem Lukasevangelium stärken auch das Vertrauen in die Zukunft und den Mut, bewusst auf diese Zukunft zuzugehen:

„Lebt so, dass euer Leben Gott gefällt!“ mahnt Paulus die Christen – also auch uns heutige:

Das Evangelium warnt uns davor, dass unsere individuellen Bedürfnisse und Ansprüche, unsere Wünsche nach Annehmlichkeit (Rausch und Trunkenheit) und die Sorgen des Alltags unser Tun bestimmen:

Denn wenn wir anfangen würden, Unrecht zu tun und selbstsüchtig zu handeln, würden wir nicht mehr an eine gute Zukunft glauben. Dann hätten wir aufgegeben. Wir hätten uns vom Glauben an Gott abgewandt.

Und wenn es dann soweit ist, dass in der Zukunft Mitgefühl zählen und Hilfsbereitschaft, Rücksicht und Nachsicht mit den Fehlern der anderen.
Dann würden wir einsehen müssen, dass wir auf dem verkehrten Weg waren.

Schwestern und Brüder, wir sind Christen und glauben an die Botschaft Jesu vom Reich Gottes. Wir erwarten dieses Reich! Es ist im Kommen und es ist schon da, wenn wir auf Jesus hören.

Darum sollten wir geduldig und beharrlich bleiben und handeln, wie es dem Glauben an Gottes Reich entspricht:
Das Gemeinwohl ist wichtiger als meine selbtbezogenen Ansprüche;
Es ist wichtiger, dass alle satt werden, als dass ich meinen Besitz vermehre.
Es ist besser Rücksicht zu nehmen, als zu fordern.
Zuvorkommenheit macht das Miteinander geschmeidig, wie die Butter das Brot. Und Freundlichkeit versüßt das Leben wie der Honig die Speisen.

Liebe Schwestern und Brüder! Erwarten wir Gottes Reich und gehen wir weiter darauf zu. Es wird kommen – auch durch uns. Es ist Advent!

Fürbitten

Pr.: Vater im Himmel, wir leben in einer schwierigen Zeit. Wir sorgen uns um die Menschen, die krank werden und dass es so viele sind.
Wir spüren, wie sich die Menschen entzweien und einander verurteilen und einander nicht verstehen. Deshalb beten wir zu dir:

A: Guter Gott, dein Reich komme, dein Wille geschehe

  • Wir beten, dass Rücksicht und Nachsicht das Miteinander der Menschen erleichtern.
  • Wir beten, dass in den Menschen das Bemühen wächst, den anderen zuzuhören und seine Sorgen und Anliegen zu verstehen.
  • Wir beten, dass die Menschheit begreift, dass sie eine Familie ist, in der alle miteinander verbunden sind.
  • Wir beten, dass die Abscheu vor der Gewalt die Menschen davor bewahrt, anderen weh zu tun und Schaden zuzufügen.
  • Wir beten, dass die Zuversicht in eine gute Zukunft den Willen stärkt, geduldig und beharrlich das Gute zu tun.

Pr.: Du Gott hast Deinen geist in uns gelegt, den Geist der Hoffnung und der Geduld und der Zuversicht. Wir erwarten, dass dein Reich kommt und wir dich preisen werden zusammen mit allen Menschen. Amen.


21.11.2021: Christkönigssonntag

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Jemand hat mir erzählt, dass er beim Bücherkauf den Schluss eines Buches liest und dann entscheidet, ob er das Buch kaufen möchte. Der Schluss, das Ende fasst nochmals alles zusammen.

Heute endet das Kirchenjahr. Dieser Sonntag setzt den Schlusspunkt – nachdem wir die Erwartung des Messias, seine Ankunft, sein Leben, sein Sterben und Auferstehen, seine Heimkehr zum Vater und seine Gabe den Heiligen Geist erinnert haben.

Der Schlusspunkt heißt: „Jesus Christus ist König. Aber sein Königtum ist nicht von dieser Welt.“

So wie das Lukasevangelium schon bei seiner Geburt Jesus als den wahren Retter der Welt schildert – im Gegensatz zum Kaiser in Rom –
Ganz anders, aber doch in der Aussage ähnlich, zeigt uns das Johannesevangelium Jesus als König – im Gegensatz zur Regierung Roms – vertreten durch den Statthalter Pilatus und den König der Juden von Roms Gnaden: Herodes.

Richtig interessant ist aber, dass das Evangelium sagt, Jesus ist König, weil er für die Wahrheit einsteht!

Was soll das denn sein? Wer meint, immer die Wahrheit zu wissen, ist selten sympathisch und manchmal gefährlich! Gibt es überhaupt eine Wahrheit?

Aber langsam, bevor wir unseren Vorbehalten folgen und uns abwenden.

Wahrheit ist … das, wonach wir uns richten. In der Gesellschaft, in der wir leben, ist der höchste Wert die Freiheit, zu sagen und zu tun, was mir gerade einfällt und ebenso hoch steht der Besitz: je mehr ich mir leisten kann, desto besser.

Ich kann das gut nachvollziehen: Schon ein Kind möchte es selbst machen, möchte selbst bestimmen und möchte dies und jenes haben. Es ist eine ganz natürliche und kindliche Einstellung: Gut ist das, was ich für mich haben möchte und was ich will.

Dieser kindliche, natürliche und harmlose Egoismus wird aber zur Quelle von Verletzungen, Streit und Feindschaft, wenn er in der Entwicklung zum Erwachsen sein nicht überwunden wird.

Jesus steht für eine andere Wahrheit – mit seinem Leben ist er dafür eingestanden:

Jesus steht dafür, dass jeder Mensch durch Gottes Geist lebt.
Jeder Mensch ist es wert, geliebt zu werden und ist geliebt.
Das ist das wichtigste und Größte, was von einem Menschen zu sagen ist:
Du bist geliebt.

Diese Wahrheit ist größer und höher als die kindliche Selbstsucht: Gut ist, was ich will. Und daraus folgt die andere Seite der Wahrheitsmedaille.

Das wichtigste ist, dass ich den anderen Menschen helfe, nütze, Gutes tue, heile, tröste, stütze – ihn liebe. Was kann ich für Dich tun, damit es Dir gut geht?

Liebe Schwestern und Brüder,
diese Haltung gibt es nur bei Menschen, die ihr Leben auf die höchste Wahrheit ausrichten: auf Gott, der die Liebe ist.

Um dieser Wahrheit willen ist Jesus geblieben, statt wegzulaufen.
Um dieser Wahrheit willen ließ Jesus sich Gewalt antun, statt sich zu verteidigen. ‑ Um dieser Wahrheit willen!

Und die, die nach dem suchen, was den Menschen menschlich macht,
die nach dem göttlichen im Menschen suchen – diese Menschen hören auf Jesus, weil sie es in ihm finden und erkennen:

Das erste und wichtigste ist:
Liebe Gott, den Ursprung, die Liebe. Er steht über dir und über allem.
Deshalb: Liebe den anderen: Tu ihm Gutes. Heile. Tröste. Stärke. Teile.

Das ist unsere Wahrheit. Danach richten wir uns.

Jedenfalls versuchen wir es immer wieder. Und immer wieder.

02.11.21: Allerseelen

Formular II: 1. Lesung: Ijob 19, 1.23–27a – 2. Lesung: Röm 8, 14–23 – Ev: Joh 14, 1–6

Einführung:
ich begrüße ganz herzlich alle, die im vergangenen Jahr einen Menschen das letzte Geleit geben mussten. Sie sind gekommen, um in dieser Messfeier seiner zu Gedenken. Das kann noch ein kleiner Schritt sein, um Abschied zu nehmen, um die Trauer abschließen zu können oder um in der Trauer einen Schritt voran zu kommen.

Wir vertrauen darauf, dass Gott uns das Leben schenkt – so wie unseren Verstorbenen. Wir vertrauen darauf, dass er uns zusammen mit Jesus Christus aufnimmt in sein Licht. Deshalb rufen wir:

Herr Jesus Christus,
du hast als Mensch gelebt wie wir.
Du bist gestorben und wurdest begraben wie wir.
Du bist auferstanden und hast uns die Tür zu Gottes Herrlichkeit geöffnet.

Predigt: Liebe Schwestern und Brüder,
Alle christlichen Konfessionen teilen das große Glaubensbekenntnis. Und da bekennen wir im letzten Abschnitt:

Ich erwarte die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt.

Glaube ich das? Und was stellen wir uns darunter vor?
Und: ist es wichtig, das zu glauben? Wofür ist dieser Glaube gut?

Letztendlich muss jeder diese Fragen für sich beantworten.
Ich kann ihnen meinem Glauben darlegen und versuchen, ihn zu begrün­den. Die Lehre der Kirche dazu kann jede und jeder selbst nachlesen.

Doch die eigene Antwort muss jeder selbst finden.
Die Frage danach, was mit den Toten ist, stellt das Leben, stellt das Sterben, mit dem wir konfrontiert sind, so lange wir leben.

Einerseits erfahren wir: Alles ist vergänglich. Nichts bleibt ewig.
Auf der anderen Seite wissen wir: In diesem Universum geht nichts verloren: Kein Molekül, keine Energie. Es wird umgeformt, verändert – aber nichts verschwindet.

Das ist eine Form der Ewigkeit.

Aber das beantwortet ja nicht die eigentliche Frage:
Dieser uns so vertraute Mensch, den wir begraben mussten:
er hatte seine Erlebnisse, seine Hoffnungen und Freuden, seine seelischen Wunden und seine Kräfte und Stärken und seine Träume und Ideen und Pläne.

Was ist mit ihm? Wo ist er jetzt? Oder gibt es ihn gar nicht mehr?

Gerne antworte ich: Ja, sie lebt.
Sie lebt in der gleichen Weise wie der Ursprung und Schöpfer des Universums. Er hat sie aufgenommen – in sich.

Das Johannesevangelium lässt Jesus sagen: Ich bereite einen Platz für euch vor im Haus meines Vaters.

Natürlich ist das nur ein bildlicher Vergleich aus unserer Erfahrungswelt, um das unsagbare zu sagen. Natürlich lebt Gott nicht in einem Haus mit unendlich vielen Appartements für alle, die jemals auf der Erde gelebt haben.

Ich glaube, dass Gottes Geist in jedem Geschöpf ist. Ich glaube, dass Gott das Leben in uns ist. Ich glaube, dass wir alle ein Teil von Gott sind.
Er umschließt alles und birgt alles. Bei ihm geht nichts verloren.

Die Dankbarkeit, die Hoffnung, das Vertrauen, die Liebe ‑‑ 
Diese Seelenkräfte sind Gottes unvergängliche Kräfte in uns.

Liebe Schwestern und Brüder,
dieses Bewusstsein, dass Gott in uns lebt, dass er das innerste in uns ist,
dass wir ein Teil von ihm sind – so wie die vielen, die schon verstorben sind – verändert uns.

Es wird uns bewusst, dass wir verbunden sind und immer verbunden bleiben: denn Gott ist in uns und wir sind in Gott.
Was wir als das Leben der kommenden Welt bezeichnen ist schon Gegenwart – für uns wie für unsere Verstorbenen.

Und doch hat Gott uns das Geschenk gemacht, dass wir in dieser Welt sein Licht zum Leuchten bringen dürfen. Dass wir diese Welt erfüllen dürfen mit seinem Geist und seiner Liebe. Wir dürfen in diesem Universum Neues erschaffen.- Er macht uns zu Miterschaffern dieser Erde, nicht viel weniger als Gott selbst, der dieses Universum ins Dasein ruft.

Nehmen wir dieses Leben als Geschenk. Wir haben kein Anrecht darauf,
wir haben kein Recht auf ein langes Leben – wir sind beschenkt mit dem Leben, damit wir Anteil haben an Gottes schöpferischer Macht und Liebe.

So wie wir selbst werden auch die Früchte unseres Tuns Teil der ewigen Freude Gottes an seiner Schöpfung. Amen.

Verlesen der Verstorbenen und Anzünden der Kerzen

Läuten der Totenglocke (2 Minuten)

Fürbitten

Pr.: Gott, Ursprung und Quelle des Lebens, wir beten zu dir:

  • Wir beten für die Trauernden, die den Verlust eines geliebten Menschen erlitten haben: dass sie wieder inneren Frieden finden.
    Gott des Lebens:
  • Wir beten für die Menschen, die Trauernde begleiten: dass sie das rechte Gespür haben, dass sie zuhören können und dass es ihnen gelingt, den Blick wieder auf das Leben auszurichten.
    Gott des Lebens:
  • Wir beten für unsere Gesellschaft, in viele Tod und Sterben verdrängen:
    dass wir die Vergänglichkeit des irdischen Daseins annehmen und unser Leben auf das Leben in Gottes Herrlichkeit ausrichten.
    Gott des Lebens:
  • Wir beten für die Kranken, für die Menschen, denen das Leben zur Last geworden ist, für die Menschen, die merken, dass sie bald sterben werden: dass sie Beistand erfahren, dass sie Abschied nehmen können und dass sie Vertrauen haben können, dass sie in dir Gott leben und leben werden. Gott des Lebens:

Pr.: Du Gott bist das Ziel unseres Lebens. In dir ist Frieden und vollkommene Freude. Wir danken dir, dass wir schon jetzt in diesem Licht leben dürfen, bis wir heimkommen zu dir. Amen.

31.10.2021: 31. Sonntag im Jahreskreis

Einführung:
Jesus ist gekommen, damit wir die Freude haben,
damit wir das Leben in Fülle haben, um uns zu retten,
um uns seinen Vater zu offenbaren.

So beschreibt er im Wort der Evangelisten seine Sendung.

Wir sind jetzt hier, damit wir uns daran erinnern und vergewissern;
damit wir uns gegenseitig bestärken,
damit wir neuen Mut fassen,
und weiter gehen auf dem Weg in der Nachfolge Jesu
und uns nicht beirren lassen von den vielen Stimmen,
die uns davon abbringen wollen.

Herr Jesus Christus;
du bist unser Erlöser und Heiland
du hast uns die Leibe des Vaters geoffenbart
du rettest uns vor dem ewigen Tod.

Ansprache:
Welche Menschen stehen oder standen ihnen besonders nahe?
Vater, Mutter, Geschwister, Ehepartner, Kinder, ganz besondere Freunde?

Manchmal kommt man dadurch in Konflikte:
Die eigene Mutter wünscht sich so sehr, dass man Weihnachten miteinander feiert. Der Ehepartner möchte lieber alleine mit der eigenen Familie feiern. Obwohl das keine besonders entscheidende Frage ist, kann es ziemlich schwierig werden, einen Weg zu finden, der niemanden enttäuscht.

Dieses Beispiel ist der Hintergrund für eine Überlegung zum heutigen Evangelium und zu den Lesungen.

Die 1. Lesung und das Evangelium benennen fast wortgleich, was für einen Juden das Wichtigste und Größte ist:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, leiben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft!

Die 2. Lesung aus dem Hebräerbrief ist nicht ganz so leicht aufzunehmen, wenn man sie nur hört. Es geht um Jesus Christus. Er ist der einzige, der in seinen Handlungen allein der Liebe zu Gott und zum Mitmenschen den Vorrang gab und deshalb nie für eigene Sünden um Vergebung bitten musste.

Die Liebe zu Gott – steht sie auch in Konflikt mit der Liebe zu anderen?
Das kann nicht sein: denn Gott ist der höchste, der einzige.

Es versteht sich von selbst, dass die Liebe zu ihm der oberste Wert ist. Sollte es je einen Konflikt geben zwischen der Liebe zu Gott und einer anderen Liebe, kann – jedenfalls grundsätzlich – nur die Liebe zu Gott den Vorrang haben.

Aber wie ist das nun praktisch: Was verlangt die Liebe zu Gott?

Die Liebe zu Gott verlangt von uns, dass wir alles, was wir tun, aus Liebe und mit Liebe tun:

Die Liebe ist das Höchste. Feindschaft, Bereicherung, Zorn, Gier, Rache, Gleichgültigkeit dürfen deshalb nicht unser Handeln und Tun bestimmen.

Gott lieben heißt: Die Liebe zum Leben und zum Lebendigen an die höchste Stelle setzen.

Den anderen lieben heißt: ich will auf dich schauen und hören, was du brauchst, damit es dir gut geht. Deshalb ist es schwer, wenn man manchmal in einen Konflikt gerät: Was immer auch tue, ich werde jemand enttäuschen, den ich nicht enttäuschen will.

Leicht ist es, wenn jemand etwas verlangt, was ich eindeutig ablehnen muss, weil es der Liebe widerspricht:
jemanden eine Falle zu stellen, zu verraten, einer anderen Schaden zuzufügen … .

Schwer ist es, wenn beides verständlich ist, wenn beides richtig sein kann – wie bei dem Beispiel am Anfang – das eigentlich nur der Ehepartner und die Mutter auflösen können – weil sie beide ihren Wunsch gegeneinander setzen.

Wenn nun aber beide unnachgiebig bleiben? Was dann?
Dann gilt es viele Gründe gegeneinander abzuwägen, die Situation genau einzuschätzen und eine Entscheidung zu treffen. Man wird versichern, dass man beide Seiten liebt, dass es einem schwer fällt, das entscheiden zu müssen, dass man auf jeden Fall auch dem anderen zeigt, wie sehr man ihn liebt.

Liebe Schwestern und Brüder,
wir alles wissen: es ist nicht immer möglich, klar zu entscheiden, was die Liebe fordert. So ist unser Leben. So sind wir. Vor solche unlösbaren Widersprüche werden wir gestellt. Wie schnell entstehen da negative Haltungen wie Zorn und Ärger und Missgunst und Ablehnung.

Umso wichtiger ist, dass wir immer wieder zur Ruhe kommen.
Umso wichtiger ist, dass wir innehalten und uns orientieren.
Umso wichtiger ist, dass wir der Stimme Raum geben, die zu uns spricht:
Du bist mein geliebtes Kind.

So werden wir immer wieder die Kraft finden, auf diese Stimme zu hören und aus Liebe zu handeln. Und hoffentlich werden wir selbst niemanden in eine Situation bringen, dass er zwischen zwei Lieben entscheiden muss.

Fürbitten:

Pr.: Schwestern und Brüder, wir Menschen sind geboren, damit wir der Liebe des Schöpfers antworten, der uns das Leben in diesem Universum geschenkt hat. Wir beten zu ihm:

  • Für alle, die sich nach Liebe sehnen: dass sie das Glück haben, Liebe zu empfangen und Liebe zu schenken.
  • Für alle, die sich bemühen, anderen Liebe zu zeigen: dass sie immer wieder bestärkt und ermutigt werden.
  • Für alle, die entmutigt sind und meinen, dass sich in der Welt die Stärkeren durchsetzen: dass sie wieder neu sehen lernen, wieviel Liebe zwischen den Menschen ist.
  • Für alle, die in der Politik nach Wegen suchen, dass niemand übersehen wird und alle ihren gerechten Anteil an den Gütern des Landes bekommen.
  • Für die gesamte Menschheit, dass unter uns die Bereitschaft wächst, Verantwortung zu übernehmen, damit nicht die Ärmsten dieser Erde durch den Wandel des Klimas den größten Schaden leiden.

Pr.: Himmlischer Vater, aus Liebe rufst du das Universum ins Sein. Aus Liebe schenkst du Pflanzen, Tieren und uns Menschen das Leben. Wir preisen dich und hören auf dein Gebot alle Tage unseres Lebens.

Amen.

24.10.2021: Sonntag der Weltmission

Einführung:
Heute ist der Weltmissionssonntag oder wie ich auch gerne sage: Sonntag der Weltkirche. Die katholischen Christen auf der ganzen Welt feiern heute zusammen diesen Tag und sammeln auch gemeinsam für die ärmsten Diözesen der Erde.

1926 hat Papst Pius XI den Oktober als Monat der Weltmission ins Leben gerufen. Dabei stand am Anfang sicher Mission als „Verbreitung des (katholischen) Glaubens“ im Mittelpunkt. Von diesem Verständnis von „Mission“ haben sich die Werke der katholischen Kirche glücklicherweise verabschiedet und haben den ursprünglichen Begriff der „Sendung“, wieder in den Blick genommen.

Heute steht die soziale und zunehmend auch politische Arbeit im Vordergrund. Um Frieden und Gewaltfreiheit geht es im diesjährigen Monat der Weltmission, der unter dem Motto steht „Lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun“ (Gal 6,9). Das Leitwort ruft uns auf, nicht nachzulassen in unserem Bemühen um das Gute.

Kyrie
Herr Jesus Christus, du rufst uns, in deinem Namen die Welt zu gestalten.

Herr Jesus Christus, du sendest uns, in deinem Namen Barmherzigkeit zu bezeugen.

Herr Jesus Christus, du stärkst uns, in deinem Namen nicht müde zu werden, das Gute zu tun.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
die erste Lesung war aus dem Buch des Propheten Jeremia: Jeremia hatte sein Leben lang das Volk gewarnt, weil es nicht auf seinen Gott vertraute, sondern auf die Götter der anderen Völker hörte. Doch Israel hat nicht auf ihn gehört. All das Unheil, vor dem er sein Volk hatte warnen und bewahren wollen, ist eingetreten. Am Ende aber – mitten im Elend – hat Jeremia auch Trostworte für die Menschen seines Volkes: Der Herr wird sein Volk heimbringen und es werden Blinde und Lahme unter ihnen sein.

Das ist die Brücke zu der Geschichte von der Heilung des blinden Bartimäus: Jesus führt die Menschen zu Gott – unter ihnen auch Blinde, die doch als Menschen galten, die von Gott verstoßen waren.

Man kann nun sagen: Wir, die jetzt Christus nachfolgen, sind die, denen Jesus die Augen geöffnet hat, damit wir sehen: Was sehen?
Es geht nicht nur um das, was unsere Augen sehen – es geht um das, was wir mit den Augen unserer Seele sehen und wahrnehmen:
Dass diese Welt, das ganze Weltall gut ist, dass es aus Liebe ins Dasein gerufen wird; dass die Liebe das Größte ist und immer größer ist als der Hass und die Zerstörung.

Da uns also die Augen geöffnet wurden und wir wie der geheilte Bartimäus Jesus auf seinem Weg nachfolgen, sind wir gesandt, das Werk Jesu weiterzuführen: Es ist an uns, dass die Menschen lernen, darauf zu vertrauen, dass sie geliebt sind und dass dies das wichtigste ist, was man von einem Menschen sagen kann: Du bist geliebt!

Die Jesus Jünger, wir, die wir Kirche sind, wir sind gesandt:

Wenn wir Menschen das Augenlicht wieder schenken, wie das Christoffel Blindenwerk; wenn wir Gesundheitsstationen aufbauen, wie das fast alle sogenannten Missionare tun, wenn wir für die Jungen und vor allem auch die Mädchen Schulbildung ermöglichen,
leisten wir noch mehr als dass jemand gesund wird und lesen und schreiben und rechnen kann: Die Menschen erfahren: wir sind geliebt. Da ist jemand, dem es darum geht, was ich brauche. Da ist jemand, der will, dass es mir gut geht und der mich fragt, was er dazu tun kann. So wie Jesus gefragt hat: Was willst du, dass ich dir tue?

Liebe Schwestern und Brüder, die Geschichte von der Heilung des Bartimäus fügt sich gut zusammen mit dem Motto dieses Sonntags der Weltmission: „Hört nicht auf, das Gute zu tun!“ (Gal)

Im täglichen Miteinander in unseren Straßen, in den Arbeitsstellen, in der Familie und unter Freunden wollen wir beständig das Gute tun:
Damit das Licht der Hoffnung und des Vertrauens leuchtet.

In vielen Ländern hören Menschen, die von der Kirche gesandt sind nicht auf, Mädchen und jungen Frauen zu unterstützen, damit sie ihre oft tragischen Erlebnisse hinter sich lassen können und den Weg in eine gute Zukunft finden: Straßenkinder, vergewaltigte Mädchen, zur Prostitution gezwungene junge Frauen finden jemand, der ihnen helfen will, dass es ihnen besser geht, der sie liebt.

Die Kirche auf dem ganzen Erdkreis gibt heute ein unübersehbares Zeugnis, wenn in allen Gottesdiensten gesammelt wird, damit die 1.100 ärmsten Diözesen dieser Erde ihre Sendung erfüllen können, den Menschen die Augen für das wichtigste öffnen, dass es von ihnen zu sagen gibt: Du bist geliebt. Gott liebt dich. Deshalb sind wir da und fragen: Was brauchst du, damit es dir besser gehen wird. Beteiligen wir uns mit einer großzügigen Spende an dieser Solidaritätsaktion, damit die Augen geöffnet werden für Gottes Liebe.

17.10.2021: Kirchweih

Einführung:
Kirchweih – Wir haben eine Kirche, in der wir miteinander beten,
in der Kinder getauft werden, zur ersten Kommunion gehen, gefirmt werden, Hochzeitspaare heiraten in der wir unsere Verstorbenen verabschieden.

Und jeden Sonntag danken wir hier Gott, der uns in seine Kirche gerufen hat, dass er uns durch Jesus Christus in seinen Bund aufgenommen hat –
dass er uns Anteil gibt an seinem ewigen Leben.

Jeden Sonntag hören wir in dieser Kirche Jesu Botschaft,
und werden erinnert, was das wichtigste ist: LIEBE

Vergangenen Sonntag: Verkaufe, Gib alles den Armen.
Wem konnte ich in den vergangenen Tagen Gutes tun?

Dankbar dass wir anderen Gutes tun können, indem wir ihnen die frohe Botschaft verkünden

Ansprache:

Wir sind dankbar, für diese Kirche, unsere Pfarrkirche, in der wir uns versammeln können. Eines müssen wir allerdings zugeben:
Im Moment ist sie uns ein wenig zu groß – trotz den Abständen, die wir wegen Corona halten müssen. Ich fühle mich fast ein wenig verloren.

Warum das so ist? – Darüber könnten wir alle Bücher schreiben.

Ich frage anders herum:
Was können die Menschen bei uns in der Kirche finden?
Welche Gründe gibt es, dass Menschen kommen?

Ich bin geneigt zu antworten:
Wenn unsere Kirche endlich auf die Menschen zugehen würde, dann gäbe es Gründe. Die Treue zum Evangelium verlangt, dass wir unsere Regeln ändern. Die Kirche hat ja auch mit viel Mühe und verzögert gelernt, dass die allgemeinen Menschenrechte im christlichen Glauben wurzeln und kein abzulehnender Irrtum sind.
So müsste sie endlich lernen, dass es dem Evangelium entspricht, wenn verheiratete Männer Priester sein könnten, ebenso wie Frauen, dass Sexualität ein Geschenk Gottes ist und nicht der Einbruch der Sünde in die Schöpfung usw.

Aber: So sehr ich mir diese und andere Veränderungen in der Kirche wünsche und andere auch nicht:
Letztlich ist es kein Grund, um in die Kirche zu kommen.

Man könnte auch sagen: die Gottesdienste müssten begeisternder sein: die Musik, der Gesang, die Predigt, die Ausstrahlung der Priester ….
Auch das wünsche ich mir. Das würde vielleicht sogar manchen bewegen, zu kommen – aber: Geht man auf die Dauer, in die Kirche, weil jemand so gut predigt, weil die Musik so schön ist?

Welche Gründe gibt es nun, um in die Kirche zu kommen, um diese Gemeinschaft zu suchen?

Letztendlich gibt es nur einen Grund:
Ich glaube an Gott, an Jesus Christus, an den Heiligen Geist.

Liebe Schwestern und Brüder;
das Evangelium vom letzte und von diesem Kirchweihsonntag zeigen es uns:

Wer in seinem Leben sagt: es zählt, was ich besitze. Ich muss mein Leben absichern. Je mehr ich habe, desto besser ist es –
der hat keinen Grund in die Kirche zu kommen, denn die Botschaft ist anders: Liebe Gott und liebe den Nächsten, besonders den Armen, wie dich selbst. Teile deinen Besitz mit den Armen.

Wer aber wie Zachäus die Botschaft Jesu annimmt, dass Gottes Liebe zum Menschen das entscheidende ist und dass es deshalb darauf ankommt, Liebe zu geben – der hat einen Grund, um in der Kirche zu sein.

Denn in der Kirche danken wir Gott für das Leben,
wir kommen zu unserem Vater, der uns liebt,
wir holen uns Kraft, damit wir selbst Liebe schenken.

Liebe Schwestern und Brüder,
in die Kirche komme ich, weil ich an diese Botschaft glaube und weil ich so leben will in der Nachfolge Jesu Christi. Amen.

Fürbitten

Pr.: Himmlischer Vater, dankbar, dass wir deine geliebten Kinder sind und dass Du uns in Dein Volk berufen hast, beten wir:

  • Jesus hat den Zachäus gesehen und ihn nicht verurteilt. Wir beten für uns alle, dass wir in jedem Menschen das Gute sehen können.
  • Die Menschen haben über Jesus geschimpft, weil er bei einem Sünder eingekehrt ist. Wir beten für die Menschen, die andere verurteilen, dass sie lieber verzeihen und einen neuen Anfang schenken.
  • Zachäus wollte Jesus sehen und hören und stieg deshalb auf den Baum:
    Wir beten für die vielen Christen, die sich nicht mehr für Jesus interessieren, dass sie seine frohe Botschaft wieder neu entdecken.
  • Zachäus hat sein Leben geändert und hat mit den Armen geteilt.
    Wir beten für die Menschen, die im Überfluss leben ‑ so wie wir:
    Dass wir die Not der armen Menschen sehen und mit ihnen teilen.
  • In der Kirche sind wir Gäste am Tisch Jesu: Wir beten, dass die Christen überall auf der Welt durch dieses Mahl in der Nächstenliebe gestärkt werden.

Pr.: Himmlischer Vater, wir preisen dich durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.