02.02.2020: 4. Sonntag im Jahreskreis + Darstellung des Herrn

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Liebe Schwestern und Brüder,
„Euer Lohn wird groß sein im Himmel!“ – Das waren die letzten Worten in den Seligpreisungen, die sozusagen als Magna Charta der Botschaft Jesu gelten.

Ich falle über das Wort „Lohn“. Wir verwenden es heute in einem ganz anderen Sinn: Lohn- und Gehaltszahlungen erhalten wir, weil wir unsere Kenntnisse und unsere Arbeitskraft und unsere Zeit einem Arbeitgeber zur Verfügung stellen.

Ich wehre mich innerlich dagegen, dass Gott „Lohn bezahlt“.

Hat nicht Paulus – wir haben es in der Lesung gehört – gesagt: „damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott?“ Allein aus Gnade seien wir gerettet, nicht durch unser Verdienst.

Dafür hat Martin Luther gekämpft und sogar in Kauf genommen, dass man ihn für vogelfrei erklärte und aus der Kirche ausschloss, so dass er mit Gleichgesinnten eine neue christliche Gemeinschaft aufbauen musste.

Und nun steht da: „Euer Lohn im Himmel wird groß sein!“

Geht es also um Leistung, die wir erbringen müssen?

Die Frage erübrigt sich, wenn wir darauf achten, wofür der Lohn in Aussicht gestellt wird: Wenn man um Jesu willen geschmäht und verfolgt wird.

Das ist keine Leistung, die man erbringen muss – aber es kann traurige Realität werden: dass man kein Verständnis erwarten kann, wenn man zugibt, an das ewige Leben zu glauben, das Jesus uns schenkt und schenken wird.

So zieht es sich schon vorher wie ein roter Faden durch die Seligpreisungen: Seligkeit, Himmelreich, Trost und Sättigung wird denen versprochen, die ihre Kräfte nicht für Macht und Geld und Ruhm einsetzen sondern für Ehrlichkeit, für Gerechtigkeit, für die Armen und schuldig gewordenen.

Der Lohn ist also eher ein Trost. Auch wenn man euch belächelt, zurückdrängt – bleibt diesem Weg treu. Es wird nicht vergeblich sein. Es wird offenbar werden, dass ihr gut gehandelt habt.

Liebe Schwestern und Brüder,
Simeon hat gerufen: Meine Augen haben das Heil gesehen, ein Licht, das die Völker erleuchtet.

Es ist wahr, dass die christlichen Kirchen dieses Licht oft verdunkelt haben, statt es auf den Leuchter zu stellen. Doch so sehr wir an diesem Licht schuldig geworden sind und an denen, die es deshalb nicht sehen können:

Es ist das Licht für die Welt und die Botschaft Jesu ist Licht in der Welt, wenn sie gelebt wird:

Sich nicht selbst groß machen,
trauern mit denen, die traurig sind;
sanftmütig bleiben, statt mit Gewalt die Dinge an sich  zu reißen;
für Gerechtigkeit eintreten und gerecht bleiben;
Notleidenden helfen und schuldig gewordenen vergeben;
wahrhaftig sein und sich für den Frieden einsetzen.

Wenn wir so handeln, bringen wir Licht in die Welt,
das Licht, das Simeon voll Freude im Tempel begrüßt hat.