05.01.25: 2. Sonntag nach Weihnachten

Hier geht es zu den texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
in der 2. Lesung hören wir heute einen sehr erstaunlichen Satz:

„In Jesus hat Gott uns erwählt – schon vor der Grundsteinlegung der Welt. Er hat uns im Voraus bestimmt, seine Söhne (! und Töchter !) zu werden und zu ihm zu gelangen“.

Wenn Gott uns erwählen kann – noch bevor die Welt wurde, waren wir also schon vor der Welt. Ja, solche Gedanken machen schwindlig.

Das kann gar nicht anders sein – wenn wir, an Zeit und Raum gebundene Menschen, über den Grund und Ursprung unseres Seins nachdenken:
über Gott, der Zeit und Raum erfüllt, so wie die Luft unsere Lungen.

In Jesus hat Gott sich mit uns verbunden. Zu ihm rufen wir:

Jesus Christus, Wort Gottes seit Ewigkeit.
Du bist Gottes Weisheit im Fleisch.
Durch die empfangen wir Gnade und Einsicht.

Singen und preisen wir unserem Gott:

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
dieser Johannesprolog wurde bis zur Erneuerung der Messliturgie im Jahr 1968 am Ende jeder Sonntagsmesse vorgelesen. Auch wenn diese Übung nicht mehr weitergeführt wird: der Anfang des Johannesevangeliums hat eine außerordentliche Aussagekraft und poetische Kraft:

„Im Anfang war das Wort“ – als langjährige Hörer der hl. Schrift denken wir dabei unwillkürlich an den Anfang der Hl. Schrift überhaupt: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde …. Gott sprach.“ Auch hier: Das Wort!

Wenn wir uns äußern, ausdrücken, in Beziehung treten – tun wir das sehr, sehr oft durch unser Wort. Gott drückt sich durch sein Wort aus. Ererschafft durch sein Wort Licht und Dunkel, die Sonne und die Sterne, Wasser und Land, Pflanzen Fische, Vögel und Landtiere und den Menschen.

Das Wort Gottes und Gott selbst gehören zusammen.
Das Wort gehört zu Gott von Ewigkeit her.

Der Prolog beschreibt ein Drama: Das Wort Gottes bringt das Leben.
Das Leben ist das Licht der Menschen. Aber die Finsternis nimmt das Licht nicht auf.

Immer schon – seit die Welt besteht und Menschen auf dieser Erde leben – besteht dieses Drama. Statt Gott für das Leben zu danken, beklagen sich die Menschen, es wäre zu wenig. Durch Raub und Mord, durch List und Betrug versuchen sie, sich mehr zu holen.

Zugleich aber – seid Menschen auf der Erde leben – gibt es Menschen, die das Licht, das Wort Gottes, das Leben als Gottes Gabe erkennen und annehmen und ihm dafür danken. Sie sind Kinder Gottes. Durch gegenseitige Hilfe, durch Anerkennung und Wohlwollen steigern sie die Dankbarkeit für das Leben.

Dann kommt der Höhepunkt:

„Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt!“

Das ist auf Jesus bezogen: Das Wort Gottes, in dem er sich ausdrückt und Leben schafft, dieses ewige Wort Gottes ist Fleisch geworden.

Jesus ist das fleischgewordene, ewige Wort Gottes.

Das ist ganz und gar neu. Er ist nicht durch Gottes Wort erschaffen,
sondern er ist das Wort Gottes im Fleisch.

Ich schwanke innerlich: Einerseits kann ich gar nicht verstehen, wenn jemand bei diesem Gedanken nicht voll Begeisterung zu jubeln anfängt.

Andererseits kann ich verstehen, dass diese Ausdrucksweise fremd ist und deswegen keine Gefühle entstehen.

Wie könnte man es besser ausdrücken?

Vielleicht wie das Matthäusevangelium: Es erzählt von den Weisen, die aus dem Osten kommen und in das Haus gehen, über dem der Stern stehen bleibt. Und sie finden das Kind und seine Mutter und bringen ihm ihre Geschenke: Gold Weihrauch und Myrrhe.

Oder wie das Lukasevangelium: Jesus wird nach seiner Geburt in einen Futtertrog gelegt. Die Engel verkünden den Hirten, dass der Retter geboren ist und sie suchen und finden das Kind und erzählen, was sie erlebt hatten.

Welches ist ihnen das liebste? Was bringt sie am Ehesten zum Staunen und Wundern und Glauben: Die poetische Kraft der Sprache, der Glanz des Sternes oder die Erscheinung der Engel?

Es ist ein wunderbarer Dreiklang, der das Lied singt:

Jesus befreit uns von aller Angst,
wir würden nicht genügen.
Durch ihn verstehen wir
er schenkt uns die Weisheit,
dass wir darauf vertrauen können:
Nichts und niemand kann uns von Gott trennen
– nicht einmal unsere eigene Lieblosigkeit!

Das Leben Gottes ist in uns. Wir gehören zu ihm in alle Ewigkeit. Amen.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Jesus Christus, du bist das Wort Gottes. In dir spricht Gott sich aus. Aus dir spricht Gott zu uns. Wir beten zu dir:
Jesus unser Bruder und Herr               L/A: Schenke Licht und Leben

  • Wir beten für die Menschen, die unter Depressionen, unter Schizophrenie, unter Angststörungen leiden:
    dass sich Hilfe bekommen und wieder Licht sehen.
    Jesus unser Bruder und Herr         A: Schenke Licht und Leben
  • Wir beten für die Menschen, die nicht an Gott glauben, dass sie der Kraft des Lebens vertrauen und das Gute suchen und tun.
    Jesus unser Bruder und Herr         A: Schenke Licht und Leben
  • Wir beten für die Menschen, die im Glauben an Jesus Halt und Geborgenheit finden: dass sie darin immer wieder neu bestärkt werden.
    Jesus unser Bruder und Herr         A: Schenke Licht und Leben
  • Wir beten für die Menschen, die nach der Wahrheit suchen und darüber nachdenken, woher das Universum kommt, was die Aufgabe des Menschen ist und was er hoffen darf: dass sie finden, was sie suchen.
    Jesus unser Bruder und Herr         A: Schenke Licht und Leben
  • Gebet für Verstorbene

Lektor/in: Jesus Christus, du führst uns zum Vater und öffnest uns die Tür zum Glanz der Herrlichkeit des Vaters. Durch dich loben wir Gott, unseren in Ewigkeit.

5. Januar 2014: 2. Sonntag nach Weihnachten

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Wer ist Jesus eigentlich?

Viele halten Jesus für ein großes Vorbild der Menschlichkeit und schätzen ihn wegen der „Werte“ des Evangeliums.

Das ist auch berechtigt: denn Jesus ist ein Symbol für Barmherzigkeit, Frieden, Versöhnung und Einheit. Wer in dieser Weise auf Jesus hört und innerlich seiner Lehre zustimmt, kann sicher sagen, dass er an Jesus glaubt.

Ist das alles? Jesus als Vorbild der Menschlichkeit? – reicht das, um ihn zu verstehen?

Wohl ist die „Nächstenliebe“ zentral in Jesu Botschaft. Sie ist das wichtigste Gebot. Wie aber Jesus die Nächstenliebe deutet, geht weit über das hinaus, was unter Menschen, die es gut mit anderen meinen, üblich ist:
„Verkaufe alles, was Du hast!“ „Wenn Dich einer auf die linke Wange schlägt, halte ihm auch noch die rechte hin.“ „Wenn einer den Mantel von dir will, gib ihm auch noch das Hemd!“ „Der Größte unter euch soll der Diener aller sein!“ – Diese Aufzählung lässt sich fortsetzen. Das ist weit mehr als „lieb“ sein.

Jesus ist der Bote radikaler Nächstenliebe – ist damit umrissen und beschrieben, wer Jesus war?
Die vier Evangelisten sind sich darüber einig, dass es anders ist:
Die zentrale Botschaft Jesu ist: „Das Königreich Gottes ist mitten unter euch!“ Wenn ich sagen möchte, wer Jesus ist, muss ich als erstes sagen:

Er hat Gottes Reich verkündet und in ihm, seinem Handeln und seiner Verkündigung ist es angebrochen. Die Liebe Gottes zu seinen Kindern und zu seiner Schöpfung, sowie die Liebe zu Gott und zum Nächsten hat Jesus als das wichtigste im Reich Gottes erklärt.

Jesus hat also etwas mit Gott zu tun. Er versteht sich von Gott her und er lebt, um Gottes Willen zu tun und die Menschen für ihn zu begeistern.

Wer ist Jesus? – In welcher Beziehung steht Jesus zu seinem Gott, zum Gott Israels, den er seinen und unseren himmlischen Vater nennt?
Wer ist Jesus? Das lässt sich nicht beantworten, ohne auch darauf eine Antwort zu suchen.

Die Evangelien und die Briefe der Apostel reichen nachweislich bis ins erste Jahrhundert zurück, also unmittelbar bis zur Zeit des Lebens Jesu.
Diese Schriften aus der urchristlichen Überlieferung beantworten diese Frage mit dem Titel: „Sohn Gottes“!

Die Stimme aus dem Himmel sprach: „Das ist mein geliebter Sohn!“ Der Hauptmann unter dem Kreuz bekennt: „Wahrhaftig dieser Mensch war Gottes Sohn.“

Was aber ist damit gemeint? Was bedeutet Sohn Gottes?

Das Johannesevangelium kann dasselbe ausdrücken mit den Sätzen:
„Im Anfang war das Wort, und das Wort war Gott. Alles ist durch das Wort geworden. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen.“

Lukas kann es ausdrücken mit der Geschichte vom Engel Gabriel, der Maria die Botschaft bringt. Matthäus beschränkt sich auf die Bemerkung: „Es zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete durch das Wirken des Heiligen Geistes.“
Wir Theologen heute sprechen in abstrakter objektivierter Sprache von der Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus.
Die früheren Theologen sagten: Er ist eines Wesens mit dem Vater, gezeugt nicht geschaffen.“

Jesus ist der Sohn Gottes – das sagen wir Christen aller Konfessionen.
Es ist eine größte innerliche Nähe zu Gott angesprochen.
Es ist eine Sendung von Gott her angesprochen.
Wer mich hört, hört den Vater im Himmel! Ich bin gesandt, um seinen Willen zu tun.

Doch über all dem brauchen und sollten wir nicht vergessen: Jesus sagt: Ich gehe zu meinem Vater und zu eurem Vater! Wir sind als Söhne und Töchter Gottes – jedenfalls, wenn wir an Jesus, den Sohn Gottes und an sein Wort glauben.