10.05.26: 6. Ostersonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder,
immer wieder suche ich Antworten auf die Frage: Was macht einen Christen aus? Zum Beispiel, wenn wir an die Erde denken, auf der wir leben. Es ist uns geschenkt, dass wir Bilder von der Erde kennen, die aus dem Weltraum aufgenommen sind. Sie zeigen uns die Schönheit unseres Planeten. Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verstehen wir besser die Geheimnisse der Physik, der Biologie und der kleinsten Bestandteile der Schöpfung.

Christen sind Menschen, die über die Schönheit der Erde und der Lebensformen auf der Erde staunen und die Gott unseren Schöpfer dafür preisen. Christus hat uns die Augen geöffnet, wie eng die Schöpfung mit dem Schöpfer verbunden ist. Ihn grüßen wir:

Sohn Gottes und Bruder der Menschen.
Arzt der Kranken und Trost der Trauernden.
Hoffnung der Menschen und Licht der Welt

Ansprache:

Liebe Schwestern und Brüder, der Wein, der in der Messfeier getrunken wird beschäftigt immer wieder – und teils scherzhaft – die Mitfeiernden: es wird beobachtet, ob der Zelebrant mehr oder weniger Wein einschenkt, dass nur sehr wenig Wasser in den Wein gegossen wird, wie oft jemand schluckt, wenn er aus dem Kelch trinkt. Warum verwenden Sie keinen Rotwein werde ich manchmal gefragt. – Ich sag es gleich: Bei uns in Europa ist Weißwein üblich, weil der keine Flecken macht.

Die Mischung von Wein und Wasser kann uns aber heute helfen, den Abschnitt aus der Abschiedsrede des Johannesevangelium zu verstehen:
Jesus sagt – in der vom Evangelisten komponierten Rede: „Ihr werdet erkennen: Ich bin im Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.“ – Das ist ja ein richtiges Ineinander!

Zur Mischung von Wein und Wasser gehört dieses Gebet:
Wie das Wasser sich mit dem Wein verbindet, so lasse uns dieser Wein teilhaben an der Gottheit Jesu, der unsere menschliche Natur angenommen hat.

Gott hat in Jesus das Mensch-Sein angenommen und durch ihn haben wir Anteil an Gott: Gott ist in uns und wir sind in Gott.

Behalten sie bitte diesen Gedanken aus dem Johannesevangelium im Kopf und verbinden sie ihn mit unserem Glauben, dass diese Erde und das ganze Universum, in dem wir leben, Gottes Schöpfung sind.

Was bedeutet der Satz: „Gott ist in uns und wir sind in ihm!“ für den Schöpfungsglauben?:

Die Erschaffung der Erde und des Universums ist keineswegs etwas das früher war. Es ist kein Schöpfungsakt vor langer Zeit. Gottes Schöpfungstätigkeit dauert immer noch an.

Die Erschaffung des Universums ist Gottes Beruf und er ist nicht im Ruhestand – er übt diesen Beruf immer weiter aus – so ewig, wie er selbst ist.

Wenn wir an Gott denken, den Vater, der uns liebt wie eine Mutter,
müssen wir uns Gott nicht irgendwo anders denken – wo wir nicht sind.

Wir dürfen uns Gott denken als den, der in uns ist: er ist das Leben in uns
Wir dürfen Gott denken als den, in dem wir sind, so wie in der Luft, die uns umgibt und ohne die wir nicht leben können.

Das ist eine ganz andere Vorstellung von Gott als uns die Bilderwelt in den barocken Kirchen nahelegt. Da wird Gott in menschlicher Gestalt gezeigt. Er thront über den Wolken in seinem Himmel, jenseits unserer Erde und unseres Alls.

Doch es ist die Gedankenwelt des Johannesevangeliums:
Jesus ist im Vater. Jesus ist in uns und wir sind in ihm.

Wenn jetzt gleich, Wasser und Wein gemischt werden setzt sich darin ein antiker Brauch fort: der Wein war so intensiv und stark, dass er nur mit Wasser vermischt genießbar war. Aber wir deuten diese Mischung:

Wie sich Wein und Wasser untrennbar vermischen, so sind wir untrennbar mit Gott verbunden.

Jesus hat uns dafür die Augen geöffnet.

Danke lieber Jesus! Danke!

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Liebe Schwestern und Brüder, wir Menschen haben alle den gleichen Ursprung und das Gleiche Ziel: Gott, von dem wir kommen und zu dem wir kommen. Verbunden mit der gnazen Menschheitsfamilie beten wir: Gott, du Quelle des Lebens
L/A: Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu.

  • Wir beten für die ganze Menschheit: dass sie das Staunen über die Größe und Schönheit des Universums und unserer Erde behält.
    Gott, du Quelle des Lebens
  • Wir beten für unsere Pfarreiengemeinschaft: dass wir weiterhin einen guten Weg miteinander suchen und finden und gehen.
    Gott, du Quelle des Lebens
  • Wir beten für unsere christlichen Kirchen in unserem Land. Sie stehen vor großen Umbrüchen und Veränderungen: dass sie Ihre Sendung erfüllen, Gottes Liebe in Tat und Wort zu verkünden.
    Gott, du Quelle des Lebens
  • Wir beten für die Menschen, die Angst haben vor den Veränderungen unserer Zeit: dass Sie nicht allein gelassen werden und vertrauenswürdige Begleiter finden: Gott, du Quelle des Lebens
  • Wir beten für die Menschen, deren Einkommen zu klein ist, um einen Notgroschen anzusparen: dass unsere Gesellshaft ihre Verantwortung für gerechte Lebensverhältnisse wieder besser entdeckt.
    Gott, du Quelle des Lebens.
  • Wir beten für alle, die sich für die Bewahrung der Schöpfung als Lebensraum für Menschen und Tiere und Pflanzen einsetzen: dass sie immer mehr Menschen dafür begeistern können.
    Gott, du Quelle des Lebens

Lektor/in: Gott, in dir bewegen wir uns und sind wir. Erhalte uns in der Liebe zu dir und bleibe deiner Schöpfung treu, damit dich alle Geschöpfe preisen durch Christus, unseren Herrn. Amen.

18. Januar 2015: 2. Sonntag im Jahreskreis (LJ B)

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Schwestern und Brüder im Glauben an Christus,

versuchen wir uns einmal in die Lage des Evangelisten zu versetzen.
Er hat Stoff gesammelt, um ein Buch über Jesus zu schreiben, um ein Buch von seinem Glauben an Jesus zu schreiben.
Er fängt seine Erzählung an mit der Taufe Jesu im Jordan:
Er richtet es so ein, dass Johannes zwei seiner Jünger auf Jesus als Lamm Gottes hinweist. Die beiden Jünger folgen ihm und Jesus fragt sie:

„Was wollt, was sucht ihr?“

Was könnte Johannes als Antwort der Jünger schreiben?

Wir wollen mit dir reden? Wir wollen dich etwas fragen?

Die Jünger fragen: Wo wohnst du? Oder besser: Wo bleibst Du?  Wo bist du zuhause?

Schwestern und Brüder,
eine Wohnung sagt viel aus über einen Menschen – aber ich glaube nicht, dass es um die Wohnung Jesu geht.
Es geht nicht darum, ob Jesu Wohnung aufgeräumt ist, ob er einfach lebt oder komfortabel.

Wo bleibst Du? Diese Frage sollten wir – aus der Sicht des Johannes – hintergründiger, tiefsinniger verstehen:
Was gibt dir Halt? Was ist dein Glaube?  Was bewegt dich und wo findest du Kraft und Ruhe?

Jesu Antwort ist ebenso tiefsinnig: Kommt und ihr werdet sehen!

Jesus macht kein Geheimnis daraus. Die Jünger dürfen es sehen – er zeigt ihnen, was ihn hält und Kraft gibt.

Und sie blieben – an jenem Tag ‑ bei ihm und sahen, und erlebten, wo er seine Bleibe hatte:

Liebe Schwestern und Brüder,
damit möchte ich Worte aus der Abschiedsrede Jesu am Ende des Johannesevangeliums verbinden:
Jesus sagt zu den Jüngern:
Wer mich liebt, wird meine Worte bewahren und mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm bleiben.

Das Johannesevangelium spannt einen Bogen von Anfang bis Ende:

Jesus ist die Einladung Gottes an uns:
So wie der Vater Jesus ganz erfüllt und in ihm ist,
so wie der Geist Gottes in Jesus ist und bleibt,
so wie Jesus ganz aus dieser Offenbarung lebt,
so dürfen wir auch wir erkennen, dass Gottes Geist in uns ist.

Wir, die Jünger Jesu werden so wie Jesus selbst immer im Vater bleiben.
Wir werden eins sein mit ihm und mit uns selbst und untereinander.
Der himmlische Vater ist unsere Bleibe, unser Zuhause.
Er ist unser Halt und die Quelle unserer Kraft,
er macht uns fähig, die Welt und alles in ihr so zu lieben, wie Gott.

Schwestern und Brüder.
„Kommt und ihr werdet sehen, wo ich bleibe.“ sagt Jesus zu uns,

Das ist kein Tipp, wie wir noch besser unsere täglichen Aufgaben, Freuden, Probleme bewältigen. Das ist kein moralischer Anspruch, kein Gebot, keine Weisung- es ist eine Einladung:

Wenn wir das ganze Evangelium mit offenem Geist und Herzen lesen, werden wir immer besser verstehen und sehen und erkennen, wo Jesus bleibt und woraus er lebt.
Wir werden selbst immer mehr bei ihm sein und unsere Bleibe da haben, wo er sie hatte:
Wir werden immer mehr verankert sein im Bewusstsein, dass Gott in uns ist.
Seine Freiheit, sein Friede, seine Liebe werden in uns sein.

Und wir werden in unseren täglichen Freuden und Sorgen, Ängsten und Hoffnungen einen Halt haben und eine Sicherheit: wir werden immer besser darin werden, in der Liebe Gottes zu bleiben.

Kommt und ihr werdet sehen, wo mein Friede ist! Ruft Jesus uns zu.