18.01.2026: 2. Sonntag im Jahreskreis

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder,
Haben sie in ihrer Wohnung eine Fotografie von einem schönen Erlebnis?
Es kann immer wieder das Besondere und Schöne dieses Augenblicks lebendig werden lassen.

Die Eucharistiefeier bewirkt ganz ähnliches: Wir werden erinnert an Jesus und seine besondere Bedeutung und Liebe. Wir sprechen die Worte, die Jesus beim Abschiedsmahl zu seinen Jüngern sagte.

In dem ganze Tun wir die Liebe Jesu wirksam. Sie betrifft uns und sie bewegt uns. Jesus nimmt uns in die Gemeinschaft mit seinem Vater auf:
Er ist in uns und wir sind in ihm.

Wir wollen ihn loben und preisen und rufen zu ihm.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
In jeder Messfeier beten wir:
„Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde Welt.“
Unzählige Male wird das Lamm Gottes bildlich dargestellt – auch in unserer Kirche. Oft mit einem Blutstrahl, der aus der Brust hervorquillt. So wird eine Verbindung hergestellt zum Tod Jesu, wo ein Soldat mit einer Lanze in die Seite Jesu sticht.

Verstehen sie, warum Jesus als Lamm (!) Gottes bezeichnet wird?
Es klingt fast entgegengesetzt, wenn Johannes in den nächsten Sätzen sagt: „Ich sah, dass der Geist auf ihn herabkam. „Er ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft“ Und sogar: „Dieser ist der Sohn Gottes“

Lamm Gottes, Ausgestattet mit dem Heiligen Geist, er tauft mit dem Heiligem Geist. Er ist der Sohn Gottes!

Diese Komposition macht einem fast schwindlig im Kopf.

Das würde gar nicht zu Jesus passen, denn er soll ja Klarheit bringen und die Wahrheit über Gott und Mensch. Also versuchen wir Klarheit zu gewinnen: Woher kommt der Vergleich mit einem Lamm?

Am Beginn der Geschichte Israels steht eine Flucht. Eine Flucht, die fast wie ein triumphaler Festzug dargestellt wird: Die Flucht der Israeliten aus Ägypten. Am Abend vor diesem Auszug schlachten die Israeliten in ihren Hausgemeinschaften ein Lamm, um sich zu stärken.

Das Blut des Lammes streichen sie an ihre Türpfosten. Es ist das Zeichen, dass sie zum Herrn gehören, der Moses beauftragt hat, sein Volk, die Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs in die Freiheit zu führen.

Jesus wird getötet – wie die Lämmer beim Auszug.
Alle, die an ihn glauben, den man hingerichtet hat wie ein Lamm, macht er frei – frei von der Selbstentfremdung, von der Entmenschlichung durch das, was wir Sünde nennen.

Er macht uns frei und stärkt uns für unseren Weg, die Sünde hinter uns zu lassen.

Liebe Schwestern und Brüder,
diese etwas komplizierten Gedanken und Zusammenhänge zeigen, dass wir neben dem Neuen Testament auch die heiligen Schriften des Volkes Israel, das von uns so genannte AT im Gepäck haben. Es ist die Heilige Schrift, aus der Jesus geschöpft hat und mit deren Bildern und Erfahrungen Jesus und sein Erlösungswerk beschrieben werden.

Das bedeutet bei Leibe nicht, dass die Heilige Schrift unmittelbar von Gott gegeben ist. Vielmehr gibt es in dieser Schrift des Volkes Israel viele Vor­stellungen und Gedanken über Gott, die nicht mit dem vereinbar sind, wie Jesus Gott und seine väterliche Liebe und Barmherzigkeit verkündet hat.

Es verläuft aber eine Spur vom Gottesglauben Israels zur Gottesbotschaft Jesu. Glanzlichter, die aufleuchten und zeigen, dass die Schriften des Alten Testaments Zeugnis sind für die Selbstoffenbarung Gottes an die Menschen der Erde.

Zum Beispiel die Sätze aus dem Buch Jesaja, die wir in der ersten Lesung gehört haben:

„Es ist zu wenig, dass nur Israel und Juda zum Herrn heimgeführt werden.
Vielmehr soll der Prophet und mit ihm das ganze Volk zum Licht für die Völker werden. Gott, der Herr, will allen Menschen der Erde das Heil schenken.“

Wir Jünger Jesu glauben:
Jesus ist dieser Eine. Er ist das Licht für alle Nationen
und er macht uns zum Licht,
weil er uns den Geist vom Himmel, den Geist Gottes schenkt:
Der Geist Gottes durchtränkt und erfüllt uns, so dass wir wahrhaft Kinder Gottes und Ebenbild Gottes heißen dürfen: Die Gesalbten des Herrn! Wenn wir hernach beten: Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, bekennen wir: Jesus, dessen Blut man vergossen hat, wie das Blut eines wehrlosen Lammes ‑ befreit uns und macht uns heil durch das Geschenk des Geistes Gottes.
Er teilt ihn mit uns, weil er der Sohn Gottes ist.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Himmlischer Vater, durch deinen Sohn Jesus befreist du uns aus der Macht der Sünde. Wir beten zu dir:

Himmlischer Vater     L/A: Sende aus deinen Geist und die Erde wird neu.

  • Für die Menschen, die Gewalt erleiden: dass sie davon erlöst werden.
    Für die Menschen, die anderen Unrecht antun: dass sie davon ablassen.
  • Für unsere Gesellschaft, dass das Gemeinwohl wieder zu einem Wert wird, dem sich alle verpflichtet wissen.
  • Für die Menschheitsfamilie, dass dein Geist die Liebe zum Frieden und zur Gerechtigkeit weckt und stärkt und den Geist der Feindschaft und der Selbstsucht überwindet.
  • Für die Getauften auf der ganzen Erde: dass sie die Spaltungen hinter sich lassen und ihre Einheit erkennen und dir gemeinsam für das Leben und den Geist danken.
  • Für unsere Gemeinde: dass wir nicht müde werden, die Gemeinschaft mit den Christen anderer Konfessionen zu pflegen und zu vertiefen.

Lektor/in: Vater im Himmel, du bist der Eine und Einzige; die Quelle allen Lebens. Wir loben dich vereint mit allen, die dich suchen und ehren. Jetzt und in Ewigkeit. Amen.

2. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

Einführung:
Jeder von uns hat etwas, das ihn belastet, was ihm das Leben schwer macht, was ihn bedrückt.
Besonders schlimm finde ich, wenn ich mit jemandem Streit habe – noch dazu, wenn mir der Mensch wichtig ist.
Noch schlimmer ist es, eine richtige Feindschaft zu haben.

Leider gibt es unter uns Menschen viele Spaltungen und tiefe Gräben. Feindschaften, Neid, Konkurrenz, Ablehnung.
Leider gibt es auch in der Christenheit viele Spaltungen.

Wenn ich mir wünschen dürfte, von einer großen Last befreit zu werden, dann würde ich mir wünschen, dass die Menschen und erst recht wir Christen einander nicht ausschließen, sondern wie in einer Familie miteinander verbunden wissen.

Ansprache:

„Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“

In der Messfeier beten wir ein bisschen umgewandelt:
„Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt!“

Dieser Satz steht in einem ganzen Kosmos von bildlichen Vorstellungen über die Welt und Gott:

Gott ist der Schöpfer der Erde!
Der Mensch lebt durch ihn und aus seiner Kraft.

Der Mensch hat nicht auf Gott gehört:
Er möchte selbst bestimmen, was für ihn gut ist.

Er fügt anderen einen Schaden zu, für den eigenen Vorteil.
Das passiert uns jeden Tag:
Drängeln beim Anstehen und im Verkehr.
Etwas abstreiten, damit man keinen Ärger bekommt.
In der Probe abschreiben, damit man die Aufgabe lösen kann.
Es passieren noch viel schlimmere Dinge, von denen ich jetzt gar nicht reden mag.

Jesus nimmt die Sünde weg: Wie ist das gemeint?

1. Jesus sagt uns: Gott will trotzdem, dass es dir gut geht. Er verzeiht dir.
Er bleibt bei dir. Er straft dich nicht. Du bist und bleibst Gottes Kind.

2. Jesus nimmt die Sünde weg, das heißt auch, er zeigt uns, dass wir die Sünde nicht brauchen. Er zeigt uns, dass wir gut sein können zu den anderen. Er zeigt uns wie das geht. Wir können miteinander leben, ohne dass einer dem anderen etwas Schlechtes tut. Wir können helfen, teilen, trösten, …

Liebe Schwestern und Brüder,
das gilt für alle, die an Jesus glauben: für uns röm.kath., für die orthodoxen, für die evangelischen Christen.

Jesus nimmt die Sünde von uns weg. Eine große Sünde ist die Spaltung zwischen uns Christen:
Warum gibt es diese Spaltungen? Wegen Meinungsverschiedenheiten, wegen Rechthaberei, wegen gegenseitigen Beschimpfungen, weil man einander nicht zugehört hat, weil man selbst bestimmen wollte.

Dann wollte man nichts mehr miteinander zu tun haben.

Jesus nimmt die Sünde weg, was heißt das in diesem Fall:

Wir dürfen erkennen: obwohl es Unterschiede gibt, obwohl wir alle manche Dinge anders machen dürfen wir erkennen:
Wir glauben an Jesus, wir hören auf ihn, wir folgen ihm.

Die Spaltung muss nicht für immer bleiben. Wir können sagen:
Wir gehören zusammen, weil Jesus die Sünde von uns allen wegnimmt.
Und deshalb wollen wir auch miteinander beten.
Und deshalb dürfen wir auch beim Abendmahl,
bei der Kommunion unsere einander willkommen heißen.

Wir brauchen uns nicht gegenseitig ausschließen, sondern wir dürfen einander einladen.

Am nächsten Donnerstag üben wir das wieder.
Die ev. Christen und wir röm.katholischen Christen beten miteinander,
wir singen miteinander, wir hören miteinander auf die heilige Schrift und dabei spricht Gott uns zu Herzen.

Ich bitte Sie, dass wir das schätzen. Wir sind wirklich weit gekommen. Wir sind inzwischen Freunde geworden. Geschwister im Glauben.

Diese Gemeinschaft müssen wir pflegen und stärken und dadurch müssen wir auch unseren Kirchenleitungen klar machen: Wir möchten diese Spaltung nicht mehr: Auch wenn wir verschieden sind, wollen wir doch miteinander den Glauben feiern. Wir wollen uns gegenseitig zum Abendmahl und zur Kommunion einladen. Hoffentlich wird das bald.

FÜRBITTEN

Lektor/in: Gott, du bist unser Vater, in Gemeinschaft mit allen Christen beten wir zu dir:

Gott, Vater der Menschen – (A) führe uns durch deinen Geist

  • Wir beten für die Kinder, die heuer das erste Mahl die heilige Kommunion empfangen werden: dass sie in ihren Familien lernen, als Jünger Jesu zu leben. Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten für die Eltern, die ihre Kinder zur Taufe gebracht haben: dass sie die Verbindung mit Jesus halten und mit ihren Kindern beten und Nächstenliebe üben. Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten für alle Menschen in unserem Stadtviertel: dass wir offen sind füreinander und dass Menschen in Not geholfen wird.
    Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten für unsere Pfarrgemeinde und für die Matthäusgemeinde und für die Pfarrgemeinde von St. Albertus Magnus: Dass wir den Glauben gemeinsam leben lernen und dass wir zum Segen für die Menschen in unserem Stadtviertel werden. Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten für alle christlichen Kirchen: dass wir die Spaltungen überwinden, dass wir unsere Gemeinsamkeiten immer mehr entdecken und dass wir bald gemeinsam das Herrenmahl feiern können.
    Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten um den Frieden überall dort, wo Menschen Krieg gegeneinander führen, wo Feindschaft besteht, wo Angst und Schrecken die Menschen plagen. Gott, Vater der Menschen –

Priester: Himmlischer Vater, wir loben dich für deine Gaben, für den Geist, der in uns ist und uns lenkt und treibt. Gib, dass wir deinen Segen erfahren, dass wir dir danken durch Jesus Christus, unseren Herrn.