22.02.26: 1. Fastensonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
Vertrauen und Misstrauen sind zwei Gegenpole.

Das Misstrauen zweifelt, ob der andere ehrlich ist;
ob er nicht etwas im Schilde führt; ob er das wirklich kann;
ob er sich richtig einschätzt; ob es wirklich so ist.

Das Vertrauen nimmt den anderen an, öffnet sich für den anderen, glaubt ihm, verzichtet auf Sicherheiten und Vorbehalte.

Ich lade sie ein, sich zu fragen:
Bin ich eher ein misstrauischer Mensch oder eher ein vertrauensvoller Mensch

Jesus lehrst uns, dem himmlischen Vater zu vertrauen.
Du rufst uns, vertrauenswürdige Menschen zu sein.
Du hast uns das Reich Gottes in der Welt anvertraut.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Ich mag diese beiden Geschichten sehr, die wir heute im Wortgottesdienst gehört haben. Ich mag sie, weil sie so anschaulich sind und so eingängig; so plastisch, dass man nur denken kann: so muss es gewesen sein.

Um es einfach und klar zu sagen: Ich glaube nicht, dass Adam und Eva die ersten Menschen waren und von Gott eigenhändig aus Erde getöpfert wurden. Ich bin mir ziemlich sicher: Auch Papst Leo glaubt das nicht.

Viel einleuchtender scheint mir die Theorie, dass sich an mehreren Stellen der Erde – wahrscheinlich aber in Ostafrika – der Homo sapiens aus einer Art heraus entwickelt hat, die den heute bekannten Menschenaffen sehr ähnlich war.

Was die Geschichte von Adam und Eva und ihrem Ungehorsam angeht:
Es ist eine wahre Geschichte vom Menschen – sie beschreibt uns, wie wir sind: Wir wollen über uns selbst hinauswachsen.
Deswegen bewegen wir uns heute auf Rädern, die von Motoren angetrieben werden und können sehr viele Krankheiten heilen.

Wir wollen über uns selbst hinauswachsen – das bedeutet leider auch:
Wir Menschen sind misstrauisch. Das Misstrauen legt die Geschichte der Schlange in den Mund, die verspricht: „Ihr werdet sein wie Gott und erkennt Gut und Böse.“

Das ist menschlich: Wir unterscheiden Gut und Böse: Gesundheit ist gut – Krankheit ist schlecht; Hunger ist schlecht – satt sein ist gut. Wir und neigen dazu, anderen Böses zu tun, damit wir es gut haben. Wir stellen uns über den anderen: Der Mensch neigt dazu, um Wasser, um Öl, um Diamanten zu kämpfen, anstatt sie zu teilen.

Eine ganz andere Geschichte erzählt das Matthäusevangelium: Es erzählt von Jesus, nämlich, dass er der Versuchung des Misstrauens widerstanden hat und der Versuchung, etwas Böses zu tun, damit es ihm gut geht.

Die Versuchung faltet das Evangelium dreifach: Unter der Überschrift: Du bist doch Gottes Sohn – Du bist doch wie Gott – legt das Evangelium dem Teufel drei Versuchungsworte in den Mund:

Wie immer sie auch die Versuchungen deuten – Jesus widersteht ihnen mit Worten des Vertrauens – des Gottvertrauens:

Ich lebe durch das Wort Gottes.
Ich stelle Gott nicht auf die Probe:
            ich verlange nicht, dass er mir den Tod erspart.
Ich will Gott dienen – ihm allein, weil in ihm das Leben ist.

Liebe Schwestern und Brüder,
unsere Übungen in der Fastenzeit entsprechen diesen drei Antworten:

Der Verzicht auf gewisse, so selbstverständliche Annehmlichkeiten
            stärkt in uns die Erfahrung, dass wir durch Gott leben.

Das Beten stärkt unser Gottvertrauen
            und hilft uns, unsere Sterblichkeit anzunehmen.

Durch die Spenden für Menschen in Armut und Not,
            durch die Zuwendung zu unseren Mitmenschen dienen wir Gott
            und handeln wir nach seinem Willen.

Liebe Schwestern und Brüder,
dass der Mensch über sich selbst hinauswachsen möchte, ist seine Besonderheit und wir sind dabei schon weit gekommen.

Es ist aber auch die Ursache für viel Leid, das Menschen einander antun.

In Wirklichkeit muss der Mensch, um über sich selbst hinauszuwachsen, nicht wie Gott werden und sich alles unterwerfen. So ist er ein Zerrbild Gottes und wirft alles durcheinander – ein Satan eben.

Der Mensch muss wie Gott werden und alles teilen,
alles Gute, das es auf der Erde gibt und das wir entdecken und erfinden.

Die Erde gehört nicht mir – Ihre Schätze und Geheimnisse gehören uns,
weil Gott sie uns schenkt!

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Herr, Jesus Christus du hast das Vertrauen in deinen und unseren himmlischen Vater bewahrt. Wir beten zu dir, unseren Bruder und Herrn, unseren Weggefährten und Heiland:

L/A: Herr, erhöre unser Rufen

  • Wir beten für die Menschen, die nach Erfüllung suchen und nach einem Sinn und Ziel für ihr Leben. Dass sie finden, was sie suchen.
  • Wir beten für die Menschen die Angst vor Krankheit und Gebrechlichkeit haben. Dass sie sich dir anvertrauen können.
  • Wir beten für die Menschen, die Autorität und Macht über andere ausüben. Dass sie, ihre Stellung nicht missbrauchen:
  • Wir beten für die Menschen, die um andere trauern oder selbst dem Tod entgegensehen: Dass sie nicht verzweifeln:

Lektor/in: Herr und Gott, stärke uns in den Versuchungen unseres Lebens. Wir vertrauen auf dich, loben und preisen dich, den einzi­gen Gott und Herrn in Ewigkeit. Amen.

05.01.2020: 2. Sonntag der Weihnachtszeit

Hier geht es zu den Texten der Liturgie: schott

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Es ist eine traurige Geschichte, die der Prolog – also das Vorwort – des Johannesevangelium erzählt.

Das Licht leuchtet in der Finsternis – und die Finsternis hat es nicht erfasst.
ER der das Leben zeugt, kam in die Welt, die durch ihn geworden ist.
Doch die Welt erkannte ihn nicht.

Er, dem alles gehört, kam in sein Eigentum,
aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.

Nicht erkannt werden, nicht erfasst werden, nicht aufgenommen werden.

Das kennt jeder – oder etwa nicht?
Ich werde nicht verstanden. Ich wurde in einen bestimmten Kreis nicht aufgenommen. Meine Vorschläge, meine Ideen werden ignoriert, verworfen.

Doch die Tragik ist unendlich gesteigert:
Der Schöpfer des Lebens wird von den Lebendigen nicht erkannt.

Das Licht kommt, aber die Finsternis hat kein Interesse daran.

Der Eigentümer kommt und wird nicht in sein Eigentum gelassen.

Der Ursprung der Schöpfung findet in seiner Schöpfung keine Heimat mehr.

Das ist die Geschichte von Adam und Eva: Wir sind selbst wie Gott!
Wir machen uns selbst zu Gott, zum Maß aller Dinge – als ob wir selbst die Welt erschaffen hätten.

Die Dunkelheit, die so entsteht ist das dunkelste Dunkel. Das Leben besteht aus Schweiß, Schmerzen und Schuldzuweisungen.

Das Vorwort des Johannesevangeliums erzählt zum Glück noch eine –
eine sehr viel schönere Geschichte:

Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
allen, die an ihn glauben:

In denen wird die Finsternis hell, sie sind aus Gott geboren!
Sie setzen nicht auf Abstammung, auf Macht und auf Stärke:

Sie sind aus Gott geboren:
für sie ist Gott, der Ursprung des Lebens das Maß aller Dinge.
Wo Gott ist, da ist Leben.
Wo Menschen auf Gottes Wort hören, da wächst Leben.

In denen, die Gott aufnehmen, ist das Leben Gottes.

Liebe Schwestern und Brüder,
wir, die erkannt haben, dass Jesus die Worte seines Vaters verkündet und den Willen seines Vaters tut,
wir sind die Erfolgsgeschichte Gottes.

Was gewinnen wir dabei?

Das Wort wird Fleisch. Es wohnt unter uns.
Wir haben seine Herrlichkeit gesehen. Gnade und Wahrheit.

Darf ich es ganz einfach ausdrücken?
Wir sonnen uns im Licht Gottes.
Wir genießen es, die Welt im Licht Gottes zu sehen;
Wir genießen es, die Schätze zu teilen; denn sie sind ja kein Raub,
den wir festhalten, sondern sie sind uns gegeben, damit wir sie teilen.

Wir leben und zwar aus Gnade
oder: wir leben, weil Gott uns das Leben schenkt,
uns mit seinem Leben erfüllt.

Wir sind nicht ins Dasein geworfen,
wir sind nicht den Kräften des Universums ausgesetzt,
wir sind nicht selbst gemacht und wir sind auch nicht Kinder des Zufalls,
wir sind nicht nackt, sondern umhüllt von Gottes schöpferischer Liebe.
wir sind gewollt und geliebt und belebt,

Unser Leben besteht aus Dank und Teilen.
Denn wir sind Kinder Gottes.
Das ist die Wahrheit.

10.03.2019: 1. Fastensonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
eine seltsame Geschichte haben wir gerade gehört:
Lukas schildert wie Jesus, den er als Sohn Gottes verkündet, vom Teufel versucht wird: Kann man sich das vorstellen?

Es gibt von Haus aus viel zu fragen: Was heißt Versuchung?
Wie ist das mit dem Teufel? Gibt es ihn? Was ist sein Ursprung?
Ich lasse diese Fragen mal beiseite, denn sie wurden ja schon oft besprochen.

Jedenfalls steht diese Versuchungsgeschichte ganz am Anfang der öffentlichen Geschichte Jesu nach der Taufe am Jordan, wo er als Sohn Gottes geoffenbart wird.

Das gibt es eine interessante Parallele: Die Bibel erzählt gleich nach der Erschaffung von Mann und Frau von deren Versuchung:

Gott hatte dem Menschen geboten: „Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.“

Da kam die Schlange, das Bild des Satans, und sagte: Es ist ganz anders:
Wenn ihr von diesem Baum esst, werdet ihr wie Gott und könnt selbst Gut und Böse erkennen – also bestimmen, was gut und böse ist.

Wir wissen: Adam und Eva aßen von den wunderschönen Früchten des Baumes: In der Folge berichtet die Bibel von Mord und Todschlag unter den Kindern von Adam und Eva, von der Verderbtheit der Menschen, die schließlich zur großen Flut führte, die fast alles Leben auf der Erde vernichtet hätte.

Jesus hingegen hat der Versuchung widerstanden: Er, der Gott gleich war, hielt nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern wurde ein Mensch, in allem uns gleich außer der Sünde. Er blieb seinem Vater gehorsam:
Er lebt durch Gottes Wort, er wirft sich vor Gott nieder und er stellt Gott nicht auf die Probe, als ob er von Gott einen Beweis seiner Göttlichkeit verlangen könnte, um ihn anzuerkennen.

Schwestern und Brüder,
vor wem verneigen wir uns?
Welches Unrecht sind wir bereit zu verüben, um einen Nachteil abzuwehren, um einem Mangel abzuhelfen?
Wie schnell sind wir bereit, Gott all das Unrecht und Leid dieser Welt vorzuwerfen und ihn so für unfähig zu erklären – eben für nicht göttlich.

Das Lukasevangelium zeigt uns Jesus als Retter, der der Versuchung widerstanden hat.

Es geht aber auch um uns selbst:
Er ist unser Vorbild, dass auch wir den Versuchungen widerstehen und statt dessen auf Gott hören und das Gute tun, die Liebe üben und anerkennen, dass wir zuletzt allein Gott verantwortlich sind, dass wir das Gute tun und das Böse lassen.

Dafür ist die österliche Bußzeit da,
dass wir unseren Entschluss erneuern und bekräftigen,
auf Gott zu hören und den Mitmenschen zu lieben:

Denn vor Gott zählt nicht, wie gut ich gegessen habe, wie meine Karriere verlaufen ist, wie angesehen ich war, wie weit meine Urlaubsreisen waren, welche Bequemlichkeiten ich mir leisten konnte:

Vor Gott zählt:
Wem hast du Gutes getan?