22.03.26: 5. Fastensonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung:

Junge Menschen planen ihr Leben. In unserer Heimat haben Sie dafür eine Fülle von Möglichkeiten. Auch die jungen Menschen im Süden der Erde stehen in den Startlöchern: aber für sie gibt es viel weniger Chancen und Möglichkeiten.

Misereor zeigt uns als Beispiel ein Projekt in Douala, der Hauptstadt von Kamerun. Die dortige Caritas unterstützt junge Menschen dabei, einen Beruf zu lernen und auszuüben. „Hier fängt Zukunft an“.

Sie geben sich nicht der Hoffnungslosigkeit hin, sondern handeln aus dem Vertrauen, dass Sie Zukunft haben.

Dieses Vertrauen hat seinen Ursprung in Jesus Christus.

Jesus Christus, du rufst uns, dass wir unsere Talente zum Wohle aller einsetzen.

Du gibst uns den Mut an das Gute zu glauben.

Du bist unsere Hoffnung, du bist die Auferstehung und das Leben.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Prof. Gerhard Hotze lehrt in Münster Auslegung des Neuen Testaments. Ich mache mir seinen Standpunkt zu eigen: Die Geschichte vom Lazarus beschreibt keine historische Begebenheit. Johannes verkündet in und mit dieser Geschichte, wer Jesus für uns Christen ist.

In aller Kürze möchte ich zeigen, wie diese Geschichte uns Hoffnung macht und unseren Glauben stärkt:

Wir haben die ganze Geschichte ohne Auslassungen gehört. Stellen sie sich vor, sie würden die Geschichte nicht schon kennen. Es dauert quälend lange, bis schließlich Lazarus aus dem Grab gerufen wird.

Geht es uns nicht auch so: Man könnte den Mut verlieren. Es wird immer noch schlimmer: Immer noch ein neuer Krieg wird angefangen – immer noch mehr Menschen geraten in Armut – immer noch mehr Menschen werden in die Flucht geschlagen und wissen nicht wohin.
Es wird immer noch schlimmer –kann man noch hoffen, dass es wieder besser wird, dass es einmal gut wird?

Dem setzt das Evangelium Jesus gegenüber, der sagt:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Jeder der lebt und an mich glaubt wird bei Gott niemals sterben.“

Ja, ich glaube, dass Gottes Kraft in uns ist;
dass Gott in seinen Geschöpfen lebt und
dass deshalb nichts für den Untergang bestimmt ist.

Eine Frage nehme ich mit aus dem Evangelium:
Wozu dient die Bemerkung, dass Jesus weinte?

Soll Jesus als Trauernden gezeigt werden.
Oder wird Jesus als der gezeigt, dem die Hoffnungslosigkeit der Menschen zu Herzen geht und zu Tränen rührt?

Das ist doch der Grund, warum Jesus gelebt hat: Um uns aus der Hoffnungslosigkeit zu befreien und den Glauben an das Leben zu wecken, das Gott schenkt und das Gott ist?

Jesus war erfolgreich!
Zwar hat er den Tod erlitten. Aber, er lebt ‑bei Gott und im Licht Gottes. Und: viele der Menschen, die sich dem Tod verfallen glaubten – so wie Lazarus – viele dieser Menschen sind zum Glauben gekommen.

Sie sind aus dem Tod ins Leben hinübergegangen. Die Fesseln des Todes haben sie abgestreift und leben in der Hoffnung und im Vertrauen, dass Gott ihre Zukunft ist: das Leben, der Friede, die Freude das Licht.

Das Morgen erstrahlt schon im Heute.

So wie Fotos der Orte, wohin wir reisen möchten uns schon einstimmen auf das, was wir mit eigenen Augen sehen werden.

Die Geschichte von Lazarus ist keine historische Begebenheit,
aber sie ereignet sich in unserem Leben – jeden Tag:
Jesus ruft uns aus dem Dunkel der Todesgewissheit – er löst uns die Binden – damit wir im Licht der Hoffnung leben.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Vater, von dir kommt das Leben und du bist in allem Lebendigen. In deinem Geist und durch Jesus Christus beten wir:

Vater in Ewigkeit        L/A: Schenke Licht und Leben

  • Hier fängt Zukunft: Berufsbildung fördern, Perspektiven schaffen, Zukunft gewinnen: Im Vertrauen auf Gott, der Zukunft schenkt beten wir:
  • Wir beten für die jungen Menschen im Süden der Erde, um die Kraft, ihre Talente zu entwickeln.
  • Wir beten für alle Ausbilderinnen und Ausbilder um Geduld, Kraft und Offenheit, ihren Auszubildenden den Weg in ihre berufliche Zukunft zu ebnen.
  • Wir beten für alle Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, dass sie sich dem Gemeinwohl verpflichten und für Gerechtigkeit eintreten.
  • Wir beten für uns, dass wir unsere Mitverantwortung für die Zukunft junger Menschen erkennenund diese mit unseren Möglichkeiten zu unterstützen.

Lektor/in: Gott, schenke uns deine Geistkraft, dass wir gemeinsam, global und gerecht den Weg in deine und unsere Zukunft finden. Darum bitten wir durch Christus, unseren Bruder und Herrn. A   Amen.

29. September 2013: 26. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

 

 

Eine sehr eindrückliche Geschichte:

Soll ich mich mit Lazarus freuen?
Oder mit dem Reichen doch Mitleid haben – sein Geschick scheint endgültig zu sein?
Oder mich über Abraham (Gott) wundern, der so unbarmherzig ist?
Oder schadenfroh sein, weil es dem Reichen recht geschieht?
Oder um seine Brüder zittern, dass sie doch auf die Gebote hören?

Leider muss ich zugeben, dass diese Beispielgeschichte durchaus eine Wirklichkeit beschreibt, die wir tagtäglich beobachten müssen:

Reiche sind blind und gleichgültig gegenüber der Not der Armen.
Reiche sind blind und gleichgültig gegenüber dem Zusammenhang zwischen ihrem Reichtum und der Armut der Armen.

(Kleidungs- und Lebensmittelherstellung, Rohstoffausbeutung, Landgrapping, Prekäre Arbeitsverhältnisse, schamloses Ausnützen von Gesetzen, um Lohnkosten zu sparen, Steuern vermeiden)

Reiche erklären Reichtum durch Klugheit und Fleiß  – Armut durch Faulheit und Dummheit.
(Jeder ist seines Glückes Schmid)

Armut ist leise:
Man geht nicht oft aus dem Haus.
Man beteiligt sich nicht an Diskussionen.
Man versteckt die Armut, so gut man kann.
Man ist Bittsteller und abhängig von der Gunst anderer
und muss sich so manchen rüden Ton gefallen lassen.

Diese Beispielgeschichte gilt nicht den Armen: Sonst wäre sie leicht falsch zu deuten:
Halte deine Armut aus – im Himmel wird es dir gut gehen.

Diese Geschichte gilt denen, die in Gefahr sind, blind zu werden für die Armen, die in Gefahr sind, gleichgültig zu werden gegenüber den Armen.

Macht es nicht wie der Reiche, der Gottes Gebot überhört und missachtet:
Es ist eine Qual zu entdecken, dass man versäumt hat, die Not der Anderen zu lindern.

Und das, was man versäumt hat, so lange man Zeit gehabt hat, lässt sich nicht mehr nachholen. Die Einsicht in das Versäumte, mag brennen wie Feuer im eigenen Gewissen. Der innere Frieden, der dadurch entsteht, dass man gerecht und solidarisch handelt und Menschen aus der Not hilft, ist nicht im Nachhinein zugewinnen.

Macht es anders: Seid nicht blind für die Not der Armen, sondern tut fas Eure, um Sie zu lindern!