Hier geht es zu den liturgischen Texten:
Wir müssen wachsam sein. Denn die Werte der Gesellschaft und die christlichen Werte entwickeln sich auseinander – in zentralen Fragen, in denen es um den Menschen und sein Leben geht.
Wir Katholiken – als mündige Christen – stehen mitten in diesem Prozess und sind daran beteiligt:
Heute gestalten selbstverständlich auch Katholiken ihr Leben so, wie es jede und jeder selbst für richtig und gut hält – ohne sich vom Lehramt etwas vorschreiben zu lassen ‑ etwa über das sexuelle Verhalten.
Aber: Was ist richtig und gut? Dieser Frage dürfen wir nicht ausweichen – im Gegenteil: da Autoritäten (welche auch immer) und erst recht das kirchliche Lehramt an Geltung verloren haben, ist es umso wichtiger, selbst eine Antwort zu suchen.
Werte gibt es für jeden Menschen und jeder Mensch handelt so, dass er versucht, seine Werte zu verwirklichen.
Meistens ist es einfach: Man möchte etwas, z.B: zu Hause guten Kaffee genießen, und kauft sich eine tolle Kaffeemaschine. Oder man möchte schön gekleidet sein und erwirbt die Stücke, die einem gefallen.
Nicht immer ist es so leicht: manchmal steht mehr auf dem Spiel:
und zwar, wenn es um den Menschen selber geht: um sein Glück, um seine seelische und körperliche Gesundheit oder um sein Leben.
In diesen Monaten wird in Deutschland über Sterbehilfe diskutiert.
Mit starker Unterstützung durch die Medien treten manche dafür ein, dass ein schwer kranker oder leidender Mensch, der sterben möchte, beim Selbstmord unterstützt werden soll oder getötet werden darf.
Die Selbstbestimmung des Menschen soll geachtet werden – so fordert man. Und man stellt uns Menschen als Beispiel vor Augen, die ihre Schmerzen oder ihre ausweglose Situation nicht mehr ertragen können. Hilfe zur Selbsttötung, aktive Sterbehilfe wird als Akt der Barmherzigkeit und Mitmenschlichkeit dargestellt.
Ich sage: Seid wachsam!
Erstens wird das menschliche Leben nicht mehr an die erste Stelle gesetzt. Auch wenn manchmal wirklich ein Sterbewunsch geäußert wird:
Man kann kein Recht auf Selbstmord haben! Es gibt kein Recht darauf, dass einem andere beim Selbstmord unterstützen.
Das Leben ist vielmehr das kostbarste Geschenk Gottes – auch wenn es vergänglich ist: Deshalb darf der Mensch nicht über das Leben verfügen.
Ein Mensch, der Schmerzen hat und schwach ist, braucht Zuwendung, Schmerlinderung, Pflege und Fürsorge.
So wenig es nötig ist, jemand zu verurteilen, der versucht aus seiner Not zu flüchten und sich deshalb das Leben nimmt,
so wenig ist es mit dem christlichen Glauben vereinbar, darüber zu befinden, wann die Schmerzen eines Menschen so unerträglich sind, dass seinem Wunsch nach (Selbst)tötung nachgekommen werden muss.
Das Leben als Gottes Gabe ist heilig, es darf nicht angetastet werden.
Das müssen und dürfen wir Christen und unsere Bischöfe in der Diskussion zu bedenken geben – und ebenso alle negativen Folgen, die die Erlaubnis zur aktiven Sterbehilfe für unsere Gesellschaft haben könnte.
Zweitens aber, müssen wir damit rechnen, dass ein Gesetz beschlossen wird, das aktive Sterbehilfe in irgendeiner Weise erlaubt oder nicht mehr gänzlich verbietet.
Für uns Christen heißt das: Wir sollen wachsam sein und unseren eigenen Werten folgen. Nicht der Staat bestimmt, was Gottes Willen entspricht – unser eigenes Gewissen hört auf die Stimme Gottes.
Wir kennen die Gebote: Du sollst nicht morden!
Und: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“
Deshalb werden wir Christen uns für den Menschen und für sein Leben stark machen. Einen Menschen zu töten und Hilfe beim Selbstmord zu leisten, geht nicht mit dem Gebot der Liebe zusammen.
Sondern das Gebot der Liebe treibt uns dazu an, alles für das menschenwürdige Leben zu tun und den Sterbenden beizustehen.
Wir müssen nicht mit allen Mitteln das Leben verlängern,
Den Wunsch eines Menschen, der nicht mehr mit Medikamenten und Geräten behandelt werden will, müssen wir achten.
Doch wir werden alles dafür tun, dass er möglichst ohne Schmerzen und ohne Angst leben kann, umsorgt und geborgen – bis zum letzten Atemzug.
Seien wir wachsam, bleiben wir Gottes Willen und unseren eigenen Werten treu – wie immer auch ein Gesetz lauten wird.