08.06.25: Pfingsten

Ich habe folgende Bibelstellen ausgewählt:
Apg 2,1-11 – Röm 8,22-27 – Joh 7,3-39

Einführung:

Kinder Gottes, Pfingsten stammt von dem griechischen Wort „pentecoste“ und heißt 50ster. Gemeint ist der 50ste Tag seit dem Ostertag. In der biblischen Zahlenwelt also 7×7+1.

Die Zahl 7 bedeutet Vollendung. 7×7 ist also die vollendete Vollendung. Der 1. Tag danach ist der Tag des Neubeginns.

Es beginnt nun die Zeit der Jüngergemeinschaft. Die Jünger Jesu – bald Christen genannt – fangen an, selbst die Botschaft vom Reich Gottes und die Botschaft der Auferstehung zum ewigen Leben in Gottes Herrlichkeit zu verkünden. Die Botschaft, dass Gott unser Vater ist und uns immer geliebt hat und lieben wird. Preisen und danken wir Gott für die Gabe des Heiligen Geistes.

Ansprache:

Liebe Schwestern und Brüder,
„aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen.“
Das Evangelium redet über Jesus: Er ist der, aus dem die Ströme lebendigen Wassers fließen. Er ist die Quelle. Deshalb können alle, die Durst haben zu ihm kommen und ihren Durst löschen. Es geht nicht um den Durst nach Wasser! Sondern?

Wie soll ich das beantworten?

Der erste Gedanke: Das Wort „Durst“ verweist darauf, dass wir Menschen bedürftig sind: Wir brauchen Essen und Trinken, Wärme und Licht – sonst können wir nicht leben.

Das ist nicht genug: Wir brauchen Gemeinschaft und Bestätigung,
wir brauchen die Achtung unserer Mitmenschen,
Wir brauchen Zuwendung und Nähe.

Wenn diese Bedürfnisse erfüllt sind, können wir leben.

Die nächste Überlegung ist:
Wenn diese unmittelbaren körperlichen und seelischen Grundbedürfnisse erfüllt sind, stellen sich neue Bedürfnisse ein:

Der Mensch entdeckt Neues und manches, was ihm wohl tut und Freude macht: spielen, etwas besser können, erster sein, Abenteuer erleben, schönes sehen oder hören.

Deshalb reisen viele, singen in Chören, hören Musik, malen Bilder oder schauen Bilder an.

Der Mensch merkt außerdem, dass er vieles erschaffen kann – immer mehr: Medizin, Technik, Kultur, Kunst, Mathematik, Kunststücke …

So füllt der Mensch sein Leben und strebt nach mehr und nach besserem.

Und manche oder viele (?) merken:
ich kann noch so viel haben und machen und schaffen:
ich will eigentlich noch etwas anderes. Mein Durst ist nicht gestillt.

Daraus ergibt sich der dritte Gedanke:
Es gibt einen Durst, den der Mensch selbst und den andere Menschen nicht stillen können.

Es ist der Durst danach, mit der Quelle des Lebens verbunden zu sein.
Es ist der Durst, nichts mehr suchen zu müssen,
Es ist der Durst danach erfüllt zu sein,
es ist der Durst danach, selbst anderen den Durst zu löschen.

Ich schaffe es nicht, diesen Durst wirklich zutreffend in Worte zu fassen.

Jesus stillt genau diesen Durst, bei den Menschen, die an ihn glauben. – Womit?

Das Evangelium – alle vier Evangelien – nennen es den Heiligen Geist, Gottes Kraft.

Jesus öffnet uns die Augen dafür,
dass unser Geist nicht nur menschlicher Geist ist:
durstig und erfinderisch und unersättlich und voll Lust am Schönen. –
Der Geist in uns ist göttlicher Geist:

Wir glauben Jesus, wir glauben an ihn.
Wir glauben ihm, dass wir Gottes Kinder sind
und dass sein Geist in uns ist und wirkt.

Er ist stärker als die zerstörerischen Kräfte,
die dem anderen neidig sind, und ihm misstrauen,
die bereit sind, dem anderen etwas wegzunehmen
und nicht mit ihm zu teilen.

Es ist der Geist Gottes, der nie kleiner wird, sondern immer heller leuchtet, wie eine Kerze, die ihr Licht verteilt.

Des Menschen Geist ist göttlicher Geist und macht uns Gott ähnlich.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Gott, Vater Jesu und unser aller Vater, dein Heiliger Geist bewegt uns, für die Menschen zu beten:

Gott, Heiliger Geist         L/A: erfülle uns mit deiner Kraft

  • Wir beten für die Menschen, die auf der Suche sind: nach Erfüllung und nach Sinn.
  • Wir beten für unsere Kirche und alle christlichen Kirchen:
    dass wir die Botschaft des Lebens glaubhaft verkünden.
  • Wir beten für alle Menschen, denen Gewalt angetan wurde:
    dass sie getröstet werden und Frieden finden.
  • Wir beten für alle Menschen, die über Krieg und Frieden zwischen den Staaten entscheiden: dass sie den Frieden wählen.
  • Wir beten für die Erzieherinnen und Erzieher in der Jugendhilfe, die junge Menschen unterstützen, einen guten Lebensweg zu finden.
  • Wir beten für die Opfer der Naturgewalten: dass sie Hilfe erhalten.

Lektor/in: Dich Vater preisen wir. Dir Jesus danken wir. Dich den Heiligen Geist empfangen wir. Amen.

28.05.2023: Pfingsten

Liebe Schwestern und Brüder,
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!
Pfingsten ist nämlich unser aller Geburtstag, der Geburtstag der Kirche Gottes! Das Werk Jesu Christi – die Versöhnung der Menschen mit Gott ‑ ist vollendet, weil sein Geist uns erfüllt:
Der Geist der Gottes­kindschaft.

Das ist nicht zu vergleichen mit einem Computerprogramm, das so geschickt sein kann, dass wir sogar von künstlicher Intelligenz sprechen.
So wenig wie Eltern ihre Kinder programmieren können und wollen.

Der Geist Jesu, der Geist der Kindschaft, verleiht uns vielmehr Selbständigkeit und Freiheit.

Wir dürfen uns freuen, dass Gottes Geist in uns ist; dass es gar keinen Graben gibt zwischen Gott und uns Menschen, sondern dass Gott uns so nahe ist, wie Jesus der Sünderin war, die ihm die Füße geküsst hat oder seinen Jüngern, denen er die Füße gewaschen hat.

Aus Freude darüber singen wir Jubellieder wie: „Der Geist des Herrn erfüllt das All“, „Lobe den Herren“, „Großer Gott, wir loben dich“ und auch und warum nicht: „Ein Haus voll Glorie schauet!“

Ich würde wahrscheinlich einiges Kopfnicken bekommen, wenn ich sagen würde: So wie die Kirche derzeit dasteht, sollten uns die Jubellieder im Hals stecken bleiben.

  • Die Empörung über das Verhalten der Bischöfe und Prälaten gegenüber Missbrauchstätern und -betroffenen, erhält durch immer neue Entdeckungen und Enthüllungen beständig neue Nahrung;
  • Die Zahl der Menschen, die aus den Kirchen austreten ist so hoch, dass man schon einer Tsunami Welle sprechen muss;
  • die Zahl der Gläubigen, die sich zum Gottesdienst versammeln ist so klein, dass man nur mehr von einem kleinen Häufchen sprechen kann;
  • was viele Menschen vom christlichen Glauben wissen ist so wenig,
    dass man es mit der Lupe suchen muss.

So könnte ich noch mehr Sätze aneinanderreihen.

Und dennoch: Da ich an Christus und an sein Wort der Versöhnung glaube und da ich ihm glaube, dass wir vom Tod und von der Sünde befreit snd, habe ich allen Grund zu jubeln und zu jauchzen: Der Herr hat mich befreit. Er hat mir seinen Geist geschenkt. ‑ Nicht, weil ich Priester bin, sondern weil ich getauft und gefirmt bin – so wie die meisten unter uns.

Liebe Schwestern und Brüder,
die Kirche, das sind die Menschen, die durch den Glauben in der Taufe und in der Firmung den Heiligen Geist empfangen haben.
Wir alle sind berufen, das Werk Jesu weiterzuführen, damit das Reich Gottes wächst wie der Sauerteig eine große Menge Mehr durchsäuert.

Wenn Sie Ihren Mitmenschen mit Zuneigung und Herzlichkeit begegnen, erleben die Menschen darin Gottes Zuneigung.
Wenn Sie in ihrem Engagement für die Gemeinschaft in einem Verein treu sind, machen sie Gottes Treue sichtbar;
Wenn Sie Not sehen und lindern, erleben die Menschen Gottes Barmherzigkeit;

So bezeugen sie Gottes Liebe, die sie von Christus empfangen haben.

Liebe Schwestern und Brüder, auch wenn wir wenige geworden sind,
auch wenn wir und unsere Vorsteher keineswegs leuchtende Säulen sind, sondern vielleicht nur kleine Lichter,
dennoch haben wir Grund, aus frohem Herzen Gott zu preisen:

Denn Gott hebt den Niedrigen empor aus dem Staub,
die nach Liebe und Anerkennung hungern, beschenkt er mit seinen Gaben,
sein Geist spricht aus denen, die als gering und unbedeutend gelten,
die sich selbst für weise halten, werden als Toren entlarvt.

Liebe Schwester und Brüder, lassen Sie es sich bitte gesagt sein und nehmen sie es sich zu Herzen:

Gottes Geist ist in ihnen und er wirkt in ihnen und er beschenkt sie mit seinen kostbaren Gaben, damit sie ein Licht sind für die Menschen unter denen sie leben.

Wie immer sie leben und was immer sie tun:
Sie haben die Kraft es so zu tun, dass Gottes Reich wächst. Amen.

20.05.2018 Pfingsten

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
„Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören?“
wunderten sich die Menschen in Jerusalem damals, Menschen, die aus verschiedensten Ländern zum jüdischen Wochenfest gekommen waren.

Dieses Fest – 50 Tage nach dem Pessach Fest erinnert daran, wie Moses auf dem Berg Sinai die 10 Gebote erhalten hat, das Freiheitsmanifest der Israeliten.

Diese Sprache, die Sprache des Heiligen Geistes, verstehen alle Menschen, unabhängig von ihrer Landessprache und ihrer Herkunft – warum?

Weil der Geist Gottes in jedem Geschöpf in diesem Universum wirksam ist. Es ist nichts in diesem Universum, in dem nicht Gottes Geist wäre.

Jeder Mensch hat daher in sich die Sehnsucht nach Leben, nach Gemeinschaft, nach Frieden, nach Selbstbestimmung, nach Sicherheit und Geborgenheit.
Deshalb versteht jeder Mensch die Botschaft, die ihm den Weg dahin zeigt: zu einem Leben, das sich jeder Mensch im Innersten wünscht.

Deshalb verstehen Menschen aus allen Völkern dieser Erde das Evangelium.

Dabei dürfen wir ruhig zugeben, dass viele Menschen schon nach diesem Leben in Fülle streben und auf dem Weg dorthin nicht nur durch das Evangelium vorankommen können.

Für viele Menschen aber ist das Evangelium die Botschaft, nach der sie ohne es zu wissen, schon immer gesucht haben: Dass das Leben Gottes Gabe ist und die wichtigste Aufgabe des Menschen ist es, diese Gabe anzunehmen und ‑  verbunden mit allen lebendigen Wesen ‑
für das Leben zu sorgen und es zu fördern und weiterzugeben.

Die Botschaft der Liebe Gottes zu jedem Menschen, die mächtiger ist als der Tod;
die Botschaft Jesu dürfen wir deshalb nicht für uns behalten,
sondern wir müssen sie verbreiten und für sie werben
und die Menschen einladen mit uns zu glauben.

 

 

Leider, liebe Schwestern und Brüder, erfahren wir täglich, dass dieser Geist Gottes, diese Freundschaft und Liebe zum Leben nicht die einzige Kraft ist, die in uns und in unseren Mitmenschen wirkt.

Da gibt es die andere Kraft, die Paulus „Begehren des Fleisches“ nennt:
Es steht dem „Begehren des Geistes“ entgegen.
Das Wort Begehren ist heute nicht gut geeignet. Leider wurde es in der kirchlichen Predigt viel zu sehr auf das sexuelle Begehren eingegrenzt.

Paulus meint die Selbstsucht, die in jedem von uns steckt. Wenn wir selbstsüchtig handeln, stellen wir uns über andere. Unsere Wünsche, unsere Ziele halten wir für wichtiger als die der anderen. So kommt es zu Streit und Eifersucht und Feindschaft.
So kommt es zum Missbrauch der Sexualität, um damit die eigene Macht zu erleben. So kommt es dazu, dass Essen und Trinken zum Selbstzweck werden, sogar zur Sucht, statt Kraft zu spenden.

Die Selbstsucht ist nicht das Gleiche wie der Selbsterhaltungstrieb, der uns hilft, Gefahren abzuwehren und Hunger und Durst zu stillen.

Vielmehr vergisst oder verneint der Selbstsüchtige,
dass er ein Teil der Lebensgemeinschaft aller Geschöpfe ist
und dass die Güter der Erde allen gehören.

Er lebt nicht aus dem Glauben an Gottes Liebe, die stärker ist als der Tod, sondern versucht in der kurzen Lebenszeit auf der Erde möglichst viel für sich zu gewinnen.

Liebe Schwestern und Brüder, wir feiern heute dass wir den Geist Gottes empfangen haben, den Geist der uns zu Kindern Gottes macht.

Der Geist Gottes bewirkt in uns, dass wir Gottes Werke tun:
Unwissende lehren, Verfolgten Schutz gewähren, mit Hungernden und Dürstenden teilen, denen, die uns Böses tun vergeben, unsere Toten begraben, und an der Seite der traurigen Menschen ausharren.

Danken wir Gott für die Gabe des Heiligen Geistes. Denn durch ihn wohnt er selbst in uns, der Freund des Lebens.

04.05.2017: Pfingsten

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder!
„Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.“ So beginnt die Bibel. Schon im ersten Satz der Bibel ist vom Geist Gottes die Rede – hebräisch: RUAH JAHWE – und übrigens: weiblich. – Das nur nebenbei!

Der Geist eines Menschen, das ist nicht irgendetwas von ihm.
Der Geist ist das Zentrum der Persönlichkeit, sein Wesen:
Ob jemand freundlich ist, wohlwollend, zuvorkommend, klug, mutig, schüchtern, interessiert oder gleichgültig – dies alles und mehr bildet zusammen den Geist eines Menschen.

Beim Geist Gottes ist es nicht anders! Der Geist Gottes, das ist nicht irgendein mehr oder weniger wichtiges Teil, sondern das ist das Wesen Gottes: Gottes Geist, Gott war über allem und er ist über allem und in allem.

Weil Gottes Geist der Anfang von allem ist, deshalb kann die Schöpfung ihn erkennen. Gottes Geist führt uns zur Erkenntnis, dass Gott der Ursprung von allem ist, die Quelle des Lebens.
Dieses Erkennen Gottes ist ein Vorgang der Verinnerlichung: Wir erkennen nicht einen Sachverhalt, sondern ein Du, das Du Gottes.
Diese Erkenntnis unterscheidet sich grundlegend vom Erkennen der Dinge und Naturgesetze. Da bleiben wir auf Distanz zum erkannten Gegenstand. Der immer etwas anderes bleibt als wir selbst und von uns getrennt.

Wenn wir einen Menschen, eine Persönlichkeit, wenn wir Gott erkennen, schwindet die Distanz; es entsteht immer größere Nähe, so dass wir sagen können: Du bist in mir und ich bin in dir.

Diese Art des Erkennen heißt Glauben: Wenn wir an Gott glauben, an einen Menschen glauben, geht es um vielmehr als um: „Vielleicht“ und „es könnte sein“, „vermutlich“.

Wenn wir einander erkennen, lernen wir einander zu verstehen, wir lernen Gott zu verstehen und wir werden ihm dabei immer ähnlicher.

Je mehr wir Gott erkennen, desto stärker wirkt Gottes Geist in uns.
Der Geist, der Leben in die Schöpfung bringt.

Liebe Schwestern und Brüder,
das ist ein sehr wichtiger Aspekt des Pfingstfestes:
Wir feiern dankbar, dass wir Gottes Geist empfangen haben.
Er hat in uns den Glauben erweckt;
Er verbindet uns miteinander und lässt uns zu einer Einheit aus vielen Verschiedenen werden, die alle diese Einheit bereichern.

Der Geist Gottes, den wir empfangen haben, drängt uns,
Gottes Liebe bekannt zu machen,
Jesus Christus zu verkünden und seine Auferstehung, durch die wir gerettet sind;
Dieser Geist drängt uns, Versöhnung zu wirken, die alle Sünden der Menschen überbietet und alle Verletzungen heilt, die wir Menschen einander antun.

Der Geist Gottes weckt in den Menschen immer wieder den Glauben,
das Vertrauen in Gottes Liebe und in die größere Kraft der Liebe gegenüber Neid, Missgunst und Hass.

Den Geist Gottes haben wir empfangen, damit wir Gottes Heil in uns haben und zu den Menschen bringen.

15. Mai 2016: Pfingsten

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder!
Was treibt Menschen dazu, einen Kutter zu kaufen und umzubauen und es als Rettungsschiff für Flüchtlinge in Seenot einzusetzen?

Was treibt Ärzte dazu, aus einer gesicherten Praxis in Europa wegzugehen und sich Monate in Afrika um Kranke zu kümmern und auf Einkommen zu verzichten?

Was treibt Menschen dazu, sich im Roten Kreuz zu engagieren?

Was bringt Ehepaare dazu, Kindern das Leben zu schenken?

Was bringt Forscher dazu, die Welt immer mehr zu erkunden?

Immer, wenn eine Frau, ein Mann, ein Kind sich für den anderen öffnet und seine Not teilt,
immer wenn Menschen Nähe herstellen,
immer wenn neues Leben entsteht,
wenn Trost und Geborgenheit und Barmherzigkeit das Miteinander bestimmt,

ist es der Heilige Geist, der Geist Gottes, der in den Menschen wirkt.

Wir Christen nennen die Kraft Gottes, die den Menschen zum Guten antreibt, den Heiligen Geist.

Deshalb müsste ich noch viel mehr Beispiele aufzählen. Ich tue es nicht, um sie nicht zu sehr zu ermüden.

Ich hoffe aber, dass sie durch diese einfache Überlegung alle Schwierigkeiten hinter sich lassen, sich den Heiligen Geist vorzustellen und an seine Gegenwart und Wirksamkeit zu glauben.

Leider hat der Heilige Geist in mir jede Menge Gegenspieler, die mich oft daran hindern, auf ihn zu hören und ihm zu folgen:

Bequemlichkeit, Enttäuschung, Ärger und Zorn,
Selbstsucht, Stolz und Überheblichkeit, übertriebenen Ehrgeiz und Gleichgültigkeit.

Manchmal ist es wie verhext: Enttäuschung gebiert Ärger, Ärger führt zu Gleichgültigkeit oder gar zu dem Gelüst, es dem anderen zurückzuzahlen.

So entstehen unsere Zerwürfnisse, so macht sich Traurigkeit und Ängstlichkeit breit.
Die Zuversicht, die Hoffnung, die Gemeinsamkeit werden weniger und drohen zu verschwinden.

Genauso war es bei den Freunden Jesu, die sich nach seiner Hinrichtung eingeschlossen hatten und verzweifelt waren – ohne einen Hoffnungsschimmer.

So geht es uns selbst, wenn wir meinen, dass wir alleine dastehen und daran noch dazu selber schuld sind.

Sehr oft, sogar meistens oder fast immer passiert aber etwas anderes.
So verfahren es auch aussah – es gibt wieder eine gute Erfahrung, es wächst wieder weiter oder es wächst etwas Neues.
Oft können wir selbst gar nichts dafür. Es ist unerwartet. Ein Geschenk.

Das, Schwestern und Brüder, das ist Pfingsten, wie sie alle es schon erlebt haben und immer wieder erleben.

Hören wir nicht auf, um den Heiligen Geist zu beten,

Vor allem aber:
Wir dürfen das Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes bewahren:
Er wird immer wieder dem Leben, dem Miteinander, der Versöhnung, Wege öffnen.
Gottes Geist und Kraft, der Heilige Geist hat die Kraft und die Macht.

24. Mai 2015: Pfingsten

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder!
unsere Firmlinge können sie zurzeit fast auswendig aufzählen: Die 7 Gaben des Heiligen Geistes:
Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht.

Die Gaben des Geistes werden in der Taufe und Firmung dem Christen zugesagt und er empfängt sie – mit dem Heiligen Geist – in diesen beiden Sakramenten.

Was passiert eigentlich, wenn wir den Heiligen Geist empfangen?
Wie empfangen wir den Heiligen Geist! Woran merkt man das?

Jeder, der gefirmt ist, weiß, dass er nach der Firmung kein anderer war als vorher: man wird durch den Heiligen Geist nicht verzaubert, das ist keine Gehirnwäsche und man verliert dabei nicht seine Persönlichkeit.

Wie empfängt man den Heiligen Geist?

Es geschieht tief im Inneren, in der Seele, in der Mitte unserer Persönlichkeit: es geschieht, indem wir berührt werden vom Geist Jesu Christi: von der vollendeten Menschlichkeit, die er hatte;
von der Lauterkeit, die in ihm war: er hatte ein reines Herz, ohne Hintergedanken und böse Absichten und Wünsche.

Wenn sein Geist uns zutiefst berührt,
wenn wir uns anstecken lassen, wenn wir ihm ähnlich werden wollen,
beginnt das, was wir beschreiben wenn wir sagen: wir empfangen den Heiligen Geist.

Wenn wir anfangen, dass wir in der Schöpfung die Liebe und die Größe des Schöpfers entdecken;
wenn wir lernen, uns ihm anzuvertrauen,
wenn wir merken, dass seine Liebe uns erfüllen kann und die Liebe zu ihm uns erfüllt – dann fängt der Heilige Geist an, in uns zu wohnen.

Wenn wir aufhören, andere zu beurteilen und zu verurteilen,
wenn wir den Eifer entwickeln, dass wir helfen, wo Hilfe nötig ist,
dann entfaltet der Heilige Geist in uns seine Kraft.

Wir empfangen den Heiligen Geist, diese kostbare Gabe, je mehr wir uns Jesus dem Herrn zuwenden, je mehr wir uns ihm öffnen, je mehr wir uns ihm überlassen, damit er uns formt und unser Handeln prägt.

Der Heilige Geist ist die kostbarste Gabe, die wir im Glauben empfangen:
denn durch ihn lebt Gott in uns, durch ihn ist Christi Liebe in uns wirksam und schenkt sich der Welt.

Der Heilige Geist macht uns weise:
wir lassen uns nicht leiten von schnellen Empfindungen: von Wut und Zorn –  vielmehr leitet uns die Sehnsucht nach Frieden, nach Gerechtigkeit und Versöhnung bei dem, was wir tun.

Wir lassen uns nicht blenden von Vorurteilen
und von dem, was scheinbar so erstrebenswert ist,
wir lassen uns nicht in den Bann ziehen von Dingen und Versprechungen und Süchten, die uns nur unfrei machen würden:

Wir haben die Weisheit empfangen und gelernt,
den Dingen auf den Grund zu gehen,
das Wesentliche zu erkennen und uns nicht täuschen zu lassen.

Der Geist der Weisheit macht uns fähig uns zu spüren, zu erkennen und zu verstehen, was das Leben stärkt, was den Menschen heil werden lässt,
was dazu hilft, die Schöpfung zu bewahren, damit auch die kommenden Generationen in ihre Leben können.

Der Heilige Geist und seine Gabe der Weisheit sind uns nie endgültig geschenkt – vielmehr empfangen wir sie immer neu,
je mehr wir uns Jesus zuwenden und er uns berührt,
so dass wir ihm ähnlich werden in dem die Weisheit Gottes war.

8. Juni 2014: Pfingsten

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!
Wenn sie heute am Weg zur Kirche von einem Zeitungsreporter gefragt worden wären: „Was feiert Ihr Christen an Pfingsten?“ – hätte Sie sicher die Auskunft gegeben: „Dass die Jünger Jesu den Heiligen Geist empfangen haben.“

Sie sind nämlich die Ausnahme: die meisten Christen können dies nicht erklären.

Pfingsten hat mehr Bekanntheit verdient.
Der Heilige Geist ist Gottes beste Gabe an seine Schöpfung, denn durch ihn ist der Schöpfer in der Schöpfung gegenwärtig und wirksam –  in jedem Geschöpf.

Vom allerersten Anfang an, drängt die Entfaltung der Materie darauf hin, dass Leben entsteht: von den kleinsten lebendigen Zellen bis hin zu den komplexen Pflanzen und den Tieren aus denen wir Menschen herausragen, weil wir über uns selbst nachdenken, weil wir nach unserem Ursprung fragen, weil wir versuchen, unseren Ursprung zu erkennen:

In all dem ist Gottes Geist, der Heilige Geist am Werk.

Von allen unseren Mitgeschöpfen unterscheidet uns – so weit wir das beurteilen können –  Verstand und Vernunft und die Fähigkeit über uns selbst nachzudenken.

Ein Löwe, der eine Gazelle tötet – tut nichts Böses: Denn er sucht sich seine Nahrung – ebenso, wie die Gazelle es tut, wenn sie Blätter frisst.

Wir jedoch unterscheiden Gut und Böse:
Gut ist es, für seine Kinder zu sorgen,
Gut ist es, Kranke zu heilen,
Gut ist es Trauernde zu trösten.

Böse ist es, einem anderen Schaden zuzufügen,
durch Gewalt oder Betrug, durch Ungerechtigkeit oder Beleidigung.

Wir unterscheiden Gut und Böse, weil wir entscheiden, wie wir uns zum anderen, zum Mitmenschen und zum Mitgeschöpf verhalten.
Wir unterscheiden uns von den Mitgeschöpfen, weil wir unser Verhalten steuern können.

Wir haben – in größerem Maß – die Fähigkeit, die Welt zu gestalten – und werden dadurch zu Mit-Schöpfern mit dem einen Schöpfer.
Wir wollen und sollen „gut“ sein – wie der Schöpfer der Welt:

Wir Menschen haben die Freiheit, in unserem Verhalten auf den Geist Gottes in uns zu hören – auf den Geist, der uns Gott ähnlich macht
Wir haben auch die Freiheit uns dem Geist Gottes zu verweigern  und unseren Mitgeschöpfen Böses zu tun.

Jesus Christus selbst, war erfüllt vom Heiligen Geist:
Er war erfüllt davon, dass Gott sein Vater ist – sein Vater und der Vater aller Menschen.
Jesus Christus war erfüllt vom Vertrauen, dass sein Vater jeden Menschen liebt und dass die Menschen untereinander Schwestern und Brüder sind.
Durch unseren Glauben an Jesus Christus werden auch wir uns bewusst, dass der Heilige Geist, der Geist Gottes in uns ist und in jedem Menschen.

Keinem ist die Stimme des Heiligen Geistes fremd:
Alle verstehen sie, weil der Geist Gottes in jedem Menschen wohnt, weil jeder Mensch sich nach Liebe sehnt und nach Versöhnung.

Der Heilige Geist drängt uns, dies in der Welt zu bezeugen:
dass alle Menschen Kinder Gottes sind und den selben Schöpfer haben;
Dass alle Menschen deshalb einander Schwestern und Brüder sind und nicht Feinde und Gegner.

Diese Botschaft ist uns anvertraut – obwohl wir selbst immer wieder dagegen verstoßen. Wir dürfen dennoch der Welt die Botschaft verkünden, die alle Menschen verstehen:

Ihr seid Gottes geliebte Kinder! Gottes Geist ist in Euch!
Seid barmherzig und arbeitet mit an Gottes Schöpfung – damit Gottes Friede in dieser Welt ist.

19. Mai 2013: Pfingsten

Pfingsten (Zacharias)Liebe Schwestern und Brüder!
Die Verwirrung der Sprachen und das gemeinsame Verstehen der Menschen aller Sprachen – es ist ein eindrucksvoller Kontrast und Zusammenhang, den die Apostelgeschichte mit der Pfingsterzählung herstellt.

Der Theologe im Buch Genesis erklärt die Verschiedenheit der Sprachen
und die Zerstreuung der Menschheit über die ganze Erde mit dem Eingreifen Gottes: Gott verhindert, dass die Menschen zu mächtig werden.

Vergessen wir nicht den Plan, den die Menschen hatten:
Einen Turm wollten sie bauen, dessen Spitze zum Himmel reicht.
Die Menschen in dieser Urgeschichte der Bibel machen sozusagen Gott Konkurrenz.
Sie bauen sich ein Denkmal, einen Turm. Der soll ihren Zusammenhalt garantieren. Der Mensch will sich selbst erschaffen und selbst seine Existenz sichern und bewahren.

Doch genau das wird ihm zum Verhängnis. Der Mensch muss lernen, dass er sich nicht selbst zu Gott machen kann. Wenn der Mensch leugnet, dass er sich, dass er sein Leben Gott verdankt, dann wird er zurückgeworfen auf seine Beschränktheit: Er gewinnt nicht Einheit und Macht, sondern erfährt seine Zerstreuung, Spaltung und Schwäche

Insgesamt ist dies eine eher pessimistische Sicht auf den Menschen und auf seine Beziehung zu Gott: Es herrschen Neid und Eifersucht, Aufbegehren und Demonstration von Macht und Stärke.

Die umgekehrte Bewegung schildert die Apostelgeschichte:
Menschen aus allen Sprachen weilen in Jerusalem, um Gott anzubeten.
Sie finden im Tempel zusammen. Gottes Geist spricht aus den Menschen und alle verstehen diese Sprache des Geistes Gottes.

Alle verstehen, die Botschaft Jesu und die Botschaft seiner Auferstehung.

Die Beziehung zwischen Gott und Mensch wird völlig neu gestaltet und definiert: Die Jünger Jesu sind von Jesus zusammengerufen und erwarten nach seinem Wort den Beistand und die Kraft aus der Höhe.
Gott schenkt eine völlig neue Qualität: mit dem Heiligen Geist gibt er dem Menschen Anteil an seiner Größe und Macht.

Nun ist die Beziehung zwischen Gott und Mensch geprägt von Vertrauen und Hoffnung, von Gemeinschaft und Dankbarkeit.

Schwestern und Brüder,
Gottes Plan mit dem Menschen ist die Einheit, ist Verständigung und Frieden.
Der Mensch nun ist offen für Gottes Gaben. Er dankt Gott und sieht seine Ehre darin, nach Gottes Willen in Frieden und Gerechtigkeit zu leben.

Schwestern und Brüder!
was die Apostelgeschichte in dieser eindrücklichen Geschichte zeichnet, ist weithin geschichtliche Wahrheit geworden.

Menschen aus fast allen Sprachen und Völkern finden im Glauben an Christus zusammen.
Die Botschaft Jesu verstehen die Menschen – überall auf der Erde und zu jeder Zeit:

Die Botschaft Jesu ist Frieden, ist Leben und ist Freude.

Seine Botschaft ist, dass Gott dem Menschen nahe ist und dass der Mensch Anteil hat an Gott;
dass Gott im Menschen lebt – umso mehr er das Leben als Gottes Gabe liebt, das des anderen wie das eigene.