25.01.26: 3. Sonntag im Jahreskreis A

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
Wir planen! Da kommt jemand dazwischen!
Kann das vielleicht Gott sein, der uns dazwischen kommt!
Weil er uns jetzt gerade braucht?
Weil er genau jetzt uns etwas zeigen will?

Störungen, Unterbrechungen müssen uns nicht immer gleich ärgern:
Wir können sie aufmerksam wahrnehmen und überlegen,
wie wir als Glaubende uns verhalten. Wir können uns Fragen.
Was will Gott, das ich tue?
Dann merken wir manchmal im Nachhinein, dass Gott durch uns wirken konnte und dass wir selbst dabei gelernt haben,
noch besser als Kind Gottes zu leben.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
es ist ein großes Lob, wenn wir von jemand sagen: der macht nicht nur einen Job, sondern er folgt seiner Berufung: Ich gebe zu, nicht alle Berufe verbinden wir in gleicher Weise mit Berufung –bei Lehrerinnen und Lehrern, ist es ein großer Vorteil, wenn sie in darin ihrer Berufung folgen.
Oder Handwerker, die ihren Beruf mit Hingabe und Liebe oder ausüben und ihre Handwerkerehre darin sehen, gute Arbeit zu machen.

Ich sage das nur, um das Wort berufen ein wenig in unsere Alltagswelt zu holen. Immerhin erzählt das Mt. Ev. ja davon, wie Jesus Jünger beruft.

Die Erzählung benützt ein sprachliches Schema. Es kommt nur darauf an, dass Jesus ruft und der Gerufene dem Ruf folgt. Das Ev. erzählt wenig später, dass Jesus im Haus des Petrus dessen Schwiegermutter vom Fieber heilt. Es fand also keineswegs ein „Bruch“ mit der Familie statt.

Immer wieder frage ich: Was macht einen Christen zum Christen?

Eine Antwort finden wir in dem heutigen Evangelium:
Christen sind Menschen, die dem Ruf Jesu hören und ihm „nachfolgen“.

„Nachfolgen“ sagen wir auch nicht so oft. Firmenchefs haben Nachfolger. Aber das beschriebt nur eine Reihenfolge. Wenn wir Christen Jesus „nachfolgen“ geht es um mehr:

Wir werden seine Schüler! Und was lernen wir von ihm?
Was haben sie von Jesus gelernt?

????

Das ist eine sehr persönliche Frage, die nach einer sehr individuellen Antwort verlangt.

Ich will ihnen meine ganz persönliche Antwort sagen. Die Absicht dabei ist, dass sie dadurch angeregt werden, ihre persönliche Antwort zu finden:

Mein Lernen von Jesus begann schon sehr früh.

Meine Eltern waren Christen und versuchten, danach zu leben und sie brachten uns Kindern bei, was das bedeutet:

Ehrlich sein – Versprechen einhalten – etwas für den anderen tun – zusammenhalten – Gemeinschaft pflegen – Pflichten erfüllen – Beten – am Sonntag die Messe feiern – Rücksicht nehmen – usw.

Zum zweiten erfuhr ich in der Familie Einiges von Jesus und seinem Leben.
Wir haben auch darüber geredet und nachgedacht.

Als Jugendlicher habe ich mich selbständiger gemacht. Ich durfte tatsächlich ein paar Mal erleben, dass manche Jesus Worte mich sehr persönlich angesprochen haben. Sie waren für mich wie eine Befreiung.

So entstand eine lebenslange Schülerschaft bei Jesus und ich habe inzwischen viel von ihm gelernt:

  • Das wichtigste ist die Liebe –
    Gottes zu mir und zu jedem anderen Menschen.
  • Wo Liebe ist, da ist das Reich Gottes und das Reich Gottes ist deshalb so nahe, wie ich Liebe annehmen und geben kann.
  • Alle Menschen sollen glauben können und erfahren, dass sie Gottes geliebte Kinder sind – er gibt niemanden verloren.
  • Ich brauche mich nicht zu ängstigen und zu sorgen:
    Gott weiß, was ich brauche!
  • Ich kann Mut haben, für die Liebe einzutreten – auch wenn mich das in Schwierigkeiten bringen sollte.
  • Selbst wenn ich Schlechtes erlebe, vertraue ich darauf:
    Gott ist da. Er lässt mich nicht zugrunde gehen.

Mir würde mehr einfallen – vor allem aber würde es mich freuen, wenn Sie selber sich bewusst machen, was sie von Jesus gelernt haben.

Viel Freude dabei!

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Gott, unser Vater, du hast uns in dein Volk berufen, und nimmst uns in dein Reich der Liebe auf. Wir bitten dich, weil wir dir vertrauen.

L/A: Herr, erhöre unser Rufen

V:  Für alle Menschen, die in ihrem Leben keinen Sinn erkennen können. Lass sie erkennen, was wie sie für andere Menschen da sein können!

A: Herr, erhöre unser Rufen

L:   Für alle Getauften: dass die Botschaft Jesu sie bewegt und dass sie von Jesus lernen, als Kind Gottes zu leben.

A: Herr, erhöre unser Rufen

L:   Für unsere Welt, in der die Selbstsüchtigen und Rücksichts­losen die Macht an sich reißen: dass es ihnen nicht gelingt, die Menschen ins Unheil zu stürzen.

A: Herr, erhöre unser Rufen

L:   Für die jungen Menschen am Beginn ihres Arbeitslebens: dass sie eine Arbeitsstelle finden und dass sie den tieferen Sinn ihrer Arbeit erkennen.

A: Herr, erhöre unser Rufen

L:   Für alle Christen: dass wir von Christus lernen und dadurch die Einheit wiedergewinnen.

A: Herr, erhöre unser Rufen

Lektor/in: Gott, du hast uns deine Liebe und deine Macht geoffenbart. Wir preisen dich heute und unser ganzes Leben im Heiligen Geist.

09.02.25: 5. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
Gott braucht Menschen, die seine Botschaft weitertragen.

Gesucht werden Menschen wie du und ich.

Gesucht werden Menschen – nicht mit vollem Geldbeutel, sondern mit offenem Herzen.

Gesucht werden Menschen, die sich auf die Freundschaft mit Gott einlassen.

Gesucht werden Menschen, die sich auf Jesu ermutigendes Wort verlassen: Fürchte dich nicht!

H. J. Chr.
Du rufst ganz normale Menschen.
Du vertraust uns deine Botschaft an.
Du machst uns Mut und gibst uns Hoffnung.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Haben Sie die Brutalität gespürt, die in der Lesung beschrieben wurde: Mit einer glühenden Kohle wird der Mund des Erzählers berührt!  !!!

Zum Glück geschieht das nicht real, sondern in einer Vision des Jesaja – der ausgesandt wird, als Sprachrohr Gottes zum Volk und zum König zu sprechen.

Voraus ging das Bekenntnis: „Weh mir, ich bin ein Mann mit unreinen Lippen!“ Ein Mann, der aus Wut redet, oder Vorurteile verbreitet, oder anderen Angst macht, …

Aus reinen Lippen kommt kein solches Wort. Ein reines Wort sagt, was dem anderen hilft und was der Wahrheit dient.

Unreine Lippen habe ich: nicht, dass ich immer gottlos rede – aber eben auch. Es ist wie bei einem Glas Wasser: Schon ein Tropfen reicht, um es unrein zu machen.

Spüren sie das? Können Sie das mit-denken?
Gegenüber Gott sind wir Menschen „unrein“: In das Gute mischt sich Ungutes und Böses. Trotz aller Liebe gibt es auch Missgunst, …

Die heiße Kohle ist das Symbol der Reinigung.

Das Lukasevangelium erzählt etwas Ähnliches:
Petrus und die anderen zwei Jünger erleben Jesus.
Er verkündet ihnen das Wort Gottes (schade, dass von dieser Predigt nichts erzählt wird!). Schon da packt es sie innerlich.

Was Jesus verkündet ist ergreifend. Und dieser reiche Fischfang!
Halten wir uns nicht mit der Frage auf, was geschehen ist. Offensichtlich ist: Dieser Fischfang ist ein Zeichen für den neuen Sinn im Leben des Simon, des Jakobus und des Johannes.

Sie sollen künftig nicht mehr Fische fangen und für Geld verkaufen.
Sie sollen Menschen für das Reich Gottes gewinnen. Sie sollen Menschen gewinnen, die an die Liebe Gottes und an ihre immer größere Kraft glauben.

Die Reaktion des Petrus ist ähnlich wie die in der Vision von der glühenden Kohle:

Gegenüber Gott, gegenüber Jesus wird offenbar: Ich bin ein Sünder!

Liebe Schwestern und Brüder,
so sehr wir auch Sünder sind und sein mögen:
Wir sind von Gott gefundene Sünder.
Wir sind mit Gott versöhnte Sünder.
Wir sind von Gott geheilte Sünder!

Je mehr wir versuchen, Jesus zu verstehen und das Göttliche in seiner Botschaft zu erfassen, desto mehr können wir ihm ähnlich werden.
Er reinigt uns durch sein Wort, das mit seinem Leben übereinstimmt und dem er im Sterben treu bleibt.

Immer mehr werden wir davon durchdrungen, für andere zu leben.
Immer mehr werden wir reden, was dem anderen hilft und was der Wahrheit dient.

Liebe Schwestern und Brüder, schreiben wir uns hinter die Ohren, wie Jesus auf Simon und sein Bekenntnis als Sünder reagiert:

Er geht nicht von ihm weg – ganz im Gegenteil:

Er spricht ihm Mut zu und gibt ihm seine Sendung:

In Zukunft wirst Du Menschen gewinnen, die so wie du an Gottes immer größere Liebe glauben.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Gott, wir wollen dem Wort deines Sohnes folgen und bitten dich um deine Kraft für unseren Weg:

  • Für alle, die enttäuscht sind, weil ihre Arbeit und Mühe erfolglos scheint. Dass sie nicht mutlos werden, sondern weiterhin das tun, was in deinen Augen richtig ist. ‑
    Christus höre uns         A: Christus, erhöre uns.
  • Für alle, die Jesu Botschaft verkünden – als Eltern, in einem pastoralen Beruf oder als Lehrer: dass sie auf offene Herzen treffen und in ihrer Arbeit getragen werden von den Christen in ihren Gemeinden.
    Christus höre uns         A: Christus, erhöre uns.
  • Für die Seelsorger und Seelsorgerinnen in unserer Stadt: Dass sie ihren Dienst mit Freude tun. ‑
    Christus höre uns         A: Christus, erhöre uns.
  • Für alle, die von Kindheit an Jesu Botschaft hören: dass sie immer wieder neu spüren, wie kostbar und voller Hoffnung Jesu Botschaft ist. ‑
    Christus höre uns         A: Christus, erhöre uns.
  • Für die Kinder und Jugendlichen, die sich auf die Sakramente vorbereiten: dass die frohe Botschaft Jesu sie hält und trägt wie ein Netz und dass sie in unserer Gemeinde Geborgenheit erfahren. ‑
    Christus höre uns         A: Christus, erhöre uns.

Lektor/in: Erhöre uns, Gott, und sende uns neu zu unseren Mitmenschen. Denn du bist es, der lebt und Leben schenkt in Ewigkeit.

08.03.2020: 2. Fastensonntag

HIer geht es zu den Texten der Liturgie: schott

Kann man Gottes Stimme hören? So wie Abram?
So wie Petrus, Jakobus und Johannes?

Eine zweite Beobachtung spielt heute eine Rolle:
Die Stimme sagt: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.
Exakt das Gleiche sagte Die Stimme als Jesus sich von Johannes im Jordan taufen ließ!

Die Taufe leitet Jesu öffentliches Wirken ein – auch wenn er erst noch in die Wüste ging, den Ort der Reinigung und der Konzentration und der Bewährung.

Die Verklärung Jesu leitet seinen Weg nach Jerusalem ein – auch wenn er erst noch seinen Jüngern einige wesentliche Botschaften mit auf dem Weg gibt.

An diesen wichtigen Stellen verkündet die Stimme Gottes: Jesus ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.
Hört auf Jesus, dann hört ihr auch auf mich.

Die Stimme Gottes, Schwestern und Brüder, hörte auch Abram:
Geh fort, in das Land, das ich dir zeigen werde!
Ich werde dich zu einem großen Volk machen und dich segnen!
Ein Segen sollst du sein!

Die Stimme Gottes hörte auch Mose – am Dornbusch: Ich habe die Not meines Volkes gesehen. Geh und führe mein Volk aus Ägypten heraus!

Die Stimme Gottes hörte auch Paulus,
so dass er vom Verfolger der Jesus Jünger zum eifrigsten Verkünder Jesu wurde.

Die Stimme Gottes verheißt Segen und Freiheit.
Die Stimme Gottes gibt dem Leben einen neuen Sinn, einen Inhalt.
Die Stimme Gottes sendet aus.

Oft ist in der Bibel von Gottes Stimme die Rede, und sehr oft ist das verbunden mit Glanz, mit Licht, mit Donner.
Niemals aber hat Gott eine sichtbare Gestalt. Licht und Wolke verhüllen ihn. Nur von Moses heißt es, er habe Gott schauen dürfen. Gott hätte ihn in die leuchtende Wolke hineingeholt.

Das ist für mich ein Hinweis, dass wir zurückhaltend sein müssen, wenn wir von Gott reden und wenn wir Gott sagen und benennen.

Wir sollen mit dem Wort Gott, mit Gott vorsichtig umgehen, denn er ist uns verhüllt: Deshalb sind Licht und Wolke, Sonne und Donner und auch der Regenbogen am ehesten dafür geeignet, wenn von der Begegnung mit dem unbegreiflichen und geheimnisvollen gesprochen wird, den wir mit dem Wort Gott meinen.

Gott ist kein Individuum wie wir Menschen. Er ist keine begrenzte Person, keine physikalische Kraft, kein Körper und keine übersinnliche Energie.

Er ist mehr als das und größer – er ist jenseits alles dessen, was wir uns vorstellen können.

Durch Jesus hat er sich uns offenbart – damit wir an ihn glauben. Doch er bleibt dennoch verborgen und ein Geheimnis. Jesus lehrt:

Gott liebt uns und alle Geschöpfe, wie ein guter Vater und eine liebende Mutter. Kein Sperling fällt vom Himmel, ohne dass ER es weiß.

Er ist die Stimme in uns, die uns ruft: zu leben und dem Leben zu dienen.
Ein Segen sollst Du sein!

Wenn wir manchmal eine Ahnung haben, was unsere Aufgabe ist,
was unser echtes und wahres Wesen ist,
dann kommen wir mit Gott in Berührung,
mit dem, der uns innerlicher ist, als wir selbst uns sein können.

Liebe Schwestern und Brüder,
das Geheimnis unseres Lebens und der Welt,
das wir nie ganz ergründen werden, weil es zu groß ist für uns,
das aber voll Segen für uns ist und uns zum Segen werden lässt,
dieses Geheimnis suchen wir und Jesus hilft uns mit seiner Botschaft, ihm immer näher zu kommen.

08.09.2019: 23. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
bevor wir uns Gedanken über diese Sätze des Lk-Ev machen, müssen wir uns ein paar grundlegende Dinge ins Bewusstsein rufen:

1. Der Evangelist hat viele Erinnerungen und Überlieferungen an Jesus und sein Wirken zusammengetragen und daraus sein Evangelium zusammengestellt. Dabei hat er als Redaktor immer zwei Dinge im Auge:
Jesus verkünden als den Messias Gottes, den Retter der Menschen – und –
die Situation der christlichen Gemeinden.

2. Das Lukasevangelium wurde in einer Zeit zusammengestellt, in der es schon einen größeren Zulauf zu den christlichen Gemeinden gab.
Lukas möchte den vielen Interessenten klar machen, was die Entscheidung für Christus bedeutet und welche Konsequenzen sie hat.

Das Evangelium ist also mehr als eine Chronik. Es verkündet den Glauben an Jesus und seine Auswirkung auf das Leben der Christen.

„Wer seine Eltern, seine Familie, sein Leben nicht (hasst) gering achtet,
wer nicht bereit ist, sein Kreuz auf sich zu nehmen, ist meiner nicht wert.“

Wenn ich das höre, muss ich erst mal durchschnaufen.
Wer darf so etwas verlangen?

Aber bitte, bevor wir uns entrüstet zurückziehen, überlegen wir noch einen Augenblick:
So etwas gibt es doch, dass Leute Entscheidungen treffen, die sogar die Familie in Frage stellen:

Heute im Radio wurde berichtet von dem SPD Gemeinderat Stefan Großglettner aus Ruhpolding, der sich öffentlich gegen die NSDAP stellte – deswegen mehrfach ins Gefängnis kam, seine Wohnung verlor und am Kriegsende noch eingezogen wurde und in den letzten Kriegstagen tragisch den Tod fand.

Schwestern und Brüder, wer zu seiner Überzeugung steht, muss oft schwere Entscheidungen treffen, muss alles, was ihm sonst wertvoll ist, zurückstellen.

Der Glaube an Jesus Christus kann eine solche Entscheidung sein.
Jünger Jesu zu sein, ist eine Entscheidung, die den Menschen als Ganzes in Anspruch nimmt. Diese Wahl steht nicht auf einer Ebene mit anderen Gütern.
Es geht um alles, wenn man sich für die Jüngerschaft Jesu entscheidet.

Diese Entscheidung muss wohl überlegt sein, wie das Evangelium mit den beiden Beispielen vom Turmbau und vom König und seinem Kriegszug zeigen:

Mit dem Jesus Wort von Nachfolge und mit den beiden Bildworten macht Lukas den vielen, die sich den christlichen Gemeinden anschließen wollen klar:

Wir Christen verlieren jedes Ansehen, wenn wir unsere Jüngerschaft verraten: wenn wir – wie andere – den eigenen Nutzen, Geld und Bequemlichkeit wichtiger erachten;

Wenn wir verschämt mit unserer Überzeugung hinter dem Berg halten, weil wir vielleicht keine Zustimmung finden;

Die sind auch nicht anders als andere – das ist das schlechteste Urteil, das man über uns sagen kann.

Liebe Schwestern und Brüder,
viele Jahrhunderte war es eher ein Mitläufertum, zur Kirche zu gehören und in der Kirche mitzumachen.

Immer mehr wird es eine Frage der persönlichen Entscheidung und Konsequenz: will ich Jesus nachfolgen?

Will ich die Sorge für andere, für das Reich Gottes an die erste Stelle setzen?

Bin ich bereit, mein Familienleben, mein Geld, meine Zeit, meine Reden und Handeln mit aller Kraft darauf auszurichten?

30.06.2019: 13. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
die Kirche müsste besser für sich werben, um wieder mehr Mitglieder und auch Mitarbeiterinnen zu gewinnen.

Jesus hatte das Problem nicht: Er zog die Menschen an,
sie strömten ihm zu: Was machte ihn so anziehend?
Er heilte (umsonst), er versprach den Himmel; er verurteilte niemanden;

Wir haben uns an ein sehr sanftes Bild von Jesus gewöhnt.

Die kleinen Episoden, die wir gerade gehört haben, zeichnen ein anderes Bild von Jesus: Wenn du mit mir gehst,

  • hast du nichts mehr – nicht mal einen Ort zum Schlafen – von Wegen Ruheplatz am Wasser;
  • Was dir bis jetzt wichtig erschien, deine Werte, deine Verpflichtungen – sie gelten nicht mehr;
  • Die dir bis jetzt Geborgenheit und Sicherheit schenkten, deine Familie und Freunde: ‑ du lässt sie zurück.

Werbewirksam ist das nicht – und doch lassen uns diese drei kleinen Begegnungen in das Herz Jesu schauen,
in sein Denken und Wollen, in sein Wesen –

dabei dürfen wir nicht die vielen anderen Facetten vergessen: Die Freude über das wiedergefundene Schaf, die spontane Zuwendung zu den Menschen; und dass Jesus Gastfreundschaft gerne angenommen hat; zum Beispiel von Maria und Marta und ihrem Bruder Lazarus.

So schroff Jesus in diesen Episoden auch wirkt – auch darin äußert sich seine einmalige und heilvolle Persönlichkeit – er war ja schließlich selbst bereit, bis zum äußersten zu gehen.
Wenn wir Jesus nachfolgen wollen, wird uns kein Rosengarten versprochen:

  • Jesus nachfolgen – das heißt Pilger sein in dieser Welt:
    Wir leben immer im Bewusstsein, dass das, was wir haben, benützen und genießen vorübergehend ist: Diese Erde ist nicht unsere endgültige Heimat. Jesus nachfolgen heißt: immer bereit sein für einen neuen Aufbruch.
  • Jesus nachfolgen – das heißt, sich ganz auf Jesus fokussieren:
    Jesus drückt es drastisch aus: lass die Toten die Toten begraben.
    Wer Jesus nachfolgt hat ein einziges Ideal, auf das alle anderen Werte ausgerichtet sind: das Reich Gottes: Gerechtigkeit im Teilen, Freiheit von allen Dingen, Barmherzigkeit mit den Armen, Mitleid mit denen, die Not leiden.
  • Jesus nachfolgen ‑ das heißt sich klar entscheiden – ohne nachzugrübeln, ob es anders doch besser wäre. Man kann nicht ein bisschen an Jesus glauben, sondern nur mit dem ganzen Herzen.

Schwestern und Brüder, so war Jesus selbst:

  • er war unterwegs nach Jerusalem und sammelte keine Reichtümer und
    Verdienste.
  • Er tat alles nur für ein Ziel: die Versöhnung der Menschen mit Gott.
  • Dafür hatte er sich entschieden und dieser Entscheidung blieb er treu –
    bis zum letzten Atemzug.

Wir alle, Schwestern und Brüder, jeder in seiner Weise:
Verheiratet, verwitwet oder ledig – arm oder reich – gesund oder krank – alt oder jung
Wir alle werden von Jesus gerufen: keine Reichtümer auf Erden zu sammeln, das Reich Gottes als einziges Ideal zu wählen und dieser Entscheidung treu zu bleiben. Gehen wir noch hinter Jesus her?

Darauf kommt es alleine an – nicht darauf, ob viele oder wenig mit uns gehen;
nicht darauf, ob die Kirche ein gutes oder schlechtes Image hat.

Es kommt darauf an, dass wir Jesus nachfolgen und das Reich Gottes verkünden.

30. Juni 2013: 13. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten Schott

Liebe Schwestern und Brüder!
Der Menschensohn hat keinen Ort, zum Ausruhen!
Lass die Toten die Toten begraben!
Keiner, der zurückblickt, taugt für das Reich Gottes!

Wie reagieren wir auf diese Denksprüche Jesu?

Vielleicht haben wir uns ja daran gewohnt:  Wenn in der Kirche, wenn in der Bibel solche Sätze gesagt werden, muss man sie nicht so ernst nehmen.

Aber werden wir mit dieser Einstellung Jesus gerecht?
Tun wir ihm nicht Unrecht, wenn wir ihn einfach nicht für ganz ernst nehmen?

Doch bevor ich diese Sätze für mich auslegen kann – es sind ja sogenannte „Denksprüche“ – muss ich unbedingt nachschauen, in welchem Zusammenhang sie stehen:

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Er geht auf Konfrontation und er weiß, dass es für ihn keinen Ausweg mehr geben wird.
Er weiß, dass die Lehrer der Religion und ihre Richter ihn und sein Handeln und Reden nur verurteilen können.
Zugleich aber ist er entschlossen, seine Botschaft bis zum Ende zu verkünden: Das Reich Gottes ist nahe! Gott verurteilt nicht. Gott schließt niemanden von seiner Liebe aus.

Doch gerade diese frohe Botschaft, die er kompromisslos lebt und verkündet, bringt ihn so in Gefahr und in die Zwickmühle.

Gerade in dem Ausschnitt, den wir gerade gehört haben, werden beide Seiten deutlich:
Die jünger weist er Zurecht: sie sollen nicht über das Dorf richten, das ihn nicht aufnehmen wollte – niemand wird ausgeschlossen.
Gott liebt auch die, die ihn ablehnen. Das aber bedeutet ein so grundlegendes Umdenken, dass es nur ein entweder oder gibt:

Wer mit Jesus geht, wer wie er rückhaltlos Gott und seiner Liebe traut, der ist anders als alle Welt, der beginnt etwas neues, der kann nicht mehr zurück ins alte Leben! In das Leben, das aus beurteilen und verurteilen aus abgrenzen und ausgrenzen besteht.

Liebe Schwestern! Liebe Brüder!
Ich will das mit drei Beispielen unserer gegenwärtigen Situation in Verbindung bringen:

1. Heute (GESTERN) empfingen 12 Männer die Priesterweihe.
Jeder folgt auf seine Weise dieser Berufung, im Auftrag Jesu das Reich Gottes zu verkünden. Ich wünsche ihnen, dass sie das Vertrauen in Gottes Liebe für sich selbst durchhalten und sich bis in die Wurzeln ihrer Persönlichkeit davon prägen lassen.

2. Am kommenden Freitag werden in unserer Pfarrkirche 104 junge Menschen gefirmt: ich wünsche ihnen, dass der Geist Jesu sie stärkt für ihr Leben: dass alles, was sie anfangen, seinen Ausgangspunkt hat, beim Vertrauen in Gott, der niemanden ausschließt von seiner Liebe.

3. Über eine Denkschrift der ev. Kirche in Deutschland wird in diesen Tagen heftig diskutiert: „Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken!“
Gibt diese Schrift die christlichen Standpunkte zu Ehe und Familie auf? – das werfen ihr die Kritiker jedenfalls vor!
Auch in den Fragen von Familie, Partnerschaft und Ehe geht es um das Vertrauen in Gottes Liebe, die niemanden ausschließt und die jedem gibt, was er zu seinem Heil braucht.

Leben entsteht durch die Liebe zwischen Mann und Frau. Und wer liebt, wünscht sich, dass diese Liebe unzertrennlich ist.
Dies anzuerkennen und dies zu unterstützen ist die eine Sache.

Die andere Sache ist, dass es auch andere Lebensformen gibt und schon immer gab.
Darf ich glauben, dass Gottes Liebe auch Frauen und Männer umfasst, die nicht in einer Ehe leben oder deren Liebe doch zerbrochen ist?

Muss ich deswegen aufhören, die Liebe zwischen Frau und Mann in der Ehe besonders zu schätzen: als Sakrament, in dem Gottes Leben schaffende und treue Liebe sichtbar wird?