02.11.2019: Allerseelen

Hier geht es zu den Texten der Liturgie (Vorschlag I) schott

Liebe Schwestern und Brüder,
wenn wir unseren Verstorbenen etwas sagen, etwas mitteilen wollen, was würden wir zu ihnen sagen.

Vielleicht sagen wir: „Du fehlst mir“, weil die Person eine Lücke hinterlässt, weil sie einfach zu mir und meinem Leben gehörte.
Wie kann ich leben ohne ihn, ohne sie?

Vielleicht sagen wir auch „Danke!“: weil wir dem Verstorbenen so viel verdanken: seine Freundschaft, seine Treue, seine Sorge, seine Unter-stützung. Er hat unser Leben geteilt und bereichert. Es gibt so viele schöne Erinnerungen und Erlebnisse. Danke dafür.

Vielleicht sagen wir auch: „Verzeih“ und denken daran, was wir der Verstorbenen schuldig geblieben sind. Wir denken an manche Augenblicke, in denen uns die Kraft ausging, es mangelte an Verständ­nis und Geduld.

Vielleicht sagen wir auch: „Ich verzeihe dir“, wenn es nicht immer leicht war, den Verstorbenen auszuhalten, zu ertragen. Doch wir wollen über den Tod hinaus nichts nachtragen, sondern es soll Frieden sein, zwischen dem Verstorbenen und uns.

Vielleicht fragen wir auch: „Warum?“ weil wir nicht verstehen, wie es gekommen ist; weil der Tod so unvorhergesehen kam; weil wir nicht damit gerechnet haben – nicht jetzt. Warum fragen wir – weil wir es noch nicht annehmen können, dass sie oder er verstorben ist.
Die Klage, der Schmerz, die Trauer herrschen noch vor. Wir warten darauf, dass die Frage allmählich verstummt.

Vielleicht sagen wir auch: „Es ist gut“. Weil wir unserem Verstorbenen gönnen, dass er am Ziel ist, dass er befreit ist von seinem Leiden, dass er nun an einem besseren Ort ist, als es die Erde sein kann.
Es ist gut so. Der Trauerschmerz hat uns verändert, unsere Sicht auf das Leben reifen lassen. Wichtig sind nicht die gezählten Jahre, sondern die Liebe, die wir geben und empfangen.

Liebe Schwestern und Brüder,
der Tod unserer lieben Angehörigen bewegt uns und beschäftigt uns.
Sie bleiben ein Teil von uns selbst. Durch sie wurden wir zu den Menschen, die wir nun sind. Solange wir leben, werden wir sie nicht vergessen.

Wenn schon wir, solange wir leben, mit unseren Toten verbunden bleiben, umso mehr wird der ewige Gott immer an unsere Toten denken. In ihm sind sie lebendig und leben. In ihm sind sie vollendet und vollkommen. In ihm sehen sie das Licht und haben Anteil an der Freude Gottes.

Liebe Schwestern und Brüder, was können wir zu unseren Verstorbenen sagen:

„Ich freue mich mit dir und für dich, weil du Gottes Licht schauen darfst – so wie es uns bei der Taufe schon zugesagt wurde.“

Und vielleicht sagen wir auch: „Einmal, wenn die Zeit gekommen ist, werde ich auch diesen Schritt gehen und da sein, wo du bist und so sein, wie du jetzt schon bist.“

Auch unsere Verstorbenen haben vielleicht eine Botschaft an uns:

„Ich wünsche dir, dass du lebst und froh bist im Leben. Du sollst nicht dauernd traurig sein, denn ich wünsche dir die Freude am Leben.“

Liebe Schwestern und Brüder,
Im Johannesevangelium hören wir Jesus sagen:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Jeder der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben!

Unsere Verstorbenen haben Anteil an seiner Auferstehung,
weil sie an ihn geglaubt haben.

28.04.2019: 2. Ostersonntag LJ C

Liebe Schwestern und Brüder
Thomas ist der Vertreter derer, die mit eigenen Augen sehen wollen;

Thomas ist auch einer von denen, die es verstanden haben, dass die qualvolle Hinrichtung Jesu als Gotteslästerer und Aufrührer gegen Rom nicht seine Niederlage war. Vielmehr wurde dadurch erst sichtbar, dass Jesus bis zum äußersten geht, um für seine Botschaft des Friedens und der Versöhnung einzustehen.

Thomas kam, in der Gemeinschaft mit den anderen, zum Glauben an Jesus, der von den Wohnungen beim Vater und von der Auferstehung gesprochen hatte. Er sagte zu Jesus: „Mein Herr und mein Gott!“

Liebe Schwestern und Brüder, oft schon haben wir nachgedacht:
Was bedeutet Auferstehung?
Wie können wir sie richtig verstehen?
Wie können wir vermeiden, dass wir dieses Gottesgeschehen mit einem Geschehen verwechseln, das der irdischen Ordnung angehört?
Was haben die Jünger erlebt? Warum sind ihre Auferstehungszeugnisse so unterschiedlich?

Man muss darüber auch immer wieder nachdenken und es wird wieder geschehen.

Lassen Sie uns heute einmal davon ausgehen, dass wir wie Thomas zu Jesus sagen: „Mein Herr und mein Gott!“

„Jesus, du bist mein Herr und mein Gott!“ das machen wir uns zu Eigen, wenn wir im Credo, im Glaubensbekenntnis sprechen: „Ich glaube an Jesus Christus, den Sohn Gottes, unseren Herrn. Er sitzt zur Rechten Gottes des Vaters.“

Es gibt kein Bekenntnis von größerer Bedeutung und Tragweite für sich selbst. Denn mit Gott spreche ich den an, der mich unbedingt angeht, den Höchsten, den Schöpfer des Lebens.

Wenn jemand Gehorsam gebührt, dann allein Gott, denn er schenkte mir das Leben. Nur wenn ich auf Gott höre, nur wenn ich ihn suche, kann ich mich selber finden.

Wenn wir bekennen „Mein Herr und mein Gott!“, dann übereignen wir uns und binden wir uns in einer einmaligen Weise, die nur Gott gegenüber berechtigt ist.

Ein Arbeitsverhältnis ist nur ein Handel: Eine bestimmte Leistung erbringen wir – solange wir wollen – und werden dafür bezahlt. Nur wenn es um die Arbeit geht, kann der Dienstherr über seine Beschäftigten bestimmen.

Eine Freundschaft ist ein großes Geschenk und Freunde sind füreinander da; erst recht Liebespartner: diese Beziehungen umfassen das ganze Leben: Freunde und Liebespartner teilen Freuden und Sorgen, Ängste und Erfolge.

Noch tiefer ab ist die Bindung an Gott: Denn im Gewissen treibt er uns an, wahrhaftige Freunde und in der Liebe treu zu sein.

Mehr noch als Menschen gegenüber, ist all unser Wollen und nicht-Wollen, unser Tun und nicht Tun auf ihn ausgerichtet.
Unser Herr und Gott ‑ der, der uns ergriffen hat und den wir als Gott anerkennen: er hat uns Verstand und Wille, Kraft und Liebe gegeben, damit wir mit diesen, seinen Gaben gut werden und die Erde gut machen.

Nichts können wir aus dieser Verbindung zu Gott herauslassen:
Für das Gute danken wir, das Böse beklagen wir, unsere Fähigkeiten gebrauchen wir – alles tun wir so, dass wir im Einklang mit Gott, mit unserem Herrn leben.

Schwestern und Brüder,
wir dürfen zu Jesus sagen: „mein Herr und mein Gott“.
Wir dürfen uns und unser Leben ihm anvertrauen,
wir dürfen unser ganzes Verhalten nach seinem Vorbild gestalten,
wir dürfen bei allem überlegen und uns fragen: Würde Jesus das gefallen.

Das kostet viel: Selbstüberwindung, Bescheidenheit, Anstrengung,
und es bringt noch mehr: Frieden in uns und untereinander, innere Freiheit, Freude, Segen für unsere Mitmenschen – vor allem aber bringt es uns das Leben und dem Leben immer näher.

17. 04.2017 Predigt in der Osternacht

Fürchtet euch nicht!
Liebe Schwestern und Brüder, das sind die ersten Worte des Engels an die zwei Marias.

Ist es zum Fürchten, wenn man einen Engel sieht?
Warum aber sagen dann manche Menschen zum anderen:
„Du bist mein Engel!“

Aber ja: es ist zum Fürchten, wenn mitten in unserer Zeit und Geschichte eine andere Dimension auftaucht und alle unsere Erfahrungswerte ins Wanken bringt.

Ich habe noch nie ein Erdbeben gespürt. Ich stelle es mir erschreckend vor, wenn der so sichere Erdboden plötzlich nicht mehr fest ist, sondern wankt und schwankt. Woran soll man sich dann noch halten. Was hält dann noch stand?

Die Erschütterung der Osterbotschaft ist ein solches Erdbeben im übertragenen Sinn: wenn ein Toter „aufersteht“ – worauf kann man sich dann noch verlassen. Was zählt dann noch? Woran kann man sich dann noch halten?

Den Frauen wird gesagt: geht nach Galiläa! Galiläa, das ist der Ort der Seligpreisungen; dort hat Jesus Kranke geheilt, Hungernde gespeist,
das Reich Gottes verkündet.

Daran sollen sich die Jünger halten in diesem Beben der Gewissheiten – völlig verunsichert durch das katastrophale Scheitern ihres Meisters.

Noch ein Angebot bekommen die Frauen: Jesus selbst. sie umfassen seine Füße. Sie wollen ihn festzuhalten und sich an ihm festhalten.
Diese „handgreifliche“ Szene macht deutlich: Das Osterereignis ist kein Traum, keine hysterische Einbildung – es ist real – handfest sozusagen.

Jesus, der Auferstandenen schickt selbst die Frauen zu seinen Brüdern, wie er sagt. Sie sollen ihnen ausrichten, dass sie nach Galiläa gehen sollen.

Sie sollen sich daran erinnern, was sie dort mit Jesus erlebt haben.
Sie sollen sich an seine Botschaft vom Reich Gottes erinnern:
Es wächst, es ist mitten unter ihnen, es ist Gegenwart.
Man muss es annehmen wie ein Kind, um hineinzukommen.

Die Jünger sollen sich erinnern, dass die Sünde den Menschen nicht von Gott trennt, dass kein Kranker von Gott getrennt ist, sondern dass Gott in jedem Menschen ist.

Sie sollen sich erinnern, dass für Gott kein Mensch verloren ist.

Schwestern und Brüder,
unsere Welt wird von vielen Schrecken erschüttert in diesen Jahren:
Völkerwanderungen, nicht enden wollende Kriege, die Veränderung des Weltklimas, zuletzt geht es gar um den Einsatz von Atomwaffen.

In diese Erschütterungen hinein trifft uns das Engelswort, das Wort Jesu:
Fürchtet euch nicht! Geht nach Galiläa. Haltet fest an dem, was ich euch gelehrt habe:

Haltet Frieden, teilt mit den Armen, steht den Kranken bei.
Vergeltet Böses nicht mit Bösem, sucht nicht über andere zu herrschen, sondern ihnen zu dienen.

Glaubt an das Reich Gottes. Es ist euch anvertraut. Es ist schon da.
Ihr könnt darin leben und ihr werdet darin leben.

Liebe Schwestern und Brüder,
In unserem Osterlob preisen wir diese Nacht und singen:
Dies ist die Nacht, die alle, die an Christus glauben, dem Elend der Sünde entreißt und sie ins Reich der Gnade heimführt.

Ostern bringt die Gesetzmäßigkeiten des Todes zum Einsturz und gründet einen neuen festen Halt: das Leben, den Glauben an das Leben, an die Zukunft des Lebens in dieser Welt und an die Zukunft des Lebens in Gottes Herrlichkeit. Nicht Feindseligkeit, sondern Vertrauen; nicht Angst, sondern Hoffnung; nicht Tod, sondern Leben.

10. April 2016: 3. Ostersonntag

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Liebe Schwestern und Brüder,
mindestens drei innere Widersprüche hat diese Ostererzählung des Johannesevangeliums – und sie sind so auffällig, dass sie dem Evangelisten sicher nicht aus Versehen unterlaufen sind.
Wir können ruhig davon ausgehen, dass diese Widersprüche in der Erzählung uns – die Leser – auf das Wichtige hinweisen sollen.

Die erste Ungereimtheit:
Jesus stand am Ufer, aber sie erkennen ihn nicht – obwohl er sie vertraulich als „meine Kinder“ anspricht.

Dann, bittet Jesus seine Jünger, ob sie nicht etwas zu essen hätten – als sie auf ihren erfolglosen Fang hinweisen, gibt er ihnen einen ziemlich rätsel­haften Rat für einen guten Fang.
Als sie mit ihrem überreichen Fang ans Ufer zurückkommen, hat Jesus Brot und Fisch schon auf dem Feuer. Woher eigentlich?

Der überreiche Fang ist für den Jünger, den Jesus liebte, Anlass, Petrus darauf hinzuweisen: „Es ist der Herr!“ – Darum geht es im Johannesevangelium oft: dass die Jünger oder andere Menschen durch ein zeichenhaftes Geschehen Jesus erkennen:

Bei der Hochzeit von Kanaan offenbarte Jesus seine Herrlichkeit – und seine Jünger glaubten an ihn.

Als Jesus dem Thomas erschien, legt dieser das Bekenntnis ab: „Mein Herr und mein Gott!“

Und auch in dieser Geschichte kommen die Jünger zum Glauben:
Es ist der Jesus, der Herr.
Die Reaktion des Petrus ist die angemessene Reaktion: Er springt in den See – getrieben von dem Wunsch, so schnell wie möglich bei Jesus zu sein.

Liebe Schwestern und Brüder, diese Geschichte ist voller Andeutungen:
die Nacktheit des Petrus, die Zahl der Fische, der Ort des Geschehens am See von Tiberias, dass Jesus Brot und Fisch austeilt, wie bei der Brotvermehrung, das Kohlenfeuer wie im Hof des Kajaphas wo Petrus dreimal leugnete, ein Jünger Jesu zu sein.

Ich möchte zwei Punkte herausgreifen:

Als die Jünger den reichen Fang sahen, erkannten sie, dass es Jesus war, der sie am Ufer angesprochen hatte. Das Evangelium sagt damit: hört auf die Stimme des Herrn in eurem Herzen;
sorgt euch um Gottes Reich – um Frieden und Gerechtigkeit, um den Mitmenschen und sein Heil – tut, was ihr tut, so wie Gott es will – dann werdet ihr staunend sehen können, wie er euer Tun segnet.

Das zweite ist:
Jesus sagt zu den Jüngern: „Kommt und esst!“ Er nahm das Brot und gab es ihnen und ebenso den Fisch. Jesus brach den Jüngern beim Abendmahl das Brot und sagte: Das ist mein Leib. Ich werde mein Leben geben – für euch, damit ihr glauben könnt.

Wenn wir zur Kommunion gehen und damit der Einladung Jesu folgen, öffnen wir uns seine Liebe und nehmen sie an.
ER schenkt sich uns, er stärkt uns,
damit wir nicht müde werden, für Gottes Reich zu leben.

Damit wir nicht müde werden nachsichtig, gütig, geduldig, demütig, zuvorkommend und achtsam uns dem Mitmenschen zuzuwenden.

26.03.2016: Predigt in der Osternacht

Liebe Schwestern und Brüder,
Im Buch Ezechiel hören wir prophetische Worte:

Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust
und gebe euch ein Herz aus Fleisch.
Ich lege meinen Geist in euch und bewirke,
dass ihr meinen Gesetzen folgt
und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt.
Dann werdet ihr in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gab.
Ihr werdet mein Volk sein und ich werde euer Gott sein.

Liebe Schwestern und Brüder,
das sind Verheißungsworte, Worte voller Hoffnung auf Veränderung,
Dass Friede sein wird und Gerechtigkeit und dass die Völker der Erde erkennen werden, dass Jahwe, der Gott Israels, der Herr ist.

Die Völker werden, so deute ich das, erkennen, dass alle Geschöpfe dieser Erde zusammengehören, weil sie alle durch Gottes Wort ins Leben gerufen wurden, wie es der Schöpfungslobpreis im Buch Genesis so anschaulich besingt.

Wenn die Völker das erkennen, dann hören sie auf, gegeneinander Krieg zu führen. Vielmehr werden sie einander beistehen und miteinander teilen, damit niemand Not leiden muss. Dann haben sie ein Herz nicht mehr aus Stein, sondern aus Fleisch.

Dann verwirklicht der Mensch, was er ist: Der ist Mensch ist Gottes Abbild, in dem Gott sich selbst wieder erkennt. Und Gottes Wesen ist es, sein Leben mit-zu-teilen.
Genau das ist die Glaubenserkenntnis des Schöpfungsliedes: das ganze Universum existiert, weil Gott darin sein Leben mitteilt.

Auch wenn sich in der Bibel viele Sätze und Gedanken finden, die Israel, das Volk Gottes, in Konkurrenz sehen mit anderen Völkern.
Manchmal erscheint ihre Vernichtung in den Schriften der Bibel sogar als Gottes Gebot oder als Gottes rettende Tat.

Doch von Anfang an gibt es auch diesen anderen roten Faden:
Durch Abraham und seine Nachkommen sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.
Die Propheten künden an: Alle Völker der Erde kommen nach Zion, um vom einzigen Gott Weisung zu empfangen.

Dieser rote Faden, dass der einzige Gott allen Menschen aus allen Völkern Heil schenkt führt hin zu Jesus von Nazaret. Er verkündete: Das Reich Gottes ist euch nahe! – nicht nur den Juden, sondern jedem Menschen.

Er sprach von der Großzügigkeit Gottes und von seiner Barmherzigkeit in all den Gleichnissen und in der Zuwendung zu den Kranken und Armen und Niedrigen.

Jesus lehrte die Menschen, Gott als Vater anzusprechen;
Denn wie ein Vater und eine Mutter das Leben ihren Kindern mitteilen. so teilt Gott sein Leben mit uns.
Gott teilt sein Leben mit – also unvergäng­liches, ewiges Leben.

Deshalb verkündete Jesus die Auferstehung und das ewige Leben in Gottes Herrlichkeit. Deshalb feiern wir die Auferstehung Jesu.

Es konnte gar nicht anders sein: die Frauen, die Jünger, sie mussten erkennen: Jesus ist nicht im Grab. Denn das, was wir als Tod erfahren, als Verlöschen des Lebens, ist in Wahrheit der Übergang in das neue Leben in Gottes Herrlichkeit – jedenfalls, wenn wir ernst nehmen und glauben, was Jesus verkündet hat und was sich in der Bibel von Anfang an andeutet und immer deutlicher wird, bis hin zu Jesus und seiner Botschaft von Versöhnung und Frieden.

Gott teilt sein Leben mit – an alles, was es gibt und gab – in allem ist deshalb sein unvergänglicher Geist.

Darum ist Ostern ein Fest der ganzen Menschheit, ein Fest der ganzen Schöpfung. Ostern ist das Fest des Lebens.

Der Osterglaube, der Glaube an Auferstehung und ewiges Leben weckt eine neue Gewissheit und Zuversicht.

Solange die Menschen auch in der Dunkelheit verharren mögen, solange sie auch meinen, sie müssten mit Gewalt und Krieg einander etwas wegnehmen.  Es mag sein, dass die Menschen nicht aufhören einander auszunützen und zu übervorteilen.

In all dem drückt sich aus, dass sie noch nicht erkannt haben, wer Gott wirklich ist: Der, der sein Leben mitteilt für die Ewigkeit.

Doch weil Gott sein Leben mitteilt und weil dies sein Wesen ist, ist die Zukunft des Alls nicht sein Untergang und die Zukunft jedes einzelnen von uns Menschen ist nicht der Tod, sondern das Leben in Gottes Licht und Herrlichkeit.

Deshalb dürfen wir heute Nacht jubeln und singen:
Halleluja, Jesus lebt und mit ihm auch du und ich. Halleluja.
Lasst uns Jesu Werk weiterführen, lasst uns Versöhnung bringen und Frieden. Amen.

12. April 2015: 2. Sonntag der Osterzeit

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder!
Immer wieder ärgern sich Menschen über mich, wenn sie mir etwas erzählen und ich antworte: „Das glaube ich nicht! Das muss ich selber sehen!“ – Ich weiß nicht, ob Sie das auch manchmal sagen, oder denken!

Das glaube ich nicht! Das kann ich nicht glauben! Das kann ich mir nicht vorstellen! Das muss ich selber sehen!

Ich reagiere so, wenn ein Bericht, eine Schilderung, eine Erzählung ganz anders ist als meine eigene Erfahrung und Kenntnis: „Das gibt es nicht!“
sagt man ganz spontan und möchte dabei weniger die Glaubwürdigkeit und Vernunft des Erzählers in Frage stellen, sondern drückt noch mehr seine eigene Verwunderung, Überraschung aus – und sein Unverständnis.

Wenn etwas so stark meinen Erfahrungen widerspricht, dann muss ich es selber sehen, damit ich mein Weltbild anpassen kann, damit ich es mir vorstellen kann.

Das ist unsere Situation im Hinblick auf den Glauben an die Auferstehung Jesu: es ist nicht verwunderlich, wenn wir sagen: Das kann ich mir nicht vorstellen. Das gibt es nicht. Das kann ich nicht glauben!

Deshalb bin ich froh, dass das Johannesevangelium diese Geschichte vom Apostel Thomas erzählt, der genau so reagiert:
„Das möchte ich selber sehen, erleben, damit ich es glauben kann.“

Denn gerade auf diese Geschichte kann ich meinen Glauben stützen:
einer der Apostel – oder eigentlich alle – haben so normal reagiert:
Sie konnten es zuerst nicht glauben.
Sie konnten ihrer eigenen Erfahrung nicht trauen.
Es heißt auch in anderen Ostergeschichten: Sie waren noch nicht zum Glauben gekommen! Es wird erzählt, das die Apostel bei der zweiten und dritten Erscheinung des Auferstandenen ihn immer noch nicht sofort erkannten und sie meinten er sei ein Gespenst.

Langsam erst festigten sich in ihnen der Eindruck und die Gewissheit über das, was sie erlebt hatten. Dann aber verkündigten sie es offen und ohne Angst: Jesus, der gekreuzigt wurde. Er ist auferstanden! Er lebt!

So dürfen auch wir heutigen zugeben, wenn es uns schwer fällt, an die Auferstehung zu glauben: Wie ist das möglich?

Was haben die Apostel erlebt oder gesehen? Gibt es andere Erklärungen – Selbsttäuschung, Betrug, Illusion, Einbildung?

Das alles beschäftigt uns – und wir können die Fragen nicht sicher beantworten über das hinaus, was uns die Ostererzählungen überliefern – und das ist sehr vieldeutig und unterschiedlich.

Eines aber ist sicher: Kaum hatte man Jesus hingerichtet, vermehrte sich die Schar seiner Jünger rasant und in kurzer Zeit.
Man schloss sie aus der Synagoge aus, man verhörte sie, man nahm sie gefangen, man peitschte sie aus – und immer wegen dieser einen Sache:
Sie verkündigten Jesus als Messias Gottes, der von den Toten auferstan­den sei! Und wie Jesus selbst gefährlich erschien, weil er die Führenden in Frage stellte, so erschienen auch seine Jünger gefährlich, weil sie die Autoritäten nicht mehr anerkannten, sondern an Jesus glaubten und wie er das Reich Gottes verkündeten:

Was immer auch geschehen war? Was immer sie erlebt hatten?
Es war stark! Und es veränderte die Jünger! Es machte sie stark und unerschrocken.

Liebe Schwestern und Brüder!
Jesus ist auferstanden, ich glaube daran und bin auf die Antworten gespannt, die meine Fragen finden werden.
Jesus ist auferstanden! Dieser Glaube prägt das ganze Leben, die Ideale, die Werte, alles steht unter diesem Vorzeichen. Es geht nicht um Jetzt! Es geht um danach! Das danach wird es geben – von Gott geschenkt, wie das jetzige Leben!

Und welche Konsequenzen das zu Ende gedacht und gelebt hat, das sagt die Apostelgeschichte: Sie hatten alles gemeinsam. Niemand nannte etwas sein Eigentum. Alle brachten ihren Besitz und jedem wurde zugeteilt, was er nötig hatte.

Liebe Schwestern und Brüder! Selig sind wir, wenn wir glauben.

4./5. April 2015: Predigt in der Osternacht

Liebe Schwestern und Brüder!
es waren ganz gewiss schlechte Zeiten, als Jesus in Israel lebte:
Es gab allen Grund, die Zukunft zu fürchten. Die Römer ließen keine Zweifel an ihrer Dominanz aufkommen. Einen Menschen an Kreuz hängen und warten, bis er erstickt war – das war nichts Außergewöhnliches.

Umso bedrückter, ja geradezu niedergeschmettert waren die Frauen und Männer, die mit Jesus von Galiläa nach Jerusalem gekommen waren, um mit ihm dort das Paschafest zu feiern.

Diese Wallfahrt entwickelte sich zum Desaster mit tödlichem Ausgang. Abgesehen von der Trauer um den vermeintlichen Messias und die Enttäuschung über sein Scheitern mussten sich seine Gefährtinnen und Gefährten wirklich Gedanken machen: wie kommen wir wieder heil nach Hause, nach Galiläa.

Die Römer und die Führenden im Volk Israel hingegen dachten: dieser Mann und seine Freunde werden uns keine Schwierigkeiten mehr machen: All das Gerede vom himmlischen Vater, von Vergebung und Auferstehung, vom Reich Gottes, das angebrochen sei – erledigt!
Davon wird man nie mehr etwas hören. Das Problem ist gelöst!

Doch weit gefehlt: Kaum hatte man diesen Jesus aus dem Weg geräumt, ging es erst richtig los mit diesen Leuten. Es verbreitete sich die Kunde, dass Jesus von den Toten auferstanden sei. Nicht nur, dass seine Freunde sich sozusagen mit diesem Glauben trösteten – nein: sie wurden immer mehr. Das Jesus Problem ging erst richtig los, als man dachte, dass man es beseitigt hätte.

Der Glaube an Jesus, den Gekreuzigten verbreitete sich trotz aller Verfolgung der Christen unaufhörlich: Antiochia, Perge, Korinth, Ephesus. Es dauert keine 20 Jahre bis es in Rom eine Gemeinde von Christen gab.

Liebe Schwestern und Brüder! Diese ersten Christen vor 1950 Jahren waren nicht besser d’ran als wir heute: sie verließen sich auf die Verkündigung, auf die Überlieferung auf die Predigt derer, die schon an Christus glaubten.

Das ist bis heute so: wir hören das Zeugnis der Apostel, dass Christus auferstanden ist und glauben: an die Erlösung, an die Befreiung von Tod und Sünde. Wir glauben an Versöhnung und Frieden durch Christi Tod und Auferstehung.

Vor 200 Jahren entstand ein Osterlied: es drückt aus, was der Glaube an Jesu Auferstehung für uns bedeutet:

Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo ist dein Schrecken?
Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken.
Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht.

Schwestern und Brüder,
einen Gekreuzigten als Erlöser, als Gottes Sohn preisen und verkünden, das ist auch heute ein starkes Stück.
Wie immer schon versprechen die Reichen und Mächtigen, dass sie Frieden bringen und Ruhm und Macht.
Ein Gekreuzigter – einer von den vielen, denen man ein grausiges Ende bereitet hat – wird wohl kaum dafür in Frage kommen!

Doch unser Glaube sagt:

Jesus lebt, ihm ist das Reich über alle Welt gegeben.
Mit ihm werd auch ich zugleich ewig herrschen, ewig leben.
Gott erfüllt, was er verspricht; dies ist meine Zuversicht.

Schwestern und Brüder, ich bin dankbar, dass das Zeugnis und die Verkündigung der Apostel mich erreicht hat.
Ich bin dankbar, dass ich durch Christus hoffen und gewiss sein kann:
Gott hält für uns ein neues Leben bereit ‑ in seinem Licht.
Der Glaube an Jesus und seine Auferstehung, seine Jüngerschaft macht mich frei – was kann die Welt schon nehmen, was kann die Welt schon geben – was nicht im Licht Gottes wirken würde wie rostiges Eisen.

Das einzige, was zählen wird, ist: Du bist von Gott geliebt und darum darfst Du leben im Licht Gottes. Heute im Glauben und dann endgültig und unverhüllt.

19. April 2014: Predigt in der Osternacht

Hier geht es zu den liturgischen Texten:Schott

 

Wir sind zu früh d’ran! – Manche haben schon mal nachgezählt, wie das mit der Auferstehung am dritten Tag ist: Den Freitag kann man ja als ersten Tag rechnen – auch wenn es da schon Abend war, als Jesus starb. Der Samstag ist aber höchstens der zweite Tag.  Wir sind zu früh dran.

Aus voller Kehle singe ich jedes Jahr das Osterlied: Der Heiland erstand. Der Text des Liedes orientiert sich offensichtlich am Matthäusevangelium:

1. Der Heiland erstand, die Nacht ist verschwunden, der Tod überwunden: aus ewiger Quelle fließt Leben und Licht, und Mächte der Hölle erschrecken uns nicht.

Noch bevor irgendjemand etwas mitbekam, ist Jesus erstanden
– vielleicht sind wir also doch nicht zu früh dran.

Aus ewiger Quelle fließt Leben und Licht! Das ist Zuversicht pur: Dass die Quelle des Lichts und des Lebens niemals versiegen wird.

Wenn es so ist, dann brauchen wir nichts zu fürchten: Keine Grausamkeit, kein Hass kann diese Quelle jemals zum versiegen bringen.

2. Der Morgen erwacht zu himmlischer Pracht, die Felsen erkrachen, es stürzen die Wachen, und Jesus erstehet vom Grabe empor und herrlicher gehet er siegreich hervor.

Die Felsen erkrachen! Es stürzen die Wachen! Man hört es förmlich krachen, wenn man dieses Lied singt und ich freue mich jetzt schon darauf. Aber aufgepasst: nicht der Auferstandene löst das Erdbeben aus. Erbraucht auch das Erdbeben nicht, um auferstehen zu können – vielmehr bebt die Erde, weil ein Engel vom Himmel herabkam.

Er war stark genug, um den Stein vom Grab weg zu wälzen!
Die Wächter fielen wir tot zu Boden – so geblendet waren sie vom himmlischen Licht, das er ausstrahlte!

Nur ein gewaltiger Engel kann die Frauen aus ihrer Trauer heraus reißen.
Denn wie ein schwerer Stein hat sich die Trauer auf ihre Seele gelegt.

Jesus erstehet vom Grab empor  und herrlicher gehet er siegreich hervor.
Schon in seinem Leben mit den Jüngern leuchtete in Jesus die Herrlichkeit des Himmels auf: in seinen Worten und in seinen Taten.

Nun aber hat er Anteil an der Herrlichkeit Gottes. Nichts in dieser Welt gleicht ihm, der Quelle und dem Ursprung des Lebens.

Schwestern und Brüder,
wer fragt, warum dieses Erdbeben nicht ganz Jerusalem zum Glauben brachte, und ob es überhaupt ein Erdbeben gegeben habe und wem es zu phantastisch ist, dass ein Engel den Stein vom Grab wegwälzte ‑ hat das Wesentliche dieser Verkündigung nicht erfasst:

Nur die Frauen, die nach dem Grab sehen wollten, konnten den Engel sehen! – Das Erdbeben war begrenzt auf die paar Quadratmeter um das Grab herum, nachdem die Frauen sehen wollten

Nur wer an Jesu Botschaft glaubt, dass Gott keinen Menschen vergisst, dass kein Mensch für Gott tot ist, dass Gott die Liebe ist und nicht der Richter oder gar der Scharfrichter der Menschheit – nur wer an Jesus glaubt, kann erfassen, dass der Tod ihn nicht halten kann, sondern dass er im Tod zum Vater heimgekehrt ist.

3. Ihm töne Gesang, voll Preis und voll Dank, verherrlicht, verkläret, als göttlich bewähret lebt Jesus nun wieder, der Heiland der Welt, uns hat er als Brüder und Erben bestellt.

Ihm töne Gesang – voll Preis und voll Dank! An dieser Stelle will ich das Geheimnis lüften, was in dem Tuch verborgen ist – so wie ich es am Gründonnerstag angekündigt habe:

In dem Tuch ist unser neues Gotteslob – Es ist unser neues Werkzeug, wenn wir Gottesdienst feiern: wenn wir Gott preisen und danken, der Jesus mit seinem Geist erfüllt hat und ihn auferweckt hat. Beim Frühlingsfest am 4. Mai werden wir es das erste Mal benützen.
Das Buch soll uns zu dem helfen, was es in seinem Namen trägt:
Gottes Lob zu singen, dass es klingt wie – ja eben wir echtes Gotteslob, weil Jesus erstanden ist und mit uns sein Erbe teilt:– die Herrlichkeit des himmlischen Vaters.

10. November: 32. Sonntag im Jahreskreis

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Das Evangelium heute führt uns mitten in die Frauenwelt des Orients:
Da spielte es scheinbar keine Rolle, ob eine Frau nach dem Tod ihres Mannes heiraten wollte – sie musste heiraten, wenn es möglich war:

1. Damit ihr Mann doch noch Kinder bekam und
2. Damit sie nicht der Armut und dem Elend preisgegeben war.

Witwe zu sein bedeutete in der Regel arm zu sein. Heute ist für die Frauen tatsächlich vieles besser geworden!

Liebe Schwestern und Brüder, es geht in diesem Streitgespräch allerdings nicht um die Situation der Frauen – es geht um eine religiöse Grundfrage:
Gibt es die Auferstehung der Toten und das ewige Leben – so wie Jesus es verkündet hat?

Wenn sie mit ihren Freundinnen und Nachbarn darüber sprechen, kann es ihnen wie Jesus ergehen: Die Sadduzäer wollten ihn und seine Botschaft der Auferstehung und des ewigen Lebens lächerlich machen.
Heute wird behauptet, der christliche Glaube an Gott, an die Auferstehung widerspräche der Vernunft und der Wissenschaft, sei unlogisch. Dieser Glaube behindere den Menschen mehr, sein Leben gut zu gestalten, als dass er ihm dabei hilft.

Liebe Schwestern und Brüder, wie Jesus sollten wir dann ebenfalls eine Antwort wissen:

Widersprechen sich die Leugner des Auferstehungsglauben nicht selbst,
wenn sie den Menschen und alle Lebewesen zu einer biochemischen Maschine degradieren, mit der nach dem Tod des Körpers alles aus ist?

Warum können Menschen „ich“ und „Du“ sagen?
Warum können sogar Tiere sich freuen?
Wie kann es sein, dass wir Menschen „nachdenken“ über das Leben und immer besser verstehen lernen, wie die Mechanismen des Lebens sind?

Wer leugnet, dass der Mensch Gottes Geschöpf ist und mit Geist und Seele begabt, widerspricht sich eigentlich selbst.
Gerade er setzt doch seine Fähigkeit des freien Denkens ein, um zu behaupten, dass alles nur biologischen Gesetzen gehorche.

Der Mensch ist mehr als Biologie:
Der Mensch hat eine Seele, er hat einen Willen und er hat Vernunft.

Deshalb fragt der Mensch auch nach seinem Ursprung, nach dem Ursprung der Erde und des Universums.

Dieser Ursprung kann nicht geringer sein als der Mensch, der nach seinem Ursprung fragt. Vielmehr ist die Welt durch seine Weisheit und Macht geworden.
Wie von selbst liegt der Gedanke nahe, dass er auch die Zukunft ist, dass er nicht nur am Anfang steht, sondern auch das Ziel ist:

Wir erwarten nicht den Tod, den Untergang des Seins,
sondern wir leben hin auf ein Ziel: dass wir bei ihm sein dürfen, von dem wir das Leben empfangen haben und der uns das Leben gibt.

Wir leben hin auf die Freude, auf das Licht, auf die Vereinigung mit Gott, den Jesus seinen himmlischen Vater nennt.
Von dieser frohen Erwartung ist unser Leben durchdrungen:
Diese Erwartung gibt uns Kraft, als Gottes Ebenbild, als Gottes Kind die Welt zu gestalten, so dass sie Gottes Willen entspricht:

Wir wissen, dass es wichtiger ist, gut und barmherzig zu handeln,
als möglichst viel für sich selbst aus dem Leben herauszuholen.

Diese Erwartung hilft uns in schweren Zeiten, dass wir nicht verzweifeln, sondern uns in Gottes Hand legen, der alles gut machen kann.

Diese Erwartung bewahrt uns davor, wie Räuber zu leben, denen es darum geht, möglichst große Beute zu machen. Die Fülle des Lebens müssen wir nicht mit allen Mitteln in dieser Welt erkämpfen, sondern Gott hält die Fülle des Lebens für uns bereit.

Das gibt uns die Kraft, jetzt für andere einzutreten und etwas zu tun, damit das Leben menschlicher wird und damit unsere Hoffnung sichtbar wird in dem Guten, das wir einander und anderen tun.

31. März 2013: Ostersonntag

Liebe Schwestern und Brüder!
Am Tag vor dem Sabbat hatten sie Jesu Leichnam noch ins Grab gelegt.
Schnell noch vor Beginn der Sabbatruhe.
Am zweiten Tag, konnte man nichts tun – es war ja Sabbat.
Endlich, am dritten Tag wollte man nachholen, was vorher nicht mehr möglich war: Der Leichnam Jesu sollte gesalbt werden.
Deshalb kommt zuerst Maria von Magdala – wahrscheinlich mit anderen Frauen zum Grab. Sie sieht das offene Grab und schließt daraus, man habe Jesu Leichnam heimlich weggebracht!

Sie verständigt die Jünger und die zwei wichtigsten – Petrus und der, den Jesus liebte – liefen los. Und obwohl der andere zuerst am Grab war, lässt er Petrus zuerst in die Grabhöhle gehen: Petrus sieht die Leinenbinden und das Tuch. Ich stelle mir vor, wie er sich am Kopf kratzt und denkt: die Leinenbinden liegen da – also wurde der Leichnam nicht gestohlen. Doch er bleibt ratlos!

Dann endlich geht der dritte ins Grab hinein – als er die Tücher liegen sieht, glaubt er!
Der dritte Versuch, der dritte Anlauf, die dritte Person dringt endlich zum Glauben vor!
Dieser Jünger, den Jesus liebte, übertrifft Petrus – er versteht schneller, und „glaubt“ schon, als Petrus sich noch am Kopf kratzt.

Er glaubt, obwohl weder er noch Petrus verstehen konnten, dass Jesus – gemäß der Hl. Schrift von den Toten auferstehen musste.
Er glaubt, obwohl und ohne dass ihm der auferstandenen Jesus erschienen war. Er glaubt so, wie Jesus es nach der Offenbarung an den Apostel Thomas sagen wird: „Selig, die nicht sehen und doch glauben!“

Das, liebe Schwestern und Brüder, ist genau unsere Situation:
Wir glauben an Jesus und seine Auferstehung ohne ihn zu sehen.
Letztendlich glauben wir an Jesu Auferstehung, weil wir ihm glauben, was er immer verkündet hat: Der Menschensohn wird am dritten Tage auferstehen.

Wir glauben an seine und unsere Auferstehung, weil …
Weil Jesus es verkündet hat und weil er dafür sein Leben gegeben hat!

Reicht das aus, um zu glauben?
Oder ist der Jünger, den Jesus liebte, zu leichtgläubig?
Oder ist es vielmehr so, dass der Glaube dieses Jüngers seine Wurzeln und sein Fundament hat in der ganzen Geschichte des Volkes Israels.

Denn was Jesus verkündete und woran er glaubte, das alles speist sich aus jener Quelle, die wir Altes Testament oder alten Bund nennen.
Jesus von Nazareth ist wie ein Filter: die Substanz, das wesentliche des Glaubens Israels hält er fest:
das Vertrauen, dass Gott die Quelle des Lebens ist und dass er seiner Schöpfung treu ist.
Das Wissen, dass die ganze Liebe des Menschen Gott gehört, weil der Mensch das Geschöpf ist, das nach seinem Woher sucht und seinem Schöpfer Liebe zeigen kann.
Die sichere Hoffnung, dass dieses vergängliche Leben nicht alles ist, sondern dass das Leben ewig ist und dass deshalb alles Sterbliche Anteil erhält an Gottes Ewigkeit.

Jesus hat gemäß der Heiligen Schrift des Volkes Israel, in neuer und einzigartiger Weise die Liebe des Schöpfers verkündet:
Er hat in seinem Leben sichtbar gemacht, dass der Menschensohn und der himmlische Vater eins sind.

Schwestern und Brüder! An Jesus glauben, heißt ihm glauben.
Ihm glauben, dass der Vater im Himmel das Heil der Menschen will!
dass er der ist, der die Verheißungen der Propheten erfüllt hat:
weil durch ihn und in ihm Gott seine Treue zur Schöpfung offenbar werden ließ.

Wir dürfen wie der Jünger, den Jesus liebte, glauben, ohne Jesus, den Auferstandenen zu sehen – doch wir wissen aus der Schrift, dass Gott Macht hat – auch über den Tod.
Er gibt uns Leben- wie seinem Sohn Jesus, den er auferweckt hat vom Tod.