02.08.26: 18 Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
Wenn jeder gibt, was er hat, dann werden alle satt.
Dies gilt ganz sicher, wenn wir an den Hunger in der Welt denken – niemand müsste verhungern, denn die Nahrungsmittel würden für alle
8,3 Milliarden Menschen reichen.

Wenn jeder gibt, was er hat, dann werden alle satt:
das gilt ganz sicher auch für die geistigen Dinge,
die jeder zum Leben braucht:
Liebe, Anerkennung, Glaube und Vertrauen:

Herr Jesus Christus, du teilst unser Leben mit uns;
Du teilst dein Leben und deine Liebe mit uns.
Du sendest uns, dass wir den Hunger stillen

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Stehen Eheleute nicht manchmal vor der Frage, ob es noch Sinn macht, um die Liebe zu kämpfen? Menschen, die in Vereinen und Gremien, im Stadtrat, in den Parlamenten und Regierungen Widerspruch, Ärger und Anfeindungen erleben und sehen, wie manche von ihren Kollegen fertig gemacht werden – überlegen ganz gewiss manchmal, ob sie sich zurückziehen sollten.

Als die ersten Christen von Zweifeln geplagt wurden, erinnerten sie sich an Jesus – der ebenfalls eine Entscheidung treffen musste: Herodes hatte Johannes, den Täufer, töten lassen – weil er ihm unnachgiebig seinen Ehebruch vorhielt.

Die Jünger des Johannes berichteten Jesus davon. Jesus will sich daraufhin zurückziehen: will er in Ruhe um Johannes trauern? Überlegt er, ob er aufhören soll, dass Himmelreich zu verkünden? Wenn er jetzt aufhören würde – wären seine Auseinandersetzungen mit den Schriftge­lehrten und Pharisäern bald vergessen und er würde ein friedliches Leben führen.

Wie seine Geschichte weitergeht erzählt das Evangelium: Die Menschen laufen ihm nach. Sie lassen ihn nicht allein. Mt erzählt vom Mitleid Jesu mit den Kranken und heilte sie. Er baut also weiter am Himmelreich.

Dann erzählt das Evangelium die Speisung der 5000 Menschen zuzüglich Frauen und Kinder mittels zwei Fischen und fünf Broten. Für wen ist diese Geschichte geschrieben?

Für die Christen der ersten Generation, die gerade erlebten, wie man sie aus den Synagogen ausschloss, weil sie an Jesus, den Gekreuzigten glaubten und seine Auferstehung verkündeten: Familienangehörige brachen den Kontakt mit ihnen ab. Sie wurden am Markt nicht mehr zur Arbeit angeworben. Es gab erste Verfolgungen, Auspeitschungen und schlimmeres

Wie die Gleichnisse vom Sauerteig und vom Senfkorn will auch diese Geschichte Mut machen, motivieren, Hoffnung wecken, bestärken.

Die Logik ist ungefähr so:

Jesus wurde ebenfalls angefeindet – aber er ist nicht davongelaufen. Er hat der Versuchung widerstanden. Er hatte Mitleid mit den Menschen, die sich verlassen fühlten; ausweglos in der Römerdiktatur gefangen.
Die Synagogen waren kein Ort der Hoffnung, sondern der Vertröstung.

Die Not und der Zweifel der Christen äußern sich in der Aufforderung an Jesus: „Schick die Leute weg, dass sie sich etwas zu essen kaufen. Schon lange haben sie Hunger. Jetzt ist es Zeit, sie gehen zu lassen“.

Jesus antwortet: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Der Hinweis der Jünger auf die fünf Brote und zwei Fische dokumentieren die Hilflosigkeit: „Wir haben kaum genug für uns selbst.“

Manche Christen waren am Aufgeben: ihr Glauben fing an zu zerbröseln, die Widerstände waren scheinbar groß und die Kräfte zu gering.

Das Evangelium wagt ein großes Versprechen:
„Jesus nimmt das Wenige, das kaum genügt, dankt Gott dafür, gibt es seinen Jüngern – und siehe da: 5000 + Frauen und Kinder werden satt.“

Das Evangelium sagt: Macht es wie Jesus. Haltet fest am Glauben an das Himmelreich. Teilt miteinander: eure Hoffnung – euer Vertrauen – euer Brot und auch den Fisch – also das mehr ist als das Notwendige. Ich werdet sehen, was passiert. Jesus dankt Gott dafür und es wird wachsen.

Liebe Schwestern und Brüder, es ist nicht schwer, dies ins Hier und Heute zu aktualisieren: Menschen wenden sich von uns als Gemeinde ab, mancherorts werden Kirchen beschmiert und Exkremente zurückgelassen;
in unseren Gottesdiensten geht es fad her. Begeisterung sieht anders aus.
Hat der Glaube an Jesus noch Zukunft? Trägt er noch?

Ich höre das Evangelium: Ihr müsst euch nicht schämen. Auch Jesus hat gezweifelt. Aber sein Mitleid und sein Vertrauen waren größer. Haltet an ihm fest – ihr werdet es erleben, dass viele, viele Menschen durch euch lernen, an Gottes Liebe zu glauben.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Gott, unser himmlischer Vater gibt uns, was wir selbst uns nicht geben können: das Leben jetzt und das Leben in seiner Herrlichkeit. Darum beten wir:

  • Wir beten für die Menschen, die sich nach Sinn in ihrem Leben sehnen. Dass sie empfangen, was sie suchen: etwas wofür sie leben wollen und können. ‑ Gott, unser Vater!

Antwortruf: Wir bitten dich, erhöre uns!

  • Vielen Menschen leiden unter Gewalt und Terror, viele fliehen davor: Wir beten, dass sie Helfer und Beschützer finden – Gott, unser Vater!
  • Wir beten für die Menschen, die in Kirche und Religion Verantwortung tragen. Dass sie den Menschen geben, was sie von dir empfangen haben: Frieden und Trost. – Gott, unser Vater!
  • Wir beten für die Frauen und Männer, die das Gefühl haben, übersehen zu werden und meinen, dass geflüchtete Menschen mehr Aufmerksam­keit bekommen. Wir beten, dass auch sie gehört und beachtet werden. ‑ Gott, unser Vater!
  • Wir beten für die gesamte Menschheitsfamilie: dass wir lernen, dass wir alle aufeinander angewiesen sind und miteinander verbunden sind.

Lektor/in: Darum bitten wir, durch deinen Sohn Christus Jesus, unseren Herrn und Bruder. Amen.

26.07.26: 17. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder,
Was sind Christen für Leute?

Christen sind Leute mit Zuversicht:
Sie nehmen sich Jesus als Vorbild und versuchen so zu leben, wie er an ihrer Stelle leben würde. Dabei haben sie die Zuversicht und das Vertrauen, dass sie tatsächlich das Himmelreich mitten auf dieser Erde aufbauen können.

Diese Zuversicht ist eine gute Vorbeugung gegen Bitterkeit und Verbitterung durch alle möglichen schlimmen Ereignisse.

Nichts auf der Welt kann uns nämlich daran hindern, so zu leben und zu handeln, wie Jesus an unserer Stelle handeln würde.
Aus Liebe zu Gott und zum Mitmenschen.

Jesus, du bist unser Vorbild.

Dein Geist treibt uns an, aus Liebe zu handeln.

Du schenkst uns Mut und Zuversicht

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
„Das Himmelreich ist mitten unter euch!“ es ist nicht künftig oder vergangen, es ist nicht links oder rechts: Sondern mitten unter euch!

Ich muss das betonen, bevor ich ihnen Gedanken vortrage, warum und wie diese Gleichnisse für uns heute froh machende Botschaft sind:

Das Himmelreich ist da, wo Menschen einander zuhören, miteinander teilen, einander verzeihen, Frieden halten, einander beistehen statt übereinander zu herrschen. Das Himmelreich ist, wo der als der Größte gilt, der der Diener aller ist.

Allen Menschen steht dies offen. Keiner wird ausgeschlossen. Das einzige notwendige ist: daran glauben und danach handeln, was Jesus verkündet hat.

Die beiden Gleichnisse vom Schatz in Acker und von der Perle sagen ganz klar: Das Himmelreich betritt man, in dem man dafür alles einsetzt: alles, was man hat. Alles. Sein gesamtes Vermögen. Denn wie kann man, wenn man das Himmelreich sucht, die Not eines Mitmenschen sehen und gleichzeitig um seinen Wohlstand besorgt sein.

Das dritte Gleichnis könnte uns gleich noch mehr in Besorgnis bringen:
Es spricht von der Erfahrung, dass unter denen, die an Christus glauben auch solche sind, die überhaupt nicht so leben. Die weiterhin egoistisch leben, über andere urteilen, sich Vorteile auf Kosten anderer verschaffen.

So sehr ich daran glaube, dass Gott mit jedem seiner Geschöpfe Erbarmen hat und Schuld verzeiht, ebenso sehr glaube ich, dass das Unrecht, das wir tun, dann als solches sichtbar wird und das Gute ebenso.

Alle werden es anerkennen: gerade von sich selbst: Ich wusste nicht, wie viel mehr Liebe ich hätte schenken können. So wird das Geständnis lauten.
Diese Einsicht bewegt uns dazu, täglich zu üben, dass unsere Liebe noch größer wird. Um am Ziel unseres Lebens zu erfahren, dass Gottes Liebe noch viel größer ist als unser Mangel an Liebe.

Das ist die frohe Botschaft: das Himmelreich könnt ihr aufbauen und es ist größer und bringt mehr Glück als Macht, Ruhm und Besitz.

Im Himmelreich wird nur die Liebe zählen.
Vor Gott sind wir reich durch das, was wir verschenken,
nicht durch das wir anhäufen.

Das Evangelium beschließt die Reihe von Vergleichsgeschichten über das Himmelreich mit dem Wort vom Schriftgelehrten, der „ein Jünger des Himmelreiches geworden ist“. Er sei wie ein Hausherr, der aus seinem Schatz Altes und Neues hervorholt.

Dieser Satz erinnert mich daran, was Jesus zu Beginn seines öffentlichen Wirkens sagt: Ich bin nicht gekommen, um das Gesetz aufzulösen, sondern um es zu erfüllen.

Es geht nicht um weniger Gesetze. Es geht um mehr Liebe!

Das Geheimnis des Himmelreiches ist nämlich, dass man es sich nicht verdienen kann, sondern dass man es aufbaut – durch sein eigenes Leben.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Gott, du hast uns deinen Geist geschenkt, der uns lehrt, worum wir beten sollen. Wir beten zu dir:

Heiliger, dreieiniger Gott –          L/A: Schenke Geist und Leben

  • Schenke den Regierenden in aller Welt ein hörendes Herz, damit sie das Gute erkennen und dafür sorgen.
    Heiliger, dreieiniger Gott:
  • Wir beten für alle Getauften: dass sie an das Himmelreich glauben und es mitten in dieser Welt aufbauen.
    Heiliger, dreieiniger Gott:
  • Wir beten für die Ordensangehörigen, die ganz auf persönliches Eigentum verzichten: dass sie in ihren Gemeinschaften die Freude des Himmelreiches erleben. Heiliger, dreieiniger Gott:
  • Wir beten für unsere Pfarrei und für unser Bistum:
    dass wir unsere Mitmenschen in den Mittelpunkt unseres Tuns stellen. Heiliger, dreieiniger Gott:
  • Wir beten für die Menschen in aller Welt: besonders im Sudan, in Indien, in China und Taiwan, in Israel und Palästina, in der Ukraine und in Russland: dass der Wille zum Frieden den Krieg überwindet. Heiliger, dreieiniger Gott:

Lektor/in: Gott, der du uns liebst, wie ein Vater und eine Mutter, wir danken dir, dass du uns die Augen geöffnet hast für das Himmelreich, das wir mitten unter uns aufbauen können – im Geist Jesu Christi, unseres Herrn. Amen.

19.07.2026: 16. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung:
Begrüße die Ehejubilare

Miteinander Gott danken

Für das Geschenk, das sie füreinander sind:
Menschen, die einander begleiten und stützen und halten
die einander Zuneigung und Wohlwollen schenken
und auch Bewunderung und Anerkennung.

Dies alles ist wie ein Same, den Sie in ihrem Leben aussäen und der auf vielfältige Weise fruchtbar geworden ist:

Zum Beispiel und vor allem in Kindern und Enkelkindern.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
woran haben Sie gedacht, als sie gerade das Wort „Himmelreich“ gehört haben? An den Himmel, in den wir alle einmal kommen wollen?
Oder an das Leben – hier, in der Pfarrei St. Anton in der vergangenen Woche?

Jesus hat verkündet: „Das Reich Gottes ist euch nahe!“ oder mit den Worten des Lukasevangeliums: „Das Himmelreich ist mitten unter euch!“

Dabei sprach er nicht vom sogenannten „jüngsten Tag“, sondern von heute und morgen – von der Gegenwart.

Wer – wie Jesus – verkündet, dass das Himmelreich jetzt da ist, muss mit Gegenfragen rechnen: Besonders ernst ist diese:

Warum gibt es dann soviel Gewalt, Krieg und Unfrieden und Ungerechtigkeit und Boshaftigkeit – und das genauso bei denen, die Jesus nachfolgen. Vielleicht haben sie sich auch schon gefragt: Wie kann ein Mensch, der das Evangelium verkündet, sich so verhalten?
Oder auch – auf sich selbst bezogen:

Seit eh und je hören wir das Evangelium,
wir lassen uns ermutigen, an die Liebe und ihre Kraft zu glauben und aus Liebe zu handeln – und dann verhalten wir uns doch wieder ganz anders:

sind auf den eigenen Vorteil bedacht – können nicht verzeihen –
sind hart und unbarmherzig.

Das Evangelium antwortet darauf: Der Feind ist daran schuld!
Es stimmt: so sehr wir auch auf Jesus hören: Es gibt beides in uns. –

Woher Neid und Missgunst in uns kommen?
Wir haben jedenfalls die Begabung und die Aufgabe, das Raubtier in uns zu bändigen.

Aber eines ist gewiss: wenn wir nicht mehr auf dieser Erde leben und bei Gott sind, werden Egoismus und Zorn und Neid uns nicht mehr plagen. Wir werden nicht mehr Angst haben, zu kurz zu kommen.

Liebe Schwestern und Brüder, es ist aber eine betrübliche Lebenserfahrung, dass wir kaum fähig sind, immer aus Vertrauen und Liebe zu handeln. Das könnte uns den Mut rauben und uns am Glauben zweifeln lassen:

Die nächsten beiden Gleichnisse machen uns dagegen Mut:

Wir erleben es ja am eigenen Leib:
Es ist so schön und befreiend, wenn wir erleben, wie Menschen zuvorkommend sind und nachsichtig, wenn man großzügig ist und dem anderen nichts vorspielt. Diese Haltung breitet sich aus und auch die Sehnsucht danach. Es werden immer mehr, die Freude an diesem Leben haben: Das klitzekleine Senfkorn wird zu einem großen Strauch.

Und drittens: Auch das durften wir schon erleben:

Manchmal bringt eine Kleinigkeit und einen richtig großen Prozess in Gang:
Da ist ein Mensch, der sich nicht vom gegenseitigen Misstrauen und Missgunst anstecken lässt, sondern dem anderen etwas gönnt und ihm Anerkennung schenkt.

Das kann ansteckend wirken:
erst recht, wenn es nicht nur einer ist, sondern ein paar.

Das kann das ganze Klima unter den Menschen zum Positiven ändern:

Ich habe das in unserem Bistum erlebt, als Bischof Manfred Müller in den 70er Jahren bei uns Bischof wurde, der seinen Mitarbeitern etwas zugetraut hat und ihnen vertraute. Dadurch wuchsen im ganzen Bistum Vertrauen und Verbundenheit.

Entscheidend ist nur – wie beim Sauerteig:
Jemand muss aktiviert, also begeistert sein; jemand muss anfangen;
wahrscheinlich ich und sie?!

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Gott, unser Vater, du bist bei uns – jeden Tag und zu jeder Zeit. Voll Vertrauen beten wir:

Christus, höre uns A: Christus, erhöre uns

  • Für die Christenheit: dass sie zur Einheit im Sakrament der Eucharistie zurückfindet.
  • Für Leo den Bischof von Rom, unseren Bischof Rudolf: dass durch sie allen Menschen deine Güte bekannt wird.
  • Für die Regierenden dieser Erde: dass sie auf deinen Geist hören und den Frieden suchen und das Recht jedes einzelnen Volkes achten.
  • Für alle, die an Christus glauben: dass ihre Gerechtigkeit und Güte zum Vorbild für andere wird.
  • Für die Kindern, Frauen und Männer in unserer Stadt: segne sie: Bewahre uns vor Unglück, Krieg und Not, erhalte uns im Glauben und stärke unter uns den Geist echter Gemeinschaft.
  • Wir beten für unsere Verstorbenen: dass sie Gäste sind an deinem himmlischen Hochzeitsmahl.

Lektor/in: Gott, du schaust voll Güte auf dein Volk und leitest es durch deinen Heiligen Geist. Wir ehren dich und danken dir heute und in Ewigkeit. Amen.

23.07.23: 16. Sonntag im Jahreskreis

Einführung:
Gott beweist seine Stärke in dem er alles schont und milde richtet. Der Gerechte muss menschenfreundlich sein. Das hören wir in der Lesung.

Und noch besser: Gott schenkt uns die Hoffnung, dass er den Sündern Umkehr gewährt.

Für Gott ist niemand ein für alle mal verloren.
Es ist nie zu spät, um damit zu beginnen, ein guter Mensch zu werden.
Gott urteilt nicht ab, sondern er richtet gerade, was krumm ist und er richtet auf, was gebeugt ist.

Lasst uns Gott loben und preisen.

Ansprache:

„XXX regiert die Welt“ – Sie haben sicherlich das zutreffende Wort sofort gedacht. Aber wer regiert die Welt? Oder auch: wer sollte die Welt regieren? – Jetzt sind Sie an der Reihe: Was denken Sie?

Eine Weltregierung gibt es zum Glück nicht. Der Weltsicherheitsrat der UNO ist es jedenfalls nicht.

Soll eine Partei regieren, ein Regierungschef mit seinen Ministern, ein König, eine Partei – für eine begrenzte Zeit oder unbegrenzt? Alles hat seine Vor- und Nachteile!

Wer sollte diese Welt regieren?

Jesus sagt: „Kehrt um, denn die Königsherrschaft des Himmels (Gottes) ist nahe!“ Gott soll die Welt regieren! Das ist kein Appell an Gott, sondern an die Menschen in der Welt.

Die Herrschaft Gottes, das Himmelreich, ist das Ideal!
Also nicht das Geld, nicht eine politische Partei, nicht ein König oder ein Staatschef sollte mich regieren.

Es ist aber nicht so einfach: Denn Gott hat keinen Regierungssitz und keinen Beamtenstab. Gott unterhält keine Polizei, um die gesetzliche Ordnung zu gewährleisten und kein Militär zur Verteidigung oder gar zur Ausbreitung seines Reiches.

Gott hat nur eine Möglichkeit, zu regieren: Er spricht uns Menschen zu Herzen. In unserem Gewissen hören wir die Stimme Gottes. Es gibt keine höhere Instanz als diese. Deshalb sind religiöse, an Gott glaubende Menschen für jede Regierung, besonders für autoritäre, ein Problem.

Menschen, die an Gott glauben, hören in erster Linie auf ihr Gewissen, und versuchen Gottes Stimme darin zu erkennen. Die obersten Werte von uns Glaubenden sind eben nicht die Steigerung des Bruttosozialprodukts oder der Aktienkurs, und auch nicht die unbegrenzte Selbstbestimmung und das eigene Wohl.

Unsere obersten Werte beziehen sich auf das Miteinander der Menschen. Unser größtes Bestreben ist „gut“ zu sein, weil wir an den „Guten“, an Gott glauben und auf ihn hören.

Über diese Königsherrschaft Gottes spricht Jesus und sagt:
Wie ein wenig Sauerteig eine große Menge Mehl durchsäuert, so ist es auch mit der Herrschaft Gottes, mit dem Himmelreich: Es ist verborgen, aber im Verborgenen wird es immer größer und durchwirkt die ganze Erde – bis am Ende der Zeit, sichtbar werden wird:
Das Gute besteht, was Leben zerstört und zersetzt, vergeht.
„Die Reichen müssen gehen, ihr Gut verweht im Wind!“

Liebe Schwestern und Brüder,
Jesus hat die Verkündigung des Himmelreiches uns, die wir seine Jünger sind, anvertraut. Wir, seine Gemeinde, sind gesandt, dem Himmelreich, der Herrschaft Gottes immer mehr zum Durchbruch zu verhelfen. Dadurch sind wir Kirche Jesu Christi und Kirche Gottes.

Die Verkündigung im Gottesdienst ist eine der Aufgaben der Diakone.
In der Predigt sollen die Menschen stärken, ermutigen und auch darüber sprechen, welche Hindernisse uns im Wege stehen und wie wir sie erkennen und überwinden können.

Unser Diakon Gereon Piller hat diese Aufgabe in vielen Predigten angenommen und erfüllt. Er hat uns immer wieder angeregt, uns selbst zu prüfen, damit wir auf dem Weg bleiben und wirklich auf Gottes Stimme in unserem Gewissen hören und uns auch nicht von anderen Reizen und Stimmen davon abhalten zu lassen.

Für diesen Dienst der Verkündigung wollen wir ihm nach der Messe danken.

Jetzt aber dürfen wir miteinander bekennen, dass wir an Gott glauben, an den Guten und darin, dass wir von ihm her die Kraft haben, selbst gut zu sein:

Ich glaube ….

Fürbitten:

Gott, unser Vater, du bist bei uns – jeden Tag und zu jeder Zeit.
Voll Vertrauen rufen wir zu dir:

  • Wir beten für die Christenheit: Dass sie ihre Spaltungen überwindet,
    so dass alle Getauften im Sakrament der Eucharistie vereint sind. ‑ Christus, höre uns       A: Christus, erhöre uns
  • Wir beten für alle, die die Gute Nachricht vom Kommen des Himmelreiches verkünden für ihren Dienst, dass durch sie allen Menschen deine Güte bekannt wird.
    Christus, höre uns        A: Christus, erhöre uns
  • Wir beten für die Menschen in der Ukraine und für die russischen Soldaten, dass Präsident Putin den Befehl zum Ende des Krieges gibt.
    Christus, höre uns        A: Christus, erhöre uns
  • Wir beten für unser Bistum und für alle Bistümer in Deutschland: Dass auch unser Bischof sich für Erneuerung und für Veränderungen in der Kirche öffnet.
    Christus, höre uns        A: Christus, erhöre uns
  • Wir beten für die Kindern, Frauen und Männern in unserer Stadt um deinen Segen: stärke unter uns den Geist echter Gemeinschaft. Christus, höre uns           A: Christus, erhöre uns

Pr.: Ja Gott, du schaust voll Güte auf dein Volk und leitest es durch deinen Heiligen Geist. Wir ehren dich und danken dir heute und in Ewigkeit. Amen.

27. Juli 2014: 17. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Warum laufen Kinder um die Wette?
Warum entwickeln schon Kinder immer neue Wünsche:
Das will ich haben?
Warum haben Kinder schon den Ehrgeiz, sie möchten besser sein, im schöneren Haus wohnen, die schönere Kleidung haben?

Sie spiegeln darin oft das Denken der Erwachsenen wider.

Es ist eine urmenschliche Eigenart: Wir wollen es besser. Wir wollen mehr. Wir wollen es größer!

Und diese menschliche Eigenschaft ist sehr erfolgreich und sinnvoll:
Das ist der Antrieb des Fortschritts: Deshalb können heute so viele Krankheiten geheilt werden. Deshalb gibt es Fabriken.
Deshalb gibt es unsere Zivilisation:

Besser, größer, schneller, weiter, mehr!

Das treibt den Menschen an – auch jene beiden Männer, die Jesus in seinen kleinen Geschichten beschreibt:
Der Mann geht auf den Acker, um durch seine Arbeit Brot zu verdienen,
der Kaufmann sucht schöne Perlen, um damit zu handeln und zu verdienen.

Der Schatz und die Perle, die sie finden, setzen ihrem Streben ein Ende:
Das ist das Größte, beste, meiste, wertvollste – das ist nicht steigerbar!
Dieses eine zu besitzen genügt. Dann hört der Handel auf, der Landmann muss nicht mehr aufs Feld!

Der Schatz, die Perle ist genug. Mehr geht nicht!

Das, Schwestern und Brüder bedeutet es, das Himmelreich zu finden. Mehr gibt es nicht. Schöneres und Besseres – ist nicht vorstellbar!
Das möchte Jesus den Jüngern sagen.

Woher weiß er das?

Er weiß es, weil er selbst diesen Schatz, diese Perle gefunden hat. Er weiß es, weil er selbst so voller Freude darüber ist, dass er nichts anderen anstreben will: Ich habe es gefunden sagt Jesus – glaubt mir, das mach so glücklich, die Freude ist so unbändig groß und vergeht nie wieder.

Wer das Himmelreich gefunden hat, für den hat die manchmal quälende, ewige Mühe, das ewige „noch einmal“, die ständige Suche nach etwas Besseren ein Ende:
Jesus sagt: Wenn du das Reich Gottes gefunden hast, dann hast du das größte denkbare Glück gefunden.

Ich erinnere mich an die Einladung Jesu:
Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten auf euren Schultern tragt: Ich werde euch Ruhe verschaffen! Nehmt mein Joch auf euch, denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele:

Jesus befreit uns vom Leistungszwang, vom Konsumzwang und vom Druck des immer mehr, immer schnelle, immer größer, immer besser.

Er schenkt uns das Himmelreich, also jene Erfahrung, die uns Frieden schenkt:

Jeder Mensch ist von Gott um seiner selbst willen geliebt.
Jeder Mensch ist Gott unendlich wertvoll.

Diese Erfahrung ist besser als alles, was wir sonst in der Welt leisten und schaffen können: Es ist gut, dass es mich gibt.
Ich darf sein – so wie ich bin – weil Gott mich so liebt.

Das ist das Himmelreich.

 

14. Oktober 2012: 28. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

Ein Kamel hat nichts mit einem Nadelöhr zu tun. Deshalb wechseln manche das Wort Kamel durch das Wort Schiffstau oder dickes Tau aus. Griechisch heißt das Kamel nämlich kamelos und das Schiffstau kamilos.
Aber ändert das wirklich etwas an der Gegenüberstellung: Dick und groß gegen schmal und klein? Und wird die Unmöglichkeit nicht viel drastischer ausgedrückt durch das Kamel, das niemals durch ein Nadelöhr passen wird und das niemand versuchen wird durch ein solches zu fädeln. Das ist eine geradezu surrealistische Vorstellung.

So verstörend wie die Zusammenstellung Kamel und Nadelöhr ist auch dieser ganze Abschnitt des Mk-Ev’s.
Was widerfährt diesem Mann, der den Weg ins Himmelreich sucht!
Jesus führt ihn erbarmungslos an seine Grenzen. Der Evangelist fügt noch hinzu: „weil er ihn liebte“.

„Gib alles, was du hast den Armen, dann hast du einen bleibenden Schatz im Himmel. Dann komm und folge mir nach“

Das ist also der Weg ins Himmelreich! Diese Episode und dieses Jesuswort überliefern übrigens auch das Lk. und das Mt. Ev.

Wenn ich dieser Mann wäre – was würde ich tun? Jeder sollte sich diese Frage stellen.

  • Würde ich aufbrausen und Jesus für diese Unverschämtheit beschimpfen?
  • Würde ich versuchen, darüber zu diskutieren und einen Mittelweg zu finden: Eine Selbstverpflichtung zum Spenden. Besser ein regelmäßiger Spender als noch ein Armer, der mittellos herumwandert.
  • Würde ich über diese Verrücktheit lachen und mich abwenden von einem solchen Spinner?

Was würde ich tun?

Tatsächlich aber ist das nicht die einzige Stelle in den Evangelien, die deutlich macht, dass Reichtum und Christ sein nicht zusammen passen. Ich kann nicht beiden dienen: Gott und dem Mammon! (Mt. Bergpredigt)

Wer in dieser Welt reich sein will, muss über die Not der Armen hinwegsehen.
Wer in dieser Welt reich sein will, muss die AUgen davor verschließen, dass sein Reichtum etwas zu tun hat mit der Armut der Armen.
Wer in dieser Welt reich sein will, muss ausblenden, dass dieser Reichtum in Gottes Ewigkeit nichts zählt, sondern ihn eher von Gott trennt, der alles mit uns teilt.

Schwestern und Brüder, wir können es drehen und wenden, wie wir wollen:
weder ein Kamel noch ein Schiffstau passen durch ein Nadelöhr.

So unmöglich kommt ein Reicher in das Himmelreich. –  Jedenfalls nicht aus eigener Kraft.

Für Gott aber ist alles möglich!

Sein Erbarmen mit uns,  seine Bereitschaft mit uns zu teilen, sollte unser Herz bewegen,
damit unsere Hände sich öffnen,
damit sie nicht ängstlich festhalten, was in dieser Welt als Besitz kostbar ist,  sondern mit denen teilen,
die nicht vor Gott sondern in dieser Welt als Arme gelten.

Wer reich sein will vor Gott, braucht in dieser Welt Hände, die nicht festhalten, sondern die teilen und verschenken.