16.12.2018: 3. Adventsonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
mit welchen Gefühlen sehen sie Weihnachten entgegen?

Sind sie eher gelassen und ruhig: es wird sein wie jedes Jahr; wir üben unsere Familienbräuche; Essen, Trinken, Besuche, Geschenke, Gottesdienste, viele Feiertage Tage hintereinander.

Sind sie eher gespannt und voll Vorfreude:
Werden sich die Beschenkten über die Geschenke freuen?
Wie groß sind die Enkel geworden? Was wird man mir schenken?
Die schönen Weihnachtslieder dürfen wir wieder singen.

Oder sind sie eher furchtsam: Weihnachten wird heuer ganz anders.
Vielleicht bin ich allein. Hoffentlich gibt es keinen Streit.
Ich weiß nicht, ob ich mich traue, in die Christmette zu gehen.

So erwarten wir den Tag des Herrn, den Tag, an dem er kommt.

Der Prophet Zefanja ist am Ende seines Buches voll Heilserwartung:Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte. Er freut sich und jubelt über dich!

Paulus ist hochgestimmt in seinem Brief an die Philipper:
Freut euch! Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts.
Eure Güte werde allen Menschen bekannt.
Der Friede Gottes, wird in euch sein.

Es ist die hochgespannte, freudige Erwartung des Herrn:
Der Tag seines Kommens bedeutet Frieden und Heil – für alle Völker sogar.

Johannes des Täufers hat einen strengeren Ton:
Nichts wird es euch nützen, dass ihr schon bei der Geburt getauft worden seid. Bringt Früchte hervor. Denn der, der kommt, wird die Spreu vom Weizen trennen. Die Spreu wird verbrennen, der Weizen kommt in die Scheune.

Muss ich Angst haben, wenn der Herr kommt?
Muss ich Angst haben, vor der Begegnung mit Gott?
Muss ich Angst haben, keine Früchte vorweisen zu können?

Ich will das schon ernst nehmen: denn wie wird er mich finden, er der Eine, der Gute, der Einzige Herr?
Er hat mir das Leben geschenkt und die Berufung: Sein Ebenbild zu sein:
gut, wahr, gerecht, barmherzig.
Habe ich gelebt wie sein Ebenbild – oder eher wie sein Zerrbild?
Bin ich Spreu oder Weizen?

Wenn ich aber nochmal genauer hinhöre, was Johannes, der Wegbereiter anmahnt:
Teile deinen Überfluss! Adveniat!
Nütze niemanden aus! Füge keinem Schaden zu!

Das sollte doch nicht zu viel verlangt sein!

Eines aber macht mir Johannes deutlich:

Der Herr ist nahe. Er, der Heil bringt und Heilung!
Wie es die Propheten ankündigen.
Es kommt jetzt darauf an, was ich tue und ob ich bin, was ich sein soll:
Gottes Ebenbild: voller Güte, Geduld, Barmherzigkeit, gerecht und barmherzig.
Es kommt jetzt darauf an, dass er in die Welt kommen kann
und ich bereit bin für ihn.

Komm bald! Bußgottesdienst im Advent 2018

Hier ist ein Link zu dem Bild, auf das Bezug genommen wird: https://www.bildimpuls.de/bildimpulsart/komm-bald/

Komm Bald – Bußgottesdienst im Advent                     2018

Vorlage vom liturgischen Institut, Trier

ERÖFFNUNG

Lied                               Kündet allen in der Not                                  GL 221

EINFÜHRUNG                                                                                       Martin

Gnade und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus sei mit euch.

„Komm, du Heiland aller Welt.“ Die Welt braucht Heilung:
Die vielen Wunden, die Menschen einander zufügen und sich selbst:
seelische Wunden und körperliche Wunden – verlangen nach Heilung.
Vom 17. Dezember an – die letzten 8 Tage vor Weihnachten – wird in Jesus in besonderer Weise angerufen als der, der Heil bringt und bringen kann. Diese 7 Messiastitel sollen uns heute zur Besinnung anregen.

KYRIE-RUFE

Herr Jesus, du lehrst uns den Weg zur Einsicht.
Herr Jesus, du bist denen nahe, die am Rand leben.
Herr Jesus, du bietest den Menschen deinen Frieden an.

GEBET
Gütiger Gott,
Bei dir ist Freude über jeden Menschen,
der umkehrt und Buße tut.
Denn du bist unser Vater, und hast für jeden ein Herz.
Lass uns darauf vertrauen und deinem Ruf folgen.
Hilf uns, dass auch wir einander vergeben,
wie du uns vergibst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Bildbetrachtung
Warme, satte Farben erfüllen dieses Bild. Vor allem das gelbe Lichtspiel fasziniert, das sich von oben in den weinroten Bereich einsenkt, der wiederum wie eine Brücke über einen violetten Fluss anmutet.

Die halbrunde Wölbung nach oben in violett kann die Erde in Erwartung andeuten. Über der Wölbung schwebt gleichsam ein rechteckige Element. Es ragt in den roten Bereich hinein.

In dieses Rechteck ist eine sich weitende Spirale eingezeichnet, die von einem Ursprung her ihre Kreise zieht. Ähnlich wie bei den Jahresringen des Holzes wird hier die Zeit spürbar. So könnte die Spirale bedeuten, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist, die Zeit erfüllt, dass ES geschehen kann: Dass sich Himmel und Erde berühren können.

Beim genauen Hinsehen sieht man am unterem Ende in dem gelben Lichtspiel die Spirale auch und sogar nochmal leicht angedeutet darüber mitten im Gelb, fast am hellsten Punkt.

Es ist so, also ob auch für das himmlische Licht nun der Punkt gekommen ist, um endlich die wartende Erde zu erfüllen.

Das Bild zeigt noch nicht die Begegnung oder Vollendung.
Es zeigt im Emporstrecken die irdische Erwartung,
im strahlenden Herniederkommen den göttlichen Aufbruch
aus den Höhen des Himmels.
Es zeigt das Herabsteigen Gottes als Antwort auf die Sehnsucht der Menschen, es zeigt seine bevorstehende Ankunft.

Das Bild drückt die Sehnsucht nach Licht und nach Gott aus.
Es lässt spüren, dass es wohl schön sein muss,
bei Seiner Ankunft dabei zu sein.

Der Messias kommt: die Weisheit Gottes, der Herr, der junge Trieb aus Isai, der Schlüssel zum Leben, der Morgenstern, der König der Völker, der wahre Immanuel. Gott ist mit uns.

Komm, Herr Jesus. Komm bald! (vgl. Offb 22,20)

Nach Patrik Scherrer: KOMM BALD, © Bildimpuls 2018

BUSSE – VERSÖHNUNG

Gesang                          Herr, send herab uns deinen Sohn              GL 761,1

1. O WEISHEIT
O Weisheit, hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten,
die Welt umspannst du von einem Ende zum andern, in Kraft und Milde ordnest du alles:  Komm und lehre uns den Weg der Einsicht!

Lesung aus dem Buch der Weisheit (Weis 7,22-27)
Die Weisheit ist vernünftig und heilig. Sie ist einzig in ihrer Art und doch vielfältig, fein und beweglich, durchsichtig, fleckenlos und klar.
Niemand kann ihr etwas anhaben.
Sie liebt das Gute und durchschaut alles.

Nichts kann sie hindern.
Sie erweist den Menschen Wohltaten und meint es gut mit ihnen.
Sie kann alles, sie sieht alles;
sie durchdringt alle denkenden Geister, so fein sie sind.

Denn sie ist ein Hauch, der von dem allmächtigen Gott ausgeht,
ein reiner Ausfluss seiner Herrlichkeit;

Sie ist nur eine und kann doch alles;
selbst unwandelbar, erneuert sie alle Dinge.

In jeder Generation nimmt sie Wohnung
und macht Menschen zu Vertrauten Gottes und zu Propheten.

Fragen
Jesus ist die menschgewordene Weisheit Gottes. Er ist der Mund Gottes, der Gottes Weisheit verkündet.

  • Wie vertraut ist mir das Wort Gottes, das Evangelium von Jesus Christus?
  • Lese ich privat in der Heiligen Schrift?

Stille

Gesang                          0 Weisheit aus des Höchsten Mund            GL 761,2

2. O HERR
O Herr und Fürst des Hauses Israel.
du bist dem Mose erschienen in der Flamme des Dornbuschs,
und gabst ihm das Gesetz am Sinai.
Komm, o Herr, und erlöse uns mit starkem Arm.

Lesung aus dem Buch Deuteronomium
Mose sagte zu ganz Israel:
Du sollst auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hören
und auf seine Gebote und Gesetze achten.
Dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte,
geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir.
Nein, das Wort ist ganz nah bei dir.
Es ist in deinem Mund und in deinem Herzen. (Dtn 30,10a.11-14)

Fragen
Gott hat Mose das Gesetz, die 10 Gebote gegeben.
Das Gesetz der Freiheit, für Israel.
Jesus hat das Gesetz erfüllt.

  • Versuche ich nach Gottes Wort zu leben?
    Ist Jesu Wort Maßstab für mein Handeln?
  • Gottes- und Nächstenliebe sind das wichtigste Gebot Jesu.
    Wie verwirkliche ich sie in meinem Alltag?

Stille / Instrumentalmusik

Gesang                          0 Adonai                                                      GL 761,3

3. O WURZEL JESSE
O Wurzel Jesse, gesetzt zum Zeichen für die Völker.
Vor dir verstummen die Mächtigen, zu dir rufen die Völker.
Komm, o Herr, und erlöse uns, zögere nicht länger.

Lesung aus dem Buch Jesaja.
An jenem Tag wird der Spross aus der Wurzel Isais
zum Signal für die Nationen; die Völker suchen ihn auf.
Er sammelt die vertriebenen Israeliten und führt nach Hause.
(Jes 11,10-12)

Fragen
Die Kirche ist das neue Volk Gottes ‑
gesammelt und geeint durch Jesus Christus.

  • Wie engagiere ich mich für die Kirche Gottes?
    Nehme ich nach meinen Möglichkeiten Teil am Gemeindeleben?
  • Versuche ich Gegensätze in der Kirche zu verbinden?
    Sehne ich mich nach der Einheit des Volkes Gottes
    und danach, dass die Spaltungen überwunden werden?

Stille / Instrumentalmusik

Gesang                          0 Wurzel Jesse                                             GL 761,4

5. O SCHLÜSSEL DAVIDS
O Schlüssel Davids und Zepter des Hauses Israel,
du öffnest und niemand kann schließen,
du schließt und niemand kann öffnen.
Komm, o Herr, und befreie, die gefangen sind
in der Finsternis und im Schatten des Todes.

Lesung aus dem Buch Jesaja
Ich übergebe ihm den Schlüssel des Hauses David;
was er öffnet, kann niemand verschließen,
und was er verschließt, kann niemand mehr öffnen.
(Jes 22,22-23;)

Fragen
Jesus hat uns durch seinen Tod die Tür zum Leben geöffnet.
Niemand mehr kann sie schließen.
Er hat dem Todes Fesseln umgelegt. Niemand kann ihn daraus lösen.

  • Bin ich gefangen in Zwängen die mich daran hindern,
    meinem Gewissen zu folgen?
  • Wem habe ich die Türen verschlossen und schließe ihn aus meinem Leben aus?

Stille / Instrumentalmusik

Gesang                          0 Schlüssel Davids                                       GL 761,5

5. O AUFGANG
O Morgenstern, Glanz des ewigen Lichtes, du Sonne der Gerechtigkeit,
komm, o Herr, und erleuchte uns,
die wir sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.

Lesung aus dem Buch Maleachi
Für euch aber, die ihr meine Gebote achtet,
wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen
und sie wird eure Wunden heilen.
Ihr werdet hinausgehen und Freudensprünge machen,
wie Kälber, die aus dem Stall kommen. (Mal 3,20)

Fragen
Jesus ist der Morgenstern, der Aufgang des Lichts.
Schon hier und heute ist er unter uns und sein Licht leuchtet in der Welt. Wir sollen ihm treu sein und am Glauben festhalten,
dass das Gute das Böse überwindet.

  • Wer und was stellen meinen Glauben an das Gute in Frage?
    Hege ich Zweifel, ob es sich lohnt, das Leben auf Gott hin auszurichten?
  • Bekenne ich mich zu meinem Glauben, oder verleugne ich ihn?

Stille / Instrumentalmusik

Gesang                          0 Aufgang, hell vor aller Zeit                      GL 761,6

6. O KÖNIG DER VÖLKER
O König der Völker, den sie alle ersehnen.
Du Schlussstein, der alles zusammenhält.
Komm, o Herr, und rette den Menschen,
den du aus Erde erschaffen hast.

Lesung aus dem Buch Jesaja
Ja, der Herr sorgt bei uns für das Recht.
der Herr gibt uns Gesetze;
der Herr ist unser König (Jes 33,22)

Fragen
Jesus ist unser König.
Er eint uns im Glauben an die Liebe des himmlischen Vaters.
Er gibt uns seinen Frieden – einen Frieden in dem keine Spaltung ist.

  • Bin ich ungerecht gewesen? Habe ich jemand bevorzugt oder benachteiligt? Habe ich jemand zu Unrecht beschuldigt oder verurteilt?
  • Was raubt mir den „Seelen-Frieden“? Unrast, Hektik?
    Habe ich zu hohe Ansprüche an mich und andere?
    Beneide ich andere?

Stille / Instrumentalmusik

Gesang                          0 König, Sehnsucht der Völker                    GL 761,7

7. O IMMANUEL
O Immanuel, unser König und Lehrer,
du Hoffnung der Völker und ihr Heiland.
Komm, o Herr, und rette uns, Herr, unser Gott.

Lesung aus dem Buch Jesaja
Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht;
über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.
Du erregst lauten Jubel und schenkst große Freude.
Man freut sich in deiner Nähe, wie man sich freut bei der Ernte.

Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt.
Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter;  man nennt ihn:
Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.

Seine Herrschaft ist groß und der Friede hat kein Ende.
Auf dem Thron Davids herrscht er über sein Reich;
er festigt und stützt es durch Recht und Gerechtigkeit,
jetzt und für alle Zeiten. (Jes 9,1-6)

Fragen
Jesus ist das Kind, dessen Geburt lauten Jubel erregt –
besonders bei denen, die von Gott vergessen schienen.

  • Habe ich einen Blick für die Menschen am Rand, die Not leiden?
  • Was macht mir Freude? Welche alltäglichen Kleinigkeiten?
    Freue ich mich über das Geschenk des Glaubens?
    Dass ich von Gott geliebt bin? Dass ich Gottes Kind bin?

Stille / Instrumentalmusik

GL 222,8                                                              0 „Gott mit uns“, Immanuel

SCHULDBEKENNTNIS – VERGEBUNGSBITTE – BUSSWERK

Wir sehnen uns danach, dass es uns gut geht, dass wir uns wohl fühlen, dass wir in Frieden leben und in Sicherheit. Wir sehnen uns nach Heil.
Gott schenkt uns das Heil.
Und er beruft uns, für das Heil in der Welt zu leben und zu wirken.
Er will durch uns sein Heil in der Welt sichtbar machen.

Manchmal oder auch öfter schwindet unser Vertrauen,
manchmal oder auch öfter – begrenzen wir unsere Liebe;
manchmal oder auch öfter verletzen wir andere, statt zu heilen;
manchmal oder öfter verursachen wir Streit statt Frieden zu stiften;
manchmal oder öfter schaffen wir Ungerechtigkeit statt Gerechtigkeit.

Wir bekennen darum nun vor ihm und voreinander, dass wir schuldig geworden sind, und bitten ihn, dass uns Vergebung schenkt und uns Mut zur Versöhnung schenkt.

Wir sprechen das Schuldbekenntnis: Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen, …

VERGEBUNGSBITTE
Der allmächtige Gott erbarme sich unser. Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben. – A Amen.

Kurze Stille

ZEICHEN DER UMKEHR
Immer wieder darf ich Vergebung erfahren. Der schönste Dank, den ich Gott dafür sagen kann, ist mein Tun, getragen vom Gebet. Umkehr und Erneuerung aber sollen konkret werde in unserem Leben. Deshalb ist es gut, wenn wir uns in einem Moment der Stille den eigenen persönlichen Vorsatz überlegen: – ein besonderes Gebet, – die Mitfeier der Heiligen Messe, während der Woche, – ein Besuch, – ein Brief, – die Unterstützung der Adveniataktion…

Stille (evtl. meditative Musik)

FRIEDENSGRUSS
Wir sehnen uns nach gelingendem Leben, nach Heil und Frieden – mit Gott und untereinander. Wir haben uns mit Gott versöhnt. So wollen wir uns nun auch untereinander ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung geben.

Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch. Und mit deinem Geiste.

Gebt einander ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung.

LOBPREIS UND DANK
Danken wir Gott. Er hat uns die Sünden vergeben. Singen wir das große Danklied, das einst Maria angestimmt hat, als sie von Elisabeth der Mutter des Johannes begrüßt worden war.

Gesang                          Den Herren will ich loben                              GL 395

ABSCHLUSS

SEGEN
Gott, steh Euch bei
und lass euch allezeit seine Hilfe erfahren.

Er erleuchte euch mit seinem Licht,
damit Ihr auf sein Wort hört
und seinen Willen erkennt.

Er schenke euch die Kraft, ihm zu folgen
und bewahre euch auf dem Weg, den er euch führen will.

Er stärke euren Glauben, eure Hoffnung und eure Liebe.

Dazu segne euch der allmächtige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

A Amen.

Komm bald! Bußgottesdienst in: Advent, Herausgeber: Deutsches Liturgisches Institut, Abbildung: © Jörgen Habedank: Lichtschmiede, 2015. farbige-kunst.de

02.12.2018: 1. Adventsonntag LJ C

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Die letzten Sonntag waren geprägt von Gedanken an die Zukunft: Das kommende Gericht. Christus wird alles recht machen; er wird die Schöpfung und die Menschen vollenden, so dass alles gut sein wird im strahlenden Licht Gottes.

Heute mischt sich in diese Gedanken vom Ende der Zeit ein neuer Akzent:
Der Prophet Jeremia spricht in der Verbannung der Israeliten von einem gerechten Spross für David, also für ganz Israel. Er wird für Recht und Gerechtigkeit sorgen und das Volk Gottes kann in Sicherheit wohnen.

Das Lukasevangelium greift diesen Akzent des Jeremia auf und verbindet damit die Mahnung: Mit klarem Kopf sollen wir daran denken, was wir erwarten und was unsere Zukunft ist: Das neue Leben im Licht Gottes, in dem sowohl die Vergnügungen als auch die Sorgen dieser Welt endgültig vorbei sein werden.

Schwestern und Brüder,
der Advent hat die Überschrift: „Wachet und betet!“
Paulus sagt: Lebt so, dass ihr Gott gefallen könnt.

Richten wir also ruhig einmal den Blick darauf, was Gott an unserem Leben nicht gefallen könnte und darauf, was wir noch tun könnten, um Gott noch besser zu gefallen.

Was Gott sicher nicht gefällt ist, wenn wir gegeneinander streiten, wenn wir nach dem Prinzip „Ich zuerst“ leben, wie es manche politische Führer auch in unserem Land zurzeit leider propagieren.

Was Gott sicher nicht gefällt ist, wenn wir unsere Pflichten vernachlässigen, die wir gegenüber anderen haben.

Was Gott sicher nicht gefällt ist, wenn wir kleinmütig und ängstlich und verzagt sind, statt für Gerechtigkeit einzutreten, wo Ungerechtigkeit droht.

Es gefällt Gott sicher nicht, wenn wir unser Glück in Genuss und Vergnügungen suchen und uns damit selbst betrügen, als ob es den Tod nicht gäbe und das künftige Leben in Gottes Herrlichkeit

Was Gott gefällt, ist, wenn wir mit Menschen in Not teilen:
hier in unserem Land. Durch unsere Spenden für Hilfswerke helfen wir mit, die Not vieler Menschen in der ganzen Welt zu lindern oder gar zu wenden.

Was Gott gefällt ist, wenn wir uns ihm zuwenden, im Gebet;
wenn wir das Wort der Heiligen Schrift studieren, denn daraus können wir lesen, wie Gottes Plan für unser Leben aussieht und wie er uns den Weg in sein Licht führen will.

Was Gott gefällt ist, wenn wir gerecht sind, wenn wir keine Unterschiede machen, sondern in jedem Menschen unsere Schwester und unseren Bruder erkennen.

Was Gott gefällt ist, wenn das Vertrauen in seine Liebe in uns stark wird und uns Mut und Zuversicht gibt, so dass wir uns nicht fürchten vor dem, was uns in dieser Welt an Unheil geschehen könnte.

Liebe Schwestern und Brüder,
wir stehen am Anfang des Advent in diesem Jahr.
Doch im Advent unseres Lebens sind wir schon weit vorangeschritten.

Wir üben uns schon lange darin so zu leben, dass wir Gott gefallen.
Der Advent bietet uns aber die Chance, dass wir unsere Übung wieder einmal verstärken:
dass wir uns prüfen, ob sich nicht Manches in unser Leben geschlichen hat, das Gott nicht gefällt.

Die Weisung Jesu für uns ist:

„Wacht und betet“, damit wir getrost den Tag erwarten, da wir zu Christus kommen, der schon lange eine Wohnung für uns im Reich des Vaters bereitet hat.

25.11.2018: 34. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Im großen nicäno-konstantinopolischen Glaubensbekenntnis heißt es:
Jesus Christus ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Das Ende der Welt wird kommen, wenn Christus in seiner Herrlichkeit kommt. – So habe ich es als Kind gelernt und so steht es auch heute noch in der katholischen Glaubenslehre.

Man hat es sich seit Urzeiten so vorgestellt:
Die Sterne fallen vom Himmel. Blitz und Donner ziehen von einem Ende des Himmels zum anderen.
Tatsächlich: Gewitter machen uns immer noch Angst: Diese grellen Blitze und der Knall, der darauf folgt.

Die Physiker, die sich mit dem Universum beschäftigen, diskutieren darüber, ob das Universum sich unendlich und ewig ausdehnen wird, oder ob es sich einmal wieder zusammenzieht und die Sterne und Himmelskörper ineinander stürzen, zu einem Punkt von Energie, der dann aufs Neue vielleicht ein anderes Universum hervorbringen wird.

Diese Unsicherheit der physikalischen Theorien lehrt mich aber:
Es geht in meinem Glauben nicht um bestimmt Vorstellungen über das Ende der Welt. Es geht um unsere Hoffnung, die im Glauben an Jesus Christus gründet.

Der Glaube an die Auferstehung der Toten, an ein unvergängliches Reich, in dem nur noch Gott regiert, hat seine Wurzeln schon im Glauben Israels und auch der anderen Völker der Antike. Man kann die Vorstellungen der Griechen und Ägypter, Babylonier und Israels miteinander vergleichen und Unterschiede und Ähnlichkeiten entdecken.

Für mich ist entscheidend: die Zukunft der Menschen, die Zukunft der Erde und die Zukunft des Universums – des Alls – kann ich nicht anders denken, als dass Gottes Herrschaft immer mehr zum Durchbruch kommt.

Auch wenn das Universum sich vielleicht unbegrenzt ausdehnt und weiter besteht, bleibt die Frage: Woher kommt es? Durch welche Kraft besteht es? Wir Menschen strecken den Kopf aus der Hülle, die uns umgibt und fragen, was dahinter ist.

Wir denken an eine Zukunft jenseits dessen, was wir in der Hand haben und planen und gestalten und beeinflussen können:
Diese Zukunft wollen wir uns nicht anders vorstellen als erfüllt von Frieden, von Gerechtigkeit, von Freude und Vollkommenheit.

Würde diese Welt mit ihrer Zerstörung und Gewalt immer so weiter gehen; würde diese Welt nicht verwandelt in eine Welt des umfassenden Friedens für alles, was ist:
diese Vorstellung wäre keine Hoffnung, sondern eine Kapitulation vor denen, die versuchen mit Gewalt die Herrschaft über die Welt zu gewinnen.

Wir aber, wir glauben an Christus. Wir glauben daran, dass er der neue Anfang ist, weil er sein Leben nicht auf Macht und Besitz ausgerichtet hat, er kam nicht, um etwas zu erobern: er lebte ganz aus der Dankbarkeit für das Leben, das vom himmlischen Vater kommt, und der jedes Haar auf unserem Kopf gezählt hat.

Er ist nicht dem Wahn erlegen, er könne diese Welt besitzen:
er blieb unerschütterlich bei seiner Wahrheit:
Gott ist der Vater aller Menschen und die Menschen untereinander Schwestern und Brüder.

Wir glauben, dass dieser neue Anfang, den Gott durch Jesus in seiner Schöpfung gemacht hat, unaufhaltsam sich entfalten wird.

Seine Wahrheit, die Wahrheit von der selbstlosen Liebe aus der das Leben hervorquillt, um zu ihr zurückzukehren, diese Wahrheit wird am Ende für alle offenbar werden, wenn die Liebe offenbar wird, die das Leben gebar und immer wieder gebiert.

11.11.18: 32. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Bei der Polizei gibt es europaweite Datensammlung von Fingerabdrücken – sie ermöglicht es, amtsbekannte Menschen zu identifizieren.
Die Hautlinien unseres Daumens sind absolut individuell und einmalig.
Sie gehören zu uns.

Im Tagesgebet am Anfang haben wir gebetet:
Gott, du hast uns in deine Hand geschrieben.

Diese Vorstellung hat ihre Wurzeln beim Propheten Jesaja:
Das Volk klagt: Gott hat uns vergessen. Die Antwort Gottes ist:
Niemals könnte ich dich vergessen Israel. Ich habe dich eingeschrieben in meine Hände.

Schwestern und Brüder, wir gehören zu Gott, zu Gottes Identität, wir sind ein Teil von ihm. Und deshalb können wir Gott so vertrauen:
Immer wird er an uns denken.

Viele tun sich schwer, das zu glauben und anzunehmen:

Wenn es uns gut geht, sagen wir:
Jeder ist seines Glückes Schmid. „Ich habe es mir verdient“, meinen wir, „durch meinen Fleiß, mein Können,
durch meine Ausdauer und mein Geschick.“

Wenn es uns schlecht geht denken wir:
Wie kann das Gott zulassen. Er muss doch für mich sorgen.
Wenn er mich wirklich liebt, darf er nicht zulassen,
dass es mir schlecht geht.

In der Lesung hörten wir die Geschichte von der Witwe: Sie hat nicht mehr. Die von Elija angekündigte Trockenheit hat ihr alles genommen.
Aber sie lässt sich überreden, dass sie zuerst Elija Wasser und Brot bringt, statt für sich und ihren Sohn etwas zu bereiten.
Das Versprechen ist: Der Mehltopf wird nicht leer und der Ölkrug nicht trocken. Gott wird dich am Leben erhalten.

Sie glaubt dem Wort und gibt Elija Wasser und Brot.

Das zweite Beispiel im Evangelium ist die Witwe, die ihre letzte Münze in den Opferkasten wirft: Das letzte, soll zur Ehre Gottes dienen.
Sie vertraut sich damit rückhaltlos Gott an.
Er hat mich in seine Hand geschrieben. Er vergisst mich nicht.

Deshalb hat Jesus sie uns als Vorbild vor Augen geführt.
Wir können uns Gott anvertrauen – rückhaltlos.
Er vergisst uns nicht! Wir sind in seine Hand geschrieben.

Schwestern und Brüder,
wie können wir so ein Vertrauen zu Gott gewinnen?
Indem wir es üben, so wie wir die Liebe üben.

Wann ist dieses Vertrauen zu Gott gefordert?

In jeder kleinen Entscheidung:
Helfen oder nicht helfen?
Dem anderen den Vortritt lassen – oder selbst die Gelegenheit beim Schopf fassen?
Ein Tischgebet sprechen – oder einfach nur guten Appetit wünschen?

Es gibt jeden Tag die Möglichkeit für kleine Vertrauensübungen gegenüber Gott – sie lassen uns im Vertrauen zu Gott wachsen.

So lernen wir in vielen kleinen Übungen, uns selbst und unser Leben Gott anzuvertrauen – bis hin zu diesem letzten großen Sprung ins Unbekannte, wenn wir aus diesem Leben in das andere hinübergehen werden.

04.11.18: 31. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Priester, Medizinmänner, Schamanen – überall gab es Männer und auch Frauen, in dieser besonderen Rolle: Sie bringen die Menschen –heilsam oder auch fluchend – mit übermenschlicher, mit göttlicher Kraft in Verbindung.

Die Priester brachten Gott Opfer dar: Tieropfer, Rauchopfer, Brotopfer – je nach dem. Nicht jeder konnte diese Lob-, Dank- und Bittopfer darbringen. Sondern man musste damit einen Priester beauftragen, der dafür ausgewählt und bestimmt war. Ihm war es vorbehalten, mit Gott in Verbindung zu treten.

Der Priester stimmte Gott durch das Opfer gnädig, versöhnte ihn mit dem köstlichen Duft, der aufsteigt, wenn Feuer frisches Fleisch von Tieren röstet und gart.

Christen haben mit ihrem Glauben dieses archaische Verständnis hinter sich gelassen. Gott verlangt keine Opfer, um gnädig gestimmt zu werden.
Es braucht keine Priester, die stellvertretend für ihre Auftraggeber Gott ein Opfer darbringen, um ihn zu loben oder um für ihre Verfehlungen Sühne zu leisten.

Ganz im Gegenteil: Gott ist in Jesus ein sterblicher Mensch geworden und hat mir uns den Tod geteilt. So hat er Versöhnung gebracht.

Es gibt nur einen Priester: Jesus Christus: alle, die glauben, dass er uns erlöst hat; haben an seinem Priestertum Anteil. Deshalb wird der Neugetaufte mit Chrisam gesalbt: der er hat Anteil an Christus, der gesalbt ist zum Priester, König und Propheten in Ewigkeit.

Es gibt auch kein Opfer mehr, das wir Gott darbringen müssen, um ihm zu gefallen: Jesus hat das Opfer gebracht, weil er Gott ganz gehorsam war und seinen Willen erfüllte. Das ist das einzige Opfer, das Gott verlangt.

Trotzdem gibt es in unserer Kirche geweihte Diakone, Priester und Bischöfe?

Die deutsche Bezeichnung „Priester“ stammt von dem griechischen Wort Presbyter, was eigentlich Ältester bedeutet:

In der Urkirche haben die Apostel Älteste eingesetzt, damit sie die Gemeinde und auch die Eucharistiefeier leiten.

Besonders der Hebräerbrief wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass Christus der einzige Priester ist und verwendet dafür ein ganz anderes Wort, nämlich das Wort hieros.

Christus ist der einzige Priester (hieros). Die zum Leitungsdienst geweihten sind Diener des Volkes Gottes: Diakone, Älteste und Bischöfe.

Das einzige Opfer, das wir kennen, ist die Selbsthingabe Jesu an seinen Vater. Das feiern wir in der Eucharistie. Dabei wird es für uns immer wieder wirksam: es bestätigt und erneuert die Versöhnung, die Christus uns geschenkt hat.

Das einzige, was Gott uns gebietet ist eines:

Wir sollen Gott lieben, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Und dazu gehört untrennbar die zweite Seite der Medaille:
Dass wir den Nächsten, den Mitmenschen lieben, wie uns selbst.

Schwestern und Brüder,
Gott mit ganzem Herzen lieben und mit ganzer Kraft:
das heißt, die Liebe zu Gott können wir nicht begrenzen auf unsere Sonntagsmesse und unsere persönlichen Gebete. Die Liebe zu Gott soll immer und überall die Richtschnur sein – was immer wir auch tun:

Dankbare Liebe, wenn wir die Wohltaten der Schöpfung genießen;
engagierte Liebe, wenn wir der Not der Menschen begegnen;
geduldige Liebe, wenn wir die Last des Lebens erfahren;

Diese Liebe nimmt unsere ganze Existenz, unsere ganze Person in Anspruch: genau so verwirklichen wir, dass wir Anteil haben am Priestertum Jesu, der sein Leben eingesetzt hat, um den Willen Gottes zu tun.

Wir müssen Gott nicht gnädig stimmen, aber wir sollen unser ganz der Liebe zu Gott hingeben, wie Christus unser einziger und wahrer Priester.

01.11.2018: Gräbersegnung

 

Eröffnung:

Bläserchoral

Begrüßung und Einführung:
Liebe Besucherinnen und Besucher unseres Friedhofs! Liebe Mitchristen!
Die Erinnerung an unsere Verstorbenen führt uns heute Nachmittag am Friedhof zusammen.
Wir fühlen uns nicht nur mit ihnen verbunden. Sie sind über ihren Tod hinaus ein Teil von uns selbst.
Sie haben mit uns das Leben geteilt. Sie haben unser Leben beeinflusst. Durch sie sind wir so geworden, wie wir sind.

Am Anfang der Feier steht das Wort Gottes im Mittelpunkt.
Dann werden die Gräber gesegnet und zur Erinnerung an die Taufe mit geweihtem Wasser besprengt und sie sind eingeladen miteinander zu beten.
Die Feier endet mit Fürbitten, mit dem von allen gebeteten Vater Unser und wird dann mit dem Segen beschlossen.

Kyrie:
Christus gibt uns Hoffnung: für unsere Verstorbenen und für uns selbst. Deshalb rufen wir zu ihm:

Herr Jesus Christus, du zeigst uns den Weg zum Vater im Himmel. ‑ Herr, erbarme dich unser.

Du hast den Tod auf dich genommen, um alles mit uns zu teilen. ‑ Christus, erbarme dich unser

Du bist auferstanden vom Tod und schenkst uns Anteil an der Auferstehung. ‑ Herr, erbarme dich unser.

Gebet:
Vater im Himmel, wir stehen an den Gräbern unserer Verstorbenen.
Für sie bitten wir dich: Gib ihnen die Freude bei dir zu sein.
Erneuere unsere Hoffnung darauf,
dass wir alle bei dir eine Zukunft haben
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Wortgottesdienst:

Lesung: Aus dem Römerbrief (Röm 6,3-9)

Meine lieben Schwestern und Brüder
3    erinnert euch, was es bedeutet, dass wir alle im Namen Jesu Christi getauft wurden, der gekreuzigt wurde.
4    Unser altes Leben ist sozusagen gestorben, wie Christus gestorben ist. Ebenso werden wir auch in seiner Auferstehung mit ihm verbunden sein.
6    Es ist doch so: Unsere frühere Lebensweise, die von Gesetz und Sünde und Schuld geprägt war, wurde mit Jesus gekreuzigt, damit wir befreit werden und nicht mehr dem Gesetz der Sünde unterworfen sind.
7    Wir sind also sozusagen mit Christus gestorben. Also werden wir auch mit ihm leben – davon sind wir überzeugt.
9    Denn Christus wurde von den Toten auferweckt und wird nicht mehr sterben. Der Tod hat keine Macht mehr über ihn.

Wort der heiligen Schrift

Gesang Verleih uns Frieden gnädiglich

Ansprache Liebe Mitchristen,
haben Sie es gestern gelesen? Demnächst wird an der Uni Regensburg ein neues Masterstudium eingeführt: „Perimortale Kompetenz“. Studierende sollen die Fähigkeit erwerben, Menschen, die mit dem Tod konfrontiert, beizustehen.

Wenn wir selber dem Sterben entgegensehen, wenn liebe Menschen sterbenskrank sind, wenn wir um verstorbene Trauern, brauchen wir tatsächlich jemand, der uns – buchstäblich – beisteht!

Wir brauchen jemand, der da ist, der uns zuhört, der mit uns geht – dahin und dorthin, der uns bei den vielen Entscheidungen unterstützt, die getroffen werden müssen. Hoffentlich ist da jemand, der uns anspricht, der nachfragt, der uns mitnimmt.
Das ist Beistand: denn alleine würden wir vielleicht gar nicht die Kraft finden, das alles durchzustehen.

Der Beistand für Menschen, die mit dem Tod konfrontiert sind, ist uns aufgetragen als ein Werk der Nächstenliebe.  – Trauernde trösten – nennen wir es in der Sprache des christlichen Glaubens.

Wir Christen, liebe Besucher unseres Friedhofs, sind durch unseren Glauben in besonderer Weise darin geschult, dass Sterben und Tod ein Teil des Lebens sind. Wir glauben an Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen.

Sein Tod am Kreuz hat für uns große Bedeutung: Wir sagen, durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er uns befreit: aus den Fesseln des Todes befreit.

Paulus bedenkt diesen Zusammenhang immer wieder und stellt immer neue Bezüge her:

Wir Christen glauben an einen Gekreuzigten. Wir sind auf seinen Tod getauft. Was das Miteinander stört und vergiftet, Neid, Gier, Zorn, Feindschaft stirbt durch diesen Glauben in uns ab.

Was das Miteinander schön macht und angenehm wird zum Leben erweckt: Respekt, Anteilnahme, Unterstützung, Zuwendung.

Der Mensch, der dem anderen Lasten auferlegt, stirbt,
der neue Mensch, der dem anderen Lasten abnimmt erwacht zu Leben.

Wir nehmen Anteil am Tod Jesu, wenn wir die animalische Seite unseres Mensch Seins besiegen.
So haben wir auch Anteil an der Auferstehung Jesu. Wir werden wie er auferweckt werden zu einem neuen Leben.

Der Tod hat keine Macht mehr über uns.
Jetzt schon nicht, obwohl wird den Tod noch vor uns haben und obwohl der Tod unserer Lieben uns schmerzt:
Doch der Tod kann uns nicht hindern, dem Leben zu trauen, das von Gott kommt und zu Gott hinführt.

Der Tod hat keine Macht mehr über uns.
Erst recht dann, wenn wir von Gott auferweckt werden und Anteil haben am neuen Leben Jesu.

Bin ich mir darüber so sicher?

Beweisen kann ich es nicht. Aber was man beweisen kann, ist kaum in der Lage, uns Sinn zu geben und weckt selten Freude.
Was uns trägt und unser Leben mit Sinn erfüllt, ist selten beweisbar.

Doch ich kann glauben, dass Jesus auferstanden ist, um sein Leben mit uns zu teilen. Ich kann es glauben, weil er die Menschen geliebt hat.
Ich kann es glauben, weil seine Jünger es bezeugt haben – mit ihrem Leben.
Ich kann es glauben, weil Leben und Sterben dadurch wertvoll werden.

Jesus Christus, der gestorben ist und den Gott auferweckt hat, macht uns fähig, den Tod als Teil unseres Lebens anzunehmen. Voller Hoffnung und Zuversicht, dass wir ankommen im Leben – wohin unsere Verstorbenen uns vorausgegangen sind.

Das dürfen wir glauben. Amen.

Stilles Gedenken an die Toten – Glockenläuten

Gräbersegnung:

Einführung zur Gräbersegnung

Lobpreis und Segensbitte:

V: Gott, im Leben und im Tod sind wir in deinen Händen. Wir preisen dich mit allen, die an dich glauben. Wir loben dich.

A: Wir preisen dich.

V: Dein Sohn Jesus Christus hat unser Leben gelebt und ist unseren Tod gestorben. Wir preisen dich mit allen, die die ewige Vollendung erwarten. Wir loben dich.

A: Wir preisen dich.

V: Du hast Jesus, deinen Sohn zu neuem Leben auferweckt und ihn zu deiner Rechten erhöht. Wir preisen dich mit allen, die auf die Macht deiner Liebe vertrauen. Wir loben dich.

A: Wir preisen dich.

V: Gott der Hoffnung und des Trostes:
Du hast in deinem Sohn die Nacht des Todes und des Grabes erfahren. Sein leeres Grab ist für uns zum Zeichen für das neue Leben in deiner Gemein­schaft geworden. Wir bitten dich, erfülle alle, die die Gräber besuchen, mit Trost und Zuversicht.
Das gewähre uns durch Jesus Christus, unseren Herrn.

A: Amen.

Gräberumgang
Zum Beginn des Umgangs
Gesang: Wenn Christus der Herr

Hier sind unsere Lieben bestattet

Wir stehen an den Gräbern unserer verstorbenen. Wir lesen ihren Namen, vielleicht auch ihr Geburtsdatum und ihren Todestag.
Erinnerungen werden wach. Bilder, Erlebnisse, Gefühle für den Menschen, der hier begraben liegt.

Alles, was ihr Leben ausmachte,
worum sie kämpften und was ihnen wichtig war,
das, was sie für uns zu besonderen Menschen machte,
wofür wir sie mochten und liebten,
daran dürfen wir uns erinnern, während die Bläsergruppe einen Choral erklingen lässt:

Bläserchoral

Wir beten den Kehrvers gemeinsam:
Belohne sie für das Gute, o Gott,  und entschädige sie für ihre Schmerzen.

 Erinnere dich Gott, an unsere Verstorbenen,
deren Gräber wir heute besuchen.
Wir wollen sie nicht vergessen,
sie sind ein Teil von uns.

Kehrvers:
Belohne sie für das Gute, o Gott, und entschädige sie für ihre Schmerzen.

 Du hast sie einst ins Leben gerufen
ihren Eltern hast du sie anvertraut;
damit sie ihnen Vertrauen und Liebe schenken
und für sie sorgen bis sie erwachsen sind.

Kehrvers:
Belohne sie für das Gute, o Gott, und entschädige sie für ihre Schmerzen.

 Vieles haben sie gelernt in ihrer Jugend,
immer mehr lernten sie ihre Kräfte zu gebrauchen.
Sie fanden Freunde und Bekannte,
Menschen auf die sie sich verlassen konnten.

Kehrvers:
Belohne sie für das Gute, o Gott, und entschädige sie für ihre Schmerzen.

 Es gab aber auch dunkle Stunden in ihrem Leben:
Schmerz und Trauer, Schuld und Versagen;
Trotz all dem versuchten sie, ihr Leben zu meistern
und sehnten sich nach Freiheit und Liebe.

Kehrvers:
Belohne sie für das Gute, o Gott, und entschädige sie für ihre Schmerzen.

Dann aber kam die Stunde, in der sie aus dem Leben schieden.
Du hast sie zu dir gerufen damit sie bei dir leben in vollkommener Freude.

Kehrvers:
Belohne sie für das Gute, o Gott, und entschädige sie für ihre Schmerzen.

 Ehre sei dem Vater und dem Sohn ….

Kehrvers:
Belohne sie für das Gute, o Gott, und entschädige sie für ihre Schmerzen.

Wo sind sie jetzt? Was wird mit mir sein?

Die Erinnerung an unsere Verstorbene kann uns traurig stimmen.
Es kann sein, dass wir ganz zufrieden sind und sagen: es ist gut, dass es so ist.

Das quälende „Warum“ nach ihrem Sterben entwickelt sich und wird zu einer neuen beständigen Frage, die auch uns selber und unsere Hoffnung betrifft.
Ein Gedicht von Gina Ruck-Pauquèt zeichnet diese Veränderung nach:

Warum ist denn der gestorben?
Und wohin?
…….

Gedicht von Gina Ruck-Pauquèt

Ave Maria (Kanon)

Der Ewige Gott erinnert sich an jeden von uns – in ihm werden wir leben.

Wie in allen Völker, dachten auch Menschen in Israel darüber nach. Das Buch Jesaja im Alten Testament fasst Mut und Vertrauen im Glauben an den Schöpfer des Lebens, der an seinem Volk ebenso hängt wie an jedem einzelnen Menschen.
Die folgenden Sätze sind voll Zuversicht:

Israel sagt: Der Herr hat mich verlassen, Gott hat mich vergessen.
Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht. Sieh her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände, ‑ Spruch des Herrn.

Bläserchoral……………………………………………………… Bläsergruppe

Kehrvers: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen

  1. Der Herr ist mein Hirte, * nichts wird mir fehlen.
  2. Er lässt mich lagern auf grünen Auen *
    und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.

Kehrvers: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen

  1. Er stillt mein Verlangen; * er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
  2. Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, * ich fürchte kein Unheil;

Kehrvers: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen

  1. denn du bist bei mir, *  dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
  2. Du deckst mir den Tisch * vor den Augen meiner Feinde.

Kehrvers: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen

  1. Du salbst mein Haupt mit Öl, * du füllst mir reichlich den Becher.
  2. Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang, *
    und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

Kehrvers: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen

  1. Ehre sei dem Vater und dem Sohn * und dem Heiligen Geist,
  2. wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit * und in Ewigkeit. Amen.

Kehrvers: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen

Gesang: Meine Hoffnung und meine Freude

Fürbitten:

L:    Lasst uns beten zu Gott, dem Tröster der Betrübten, der die Hoffnung ist für Lebende und Tote. (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

L:    Erbarme dich aller, die auf diesem Friedhof begraben werden und deren Suchen und Hoffen niemand kennt als du. (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

L:    Stärke alle, die Sterbende begleiten, die an den Betten von Sterbenden wachen, die für die Würde der Sterbenden eintreten. (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

L:    Tröste alle, die um einen lieben Menschen trauern.  (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

L:    Tröste alle, die das Leben und den Tod fürchten. (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

L:    Gütiger Gott, stärke in uns die Zuversicht, dass wir leben werden und hilf uns aus dieser Zuversicht zu leben. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. A: Amen.

Abschluss der Feier

Vater Unser

Gebet:
Ewiger Gott, gedenke unserer Verstorbenen,  die wir geliebt haben und lieben.
Gedenke unserer verstorbenen Mütter und Väter, Töchter und Söhne, Schwestern und Brüder, Freundinnen und Freunde, die wir nicht vergessen wollen.
Gedenke aller unserer Toten, die wir dir anvertraut haben.
Wir danken dir, dass du uns in Trauer und Leid beistehst und uns tröstest.
Wir danken dir, dass uns auch der Tod nicht aus deiner Hand reißen kann.
Wir hoffen auf dich.
Lass uns allen das Licht der Auferstehung leuchten
Durch Jesus, Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

Segen

01.11.2018: Allerheiligen

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder
Pfarrer Kolbinger war Ruhestandsgeistlicher in meiner früheren Pfarrei Ergoldsbach. Jeden Sonntag in der Frühmesse feierte leitete er das Glaubensbekenntnis mit den Worten ein: Voll Freude und Dankbarkeit bekennen wir unseren Glauben. Im letzten Absatz des Credo bekennen wir – freudig und dankbar: Ich glaube an den heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, die Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Die Gemeinschaft der Heiligen – feiern wir heute. So richten wir unseren Blick in die Zukunft, in die uns die Heiligen voraus gegangen sind.
Dieser Ausblick ist herrlich. Sie sind eingegangen in die Herrlichkeit Gottes. Sie leben in der gleichen Fülle wie Gott selbst. Vollendete Personen – an ihnen ist nichts mehr, das anders werden könnte, nichts trübt mehr ihre Vollkommenheit.
Das Fest sagt uns: Das ist auch unsere Zukunft: Die Vollendung in der Herrlichkeit Gottes.

Wenn mich jemand fragt: Wofür lebst du?
antworte ich: ich will mithelfen, dass die Welt gerechter wird, dass Frieden ist, dass die Ehrlichkeit hoch geschätzt wird, dass Schuld vergeben werden, dass Schwächeren geholfen wird, dass Krank Beistand finden, dass Trauernde nicht alleine sind, dass Gott im Blick bleibt.

Wenn mich jemand fragen würde:
Was willst du erreichen, was ist dein Ziel?
antworte ich: mein Ziel ist das Leben in Gottes Herrlichkeit.
Das ist die große Zuversicht, die ich habe: auch wenn Enttäuschungen, das Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit, Trauer, schlechtes Gewissen mich in diesem Leben plagen ‑
das alles ist eingebettet in die große Zuversicht: das Leben in der Herrlichkeit Gottes.

Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen, die schon in Gottes Herrlichkeit angekommen sind und in die ich einst eintreten darf.

Vielleicht denken sie jetzt: Wie kann sich der so sicher sein?
Er ist doch auch ein Mensch mit Fehlern?
Selbstverständlich! Alle die Heiligen, diese vielen ungezählten Heiligen, die in keinem Heiligenkalender stehen, und auch die, die im Kalender stehen, wie der hl. Martin und der hl. Franziskus und der hl. Petrus und der hl. Paulus und die hl. Theresa und der hl. Papst Johannes XXIII.

Sie alle waren Menschen mit Fehler und Sünden. So wie Franziskus, der jetzige Nachfolger des hl. Petrus, gefragt nach seiner Persönlichkeit, seinem Wesen antwortete: „Ich bin ein Sünder“.

Die Vollendung erreichen wir nicht, weil wir vollkommen sind, sondern, weil Gott uns vollendet. Das Gute, das in jedem von uns ist, das wir alle suchen und wollen und tun, das ist es, was Gott vollendet.
Von all dem anderen, was nicht gut ist, von der Sünde, reinigt uns Gott – wir dürfen auch sagen: Befreit er uns. So gibt er uns Anteil an seiner Heiligkeit und nimmt uns auf in seine Herrlichkeit.

Das ist die große Hoffnung und die große Sehnsucht, die ich habe und in der wir alle leben dürfen: weil wir Jünger Jesu sind.

Die Freude, die ich zuversichtlich erhoffe, ist jetzt schon ein Teil meines Lebens – zwar nicht im Erleben, aber in der Hoffnung.
Diese Freude und diese Erwartung wirken sich aus in unserem Leben als Glaubende:

In unserer Verletzlichkeit und Armut sind zuversichtlich, dass wir getröstet sein werden. Wir versuchen gewaltfrei zu handeln, gerecht zu sein, Nachsicht zu üben und menschliche Notlagen zu lindern und zu wenden.
Wir wollen wahrhaftig sein und Frieden ausstrahlen und dankbar und froh in unserem  Glauben leben.

So helfen wir mit, dass diese Welt immer besser wird und die finsteren Mächte der Lüge und Gewalt immer wieder gefesselt werden.
Damit der Friede Gottes schon jetzt in dieser Welt unseren Verstand wach hält, unsere Hoffnung groß und unsere Liebe stark macht.

21.10.2018 Kirchweih

Lesungstexte: Jes 56,1.6-7 – 1 Kor 3,9c-11.16-17 – Joh 4,19-24

Liebe Schwestern und Brüder,
Groß ist unsere Kirche! Wirklich sehr groß!
Und sie wird nur sehr selten voll. Ist sie zu groß?

Unter praktischen Gesichtspunkten könnte man das sagen.
Für den großen Raum braucht man viel Zeit um ihn zu reinigen.
Es sind große Flächen, wenn renoviert werden muss.
Der große Rauminhalt verschlingt viel Heizenergie und Strom und verursacht auch sonst hohe Kosten.

Die Tatsache, dass viele freie Plätze in unserer Kirche sind, möchte ich auch so verstehen: Das ist ein Zeichen dafür, dass wir in der Kirche immer Platz haben, wenn jemand zu uns kommen will.
In der Kirche ist Platz für die Menschen, um sie aufzunehmen, um sie willkommen zu heißen, um ihnen Gemeinschaft zu schenken und Geborgenheit.

Nehmen wir also unsere Kirche an, die vor 88 Jahren geweiht worden ist.
Nehmen wir sie als ein Symbol für uns selbst:
dass wir uns nicht abschließen: wir sind kein geschlossener Kreis.
Wir genügen uns nichts selbst.
Wir sind Gottes Volk, von ihm zusammengerufen und von ihm gesandt, ihn zu verkünden, seinen Namen groß zu machen, ihn zu rühmen vor den Augen der Menschen, damit sie seine Stimme hören und ihn erkennen.

Hören wir auf die wunderschönen Bilder der Heiligen Schrift:
Jesaja der Prophet, spricht davon, dass wir den Bund halten,
dass wir Recht und Gerechtigkeit wahren, und dass Gott alle – auch die Fremden – mit Freude erfüllen wird, wenn sie ihn loben.

Paulus erinnert uns daran, dass wir Gottes Tempel sind, dass der Heilige Geist in uns wohnt. Der Grund, auf dem wir stehen, ist Jesus Christus.

Das Ev. des Johannes erzählt von dem Gespräch mit der samaritischen Frau. Jesus macht deutlich: Es kommt nicht darauf an, wo Gott angebetet wird: Gott will im Geist und in der Wahrheit angebetet werden – an jedem Ort und von jedem, der ihn erkennt: der erkennt, dass das Leben von Gott kommt und dass Gottes Geist und Leben in allem ist.

Kirche ist da, wo Menschen Gott rühmen und auf Gott hören und für Recht und Gerechtigkeit unter den Menschen sorgen.

Das tut die Kirche, das tun die Menschen in der Kirche – wo Christen sind, da wird für Arme und Kranke gesorgt, da wird für die Kinder und ihre Bil­dung gesorgt, da finden die Entrechteten jemand, der für ihr Recht eintritt.

Das dürfen wir sagen – auch wenn es immer wieder Entgleisungen gibt:
Wenn Menschen in der Kirche, Priester, Bischöfe, Angestellte und Ordensleute Unrecht tun und Unglück bringen.
Dennoch ist es so: wo Christen sind, finden Menschen – besonders die kleinen, die ohnmächtigen und Armen – Unterstützung, Hilfe und Heilung.

Unsere Hilfswerke – Missio zum Beispiel – werden nicht müde, den Einsatz der Kirche für Recht und Gerechtigkeit zu fördern und vor allem auch dafür, dass immer mehr Menschen Gottes Liebe erkennen und Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten. Deshalb bitte ich sie um Ihre Spende am kommenden Sonntag für Missio, nein nicht für dieses Hilfswerk, sondern für die über 1000 Bistümer, die auf diese Kollekte am kommenden Sonntag angewiesen sind, um ihr kirchliches Leben im Dienst für die Entrechteten aufrecht zu erhalten.

Das kirchliche Leben der Gemeinde aufrecht zu erhalten und die nötigen Mittel dafür bereit zu stellen, das ist Aufgabe der Kirchenverwaltung – hier bei uns. 7 Frauen und 9 Männer kandidieren für dieses wichtige Amt.
Ich freue mich, dass alle, die gefragt wurden, Ja gesagt haben und danke herzlich für diese Bereitschaft.
Bitte sehen sie sich die Wahlliste an. Sollten sie einen Einwand haben, müssen sie ihm bis nächsten Sonntag im Pfarramt kundtun.

Bitte gehen Sie am 17. Und 18. November zur Wahl. Wenn Sie nicht persönlich zur Wahl kommen können, haben Sie die Möglichkeit, ab dem 5. November die Briefwahlunterlagen im Pfarrbüro abzuholen.

Unsere Kirche ist groß, Schwestern und Brüder, wer mit uns zusammen Gott loben will, seine Botschaft hören will – im Geist und in der Wahrheit, den heißen wir willkommen. Denn wir alle sind Gottes Kinder.

14.10.2018: 28. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Markus und die anderen Verfasser der Evangelien hatten eine wunderbare Aufgabe: Von den Aposteln her waren viele Geschichten über Jesus im Umlauf. Viele davon waren schon aufgeschrieben und immer wieder abgeschrieben.
Die Evangelienschreiber wollten daraus eine durchgehende Geschichte von Jesus machen. Sie mussten überlegen und entscheiden, wie sie die Geschichten aneinanderreihen. Ich gehe davon aus, dass sie sich darüber viele Gedanken gemacht haben. Und deshalb lenke ich unseren Blick auf den Zusammenhang – auf das, was im Mk Ev vorher steht:
„Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen“.

Und dann erzählt Mk die Geschichte von dem reichen Mann, das Bildwort vom Kamel und Nadelöhr und von der Bestürzung der Jünger:
Wer kann dann noch gerettet werden?

Das ist genau der Punkt: Gerettet werden! Nicht: sich retten.

Wer sich retten will, der braucht mehr als nur zu sagen: ich tue kein Unrecht. Der braucht einen Schatz im Himmel – eine völlig selbstvergesse­ne Liebe: wie die Witwe, die ihre letzten Münzen im Tempel geopfert hat.

Für Menschen ist das unmöglich! Es ist wirklich unmöglich!

Es gibt allerdings schon Beispiele, dass manche Menschen ihren Reichtum an den Nagel gehängt haben und ein ganz anderes Leben geführt haben:
Franziskus von Assisi, Klaus von der Flüe, Mutter Teresa, …
Auch Petrus und die anderen Jünger!

Dieser Petrus ist völlig bestürzt von dem Spruch Jesu: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Er wird innerlich ganz klein und unsicher. Aber er fasst sich ein Herz. Ich kann mir vorstellen, wie zaghaft seine Stimme klang:

„Jesus, du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Und darin schwingt die Frage mit: Steht uns das Himmelreich offen?

Liebe Schwestern, liebe Brüder,
sind wir überhaupt so besorgt darum, ob wir in das Reich Gottes, in den Himmel kommen? Glauben wir überhaupt daran? Was stellen wir uns darunter vor?

Der Glaube an Gott, unseren lieben Papa im Himmel, und der Glaube, dass er uns das ewige Leben schenkt, gehören zusammen. Wenn es das ewige Leben nicht gibt, gibt es keinen lieben Papa im Himmel, der bei uns ist und der uns liebt. Dann ist alles nichts. Dann bräuchte es gar nichts zu geben.
Dann pfeife ich auf alle Vergnügungen dieser Welt.

Die Antwort Jesu auf den Vorstoß des Petrus ist einerseits versöhnlich aber auch wieder beunruhigend:

In der kommenden Welt empfangen wir das ewige Leben und
in dieser Welt, in der Gemeinschaft der Jünger Jesu, in der Kirche, finden wir eine neue Familie und wir finden als Gemeinschaft, was wir für das vergängliche Leben brauchen. – wenn auch unter Verfolgungen!

Darin spiegelt sich schon die Erfahrung der ersten Christen wieder:
Ausgrenzung und Verfolgung prägt ihr Leben. Sie gehören bis heute zur christlichen Lebenserfahrung – bis hin zum Tod.

Liebe Schwestern und Brüder,
Zu Jesus gehören, bedeutet: ich kann nichts als mein Eigentum betrachten. Auch mein großer und kleiner Reichtum ist dazu da, dass ich ihn teile. (Situationen im Alltag).

Und es bedeutet sogar:
Bei Jesus zu sein, ist wichtiger für mich, als die Geringschätzung durch die, die das nicht verstehen.

Denn:
Mein Glück ist Jesus, der mir das ewige Leben schenkt.
Das ist mehr als alles andere, was in dieser Welt schön ist.