30.05.2019: Christi Himmelfahrt

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Menschen über 75 Jahre entwickeln immer mehr den Wunsch, dass sie möglichst lange selbständig zuhause leben können, ohne jemand zur Last zu fallen;

Menschen über 60 Jahre wünschen sich, dass sie lange gesund bleiben und den bevorstehenden Ruhestand genießen können: was das für die einzelne Person bedeutet, ist höchst unterschiedlich.

Menschen über 40 Jahre hoffen, dass sie in Beruf und Familie standhalten können, dass sie erfolgreich sind, dass die Belastungen nicht zu viel werden und dass genügend Raum für Entspannung und Erholung bleibt.

Menschen über 20 wollen im Beruf vorwärts kommen, in einer Liebesbeziehung glücklich werden, vielleicht eine Familie gründen.

Kinder und Jugendliche wollen einfach groß und erwachsen werden und ihre Kräfte entwickeln und möglichst viel erleben.

Ganz sicher gibt es viele andere Beispiele und Ideen und Beschreibungen.

Mir geht es jetzt vor allem um die Frage:
Was will ich eigentlich? Worauf zielt mein Leben hin?
Das erwachsen werden, das lieben und arbeiten, das durchhalten und ausruhen, das genießen und das aushalten und abwarten?

Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben!
Ich glaube, dass ich in den Himmel komme, dass ich bei Gott sein werde.

Liebe Schwestern und Brüder, ob das Wunschdenken ist, wie viele Mitmenschen glauben?

Alle Evangelien verkünden in einer für die Antike typischen, bilderreichen Sprache, dass Jesus zu seinem himmlischen Vater heimgekehrt ist.

Der Glaube an das ewige Leben bei und in Gott ist zentral für mich und in meinem Glauben an Christus: Christus hat dafür gelebt und ist dafür gestorben und auferstanden, damit alle, die glauben durch ihn das ewige Leben haben.

Und; dieser Glaube befreit zu einer Hoffnung und Zuversicht, zu einer Freude und Kraft, die ohne ihn nicht möglich wäre.

Das Leben in all seinen Phasen hat ein Ziel, das wir immer vor Augen haben, das uns immer im Bewusst sein bleibt:

Im Weinen und im Lachen, wenn wir kraftvoll wirken und wenn wir schwach und hilflos sind: das Ziel unseres Lebens ist Gott.

In den Tränen finden wir darin Trost, denn Gott wird die Tränen abwischen.

Lachen und Glück stärken die Zuversicht auf die vollkommene und unvergängliche Freude.

Wenn wir kraftvoll tätig sind, dann so, dass wir unserer Hoffnung Ausdruck geben.

Wenn wir Schwäche und Krankheit erleiden, dann geduldig in der Erwartung des ewigen Heils, das von Gott kommt.

Liebe Schwestern und Brüder,
die zerstörerischen Kräfte,
Wut und Zorn, Verschwendung der Güter der Schöpfung,
Geiz und Gier
kennen auch wir, die wir an Jesus und das ewige Leben glauben.

Doch das Ziel des ewigen Lebens vor Augen, werden wir nicht aufhören Liebe und Wohlwollen,
Bescheidenheit und Selbstbeherrschung,
Einfachheit und Demut

Zu üben, damit wir bereit werden für das Ziel, das Christus für uns bereitet hat.

01.11.2018: Gräbersegnung

 

Eröffnung:

Bläserchoral

Begrüßung und Einführung:
Liebe Besucherinnen und Besucher unseres Friedhofs! Liebe Mitchristen!
Die Erinnerung an unsere Verstorbenen führt uns heute Nachmittag am Friedhof zusammen.
Wir fühlen uns nicht nur mit ihnen verbunden. Sie sind über ihren Tod hinaus ein Teil von uns selbst.
Sie haben mit uns das Leben geteilt. Sie haben unser Leben beeinflusst. Durch sie sind wir so geworden, wie wir sind.

Am Anfang der Feier steht das Wort Gottes im Mittelpunkt.
Dann werden die Gräber gesegnet und zur Erinnerung an die Taufe mit geweihtem Wasser besprengt und sie sind eingeladen miteinander zu beten.
Die Feier endet mit Fürbitten, mit dem von allen gebeteten Vater Unser und wird dann mit dem Segen beschlossen.

Kyrie:
Christus gibt uns Hoffnung: für unsere Verstorbenen und für uns selbst. Deshalb rufen wir zu ihm:

Herr Jesus Christus, du zeigst uns den Weg zum Vater im Himmel. ‑ Herr, erbarme dich unser.

Du hast den Tod auf dich genommen, um alles mit uns zu teilen. ‑ Christus, erbarme dich unser

Du bist auferstanden vom Tod und schenkst uns Anteil an der Auferstehung. ‑ Herr, erbarme dich unser.

Gebet:
Vater im Himmel, wir stehen an den Gräbern unserer Verstorbenen.
Für sie bitten wir dich: Gib ihnen die Freude bei dir zu sein.
Erneuere unsere Hoffnung darauf,
dass wir alle bei dir eine Zukunft haben
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Wortgottesdienst:

Lesung: Aus dem Römerbrief (Röm 6,3-9)

Meine lieben Schwestern und Brüder
3    erinnert euch, was es bedeutet, dass wir alle im Namen Jesu Christi getauft wurden, der gekreuzigt wurde.
4    Unser altes Leben ist sozusagen gestorben, wie Christus gestorben ist. Ebenso werden wir auch in seiner Auferstehung mit ihm verbunden sein.
6    Es ist doch so: Unsere frühere Lebensweise, die von Gesetz und Sünde und Schuld geprägt war, wurde mit Jesus gekreuzigt, damit wir befreit werden und nicht mehr dem Gesetz der Sünde unterworfen sind.
7    Wir sind also sozusagen mit Christus gestorben. Also werden wir auch mit ihm leben – davon sind wir überzeugt.
9    Denn Christus wurde von den Toten auferweckt und wird nicht mehr sterben. Der Tod hat keine Macht mehr über ihn.

Wort der heiligen Schrift

Gesang Verleih uns Frieden gnädiglich

Ansprache Liebe Mitchristen,
haben Sie es gestern gelesen? Demnächst wird an der Uni Regensburg ein neues Masterstudium eingeführt: „Perimortale Kompetenz“. Studierende sollen die Fähigkeit erwerben, Menschen, die mit dem Tod konfrontiert, beizustehen.

Wenn wir selber dem Sterben entgegensehen, wenn liebe Menschen sterbenskrank sind, wenn wir um verstorbene Trauern, brauchen wir tatsächlich jemand, der uns – buchstäblich – beisteht!

Wir brauchen jemand, der da ist, der uns zuhört, der mit uns geht – dahin und dorthin, der uns bei den vielen Entscheidungen unterstützt, die getroffen werden müssen. Hoffentlich ist da jemand, der uns anspricht, der nachfragt, der uns mitnimmt.
Das ist Beistand: denn alleine würden wir vielleicht gar nicht die Kraft finden, das alles durchzustehen.

Der Beistand für Menschen, die mit dem Tod konfrontiert sind, ist uns aufgetragen als ein Werk der Nächstenliebe.  – Trauernde trösten – nennen wir es in der Sprache des christlichen Glaubens.

Wir Christen, liebe Besucher unseres Friedhofs, sind durch unseren Glauben in besonderer Weise darin geschult, dass Sterben und Tod ein Teil des Lebens sind. Wir glauben an Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen.

Sein Tod am Kreuz hat für uns große Bedeutung: Wir sagen, durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er uns befreit: aus den Fesseln des Todes befreit.

Paulus bedenkt diesen Zusammenhang immer wieder und stellt immer neue Bezüge her:

Wir Christen glauben an einen Gekreuzigten. Wir sind auf seinen Tod getauft. Was das Miteinander stört und vergiftet, Neid, Gier, Zorn, Feindschaft stirbt durch diesen Glauben in uns ab.

Was das Miteinander schön macht und angenehm wird zum Leben erweckt: Respekt, Anteilnahme, Unterstützung, Zuwendung.

Der Mensch, der dem anderen Lasten auferlegt, stirbt,
der neue Mensch, der dem anderen Lasten abnimmt erwacht zu Leben.

Wir nehmen Anteil am Tod Jesu, wenn wir die animalische Seite unseres Mensch Seins besiegen.
So haben wir auch Anteil an der Auferstehung Jesu. Wir werden wie er auferweckt werden zu einem neuen Leben.

Der Tod hat keine Macht mehr über uns.
Jetzt schon nicht, obwohl wird den Tod noch vor uns haben und obwohl der Tod unserer Lieben uns schmerzt:
Doch der Tod kann uns nicht hindern, dem Leben zu trauen, das von Gott kommt und zu Gott hinführt.

Der Tod hat keine Macht mehr über uns.
Erst recht dann, wenn wir von Gott auferweckt werden und Anteil haben am neuen Leben Jesu.

Bin ich mir darüber so sicher?

Beweisen kann ich es nicht. Aber was man beweisen kann, ist kaum in der Lage, uns Sinn zu geben und weckt selten Freude.
Was uns trägt und unser Leben mit Sinn erfüllt, ist selten beweisbar.

Doch ich kann glauben, dass Jesus auferstanden ist, um sein Leben mit uns zu teilen. Ich kann es glauben, weil er die Menschen geliebt hat.
Ich kann es glauben, weil seine Jünger es bezeugt haben – mit ihrem Leben.
Ich kann es glauben, weil Leben und Sterben dadurch wertvoll werden.

Jesus Christus, der gestorben ist und den Gott auferweckt hat, macht uns fähig, den Tod als Teil unseres Lebens anzunehmen. Voller Hoffnung und Zuversicht, dass wir ankommen im Leben – wohin unsere Verstorbenen uns vorausgegangen sind.

Das dürfen wir glauben. Amen.

Stilles Gedenken an die Toten – Glockenläuten

Gräbersegnung:

Einführung zur Gräbersegnung

Lobpreis und Segensbitte:

V: Gott, im Leben und im Tod sind wir in deinen Händen. Wir preisen dich mit allen, die an dich glauben. Wir loben dich.

A: Wir preisen dich.

V: Dein Sohn Jesus Christus hat unser Leben gelebt und ist unseren Tod gestorben. Wir preisen dich mit allen, die die ewige Vollendung erwarten. Wir loben dich.

A: Wir preisen dich.

V: Du hast Jesus, deinen Sohn zu neuem Leben auferweckt und ihn zu deiner Rechten erhöht. Wir preisen dich mit allen, die auf die Macht deiner Liebe vertrauen. Wir loben dich.

A: Wir preisen dich.

V: Gott der Hoffnung und des Trostes:
Du hast in deinem Sohn die Nacht des Todes und des Grabes erfahren. Sein leeres Grab ist für uns zum Zeichen für das neue Leben in deiner Gemein­schaft geworden. Wir bitten dich, erfülle alle, die die Gräber besuchen, mit Trost und Zuversicht.
Das gewähre uns durch Jesus Christus, unseren Herrn.

A: Amen.

Gräberumgang
Zum Beginn des Umgangs
Gesang: Wenn Christus der Herr

Hier sind unsere Lieben bestattet

Wir stehen an den Gräbern unserer verstorbenen. Wir lesen ihren Namen, vielleicht auch ihr Geburtsdatum und ihren Todestag.
Erinnerungen werden wach. Bilder, Erlebnisse, Gefühle für den Menschen, der hier begraben liegt.

Alles, was ihr Leben ausmachte,
worum sie kämpften und was ihnen wichtig war,
das, was sie für uns zu besonderen Menschen machte,
wofür wir sie mochten und liebten,
daran dürfen wir uns erinnern, während die Bläsergruppe einen Choral erklingen lässt:

Bläserchoral

Wir beten den Kehrvers gemeinsam:
Belohne sie für das Gute, o Gott,  und entschädige sie für ihre Schmerzen.

 Erinnere dich Gott, an unsere Verstorbenen,
deren Gräber wir heute besuchen.
Wir wollen sie nicht vergessen,
sie sind ein Teil von uns.

Kehrvers:
Belohne sie für das Gute, o Gott, und entschädige sie für ihre Schmerzen.

 Du hast sie einst ins Leben gerufen
ihren Eltern hast du sie anvertraut;
damit sie ihnen Vertrauen und Liebe schenken
und für sie sorgen bis sie erwachsen sind.

Kehrvers:
Belohne sie für das Gute, o Gott, und entschädige sie für ihre Schmerzen.

 Vieles haben sie gelernt in ihrer Jugend,
immer mehr lernten sie ihre Kräfte zu gebrauchen.
Sie fanden Freunde und Bekannte,
Menschen auf die sie sich verlassen konnten.

Kehrvers:
Belohne sie für das Gute, o Gott, und entschädige sie für ihre Schmerzen.

 Es gab aber auch dunkle Stunden in ihrem Leben:
Schmerz und Trauer, Schuld und Versagen;
Trotz all dem versuchten sie, ihr Leben zu meistern
und sehnten sich nach Freiheit und Liebe.

Kehrvers:
Belohne sie für das Gute, o Gott, und entschädige sie für ihre Schmerzen.

Dann aber kam die Stunde, in der sie aus dem Leben schieden.
Du hast sie zu dir gerufen damit sie bei dir leben in vollkommener Freude.

Kehrvers:
Belohne sie für das Gute, o Gott, und entschädige sie für ihre Schmerzen.

 Ehre sei dem Vater und dem Sohn ….

Kehrvers:
Belohne sie für das Gute, o Gott, und entschädige sie für ihre Schmerzen.

Wo sind sie jetzt? Was wird mit mir sein?

Die Erinnerung an unsere Verstorbene kann uns traurig stimmen.
Es kann sein, dass wir ganz zufrieden sind und sagen: es ist gut, dass es so ist.

Das quälende „Warum“ nach ihrem Sterben entwickelt sich und wird zu einer neuen beständigen Frage, die auch uns selber und unsere Hoffnung betrifft.
Ein Gedicht von Gina Ruck-Pauquèt zeichnet diese Veränderung nach:

Warum ist denn der gestorben?
Und wohin?
…….

Gedicht von Gina Ruck-Pauquèt

Ave Maria (Kanon)

Der Ewige Gott erinnert sich an jeden von uns – in ihm werden wir leben.

Wie in allen Völker, dachten auch Menschen in Israel darüber nach. Das Buch Jesaja im Alten Testament fasst Mut und Vertrauen im Glauben an den Schöpfer des Lebens, der an seinem Volk ebenso hängt wie an jedem einzelnen Menschen.
Die folgenden Sätze sind voll Zuversicht:

Israel sagt: Der Herr hat mich verlassen, Gott hat mich vergessen.
Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht. Sieh her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände, ‑ Spruch des Herrn.

Bläserchoral……………………………………………………… Bläsergruppe

Kehrvers: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen

  1. Der Herr ist mein Hirte, * nichts wird mir fehlen.
  2. Er lässt mich lagern auf grünen Auen *
    und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.

Kehrvers: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen

  1. Er stillt mein Verlangen; * er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
  2. Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, * ich fürchte kein Unheil;

Kehrvers: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen

  1. denn du bist bei mir, *  dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
  2. Du deckst mir den Tisch * vor den Augen meiner Feinde.

Kehrvers: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen

  1. Du salbst mein Haupt mit Öl, * du füllst mir reichlich den Becher.
  2. Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang, *
    und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

Kehrvers: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen

  1. Ehre sei dem Vater und dem Sohn * und dem Heiligen Geist,
  2. wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit * und in Ewigkeit. Amen.

Kehrvers: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen

Gesang: Meine Hoffnung und meine Freude

Fürbitten:

L:    Lasst uns beten zu Gott, dem Tröster der Betrübten, der die Hoffnung ist für Lebende und Tote. (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

L:    Erbarme dich aller, die auf diesem Friedhof begraben werden und deren Suchen und Hoffen niemand kennt als du. (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

L:    Stärke alle, die Sterbende begleiten, die an den Betten von Sterbenden wachen, die für die Würde der Sterbenden eintreten. (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

L:    Tröste alle, die um einen lieben Menschen trauern.  (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

L:    Tröste alle, die das Leben und den Tod fürchten. (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

L:    Gütiger Gott, stärke in uns die Zuversicht, dass wir leben werden und hilf uns aus dieser Zuversicht zu leben. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. A: Amen.

Abschluss der Feier

Vater Unser

Gebet:
Ewiger Gott, gedenke unserer Verstorbenen,  die wir geliebt haben und lieben.
Gedenke unserer verstorbenen Mütter und Väter, Töchter und Söhne, Schwestern und Brüder, Freundinnen und Freunde, die wir nicht vergessen wollen.
Gedenke aller unserer Toten, die wir dir anvertraut haben.
Wir danken dir, dass du uns in Trauer und Leid beistehst und uns tröstest.
Wir danken dir, dass uns auch der Tod nicht aus deiner Hand reißen kann.
Wir hoffen auf dich.
Lass uns allen das Licht der Auferstehung leuchten
Durch Jesus, Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

Segen

01.11.2018: Allerheiligen

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Liebe Schwestern und Brüder
Pfarrer Kolbinger war Ruhestandsgeistlicher in meiner früheren Pfarrei Ergoldsbach. Jeden Sonntag in der Frühmesse feierte leitete er das Glaubensbekenntnis mit den Worten ein: Voll Freude und Dankbarkeit bekennen wir unseren Glauben. Im letzten Absatz des Credo bekennen wir – freudig und dankbar: Ich glaube an den heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, die Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Die Gemeinschaft der Heiligen – feiern wir heute. So richten wir unseren Blick in die Zukunft, in die uns die Heiligen voraus gegangen sind.
Dieser Ausblick ist herrlich. Sie sind eingegangen in die Herrlichkeit Gottes. Sie leben in der gleichen Fülle wie Gott selbst. Vollendete Personen – an ihnen ist nichts mehr, das anders werden könnte, nichts trübt mehr ihre Vollkommenheit.
Das Fest sagt uns: Das ist auch unsere Zukunft: Die Vollendung in der Herrlichkeit Gottes.

Wenn mich jemand fragt: Wofür lebst du?
antworte ich: ich will mithelfen, dass die Welt gerechter wird, dass Frieden ist, dass die Ehrlichkeit hoch geschätzt wird, dass Schuld vergeben werden, dass Schwächeren geholfen wird, dass Krank Beistand finden, dass Trauernde nicht alleine sind, dass Gott im Blick bleibt.

Wenn mich jemand fragen würde:
Was willst du erreichen, was ist dein Ziel?
antworte ich: mein Ziel ist das Leben in Gottes Herrlichkeit.
Das ist die große Zuversicht, die ich habe: auch wenn Enttäuschungen, das Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit, Trauer, schlechtes Gewissen mich in diesem Leben plagen ‑
das alles ist eingebettet in die große Zuversicht: das Leben in der Herrlichkeit Gottes.

Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen, die schon in Gottes Herrlichkeit angekommen sind und in die ich einst eintreten darf.

Vielleicht denken sie jetzt: Wie kann sich der so sicher sein?
Er ist doch auch ein Mensch mit Fehlern?
Selbstverständlich! Alle die Heiligen, diese vielen ungezählten Heiligen, die in keinem Heiligenkalender stehen, und auch die, die im Kalender stehen, wie der hl. Martin und der hl. Franziskus und der hl. Petrus und der hl. Paulus und die hl. Theresa und der hl. Papst Johannes XXIII.

Sie alle waren Menschen mit Fehler und Sünden. So wie Franziskus, der jetzige Nachfolger des hl. Petrus, gefragt nach seiner Persönlichkeit, seinem Wesen antwortete: „Ich bin ein Sünder“.

Die Vollendung erreichen wir nicht, weil wir vollkommen sind, sondern, weil Gott uns vollendet. Das Gute, das in jedem von uns ist, das wir alle suchen und wollen und tun, das ist es, was Gott vollendet.
Von all dem anderen, was nicht gut ist, von der Sünde, reinigt uns Gott – wir dürfen auch sagen: Befreit er uns. So gibt er uns Anteil an seiner Heiligkeit und nimmt uns auf in seine Herrlichkeit.

Das ist die große Hoffnung und die große Sehnsucht, die ich habe und in der wir alle leben dürfen: weil wir Jünger Jesu sind.

Die Freude, die ich zuversichtlich erhoffe, ist jetzt schon ein Teil meines Lebens – zwar nicht im Erleben, aber in der Hoffnung.
Diese Freude und diese Erwartung wirken sich aus in unserem Leben als Glaubende:

In unserer Verletzlichkeit und Armut sind zuversichtlich, dass wir getröstet sein werden. Wir versuchen gewaltfrei zu handeln, gerecht zu sein, Nachsicht zu üben und menschliche Notlagen zu lindern und zu wenden.
Wir wollen wahrhaftig sein und Frieden ausstrahlen und dankbar und froh in unserem  Glauben leben.

So helfen wir mit, dass diese Welt immer besser wird und die finsteren Mächte der Lüge und Gewalt immer wieder gefesselt werden.
Damit der Friede Gottes schon jetzt in dieser Welt unseren Verstand wach hält, unsere Hoffnung groß und unsere Liebe stark macht.

14.10.2018: 28. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder,
Markus und die anderen Verfasser der Evangelien hatten eine wunderbare Aufgabe: Von den Aposteln her waren viele Geschichten über Jesus im Umlauf. Viele davon waren schon aufgeschrieben und immer wieder abgeschrieben.
Die Evangelienschreiber wollten daraus eine durchgehende Geschichte von Jesus machen. Sie mussten überlegen und entscheiden, wie sie die Geschichten aneinanderreihen. Ich gehe davon aus, dass sie sich darüber viele Gedanken gemacht haben. Und deshalb lenke ich unseren Blick auf den Zusammenhang – auf das, was im Mk Ev vorher steht:
„Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen“.

Und dann erzählt Mk die Geschichte von dem reichen Mann, das Bildwort vom Kamel und Nadelöhr und von der Bestürzung der Jünger:
Wer kann dann noch gerettet werden?

Das ist genau der Punkt: Gerettet werden! Nicht: sich retten.

Wer sich retten will, der braucht mehr als nur zu sagen: ich tue kein Unrecht. Der braucht einen Schatz im Himmel – eine völlig selbstvergesse­ne Liebe: wie die Witwe, die ihre letzten Münzen im Tempel geopfert hat.

Für Menschen ist das unmöglich! Es ist wirklich unmöglich!

Es gibt allerdings schon Beispiele, dass manche Menschen ihren Reichtum an den Nagel gehängt haben und ein ganz anderes Leben geführt haben:
Franziskus von Assisi, Klaus von der Flüe, Mutter Teresa, …
Auch Petrus und die anderen Jünger!

Dieser Petrus ist völlig bestürzt von dem Spruch Jesu: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Er wird innerlich ganz klein und unsicher. Aber er fasst sich ein Herz. Ich kann mir vorstellen, wie zaghaft seine Stimme klang:

„Jesus, du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Und darin schwingt die Frage mit: Steht uns das Himmelreich offen?

Liebe Schwestern, liebe Brüder,
sind wir überhaupt so besorgt darum, ob wir in das Reich Gottes, in den Himmel kommen? Glauben wir überhaupt daran? Was stellen wir uns darunter vor?

Der Glaube an Gott, unseren lieben Papa im Himmel, und der Glaube, dass er uns das ewige Leben schenkt, gehören zusammen. Wenn es das ewige Leben nicht gibt, gibt es keinen lieben Papa im Himmel, der bei uns ist und der uns liebt. Dann ist alles nichts. Dann bräuchte es gar nichts zu geben.
Dann pfeife ich auf alle Vergnügungen dieser Welt.

Die Antwort Jesu auf den Vorstoß des Petrus ist einerseits versöhnlich aber auch wieder beunruhigend:

In der kommenden Welt empfangen wir das ewige Leben und
in dieser Welt, in der Gemeinschaft der Jünger Jesu, in der Kirche, finden wir eine neue Familie und wir finden als Gemeinschaft, was wir für das vergängliche Leben brauchen. – wenn auch unter Verfolgungen!

Darin spiegelt sich schon die Erfahrung der ersten Christen wieder:
Ausgrenzung und Verfolgung prägt ihr Leben. Sie gehören bis heute zur christlichen Lebenserfahrung – bis hin zum Tod.

Liebe Schwestern und Brüder,
Zu Jesus gehören, bedeutet: ich kann nichts als mein Eigentum betrachten. Auch mein großer und kleiner Reichtum ist dazu da, dass ich ihn teile. (Situationen im Alltag).

Und es bedeutet sogar:
Bei Jesus zu sein, ist wichtiger für mich, als die Geringschätzung durch die, die das nicht verstehen.

Denn:
Mein Glück ist Jesus, der mir das ewige Leben schenkt.
Das ist mehr als alles andere, was in dieser Welt schön ist.

02.11.2017: Allerseelen

1. Lesung: Ijob 19, 1.23-27  – 2. Lesung: Röm 8, 14-23 – Evangelium: Joh 14, 1-6

Liebe Schwestern und Brüder!
Wahrscheinlich hat jeder unter uns schon eine ähnliche Situation erlebt:
wir mussten von lieben, von geliebten Menschen Abschied nehmen:
Ob uns ihr Tod überrascht hat oder ob wir sie durch Krankheit zum Tod begleitet haben. Wir mussten Abschied nehmen.

Das ist schwer, denn wir verlieren ein Stück von uns selbst, wenn ein geliebter Mensch von uns geht. Das macht uns traurig, es bewegt uns zutiefst. Wir fragen nach den Gründen. Wir wollen es nicht wahrhaben. Wir machen uns – meist überflüssige ‑ Vorwürfe, dass wir nicht alles oder nicht das Richtige getan hätten.

Aber es bleibt dabei: wir müssen Abschied nehmen.

Jesus und seine besten Freunde, seine Jünger und Apostel, saßen beim Essen zusammen. Es war eine extrem schwierige Situation:
Jesus wusste, und seine Freunde wussten, dass er den nächsten Tag wohl kaum überleben wird. Worüber soll man sprechen?
Was will man dem anderen sagen?

Jesus redete nicht um den Brei herum: „Ich gehe zum Vater, zum himmlischen Vater.“ was nichts anderes bedeutet, als dass sein irdisches Leben zu Ende sein wird und seine Jünger zurückbleiben.

Weiter sagt er: „Ich bereite den Platz für euch vor und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“

Liebe Gemeinde, liebe Angehörige unserer Verstorbenen,
was mich an Jesu Abschied von seinen Freunden beeindruckt ist, dass er es schafft, seinen Weg anzunehmen, ihn zu bejahen.
Er ringt nicht und sucht nicht Auswegen,
er sagt nicht: was habe ich, was haben andere falsch gemacht?
Er klagt nicht an. ‑
Er weiß es und er willigt darin ein: es wird nun geschehen.

Er braucht nicht klagen und zweifeln, weil er eine Zukunft vor sich sieht:
er geht zum Vater. Diese Überzeugung macht ihn gelassen und ruhig und gibt ihm die Kraft, auch seinen Jüngern Mut zu machen, ihnen Hoffnung zu geben und sie zu stärken.

Schwestern und Brüder, ich bin Jesus dankbar für seine Worte.
Ich bin ihm dankbar, dass er selbst so fest stand in seiner Hoffnung und dass er seinen Weg zu Ende gegangen ist.

Ich glaube ihm und ich bin überzeugt, dass ich ihm glauben darf, dass er glaubwürdig ist – wegen seines Muts, wegen seiner Großmut und Stärke, die er bis zum Ende behalten hat.

Wenn ich, wenn wir einen Menschen zu Grabe tragen,
dürfen wir – in aller Trauer und bei allem Schmerz – Hoffnung haben,
dass er an sein Ziel gekommen ist: dass Jesus ihn zu sich geholt hat und einen Platz für ihn vorbereitet hat. Er wird dabei als Kind Gottes offenbar, das Anteil hat an Gottes Ewigkeit.

Diese Hoffnung hilft mir, hilft uns, dass wir selbst das Leben weiter dankbar annehmen und dass wir uns wieder dem Leben zuwenden, dem Leben so wie es ist, begrenzt durch den Tod, der die Schwelle ist, über die wir hinübergehen in das Haus des Vaters.

Schwestern und Brüder,
wir brauchen den Tod nicht zu verdrängen und wir brauchen ihn nicht zu suchen. Wir leben ‑ und in guten wie  in bösen Tagen richten wir uns aus auf das Ziel, zu dem wir unterwegs sind:
Und wir achten darauf, dass wir dem Ziel entgegengehen. Was immer wir tun und unternehmen, es führt uns dem Ziel, dem Vater näher.

Jesus stärkt uns, dass wir über Schmerz und Trauer die Hoffnung nicht verlieren. Wie er unsere Verstorbenen empfangen hat, so wird er auch uns selbst an unseren Platz im Haus des Vaters geleiten.

06. November 2016: 32. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

  • Eher sterben wir, als dass wir die Gesetze unserer Väter übertreten;
  • Der König der Welt wird uns zu neuem, ewigen Leben auferwecken;
  • Vom Himmel habe ich die Zunge erhalten, von ihm hoffe ich, sie wiederzuerlangen;
  • Gott hat uns die Hoffnung gegeben, dass er uns wieder auferweckt.

Eindrucksvolle Sätze der Brüder, die gefoltert und getötet wurden, weil sie sich nicht zwingen ließen, vom Gott Israels abzufallen.

In diesen Zeilen begegnen uns die ersten Anfänge des  Auferstehungs-glaubens in der Bibel – dabei sind wir um das Jahr 130 vor Christus.

Noch zur Zeit Jesu war es unter den Juden strittig, ob es eine Auferstehung der Toten gibt, ein ewiges Leben – oder ob die Toten in einem Schattenreich sind, das die Juden Scheol nannten – die Gruppe der Sadduzäer lehnte den Glauben an Auferstehung und ewiges Leben ab – Jesus hingegen predigte und verkündete die Auferstehung der Toten – das ist einer der Hauptinhalte seines Evangeliums.

Und wir: Glauben wir? an die Auferstehung der Toten und das Leben in der zukünftigen Welt? Manche verneinen diesen Glauben – sie lehnen Vorstellungen ab, die allzu anschaulich und einfach sind, wenn sie sagen: So viele Menschen haben ja gar nicht Platz im Himmel. –

Wir können uns nicht vorstellen, wie es sein wird in diesem ewigen Leben – wir können es uns genauso wenig vorstellen, wie wir uns Gott vorstellen können. Doch der Glaube an einen ewigen Gott, an Jahwe, der da ist,
und der Glaube an das ewige Leben passen gut zusammen.

Der gütige und Leben spendende Gott behütet das Leben und gibt ihm Anteil an seiner Ewigkeit. Weil wir das Leben von ihm haben und ein Teil von ihm sind, weil er in uns ist, deshalb ist ewiges Leben in uns.

Es ist naheliegend, dass in diesem ewigen Leben geheilt wird, was verletzt und krank ist. So wie der eine der Brüder hofft, dass er im ewigen Leben seine Zunge wieder erlangen wird.
Es ist schlüssig, dass das Leben der Auferstehung ewiges Leben ist, dass es also dann keinen Tod mehr gibt.

Das Lukasevangelium drückt den Zusammenhang mit diesen Worten aus:
Gott ist ein Gott von Lebenden, denn für ihn sind alle lebendig.

Liebe Schwestern und Brüder,
der Glaube an die Auferstehung und das ewige Leben ist jedenfalls eine Quelle der Hoffnung und Zuversicht – vor allem für die Menschen in der Bedrängnis: sie werden gerechtfertigt werden. Sie werden entschädigt werden. Sie werden emporgehoben und stehen im Licht Gottes.

Zugleich ist der Glaube an die Auferstehung eine große Kraftquelle:
Da es ein ewiges Leben gibt, in dem es Gerechtigkeit gibt,
umso mehr werde ich im Glauben daran Gerechtigkeit üben;
umso mehr werde ich widerstehen, wenn von mir etwas verlangt wird, das meiner Hoffnung und meinem Glauben widerspricht;
umso mehr werde ich mein Herz öffnen für die Kranken, die Obdachlosen, die Ausgebeuteten;
da ich daran glaube, dass Gott diesen Menschen Gerechtigkeit schenkt, möchte auch ich ihnen Gerechtigkeit geben und Erbarmen zeigen.

Der Glaube an die Auferstehung betäubt nicht und dämmt den inneren den Antrieb nicht ein,
sondern er ist die Kraft, die uns antreibt, Gottes Erbarmen und Gerechtigkeit in dieser Zeit und Welt sichtbar zu machen.

01. November 2015: Allerheiligen

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder!
Ihnen gehört das Himmelreich! – verspricht Jesus
Sie erben das Land!
Sie werden satt!
Sie finden Erbarmen!
Sie werden Gott schauen!
Sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt!
Euer Lohn im Himmel wird groß sein!

Das alles verheißt Jesus denen, die ihm zuhören.

In zweifacher Hinsicht könnte man die Seligpreisungen missverstehen und den Sinner der Worte verdrehen.

Die erste Irreführung wäre es, wenn man Jesus so deuten würde:
Das alles bekommst du aber nur, wenn du nachweisen kannst, dass du arm warst, dass du Frieden gestiftet hast, dass du keine Gewalt gebraucht hast, dass du hungern musstest, nach der Gerechtigkeit!

Dann wären es keine Versprechungen, keine Verheißungen,
sondern Bedingungen: Leistung gegen Belohnung!

Die zweite falsche Deutung wäre, Jesu Worte so zu deuten:
Wer arm ist, wer hungert und dürstet, wer unterdrückt wird und misshandelt wird, der soll das ertragen und annehmen ohne zu klagen und ohne es ändern zu wollen ‑ dafür wird er im Himmel entschädigt werden.

Jesus will nie und nimmer dass irgendein Mensch erniedrigt und klein gehalten wird. Die Verheißung der himmlischen Seligkeit soll die Menschen nicht zu Passivität und Schicksalsergebenheit verführen – nur damit die reichen und Mächtigen und Gewalttätigen, die Egoisten, die Raffer und Geizhälse unbesorgt ihre Macht und ihren Reichtum und ihre Privilegien erweitern können.

Sehr wohl aber macht Jesus den Menschen Mut: jede mitmenschliche Regung, kein Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit ist umsonst und vergeblich – sondern jede Mit-Menschlichkeit wird von Gott gesehen und anerkannt und führt den Menschen in die Seligkeit des Himmels.

Selig werden wir nicht erst im Jenseits:
Menschen, die diese Werte des Himmels leben und nach ihnen handeln, haben jetzt schon Anteil am Himmel, an der Seligkeit des Himmels –
hier in diesem Erdenleben.

Dieses Glück, diese Seligkeit kann einem niemand rauben und zerstören:
Die Seligkeit, die darin liegt, das Gute zu sehen und zu tun.

Heute an Allerheiligen ehren wir alle die Menschen und Christen, die in ihrem Leben der Gerechtigkeit aufgeholfen haben, die ausgeglichen haben zwischen Streitenden, die lieber Gewalt ertrugen, als Gewalt zu üben.

Wir danken Gott für all diese Menschen, die auf Gottes Stimme in ihrem Herzen gehört haben.

Alle diese Heiligen, die niemals zur Ehre der Altäre erhoben worden sind, machen uns Mut, dass wir der Verheißung glauben:
Selig seid ihr! (Präsens.)
dass keine Liebe vergeblich gewesen sein wird, die wir anderen schenkten.

Dies alles wird bei uns bleiben, wenn wir als Gottes Kinder offenbar werden, die auf der Erde schon nach himmlischen Maßstäben handelten.

2. November 2014: Allerseelen

1. Lesung: Ijob 19, 1.23-27
2. Lesung: Röm 8, 14-23
Evangelium: Joh 14,1-6

Das Leid, das dem Ijob widerfährt ist sprichwörtlich geworden: Ijob wird seines Eigentums beraubt, die Kinder werden ermordet. sein Haus wird verbrannt und ihn befällt eine Krankheit, in der man schon so gut wie gestorben ist. Ijob steht für alles Leid, das Menschen in ihrem Leben erfahren können und tatsächlich: jeder Mensch kann von Trauer, Krankheit und auch von Feindseligkeit erzählen.

Doch: gerade die Menschen, die am weitesten unten sind, haben oft die größten Hoffnungen. Ijob sagt: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt! Ich werde Gott schauen “

Viele hundert Jahre nach Ijob ergeht es dem Apostel Paulus ganz ähnlich: Er hat Verfolgungen, Verhaftungen, Folter und Gefängnis erträgt, Schiffbruch erlitten und fast ertrinkt, schrieb: „Ich bin überzeugt: die Leiden dieser Zeit sind nichts im Vergleich zu der Herrlichkeit, die uns geschenkt werden wird!“

Liebe Schwestern und Brüder, die Menschen im Wohlstand teilen diese Hoffnungen weniger. Sie sagen: „Ich kann mir das nicht vorstellen. Warum nicht jetzt diese Herrlichkeit? Warum nicht schon auf dieser Erde?“
Viele können und wollen nicht auf das künftige Leben hoffen, in dem wir Gott schauen und befreit sind vom Elend dieser Zeit.

Hängt es damit zusammen, dass wir durch unseren Wohlstand das Elend überdecken; dass wir die Augen verschließen und den Tod aus dem Bewusstsein verdrängen.
Ich frage mich: Wollen die Menschen eigentlich den Tod negieren, wenn sie sagen: wenn ich sterbe, dann ist alles aus?

Wenn es so wäre, wenn der Tod des Körpers das Ende der eigenen Existenz wäre, dann könnte man leben, als ob es den Tod nicht gäbe.
Man könnte den Tod verdrängen und jeden Tag auskosten und sagen: das ist das Leben. Mach das Beste daraus – für Dich.

Doch wer die Augen öffnet, der fragt sich: wozu leben, wenn es dann doch zu Ende ist? Die Freude, das Schöne das kann man ja gerne hinnehmen. Doch wozu Schmerzen ertragen? Wozu leben, wenn ich nicht mehr tun kann, was ich will?

Der Glaube an die Auferstehung gibt dem Tod eine andere Bedeutung:
Der Tod wird zum Übergang in die Welt Gottes.
Wer darauf hofft, für den hat das ganze Leben einen Sinn.
Der mag sich fragen, warum es so viel unverschuldetes Leid gibt?
Der wird mit Gott vielleicht streiten und ihm das Elend klagen.

Doch er hofft, die Herrlichkeit Gottes zu empfangen.
Deshalb geht es im Leben darum, als Gottes Ebenbild zu leben.
Es geht darum, Leben zu empfangen und Leben zu geben!

Wer das ewige Leben erhofft, wird auch das Gute dankbar annehmen und genießen – vielleicht als Vorgeschmack des Himmels.

Wer auf das ewige Leben hofft, wer Hoffnung hat, wird aber auch die Kraft haben, dem Elend, dem Leid, der Schwäche Stand zu halten. Wer hofft, hält allem stand – so hat es Paulus ausgedrückt.

Liebe Schwestern und Brüder,
heute an Allerseelen denken wir an die Verstorbenen: an alle! Weil keiner verloren ist, weil Gott keinen vergisst!
Besonders denken wir natürlich an die Verstorbenen, die wir gekannt haben und die uns nahe stehen: Die Liebe, die uns mit ihnen verbindet, reicht über den Tod hinaus.

Wir denken an die Verstorbenen mit Zuversicht:

Das Gute findet seine Vollendung!
Das Schlimme wird geheilt!
Das Böse wird vergeben und getilgt.
Die Liebe aber feiert ein Fest: denn die Liebe ist ewig –
wie Gott selbst, in dessen geliebte Kinder wir sind und bleiben
in alle Ewigkeit.

 

 

18. Mai 2014: 5. Ostersonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten:Schott

Liebe Schwestern und Brüder, eine Wohnung sagt immer viel aus über den, der darin wohnt:
ist alles aufgeräumt – oder stehen und liegen Sachen herum?
Was für Bilder hängen an der Wand?
Ist es schmutzig oder sauber? Welchen Stil haben die Möbel?
Wie riecht es in der Wohnung?

Das Johannesevangelium spricht von den Wohnungen im Haus des Vaters,
die Jesus für uns vorbereitet – um uns zu sich zu holen, damit auch wir dort sind, wo er ist.

Es gibt eine gemeinsame Zukunft mit Jesus – im Haus des Vaters.

Schwestern und Brüder, dass unsere Wohnungen hier keine endgültige Bleibe sind, wissen wir. Oft genug und hart genug werden wir immer wieder damit konfrontiert:

Wasserfluten reißen ganze Häuser und Siedlungen mit sich.
Ein Bergwerksunglück kostet 300 Menschen das Leben.
Die täglichen Beschwerden und Schmerzen erinnern uns nur zu sehr daran: Wir sind nur Gast auf Erden und wir werden irgendwann Abschied nehmen müssen oder wollen.

Jesus Christus ist für uns der Weg, auf dem wir die Wohnungen beim Vater erreichen. Dann werden wir für immer bei ihm sein.

Schwestern und Brüder, unser Leben auf der Erde gleicht einer Wanderschaft: Wir sind unterwegs zum Ziel – das aber auch bedeutet, dass wir den Weg dann hinter uns lassen und auch nichts mehr daran ändern können. Dadurch gewinnt der Weg, den wir gehen große Bedeutung.

Wenn wir das Ziel erreichen, werden wir uns fragen:
Bin ich den richtigen Weg gegangen?
Bin ich Umwege gegangen?
Habe ich meine Aufgaben gelöst?
Bin ich den Weg bis zum Ende gegangen?

Woran kann ich ermessen, was richtig und gut ist? Was falsch und was richtig? Was meine Aufgaben sind und ob ich den Weg zu Ende gegangen bin?

Für uns Christen liegt das auf der Hand:
Alles was dem Reich Gottes dient:
der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Wahrheit und dem Frieden,
alles das ist ein richtiger Schritt und ein gutes Werk.
Immer wenn wir aus dem Glauben an die Liebe Gottes handeln,  dann gehen wir einen Schritt in die richtige Richtung.

Damit wir diesen Weg gehen können, haben wir den Heiligen Geist empfangen, den Geist des Vaters und des Sohnes, der uns zu Kindern Gottes macht.

Bitten wir Gott,
dass er uns immer wieder Kraft gibt, auf dem Weg zu bleiben,
dass wir Freude erleben, diesen Weg gehen zu dürfen,
dass wir Ausdauer haben  und nicht müde werden,
dass wir den Glauben und die Hoffnung bewahren,
damit wir mutig und zuversichtlich weitergehen.

10. November: 32. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Das Evangelium heute führt uns mitten in die Frauenwelt des Orients:
Da spielte es scheinbar keine Rolle, ob eine Frau nach dem Tod ihres Mannes heiraten wollte – sie musste heiraten, wenn es möglich war:

1. Damit ihr Mann doch noch Kinder bekam und
2. Damit sie nicht der Armut und dem Elend preisgegeben war.

Witwe zu sein bedeutete in der Regel arm zu sein. Heute ist für die Frauen tatsächlich vieles besser geworden!

Liebe Schwestern und Brüder, es geht in diesem Streitgespräch allerdings nicht um die Situation der Frauen – es geht um eine religiöse Grundfrage:
Gibt es die Auferstehung der Toten und das ewige Leben – so wie Jesus es verkündet hat?

Wenn sie mit ihren Freundinnen und Nachbarn darüber sprechen, kann es ihnen wie Jesus ergehen: Die Sadduzäer wollten ihn und seine Botschaft der Auferstehung und des ewigen Lebens lächerlich machen.
Heute wird behauptet, der christliche Glaube an Gott, an die Auferstehung widerspräche der Vernunft und der Wissenschaft, sei unlogisch. Dieser Glaube behindere den Menschen mehr, sein Leben gut zu gestalten, als dass er ihm dabei hilft.

Liebe Schwestern und Brüder, wie Jesus sollten wir dann ebenfalls eine Antwort wissen:

Widersprechen sich die Leugner des Auferstehungsglauben nicht selbst,
wenn sie den Menschen und alle Lebewesen zu einer biochemischen Maschine degradieren, mit der nach dem Tod des Körpers alles aus ist?

Warum können Menschen „ich“ und „Du“ sagen?
Warum können sogar Tiere sich freuen?
Wie kann es sein, dass wir Menschen „nachdenken“ über das Leben und immer besser verstehen lernen, wie die Mechanismen des Lebens sind?

Wer leugnet, dass der Mensch Gottes Geschöpf ist und mit Geist und Seele begabt, widerspricht sich eigentlich selbst.
Gerade er setzt doch seine Fähigkeit des freien Denkens ein, um zu behaupten, dass alles nur biologischen Gesetzen gehorche.

Der Mensch ist mehr als Biologie:
Der Mensch hat eine Seele, er hat einen Willen und er hat Vernunft.

Deshalb fragt der Mensch auch nach seinem Ursprung, nach dem Ursprung der Erde und des Universums.

Dieser Ursprung kann nicht geringer sein als der Mensch, der nach seinem Ursprung fragt. Vielmehr ist die Welt durch seine Weisheit und Macht geworden.
Wie von selbst liegt der Gedanke nahe, dass er auch die Zukunft ist, dass er nicht nur am Anfang steht, sondern auch das Ziel ist:

Wir erwarten nicht den Tod, den Untergang des Seins,
sondern wir leben hin auf ein Ziel: dass wir bei ihm sein dürfen, von dem wir das Leben empfangen haben und der uns das Leben gibt.

Wir leben hin auf die Freude, auf das Licht, auf die Vereinigung mit Gott, den Jesus seinen himmlischen Vater nennt.
Von dieser frohen Erwartung ist unser Leben durchdrungen:
Diese Erwartung gibt uns Kraft, als Gottes Ebenbild, als Gottes Kind die Welt zu gestalten, so dass sie Gottes Willen entspricht:

Wir wissen, dass es wichtiger ist, gut und barmherzig zu handeln,
als möglichst viel für sich selbst aus dem Leben herauszuholen.

Diese Erwartung hilft uns in schweren Zeiten, dass wir nicht verzweifeln, sondern uns in Gottes Hand legen, der alles gut machen kann.

Diese Erwartung bewahrt uns davor, wie Räuber zu leben, denen es darum geht, möglichst große Beute zu machen. Die Fülle des Lebens müssen wir nicht mit allen Mitteln in dieser Welt erkämpfen, sondern Gott hält die Fülle des Lebens für uns bereit.

Das gibt uns die Kraft, jetzt für andere einzutreten und etwas zu tun, damit das Leben menschlicher wird und damit unsere Hoffnung sichtbar wird in dem Guten, das wir einander und anderen tun.