17.09.23: 24. Sonntag im Jahreskreis

Jesus, der Messias, Petrus der Fels sind weiter im Gespräch: Es geht um lösen und binden, um bitten und erhört werden, um das verlieren und wiederfinden.
Es geht darum, ob wir jemanden an seine Schuld binden wollen – so wie an einen Mühlstein, der ihn auf den Meeresgrund hinabzieht?
Oder wollen wir ihn von seiner Schuld lösen, damit er den Fluten entkommen, das rettende Ufer erreichen und am Leben bleiben kann?

Mit der Aufgabe der Vergebung hängt auch diese Frager zusammen: Welche Art von Gerechtigkeit brauchen eigentlich die, denen Unrecht getan wurde, damit sie Frieden finden und heil werden?

Diese Fragen beschäftigen uns selbst – nicht nur, weil sie im Ev. stehen!

Wer vergangenen Sonntag in einer kath. Eucharistiefeier war, hat das große Versprechen gehört: Alles, was zwei von euch einig erbitten, werden sie vom himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Unmittelbar daran schließt das Mt. Evangelium die Frage des Petrus an:
Jesus, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? (Lüge, Täuschung, üble Nachrede, bestehlen, Beleidigen?)
Petrus selbst schlägt ein Maß vor: die Siebenzahl, die ohnehin schon symbolischen Charakter hat und auf Vollendung hindeutet.

Jesus steigert das ins unermessliche und sagt sieben und siebzigmal. Er erklärt dies mit der sehr eindrucksvollen Geschichte von dem unbarm­her­zigen Knecht, die damit endet, dass er gebunden ins Gefängnis wandert.

Diese Geschichte macht mir bewusst, dass ich vor Gott – trotz allen Bemühens – immer ein riesiger Schuldner sein werde: Er hat mir unzählige Gelegenheiten gegeben, Liebe zu üben, und wie oft bin ich diese Liebe schuldig geblieben und bleibe sie Gott schuldig?

Jesus hat von Anfang bis Ende deutlich gemacht, dass ich Gott um Vergebung bitten darf und auf seine Vergebung vertrauen darf.

Was Menschen mir schuldig geblieben sind, oder sogar Böses getan haben, ist im Vergleich dazu nicht erwähnenswert.
Und deshalb, liebe Schwestern und Brüder, ist es so abscheulich, wenn ich es nicht schaffe, meinen Mitmenschen zu vergeben, wo ich doch auf die Vergebung meiner viel größeren Schuld durch Gott vertraue.

Die Kirche, also die Menschen, die versuchen, Jesus nachzufolgen und Gottes Barmherzigkeit zu verkünden, muss daraus die Konsequenzen ziehen: Die Aufgabe der Kirche ist es also gerade nicht, festzulegen, wann sie jemand ausschließt, sogar verfolgt, als Sünder erklärt,
Dies hat die Kirche leider oft getan und tut es immer noch!

Wenn sie die Menschen so an ihre Sünden, an ihre Schuld, Liebesschuld bindet, wird sie selbst alle Schuld zurückzahlen müssen – und wie bitter das ist, erleben wir gerade überaus schmerzlich!

Was Menschen brauchen, denen Unrecht getan wurde, ist weniger die Qual derer, die das Unrecht verübten, sondern zweierlei:
1. Dass sie geheilt werden, dass sie wiederhergestellt werden, dass sie nicht länger daran leiden müssen, was ihnen angetan wurde –
letztlich die himmlische Herrlichkeit.

Und 2. ist es notwendend, dass das Unrecht, das sie erlitten haben als solches anerkannt wird – besonders von dem, der es verübt hat und auch von der Gemeinschaft der Lebenden.

Dass wir als Kirche das doch endlich beherzigen würden, damit wir wieder frei werden und das Lob der maßlosen Barmherzigkeit Gottes verkünden dürfen.

Und so kann ich mir heute das Versprechen Jesu aneignen: Wann immer zwei Christen einmütig um die Vergebung für ihre Mitmenschen bitten, wird ihre Bitte erfüllt.
Sie werden erleben, dass sie frei werden, gelöst von aller Schuld, weil Jesus in ihrer Mitte selbst ‑ sie dazu bewegt und dafür gewinnt, die Fesseln der Schuld zu lösen. Amen.

02.07.2023: 13. Sonntag im Jahreskreis

Einführung:
Der Selbsterhaltungstrieb ist tief in uns angelegt.
Jeder Mensch will leben und überleben und tut alles dafür.

Damit hängt eng zusammen das Bedürfnis, es sich angenehm einzurichten: warm ist besser als kalt, weich ist besser als hart, maschinelle Unterstützung ist besser als körperliche Anstrengung.

Klein ist der Sprung zu sagen: Hauptsache mir geht’s gut.

Die Menschen, die dafür sorgen, dass sie sich immer größere Teile des Bruttosozialprodukts sichern auf Kosten anderer leben diesen Egoismus besonders erfolgreich aus.

Sie riskieren aber damit den Frieden, den Zusammenhalt, die Achtung vor der öffentlichen Ordnung.

Das Evangelium sagt dazu: Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber dabei sein Leben verliert.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Du bist meiner nicht wert!
Du bist es nicht wert, dass ich mich mit dir befasse, auseinandersetze, für dich etwas tue, mit dir spreche!
Solche Entwertung des anderen ist – vielleicht stimmen sie mir zu ‑ ein schlimmes Unrecht.

Diese eindeutige Überlegung möchte ich an den Anfang stellen.

Da das Ev. uns mit solch schwer genießbaren Aussagen konfrontiert, möchte ich auch noch daran erinnern, was uns über Jesus erzählt wird:
Er sagt: Gib dem, der dich zwingt, nicht nur den Mantel, sondern auch das Hemd, geh nicht nur eine Meile, sondern zwei mit ihm.
Er sagt: Kommt alle zu mir, die ihr es schwer habt im Leben, bei mir findet ihr Entlastung, Ruhe Frieden.
Er sagt: Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen – also gerade die Menschen, die es scheinbar nicht wert sind.

Aber im 10. Kapitel des Mt.Ev., wir haben es gerade gehört ‑  heißt es:

Wer seine liebsten mehr liebt als Jesus.
Wem sein Wohlergehen wichtiger ist als Jesus, der ist es nicht wert,
– ja was jetzt?
Jesu Jünger zu sein, dass Jesus für ihn lebt und stirbt und aufersteht? dass Jesus ihn sendet?

Egal: Diese Aussage stellt eine Bedingung:
Du bist nur dann wert, dass du zu mir gehörst, und dass ich für dich da bin, wenn du mich mehr liebst als deine Allernächsten und Liebsten.

Und ich will es gleich sagen: Jesus sagt das mit Recht.

Denn in vielen alltäglichen Situationen fällt es uns ganz leicht zu sagen, im Geist Jesu zu handeln: wir leihen und gegenseitig, wir helfen einander, wir spenden sogar …

Aber manchmal wird es auch knifflig: Es kann schon ganz schön anstrengend werden, mit dem Freund. Der ist sich zurzeit selber nicht gut. Jedes Mal das Geschimpfe und Gejammere, das nervt.

Sicher fallen ihnen selbst Beispiele ein.

Wenn ich in solchen Situationen ausweiche, … wende ich mich von dem Weg ab, den Jesus mir zeigt und damit von Jesus selbst. Dann bin ich mir selbst der Nächste. Dann geht es jetzt erst mal um mich.

Wenn man es hart und zugespitzt sagt: Jesus ist es mir nicht wert!
So groß ist meine Liebe nicht. Ich will, dass es jetzt für mich passt –
ob das gut ist oder schlecht – darüber danke ich jetzt nicht nach.

Der Satz Jesu könnte also nicht nur lauten: „der ist meiner nicht wert“
sondern genauso: „Dem bin ich nichts wert.“

Es ist heilsam, wenn Jesus und sein Reich der aller oberste Wert im Leben ist. Das schützt auch unsere Allernächsten und Liebsten.

Um Jesu willen, lasse ich sie nicht hängen.
Weil ich an Gottes Reich glaube und Gottes Barmherzigkeit und Güte, bin ich barmherzig und will vergeben.

Um es ganz einfach zusammenzufassen:
wer sich und seine Ansprüche ganz nach oben stellt,
der verliert dabei oft Geliebte, Gemeinschaft, den Zusammenhalt, den Frieden, die Geborgenheit, den Rückhalt.

Wo das Ich überhandnimmt, verschwinden das Du und das Wir.

Wer Jesus und sein Reich an die erste Stelle setzt und deswegen Mühe und Anstrengung und Entbehrung und Schmerzen auf sich nimmt, der gewinnt mehr als er einsetzt: Er gewinnt das Licht, das in ihm leuchtet und die Freude, die unzerstörbar ist. Er gewinnt Gott, er findet sich selbst und sein Leben. Amen.

Fürbitten

Lektor: Gott, du Grund unserer Hoffnung, voll Vertrauen beten wir:

Du Gott des Friedens          V (A) Erfülle uns mit deinem Geist

  • Die vielen Kriege und gewaltsamen Auseinandersetzungen in der Welt machen uns traurig. Wir beten, dass die Menschen Wege zur Versöhnung suchen und finden und gehen.
  • Der menschengemachte Klimawandel führt zu Zerstörungen in der Natur. Hunderte Millionen Menschen verlieren ihre Lebensgrundlagen. Wir beten, dass die Menschen, besonders die Reichen von der Gier nach immer mehr Reichtum und Macht ablassen.
  • In unseren Gesellschaften gibt es tiefe Risse. Der Abstand zwischen Reich und Arm wird immer Größer. Der Protest und der Hass gegen die Regierenden immer Größer. Wir beten, dass die Menschen ihre Verantwortung füreinander erkennen und wieder mehr auf das Gemeinwohl achten.
  • Die christlichen Gemeinschaften und Kirchen sind gesandt Hoffnung und Mut zu stärken, dass Frieden möglich ist und möglich wird. Wir beten für alle, die sich für das Leben einsetzen und für die Zukunft der Menschen.

Pr.: Gott, du bist unsere Hoffnung, dass wir in dir Frieden finden für immer und ewig. Mache uns zu Boten deines Friedens durch Christus, unseren Herrn.

20.02.2022: 7. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,
einerseits bin ich versucht, meine Gedanken weiterzuführen zu unserer Kirche, zur Leitung unserer Kirche und zu den Veränderungen, die im synodalen Weg diskutiert werden.

Bei der letzten Versammlung vom 3. bis 5. Februar wurde ein erster Grundlagentext beschlossen. In diesem Grundlagentext heißt es ganz klar, dass die deutsche Kirche – auch die 2/3 Mehrheit der Bischöfe sich dafür einsetzt, dass verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden.

Außerdem heißt es da unter der Überschrift: Zugang von Frauen zum Amt:

„Wir setzen uns darüber hinaus dafür ein, dass Dienste und Ämter in der Kirche für alle Getauften und Gefirmten zugänglich gemacht und entsprechend ihren Charismen und Berufungen, ihrer Eignung, Befähigung und Leistung besetzt werden.
Wir regen eine synodale Verständigung auf weltkirchlicher Ebene an.
Wir sind überzeugt: Die neue Klärung der Zugangsvoraussetzungen schafft eine Grundlage dafür, dass die Gaben des Geistes, die der Kirche geschenkt sind, besser zur Wirkung kommen und das Zeugnis des Evangeliums an Kraft gewinnt.“

Diese Aussagen wurden auch von 70% der Bischöfe positiv verabschiedet!

Andererseits möchte ich über die Bedeutung der Texte der Hl. Schrift für unser heutiges Leben nachdenken und sie auslegen – gerade bei diesen Texten, die wir heute gehört haben:

Das erste Buch Samuel schildert, wie König Saul nach dem Leben trachtet, weil er durch ihn seine Macht gefährdet sieht. David musste vor ihm fliehen. Er wurde zum Anführer einer kampfbe­reiten Söldnertruppe.

Doch als er die Möglichkeit hatte, Saul, der ihn verfolgte, zu töten, tat er es nicht – weil er in ihm den von Gott erwählten König achtete.
Diese Geschichte ist im Hinblick auf das Evangelium ausgewählt.

Jesus spricht die an, die ihm zuhören, also uns, die wir an ihn glauben.
Was er uns ans Herz legt, ist eine völlig neue Weise des Menschseins.
Es wird nicht mehr zwischen Freund und Feind unterschieden.

Das Liebesgebot, also der Impuls, dem anderen zu helfen und ihm Gutes zu tun umfasst alle Menschen – auch die, die sich feindselig verhalten.

Jesus geht soweit, dass er sagt, wir sollen uns nicht gegen Unrecht wehren, das uns angetan wird.

Liebe Schwestern und Brüder, so unglaublich dieses neue Menschsein ist,
so sehr es mich überfordert in meinem Handeln und Verhalten ‑ dies ist einer der Gründe, warum ich zu Jesus halte und versuche, ihm zu folgen:

Dieses neue Menschsein ist die Zukunft. Barmherzig sein, die Schuld erlassen, Gutes tun – auch dem Feind, nicht richten und nicht verurteilen.

Schon jetzt und seit jeher gibt es dies unter uns Menschen – sonst gäbe es keine Menschen mehr! Die Menschheit wird weiter bestehen und diese Erde wird weiter unser Lebensraum sein, je mehr wir dieses neue Menschsein verwirklichen:

Wir werden lernen, die Wünsche des anderen zu achten wie unsere eigenen und ja: dies wird auch für die Beziehungen zwischen Staaten und Bündnissen gelten. Dann wird es keinen Krieg mehr geben, bei dem so viele Menschen, Tiere und kostbare Güter vernichtet und zerstört werden.

Menschen werden nicht mehr verurteilt und ausgeschlossen und abgewertet, weil sie anders leben, anders sind oder anders lieben.

Jesus sagt: Wir Menschen können das – lernen!

Umso verheerender ist es, dass Männer, die diese Botschaft verkünden sollen, selbst anderen Schaden zugefügt haben. Umso verheerender ist es, dass es einigen immer noch schwerfällt, ihre Verwicklung zuzugeben.

Wir sind mitverantwortlich: dass auch wir dafür eintreten und unsere Stimme erheben, dass sich unsere Kirche so verändert, dass in unserer Mitte solches Unrecht nicht vorkommt und wenn es vorkommt, aufgedeckt wird und die Betroffenen Hilfe und Gerechtigkeit erfahren und den Schutz der Gemeinschaft unseren Schutz.

Verheiratete Priester: ja ‑ Frauen als Priester: Ja; eine menschenfreund­liche Haltung zur Geschlechtlichkeit in all ihren Ausprägungen. Ja

Betlehem: Bußgottesdienst im Advent 2019

Einzug in Stille

zur Eröffnung          Macht hoch die Tür                                     GL 218/1+2

Einführung:
Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Mitchristen!
„Wo wohnt Gott?“, so fragte einmal ein jüdischer Rabbi seine Gäste.
Sie lachten ihn aus und sagten:
Was redest du! Die Welt ist doch voll von seiner Herrlichkeit!
Der Rabbi beantwortete seine Frage selbst und sagte:
Gott wohnt da, wo man ihn einläßt!

Gott will unter uns wohnen. Deshalb wurde er Mensch in seinem Sohn Jesus. Der Überlieferung nach ist er in Betlehem geboren.

Betlehem kann überall sein: Wer Gott bei sich einläßt, der wird sozusagen selbst zum Stall in Betlehem. Da wird Gott Mensch!

Gebet:
Gott, wir sind hierher gekommen, um über uns nachzudenken.
Gib, dass wir uns selbst erkennen,
dass wir unsere Schuld und Sünde einsehen.
Denn wir wollen, dass du bei uns wohnen kannst.
Wecke in uns das Vertrauen zu dir, unserem Vater,
stärke die Hoffnung auf unsere Zukunft
und die Liebe zu dir und zueinander.
Durch Christus, unseren Herrn. Amen.

 Lesung aus der Offenbarung des Johannes
Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde;
denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen,
auch das Meer ist nicht mehr.

Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her
aus dem Himmel herabkommen;
sie war bereit wie eine Braut,
die sich für ihren Mann geschmückt hat.

Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen:
Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen!
Er wird in ihrer Mitte wohnen,
und sie werden sein Volk sein;
und er, Gott, wird bei ihnen sein.

Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen ,
Der Tod wird nicht mehr sein,
keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal.
Denn was früher war, ist vergangen.

Er, der auf dem Thron saß, sprach:
Seht, ich mache alles neu.

Und er sagte: Schreib es auf,
denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.

Lied:                       O Heiland reiß die Himmel auf

Besinnung
Betlehem, der Ort, an dem Gottes Sohn geboren wurde. Buchstabieren wir das Wort Betlehem in unser Leben hinein. Wir wollen Gott bei uns aufnehmen. Von ihm erwarten wir das Heil.

  1. Barmherzigkeit:
    Betlehem ist, wo wir barmherzig miteinander sind!
    Barmherzig ist, wer ein Herz für seinen Mitmenschen hat:
    gerade für den in seiner Nähe!
    Barmherzig ist, wer im Mitmenschen seine Schwester, seinen Bruder erkennt ‑ gleich, ob arm oder reich, ob jung oder alt, gleich ob sympathisch oder nicht.

Gott, du bist barmherzig mit uns,

  • Kann ich nachsichtig sein mit den Fehlern anderer? Kann ich verzeihen?
  • Hab ich Geduld mit denen, die langsamer sind, die schwächer sind?
  • Werde ich schnell ungeduldig, wenn jemand etwas nicht so gut kann?
  1. Ehre sei Gott
    Betlehem ist, wo Gott die Ehre gegeben wird!
    Gott ehren ‑ das heißt: Gott den Platz im Leben geben, der Gott gebührt.
    So gewinnen wir den Blick auf das Wesentliche in dieser Welt. Wir erkennen auch unseren Platz: wir bleiben davor bewahrt, uns selbst und unsere Wünsche allzu wichtig zu nehmen.

Gott, du bist in allem und über allem:

  • Bin ich zufrieden mit meinem Gebet? Ist es zu wenig? Zu viel?
    Zu oberflächlich?
  • Denke ich beim Gebet nur an meine Sorgen denke
    und vergesse, für andere zu beten!
  • Versäume ich Gott für das Gute zu danken

2 Minuten meditative Musik

Ruf: Herr, erbarme dich 1mal                                                             GL 157

  1. Tägliches Brot
    Betlehem ist, wo Menschen das tägliche Brot mit anderen teilen.
    Wir beten im Vater Unser um das tägliche Brot. Damit ist mehr gemeint als nur das Brot: Essen können statt hungern, trinken können statt dürsten; warm haben statt zu frieren; Schutz finden in einem Haus; Arbeit haben; seine Kraft einsetzen können – das alles ist tägliches Brot.

Gott, du schenkst uns, was wir zum Leben brauchen.

  • Lasse ich Lebensmittel verderben? Werfe ich Lebensmittel weg?
  • Gebe ich einen großzügigen Teil meines Geldes für Menschen in Not?
  • Denke ich zu viel an mich und meine Bedürfnisse?

 

  1. Leben
    Betlehem ist dort, wo das Leben geschützt wird.
    Alles was lebt, hat das Leben von Gott empfangen. Deshalb ist das Leben heilig! Wer das Leben hochachtet, achtet Gott selbst.
    Leben ist mehr als Wohlstand und Annehmlichkeit.
    Dem Sinn unseres Lebens begegnen wir in Freundschaft und Liebe, in Treue und Glück, im geben und nehmen, im schenken und empfangen.

Gott du bist der Lebendige.

  • Verwechsle ich das Leben mit Besitz und Konsum?
  • Denke ich zu oft ans Geld und wie ich es vermehren kann?
  • Neige ich dazu, das Schlechte zu sehr zu betonen?
  • Achte ich das Leben auch von Ungeborenen, von Alten und Kranken?
  • Schade ich mir selbst durch Übermaß von Fernsehen oder Alkohol oder
    Nikotin oder Arbeit oder Essen?

2 Minuten meditative Musik

Ruf: Herr, erbarme dich 1mal                                                             GL 157

  1. Eintracht
    Betlehem ist, wo Menschen in Eintracht und Frieden miteinander leben! Doch immer wieder gibt es Streit, Ärger, Empfindlichkeit, Beleidigungen …
    Wenn die Eintracht fehlt, wird das Leben schwer: in der Familie,
    an der Arbeitsstelle zwischen den Kollegen und Mitarbeitern,
    in jeder Gemeinschaft.
    Eintracht entsteht, wenn man gemeinsame Ziele hat, den anderen anders sein lässt, den Bereich des anderen respektiert.

Gott, die Liebe ist dein Gebot an uns Menschen

  • Lehne ich Fremde aus anderen Ländern und Erdteilen ab?
  • Kann ich mich in eine Gemeinschaft einfügen und dafür Abstriche von meinen Ansprüchen machen oder will ich möglichst viel bestimmen?
  • Bin ich zu empfindlich? Bin ich misstrauisch? Fällt es mir schwer Vertrauen zu schenken?
  • Habe ich jemand gekränkt?

6. Hoffnung
Betlehem ist, wo Menschen Hoffnung haben können.
Wir Christen blicken nicht mit Angst und Schrecken in die Zukunft.
Vor uns sehen wir das Leben. Wir erwarten den neuen Himmel und die neue Erde: Gerechtigkeit und Friede! Unsere Hoffnung sollte sich in unserem Verhalten widerspiegeln. Oft handeln wir anders.

Gott, du bist unsere Hoffnung.

  • Raube ich anderen den Mut ?
  • Finde ich mich mit dem Unrecht ab?
  • Bin ich bereit, an Verbesserungen mitzuwirken?
  • Glaube ich an das Reich Gottes, das da ist und kommen wird?

2 Minuten meditative Musik

Ruf: Herr, erbarme dich 1mal                                                             GL 157

7. Ehrlichkeit
Betlehem ist, wo Menschen ehrlich zueinander sind.
Die menschliche Gemeinschaft kommt nicht ohne Ehrlichkeit aus.
Ehrlichkeit ist wichtig in der Sprache, wenn es um Eigentum und Geld geht, und überall, wo Menschen miteinander Vereinbarungen eingehen.

Gott, du bist die Wahrheit der Welt.

  • Habe ich jemand durch eine Unwahrheit geschadet?
  • Täusche ich andere über meine Absichten und Ziele?
  • Setze ich andere unter Druck, um meine Ziele zu erreichen?
  • Habe ich Vertrauen missbraucht?

2 Minuten meditative Musik

Ruf: Herr, erbarme dich 1mal                                                             GL 157

8. Menschwerdung
Betlehem ist, wo Menschwerdung geschieht. Jesus hat vorgelebt, was „Mensch-Sein“ heißt! Er vertraute seinem himmlischen Vater, er hatte Erbarmen mit den Menschen, er schenkte Versöhnung, er eröffnete neue Lebensmöglichkeiten, er war ehrlich in seinem Reden und Verhalten, er machte den Menschen Hoffnung!
Er ruft uns, ihm nachzufolgen:
Er ruft uns, dass wir nach seinen Grundsätzen und Regeln leben;
dass wir Mensch werden – wie er!

Wir haben seinen Ruf in unserer Besinnung wieder neu gehört und wollen ihm folgen. Deshalb wollen wir miteinander beten, dass Gott uns vergibt und uns die Kraft zu neuem Anfang schenkt.

Schuldbekenntnis

Vergebungsbitte:
Gott, wir haben dich als unseren Vater erkannt.
Du sprichst uns an und rufst uns beim Namen.
Du kennst unseren guten Willen,
aber auch unser Versagen.
Du weißt alles, du weißt auch; dass wir dich lieben.
Vergib uns unsere Schuld!
Befreie uns von allem Bösen in uns und führe uns zu dir,
in dein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit.
Durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Lied:           Nun danket alle Gott

Vater Unser
Am Ende unseres Bußgottesdienstes vertrauen wir uns selbst und alle Menschen Gott an und beten miteinander und füreinander mit den Worten, die Christus gelehrt hat:

Friedensgruß

Segen
Der Herr segne euch und behüte euch
er lasse sein Angesicht über euch leuchten
und sei euch gnädig
er wende euch sein Angesicht zu
und schenke euch seinen Frieden

Schlusslied:    Komm du Heiland

 

 

15.09.2019: 24. Sonntag im Jahreskreis LJ C

Hier geht es zu den Texten der Liturgie: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Vielleicht erinnern sie sich noch an die schweren Sätze am letzten Sonntag: Jesus mehr lieben als seine Liebsten; sein Kreuz tragen;
die Entscheidung für Jesus genau überlegen, denn sie fordert einem alles ab.

Tatsächlich ist das Gleichnis vom Wiederfinden der unmittelbare Anschluss. Die Leseordnung lässt in diesem Fall keine Lücke.

Zuerst diese erschreckenden Zumutungen und nun wieder diese Freundlichkeit und Güte, dieses Werben für Verzeihung.

Es ist eine große Spannung die das Lukasevangelium aufbaut in der Überlieferung von Jesus.

Die Gleichnisgeschichten erklären sich von selbst. Ich möchte deshalb nur auf die Eckpunkte hinweisen, denn die finden – das lehrt mich die Erfahrung – kaum Beachtung, weil die beiden Gleichnisgeschichten vom Wiederfinden der Drachme und des Schafs so plastisch sind:

Die Zöllner und Sünder kommen und wollen Jesus hören! – Sie waren scheinbar nicht abgeschreckt von seinen Worten. Vielmehr merkten sie, dass sie bei ihm nicht abgeschrieben waren. Sie spürten, dass Jesus sie ernst nahm und sie nicht verachtete.

Dass Jesus diese Leute aufnahm, dass er mit ihnen Tischgemeinschaft hatte – das wiederum provozierte die Schriftgelehrten und die gesetzestreuen Pharisäer.

Sie können sich selbst Beispiele aus unserer Zeit für einen solchen Tabubruch ausdenken:

Jesus wird also angegriffen. Ich stelle mir vor, wie sich die anständigen und gewissenhaften Juden ärgern: So einer will Rabbi sein. SO einer traut sich sagen: Im Himmel ist es so! Da erzählt Jesus diese beiden Gleichnisse. Ich staune, wie freundlich, wie einfühlsam Jesus versucht, denen, die über ihn schimpfen, sein Verhalten verständlich zu machen – mit Beispielen, die jedem geläufig und eingängig sind. Er will sie auf seine Seite ziehen.

Beide Geschichten münden in dem Lehrsatz:
Im Himmel – also bei Gott – ist mehr Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die keine Umkehr nötig haben.

Was sagen sie dazu, liebe Schwestern und Brüder?
Ist das vielleicht zu viel Aufhebens um einen Menschen, der lange Zeit sich verfehlt hat und nun endlich von seinen Verfehlungen ablässt?

Sollte man sich nicht vielmehr über die freuen, die Zeit Lebens versuchen es gut zu machen?

Liebe Schwestern und Brüder, es ist eine ernste Frage, wie jeder das sehen kann und sehen will.

Jesus jedenfalls charakterisiert den Himmel, die Engel Gottes, Gott selbst so, dass seine Freude über einen Menschen, der zu ihm findet größer ist als über die, die nie verloren waren.

Die Sicht Jesu ist sehr optimistisch:
Manchmal denken Menschen pessimistisch:
Es hilft nichts mehr, ich habe keine Chance mehr, das gut zu machen.
Manchmal geben sich Menschen auf und werden aufgegeben.

Jesus sagt: das muss nicht so sein:
Niemand muss sich aufgeben und niemand muss einen anderen aufgeben.

Es liegt viel Trost darin, zu wissen, zu glauben, dass es die Möglichkeit gibt, ein guter Mensch zu sein – was immer auch früher gewesen war.

Das gibt jedem Mut und Hoffnung, der ständig versucht,
seinen Mangel an Liebe zu verringern;
seinen Überschuss an Wut und Zorn,
an Enttäuschung und Mutlosigkeit zu überwinden.

Umso mehr ich mir bewusst bin, dass ich auch ein Sünder bin,
weit entfernt, Gottes Liebe auszustrahlen,
umso mehr kann ich daraus Hoffnung schöpfen.

6. März 2016: 4. Fastensonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder,
eine wunderbare Geschichte – wenn es sie nicht geben würde!
Sie gehört zu unserem christlichen Glauben wie das Kreuz über dem Altar.

Diese Personen gestalten das Geschehen:
Vater – jüngerer Sohn – älterer Sohn – vergessen wir nicht die Knechte.
Da die Geschichte ein offenes Ende hat – wir wissen ja nicht, ob der ältere Sohn sich von seinem Vater umstimmen lässt – können wir zu jeder der Personen etwas sagen:

Was sagen wir zu dem jüngeren, dem Verschwender:
Das hast du davon? Jetzt musst Du sehen, wie du wieder Boden unter den Füßen bekommst – siehst du jetzt den Unrecht ein, deine Verantwortungslosigkeit?

Was sagen wir zu dem Älteren?
Sei bloß vorsichtig, dass sich der nicht auch noch dein Erbteil holt?
Lass ihn hier leben – aber zu sagen hat er nichts mehr. Er soll arbeiten wie die anderen und bekommt das gleiche wie die anderen?
Siehst du, es hat sich gelohnt, beim Vater zu bleiben:
Du bist etwas und wirst einmal alles übernehmen und dafür sorgen, dass du es deinen Sohn übergeben kannst: und noch besser, als es jetzt ist.

Was sagen wir den anderen Knechten:
Seht, so geht es einem, der immer rechtschaffen lebt. Gefeiert wird der Tunichtgut? Nehmt euch trotzdem den älteren Sohn zum Vorbild?

Was sagen wir dem Vater:
Sieh die beiden an. Du siehst, was aus dem jüngeren geworden ist.
Du solltest deinen älteren Sohn einmal richtig Anerkennung geben für seine Treue und seinen Fleiß.
Wenn du deinen jüngeren wieder aufnimmst – achte darauf, dass er in Zukunft weiß, dass er hier keine besondere Rolle mehr spielt.

So hätten wir die Absicht Jesus ins Gegenteil verkehrt.

Erinnern wir uns aber an den Anlass für diese Geschichte!
Jesus und die Zöllner und die Sünder auf der einen Seite –
die Pharisäer und die Schriftgelehrten auf der anderen Seite.
Es herrscht Empörung, weil Jesus sich mit solchen Leuten umgibt.

Jesus wendet sich den Pharisäern und Schriftgelehrten zu.
Mit der Geschichte will er sie für sein Verhalten gewinnen.
Jesus gestaltet die Rollen gegen unser Empfinden von Gerechtigkeit und Nachsicht.

Er beschreibt die Freude des Vaters – diese Freude ist das Entscheidende und hat größeres Gewicht.

Diese Freude schließt niemanden aus und nimmt niemandem etwas weg:
Du bist immer bei mir. Was mein ist, ist auch dein.
Die ganze Liebe des Vaters zu seinem älteren Sohn ist in diesen Worten.

Vielleicht sagt uns diese Geschichte am allerbesten und deutlichsten, wie Gott ist: Voll Freude über jeden, der zu ihm findet und voll unerschöpflicher Großzügigkeit.

Dieses Gleichnis ist eine Botschaft an uns:
Schadenfreude ist keine christliche Tugend.
Rachsucht und das Bedürfnis nach Strafe ebenfalls nicht.
Diese Art der Gerechtigkeit ist nicht die Gerechtigkeit Gottes.
Gleichgültigkeit, die keinen Anteil nimmt, ist mit dem Glauben an Gott, den barmherzigen Vater nicht vereinbar.

MISEREOR die Fastenaktion der deutschen Katholiken hat sich deshalb immer mehr ein anspruchsvolles Programm gegeben:
MISEREOR will nicht nur Mehl und Wasser verteilen. MISEREOR wagt – als kirchliche Institution – den Schritt in eine politische Sicht der Dinge und das aus der Perspektive des Evangeliums:
Das Beispiel in diesem Jahr: Das Pimental in Brasilien. Gehört zum Amazonas Gebiet. Urwald. Artenvielfalt. Menschen, die bescheiden aber auskömmlich leben: Dieses Tal soll ein Staussee werden für die wachsende Industrie im Süden Brasiliens. Gefahr für die Menschen, die einfach enteignet werden. Gefahr für viele Tierarten und für das ökologische Gleichgewicht in diesem Urwald mit fast noch ungestörter Natur.

MISEREOR stellt sich an die Seite der Menschen, denen ihr Lebensraum – ohne Entschädigung genommen werden soll. Sie sollen einfach verschwinden. MISEREOR problematisiert auch die ökologischen Folgen.

Mit unserem Fastenopfer, unserer Geldspende für MISEREOR unterstützen wir eine prophetische Arbeit: Wie Jesus stellen wir uns auf die Seite derer, die an den Rand gedrängt werden, denen kein Platz zum Leben gelassen wird und die unter den ökologischen Folgen am meisten zu leiden haben werden.

10. Januar 2016: Taufe Jesu

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Gott sieht nicht auf die Person, nicht auf das Antlitz, das Äußere eines Menschen, sondern ihm ist jeder willkommen, der auf ihn hört und tut, was in den Augen Gottes gut ist! – ruft Petrus aus. Der Heilige Paulus könnte das fast genauso geschrieben haben.

Das müssen wir uns zu Herzen nehmen:
Gott sieht nicht darauf, ob jemand in Deutschland geboren und getauft worden ist, oder in Japan und Shintoist geworden ist.
Gott will einzig, dass die Menschen ihn fürchten und tun, was in seinen Augen recht ist!

Was in Gottes Augen recht ist – hat Jesus uns vorgelebt – ganz so wie es schon der Prophet Jesaja von dem Menschen sagte, der als Gottes Knecht gelten kann: also als einer, der Gottes Wesen und Willen in der Welt ausdrückt:

Allen Gutes tun, heilen, Gefangene befreien, blinde Augen öffnen, die im Dunkeln sitzen, aus ihrer Haft befreien.

Das ist das, was die Bibel „barmherzig“ nennt: sich im Herzen berühren lassen, vom Mitmenschen und seiner Not; und dann das tun, was das Herz gebietet: Heilen, wo und wie es möglich ist.

Heilen bedeutet: wer krank ist, wird gesund. Eine Wunde schließt sich, eine Entzündung wird überwunden.

Wir sollten „heilen“ nicht nur auf Medizin beschränken:
Es gibt viele kranke Zustände, die nach Heilung verlangen:

Die ausgebeuteten Menschen, die im Elend gehalten werden;
die Kinder und Jugendlichen, die Analphabeten bleiben, weil es keine Schule gibt;
die Menschen mit Depressionen, die das Leben kaum ertragen;
die Menschen mit Essstörungen;
die Menschen, die mutlos geworden sind, die Angst haben, die sich selbst verurteilen, denen Gewalt angetan wird …
die Kinder, die kaum noch Zeit zum Spielen und mit ihren Eltern haben,

Jesus hat es uns vorgemacht: er hatte das Herz und die Augen offen:
er hat die Not gesehen – die kleine und die große Not und sich berühren lassen und geheilt: Er hat anderen gut getan.

Der Geist Gottes hat ihm dazu die Kraft gegeben;
der Geist Gottes hat ihn dazu angetrieben.

Schwestern und Brüder,
in der Taufe und in der Firmung haben wir den Geist Gottes empfangen.
Den Geist der Barmherzigkeit, damit er uns antreibt, Gutes zu tun und wie Jesus alle zu heilen, die in der Gewalt des Teufels sind:
Die also den Glauben an das Gute aufgegeben hatten,
die nicht mehr sehen konnten, dass Gott Sehnsucht hat nach ihnen,
dass er ihnen sein Heil schenken will.

Wir stehen in einem außerordentlichen Heiligen Jahr, dem der Papst das Motto gab: „Barmherzig, wie der Vater!“

Nehmen wir uns also Jesus zum Vorbild,
Er hat allen Gutes getan und alle geheilt;
Er hat jedem gezeigt, dass Gott Sehnsucht hat nach ihm,
dass Gottes Liebe nie zu Ende ist,
dass jeder Augenblick der rechte Augenblick ist, um das zu tun, was in den Augen Gottes gut ist.

Vertrauen wir, dass Gott barmherzig mit uns ist, die wir oft kalt sind und uns nicht berühren lassen, die wir vorbeigehen an der Not und Urteile über andere fällen.

Vertrauen wir, dass Gott barmherzig ist und uns annimmt
und lassen wir unser Herz berühren, dass wir sehen, wie wir dem anderen Gutes tun können und es mit Freude tun.

24. Januar 2016: 3. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern! Liebe Brüder!
„Der Herr hat mich gesandt, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe!“

Schon im Buch Exodus steht die Regel, ein sogenanntes Jubeljahr zu halten. Ein Jahr, in dem die Schulden erlassen werden, die Felder ruhen.

Alle Sieben Jahre hielten die Israeliten so ein Jubeljahr.

Franziskus hat dieses Kirchenjahr ebenfalls zu einem Jubeljahr, einem Heiligen Jahr bestimmt: „Barmherzig wie der Vater“ ist es überschrieben!

Franziskus hat dabei Anordnungen getroffen, die deutlich machen, dass es ihm wirklich darum geht, dass die Menschen in diesem Jahr in ganz besonderer Weise die Barmherzigkeit Gottes erfahren können:

Zum Beispiel hat er den Frauen, die ein Kind abgetrieben haben – oft auch unter dem Druck ihrer nächsten Umgebung – ein deutliches Signal gegeben, dass sie eingeladen sind, um in der Kirche Versöhnung zu finden und ihren Platz.

„Ein Gnadenjahr des Herrn“ hat Jesus ausgerufen:
Beschrieben ist es so: den Armen eine gute Nachricht bringen – das kann nur heißen, dass Ihre Armut gelindert oder beseitigt wird;
den Gefangenen wird Entlassung verkündet; die Blinden sollen wieder sehen  und die „Zerschlagenen“ sollen frei werden.

Dieses Gnadenjahr ist nie zu Ende gegangen –es dauert bis heute an:
Gottes Barmherzigkeit ist uns und verwandelt uns zu barmherzigen Menschen.

Wir sind doch „arm“ – ob wir nun viel oder wenig Geld haben:
wie flüchtig ist die Gesundheit, wie empfindlich unser Leben.

Wir sind doch gefangen und verfangen in den Unrechtsstrukturen dieser Erde: unseren Wohlstand bezahlen viele Menschen mit bitterer Armut:

Wie sind doch oft blind für das, was die Liebe gebietet,
für den Mitmenschen und dafür, wie wir ihm gut tun können.

Unser Vertrauen in das Gute und in den gütigen Gott ist doch angeschlagen und manchmal zerschlagen, weil sich das Böse, das Unheil so breit macht in der Welt.

Wir armen, gefangenen, blinden und zerschlagenen Menschen dürfen Gottes Barmherzigkeit erfahren: er nimmt uns an. Er teilt unser Leben und teilt sein Leben mit uns.

Immer wieder nimmt er uns an der Hand: Er gießt seinen Geist in unsere Herzen ein, er weckt den Glauben an Liebe und Güte, und bewegt uns dazu, dass wir uns einsetzen für die Menschen,

die jeden Tag ihre Armut bitter spüren,

die scheinbar in einer Spirale gefangen sind
und daraus keinen Ausweg finden;

die blind geworden sind für die Mitmenschen, weil sie nur noch sich sehen und ihre Krankheiten, Sehnsüchte, Erfahrungen, Leistungen und Erfolge;

Gott schenkt uns seinen Geist, seine Gnade, damit wir uns denen zuwenden, die aufgegeben haben, die den Mut verloren haben, die nur noch schwarz sehen und das schreckliche Ende kommen sehen und erwarten.

Liebe Schwestern und Brüder, wer skeptisch ist, ob denn ein solches Jahr etwas ändert, mag dafür gute Gründe anführen können.
Es gibt tatsächlich keinen Automatismus der Gnaden.
Der Papst hat keine Gnaden zu verteilen hat, die auf die Menschen herabströmen und ihr Leben besser machen.

Doch: wir können das auch mit anderen Augen sehen:
Es ist doch ein bereits ein Geschenk, dass dieses Jahr der Botschaft gewidmet ist: Gott ist barmherzig! Er hat Sehnsucht nach uns Menschen.
Der Friede wird kommen. Die Menschen werden den Weg in die Zukunft finden, Gerechtigkeit und Frieden werden die Menschen erfreuen.

Es liegt an uns, dass wir uns der Botschaft der Barmherzigkeit öffnen, dass wir weitergehen, um immer mehr barmherzige Menschen zu werden: Menschen, die dafür leben, dass es dem anderen gut geht.

25. Dezember 2013: Weihnachten

Geburt JesuHier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Schwestern und Brüder,
Das haben sie sicher schon erlebt: Man sitzt abends zusammen, man plaudert, es ist gemütlich, allmählich wird es dunkel – irgendwann schaltet jemand das Licht ein – es ist wie eine kalte Dusche! Die Gemütlichkeit ist dahin.

Wir haben gerade gehört: „Das Licht kam in die Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.“
Das Licht ist Christus, der das Leben in sich hat, das Leben, das durch Gottes Wort wurde und wird.
Finsternis, das ist die Welt für sich allein. Angefüllt mit Gewalt, Feindseligkeit und Tod. Finsternis, das ist der Kampf der Lebensformen um Lebensraum. Wer ist geschickter, wer ist schneller, wer ist stärker in der Fortpflanzung, in der Fähigkeit, sich auf die Lebensbedingungen einzustellen.

Christus, das Licht, der das Leben in sich hat, kam in die Welt. Er fand nicht viele Freunde in der Welt. Man hatte für ihn keinen Platz – nur das Kreuz!

Christus kam nicht vergebens in die Welt. Sein Licht hat andere erleuchtet, die durch ihn selbst zu leuchten begangen – und davon will ich heute am Weihnachtstag sprechen:

Schwestern und Brüder; die ihn aufnehmen, werden durch ihn Kinder Gottes, sie sind – ebenso wie Christus – aus Gott geboren, weil Gottes Leben und Licht in ihnen ist.
In uns ist das Licht, in uns ist sein Friede, in uns ist seine Herrlichkeit und Vollkommenheit!

Zählen wir einmal die Gnaden auf, die wir als Kinder Gottes empfangen und die durch uns in die Welt kommen:

Die erste große Gabe ist das Teilen: Gott teilt sein Leben mit uns.
Das Teilen ist unsere Wesensart: wir teilen das Brot mit denen, die keines haben, wir teilen die Freundlichkeit mit denen, die am Rande stehen, wir teilen die Geborgenheit mit denen, die in Unsicherheit leben. Wir teilen das Leben!

Die zweite große Gnade und Gabe, die wir empfangen haben ist die Hoffnung: Gott lässt seine Schöpfung, der er das Leben einhaucht, nicht zugrunde gehen. Die Welt, die Menschen habe Zukunft. Zuletzt ist Gott selbst die Zukunft für jeden einzelnen, denn Gott vergisst keinen und für Gott ist keiner gestorben.

Die dritte große Gabe und Gnade, die Gott uns schenkt, ist die Freude:
die Freude der Kinder Gottes über all das Schöne und Gute, das wir in dieser Welt finden und erleben dürfen: über jedes neu geborene Kind, über die Vielfalt der Tiere und Pflanzen in all ihrer Schönheit, über die Wärme der Sonne und das Leuchten der Sterne – Wir Kinder Gottes freuen uns an der Schöpfung und über die Schöpfung.

Die Gaben und Gnaden sind so vielfältig, dass sie nicht aufgezählt werden können, umso weniger je mehr wir einzelne Beispiele erwähnen:

Doch eine vierte Gabe und Gnade will ich noch nennen:
die Barmherzigkeit! Gott sagt JA zu jedem Menschen. Er sagt JA zu dieser Schöpfung und er zieht sein Ja niemals zurück.
Alles darf sein! Gott schließt niemanden aus. Was immer auch ein Mensch tut, wie sehr er sich auch verfehlen mag, wie schwach und gebrechlich er auch ist – Gott sagt JA zu dir!

Die Barmherzigkeit dürfen wir in der Welt vor den Menschen leben und sichtbar machen, indem wir uns für das Leben einsetzen und uns besonders denen zuwenden, die im Wettstreit um die besten Plätze das Nachsehen haben.

Die Barmherzigkeit bewahrt uns davor, andere zu verurteilen und den Stab über sie zu brechen: So hat Christus es uns vorgelebt:
Er hat niemanden gekreuzigt, sondern ließ sich ans Kreuz schlagen, um denen zu vergeben, die ihn verurteilten und die das Urteil vollstreckten.

Schwestern und Brüder, „aus seiner Fülle haben wir alle empfangen“ ruft das Johannesevangelium begeistert in die Welt hinein.

Nehmen sie sich doch Zeit – wenn Sie mögen – und denken sie nach:
Was haben sie alle empfangen, weil sie Christus aufgenommen haben und ihm nachfolgen.