01.02.2026: 4. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung
Christen sind Menschen, die den Ruf Jesu hören und ihm folgen und von ihm lernen. Heute hören wir im Evangelium, wie Jesus die Menschen lehrt, die ihm zuhören -also uns.

Es sind keine Glaubenssätze, die er lehrt.
Keine Dogmen, keine Betrachtungen über das Wesen Gottes.

Er redet uns zu Herzen.

Streifen wir die die Hetze, das Rennen und das Wetteifern einmal ab – die Zerstreuung, die uns daran hindert, zu uns selbst zu kommen.

Gehen wir in uns und konzentrieren wir uns auf unsere besten seelischen Kräfte.

Wir rufen:

Jesus, du liebst uns – du kennst uns – stärke unser Vertrauen

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
man muss jubeln: es gibt so viele Menschen, die einfach gut sind und anderen gut und Gutes tun und dabei nicht müde werden:
Sie alle kennen so jemanden und nicht wenige unter ihnen sind so ein Mensch.

Es gibt so viele hilfsbereite Menschen. So viele von denen andere sagen: Das ist ein ganz Netter oder eine ganz liebe.

Es wird so viel für Menschen in Not gespendet und so viel Leid wird dadurch immer wieder gelindert.

Halten wir die Augen offen – dass wir sehen, was Menschen alles anderen Gutes tun und freuen wir uns darüber!

Zugleich: man könnte aus dem Klagen kaum herauskommen:
Menschen verwüsten die Schöpfung, beuten sie aus, vermüllen sie mit Müll und Gestank, so dass bald die Luft zum Atmen fehlt. Sie fallen übereinander her und entwickeln immer schrecklichere Maschinen, um den anderen zu schaden und zu töten; wir beobachten, wie rücksichtlos und egoistisch viele sind; wie teilnahmslos und träge andere.

Halten wir die Augen offen, dass wir uns nichts vormachen und trauern wir darüber, dass Menschen so viel Böses tun.

Uns, die wir ein Teil dieser zwiespältigen Menschheit sind und auch selbst daran Anteil haben – genau uns – spricht Jesus an.

Er kennt unsere Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit und Trost.
Er spürt, dass es uns leid tut, um die Menschen, die einfach der Armut nicht entkommen können. Er sieht, wie wir mit den Menschen trauern, die Menschen, ihre Würde, ihren Besitz verloren haben;
er sieht, wie wir uns machtlos erleben gegenüber denen, die alles an sich reißen und wie wir manchmal wütend werden, weil so viele Menschen benachteiligt werden.

Er sieht auch, dass es so viele Menschen gibt, die nicht müde werden zu helfen; die selbstlos und uneigennützig geben; Menschen, die Frieden stiften und säen, weil sie um Verständnis und Nachsicht für die anderen werben und Menschen, die sich nicht scheuen, für Gerechtigkeit einzutreten und die Ungerechtigkeit beim Namen zu nennen – auch wenn sie dafür Nachteile in Kauf nehmen müssen und als Störenfriede ausgegrenzt werden.

Weil Jesus uns so kennt, antwortet er auf unsere Sehnsucht und preist uns selig:

Selig seid ihr – denn ihr werdet Trost finden bei Gott und eure Sehnsucht nach Frieden wird er stillen!

Liebe Schwestern und Brüder,
ziehen wir die richtigen Schlüsse daraus, dass uns Trost und Frieden in Gottes Welt, im Jenseits, versprochen werden.

Der falsche Schluss wäre es, aufzugeben und die Sehnsucht nach Frieden auf das Jenseits zu vertagen. Die falsche Schlussfolgerung wäre es, den Armen und Benachteiligten und Ohnmächtigen und Trauernden zu sagen: Das müsst ihr jetzt aushalten – im Jenseits werdet ihr entschädigt!

Die falsche Schlussfolgerung wäre es zu denken: In diesem Leben zählen rücksichtslose Einsatz der eigenen Stärke – weil das Jenseits hat ja noch keiner gesehen.

Der richtige Schluss heißt vielmehr:

Wir sind berufen, aus der Hoffnung zu leben:
Aus der Zuversicht, dass unsere Sehnsucht sich erfüllt.

Wir sind gesandt, die Hoffnung bei den Menschen zu stärken:
die Hoffnung, dass es sich lohnt für Gerechtigkeit und Frieden einzutreten und nach Gottes Willen zu handeln.

Es lohnt sich, weil nur so werden, was wir im tiefsten sind:
Ebenbild Gottes. Wir leben durch seine liebevolle Geistkraft.

Durch uns und mit uns und in uns will und kann und wird er
seiner Liebe immer wieder zum Durchbruch verhelfen.

Er macht uns zum Licht der Welt!

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Vater im Himmel, du preist Menschen selig und versprichst ihnen Anteil an deinem Reich. Wir bitten dich:

Vater im Himmel         L/A Stärke ihre Hoffnung

  • Wir beten für die Amen,
    dass sie erhalten, was ihnen in ihrem Leben fehlt.
  • Wir beten für die Trauernden,
    dass sie Trost finden.
  • Wir beten für die Friedfertigen,
    dass sie nicht Opfer der Gewalttätigen werden.
  • Wir beten für die Benachteiligten,
    dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt.
  • Wir beten für die, die barmherzig sind,
    dass ihr Vorbild Schule macht.
  • Wir beten für die Menschen die uneigennützig helfen,
    dass ihre innere Freude immer größer wird.
  • Wir beten für die, die sich um die Versöhnung der Menschen bemühen, dass ihr Bemühen auf fruchtbaren Boden fällt.
  • Wir beten für die, die für Gerechtigkeit eintreten und dafür verspottet und abgelehnt und sogar verfolgt werden,
    dass sie stark bleiben im Vertrauen auf dich.

Lektor/in: Vater, du bist Höchste und segnest die, die dir ehrlichen Herzens deinem Reich dienen. Ehre sei dir und Lob, jetzt und in Ewigkeit.

01.11.25: Fest Allerheiligen

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
Haben sie in ihrem Leben einmal eine Ahnung verspürt, wie himmlisch es im Himmel sein muss?

Allerheiligen ist ein Fest der Vorfreude: der Vorfreude auf das, was wir erhoffen, ohne dass wir es beschreiben oder beweisen können.

Wir verlassen uns dabei auf Jesus und seine Botschaft, dass er uns bei sich haben möchte, damit wir im Licht, in der vollkommenen Freude Gottes leben.

Ansprache:

Liebe Schwestern und Brüder,
manchmal höre ich Predigten oder geistliche Ansprachen. Ich tue mich schwer damit, wenn ich als Hörer aufgerufen werden, nach Heiligkeit zu streben und frage ich mich. Was für ein Mensch soll ich da werden?

Soll ich die Gebetszeiten verlängern und intensivieren?
Soll ich ein sanfter Mensch werden, der auch noch dankbar ist, wenn man ihn verspottet?
Soll ich ein argloser Mensch werden, der gar nicht wahrnehmen kann, dass manche Menschen Böses tun und reden – statt es beim Namen zu nennen?

Was heißt das, nach Heiligkeit zu streben?

Immerhin feiern wir das Fest Aller Heiligen. Was waren das für Leute, die sogenannten Heiligen? Sie waren jedenfalls total verschieden:

Johannes Bosco mit fast skrupulanter Frömmigkeit und einem unermüd­lichen Eifer für die perspektivlosen jugendlichen Gauner auf der Straße.

Albertus Magnus der umfassend Gelehrte.

Die selbstbewusste Kämpferin und Mystikerin Theresa von Avila.

Ich kann deshalb mit der Aufforderung nach Heiligkeit zu streben nicht viel anfangen – obwohl es natürlich stimmt: Wir sind zur Heiligkeit berufen!

Doch heilig werden wir nicht, wenn wir unsere Persönlichkeit und unsere Eigenarten bekämpfen, bis wir gehorsam fügige Nicht Persönlichkeiten werden.

Der Heiligkeit nähern wir uns an, wenn wir – so wie wir sind – versuchen, nach dem Vorbild Jesu zu handeln und zu denken. Nicht als Nachahmer, sondern als von ihm gebildete und geprägte und gestärkte Menschen, die auf die Stimme des Geistes Gottes in sich hören.

Leitplanken gibt es dazu:
Zum Beispiel die Seligpreisungen, die wir gerade gehört haben. Können sie sich vorstellen, dass die wirklich etwas mit ihnen zu tun haben?

Sind sie bei einer innerlich ein wenig zusammengezuckt – aus einem gewissen Widerstand heraus?

Ich versuche die Seligpreisungen nochmal mit veränderter Ausdrucksweise zum Klingen zu bringen. Wenn Sie möchten, achten Sie auf ihre innere Reaktion: Was finden sie gut, wogegen haben sie Widerstand.
Genau diese beiden Regungen können ein neuer Impuls dafür sein, wie sie sich weiter entwickeln können, in dem Bestreben, nach dem Vorbild Jesus auf die Stimme des Geistes Gottes in ihnen zu hören:

Gottes Geist wirkt in Menschen,

  • die sich nichts auf sich und ihre Leistungen einbilden und damit nicht angeben:
  • die an dem vielen Unheil in der Welt leiden (Krankheiten und Armut) und darüber traurig sind;

Gottes Geist wirkt in Menschen,

  • die sich nicht von ihrem Zorn und ihrer Wut zur Gewalt hinreißen lassen und die niemandem weh tun wollen;
  • und auch in den Menschen, die sich aktiv und kämpferisch dafür einsetzen, dass es in der Welt gerechter zugeht;

Gottes Geist wirkt in den Menschen,

  • die Nachsicht übern mit den Fehlern der anderen und mit ihren eigenen und die in der Not gerne helfen;
  • die dabei keine selbstsüchtigen Hintergedanken und keine geheimen Absichten haben.

Gottes Geist wirkt in den Menschen,

  • die es verstehen, zur Versöhnung beizutragen und bei den Gegnern Verständnis für den anderen zu wecken;
  • und schließlich in denen, die am Guten festhalten, auch wenn das Böse scheinbar übermächtig wird und sie dadurch Schwierigkeiten bekommen.

Freut euch und seid fröhlich!
Bei Gott im Himmel werden alle erkennen, dass Gottes Geist und Kraft in euch wirkt.

Zustimmung oder Widerspruch können ein Hinweis sein, wie sie in der Gesinnung Jesu wachsen können.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Herr, unser Gott, wir sehen den Himmel offen. Wir sehen Christus und alle, die mit ihm den Tod überwunden haben. Wir tragen dir unsere Bitten vor:

  • Wir sind durch die Taufe geheiligt und deine Kinder: Hilf uns, deinem Ruf zu folgen.
  • Die Kirche des Himmels und die Kirche auf Erden bilden die Gemeinschaft der Heiligen. Wir beten für die Zweifelnden und Mutlo­sen, dass ihr Vertrauen auf dich, guter Gott
    stärker ist.
  • Wir glauben, dass deine Herrlichkeit größer ist, als alles Leid und alle Freuden, die wir uns denken können. Wir beten für die Armen und Notleidenden, dass sie Gerechtigkeit erfahren.
  • Du hast uns berufen, dass dein Geist in uns wirkt. Lass uns eine Gemeinschaft sein, in der wir Freiheit, erleben und darin gestärkt werden, unseren Mitmenschen mit Wohlwollen zu begegnen.

Lektor/in: Gott, wir singen dein Lob. Wir wollen Zeugen des Heils sein, das du schenkst. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

02.02.2020: 4. Sonntag im Jahreskreis + Darstellung des Herrn

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Liebe Schwestern und Brüder,
„Euer Lohn wird groß sein im Himmel!“ – Das waren die letzten Worten in den Seligpreisungen, die sozusagen als Magna Charta der Botschaft Jesu gelten.

Ich falle über das Wort „Lohn“. Wir verwenden es heute in einem ganz anderen Sinn: Lohn- und Gehaltszahlungen erhalten wir, weil wir unsere Kenntnisse und unsere Arbeitskraft und unsere Zeit einem Arbeitgeber zur Verfügung stellen.

Ich wehre mich innerlich dagegen, dass Gott „Lohn bezahlt“.

Hat nicht Paulus – wir haben es in der Lesung gehört – gesagt: „damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott?“ Allein aus Gnade seien wir gerettet, nicht durch unser Verdienst.

Dafür hat Martin Luther gekämpft und sogar in Kauf genommen, dass man ihn für vogelfrei erklärte und aus der Kirche ausschloss, so dass er mit Gleichgesinnten eine neue christliche Gemeinschaft aufbauen musste.

Und nun steht da: „Euer Lohn im Himmel wird groß sein!“

Geht es also um Leistung, die wir erbringen müssen?

Die Frage erübrigt sich, wenn wir darauf achten, wofür der Lohn in Aussicht gestellt wird: Wenn man um Jesu willen geschmäht und verfolgt wird.

Das ist keine Leistung, die man erbringen muss – aber es kann traurige Realität werden: dass man kein Verständnis erwarten kann, wenn man zugibt, an das ewige Leben zu glauben, das Jesus uns schenkt und schenken wird.

So zieht es sich schon vorher wie ein roter Faden durch die Seligpreisungen: Seligkeit, Himmelreich, Trost und Sättigung wird denen versprochen, die ihre Kräfte nicht für Macht und Geld und Ruhm einsetzen sondern für Ehrlichkeit, für Gerechtigkeit, für die Armen und schuldig gewordenen.

Der Lohn ist also eher ein Trost. Auch wenn man euch belächelt, zurückdrängt – bleibt diesem Weg treu. Es wird nicht vergeblich sein. Es wird offenbar werden, dass ihr gut gehandelt habt.

Liebe Schwestern und Brüder,
Simeon hat gerufen: Meine Augen haben das Heil gesehen, ein Licht, das die Völker erleuchtet.

Es ist wahr, dass die christlichen Kirchen dieses Licht oft verdunkelt haben, statt es auf den Leuchter zu stellen. Doch so sehr wir an diesem Licht schuldig geworden sind und an denen, die es deshalb nicht sehen können:

Es ist das Licht für die Welt und die Botschaft Jesu ist Licht in der Welt, wenn sie gelebt wird:

Sich nicht selbst groß machen,
trauern mit denen, die traurig sind;
sanftmütig bleiben, statt mit Gewalt die Dinge an sich  zu reißen;
für Gerechtigkeit eintreten und gerecht bleiben;
Notleidenden helfen und schuldig gewordenen vergeben;
wahrhaftig sein und sich für den Frieden einsetzen.

Wenn wir so handeln, bringen wir Licht in die Welt,
das Licht, das Simeon voll Freude im Tempel begrüßt hat.

01.11.2019: Allerheiligen

Hier geht es zu den Texten der Liturgie: schott

Schw. Und Br.,
wir sprechen vom Fest Aller Heiligen.
Ein Fest mit allen Heiligen stelle ich mir ziemlich spannend vor, denn bei diesem Fest sind erstens sehr viele und zweitens völlig verschiedene Personen zusammen: Von Johannes Paul II bis hin zur heiligen Hildegard.

Menschen aus ganzverschiedenen Zeit, mit ganz verschiedenen Charakte­ren und vor allem: Wahrscheinlich haben sie zum Teil ganz und gar gegensätzliche Meinungen und Überzeugungen.

Die Kirche Gottes besteht nicht aus lauter gleichförmigen Menschen;
Christen sind nicht alle aus dem gleichen Holz geschnitzt;
der Glaube und die Entscheidung für ein Leben aus der Kraft des Glaubens führen nicht zu einer Gleichschaltung des Gehirns.

Eines aber haben die Heiligen alle gemeinsam:
Sie haben auf den Geist Gottes gehört,
sie haben die frohe Botschaft Jesu in ihrem Leben angewandt,
sie haben die Werte des Himmelreiches ernst genommen und versucht sie in ihrem Leben umzusetzen.

Das Matthäusevangelium fasst diese Werte in schönster Weise unüberbietbar zusammen: die Werte des Himmelreiches sind:

Das Himmelreich selbst für die, die Gott anerkennen;

der Trost für die Trauernden,

das Land und die Früchte, die es trägt für die, die es sanft – also ohne Gewalt – besiedeln,

Gerechtigkeit für die, denen Unrecht geschieht,

Erbarmen – also Vergebung und Hilfe für die, die selbst vergeben und anderen helfen,

Gott schauen – also Gottes Nähe – für die, die keine bösen Gedanken und Absichten haben;

Noch mehr: Kind Gottes heißen – also ihm ähnlich sein, für die, die Frieden stiften, die Versöhnung und Aussöhnung ermöglichen;

Das Himmelreich wird denen zuteil, die verfolgt werden, weil sie für Gottes Willen einstehen und an Jesus glauben.

Liebe Schwestern und Brüder,
wir leben in einer Konsumgesellschaft,
in einer Gesellschaft, die Angst hat vor dem Untergang;
in einer Leistungsgesellschaft, in einer Freizeitgesellschaft,
Unsere Gesellschaft wird bestimmt von Kapitalgesellschaften und deren Gewinnstreben, manche sprechen auch von einer Ellenbogengesellschaft.

Das sind die Werte, die unsere Gesellschaft heute prägen.

Es gibt auch Leute, die angeben, für die christlichen Werte einzutreten:
In Wirklichkeit treten sie ein dafür ein, dass Deutsche besser wären als andere und dass wir mit niemandem teilen sollten.
Sie verbreiten Ängste und Schuldzuweisungen,
sie drohen und bedrohen, sie lügen und beleidigen.

Wir aber haben eine andere Mission: Die Werte, die uns leiten, haben auch die Heiligen geleitet. Sie haben jeweils auf ihre eigene Weise ihren Beitrag geleistet, dass Gottes Reich in dieser Welt gegenwärtig ist:

Sie haben Getröstet, Hoffnung geschenkt, Not gelindert und beseitigt, Gerechtigkeit hergestellt, Vergebung und Hilfe gebracht und die Menschen spüren lassen, dass Gott ihnen nahe ist, dass sie Gottes Kinder sind.

Weil Gott unendlich ist, ist seine Schöpfung voll unendlicher Vielfalt und auch die Menschen, die auf Gottes Geist hören sind untereinander verschieden, sie sind einzigartig und sie vollbringen unterschiedlichste Dinge.

Doch sie sind Gottes Kinder und von der Sehnsucht geleitet und geprägt, dass Gott in seiner Schöpfung verherrlicht wird durch Menschen, die in Frieden und Gerechtigkeit im Gehorsam gegen Gott die Güter der Erde miteinander teilen und einander immer wieder Vergebung und Hilfe schenken.

17.02.2019: 6. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Ein Baum, am Wasser gepflanzt – und ein Strauch in der Steppe.
Der eine führt ein kümmerliches Dasein – es ist trockenes Gestrüpp, das nicht mal die Schafe mögen.
Der andere, der Baum: ein Bild, der Stärke, der Fruchtbarkeit, der Schönheit. Der Baum gibt Schatten, bringt Früchte.

Diese beiden vergleicht das Buch Jeremia mit Menschen, die sich auf Menschen, oder die sich auf Gott verlassen.

Wer sind die Menschen, die sich auf Menschen verlassen?

Im Fall des Falles handeln sie gegen ihre Überzeugung,
man weiß gar nicht, ob sie eine Überzeugung haben:
Der kurzfristige, unmittelbare Vorteil steht im Vordergrund.
Sie haben keine innere Stärke, um ihren Weg zu gehen
sie lassen sich von den Mächtigen dirigieren und bestimmen.

Die Menschen, die auf Gott vertrauen, haben Überzeugungen.
Sie stellen Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit über ihr kurzfristiges Wohl,
die Armut zu überwinden, ist ihnen wichtiger als ihr eigener Reichtum,
das Leben zu schützen ist größer, als für sich selbst zu sorgen.
Vielleicht sind das die Schülerinnen und Schüler, die Verweise in Kauf nehmen, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren.
Vielleicht sind es die Mahner, die für den Schutz des Lebens eintreten –des ungeborenen Lebens und auch des Lebens, das sich dem Ende zuneigt.

Menschen, die solche Überzeugungen und Werte haben,
sind ein Segen: Sie bringen Früchte, bei ihnen findet man Schutz und Stärke. Sie werden zum Segen für andere.

Die Seligpreisungen und Weherufe Jesu im Lk.Ev. können wir in diesem Horizont verstehen:

Was macht Jesus: Er preist die Armen, die Hungernden, die Ausgestoßenen selig und ruft denen, die in unserer Alltagswelt gut dastehen ein Wehe entgegen: Warum eigentlich?

Weil sie das Glück haben, sich satt essen zu können, weil sie das Glück haben, nicht arm zu sein? Weil sie das Glück haben, anerkannt und gelobt zu werden?

Wird Gott mich dafür strafen?

Das Problem ist nicht der Wohlstand und der Glücksfall, auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen.
Das Problem ist, wenn wir die Armen übersehen,
wenn wir nichts gegen den Hunger tun,
wenn wir um der Anerkennung willen, das Gerechtigkeitsgefühl hinten anstellen.

Die Satten und Reichen, die Glück haben und anerkannt sind,
haben Verantwortung dafür,
dass die Armen nicht arm bleiben,
dass die Hungernden nicht mehr hungern,
dass die Ausgeschlossenen Zugang finden und Teil haben können an der Gesellschaft, an Sport und Kultur.

Jesus tritt dafür ein, dass wir Spaltungen überwinden,
dass wir Ausbeutung und Unterdrückung und die Kreisläufe des Unrechts beenden,
dass wir gerecht handeln und leben.

So hat Gott es in seinem Sohn Jesus selbst vorgemacht:
Er wurde ein sterblicher Mensch,
um uns Anteil zu geben an seiner Auferstehung und an seinem unvergänglichen Leben.

Der Glaube an die Auferstehung, an das ewige Leben,
hängt eng zusammen mit dem, was Menschen hier auf der Erde tun:

Denn: wenn wir uns bewusst bleiben, dass die Armen im Himmel nicht mehr arm sein werden, und dass Gott denen Anerkennung und Ansehen schenkt, die auf der Erde verschmäht werden – weil sie Jünger Jesu sind.

Dann werden wir wie von selbst den Ehrgeiz entwickeln, es wie Gott selbst zu machen und Armut und Hunger und Ausgrenzung zu überwinden,
denn die vergängliche Welt bereits ist Gottes Reich und soll es immer mehr werden.

01.11.2018: Allerheiligen

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder
Pfarrer Kolbinger war Ruhestandsgeistlicher in meiner früheren Pfarrei Ergoldsbach. Jeden Sonntag in der Frühmesse feierte leitete er das Glaubensbekenntnis mit den Worten ein: Voll Freude und Dankbarkeit bekennen wir unseren Glauben. Im letzten Absatz des Credo bekennen wir – freudig und dankbar: Ich glaube an den heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, die Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Die Gemeinschaft der Heiligen – feiern wir heute. So richten wir unseren Blick in die Zukunft, in die uns die Heiligen voraus gegangen sind.
Dieser Ausblick ist herrlich. Sie sind eingegangen in die Herrlichkeit Gottes. Sie leben in der gleichen Fülle wie Gott selbst. Vollendete Personen – an ihnen ist nichts mehr, das anders werden könnte, nichts trübt mehr ihre Vollkommenheit.
Das Fest sagt uns: Das ist auch unsere Zukunft: Die Vollendung in der Herrlichkeit Gottes.

Wenn mich jemand fragt: Wofür lebst du?
antworte ich: ich will mithelfen, dass die Welt gerechter wird, dass Frieden ist, dass die Ehrlichkeit hoch geschätzt wird, dass Schuld vergeben werden, dass Schwächeren geholfen wird, dass Krank Beistand finden, dass Trauernde nicht alleine sind, dass Gott im Blick bleibt.

Wenn mich jemand fragen würde:
Was willst du erreichen, was ist dein Ziel?
antworte ich: mein Ziel ist das Leben in Gottes Herrlichkeit.
Das ist die große Zuversicht, die ich habe: auch wenn Enttäuschungen, das Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit, Trauer, schlechtes Gewissen mich in diesem Leben plagen ‑
das alles ist eingebettet in die große Zuversicht: das Leben in der Herrlichkeit Gottes.

Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen, die schon in Gottes Herrlichkeit angekommen sind und in die ich einst eintreten darf.

Vielleicht denken sie jetzt: Wie kann sich der so sicher sein?
Er ist doch auch ein Mensch mit Fehlern?
Selbstverständlich! Alle die Heiligen, diese vielen ungezählten Heiligen, die in keinem Heiligenkalender stehen, und auch die, die im Kalender stehen, wie der hl. Martin und der hl. Franziskus und der hl. Petrus und der hl. Paulus und die hl. Theresa und der hl. Papst Johannes XXIII.

Sie alle waren Menschen mit Fehler und Sünden. So wie Franziskus, der jetzige Nachfolger des hl. Petrus, gefragt nach seiner Persönlichkeit, seinem Wesen antwortete: „Ich bin ein Sünder“.

Die Vollendung erreichen wir nicht, weil wir vollkommen sind, sondern, weil Gott uns vollendet. Das Gute, das in jedem von uns ist, das wir alle suchen und wollen und tun, das ist es, was Gott vollendet.
Von all dem anderen, was nicht gut ist, von der Sünde, reinigt uns Gott – wir dürfen auch sagen: Befreit er uns. So gibt er uns Anteil an seiner Heiligkeit und nimmt uns auf in seine Herrlichkeit.

Das ist die große Hoffnung und die große Sehnsucht, die ich habe und in der wir alle leben dürfen: weil wir Jünger Jesu sind.

Die Freude, die ich zuversichtlich erhoffe, ist jetzt schon ein Teil meines Lebens – zwar nicht im Erleben, aber in der Hoffnung.
Diese Freude und diese Erwartung wirken sich aus in unserem Leben als Glaubende:

In unserer Verletzlichkeit und Armut sind zuversichtlich, dass wir getröstet sein werden. Wir versuchen gewaltfrei zu handeln, gerecht zu sein, Nachsicht zu üben und menschliche Notlagen zu lindern und zu wenden.
Wir wollen wahrhaftig sein und Frieden ausstrahlen und dankbar und froh in unserem  Glauben leben.

So helfen wir mit, dass diese Welt immer besser wird und die finsteren Mächte der Lüge und Gewalt immer wieder gefesselt werden.
Damit der Friede Gottes schon jetzt in dieser Welt unseren Verstand wach hält, unsere Hoffnung groß und unsere Liebe stark macht.

01. November 2015: Allerheiligen

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder!
Ihnen gehört das Himmelreich! – verspricht Jesus
Sie erben das Land!
Sie werden satt!
Sie finden Erbarmen!
Sie werden Gott schauen!
Sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt!
Euer Lohn im Himmel wird groß sein!

Das alles verheißt Jesus denen, die ihm zuhören.

In zweifacher Hinsicht könnte man die Seligpreisungen missverstehen und den Sinner der Worte verdrehen.

Die erste Irreführung wäre es, wenn man Jesus so deuten würde:
Das alles bekommst du aber nur, wenn du nachweisen kannst, dass du arm warst, dass du Frieden gestiftet hast, dass du keine Gewalt gebraucht hast, dass du hungern musstest, nach der Gerechtigkeit!

Dann wären es keine Versprechungen, keine Verheißungen,
sondern Bedingungen: Leistung gegen Belohnung!

Die zweite falsche Deutung wäre, Jesu Worte so zu deuten:
Wer arm ist, wer hungert und dürstet, wer unterdrückt wird und misshandelt wird, der soll das ertragen und annehmen ohne zu klagen und ohne es ändern zu wollen ‑ dafür wird er im Himmel entschädigt werden.

Jesus will nie und nimmer dass irgendein Mensch erniedrigt und klein gehalten wird. Die Verheißung der himmlischen Seligkeit soll die Menschen nicht zu Passivität und Schicksalsergebenheit verführen – nur damit die reichen und Mächtigen und Gewalttätigen, die Egoisten, die Raffer und Geizhälse unbesorgt ihre Macht und ihren Reichtum und ihre Privilegien erweitern können.

Sehr wohl aber macht Jesus den Menschen Mut: jede mitmenschliche Regung, kein Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit ist umsonst und vergeblich – sondern jede Mit-Menschlichkeit wird von Gott gesehen und anerkannt und führt den Menschen in die Seligkeit des Himmels.

Selig werden wir nicht erst im Jenseits:
Menschen, die diese Werte des Himmels leben und nach ihnen handeln, haben jetzt schon Anteil am Himmel, an der Seligkeit des Himmels –
hier in diesem Erdenleben.

Dieses Glück, diese Seligkeit kann einem niemand rauben und zerstören:
Die Seligkeit, die darin liegt, das Gute zu sehen und zu tun.

Heute an Allerheiligen ehren wir alle die Menschen und Christen, die in ihrem Leben der Gerechtigkeit aufgeholfen haben, die ausgeglichen haben zwischen Streitenden, die lieber Gewalt ertrugen, als Gewalt zu üben.

Wir danken Gott für all diese Menschen, die auf Gottes Stimme in ihrem Herzen gehört haben.

Alle diese Heiligen, die niemals zur Ehre der Altäre erhoben worden sind, machen uns Mut, dass wir der Verheißung glauben:
Selig seid ihr! (Präsens.)
dass keine Liebe vergeblich gewesen sein wird, die wir anderen schenkten.

Dies alles wird bei uns bleiben, wenn wir als Gottes Kinder offenbar werden, die auf der Erde schon nach himmlischen Maßstäben handelten.

1. November 2012: Fest Allerheiligen

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

„Jetzt sind wir Kinder Gottes“,  lesen wir im 1. Johannesbrief.

„Kinder Gottes“ das gibt unsere Abstammung, unsere Herkunft an!
Wir kommen von Gott her – und das steht nicht im Geringsten im Gegensatz zur Elternschaft unserer Eltern.
Vielmehr durften unsere Eltern und durften viele von ihnen als Eltern mitwirken an der unaufhörlichen Schöpfungstat Gottes.
Wir leben durch und aus Gottes Schöpfungstat. Darum dürfen wir uns auch Kinder Gottes nennen.

Kinder sind oft das Spiegelbild ihrer Eltern – dabei meine ich weniger das Aussehen, als die menschliche Wesensart:
Die Sprache, die Gesten, die Gewohnheiten, die innere Einstellung zum Leben und zu den Mitmenschen – Kinder ahmen ihre Eltern nach und übernehmen alles von ihnen.

Wir nennen uns Kinder Gottes – und damit drücken wir aus, dass wir ihm dem Schöpfer des Lebens sehr ähnlich sind. Nicht so, wie das Spiegelbild seinem Urbild gleich ist, sondern vielmehr so, wie Kinder ihren Eltern ähnlich sind: wie Gott heilig ist, so sind auch wir heilig.

Gott ist heilig, der Heilige sagen wir manchmal – Was meinen wir damit?

Gott ist heilig, weil er vollkommen gut ist und also niemandem böses will.
Gott ist heilig, weil es in ihm keine Unwahrheit gibt und keine Täuschung.
Gott ist heilig, weil er mit sich eins ist und in ihm vollkommener Friede ist.

Was bedeutet es also heilig zu sein?
Heilig sein heißt gut sein zu den Menschen, heißt keine Unwahrheit in sich zu haben und es heißt voller Frieden zu sein.

Wir sind Kinder Gottes:  das heißt wir sind Menschen, die diese göttliche Wesensart in sich haben:
Wir wollen gut sein, wir wollen wahr und echt sein und wir wollen Frieden in uns haben.

Am Fest Aller Heiligen lenken wir unseren Blick auf all die Menschen, die das versucht haben. Wir schauen dankbar auf die Menschen, die ihre Energie und ihren Ehrgeiz dafür einsetzten, Gott ähnlich zu werden.

Das macht uns Mut, selber auf diesem Weg zu bleiben, weil wir an ihnen erkennen, dass es möglich ist!

Es ist uns möglich, auf Gott hin zu leben;
es ist uns möglich, solidarisch zu sein mit Menschen, denen Schlimmes widerfährt.
Es ist möglich, auf körperliche und psychische Gewalt zu verzichten;
Es ist möglich, gerecht und fair zu den Menschen zu sein,
Es ist durchaus möglich, mit Armen zu teilen und mit den Fehlern anderer Nachsicht zu üben;
Es ist uns möglich, ohne Hintergedanken und offen auf andere zuzugehen;
Es ist uns möglich, dass Frieden von uns ausgeht, weil wir uns der Zwistigkeiten aus Konkurrenz und Neid enthalten.

All dies ist durchaus für Menschen möglich.
Es ist durchaus menschenmöglich, als Gottes Kind ihm ähnlich zu sein,
oder wie ich im Johannesbrief lese; sich zu heiligen.