Betlehem: Bußgottesdienst im Advent 2019

Einzug in Stille

zur Eröffnung          Macht hoch die Tür                                     GL 218/1+2

Einführung:
Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Mitchristen!
„Wo wohnt Gott?“, so fragte einmal ein jüdischer Rabbi seine Gäste.
Sie lachten ihn aus und sagten:
Was redest du! Die Welt ist doch voll von seiner Herrlichkeit!
Der Rabbi beantwortete seine Frage selbst und sagte:
Gott wohnt da, wo man ihn einläßt!

Gott will unter uns wohnen. Deshalb wurde er Mensch in seinem Sohn Jesus. Der Überlieferung nach ist er in Betlehem geboren.

Betlehem kann überall sein: Wer Gott bei sich einläßt, der wird sozusagen selbst zum Stall in Betlehem. Da wird Gott Mensch!

Gebet:
Gott, wir sind hierher gekommen, um über uns nachzudenken.
Gib, dass wir uns selbst erkennen,
dass wir unsere Schuld und Sünde einsehen.
Denn wir wollen, dass du bei uns wohnen kannst.
Wecke in uns das Vertrauen zu dir, unserem Vater,
stärke die Hoffnung auf unsere Zukunft
und die Liebe zu dir und zueinander.
Durch Christus, unseren Herrn. Amen.

 Lesung aus der Offenbarung des Johannes
Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde;
denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen,
auch das Meer ist nicht mehr.

Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her
aus dem Himmel herabkommen;
sie war bereit wie eine Braut,
die sich für ihren Mann geschmückt hat.

Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen:
Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen!
Er wird in ihrer Mitte wohnen,
und sie werden sein Volk sein;
und er, Gott, wird bei ihnen sein.

Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen ,
Der Tod wird nicht mehr sein,
keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal.
Denn was früher war, ist vergangen.

Er, der auf dem Thron saß, sprach:
Seht, ich mache alles neu.

Und er sagte: Schreib es auf,
denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.

Lied:                       O Heiland reiß die Himmel auf

Besinnung
Betlehem, der Ort, an dem Gottes Sohn geboren wurde. Buchstabieren wir das Wort Betlehem in unser Leben hinein. Wir wollen Gott bei uns aufnehmen. Von ihm erwarten wir das Heil.

  1. Barmherzigkeit:
    Betlehem ist, wo wir barmherzig miteinander sind!
    Barmherzig ist, wer ein Herz für seinen Mitmenschen hat:
    gerade für den in seiner Nähe!
    Barmherzig ist, wer im Mitmenschen seine Schwester, seinen Bruder erkennt ‑ gleich, ob arm oder reich, ob jung oder alt, gleich ob sympathisch oder nicht.

Gott, du bist barmherzig mit uns,

  • Kann ich nachsichtig sein mit den Fehlern anderer? Kann ich verzeihen?
  • Hab ich Geduld mit denen, die langsamer sind, die schwächer sind?
  • Werde ich schnell ungeduldig, wenn jemand etwas nicht so gut kann?
  1. Ehre sei Gott
    Betlehem ist, wo Gott die Ehre gegeben wird!
    Gott ehren ‑ das heißt: Gott den Platz im Leben geben, der Gott gebührt.
    So gewinnen wir den Blick auf das Wesentliche in dieser Welt. Wir erkennen auch unseren Platz: wir bleiben davor bewahrt, uns selbst und unsere Wünsche allzu wichtig zu nehmen.

Gott, du bist in allem und über allem:

  • Bin ich zufrieden mit meinem Gebet? Ist es zu wenig? Zu viel?
    Zu oberflächlich?
  • Denke ich beim Gebet nur an meine Sorgen denke
    und vergesse, für andere zu beten!
  • Versäume ich Gott für das Gute zu danken

2 Minuten meditative Musik

Ruf: Herr, erbarme dich 1mal                                                             GL 157

  1. Tägliches Brot
    Betlehem ist, wo Menschen das tägliche Brot mit anderen teilen.
    Wir beten im Vater Unser um das tägliche Brot. Damit ist mehr gemeint als nur das Brot: Essen können statt hungern, trinken können statt dürsten; warm haben statt zu frieren; Schutz finden in einem Haus; Arbeit haben; seine Kraft einsetzen können – das alles ist tägliches Brot.

Gott, du schenkst uns, was wir zum Leben brauchen.

  • Lasse ich Lebensmittel verderben? Werfe ich Lebensmittel weg?
  • Gebe ich einen großzügigen Teil meines Geldes für Menschen in Not?
  • Denke ich zu viel an mich und meine Bedürfnisse?

 

  1. Leben
    Betlehem ist dort, wo das Leben geschützt wird.
    Alles was lebt, hat das Leben von Gott empfangen. Deshalb ist das Leben heilig! Wer das Leben hochachtet, achtet Gott selbst.
    Leben ist mehr als Wohlstand und Annehmlichkeit.
    Dem Sinn unseres Lebens begegnen wir in Freundschaft und Liebe, in Treue und Glück, im geben und nehmen, im schenken und empfangen.

Gott du bist der Lebendige.

  • Verwechsle ich das Leben mit Besitz und Konsum?
  • Denke ich zu oft ans Geld und wie ich es vermehren kann?
  • Neige ich dazu, das Schlechte zu sehr zu betonen?
  • Achte ich das Leben auch von Ungeborenen, von Alten und Kranken?
  • Schade ich mir selbst durch Übermaß von Fernsehen oder Alkohol oder
    Nikotin oder Arbeit oder Essen?

2 Minuten meditative Musik

Ruf: Herr, erbarme dich 1mal                                                             GL 157

  1. Eintracht
    Betlehem ist, wo Menschen in Eintracht und Frieden miteinander leben! Doch immer wieder gibt es Streit, Ärger, Empfindlichkeit, Beleidigungen …
    Wenn die Eintracht fehlt, wird das Leben schwer: in der Familie,
    an der Arbeitsstelle zwischen den Kollegen und Mitarbeitern,
    in jeder Gemeinschaft.
    Eintracht entsteht, wenn man gemeinsame Ziele hat, den anderen anders sein lässt, den Bereich des anderen respektiert.

Gott, die Liebe ist dein Gebot an uns Menschen

  • Lehne ich Fremde aus anderen Ländern und Erdteilen ab?
  • Kann ich mich in eine Gemeinschaft einfügen und dafür Abstriche von meinen Ansprüchen machen oder will ich möglichst viel bestimmen?
  • Bin ich zu empfindlich? Bin ich misstrauisch? Fällt es mir schwer Vertrauen zu schenken?
  • Habe ich jemand gekränkt?

6. Hoffnung
Betlehem ist, wo Menschen Hoffnung haben können.
Wir Christen blicken nicht mit Angst und Schrecken in die Zukunft.
Vor uns sehen wir das Leben. Wir erwarten den neuen Himmel und die neue Erde: Gerechtigkeit und Friede! Unsere Hoffnung sollte sich in unserem Verhalten widerspiegeln. Oft handeln wir anders.

Gott, du bist unsere Hoffnung.

  • Raube ich anderen den Mut ?
  • Finde ich mich mit dem Unrecht ab?
  • Bin ich bereit, an Verbesserungen mitzuwirken?
  • Glaube ich an das Reich Gottes, das da ist und kommen wird?

2 Minuten meditative Musik

Ruf: Herr, erbarme dich 1mal                                                             GL 157

7. Ehrlichkeit
Betlehem ist, wo Menschen ehrlich zueinander sind.
Die menschliche Gemeinschaft kommt nicht ohne Ehrlichkeit aus.
Ehrlichkeit ist wichtig in der Sprache, wenn es um Eigentum und Geld geht, und überall, wo Menschen miteinander Vereinbarungen eingehen.

Gott, du bist die Wahrheit der Welt.

  • Habe ich jemand durch eine Unwahrheit geschadet?
  • Täusche ich andere über meine Absichten und Ziele?
  • Setze ich andere unter Druck, um meine Ziele zu erreichen?
  • Habe ich Vertrauen missbraucht?

2 Minuten meditative Musik

Ruf: Herr, erbarme dich 1mal                                                             GL 157

8. Menschwerdung
Betlehem ist, wo Menschwerdung geschieht. Jesus hat vorgelebt, was „Mensch-Sein“ heißt! Er vertraute seinem himmlischen Vater, er hatte Erbarmen mit den Menschen, er schenkte Versöhnung, er eröffnete neue Lebensmöglichkeiten, er war ehrlich in seinem Reden und Verhalten, er machte den Menschen Hoffnung!
Er ruft uns, ihm nachzufolgen:
Er ruft uns, dass wir nach seinen Grundsätzen und Regeln leben;
dass wir Mensch werden – wie er!

Wir haben seinen Ruf in unserer Besinnung wieder neu gehört und wollen ihm folgen. Deshalb wollen wir miteinander beten, dass Gott uns vergibt und uns die Kraft zu neuem Anfang schenkt.

Schuldbekenntnis

Vergebungsbitte:
Gott, wir haben dich als unseren Vater erkannt.
Du sprichst uns an und rufst uns beim Namen.
Du kennst unseren guten Willen,
aber auch unser Versagen.
Du weißt alles, du weißt auch; dass wir dich lieben.
Vergib uns unsere Schuld!
Befreie uns von allem Bösen in uns und führe uns zu dir,
in dein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit.
Durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Lied:           Nun danket alle Gott

Vater Unser
Am Ende unseres Bußgottesdienstes vertrauen wir uns selbst und alle Menschen Gott an und beten miteinander und füreinander mit den Worten, die Christus gelehrt hat:

Friedensgruß

Segen
Der Herr segne euch und behüte euch
er lasse sein Angesicht über euch leuchten
und sei euch gnädig
er wende euch sein Angesicht zu
und schenke euch seinen Frieden

Schlusslied:    Komm du Heiland

 

 

15.09.2019: 24. Sonntag im Jahreskreis LJ C

Hier geht es zu den Texten der Liturgie: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Vielleicht erinnern sie sich noch an die schweren Sätze am letzten Sonntag: Jesus mehr lieben als seine Liebsten; sein Kreuz tragen;
die Entscheidung für Jesus genau überlegen, denn sie fordert einem alles ab.

Tatsächlich ist das Gleichnis vom Wiederfinden der unmittelbare Anschluss. Die Leseordnung lässt in diesem Fall keine Lücke.

Zuerst diese erschreckenden Zumutungen und nun wieder diese Freundlichkeit und Güte, dieses Werben für Verzeihung.

Es ist eine große Spannung die das Lukasevangelium aufbaut in der Überlieferung von Jesus.

Die Gleichnisgeschichten erklären sich von selbst. Ich möchte deshalb nur auf die Eckpunkte hinweisen, denn die finden – das lehrt mich die Erfahrung – kaum Beachtung, weil die beiden Gleichnisgeschichten vom Wiederfinden der Drachme und des Schafs so plastisch sind:

Die Zöllner und Sünder kommen und wollen Jesus hören! – Sie waren scheinbar nicht abgeschreckt von seinen Worten. Vielmehr merkten sie, dass sie bei ihm nicht abgeschrieben waren. Sie spürten, dass Jesus sie ernst nahm und sie nicht verachtete.

Dass Jesus diese Leute aufnahm, dass er mit ihnen Tischgemeinschaft hatte – das wiederum provozierte die Schriftgelehrten und die gesetzestreuen Pharisäer.

Sie können sich selbst Beispiele aus unserer Zeit für einen solchen Tabubruch ausdenken:

Jesus wird also angegriffen. Ich stelle mir vor, wie sich die anständigen und gewissenhaften Juden ärgern: So einer will Rabbi sein. SO einer traut sich sagen: Im Himmel ist es so! Da erzählt Jesus diese beiden Gleichnisse. Ich staune, wie freundlich, wie einfühlsam Jesus versucht, denen, die über ihn schimpfen, sein Verhalten verständlich zu machen – mit Beispielen, die jedem geläufig und eingängig sind. Er will sie auf seine Seite ziehen.

Beide Geschichten münden in dem Lehrsatz:
Im Himmel – also bei Gott – ist mehr Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die keine Umkehr nötig haben.

Was sagen sie dazu, liebe Schwestern und Brüder?
Ist das vielleicht zu viel Aufhebens um einen Menschen, der lange Zeit sich verfehlt hat und nun endlich von seinen Verfehlungen ablässt?

Sollte man sich nicht vielmehr über die freuen, die Zeit Lebens versuchen es gut zu machen?

Liebe Schwestern und Brüder, es ist eine ernste Frage, wie jeder das sehen kann und sehen will.

Jesus jedenfalls charakterisiert den Himmel, die Engel Gottes, Gott selbst so, dass seine Freude über einen Menschen, der zu ihm findet größer ist als über die, die nie verloren waren.

Die Sicht Jesu ist sehr optimistisch:
Manchmal denken Menschen pessimistisch:
Es hilft nichts mehr, ich habe keine Chance mehr, das gut zu machen.
Manchmal geben sich Menschen auf und werden aufgegeben.

Jesus sagt: das muss nicht so sein:
Niemand muss sich aufgeben und niemand muss einen anderen aufgeben.

Es liegt viel Trost darin, zu wissen, zu glauben, dass es die Möglichkeit gibt, ein guter Mensch zu sein – was immer auch früher gewesen war.

Das gibt jedem Mut und Hoffnung, der ständig versucht,
seinen Mangel an Liebe zu verringern;
seinen Überschuss an Wut und Zorn,
an Enttäuschung und Mutlosigkeit zu überwinden.

Umso mehr ich mir bewusst bin, dass ich auch ein Sünder bin,
weit entfernt, Gottes Liebe auszustrahlen,
umso mehr kann ich daraus Hoffnung schöpfen.

30.05.2019: Christi Himmelfahrt

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Menschen über 75 Jahre entwickeln immer mehr den Wunsch, dass sie möglichst lange selbständig zuhause leben können, ohne jemand zur Last zu fallen;

Menschen über 60 Jahre wünschen sich, dass sie lange gesund bleiben und den bevorstehenden Ruhestand genießen können: was das für die einzelne Person bedeutet, ist höchst unterschiedlich.

Menschen über 40 Jahre hoffen, dass sie in Beruf und Familie standhalten können, dass sie erfolgreich sind, dass die Belastungen nicht zu viel werden und dass genügend Raum für Entspannung und Erholung bleibt.

Menschen über 20 wollen im Beruf vorwärts kommen, in einer Liebesbeziehung glücklich werden, vielleicht eine Familie gründen.

Kinder und Jugendliche wollen einfach groß und erwachsen werden und ihre Kräfte entwickeln und möglichst viel erleben.

Ganz sicher gibt es viele andere Beispiele und Ideen und Beschreibungen.

Mir geht es jetzt vor allem um die Frage:
Was will ich eigentlich? Worauf zielt mein Leben hin?
Das erwachsen werden, das lieben und arbeiten, das durchhalten und ausruhen, das genießen und das aushalten und abwarten?

Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben!
Ich glaube, dass ich in den Himmel komme, dass ich bei Gott sein werde.

Liebe Schwestern und Brüder, ob das Wunschdenken ist, wie viele Mitmenschen glauben?

Alle Evangelien verkünden in einer für die Antike typischen, bilderreichen Sprache, dass Jesus zu seinem himmlischen Vater heimgekehrt ist.

Der Glaube an das ewige Leben bei und in Gott ist zentral für mich und in meinem Glauben an Christus: Christus hat dafür gelebt und ist dafür gestorben und auferstanden, damit alle, die glauben durch ihn das ewige Leben haben.

Und; dieser Glaube befreit zu einer Hoffnung und Zuversicht, zu einer Freude und Kraft, die ohne ihn nicht möglich wäre.

Das Leben in all seinen Phasen hat ein Ziel, das wir immer vor Augen haben, das uns immer im Bewusst sein bleibt:

Im Weinen und im Lachen, wenn wir kraftvoll wirken und wenn wir schwach und hilflos sind: das Ziel unseres Lebens ist Gott.

In den Tränen finden wir darin Trost, denn Gott wird die Tränen abwischen.

Lachen und Glück stärken die Zuversicht auf die vollkommene und unvergängliche Freude.

Wenn wir kraftvoll tätig sind, dann so, dass wir unserer Hoffnung Ausdruck geben.

Wenn wir Schwäche und Krankheit erleiden, dann geduldig in der Erwartung des ewigen Heils, das von Gott kommt.

Liebe Schwestern und Brüder,
die zerstörerischen Kräfte,
Wut und Zorn, Verschwendung der Güter der Schöpfung,
Geiz und Gier
kennen auch wir, die wir an Jesus und das ewige Leben glauben.

Doch das Ziel des ewigen Lebens vor Augen, werden wir nicht aufhören Liebe und Wohlwollen,
Bescheidenheit und Selbstbeherrschung,
Einfachheit und Demut

Zu üben, damit wir bereit werden für das Ziel, das Christus für uns bereitet hat.

21.04.2019: Ostersonntag

Liebe Schwestern und Brüder,
aus freiem Willen unterwarf sich Jesu dem Leiden.
Dann heißt es in den Einsetzungsworten der Messfeier: Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes.

Die Bibel verkündet den Bund Gottes mit mit  Noah, dass Gott nie wieder eine Flut schicken würde,
Sie erzählt vom Bund Gottes mit Abraham, der zu einem großen Volk in einem eigenen Land werden wird.
Bis heute leben die Juden im Bund, den Gottes mit Israel am Sinai geschlossen hat.

Jedes Mal ergreift Gott die Initiative und bietet seinen Schutz, seinen Segen an – aus freiem Willen, nur, weil er seinen auserwählten Bundespartnern zum Segen.

Jesus spricht vom neuen Bund und meint unzweifelhaft einen neuen Bund Gottes mit den Menschen. Höher könnte der Anspruch nicht sein.

Dieser Bund umfasst – wörtlich übersetzt die vielen – gemeint sind aber tatsächlich alle, die dieses Bundesangebot annehmen und an Jesus Christus glauben, der sich aus freiem Willen dem Leiden unterwarf und den Gott auferweckt hat. So hat er den neuen und ewigen Bund der Vergebung, des Friedens bestätigt.

Das Johannesevangelium verkündet den Glauben an Jesus und seine Auferstehung auf ganz sorgsame Weise. In mehreren Andeutungen und Symbolen tastet es sich an das Bekenntnis heran:

Das erste ist: Das Grab ist leer: Jesus wurde weggenommen. Was sollen die Frauen ohne ihn tun? Das leere Grab stürzt die Jünger zuerst in noch größere Verzweiflung. – So geht es vielen Trauernden, wenn es vom Verstorbenen keinen Leichnam gibt und kein Abschied möglich ist und kein achtungsvolles Begräbnis.

Das leere Grab verschlimmert die Trauer. Es ist, als ob er nie gelebt hätte, wenn man sein Grab nicht besuchen kann.

In kleinen Schritten bricht sich eine neue Erkenntnis Bahn:

Die Leinenbinden sind das erste Zeichen. Sie erinnern an Jesus. Man hatte Jesus darin eingewickelt und gesalbt. Er war kein Traum.

Die Leinenbinden stehen für eine erste Ahnung: Wichtig ist nicht der Leichnam Jesu. Wichtig ist, was er in seinem Leben geglaubt hat, was er bewirkt hat: Wichtig ist, was seine Jünger von ihm gelernt und angenommen haben. Diese Liebe zum Leben, dieses unbedingte Ja – auch zu den scheinbar Verlorenen, die dadurch gar nicht verloren sind.

Johannes glaubte hieß es – und von Petrus und Johannes: sie hatten noch nicht verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse.

Maria von Magdala blieb am Grab zurück: Sie ist voller Tränen und gefangen in ihrer Trauer, weil Jesus nicht nur tot ist, sondern weil auch noch sein Leichnam weggebracht worden war. Das letzte, was sie von ihm hatte. So erzählt sie es den Engeln, die sich nicht als solche erkennt.
Als sie sich vom Grab abwendet – als ob sie suchen würde, wo Jesus sein könnte – findet sie ihn tatsächlich: Aber nicht seinen Leichnam, denn der würde nur die Niederlage besiegeln, das Ende aller Hoffnung.

Vielmehr hört sie seine Stimme:
Halte mich nicht fest. Ich bin noch nicht zu meinem Vater hinaufgegangen.
Sag meinen Brüdern: Ich gehe zu meinem Vater, zu meinem Gott, zu eurem Gott.

Da geht ihr Herz auf und sie versteht: Der Tod kann Jesus nicht festhalten.
Seine Hoffnung war der Himmel und dorthin ging sein Weg.
Ganz so weit ist Maria noch nicht: Ihr Jesus ist noch nicht im Himmel.
Aber die Hoffnung ist wieder da und der Glaube an Jesus und seine Worte.

Sie geht zu den Jüngern und erzählt, was sie erlebt hat: „Ich habe den Herrn gesehen – er sprach von seinem Vater, zu dem er geht!“

Schwestern und Brüder, der Osterglaube des Johannesevangeliums wächst langsam. Doch immer mehr erkennen die Jünger:
Der Weg Jesu führt zum Vater im Himmel – ihn und jedem, der wie er im Vertrauen und in der Liebe lebt.

Höre nie auf anzufangen

Bußgottesdienst in der österlichen Bußzeit 2018
Nach einer Vorlage von Horst Krahl,
veröffentlicht in: Horst Krahl, Neu beginnen – versöhnt leben, © Grünewald Verlag, 1999

Eröffnung

Lied                               O Herr, nimm unsre Schuld                           GL 273

EinleitungHinführung zum Thema
Unser Bußgottesdienst hat die Überschrift:
„Fange nie an aufzuhören; höre nie auf anzufangen.
Dazu hören Sie folgende Geschichte, die überschrieben ist mit „Wie-der aufstehen“:

Ein Geistlicher soll im Gefängnis predigen – zum ersten Mal.
Tagelang sucht er Formulierungen, die geeignet scheinen, harte Herzen zu erweichen.

Er empfängt die Männer an der Eingangstüre und erschauert unter der Kälte der abweisenden Gesichter. Diese Männer wollen nur eine Stunde aus der Zelle heraus. Kein Interesse an seiner Predigt ist zu spüren.
Mit einem stummen Gebet um Erleuchtung betritt er selbst den Saal. Kurz vor dem Lesepult stolpert er – weil sein Schritt unsicher geworden war – und liegt in voller Länge vor den Häftlingen. Das Auditorium brüllt vor Lachen.

Einen Augenblick lang fühlt sich der Geistliche von Schmerz und Scham gelähmt.

Dann springt er auf, stellt sich hinter das Pult, lacht die Männer in den gestreiften Anzügen an und sagt: „Deswegen, Männer, bin ich gekommen: Ich wollte euch zeigen, dass man wieder aufstehen kann, wenn man gestürzt ist.

Nach Eberhard Puntsch

Ein Abschnitt aus der Predigt des Theologieprofessors Adolf Exeler passt gut zu dieser Geschichte:

Falsche Bescheidenheit fängt dort an, wo ich mir nicht mehr zutraue, dass es mit mir selbst noch einmal anders werden könnte. Sie fängt dort an, wo es menschlich mit mir zum Stillstand kommt, wo ein menschliches Wachsen aufhört und ich resigniert sage: So bin ich nun einmal, und das wird wohl auch nicht anders werden, und auch die anderen müssen sich damit abfinden.

Ein gütiger Mensch zu werden, das ist bei mir nicht mehr drin; ein geistig aufgeschlossener Mensch zu werden, das ist vorbei, ein Mensch mit Unternehmungsgeist zu sein, das kommt für mich nicht in Frage.

Da wird es gefährlich; denn da breitet sich Trägheit aus. Sie besteht darin, dass ein Mensch sich nicht mehr aufschwingen will zu den Möglichkeiten, die er eigentlich hätte und haben sollte”.

‑ Kurze Orgelmeditation ‑

Gemeinsames Gebet

Herr, du bist da, wenn wir uns hier versammeln;
Herr, du bist nah, wir tragen deinen Namen, du bist mitten unter uns.

Herr, du bist da, wenn wir als Freunde leben;
Herr, du bist nah, du bist, was uns verbindet, du bist mitten unter uns.

Herr, du bist da, wenn wir für andere sorgen;
Herr, du bist nah, du öffnest uns die Augen, du bist mitten unter uns.

Herr, du bist da, wenn wir nicht stehen bleiben;
Herr, du bist nah, du treibst uns an zum Gehen, du bist mitten unter uns.

Herr, du bist da, wenn wir gemeinsam hoffen;
Herr, du bist nah, du bist die Zukunft selber, du bist mitten unter uns.

Verkündigung

Schrifttext (2 Petr 1, 5-10)

Der Apostel Petrus schreibt in seinem zweiten Brief:

Darum setzt allen Eifer daran,
dass sich euer Glaube in guten Taten bewährt.

Dadurch wird auch die Erkenntnis Gottes bei euch wachsen;
mit der Erkenntnis Gottes wächst die Selbstbeherrschung,
und mit der Selbstbeherrschung die Ausdauer.
Die Ausdauer mehrt in euch
die Ehrfurcht vor dem Geheimnis Gottes,
Wer Gott liebt, wird auch die Schwestern und Brüdern
in der Gemeinde lieben
und daraus erwächst schließlich die Liebe zu allen Menschen.

Wenn ihr diesen Weg geht und dabei weiter vorankommt,
wird euer Glaube nicht leer und wirkungslos bleiben,
sondern ihr werdet unseren Herrn Jesus Christus
immer besser kennen lernen.

Wer aber nicht auf diesem Weg ist,
tappt wie ein Blinder im Dunkeln,
denn er hat vergessen, dass er von seiner Schuld befreit wurde.

Setzt deshalb alle eure Kräfte ein, dass ihr euch darin bewährt,
wozu Gott euch berufen und auserwählt hat.
Dann werdet ihr nicht vom richtigen Weg abkommen.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Der zweite Petrusbrief zeigt eine Zusammenschau für das Leben von Christen:
Am Anfang steht der Glaube, dass wir durch Christus versöhnt sind.
Dieser Glaube kann nicht ohne Taten bleiben –
sonst wäre es nicht der Glaube an die Versöhnung.

Daraus entsteht eine Wechselwirkung:
Der Eifer, gut zu sein mehrt wiederum die Liebe zu Gott.
Die Stichworte heißen: gute Taten, Erkenntnis, Selbstbeherrschung, Ausdauer, Ehrfurcht, Liebe.

Wir kennen das aus Erfahrung. Wir wissen, dass das eine das andere fördert und stärkt.
Wir kennen aber auch die Bedrohungen und Hindernisse:

Die Anstrengung, die immer dazu gehört.
Die Fixierung auf Misserfolge schwächt den Willen.
Wenn wir keine Anerkennung erfahren oder sogar abfällige Worte und Blicke erhalten, werden wir mutlos oder sogar trotzig.
Wir sind immer in Gefahr, aufzuhören. Das Gute aufzuhören, das wir begonnen haben.
Wir brauchen immer wieder Schwung und Antrieb, neu anzufangen,
auf dem Weg weiterzugehen.

Voraussetzung dafür ist der Blick auf das Ziel, das wir erreichen wollen.
Eine große Hilfe ist alles, was uns hilft, das Ziel zu erreichen und
was unseren Glauben stärkt, dass wir das Ziel erreichen werden.

Auf ihrem Blatt ist das Bild von einem Stern.
Er leuchtet im Dunkel und zeigt einen Weg.

Das Bild kann an die Hoffnung erinnern, die uns auf unserem Weg stärkt. Hoffnung ist Licht für unsere Wege. Dieses Licht wird heller, wenn wir weitergehen, nicht stehen bleiben und aufgeben.

Wer umkehrt zu Gott und zu seinen Mitmenschen, erfährt das Licht und schenkt es anderen. Wer umkehrt von Abwegen und Irrwegen, der kann darauf vertrauen: Gott kommt ihm entgegen.

In der Gewissenserforschung durchforschen wir unser Leben nach den Erfahrungen und Gedanken und Zweifeln, die uns dazu verleiten, aufzuhören, statt wieder neu anzufangen.

Feier der Versöhnung

Gewissenserforschung

Wir suchen Trost und Sicherheit im Glauben. Wir nehmen es ernst mit den Glaubensübungen. Wir sind enttäuscht, dass sich unser Bemühen nicht zu lohnen scheint, oder wenn es keine Anerkennung findet.
Wir denken resigniert:

  • Ich habe so oft gebetet;
  • ich habe den Gottesdienst mitgefeiert;
  • ich habe in der Heiligen Schrift gelesen.

Hat sich dadurch etwas in meinem Leben geändert?
Trotzdem bleiben meine Fragen und Zweifel.
Trotzdem kann ich Gottes Hilfe nicht spüren.

  • Ich habe immer wieder dem anderen eine neue Chance gegeben;
  • Ich habe es immer wieder noch einmal versucht,
    mit ihm auszukommen;
  • Ich haben nachgegeben und nach Kompromissen gesucht;

Trotzdem fallen wir uns oft zur Last.
Trotzdem will einer immer Recht behalten.

‑ Kurze Orgelmeditation –

Liedruf                          Herr, erbarme dich                                             157

  • Eltern haben ihren Kindern nach Möglichkeit alle Wünsche erfüllt;
    Sie haben sie umsorgt und immer nur das Beste für sie gewollt.

Trotzdem gehen sie ihre eigenen Wege, ohne Dank.

  • Ich arbeite zuverlässig, ich bin pünktlich;
  • ich gebrauche nicht die Ellenbogen;
  • ich helfe anderen, wenn sie nicht weiterkommen.

Warum honoriert und dankt mir das keiner?
Ich muss oft sehen, wie andere sich durchsetzen und ich das Nachsehen habe.

  • Ich werfe meine Abfälle in den Mülleimer;
  • ich sortiere Glas und Papier zur Wiederverwertung aus;
  • ich gehe sparsam mit Energie um.

Nützt das eigentlich etwas? Bin ich nicht die einzige weit und breit?
Mein bisschen fällt doch gar nicht ins Gewicht.

  • Ich nehme als Autofahrer Rücksicht auf Radfahrer und Fußgänger.
  • Ich halte mich an die Regeln im Verkehr.
  • Älteren und Menschen mit Handicap lasse ich den Vortritt.

Nur selten ernte ich einen dankbaren Blick. Öfter grinsen die Leute über mich.

Kurze Orgelmeditation

Liedruf                          Herr, erbarme dich                                             157

  • Wenn ich Sorgen habe und in Not bin, wende ich mich an Gott.

Hört er mich? Hilft er mir?

  • Wenn ich glücklich und zufrieden bin,
    brauche ich Gott anscheinend nicht.

Warum danke ich ihm nicht einmal dafür?

 

Fange nie an, die Hoffnung aufzugeben,
einen anderen Menschen aufzugeben …

Fange nie an, deine täglichen Aufgaben zu vernachlässigen,
andere oder dich selbst zu verachten …

Fange nie an, dich von anderen abzukapseln,
nur an dich selbst zu denken …

Höre nie auf, Gott zu vertrauen,
deinen Mitmenschen zu vertrauen …

Höre nie auf, trotz Enttäuschung
deinen Nächsten und dich selbst zu lieben,

Höre nie auf, dich im Gebet für Gott zu öffnen
und ihn in der Gemeinde im Gottesdienst zu loben und zu danken …

Höre nie auf zu glauben.

‑ Kurze Orgelmeditation –

Liedruf                          Herr, erbarme dich                                             157

Gemeinsames Gebet

Gott, auf dich setze ich meine Hoffnung.
Du hast durch das Leben,
den Tod und die Auferstehung deines Sohnes
die Welt erneuert und wirst sie einmal vollenden.

So gibst du meinem Leben Richtung und Sinn.

Durch die Botschaft deines Sohnes, Jesus Christus,
erwarte ich für mich und alle Menschen
Vergebung, Heil und künftige Herrlichkeit,
denn du bist getreu.

Hilf mir, in dieser Hoffnung zu leben.

Vor dem allmächtigen Gott bekennen wir unsere Schuld,
und voreinander gestehen wir ein, dass wir gefehlt haben.

Wir bitten dich, barmherziger Gott,
sei uns gnädig und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Amen.

Vergebungsbitte
Gott, unser Vater, der uns über alles liebt,  verzeiht uns unsere Schuld.
Er nimmt unsere Hand und hilft uns aufzustehen und neu anzufangen.
Er bietet uns seine Hand an, um uns zu führen,
damit durch uns die guten Werke geschehen,
die er für uns vorgesehen hat.
So geleitet er uns durch diese Zeit in seine ewige Herrlichkeit. Amen.

Lied:                              Selig wem Christus                                   GL 275,1-4

Segen und Verabschiedung

Fange nie an, damit aufzuhören, gut zu sein und das Gute zu tun!
Höre nie auf, damit anzufangen, dich für Gott zu öffnen und auf ihn zu hören.
Dafür beten wir um Gottes Segen.

31.12.2017: Jahresschluss

Lesungen: Gen 2,4b-9.15 – Röm 8,24-28 – Joh 15,9-12

Liebe Schwestern und Brüder,
Die drei Lesungen geben uns Impulse, wie wir unser persönliches Leben betrachten können. Wie wir alles auf einen Zielpunkt hin ordnen können, so dass es uns nicht durcheinander bringt, sondern uns zeigt, dass alles einen Sinn hat und unser Leben zu diesem Ziel hin führt – auch im vergangenen und im kommenden Jahr:

Die ältere und an zweiter Stelle stehende Schöpfungsgeschichte, erzählt als erstes von der Erschaffung des Menschen: „Gott formte aus Erde den Menschen“ – Ab und zu habe ich schon mal einer Töpferin zugeschaut.

Mit großer Sorgfalt und Kunstfertigkeit formt sie den Ton auf der Töpferscheibe oder mit ihren Fingern. Das Stück, das sie formt, wird ihre Handschrift tragen. Es ist ihr Werk. Deshalb übt sie ihr Handwerk auch mit Liebe zu den Dingen aus, die sie formt und schafft, mit Lust und Freude.

Schwestern und Brüder, wir sind das Werk Gottes. Wir tragen seine Handschrift. Atmen wir ein paar Mal tief durch. Spüren wir das Leben ins uns. Gottes Geist. Seine Freiheit, seine Liebe, seine Schöpferkraft.

—–

Wir haben das Leben nicht nur für uns selbst empfangen. Gott hat uns diese Erde als Lebensraum gegeben, damit wir sie bebauen und behüten.
Unser Leben hat einen Sinn, eine Aufgabe: dass wir leben und die Erde, auf und von der wir leben, bebauen und behüten:

Wir achten wohlwollend auf den anderen in der Nachbarschaft und in der Arbeit. Wir kümmern uns um Ehepartner, Kinder, Eltern damit es jedem gut geht. Wir übernehmen freiwillig Verantwortung in den Gemeinschaften, in denen wir leben.

Eigentlich – so ist der Traum, die Hoffnung, die Vision: Sollten wir vollkommen sein, wie unser Schöpfer: Es sollte Frieden sein unter den Menschen, Gerechtigkeit und Wahrheit sollten die Menschen erfreuen und alle sollten leben können – ohne Sorge ums tägliche Brot.

Die Sehnsucht nach dieser Vollkommenheit ist uns ins Herz gelegt.
Wir erhoffen diesen Frieden. Und wir tun auch viel dafür! ——

Doch wir erfahren auch Schlechtes. Das Übel, das wir erfahren, versucht uns: Es pflanzt den Zweifel am Schöpfer und seiner Vollkommenheit in unser Herz. Wir zweifeln überhaupt an ihm.

Warum ist diese Erde voll von Bedrohungen für das Leben, das sie hervorgebracht hat?
Woher kommt der Neid im Menschen, der Missgunst und Zwietracht hervorbringt?
Woher kommt der Stolz in den Herzen, besser, reicher, mächtiger zu sein als andere, und damit die Aggression gegen die Mitmenschen und die Mitwelt?

Dafür gibt es unzählige Beispiele im persönlichen Leben und in den Nachrichten, die aus der ganzen Welt auf uns einprasseln. —-

Die Antwort auf diese Klage und diesen Zweifel gibt uns Jesus Christus:
Paulus bekennt: Er hat uns Hoffnung gebracht, dass sich unsere Sehnsucht nach Leben und Frieden erfüllen wird:
Er lebte ganz und vollkommen die Liebe zu Gott und zu den Menschen.
Er hat sich aus freiem Willen dem Leiden unterworfen.
Er wurde auferweckt und ist den Jüngern in neuem Licht lebendig erschienen.
Paulus bekennt seinen Glauben: Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führen wird. Wir werden teilhaben am Wesen und am Leben seines Sohnes, an der Vollkommenheit des Schöpfers.

Jesus lockt uns, seine Jünger, dass wir unsere Berufung erkennen und erfüllen, in Gottes Geist zu handeln: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr so lebt, wie ich es euch gezeigt habe und geboten habe, dann bleibt ihr in meiner Liebe. Wenn ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe!

Schwestern und Brüder, Gutes und Schlechtes gehören zu unserem Leben. Es ist uns von Gott geschenkt, damit wir Gutes tun. Das Schlechte soll uns nicht in seinen Bann ziehen, vielmehr sollen wir in der Liebe bleiben.
Denn wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.

Das wünsche ich uns allen für das neue Jahr 2018.

02.11.2017: Allerseelen

1. Lesung: Ijob 19, 1.23-27  – 2. Lesung: Röm 8, 14-23 – Evangelium: Joh 14, 1-6

Liebe Schwestern und Brüder!
Wahrscheinlich hat jeder unter uns schon eine ähnliche Situation erlebt:
wir mussten von lieben, von geliebten Menschen Abschied nehmen:
Ob uns ihr Tod überrascht hat oder ob wir sie durch Krankheit zum Tod begleitet haben. Wir mussten Abschied nehmen.

Das ist schwer, denn wir verlieren ein Stück von uns selbst, wenn ein geliebter Mensch von uns geht. Das macht uns traurig, es bewegt uns zutiefst. Wir fragen nach den Gründen. Wir wollen es nicht wahrhaben. Wir machen uns – meist überflüssige ‑ Vorwürfe, dass wir nicht alles oder nicht das Richtige getan hätten.

Aber es bleibt dabei: wir müssen Abschied nehmen.

Jesus und seine besten Freunde, seine Jünger und Apostel, saßen beim Essen zusammen. Es war eine extrem schwierige Situation:
Jesus wusste, und seine Freunde wussten, dass er den nächsten Tag wohl kaum überleben wird. Worüber soll man sprechen?
Was will man dem anderen sagen?

Jesus redete nicht um den Brei herum: „Ich gehe zum Vater, zum himmlischen Vater.“ was nichts anderes bedeutet, als dass sein irdisches Leben zu Ende sein wird und seine Jünger zurückbleiben.

Weiter sagt er: „Ich bereite den Platz für euch vor und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“

Liebe Gemeinde, liebe Angehörige unserer Verstorbenen,
was mich an Jesu Abschied von seinen Freunden beeindruckt ist, dass er es schafft, seinen Weg anzunehmen, ihn zu bejahen.
Er ringt nicht und sucht nicht Auswegen,
er sagt nicht: was habe ich, was haben andere falsch gemacht?
Er klagt nicht an. ‑
Er weiß es und er willigt darin ein: es wird nun geschehen.

Er braucht nicht klagen und zweifeln, weil er eine Zukunft vor sich sieht:
er geht zum Vater. Diese Überzeugung macht ihn gelassen und ruhig und gibt ihm die Kraft, auch seinen Jüngern Mut zu machen, ihnen Hoffnung zu geben und sie zu stärken.

Schwestern und Brüder, ich bin Jesus dankbar für seine Worte.
Ich bin ihm dankbar, dass er selbst so fest stand in seiner Hoffnung und dass er seinen Weg zu Ende gegangen ist.

Ich glaube ihm und ich bin überzeugt, dass ich ihm glauben darf, dass er glaubwürdig ist – wegen seines Muts, wegen seiner Großmut und Stärke, die er bis zum Ende behalten hat.

Wenn ich, wenn wir einen Menschen zu Grabe tragen,
dürfen wir – in aller Trauer und bei allem Schmerz – Hoffnung haben,
dass er an sein Ziel gekommen ist: dass Jesus ihn zu sich geholt hat und einen Platz für ihn vorbereitet hat. Er wird dabei als Kind Gottes offenbar, das Anteil hat an Gottes Ewigkeit.

Diese Hoffnung hilft mir, hilft uns, dass wir selbst das Leben weiter dankbar annehmen und dass wir uns wieder dem Leben zuwenden, dem Leben so wie es ist, begrenzt durch den Tod, der die Schwelle ist, über die wir hinübergehen in das Haus des Vaters.

Schwestern und Brüder,
wir brauchen den Tod nicht zu verdrängen und wir brauchen ihn nicht zu suchen. Wir leben ‑ und in guten wie  in bösen Tagen richten wir uns aus auf das Ziel, zu dem wir unterwegs sind:
Und wir achten darauf, dass wir dem Ziel entgegengehen. Was immer wir tun und unternehmen, es führt uns dem Ziel, dem Vater näher.

Jesus stärkt uns, dass wir über Schmerz und Trauer die Hoffnung nicht verlieren. Wie er unsere Verstorbenen empfangen hat, so wird er auch uns selbst an unseren Platz im Haus des Vaters geleiten.

06. November 2016: 32. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

  • Eher sterben wir, als dass wir die Gesetze unserer Väter übertreten;
  • Der König der Welt wird uns zu neuem, ewigen Leben auferwecken;
  • Vom Himmel habe ich die Zunge erhalten, von ihm hoffe ich, sie wiederzuerlangen;
  • Gott hat uns die Hoffnung gegeben, dass er uns wieder auferweckt.

Eindrucksvolle Sätze der Brüder, die gefoltert und getötet wurden, weil sie sich nicht zwingen ließen, vom Gott Israels abzufallen.

In diesen Zeilen begegnen uns die ersten Anfänge des  Auferstehungs-glaubens in der Bibel – dabei sind wir um das Jahr 130 vor Christus.

Noch zur Zeit Jesu war es unter den Juden strittig, ob es eine Auferstehung der Toten gibt, ein ewiges Leben – oder ob die Toten in einem Schattenreich sind, das die Juden Scheol nannten – die Gruppe der Sadduzäer lehnte den Glauben an Auferstehung und ewiges Leben ab – Jesus hingegen predigte und verkündete die Auferstehung der Toten – das ist einer der Hauptinhalte seines Evangeliums.

Und wir: Glauben wir? an die Auferstehung der Toten und das Leben in der zukünftigen Welt? Manche verneinen diesen Glauben – sie lehnen Vorstellungen ab, die allzu anschaulich und einfach sind, wenn sie sagen: So viele Menschen haben ja gar nicht Platz im Himmel. –

Wir können uns nicht vorstellen, wie es sein wird in diesem ewigen Leben – wir können es uns genauso wenig vorstellen, wie wir uns Gott vorstellen können. Doch der Glaube an einen ewigen Gott, an Jahwe, der da ist,
und der Glaube an das ewige Leben passen gut zusammen.

Der gütige und Leben spendende Gott behütet das Leben und gibt ihm Anteil an seiner Ewigkeit. Weil wir das Leben von ihm haben und ein Teil von ihm sind, weil er in uns ist, deshalb ist ewiges Leben in uns.

Es ist naheliegend, dass in diesem ewigen Leben geheilt wird, was verletzt und krank ist. So wie der eine der Brüder hofft, dass er im ewigen Leben seine Zunge wieder erlangen wird.
Es ist schlüssig, dass das Leben der Auferstehung ewiges Leben ist, dass es also dann keinen Tod mehr gibt.

Das Lukasevangelium drückt den Zusammenhang mit diesen Worten aus:
Gott ist ein Gott von Lebenden, denn für ihn sind alle lebendig.

Liebe Schwestern und Brüder,
der Glaube an die Auferstehung und das ewige Leben ist jedenfalls eine Quelle der Hoffnung und Zuversicht – vor allem für die Menschen in der Bedrängnis: sie werden gerechtfertigt werden. Sie werden entschädigt werden. Sie werden emporgehoben und stehen im Licht Gottes.

Zugleich ist der Glaube an die Auferstehung eine große Kraftquelle:
Da es ein ewiges Leben gibt, in dem es Gerechtigkeit gibt,
umso mehr werde ich im Glauben daran Gerechtigkeit üben;
umso mehr werde ich widerstehen, wenn von mir etwas verlangt wird, das meiner Hoffnung und meinem Glauben widerspricht;
umso mehr werde ich mein Herz öffnen für die Kranken, die Obdachlosen, die Ausgebeuteten;
da ich daran glaube, dass Gott diesen Menschen Gerechtigkeit schenkt, möchte auch ich ihnen Gerechtigkeit geben und Erbarmen zeigen.

Der Glaube an die Auferstehung betäubt nicht und dämmt den inneren den Antrieb nicht ein,
sondern er ist die Kraft, die uns antreibt, Gottes Erbarmen und Gerechtigkeit in dieser Zeit und Welt sichtbar zu machen.

2. November 2014: Allerseelen

1. Lesung: Ijob 19, 1.23-27
2. Lesung: Röm 8, 14-23
Evangelium: Joh 14,1-6

Das Leid, das dem Ijob widerfährt ist sprichwörtlich geworden: Ijob wird seines Eigentums beraubt, die Kinder werden ermordet. sein Haus wird verbrannt und ihn befällt eine Krankheit, in der man schon so gut wie gestorben ist. Ijob steht für alles Leid, das Menschen in ihrem Leben erfahren können und tatsächlich: jeder Mensch kann von Trauer, Krankheit und auch von Feindseligkeit erzählen.

Doch: gerade die Menschen, die am weitesten unten sind, haben oft die größten Hoffnungen. Ijob sagt: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt! Ich werde Gott schauen “

Viele hundert Jahre nach Ijob ergeht es dem Apostel Paulus ganz ähnlich: Er hat Verfolgungen, Verhaftungen, Folter und Gefängnis erträgt, Schiffbruch erlitten und fast ertrinkt, schrieb: „Ich bin überzeugt: die Leiden dieser Zeit sind nichts im Vergleich zu der Herrlichkeit, die uns geschenkt werden wird!“

Liebe Schwestern und Brüder, die Menschen im Wohlstand teilen diese Hoffnungen weniger. Sie sagen: „Ich kann mir das nicht vorstellen. Warum nicht jetzt diese Herrlichkeit? Warum nicht schon auf dieser Erde?“
Viele können und wollen nicht auf das künftige Leben hoffen, in dem wir Gott schauen und befreit sind vom Elend dieser Zeit.

Hängt es damit zusammen, dass wir durch unseren Wohlstand das Elend überdecken; dass wir die Augen verschließen und den Tod aus dem Bewusstsein verdrängen.
Ich frage mich: Wollen die Menschen eigentlich den Tod negieren, wenn sie sagen: wenn ich sterbe, dann ist alles aus?

Wenn es so wäre, wenn der Tod des Körpers das Ende der eigenen Existenz wäre, dann könnte man leben, als ob es den Tod nicht gäbe.
Man könnte den Tod verdrängen und jeden Tag auskosten und sagen: das ist das Leben. Mach das Beste daraus – für Dich.

Doch wer die Augen öffnet, der fragt sich: wozu leben, wenn es dann doch zu Ende ist? Die Freude, das Schöne das kann man ja gerne hinnehmen. Doch wozu Schmerzen ertragen? Wozu leben, wenn ich nicht mehr tun kann, was ich will?

Der Glaube an die Auferstehung gibt dem Tod eine andere Bedeutung:
Der Tod wird zum Übergang in die Welt Gottes.
Wer darauf hofft, für den hat das ganze Leben einen Sinn.
Der mag sich fragen, warum es so viel unverschuldetes Leid gibt?
Der wird mit Gott vielleicht streiten und ihm das Elend klagen.

Doch er hofft, die Herrlichkeit Gottes zu empfangen.
Deshalb geht es im Leben darum, als Gottes Ebenbild zu leben.
Es geht darum, Leben zu empfangen und Leben zu geben!

Wer das ewige Leben erhofft, wird auch das Gute dankbar annehmen und genießen – vielleicht als Vorgeschmack des Himmels.

Wer auf das ewige Leben hofft, wer Hoffnung hat, wird aber auch die Kraft haben, dem Elend, dem Leid, der Schwäche Stand zu halten. Wer hofft, hält allem stand – so hat es Paulus ausgedrückt.

Liebe Schwestern und Brüder,
heute an Allerseelen denken wir an die Verstorbenen: an alle! Weil keiner verloren ist, weil Gott keinen vergisst!
Besonders denken wir natürlich an die Verstorbenen, die wir gekannt haben und die uns nahe stehen: Die Liebe, die uns mit ihnen verbindet, reicht über den Tod hinaus.

Wir denken an die Verstorbenen mit Zuversicht:

Das Gute findet seine Vollendung!
Das Schlimme wird geheilt!
Das Böse wird vergeben und getilgt.
Die Liebe aber feiert ein Fest: denn die Liebe ist ewig –
wie Gott selbst, in dessen geliebte Kinder wir sind und bleiben
in alle Ewigkeit.

 

 

28. April 2013: 5. Ostersonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

 

Liebe Schwestern und Brüder!
Eschatologie – das Wort kennt kaum jemand.
Auf Deutsch könnte man sagen: was wir von den letzten Dingen glauben.

Genau davon handelt der Abschnitt aus der geheimen Offenbarung, den wir als Lesung gehört haben.
Davon handelt überhaupt häufig die Heilige Schrift und besonders auch das Neue Testament.

„Die letzten Dinge“ – das hört sich dramatisch an – ein wenig wie Weltuntergang.

Und tatsächlich heißt es ja: „der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen und auch das Meer ist nicht mehr.“

Damit ist die Welt gemeint, die wir kennen, der Himmel, zu dem unsere Augen in die Höhe schauen und das All in dem die Weltraumstation kreist.
Damit ist das Meer gemeint, in dem nach der Vorstellung des Alten Orients die Behausung der widergöttlichen Mächte.
Das Meer ist ein negatives Symbol und deshalb wird es das Meer in der neuen Welt gemäß dieser Vorstellung nicht mehr geben.

Der Ausdruck „letzte Dinge“ verleitet dazu, sich einer Chronologie der Vorgänge vorzustellen: Was alles nacheinander geschehen wird.

Wenn wir von den letzten Dingen sprechen, geht es aber weniger um ein zeitliches Nacheinander – es geht eher um eine Qualität.

In der heutigen Lesung geht es um den Anfang einer Vision davon, was kommen wird, was die Zukunft ist – die Zukunft der Schöpfung oder noch genauer: die Zukunft des Lebens.

Denn die erste Erde und der erste Himmel scheinen zu vergehen:
Aber das Volk oder „die Völker“ wird es nach wie vor geben.
Die lebendigen Geschöpfe also werden leben aber auf einer neuen Erde und in einem neuen Himmel.

Da wird alles überwunden sein, was jetzt die Menschen und alle Lebewesen plagt:

Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, kein Mühsal.
Was früher war, ist vergangen.

Gott wird unter den Menschen wohnen – „zelten“ – heißt es wörtlich.

Der Glaube an Gott spricht Gott nicht frei von seiner Verantwortung für diese erste Welt und den ersten Himmel:
Es ist Gottes Schöpfung und sie ist gezeichnet von Mühsal und Beschwer.
Wir können Gott nicht sehen – Er scheint uns Menschen unerreichbar und fern zu sein.

Wer an Gott glaubt, lebt in der Zuversicht, dass Gott seiner Verantwortung gerecht werden wird, dass er die Lebewesen liebt, denen er den Lebensatem eingehaucht hat.

Glaubende vertrauen dem Versprechen, das diese Schöpfung ist:

Siehe ich mache alles neu!

Das sind die letzten Dinge: die neue Schöpfung, in der all das überwunden ist, was die Lebewesen jetzt plagt, was sie traurig macht und worüber sie Tränen vergießen.

Schwestern und Brüder!
Durch Jesus Christus dürfen wir zuversichtlich hoffen auf die Zusage:

„seht ich mache alles neu!“