15.02.2026: 6. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder,
Fasching war und Fasching ist.
Dass das niemand übersieht,
dafür sorgt das Fernsehn schon
mit ihrer Faschings Tele Vision.

Wer gern an Fasching Gaudi macht
und über viele gute Witze lacht,
wer sich erfreut am sportlichen Cancan
der tue das so gut und lang er kann.

Jetzt aber machen wir ne Pause
von all dem närrischen Gehabe,
wir loben Gott, und geben ihm die Ehre,
die wollen wir in der Welt vermehren.

Sowohl hier beim frommen Lobgesang
als auch im täglichen Lebensgang.
gibt das Gottvertrauen uns die Kraft,
dafür, was man sonst kaum schafft:

Den Mut und die Hoffnung zu behalten,
dass die Liebe prägt unser Verhalten,
dass im Grunde immer von uns gilt
du bist Gottes einzigart‘ges Ebenbild

Ansprache:, Jesus sagt,
wenn ich euch seligpreise,
die ihr unter den herrschenden Umständen zu leiden habt und euch, die ihr versucht, Gottes Willen zu tun;
wenn ich euch seligpreise,
die ihr voll Ehrfurcht und Gehorsam auf eure Gesetzeslehrer und Schriftgelehrten hört, wenn ich euch  als Salz der Erde und als Licht der Welt bezeichne,
setze ich damit kein einziges Gebot außer Kraft – ganz im Gegenteil!
Vielmehr sollt ihr noch viel mehr als die Gesetzeslehrer danach streben, Gottes Willen zu tun.

Dann spricht Jesus als erstes vom Tötungsverbot und weitet es aus:
Ich soll mir klar werden, ob jemand mir etwas vorwirft oder vorwerfen kann.

Jesus sagt: Schließ Frieden mit deinem Gegner, solange du auf dieser Erde bist! Nimm Feindschaft und Neid, Hass und Eifersucht nicht mit ins Grab.
Denn wenn du gestorben bist, kannst Du nichts mehr bereinigen.

Liebe Schwestern und Brüder, jetzt genau müssen wir auf der Hut sein – und zwar vor uns selbst und unseren Gedanken.

Jesus sagt, dass unser Gegner uns anklagen wird und wir dann für unsere Schuld einstehen müssen und ins Gefängnis geworfen werden. Das wäre der Fall, wenn Gott wirklich ein Richter wäre. Das erwarten wir, wenn wir uns Gott als Richter vorstellen, der über uns urteilt, weil wir seine Gesetze übertreten haben.

Das ist im Ansatz falsch: Gott ist kein Richter, sondern ein Vater und handelt wie ein Hirte. Gott schenkt uns nicht das Leben, um uns zu richten, sondern, damit wir leben! Deshalb lässt er niemanden verloren­gehen – wie ein Hirte, der die verlorenen Schafe wieder einsammelt.

Lieber Christ, wenn Du das glaubst, wirst Du nicht selbst Gott zum Richter erklären und wirst nicht über andere richten und sie als gottlos oder von Gott verdammt bezeichnen. Dann wirst Du lieber verzeihen und Frieden schließen. Auf diese Weise erfüllst Du den Willen Gottes viel mehr als es möglich ist, wenn Du Gesetze zu deiner Richtschnur machst.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Himmlischer Vater, Jesus legt uns eindringlich ans Herz, dass wir der Feindschaft und dem Hass in uns keinen Raum lassen und niemanden verurteilen. In seinem Geist beten wir:

Vater des Friedens                      L/A Erhöre unser Gebet

  • Für die Frauen und Männer, die Gesetze beschließen und für ihre Einhaltung sorgen: dass sie sich dem Wohl der Menschen verpflichten.
  • Für die Frauen und Männer, die den Glauben und die Gebote des Glaubens lehren: dass sie das Vertrauen in Gottes Barmherzigkeit stärken.
  • Für die Menschen, die in Feindschaft zu anderen Leben: dass sie die Kraft zur Versöhnung finden.
  • Für die von Krieg und Terror geplagten Menschen: dass sie einen Weg zum Frieden finden.
  • Für unser Land und unsere Nachbarländer: dass es uns gelingt, den Frieden zu bewahren und zu vermehren.

Lektor/in: Gott des Lebens und des Erbarmens, Gott der Liebe und der Versöhnung, Gott der Vergebung und der Freude – wir loben Dich, heute und in Ewigkeit. Amen.

14.12.2025: 3. Adventsonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung:
Haben sie Sünden begangen in den letzten Wochen und Monaten? Gibt es etwas, für das sie Gott um Verzeihung bitten möchten – so wie die Leute, die sich von Johannes im Jordan taufen ließen?
Haben sie gelogen, um sich der Verantwortung zu entziehen?
Haben sie stur auf ihrem Recht bestanden?
Haben sie die Geduld der Mitmenschen überstrapaziert?
Pflegen sie Hilfsbereitschaft gegenüber den Notleidenden bei uns und in der ganzen Welt? ….

Bekennen wir gemeinsam, dass wir Liebe schuldig bleiben und bitten wir um Vergebung.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
gar nicht selten wird in Gesprächen darüber nachgedacht, ob Gott auch Kriegsver­brechern verzeihen wird – oder ob sie für ihre Menschen verachtenden Taten ewige Strafe erhalten.

Ganz ähnlich ist die Frage, warum Gott all das Verbrechen und die Gewalt in der Welt zulässt – statt mit göttlicher Macht und Gewalt für ein Ende der Kriege und Verbrechen zu sorgen.

Wo ist Gottes Macht und Gerechtigkeit und Liebe?

Johannes der Täufer hegte gemäß dem Evangelium ähnliche Zweifel:

Er hatte den Messias angekündigt und mit ihm das Gericht Gottes:
„Der Messias wird die Bäume, die keine Frucht bringen, umhauen.
Er wird die Spreu vom Weizen trennen und die Spreu verbrennen.“
So hatte er zu den Leuten gesprochen.

Er hatte Jesus getauft und ihn als den Messias Gottes erkannt.
Er hatte gedacht, dass nun das Gericht kommt – über alle, die sich Gottes Willen widersetzen und Unrecht tun:

Die Römer, die die Leute misshandeln;
Die Führer des jüdischen Volkes, die mit den Römern gemeinsame Sache machen und die Menschen mit ihren vielen Regeln klein halten.

Nun sitzt er im Gefängnis, weil er dem König Herodes sein Unrecht, den Ehebruch, vorgehalten hat und im Land ändert sich nicht. Die Römer drangsalieren die Leute und die Priester und Schriftgelehrten kolaborieren.

Er fragt sich: Ist Jesus wirklich der Messias? Sollen wir lieber auf einen anderen warten? Johannes hat sich das Auftreten des Messias offenbar ganz anders vorgestellt.

Seine Zweifel sind die gleichen, die wir heute haben und die wir verständlicher Weise haben.

Ist Jesus wirklich der Messias, durch den Gottes Reich kommt?
Wirkt Gott überhaupt in dieser Welt? Oder ist er gar nicht da?

Mitten im Matthäusevangelium steht dieser Zweifel des Johannes und die Antwort, die Jesus gibt – ja! Er gibt Johannes eine Antwort – und damit allen, die die gleichen Zweifel haben:

Blinde sehen! Lahme gehen! Aussätzige werden rein. Taube hören. Tote stehen auf und den Armen wird die frohe Botschaft verkündet!

Das sind die Zeichen des Himmelreiches!

Schauen wir in unsere heutige Welt:
Krankheiten und Leiden werden geheilt – selbst solche, für die es bis vor kurzem gar keine Heilungschancen gab.
Menschen aus Palästina und Menschen aus Israel pflegen bewusst Freundschaften und treten gemeinsam für die Versöhnung ein.

Christen haben unzählige Schulen, Krankenstationen, Krankenhäuser aufgebaut. Christliche Einrichtungen unterstützen die Menschen in den Trockengebieten und finden Methoden, wie sie mit wenig Wasser eine ausreichende Ernte erzielen. Straßenkinder und missbrauchte Mädchen finden Aufnahme in christlichen Schutzhäusern überall auf der Welt. Diese Aufzählung lässt sich schier unbegrenzt weiterführen.

Die Zeichen für das Reich Gottes, das in dieser Welt angebrochen ist, sind unübersehbar und vielfältig. Gottes Gericht vernichtet nicht die Bösen, sondern heilt die Kranken und Verwundeten!

Dass diese Welt trotz aller Gewalt und der Bosheit weiterbesteht, danken wir Gott, der seinen Geist in die Menschen legt, damit sie heilen und verzeihen, damit sie trösten und stärken.

Und wir, liebe Schwestern und Brüder Jesu, wir dürfen daran mitwirken, dass Gottes Reich sich ausbreitet und immer mehr Menschen dazu kommen und darin die Lebensfreude finden. Amen.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Gott, alles Leben hat in dir seinen Ursprung und du behütest deine Schöpfung erfüllst sie dauernd mit deiner Kraft. Wir beten:

Gott, Vater des Lebens    L/A: Schenke uns dein Heil.

  • Wir beten für die Menschen, die wie Johannes der Täufer die Ungerechtigkeit anprangern und zur Gerechtigkeit mahnen.
  • Wir beten für die Kinder und Frauen und Männer, die von anderen unterdrückt werden, dass sie Frieden finden.
  • Wir beten für unsere Kirche, dass sie weiterhin den Mut hat, den sexuellen Missbrauch durch Priester und kirchliche Mitarbeiter aufzuklären und so das Vertrauen zurückgewinnt.
  • Wir beten für die freien Staaten Europas, dass sie lernen, wie sie sich Autokraten und Kriegstreibern widersetzen – und den Krieg vermeiden.
  • Wir beten für die Menschen, die anderen helfen: in der Medizin, in der Landwirtschaft, in der Bildung, in der Sorge um das nötige Einkommen:
    dass ihre Arbeit Frucht bringt.

Lektor/in: Gott, in der Taufe haben wir deinen Geist empfangen, damit wir deinem Reich des Friedens dienen. Verherrliche durch uns deinen Namen. Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn.

A: Amen.

17.12.24: 33. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung:

Wir feiern Namenstag des hl. Albertus Magnus: Glaubenslehrer und Naturforscher.
Was für ein offener Geist. Die Natur zu erforschen ist keine Konkurrenz zum Glauben an Gott.
Was wir in der Natur entdecken ist ein Teil der guten Schöpfung Gottes, die uns trägt und deren Teil wir sind. Wenn manche Entdeckungen zunächst dem Glauben an Gott zu widersprechen scheinen, liegt es nicht an der Natur.
Vielmehr haben wir die Aufgabe, falsche Glaubensvorstellungen zu verändern und unseren Glauben zu reinigen, und Gottes Größe und Wahrheit noch besser zu erkennen.

Grüßen wir Christus, der uns ruft und der uns das Wort des Lebens verkündet.

Ansprache:

Liebe Schwestern und Brüder
die Versuchung ist groß, einige unserer gegenwärtigen geschichtlichen Geschehnisse aufzuzählen – als Gedankenbrücke zu den Bildern im Evangelium: „Die Sonne wird verfinstert werden und der Mon wird nicht mehr scheinen, die Sterne werden vom Himmel fallen, weil die Kräfte des Himmels sie nicht mehr dort halten.“
Das könnte man noch garnieren mit der Botschaft: Das steht uns bevor, wenn die Menschheit sich nicht ändert.
Damit wäre die Botschaft Jesu im Markusevangelium ins Gegenteil verkehrt: Die geht nämlich genau anders herum:
Wenn wirklich einmal das Universum in sich zusammenstürzt, dann habt keine Angst, denn Menschen aus allen Himmelsrichtungen werden bei Gott zusammengeführt; dann ist die Zeit der Vollendung!

Noch mehr zugespitzt: Egal was passiert – ihr braucht keine Angst haben. Gott ist eure Zukunft!

Das ist schnell gesagt – aber wer es ernst nehmen kann, wer dem Vertrauen schenken kann, dessen ganzes Leben ist davon durchleuchtet:

Mein Leben führt zu Gott hin – und das meiner Nachbarin und meines Kollegen und das meiner Angehörigen und Freunde!

Die größte Sorge ist also nicht, wie mein Leben verläuft,
wie lange es dauert, wann ich krank werde, was ich mir noch leisten kann,

Was auch passiert:
Die größte Sorge ist: wie kann ich gut sein. Wem kann ich gut tun?
Wie kann ich gerecht sein? Wie kann ich wahrhaftig sein?

Denn darauf kommt es an, weil ich ja bei Gott sein werde, dem unendlich Guten, der reinen Wahrheit, der gerecht ist und jedem alles gibt.

Spüren sie liebe Schwestern und Brüder, wie sich das Herz weitet, wenn man sich nicht um sich selber Sorgen macht?

Zugegeben:
Schmerzen sind Schmerzen und man muss sich darum kümmern.
Krankheitssymptome muss man beachten und bei der Ärztin Hilfe suchen.
Die weniger werdende Kraft macht das Leben beschwerlich und engt den Lebenskreis ein.
Wer sparen muss, damit das Geld für den ganzen Monat reicht, hat ein hartes Leben.

Das alles plagt – auch uns, die wir auf Gott hin leben.

Und doch ist es etwas anderes:
Wir sind nicht nur auf uns selbst fixiert,
Wir haben einen anderen Horizont. Unser Horizont ist das Leben Gottes.

Das große Bild vom kosmischen Christus in der Kirche kann uns darauf hinweisen.
Ob es einem mehr oder weniger gefällt, ist eine andere Frage:

Aber es zeigt Christus mit segnenden, weit geöffneten Armen. Er ist im tiefen kosmischen Blau gehalten und die Konturen erinnern daran, dass unser Leben geteilt und gelitten hat.
Er war auf der Erde, er kommt vom Himmel und ihn umgibt der Glanz der Herrlichkeit Gottes. Von ihm her geht sie auf die Erde über!

Himmel und Erde werden vergehen – aber Jesu Wort sind ewig:
Unsere Zukunft ist im Goldenen Glanz der göttlichen Herrlichkeit. Amen.

01.11.23: Hochfest ALlerheiligen

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
Die Allerheiligenlitanei beten wir an besonderen Höhepunkten:
bei der Taufe, an Ostern und auch bei der Priesterweihe.
In unsere persönliche Allerheiligenlitanei dürfen wir natürlich unsere lieben Verstorbenen einbeziehen und um ihre Fürsprache bitten:

Wir glauben ja, dass sie in Gottes Herrlichkeit sind und wir glauben auch, dass sie mit uns verbunden bleiben und dass sie uns wünschen, dass wir den Weg zu Gott gehen, weil wir bei ihm die Vollendung finden.

Christus hat uns in diese Heilsgemeinschaft berufen. Zu ihm rufen wir:

Herr Jesus Christus, du hast uns mit Gott versöhnt.
du hast uns die Botschaft des Lebens verkündet.
du hast uns die Tür zum ewigen Leben geöffnet.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
die wenigsten unter uns würden wahrscheinlich ihre Eltern, und Tanten, die schon verstorben sind als „Heilige“ bezeichnen ‑ obwohl die Lebensbilder beim Vorbereitungsgespräch der Beerdigung fast immer überaus positiv sind.

Warum gelten sie uns dann nicht als Heilige? Weil wir von Menschen, die als „Heilige“ verehrt werden, eine andere Vorstellung haben:

Entweder ihr Glaube war besonders tief – wie der der hl. Theresia von Avila, oder sie waren besonders überzeugende Theologen wie Albertus Magnus, oder sie haben sich besonders um die Armen gekümmert wir der hl. Bruder Konrad von Parzham, oder sie sind als Märtyrer gestorben wie Mater Maximilian Kolbe, oder sie gründeten einen Orden wie der hl. Franz von Assisi ….

Das Leben unserer lieben Verstorbenen erscheint uns dagegen viel zu normal, zu unscheinbar, zu unbedeutend. – Aber sind sie deswegen weniger „heilig“?

Es könnte auch sein, dass wir – aufgrund unserer engen Beziehung – nicht nur um die Vorzüge unserer Verstorbenen wissen, sondern auch um ihre Schwächen – so wie wir auch unsere eigenen Schwächen kennen.
Heilige erscheinen in der Lebensbeschreibung dagegen meistens makellos.
Dabei bezeichneten viele selbst als Sünder – und wahrscheinlich zurecht.

Haben die „Heiligen weniger „Sünden“? Sind ihre Sünden weniger schlimm?

Aber selbst der Apostel Paulus war an der tödlichen Verfolgung von Christen beteiligt – bis zu seiner Bekehrung! So schlimme Sünden haben die meisten unserer Verstorbenen nicht auf sich geladen: können sie uns dann nicht doch als „Heilig“ gelten?

Diese Anfragen werden nichts daran ändern, dass die Katholiken die sogenannten „Heiligen“ für Menschen halten, die von einem Papst nach ihrem Tod sozusagen einen Verdienstorden bekommen. Und wir denken, dass sie sozusagen ohne Umschweife in Gottes Herrlichkeit eingegangen sind.

Nur: Wer in den Himmel kommt, bestimmt nicht ein Papst – sondern allein der Schöpfer des Lebens – also Gott selbst.

Wir können allenfalls einen Unterschied machen, zwischen allen Heiligen und den von der Kirche „heilig“ gesprochenen. Ich möchte keineswegs die Besonderheit dieser kanonisierten Heiligen in Frage stellen. Und ich bin auch der Meinung, dass sie uns Vorbilder sein können.

Aber in einem haben sie uns nichts voraus: Wir sind – nicht weniger als sie – unserem Gott „heilig“.

Und weil wir ihm „heilig“ sind, gibt er uns alles – sich selbst.
Er macht uns zu seinen Erben, wir haben Anteil an seinem Leben,
wir sind ein Teil von ihm.
Er gibt uns, was wir brauchen, um zu leben: Luft und Wasser, Nahrung und alles, was wir brauchen. Noch wichtiger aber: er gibt uns Menschen, die uns Anerkennung schenken und Zuneigung und Menschen, denen wir unsere Liebe schenken können und mögen.

Wir feiern heute das Fest „Aller Heiligen“. Heute sind damit alle gemeint, alle, die Gott heilig sind, die er mit seinem Heiligen Geist beschenkt hat und beschenkt, alle, die über die Zeitgrenze in einer Gebetsgemeinschaft hinweg füreinander eintreten, alle, die Gott ehren und auf ihn hören, alle, die Gott jemals zu sich gerufen hat und rufen wird:

Selig sind sie, die Friedensstifter, die Barmherzigen, die an Gott Glaubenden, die Einfühlsamen, die am Unrecht in der Welt leidenden.

Die Offenbarung spricht von der großen, unzählbaren Schar aus allen Völkern und Sprachen: Sie alle haben Not und Verfolgung und die Last des Lebens durchgestanden und gehören zu Gott, der sie zu sich ruft – ohne Ansehen ihrer Herkunft und ihrer Abstimmung.

Sie alle sind Gott heilig und deshalb rettet er sie und ruft sie zu sich. Amen.

Fürbitten:

Lektorin: Herr, unser Gott, wir sehen den Himmel offen. Wir sehen Christus und alle, die mit ihm den Tod überwunden haben. Wir tragen dir unsere Bitten vor. Gott Ziel unseres Lebens

  • Wir beten für alle, die durch die Taufe geheiligt sind: Lass sie deinem Ruf folgen, dass sie an dich glauben, auf dich hoffen und in deiner Kraft Liebe schenken. Gott Ziel unseres Lebens.
  • Die Kirche des Himmels und die Kirche auf Erden bilden die Gemeinschaft der Heiligen. Höre auf die Gebete so vieler, die füreinander beten und eintreten. Gott Ziel unseres Lebens
  • Du schenkst unseren Verstoreben Herrlichkeit und Vollendung.
    Wir beten für die Armen und Notleidenden – dass sie schon in dieser Welt von ihrer Not befreit werden. Gott Ziel unseres Lebens
  • Du hast uns als dein heiliges Volk erwählt, damit deine Liebe und Menschenfreundlichkeit aus uns strahlt. Wir beten für die Kirche, dass sie ohne Men­schenfurcht für Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde aller Menschen eintritt. Gott Ziel unseres Lebens

Lektorin: Gott, dein Lob wollen wir singen. Durch uns soll die Botschaft vom Heil,  das du schenkst zu allen Menschen kommen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

22.05.2022: 6. Sonntag der Osterzeit

Einführung:
Schön, dass wir wieder zusammengekommen sind.
Schauen sie neben und hinter sich. Grüßen sie einander mit einem freundlichen Blick. Es ist ein großes Geschenk, dass wir den Glauben teilen, dass wir gemeinsam Jesus nachfolgen,
dass wir versuchen in seinem Geist zu leben:
erfüllt von seinem Frieden:

Es ist gut, dass wir da sind,
weil uns das Leben von dem guten Gott geschenkt ist.

Es ist gut, dass wir da sind, in dieser Zeit,
in diesen Lebensumständen. Wir danken Gott für unser Leben:

Herr, du bist das Wort, das alles ins Leben ruft.
Du bist die Kraft, die in uns wirkt.
Du lädst uns ein an deinen Tisch.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
als Jugendlicher ging in der St. Wolfgangskirche in Landshut in die Sonntagsmesse. Im Altarraum vorne war ein wandfüllendes Bild vom himmlischen Jerusalem – so wie es in der Lesung gerade beschrieben wurde. Es ist sehr hell und freundlich und einladend.
In der Mitte ist keine Kirche, kein Dom, kein Tempel, sondern Christus:

Liebe Schwestern und Brüder, daran möchte ich uns erinnern:
Gott braucht keine Wohnung. Gott braucht kein Kirchengebäude, um unter uns Menschen sein zu können. Denn Gott ist überall gegenwärtig.
Wenn wir „Gotteshaus“ sagen, sind wir in Gefahr, ein falsches Bild zu entwickeln: Als ob Gott in der Kirche wohnen würde und nicht „in ihrer Wohnung“.

Gott, ist da, wo Menschen leben, Gott ist da, wo Leben ist,
Gott ist da wo Menschen lieben, Gott ist da wo Liebe ist,
Gott ist da, wo Menschen hoffen, Gott ist da, wo Hoffnung ist.
(Detlev Jöcker)

Das ist großartig! Davon bin ich begeistert!

Zugleich bedeutet das, dass jeder Mensch direkt und unmittelbar mit Gott verbunden ist und sozusagen in seinem Licht lebt. Sie brauchen keine Mittler, um mit Gott in Kontakt zu treten.

Das ist wieder wichtig: im christlichen Glauben gibt es keine Rangordnung in der Nähe zu Gott. Sie dürfen ruhig scherzen und sagen, der Pfarrer wäre zuständig fürs schöne Wetter beim Pfarrfest, weil er einen besonderen Draht zu Gott habe. Aber: Das ist ein Scherz, der sich zurecht über den Anspruch amüsiert, Priester seien wegen ihres Amtes oder ihrer Weihe Gott näher – welch unangemessener Standesdünkel.

Ganz im Gegenteil: Gott schenkt seinen Geist jedem Menschen, jedem Lebendigen – und zwar ganz, nicht in Portionen. Dieser Geist weckt in uns die Sehnsucht nach dem Guten, nach Gerechtigkeit, nach Frieden.
Dieser Geist gibt uns die Kraft, anderen Gutes zu tun, gerecht zu handeln und zu urteilen und den Weg zum Frieden zu gehen.

Liebe Schwestern und Brüder,
das Stichwort „Frieden“ ist in diesen Monaten problematisch. Wir sind Zeugen des Unfriedens und müssen zumindest daran denken, dass die Gewalt auch zu uns vordringen kann. Hoffentlich bleiben wir davor verschont. Hoffentlich aber machen die Menschen der Gewalt in der Ukraine bald ein Ende.

„Frieden hinterlasse ich euch“ sagt Jesus zu den Jüngern.

Was ist dieser Friede, der anders ist als der Friede, den die Welt gibt?

Jesus hatte diesen Frieden in sich. Den Urgrund dieses Friedens hat er oft genannt: „Mein Vater liebt mich und ich habe seine Gebote gehalten, weil ich ihn liebe.“
Wir Jünger Jesu sollen verstehen: Der Vater liebt jeden von uns genauso wie Jesus und wir erwidern seine Liebe, wenn wir seine Gebote halten.

So wohnt der Friede Christi in uns – der stärker ist als aller Unfriede, den Menschen in der Welt anrichten können.

Eines ist klar: Wer diesen Frieden in sich hat, dem ist es unmöglich, einem anderen Menschen absichtlich Schaden zuzufügen.
Dieser Friede drängt danach, Schaden vom anderen fernzuhalten und dem anderen Gutes zu tun, Frieden zu bringen.

In dieser Welt wird es aber immer Menschen geben, die nach Macht und Herrschaft über andere streben, die Gewalt anwenden, um ihre selbst­süchtigen Ziele zu erreichen.
Das ist sehr schwer für die, die sich nach Frieden sehnen.

Die Frage nach Gegenwehr oder Gewaltverzicht ist ein Dilemma, vor dem wir immer wieder stehen: Nicht nur Kriegsparteien, sondern auch in unserem privaten Leben. In jedem Streit stehen wir vor dieser Frage.

Jesus hat für sich entschieden, sich und der Liebe seines Vaters treu zu bleiben: Er stand ein für seine Botschaft und genau deshalb erwiderte er die Feindschaft nicht. Darin liegt sein Sieg. Es braucht viel Mut, um diesen Weg zu gehen. Und den Frieden, der von Gott kommt.

Fürbitten

Lektorin: Guter Gott, in dir ist keine Spaltung. Du bist der Friede und von Dir geht Friede aus.
Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

  • Wir beten für die Menschen in der Ukraine, dass sie den Krieg beenden und den Frieden suchen und dass die Angreifer von ihrem Unrecht ablassen.

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

  • Wir beten für alle Menschen, die unter Krieg leiden und Krieg führen,
    dass sie aufhören einander zu töten.

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

  • Wir beten für alle zerstrittenen Menschen, dass sie versuchen den Streit auch vom Standpunkt des anderen zu sehen und eine gerechte Lösung suchen.

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

  • Wir beten für unsere und für alle christlichen Kirchen: dass wir auf die Stimme des Heiligen Geistes hören und in seiner Kraft das Gute tun.

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

  • Wir beten für die Bischöfe: dass sie hellhörig sind und wahrnehmen und achten, was der Heilige Geist in den Glaubenden wirkt. Wir beten, dass sie nicht glauben, etwas Besonderes und besser zu sein.

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

Priester: Gott, dein Geist wirkt in uns das Leben. Jedem hast du die Gabe verliehen. Wir wollen auf deine Stimme hören und loben dich und preisen dich, weil du mitten unter uns lebst. Amen.

02.01.2022: 2. Sonntag der Weihnachtszeit

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
In der Weihnachtszeit kommen wir oft zusammen und feiern Gottesdienst. Wir feiern Gottes Dienst an uns!
Wir singen ja in dem Lied: Christ ist erschienen, um uns zu dienen.
So wie Jesus es gesagt hat: Ich bin unter euch wie der, der bedient und hat seinen Jüngern die Füße gewaschen.

Als danken wir Gott für seinen Dienst, für seine größte Gabe, das Leben:

Herr, Ursprung des Lebens.
Quelle der Freude.
Ziel unsrer Hoffnung.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
„Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort“. Dieser erste Satz des Johannesevangeliums geht mir leicht ins Gehör. Wie könnte ich ihn nicht auswendig rezitieren können.

Dennoch frage ich mich und sie: „Was können wir über Gott und das Wort sagen und wissen?“

Reden wir über Gott! dann reden wir über den, der uns unzugänglich ist, den auch die vier sogenannten Gottesbeweise des Thomas von Aquin und der des Anselm von Canterbury nur dem beweisen können, der schon an ihn glaubt.

Was können wir über Gott und das Wort sagen und wissen?
Aus menschlicher Perspektive im Grunde nichts. Kein Mensch hat ihn je gesehen, kein Ohr gehört. Trotzdem gehört der Glaube an Gott oder Götter zum Menschen wie die Fähigkeit zu Sprechen oder Bilder zu malen.

Wenn wir über Gott sprechen, sprechen wir also zugleich über uns Menschen. Wir sprechen über das Höchste, das wir Menschen und vorstellen können.

Wir Menschen finden in dieser Erde alles, was wir zum Leben brauchen. Wir empfinden Berge, Gewässer, Pflanzen, Tiere als schön oder auch als ekelig. Nahrung und Wasser, Wärme und Höhlen geben uns Schutz und erhalten uns am Leben. Es gibt so viel davon, dass man sogar dick davon werden kann.

Zugleich lauert überall der Tod: die Kälte, die wilden Tiere, Hitze, Stürme und Fluten, Trockenheit, Krankheiten – wir müssen uns in Acht nehmen.

Was uns nützt, nennen wir gut, was uns schadet, nennen wir böse. Auch in uns ist das Gute und das Böse: wir können anderen viel Gutes tun und wir können ihnen Böses tun.

Wir Menschen haben ein leistungsfähiges Gehirn: Wir beobachten Dinge, wir probieren sie aus, wir untersuchen sie, wir überlegen wie das funktioniert und was es bedeutet und mit diesen Erkenntnissen überleben wir nicht nur, sondern wir gestalten die Welt und bauen sie um.

Wir verbessern unser Leben. Wir wollen nicht frieren und nicht hungern, wir suchen Bequemlichkeit, sogar Luxus und neue Lebensräume ‑ sogar im Weltall.

In all dem wirkt eine Urkraft, die im ganzen Universum wirkt und wir haben Anteil an dieser Kraft, die wir in uns spüren, die wir nützen, die uns antreibt, auf die wir hören.

Diese Kraft, diese Energie, die Neues schafft, die Leben zeugt, drückt sich in dieser Schöpfung aus, sie lebt in dieser Schöpfung, sie ist diese Schöpfung – doch sie ist mehr als diese Schöpfung, weil diese Schöpfung der Ausdruck ihres Seins ist und nicht sie selbst.

Da wir uns nun so weit vorgewagt haben im Nachdenken über uns und das Universum und die Kraft, durch die dieses Universum entsteht und sich entwickelt, wage ich noch einen Schritt:

Wir Menschen erfahren nicht nur unsere Kraft, Neues zu erschaffen.
Wir erleben in uns noch andere Kräfte, die in uns wirken, die unsere Handlungen bestimmen und unsere Beziehungen prägen:
Wir vertrauen und fürchten, wir lieben und hassen, wir hoffen und bangen.

Doch das, was wir selbst geschaffen haben, lieben wir, denn wir haben es uns vorgestellt und gewünscht und es vollbracht.

Wir rächen und wir vergeben, wir befeinden und wir versöhnen,
wir bestrafen und belohnen, wir verachten und haben Erbarmen.

Doch besser wird unser Leben im Vergeben und Versöhnen, im Belohnen und Erbarmen.

Ich kann nicht anders von Gott, dieser ursprünglichen Kraft reden, als dass sie gut ist: aus Liebe drückt sie sich in dieser Schöpfung aus und deshalb kann ich dieser Kraft vertrauen und hoffen, dass sie nicht in Selbstzer­störung endet, sondern immer lebt und Leben wirkt und Erbarmen hat. Und ich hoffe darauf, Gott zu erkennen und wie in ihm Tod und Leben, Gutes und Böses versöhnt sind.

„Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“
Und es wohnt unter uns – heute und immer. Amen.

02.11.21: Allerseelen

Formular II: 1. Lesung: Ijob 19, 1.23–27a – 2. Lesung: Röm 8, 14–23 – Ev: Joh 14, 1–6

Einführung:
ich begrüße ganz herzlich alle, die im vergangenen Jahr einen Menschen das letzte Geleit geben mussten. Sie sind gekommen, um in dieser Messfeier seiner zu Gedenken. Das kann noch ein kleiner Schritt sein, um Abschied zu nehmen, um die Trauer abschließen zu können oder um in der Trauer einen Schritt voran zu kommen.

Wir vertrauen darauf, dass Gott uns das Leben schenkt – so wie unseren Verstorbenen. Wir vertrauen darauf, dass er uns zusammen mit Jesus Christus aufnimmt in sein Licht. Deshalb rufen wir:

Herr Jesus Christus,
du hast als Mensch gelebt wie wir.
Du bist gestorben und wurdest begraben wie wir.
Du bist auferstanden und hast uns die Tür zu Gottes Herrlichkeit geöffnet.

Predigt: Liebe Schwestern und Brüder,
Alle christlichen Konfessionen teilen das große Glaubensbekenntnis. Und da bekennen wir im letzten Abschnitt:

Ich erwarte die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt.

Glaube ich das? Und was stellen wir uns darunter vor?
Und: ist es wichtig, das zu glauben? Wofür ist dieser Glaube gut?

Letztendlich muss jeder diese Fragen für sich beantworten.
Ich kann ihnen meinem Glauben darlegen und versuchen, ihn zu begrün­den. Die Lehre der Kirche dazu kann jede und jeder selbst nachlesen.

Doch die eigene Antwort muss jeder selbst finden.
Die Frage danach, was mit den Toten ist, stellt das Leben, stellt das Sterben, mit dem wir konfrontiert sind, so lange wir leben.

Einerseits erfahren wir: Alles ist vergänglich. Nichts bleibt ewig.
Auf der anderen Seite wissen wir: In diesem Universum geht nichts verloren: Kein Molekül, keine Energie. Es wird umgeformt, verändert – aber nichts verschwindet.

Das ist eine Form der Ewigkeit.

Aber das beantwortet ja nicht die eigentliche Frage:
Dieser uns so vertraute Mensch, den wir begraben mussten:
er hatte seine Erlebnisse, seine Hoffnungen und Freuden, seine seelischen Wunden und seine Kräfte und Stärken und seine Träume und Ideen und Pläne.

Was ist mit ihm? Wo ist er jetzt? Oder gibt es ihn gar nicht mehr?

Gerne antworte ich: Ja, sie lebt.
Sie lebt in der gleichen Weise wie der Ursprung und Schöpfer des Universums. Er hat sie aufgenommen – in sich.

Das Johannesevangelium lässt Jesus sagen: Ich bereite einen Platz für euch vor im Haus meines Vaters.

Natürlich ist das nur ein bildlicher Vergleich aus unserer Erfahrungswelt, um das unsagbare zu sagen. Natürlich lebt Gott nicht in einem Haus mit unendlich vielen Appartements für alle, die jemals auf der Erde gelebt haben.

Ich glaube, dass Gottes Geist in jedem Geschöpf ist. Ich glaube, dass Gott das Leben in uns ist. Ich glaube, dass wir alle ein Teil von Gott sind.
Er umschließt alles und birgt alles. Bei ihm geht nichts verloren.

Die Dankbarkeit, die Hoffnung, das Vertrauen, die Liebe ‑‑ 
Diese Seelenkräfte sind Gottes unvergängliche Kräfte in uns.

Liebe Schwestern und Brüder,
dieses Bewusstsein, dass Gott in uns lebt, dass er das innerste in uns ist,
dass wir ein Teil von ihm sind – so wie die vielen, die schon verstorben sind – verändert uns.

Es wird uns bewusst, dass wir verbunden sind und immer verbunden bleiben: denn Gott ist in uns und wir sind in Gott.
Was wir als das Leben der kommenden Welt bezeichnen ist schon Gegenwart – für uns wie für unsere Verstorbenen.

Und doch hat Gott uns das Geschenk gemacht, dass wir in dieser Welt sein Licht zum Leuchten bringen dürfen. Dass wir diese Welt erfüllen dürfen mit seinem Geist und seiner Liebe. Wir dürfen in diesem Universum Neues erschaffen.- Er macht uns zu Miterschaffern dieser Erde, nicht viel weniger als Gott selbst, der dieses Universum ins Dasein ruft.

Nehmen wir dieses Leben als Geschenk. Wir haben kein Anrecht darauf,
wir haben kein Recht auf ein langes Leben – wir sind beschenkt mit dem Leben, damit wir Anteil haben an Gottes schöpferischer Macht und Liebe.

So wie wir selbst werden auch die Früchte unseres Tuns Teil der ewigen Freude Gottes an seiner Schöpfung. Amen.

Verlesen der Verstorbenen und Anzünden der Kerzen

Läuten der Totenglocke (2 Minuten)

Fürbitten

Pr.: Gott, Ursprung und Quelle des Lebens, wir beten zu dir:

  • Wir beten für die Trauernden, die den Verlust eines geliebten Menschen erlitten haben: dass sie wieder inneren Frieden finden.
    Gott des Lebens:
  • Wir beten für die Menschen, die Trauernde begleiten: dass sie das rechte Gespür haben, dass sie zuhören können und dass es ihnen gelingt, den Blick wieder auf das Leben auszurichten.
    Gott des Lebens:
  • Wir beten für unsere Gesellschaft, in viele Tod und Sterben verdrängen:
    dass wir die Vergänglichkeit des irdischen Daseins annehmen und unser Leben auf das Leben in Gottes Herrlichkeit ausrichten.
    Gott des Lebens:
  • Wir beten für die Kranken, für die Menschen, denen das Leben zur Last geworden ist, für die Menschen, die merken, dass sie bald sterben werden: dass sie Beistand erfahren, dass sie Abschied nehmen können und dass sie Vertrauen haben können, dass sie in dir Gott leben und leben werden. Gott des Lebens:

Pr.: Du Gott bist das Ziel unseres Lebens. In dir ist Frieden und vollkommene Freude. Wir danken dir, dass wir schon jetzt in diesem Licht leben dürfen, bis wir heimkommen zu dir. Amen.

05.11.2017: 31. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder,
Dr. Martin Luther, der unbeugsame und Gott begeisterte Augustiner Mönch hat den Satz geprägt: „Was dir am wichtigsten ist, der Mittelpunkt deines Lebens, das ist eigentlich dein Gott!“

Wer ist eigentlich Gott? Der Schöpfer des Himmels und der Erde, sagen wir. Wir beten ihn an, wir bitten ihn und klagen ihm unsere Nöte, manchmal klagen wir ihn sogar an und machen ihn verantwortlich für das unermessliche Leid in der Welt.

„Ich bin ein großer König, der Herr der Heere, und ich bin gefürchtet bei den Völkern“ so stellt sich Gott im Prophetenwort des Maleachi vor.

Das Wort Luthers macht mich darauf aufmerksam, dass ein Zwiespalt entstehen kann, zwischen dem, wen ich als Gott anspreche – den Gott des Himmels und der Erde  ‑ und dem, was ich in meinem Leben wirklich der Mittelpunkt ist.

Wenn nämlich Gott der ist, der mir das Leben geschenkt hat und uns allen und
wenn er wirklich der ist, zu dem mein Leben hinführt;
wenn es wirklich wahr ist, dass vor ihm unzweifelhaft offenbar wird, was ich in meinem Leben Gutes und Böses getan habe, was wahr war und was falsch:
wenn Gott diese allergrößte Bedeutung hat, weil mein Leben allein von ihm abhängt, dann sollte er auch in meinem Leben in der Mitte stehen.
‑ Dann muss ich alles in meinem Leben auf ihn beziehen und ausrichten: Beruf, Familie, Freunde, Erholung und Ruhe, Arbeit und Vergnügen, Entspannung und Anstrengung, Besitz und Verzicht.

Ist es so? Oder macht mich Luthers Satz aufmerksam, dass ich zwar einen Gott bekenne, wenn ich sage: „Ich glaube an Gott“, dass aber mein Leben deutlich macht, dass ich anderen Dingen nachlaufe und ihnen so viel Bedeutung gebe, als wären sie Gott?

Der Prophet Maleachi klagt die Priester im Jerusalemer Tempel an, dass sie ihren Auftrag verraten haben: ihre Aufgabe war es, den Bund Gottes mit Israel lebendig zu halten und ihm treu zu sein und das Volk in der Treue zu Jahwe zu stärken –

Stattdessen brechen sie selbst den Bund, laufen anderen Göttern nach. Sie tun Unrecht und missachten die Gebote Gottes durch Ehebruch und Ausbeutung der Armen.  Fatal und das schlimmste daran ist: Ihr falsches Handeln verleitet die Israeliten dem Bund mit Jahwe untreu zu werden.

Dasselbe wirft Jesus den Schriftgelehrten vor: Sie verschließen den Menschen das Himmelreich, anstatt ihnen voranzugehen. Sie bauen Barrieren auf zwischen Gott und Mensch, anstatt die Menschen anzuleiten, dass sie auf Gottes Treue bauen können.

Und ich? Und wir? Wie ist es mit uns?
Bemühen wir uns gut zu sein und auf Gott zu hören ‑
oder stellen wir uns selbst an die erste Stelle?

Tue ich was richtig ist – oder was leichter ist?

Ist das Ziel meines Handelns der andere Mensch – oder ich selbst:
meine Bequemlichkeit, mein Einkommen,
und die Verteidigung meiner Stellung und Position?

Mache ich mich selbst zum Mittelpunkt oder stelle ich Gott in den Mittelpunkt meines Lebens?

Schwestern und Brüder, gerade die im Namen Gottes zu reden beauftragt sind, stehen in größter Gefahr und Versuchung, statt Gottes Treue zu verkünden und Gott zu dienen ihre eigene Macht und ihren Einfluss zu verteidigen und zu mehren. Natürlich erliegen wir Priester und die Bischöfe immer wieder dieser Gefahr. Das ist umso schlimmer als wir dadurch unseren Auftrag ins Gegenteilverkehren.

Deshalb sagt Jesus zu den Menschen: Geht selbst euren Weg. Alle haben Gott zum Vater. Nur einer ist euer Vater. Es gibt nur einen und ihr könnt und sollt selbst auf ihn hören.

Diese Erkenntnis, dass jeder Mensch Gott zum Vater hat, weil es nur einen gibt, sollen die Jünger Jesu überall und immer verkünden in Wort und Tat. Wir alle.

28. Juni 2015: 13. Sonntag im Jahreskreis

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Lieben Schwestern und Brüder,
Was sind die dichtesten Szenen in diesen beiden miteinander verwobenen Wundererzählungen des Markusevangeliums?

Worauf kommt es dem Evangelisten an, wenn er solche Geschichten erzählt?

Die Vorgänge die erzählt werden, sind spektakulär:

Kaum verlässt Jesus das Boot schart sich eine Menschenmenge um ihn – die Menschen drängten sich um ihn.
Eine Frau, die aussichtslos unter Blutungen leidet, findet Heilung!
Ein Mädchen, um das schon die Totenklage gesungen wird, erwacht zum Leben.

Am Ende sagt Jesus: Niemand dürfe etwas davon erfahren!
Das kann ja gar nicht sein – das so etwas nicht erzählt und verbreitet wird!

Im Markusevangelium begegnet uns immer wieder dieses seltsame Schweigegebot, das natürlich unbeachtet bleibt, so dass sich der Ruf Jesu wie ein Lauffeuer verbreitet.
Genau das möchte der Evangelist vermitteln: Die Botschaft von Jesus kann nicht verborgen bleiben!

Was sind nun die entscheidenden Worte in diesen beiden Geschichten?

Die Frau sagte Jesus die ganze Wahrheit. Er aber sagte zu ihr: „Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!“

Zu dem Synagogenvorsteher sagte Jesus: „Sei ohne Furcht; glaube nur!“ Und zu dem Mädchen sagte er: „Steh auf!“

Liebe Schwestern und Brüder,
das Markusevangelium verkündet Jesus nicht als Wunderheiler mit besonders herausragenden Kräften –
Die Botschaft des Markus ist: Glaubt an Jesus, dem Sohn Gottes

Dein Glaube hat Dir geholfen, glaube nur – darauf kommt es an!
Und darauf, was der Glaube bewirkt: „Geh in Frieden!“ sagt Jesus zu der Frau und das Mädchen steht lebendig auf und geht umher.

Frieden und Leben – schenkt Jesus dem, der ihm glaubt und der an ihn glaubt!

Glaubt an Jesus! – Was heißt „an Jesus glauben“?

An Jesus glauben heißt, der Frohbotschaft glauben, die er verkündet:

„Das Reich Gottes ist euch nahe!“ Gott ist euch nahe!
Ihr seid nicht verloren, ihr gehört nicht dem Tod, dem Feuer, der Grube,
Fürchtet euch nicht vor dem Tod!

Denn ihr gehört zu Gott, dem lebendigen.
In ihm findet ihr den Frieden und das Leben!

Euer Leben hat in Gott seinen Ursprung und auch sein Ziel!
Glaubt und habt Vertrauen in den Ursprung des Lebens.

10. Mai 2015: 6. Ostersonntag

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Liebe Schwestern und Brüder,
bei den Ereignissen in Cäsarea gerät ja alles durcheinander:
Petrus geht in das Haus eines Heiden – und es ist eine Heide, auch wenn der zu JHWE, dem Gott der Juden betet und an ihn glaubt.

Petrus verkündigt die Botschaft von Jesus, in dem Gottes Geist und Kraft wirksam war – und da kam der Heilige Geist auf die Leute herab und sie waren verzückt von der Botschaft der Auferstehung und des ewigen Lebens – Sie empfingen den Heiligen Geist, ohne getauft zu sein.

Petrus beeilte sich aber dann und ordnete an, dass diese Leute sogleich getauft werden.

So aber hat auch Petrus die Brücke zu den Völkern geschlagen:
Durch Gottes Wirken ist ihm klar geworden: Jesus ist nicht nur der Retter, der Messias für Israel und die Juden. Jesus lebte, um allen Menschen das Heil zu bringen, den Frieden mit Gott und den Frieden untereinander.

Welch ein Glück, dass die Apostel und die urchristliche Gemeinde dies eingesehen haben: so kam das Evangelium letztendlich zu uns – die frohe Botschaft, die froh machende Botschaft.

Unser Glaube ist wirklich einmalig in der Welt: Welche andere Religion lehrt: Gott ist die Liebe! Gott hat seine Liebe zu uns geoffenbart in Jesus Christus. Er lebte unter uns und er gab uns das Gebot der Liebe, damit unsere Freude vollkommen wird! Er, den Gott gesandt hat, nennt uns Freunde – nicht Knechte!

Liebe Schwestern und Brüder, wir dürfen uns als Freunde Gottes fühlen – kann es größeres geben?

Gott ist die Liebe! Lassen sie uns diesen Satz betrachten:

Wenn Menschen lieben, empfinden sie große Zuneigung zum anderen;
wer liebt, ist bereit, für den anderen durchs Feuer zu gehen;
Liebe lässt neues Leben entstehen:
Wer liebt tut dem anderen gutes und gönnt ihm alles;
Wer liebt verzeiht den anderen – was immer es auch sei!
Wer liebt, sucht die Nähe des anderen und freut sich, wenn es dem anderen gut geht.

Das alles erfahren wir in der menschlichen Liebe.
An all das denken wir, wenn wir bekennen: „Gott ist die Liebe!“

Dieses Bekenntnis, diese Entdeckung des Glaubens,
diese Erleuchtung wird uns zuteil durch Jesus Christus, der uns zuruft:
„Bleibt in meiner Liebe!“

Gott ist die Liebe ist – der Hass, die Feindschaft sind nicht Gott.

Der Hass wünscht dem anderen Böses und will dem anderen Böses tun.
Wer hasst, gönnt dem anderen nichts Gutes und wird dem anderen zum Feind. Er freut sich, wenn es dem anderen schlecht geht und würde alles Mögliche tun, um dem anderen Schaden zuzufügen.

Da Gott aber die Liebe ist, setzen wir selbst ganz und gar auf die Liebe:
Aus Liebe hat Gott dieses Universum erschaffen und alles, was in ihr ist.
Er hat Freude daran zu sehen, welche Vielfalt sich in ihm findet. Gott hat Freude daran, dass es Leben gibt auf der Erde und er hat Freude daran, wenn es dem Menschen gut geht.

Und darum lieben auch wir diese Schöpfung und das Universum.
Wir versuchen es immer besser zu verstehen, weil wir darin auch die Größe des Schöpfers immer besser erkennen.

Schwestern und Brüder, vor allem uns zuerst dürfen wir Christen – so wie Gott selbst – die Schöpfung lieben, uns an ihr freuen.

Wir verschließen die Augen nicht davor,
dass es viel Böses gibt, auf der Erde,
wir übersehen nicht, dass Tod und Vergehen zu dieser Welt gehören.

Doch glauben wir, dass die Liebe von Gott kommt:
Die Liebe, die Leben zeugt, die sich am Leben freut, wird sich als göttlich bewähren,
und deshalb bleiben wir „Freunde des Lebens!“

Gott ist der Freund des Lebens und er ist die Liebe!
Dies lässt unsere Freude am Leben und an allem Schönen in der Welt vollkommen werden.