15.03.26: 4. Fastensonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder
Wir geben diesen Sonntag dii Überschrift: „Sonntag der Versöhnung“. Nicht, weil sie alle zerstritten wären, nicht, weil wir so schlimme Sünder sind, sondern weil wir uns über diesen kostbaren Schatz bewusst werden: dass uns durch Jesus Versöhnung geschenkt wurde.

Er zeigt uns, dass Gottes Liebe immer größer ist ‑
größer als alles Glück und Leid dieser Erde.
So sehr wir Menschen auch aneinander schuldig werden können und uns gegenseitig Liebe schuldig bleiben:
Gottes Liebe ist größer.

Grüßen wir Christus, der uns Versöhnung gebracht hat:

Es ist heute eher anders herum: Gott sitzt auf der Anklagebank:
Hätte er nicht eine bessere Welt, ein besseres Universum erschaffen können? Müsste er nicht eingreifen, wenn die Herrscher dieser Welt Kriege beginnen und Tausende und abertausende Menschen in den Tod schicken?

Wir zweifeln an Gott: an seiner Liebe, an seiner Kraft, an seiner Macht.

Tatsächlich aber sind wir gefordert, die 10 Gebote zu halten, damit wir mit Gott verbunden bleiben und niemandem Unrecht tun und dem Neid und der Missgunst keinen Raum geben.

Denkwürdig ist, was Jesus über den Blindgeborenen sagt:

Seine Behinderung hat nichts mit Sünde zu tun – sondern, an ihm soll sichtbar werden, dass er vor Gott genauso wertvoll ist, wie jeder andere.

Am Ende sagt der Gelähmte: „Ich glaube“. Er hat das Sehen gelernt – nicht nur mit den Augen: Er glaubt an den Menschensohn, an Jesus. Er glaubt ihm, dass er selbst für Gott wertvoll ist. Er sieht, dass wir Men­schenkinder auf der Welt sind, damit wir einander zeigen, dass wir wertvoll sind.

Liebe Schwestern und Brüder, so rechtschaffen wir alle – glaube ich – sind:
Wir tun gut daran, dass wir uns immer wieder bewusst machen und einsehen, dass unsere Liebe noch wachsen kann; dass unsere Liebe noch Grenzen überschreiten kann: unsere Liebe zu Gott, unser Glauben an Gottes Liebe und die Liebe zu unseren Mitmenschen.

Darum laden wir sie heute ein, einen symbolischen Ritus zu vollziehen:

Wenn ich das Segensgebet gesprochen habe, können sie nach vorne kommen und entweder ein Kreuzzeichen mit dem Wasser machen als Zeichen dafür, dass wir zu Gott gehören und an Jesus glauben.
Sie können sich aber auch mit den vom Wasser benetzten Fingern über die Augen streichen und sich bewusst werden, dass Gott uns öffnen will, dass wir sein Wirken in den Menschen und in der Welt erkennen.

Segnung des Wassers

Gott, himmlischer Vater,
Jesus, unser Erlöser, hat uns die Frohe Botschaft verkündet.
Wir sind deine Kinder. Nichts kann uns von Dir trennen:
Keine Krankheit, kein Unglück, kein Ruhm und keine Glückseligkeit und auch nicht unser Mangel an Liebe und Vertrauen. Deine Liebe ist größer!

Der Blindgeborene wusch sich mit dem Wasser aus dem Teich Schilóach die Augen und konnte wieder sehen.

Wir bitten dich:
Segne + alle, die ihre Hände in dieses Wasser tauchen und damit das Kreuz über sich zeichnen.

Öffne ihre Seele, damit sie sehen, wie deine Liebe in den Mit­men­schen wirkt und wie sie anderen Liebe schenken können.

Stärke in ihnen den Glauben an deine immer größere Liebe und vergib ihnen alles, was sie anderen an Liebe schuldig geblieben sind.

04.05.2017: Pfingsten

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder!
„Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.“ So beginnt die Bibel. Schon im ersten Satz der Bibel ist vom Geist Gottes die Rede – hebräisch: RUAH JAHWE – und übrigens: weiblich. – Das nur nebenbei!

Der Geist eines Menschen, das ist nicht irgendetwas von ihm.
Der Geist ist das Zentrum der Persönlichkeit, sein Wesen:
Ob jemand freundlich ist, wohlwollend, zuvorkommend, klug, mutig, schüchtern, interessiert oder gleichgültig – dies alles und mehr bildet zusammen den Geist eines Menschen.

Beim Geist Gottes ist es nicht anders! Der Geist Gottes, das ist nicht irgendein mehr oder weniger wichtiges Teil, sondern das ist das Wesen Gottes: Gottes Geist, Gott war über allem und er ist über allem und in allem.

Weil Gottes Geist der Anfang von allem ist, deshalb kann die Schöpfung ihn erkennen. Gottes Geist führt uns zur Erkenntnis, dass Gott der Ursprung von allem ist, die Quelle des Lebens.
Dieses Erkennen Gottes ist ein Vorgang der Verinnerlichung: Wir erkennen nicht einen Sachverhalt, sondern ein Du, das Du Gottes.
Diese Erkenntnis unterscheidet sich grundlegend vom Erkennen der Dinge und Naturgesetze. Da bleiben wir auf Distanz zum erkannten Gegenstand. Der immer etwas anderes bleibt als wir selbst und von uns getrennt.

Wenn wir einen Menschen, eine Persönlichkeit, wenn wir Gott erkennen, schwindet die Distanz; es entsteht immer größere Nähe, so dass wir sagen können: Du bist in mir und ich bin in dir.

Diese Art des Erkennen heißt Glauben: Wenn wir an Gott glauben, an einen Menschen glauben, geht es um vielmehr als um: „Vielleicht“ und „es könnte sein“, „vermutlich“.

Wenn wir einander erkennen, lernen wir einander zu verstehen, wir lernen Gott zu verstehen und wir werden ihm dabei immer ähnlicher.

Je mehr wir Gott erkennen, desto stärker wirkt Gottes Geist in uns.
Der Geist, der Leben in die Schöpfung bringt.

Liebe Schwestern und Brüder,
das ist ein sehr wichtiger Aspekt des Pfingstfestes:
Wir feiern dankbar, dass wir Gottes Geist empfangen haben.
Er hat in uns den Glauben erweckt;
Er verbindet uns miteinander und lässt uns zu einer Einheit aus vielen Verschiedenen werden, die alle diese Einheit bereichern.

Der Geist Gottes, den wir empfangen haben, drängt uns,
Gottes Liebe bekannt zu machen,
Jesus Christus zu verkünden und seine Auferstehung, durch die wir gerettet sind;
Dieser Geist drängt uns, Versöhnung zu wirken, die alle Sünden der Menschen überbietet und alle Verletzungen heilt, die wir Menschen einander antun.

Der Geist Gottes weckt in den Menschen immer wieder den Glauben,
das Vertrauen in Gottes Liebe und in die größere Kraft der Liebe gegenüber Neid, Missgunst und Hass.

Den Geist Gottes haben wir empfangen, damit wir Gottes Heil in uns haben und zu den Menschen bringen.