21.02.2021: 1. Fastensonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Liebe Schwestern und Brüder,
Für die Kinder und Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist ein Jahr eine unglaublich lange Zeit:
Monate ohne Schul- und Kindergarten und Unibesuch;
die Berufsausbildung in der Lehre ist erschwert;
und der jugendliche Schwung, die eigenen Kräfte auszuprobieren, die Welt zu entdecken und zu erobern und mit Gleichaltrigen die Zeit zu verbringen ist auf üble Weise blockiert.

Sport, abendliches Ausgehen und zwanglose Treffen, Disco, Urlaubsreisen fallen aus. Das ganze Leben der jungen Generation ist seit über einem Jahr ein Jahr großer Entbehrungen.

Auch die Erwachsenen ab 30 Jahren haben eine schwere Zeit: Die Arbeit ging weiter – oft mit zusätzlichen Belastungen.
Oder aber es gibt Kurzarbeit oder sogar den Verlust des Einkommens.

Es ist bereits 1 ganzes Jahr Fastenzeit – auch wenn es keine Einschränkungen bei der Ernährung gab.
Alle sehnen sich danach, dass diese Seuchenzeit zu Ende geht. Aber obwohl wir aus Erfahrung wissen, dass alles einmal zu Ende geht – können wir im Moment nicht sehen, wann das sein wird.

Es ist auch nicht verwunderlich, dass alltäglich diskutiert und gestritten wird: wer muss welche Einschränkungen wie lange noch hinnehmen?
Welche Entscheidungen sind zu rigide oder zu lax?
Welche Versäumnisse gab es bei den Verantwortlichen?

Es ist eine lange Fastenzeit. Wie reagieren die Menschen darauf?

Es gab und gibt die Leugner der Krankheit – zum Glück sind es nicht so viele.
Denn das Leugnen verhindert, dass man sich nicht an die Bedrohung durch die Seuche anpasst. Dadurch wird alles nur noch schlimmer.

Es gab und gibt Menschen, die mit großem Aufwand versuchen so gut wie möglich jede Infektionsgefahr zu bannen.

Es gab und gibt die Menschen, die es hinnehmen, dass sich das ganze Leben verändert hat und eingeschränkt ist.
Es macht ihnen nicht so viel aus.

Manche überwachen das Verhalten der anderen, manche halten es irgendwann nicht mehr aus und machen doch eine Party, manche wissen alles besser und würden es ganz anders machen.

Wir alle reagieren so oder anders – so verschieden, wie wir Menschen eben sind.

Alle aber sind herausgefordert, diese unfreiwillige durch die Seuche aufgenötigte Fastenzeit zu bestehen und den Versuchungen, die sie mit sich bringt, zu widerstehen.

Jesus hat die Wüste selbst gewählt und gefastet und so die Versuchungen bewusst hervorgerufen. Danach war er klar. Er wusste, was er wollte. Er hatte sich entschieden und seinen Weg gefunden. Er nahm seinen Auftrag an und verkündete überall, was er am Grunde seiner Seele entdeckt hatte:
Das Reich Gottes ist nahe: jetzt und an diesem Ort.
Diese Welt ist Gottes Welt und er ist in ihr.

Jahr für Jahr begehen wir die 40 Tage vor Ostern und nennen sie Fasten-zeit – und nicht wenige fasten tatsächlich auf die eine oder andere Weise, um die inneren Versucher zu bezähmen: die Angst, die Wut, die Gier, den Neid und all die anderen wilden Drachen in unserer Seelenlandschaft.

Versuchen wir das auch wieder in dieser österlichen Bußzeit.
Denn am Ende dieser 40 Tage und hoffentlich auch am Ende dieser Seuchenzeit bekräftigen wir:

Ich glaube an Gott, der mich als sein Kind liebt.

Ich glaube an Jesus, der mir mit dieser Botschaft Versöhnung gebracht hat.

Ich glaube an den Heiligen Geist, der in mir ist, damit ich Gott und euch und alle Mitmenschen liebe, als Gottes Ebenbild.

10.03.2019: 1. Fastensonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
eine seltsame Geschichte haben wir gerade gehört:
Lukas schildert wie Jesus, den er als Sohn Gottes verkündet, vom Teufel versucht wird: Kann man sich das vorstellen?

Es gibt von Haus aus viel zu fragen: Was heißt Versuchung?
Wie ist das mit dem Teufel? Gibt es ihn? Was ist sein Ursprung?
Ich lasse diese Fragen mal beiseite, denn sie wurden ja schon oft besprochen.

Jedenfalls steht diese Versuchungsgeschichte ganz am Anfang der öffentlichen Geschichte Jesu nach der Taufe am Jordan, wo er als Sohn Gottes geoffenbart wird.

Das gibt es eine interessante Parallele: Die Bibel erzählt gleich nach der Erschaffung von Mann und Frau von deren Versuchung:

Gott hatte dem Menschen geboten: „Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.“

Da kam die Schlange, das Bild des Satans, und sagte: Es ist ganz anders:
Wenn ihr von diesem Baum esst, werdet ihr wie Gott und könnt selbst Gut und Böse erkennen – also bestimmen, was gut und böse ist.

Wir wissen: Adam und Eva aßen von den wunderschönen Früchten des Baumes: In der Folge berichtet die Bibel von Mord und Todschlag unter den Kindern von Adam und Eva, von der Verderbtheit der Menschen, die schließlich zur großen Flut führte, die fast alles Leben auf der Erde vernichtet hätte.

Jesus hingegen hat der Versuchung widerstanden: Er, der Gott gleich war, hielt nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern wurde ein Mensch, in allem uns gleich außer der Sünde. Er blieb seinem Vater gehorsam:
Er lebt durch Gottes Wort, er wirft sich vor Gott nieder und er stellt Gott nicht auf die Probe, als ob er von Gott einen Beweis seiner Göttlichkeit verlangen könnte, um ihn anzuerkennen.

Schwestern und Brüder,
vor wem verneigen wir uns?
Welches Unrecht sind wir bereit zu verüben, um einen Nachteil abzuwehren, um einem Mangel abzuhelfen?
Wie schnell sind wir bereit, Gott all das Unrecht und Leid dieser Welt vorzuwerfen und ihn so für unfähig zu erklären – eben für nicht göttlich.

Das Lukasevangelium zeigt uns Jesus als Retter, der der Versuchung widerstanden hat.

Es geht aber auch um uns selbst:
Er ist unser Vorbild, dass auch wir den Versuchungen widerstehen und statt dessen auf Gott hören und das Gute tun, die Liebe üben und anerkennen, dass wir zuletzt allein Gott verantwortlich sind, dass wir das Gute tun und das Böse lassen.

Dafür ist die österliche Bußzeit da,
dass wir unseren Entschluss erneuern und bekräftigen,
auf Gott zu hören und den Mitmenschen zu lieben:

Denn vor Gott zählt nicht, wie gut ich gegessen habe, wie meine Karriere verlaufen ist, wie angesehen ich war, wie weit meine Urlaubsreisen waren, welche Bequemlichkeiten ich mir leisten konnte:

Vor Gott zählt:
Wem hast du Gutes getan?