22.06.25: 12. Sontag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
„Herr, du bist in unserer Mitte.“ klingt für uns Christen selbstverständlich. Das ist Kernbestand unseres Glaubens.

In der täglichen Mühe und Gewöhnlichkeit oder in schweren Zeiten kann dieses Vertrauen jedoch schwinden oder ins Wanken geraten.
In unserer sonntäglichen Messfeier wird dieses Vertrauen wieder gestärkt.

Herr Jesus Christus,
du stärkst uns durch dein Wort.
du stärkst uns mit dem Brot des Lebens.
du stärkst in uns die Liebe zum Mitmenschen.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
würden sie von sich selbst sagen: „Ich bin ein Sünder?“

Das Wort „Sünde“ wird entweder gar nicht mehr oder nicht so verstanden, wie es in der Bibel verwendet wird.

„Ich bin kein Sünder – ich bin doch kein schlechter Mensch.“, sagen viele Leute. Aber was ist denn eine Sünde? Wer ist denn ein Sünder?

Körperverletzung, Diebstahl und Mord und Vergewaltigung sind ohne Zweifel sehr schwerwiegende Sünden – aber es sind nicht die einzigen.

„Sünde“ ist nicht das gleiche wie „Verbrechen“ oder „Straftat“.

Sie wundern sich wahrscheinlich, warum ich heute darüber spreche:

In der 1. Lesung aus dem Buch Sacharja, hieß es:
„Sie werden um den weinen, den sie durchbohrt haben. Es wird in Jerusalem eine Quelle entspringen gegen Sünde und Unreinheit“.
Jesus Christus ist diese Quelle.

Immer und immer wieder hören wir auf die Botschaft Jesu in den Evangelien. Immer und immer wieder danken wir in der Eucharistie für die Liebestat Jesu, als er sein Leben hingab.
Dadurch wird in uns selbst die Liebe immer neu gestärkt –

Die Liebe zu Gott. Auf ihn zu hören bringt Segen zu den Menschen.
Und die Liebe zu den Menschen. Sie wächst aus der Liebe zu Gott hervor.

Unsere Liebe braucht immer neue Stärkung – denn in uns sind auch die anderen Kräfte am Werk.

Das merken wir, wenn wir die Geduld mit dem anderen verlieren.

Das merken wir nicht einmal, wenn wir taub und blind sind für die Mit­menschen und dafür, wie wir manchmal anderen auf die Nerven gehen.

Das merken wir, wenn wir einfach keine Lust haben, mit dem anderen zu reden und sagen: ich muss jetzt erst auf mich selber schaun.

Wie gut wäre es, wenn wir jeden Tag eine Gewissenserforschung hielten:
Was habe ich heute aus selbstloser Liebe getan?

Wenn wir ohne Liebe reden und handeln – dann sündigen wir.
Weil Gott die Liebe ist und uns zur Liebe ruft.

Kann jemand von sich sagen, dass er alles aus Liebe tut?

Ich glaube, wir haben alle Gründe genug zu sagen:
„Ich bin ein sündiger Mensch.“

Ich möchte ihren Blick auch noch auf den Brief des Paulus an die Christen in Galatien richten. Er gibt ihnen einen unglaublich aufbauenden Zuspruch und sagt: „Ihr, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus „angezogen“.

Wer also euch sieht, sieht Jesus Christus handeln.
Wer euch hört, hört Jesus Christus sprechen.

Dass ihr immer wieder auf ihn hört, das prägt euch und verbindet euch mehr, als Herkunft und Sprache und Bildung und Alter und sozialer Stand euch unterscheiden. – Auch wenn die Liebe immer neu gestärkt werden muss, damit sie stark und mächtig bleibt.

Und zuletzt hören wir auf die Stimme Jesu im Lk. Evangelium::
Er spricht von „sich selbst verleugnen“ und „Kreuz tragen“.

Das hat nicht zu tun mit: geduldig alles ertragen und sich nicht gegen das Unrecht stemmen.

Damit ist gemeint:
Was immer es auch bedeutet, Liebe zu zeigen und sich gegen das Unrecht zu stemmen – es ist wichtiger und besser als etwas anderes.

Wer mit Jesus geht, lebt nicht für sich selbst – sondern für die Liebe und ist bereit dafür Opfer zu bringen.

Liebe Schwestern und Brüder,
unsere Liebe stärken wir immer und immer wieder, wenn wir auf Jesus hören und seine Liebeshingabe feiern, damit die Lieblosigkeit, die Sünde in uns nicht mächtig wird.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Gütiger Gott, du hast uns berufen, Jesus nachzufolgen. Du gibst uns die Kraft für diesen Weg. Wir beten zu dir:

Gott, der du die Liebe bist      L/A: Wir beten zu Dir

  • Wir beten für alle Getauften: dass sie durch das Hören auf die Heilige Schrift ihre selbstlose Liebe immer wieder gestärkt wird.
  • Wir beten für die Menschen in Israel, in Palästina, im Iran und im ganzen Nahen Osten: dass sie auf Dich hören, der zum Frieden rufst.
  • Wir beten für die Regierungen, die mit Gewalt und Krieg ihre Machtinteressen durchsetzen wollen: dass sie umkehren und das Unrecht beenden.
  • Wir beten für unser Land: dass Hilfsbereitschaft und Rücksicht, Solidarität und Verantwortungsgefühl das Handeln der Menschen prägen.
  • Wir beten für unsere Gesellschaft, in der einige wenige immer größeren Reichtum anhäufen: dass es uns gelingt, die Gräben zwischen arm und reich ohne Gewalt und Blutvergießen zu verkleinern.

Lektor/in: Guter Gott, du teilst alles mit uns: dein Leben, deine Liebe, deinen Geist und deine Herrlichkeit. Wir loben und preisen Dich in Ewigkeit. Amen.

06.04.2025: 5. Fastensonntag

Hier geht es zu den texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
Osterkerze nicht mehr im Altarraum – wir beginnen die „PASSIONSZEIT“

Die letzten zwei Wochen vor Ostern denken wir besonders intensiv an Jesus, der sich so viel Leid zufügen ließ.
Wir leiden mit ihm – und damit wird uns bewusst,
dass niemand auf der Welt so viel Leid zugefügt werden sollte.

Es ist die Aufgabe der Menschheit, das Leid zu verringern.
Deshalb spenden wir heute für das katholische Hilfswerk MISEREOR.
MISEREOR arbeitet täglich daran die Armut und das Leid der Menschen zu verringern.
Die Not geht nie aus. Aber viele hunderttausend Menschen konnten sich durch die Hilfe zur Selbsthilfe bereits aus der schlimmsten Armut befreien:
MISEREOR hilft durch unsere Spenden ungezählten Menschen, dass sie ihre Würde entdecken und dass Ihre Würde geachtet wird.

Wir sind heute dringend aufgerufen, uns wieder durch unsere Spenden daran zu beteiligen.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Vergangenen Samstag wurde ich gefragt: „Gibt es keinen Bußgottes­dienst? Sollen wir wieder zum Beichten gehen?“

Es gab im letzten Advent und in dieser österlichen Bußzeit keinen Bußgot­tesdienst, weil im Jahr zuvor nur sehr wenige daran teilgenommen haben.
Ca. 12 bis 15 Personen! In meiner vorherigen Pfarrei Herz Jesu war es genauso. –

Nur sehr wenige finden es notwendig, über eigene Sünden nachzudenken und gemeinsam Gott um Vergebung zu bitten.

Halt! Aufpassen! Ich habe nicht gesagt, dass ich das schlimm finde.
Ich habe nicht gesagt, das müsse anders sein! Ich will sie zu gar nichts überreden! Ganz gewiss will ich Ihnen kein schlechtes Gewissen machen!

Unversehens bin ich mitten in der Geschichte, die das Johannes­evangelium erzählt:

Ich höre die Frage Jesu an mich – an sie:
„Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!“
Die Frau verabschiedet er mit der Mahnung: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“

Niemand stellt in Frage, dass es Sünden gibt und dass er ein Sünder ist!
Die Schriftgelehrten und Pharisäer wissen um ihre Sünde. Die Frau sowieso. Nur wir tun uns offensichtlich fürchterlich schwer damit, zu denken, dass wir Sünder sind.

„Was stell ich schon an? Ich tu niemandem etwas. Ich helfe doch sowieso, wo ich kann.“

Wir wollen nicht als Sünder dastehen und uns nicht als Sünder fühlen müssen. – Das kann ich sehr gut verstehen!

Verzeihen Sie, wenn ich jetzt zur Offensive übergehe und frage: Jesus hätte wegen uns gar nicht auf die Welt kommen müssen, um uns zu erlösen? – Nur wegen der anderen?

Sind wir wirklich ohne Sünde – oder machen wir uns selbst etwas vor?
Dürften wir den Stein auf die Ehebrecherin werfen – auch wenn wir es natürlich gar nicht tun wollen und werden?

Zur Entspannung möchte ich noch sagen:
Ein Sünder ist deswegen noch lange kein schlechter Mensch und schon gar kein schlechter Christ.
Der Heilige Franz von Assisi nannte sich selbst einen Sünder – so wie das die meisten getan haben, die von den Päpsten heiliggesprochen wurden.
Und das waren nun wirklich keine schlechten Menschen!

Was ist denn nun eigentlich eine Sünde? Wirklich nur Diebstahl, Mord und Ehebruch?

Noch einmal zu unserer Verteidigung: Bis vor ein paar Jahrzehnten wurden ziemlich detaillierte Sündenkataloge aufgestellt – und meistens drehte es sich entweder um das 6. Gebot oder um die Erfüllung sogenann­ter religiöser Pflichten. – Davon wollen wir zurecht nichts mehr wissen.

Aber nun: was ist eine Sünde?

Für die Antwort auf diese Frage erinnere ich an das WICHTIGSTE GEBOT: Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit deiner ganzen Kraft. Und: Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst!

Sünde ist, wenn ich gegen dieses Gebot verstoße:  Also, wenn ich mich lieblos verhalte gegenüber Gott oder gegenüber dem Mitmenschen.

Und nun frage ich uns und gebe uns diese Frage mit in die 2 Wochen bis Ostern:

Bin ich ein Sünder? Oder bin ich ohne Sünden?

Jesus jedenfalls sagt: Ich verurteile dich nicht!
Muss ich dann gar nicht mehr nachdenken, ob ich lieblos war?

Allgemeines Gebet

Lektorin: Jesus Christus, du bist die Auferstehung und das Leben. Voll Vertrauen wenden wir uns an dich:

Gott, voll Erbarmen    L/A: Wir beten zu dir.

  • Für alle Menschen, deren Würde nicht geachtet wird
  • Gott, voll Erbarmen           A: Wir beten zu dir.
  • Für alle, die kranke und sterbende Menschen pflegen:
  • Gott, voll Erbarmen           A: Wir beten zu dir.
  • Für alle, die Kinder und Jugendliche erziehen.
  • Gott, voll Erbarmen           A: Wir beten zu dir.
  • Für alle, die sich selbst für schlechte Menschen halten.
  • Gott, voll Erbarmen           A: Wir beten zu dir.
  • Für alle, die andere um Vergebung bitten.
  • Gott, voll Erbarmen           A: Wir beten zu dir.
  • Für alle, die sich schwer damit tun, eigene Sünden zu erkennen und vor sich zuzugeben.
  • Gott, voll Erbarmen           A: Wir beten zu dir.

Gott, Du schenkst uns Vergebung und Versöhnung durch Jesus, deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in Ewigkeit. Amen.

02.03.25: 8. Sonntag im Jahreskreis

Einführung:
Das Leben ist – ?
manche sagen: ein Kampf – aber wogegen oder gegen wen?

Mein Firmpate hatte den Spruch: Das Leben ist eines der gefährlichsten. Es endet immer tödlich.

Er hatte recht und auch nicht:
Denn das Leben endet nicht, sondern führt uns zurück in die Herrlichkeit, der uns ins Leben gerufen hat.
Diese Zuversicht hat uns Christus gebracht. Ihn grüßen wir:

Ansprache:
Der größte Feind des Menschen – das bedenke Wohl,
war noch nie und ist keineswegs der Alkohol,

Was dann, so werden sie mich fragen?
Paulus sagt, es sei der Tod mit seinem stärksten Mordwerkzeug,
die Sünde ist sein Stachel, mit der er jeden Menschen beugt.
Man könnte darüber fast verzagen.

Das Gesetz mach die Sünde stark. –
Es gibt niemand, der nicht dagegen mal verstößt,
deswegen ist der Mensch ja lange noch nicht bös.
Doch durch sie dringt uns der Tod ins Mark.

Verzeihen sie, Liebe Schwestern und Brüder,
dass ich ein so ernstes und wichtiges Thema scherzend mit Versen zu beschreiben begonnen habe.

Aber wie hängt das alles zusammen: Tod und Sünde, Gesetz und Erlösung durch die Auferweckung Jesu?

Die Geschichte von Adam und Eva, erzählt, wie sie gegen das Verbot Gottes handeln und die Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse essen. Diese Geschichte deutet den Tod und die ihn vorbereitenden Krankheiten und Leiden, die Mühen des Broterwerbs und die Schmerzen bei der Geburt als Folge oder Strafe für den Ungehorsam des Menschen, der sich selbst zum Maßstab von Gut und Böse macht.

Für den bekehrten Paulus ist dieser Zusammenhang wie ein Gefängnis aus dem der Mensch nicht aus eigener Kraft herauskommt. Er selbst hat lange Zeit in diesem Gefängnis verbracht und sogar mit Eifer und Fleiß die Gesetze studiert und befolgt und auf ihre Einhaltung gepocht.

Er hat sogar die Christen verfolgt – weil sie dieses Gefängnis verlassen haben und das Gesetz hinter sich warfen.

Braucht es denn keine Gesetze?
Ist es nicht notwendig, dass Diebstahl und Vergewaltigung bestraft werden? Ist es falsch, solche Taten „Sünde“ zu nennen?

Es ist notwendig und richtig – für Menschen, die nicht durch Christus erlöst und befreit sind!

Christus hat die Gefangenschaft durch Sünde und Tod beendet:

Alles ist schier auf den Kopf gestellt, weil Christus auferweckt wurde in die Herrlichkeit des Himmels. Mit ihm sind alle, die an ihn glauben durch die Taufe dem Tod entrissen! Das Gesetz hat seine Richtermacht verloren.
Gottes Gericht ist anderer Art: Es bringt Erbarmen und Vergebung!

Das hat Jesus sein Leben lang gezeigt:
Er hat den Menschen Gutes getan,
er hat Vergebung und Heilung gebracht.

Die an ihn glauben, liebe Schwestern und Brüder,
da ist sich Paulus sicher – und ich mir in seinem Gefolge genauso –
brauchen kein Gesetz mehr, das sie verurteilt!
Sie tun das, was Jesus getan hat:

Sie tun anderen Gutes und bringen Versöhnung und Heilung.
Wir brauchen kein Verbot der Sterbehilfe, keine Strafe für Einbruch und Körperverletzung – all das kommt für uns ohnehin nicht in Frage.

Unsere Sendung ist, dass wir die Werke Jesu weiterführen –
damit sich in dieser Welt der Friede Christi ausbreitet
und dem todbringenden Hass und der Feindschaft Grenzen setzt.

Wir sind, hat Jesus kundgetan,
allein Gott im Himmel untertan,
er schenkt uns Sterblichen Unsterblichkeit
entreißt uns dem Tod, holt uns in seine Herrlichkeit.

Der Menschen Bosheit kann Gott nicht daran hindern,
dass er uns zählt zu seinen Kindern,
Erwarten dürfen wir ewiges Leben,
vollkommenes Glück und reichen Segen.

Des Menschen größter Freund, bedenke wohl,
ist Gott der uns in den Himmel holt.
Und in der Bibel steht geschrieben,
du kannst nichts bess’res tun als lieben.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Wir haben die Botschaft von der Befreiung gehört und beten im Vertrauen auf den Sieg des Lebens

Gott unseres Lebens

  • Wir beten für die Missmutigen, die den Blick für das Gute verloren haben.
  • Wir beten für die Menschen, die Regeln und Gebote für andere festsetzen
  • Wir beten für die Menschen, die dem Ideal folgen, für andere da zu sein.
  • Wir beten für Väter und Mütter, für Erzieherinnen und Erzieher, für Lehrerinnen und Lehrer.
  • Wir beten für Richter und Staatsanwälte, für Polizeibeamte, die sich für die Einhaltung der Gesetze sorgen.
  • Wir beten für die Inhaftierten und die Sicherheitskräfte in den Gefängnissen.

Lektor/in: Gott, der Glaube an deine Güte macht uns eifrig darin gut zu anderen zu sein und niemandem Schaden zuzufügen. Stärke unseren Glauben, dass in dir unsere Mühe nicht vergeblich ist. Wir preisen dich heute und in Ewigkeit. Amen.

01.09.2024: 22. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Mitchristen, unser Ideal ist, die Liebe Gottes anzunehmen und ihr zu antworten.
Wir können Gott fast ausschließlich in unseren Mitmenschen begegnen. Deshalb erwidern wir Gottes Liebe, wenn wir unsere Mitmenschen lieben.
Wer Gott dient, dient dem Leben und wer dem Leben dient, dient Gott.

Danken wir jetzt Gott gemeinsam, für alles Gute, das wir in dieser Woche tun konnten und schöpfen wir Kraft für die Tage vor uns, dass wir weiter Gutes tun können.

Jesus, du hast uns Gottes Liebe gezeigt.
Du hast den Menschen gedient.
Du rufst auch uns, einander zu dienen.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Wer jemand im Krankenhaus besucht und nach dem richtigen Zimmer sucht, stößt auf die Beschriftungen: „Rein“ und „Unrein“. Dahinter verbirgt sich wohl gebrauchte also „verunreinigte“ Wäsche und anderes bzw. frisch gewaschene Wäsche und gereinigte Gegenstände.

Rein und unrein – diese Begriffe haben heute keinen religiösen Klang.
Obwohl: Ich erinnere mich wohl an die Mahnungen in der Ausbildung und bei Fortbildungen, wir sollten die reine Lehre der Kirche verkünden – sei es gelegen oder ungelegen.

Und ja: in manchen Kirchenliedern besingen wir noch, dass wir rein von Sünden sein wollen. Und damit rühren wir an die ernsthafte Frage, die mit den Wörtern „rein“ und „unrein“ sein angesprochen wird:

Wie soll und will ich vor Gott da sein und wie kann ich das erreichen?

Es ist ja unsere Eigenart, dass wir gut dastehen wollen,
wir wollen alles richtig machen,
wir wollen uns nicht schämen müssen für das, wie wir sind und was wir tun und was wir nicht können.

Wie können wir vor Gott gut dastehen? Im 3. Hochgebet beten wir darum, dass wir Gott „wohl gefallen“ – also „gut gefallen“

Jesus muss sich mit der Kritik an seinen Jüngern auseinandersetzen, die gewisse „Reinheitsvorschriften“ nicht so recht eingehalten haben.
Er wehrt die Vorwürfe ab und weist darauf hin, dass es Gott egal ist, ob wir mehr oder weniger „reinlich“ sind. Natürlich ist es sehr wohl geboten durch Hygiene für die eigene Gesundheit und für die anderer zu sorgen.

Der Mensch steht vor Gott nicht gut oder schlecht da, weil er reinlich ist, oder weil er Kniebeugen und Verneigungen macht. Gott braucht kein Zeremoniell wie ein König oder Präsident.

Wenn der Mensch vor Gott schlecht dasteht, dann deshalb, weil er seine Mitmenschen gering achtet und ihnen Schaden zufügt: das besagt jedenfalls die Aufzählung des Evangelisten:

Unzucht ‑  Diebstahl – Mord – Ehebruch – Habgier – Bosheit – Hinterlist – Ausschweifung – Neid – Lästerung ‑ Hochmut und Unvernunft. – Also das Böse, bewirkt, dass der Mensch vor Gott schlecht dasteht.

Ich gebe zu: „gut oder schlecht dastehen“ – das sind nicht ganz passende Ausdrücke in Bezug auf unsere Gottesbeziehung.
Die Bibel nennt das „rein“ oder „unrein“ sein bzw. „gerecht“ oder „ungerecht“ sein. Die das Böse im Sinn haben und tun, das sind eben Sünder!

Jetzt gehen die Fragen erst richtig los:

Kann man dieses Böse meiden? Oder nur Meistens? Oder nur das Meiste?

Die wenigsten morden, aber Neid ist ein Gefühl, das vielen bekannt ist.

Und wenn ich vor Gott nicht „rein“ oder „gerecht“, sondern sündig bin, weist er mich dann zurück? Kündigt er mir die Freundschaft?

Das ist nicht der Gegenstand dieses Gesprächs Jesu mit den Pharisäern und den Jüngern. Deshalb erinnere ich uns nur kurz an Jesus und Zachäus, an das Gleichnis vom barmherzigen Vater – da geht es um diese Fragen.

Aus dem heutigen Abschnitt können wir aber die Lehre ziehen, in der Weise wie es der Jakobusbrief tut:

Nehmt das Wort an, das in euch eingepflanzt ist.
Es bringt euch Versöhnung. Bleibt aber nicht nur „Hörer“ des Wortes,
sondern werdet „Täter des Wortes“.

Will sagen:

Ihr empfangt die Versöhnung mit Gott und den Frieden,
ihr empfangt das Leben von Gott!

Also lebt selbst für die Versöhnung und für den Frieden und dient dem Leben – besonders der Schwachen! – Wer vor Gott gut da stehen möchte – der wird das beherzigen.

Fürbitten

Lektor/in: Gott, du erfüllst uns mit Leben. Wenn wir einander Liebe erweisen, sind wir dir am meisten ähnlich. Wir beten zu dir:
Vater des Lebens        L/A: Wir beten zu dir.

Wir beten für die Menschen, denen Böses getan wurde und wird:
Dass sie nicht aufhören, an das Gute zu glauben und das Gute zu wollen. Vater des Lebens

A: Wir beten zu dir.

Wir beten für die Menschen, die Böses wünschen und wollen und tun:
Dass sie aufwachen und umkehren und dich und das Leben suchen. Vater des Lebens

A: Wir beten zu dir.

Wir beten für unsere Bundesrepublik: dass wir uns nicht spalten, sondern zusammen bleiben in dem Bekenntnis, dass die Würde eines jeden Menschen nicht verletzt werden darf und dass jeder Mensch gleich ist und die gleichen Rechte hat. Vater des Lebens

A: Wir beten zu dir.

Wir beten für unsere Kirche: dass sie die frohe Botschaft Jesu vom Reich Gottes unverfälscht verkündet und nicht durch menschliche Gesetze verdunkelt. Vater des Lebens

A: Wir beten zu dir.

Wir beten für unsere Pfarreiengemeinschaft: dass wir miteinander die Freude des Glaubens erleben und Menschen hinzugewinnen.
Vater des Lebens

A: Wir beten zu dir.

Lektor/in: Gott, du bist in allem und größer als alles und du verbindest alles was ist. Wir danken Dir, dass Du uns Deinen Frieden schenkst und dass deine Freude in uns ist. Deinen Namen loben wir in Ewigkeit. Amen.

10.03.24: 4. Fastensonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
freuen sie sich auch, dass wir wieder Gottesdienst feiern?
Am heutigen 4. Fastensonntag leuchtet schon ein wenig des österlichen Glanzes herein.

Vom ewigen Leben ist die Rede, von der Erhöhung Christi,
von der Rettung und dass wir kein Gericht zu fürchten haben.

Grüßen wir Christus, dessen Name Jesus bedeutet:
Gott rettet!

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
ein paar hundert Meter entfernt feiern die evangelischen Christen in St. Matthäus Gottesdienst wie wir, hier in unserer Kirche. Sie entstand, weil die Kirche Dr. Martin Luther wegen seines Protestes gegen Missstände wie den Ablasshandel ausgeschlossen hat. Dr. Martin Luther hatte nicht nur protestiert und die Ausbeuterei angeprangert. Er hat als Theologe auch die Gründe für die Missstände gesucht. Er fand sie in der damals vorherrschenden Theologie und fand dafür das Wort: „Werkgerechtigkeit“

Er entwickelte eine neue Theologie und stützte sich dabei besonders auf den Apostel Paulus und dabei wiederum auf die Sätze, die wir heute in der Lesung gehört haben:

„Aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft. Gott hat es geschenkt. Nicht aus Werken, damit sich keiner rühmen kann.
Wir sind in Christus Jesu zu guten Werken erschaffen, die Gott für uns bestimmt hat, damit wir mit ihnen unser Leben gestalten.“

Dieser Konflikt um die Rettung oder Rechtfertigung aus Gnade und nicht aus guten Werken ist heute – auch dank der Bemühungen von Kardinal Ratzinger – ausgeräumt. Der Grund der Kirchenspaltung existiert nicht mehr.

Paulus, dem Papst, Luther geht es um die Rettung der Menschen.
Müssen wir Menschen gerettet werden? Wenn ja wovor?
Fällt ihnen eine Antwort ein?

Zwei Grunderfahrungen sind es, die zu unserem Menschsein gehören.
Diese Erfahrungen unterscheiden uns wahrscheinlich von allen anderen Lebensformen auf unserem Planeten:

Wir wissen, dass wir sterben.
Wir wissen, dass wir anderen Lebewesen Schaden zufügen.
Wir unterscheiden „gut“ und „böse“ und wissen, dass wir nicht immer „gutes“ und oftmals auch „böses“ tun.

Wir Menschen sehnen uns danach, dass wir vom Tod gerettet werden und für das „Böse“ nicht verurteilt werden.

Jesus sprach oft vom Gericht Gottes, vom letzten Tag, vom ewigen Leben und von der Auferstehung der Toten und von der Vergebung der Sünden.
Diese Themen ziehen sich wie ein roter Faden durch die vier Evangelien.

Denken wir auch daran, dass Jesus fast ausschließlich zu jüdischen Menschen sprach. In vielen seiner Gleichnisse und Reden korrigierte er die Vorstellungen der jüdischen Lehrer und Gelehrten, weil er merkte:
Diese Lehren dienen mehr dazu, die Menschen zu kontrollieren und eigene Privilegien zu erhalten.

So kommt es zu Aussagen wie wir sie heute gehört haben:

„Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet,
sondern damit er die Welt rettet.

Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet.
wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht glaubt.

Das Gericht besteht darin,
dass die Menschen, die das Böse tun, nicht zum Licht kommen,
damit ihre bösen Taten nicht aufgedeckt werden.“

Liebe Schwestern und Brüder,
mein tägliches Tun und Streben drückt also aus, ob ich gerettet bin, oder mich selbst schon gerichtet habe:

Wenn ich zum Licht komme, zu Jesus, um von ihm gerettet zu werden, wird offenbar werden, dass mein Tun und Lassen sich aus dem Glauben an Jesus nährt und auf Gott ausgerichtet ist.

Wenn ich jedoch Jesus ablehne, weil ich nicht erkenne, dass er von Gott Kunde bringt, wird darin offenbar, dass mein Tun und Lassen nicht auf Gott ausgerichtet ist, nicht auf das Leben, sondern böse.

Der entscheidende Anfang aber liegt darin:
Jesus, das Licht der Welt, ist in die Welt gekommen,
damit die Glaubenden das ewige Leben haben. Gottes Gnade steht am Anfang, Jesus ist sein Geschenk, unser Glaube ist die Antwort und unser Tun und Lassen ist die Wirkung und Ausdruck unseres Glaubens an das Licht. Amen.

FÜRBITTEN

Lektorin: Jesus, du bist das Licht der Welt, vom Vater aus Gnade zu uns gesandt. Wir beten zu dir
Jesus, du Licht der Welt   (A): Erhöre unser Gebet

  • Wir beten für unsere Kommunionkinder und für die Firmlinge: dass ihr Glaube wächst und dass sie in deinem Licht bleiben.
  • Wir beten für alle, die durch das Hilfswerk MISEREOR Hilfe erhalten: dass sie auskömmlich leben und den Fängen ausbeuterischer Unterdrückung entkommen.
  • Wir beten für unsere Kirchen: dass sie den Menschen das Heil verkünden und die Rettung durch Jesus Christus.
  • Wir beten für alle, die die frohe Botschaft verkünden, dass sie in zeitgemäßen Worten und Gedanken die Herzen der Menschen erreichen.
  • Wir beten für die Menschen in Israel, im Gazastreifen, im Jemen, in der Ukraine und in Russland: – um das Ende der Gewalt.
  • Wir beten für die weltweite Staatengemeinschaft: dass sie Wege findet, den Frieden zu bewahren, zu fördern, zu gewinnen und den Krieg zu verbannen.
  • Wir beten für unser Land: dass wir Frieden und Freiheit bewahren und den Weg zu größerer Gerechtigkeit gehen.

Lektorin: Gott, durch den Glauben an Jesus deinen Sohn sind gerettet. Er schenkt uns Freiheit und Frieden. Durch ihn loben wir dich in Ewigkeit. Amen

2. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

Einführung:
Jeder von uns hat etwas, das ihn belastet, was ihm das Leben schwer macht, was ihn bedrückt.
Besonders schlimm finde ich, wenn ich mit jemandem Streit habe – noch dazu, wenn mir der Mensch wichtig ist.
Noch schlimmer ist es, eine richtige Feindschaft zu haben.

Leider gibt es unter uns Menschen viele Spaltungen und tiefe Gräben. Feindschaften, Neid, Konkurrenz, Ablehnung.
Leider gibt es auch in der Christenheit viele Spaltungen.

Wenn ich mir wünschen dürfte, von einer großen Last befreit zu werden, dann würde ich mir wünschen, dass die Menschen und erst recht wir Christen einander nicht ausschließen, sondern wie in einer Familie miteinander verbunden wissen.

Ansprache:

„Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“

In der Messfeier beten wir ein bisschen umgewandelt:
„Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt!“

Dieser Satz steht in einem ganzen Kosmos von bildlichen Vorstellungen über die Welt und Gott:

Gott ist der Schöpfer der Erde!
Der Mensch lebt durch ihn und aus seiner Kraft.

Der Mensch hat nicht auf Gott gehört:
Er möchte selbst bestimmen, was für ihn gut ist.

Er fügt anderen einen Schaden zu, für den eigenen Vorteil.
Das passiert uns jeden Tag:
Drängeln beim Anstehen und im Verkehr.
Etwas abstreiten, damit man keinen Ärger bekommt.
In der Probe abschreiben, damit man die Aufgabe lösen kann.
Es passieren noch viel schlimmere Dinge, von denen ich jetzt gar nicht reden mag.

Jesus nimmt die Sünde weg: Wie ist das gemeint?

1. Jesus sagt uns: Gott will trotzdem, dass es dir gut geht. Er verzeiht dir.
Er bleibt bei dir. Er straft dich nicht. Du bist und bleibst Gottes Kind.

2. Jesus nimmt die Sünde weg, das heißt auch, er zeigt uns, dass wir die Sünde nicht brauchen. Er zeigt uns, dass wir gut sein können zu den anderen. Er zeigt uns wie das geht. Wir können miteinander leben, ohne dass einer dem anderen etwas Schlechtes tut. Wir können helfen, teilen, trösten, …

Liebe Schwestern und Brüder,
das gilt für alle, die an Jesus glauben: für uns röm.kath., für die orthodoxen, für die evangelischen Christen.

Jesus nimmt die Sünde von uns weg. Eine große Sünde ist die Spaltung zwischen uns Christen:
Warum gibt es diese Spaltungen? Wegen Meinungsverschiedenheiten, wegen Rechthaberei, wegen gegenseitigen Beschimpfungen, weil man einander nicht zugehört hat, weil man selbst bestimmen wollte.

Dann wollte man nichts mehr miteinander zu tun haben.

Jesus nimmt die Sünde weg, was heißt das in diesem Fall:

Wir dürfen erkennen: obwohl es Unterschiede gibt, obwohl wir alle manche Dinge anders machen dürfen wir erkennen:
Wir glauben an Jesus, wir hören auf ihn, wir folgen ihm.

Die Spaltung muss nicht für immer bleiben. Wir können sagen:
Wir gehören zusammen, weil Jesus die Sünde von uns allen wegnimmt.
Und deshalb wollen wir auch miteinander beten.
Und deshalb dürfen wir auch beim Abendmahl,
bei der Kommunion unsere einander willkommen heißen.

Wir brauchen uns nicht gegenseitig ausschließen, sondern wir dürfen einander einladen.

Am nächsten Donnerstag üben wir das wieder.
Die ev. Christen und wir röm.katholischen Christen beten miteinander,
wir singen miteinander, wir hören miteinander auf die heilige Schrift und dabei spricht Gott uns zu Herzen.

Ich bitte Sie, dass wir das schätzen. Wir sind wirklich weit gekommen. Wir sind inzwischen Freunde geworden. Geschwister im Glauben.

Diese Gemeinschaft müssen wir pflegen und stärken und dadurch müssen wir auch unseren Kirchenleitungen klar machen: Wir möchten diese Spaltung nicht mehr: Auch wenn wir verschieden sind, wollen wir doch miteinander den Glauben feiern. Wir wollen uns gegenseitig zum Abendmahl und zur Kommunion einladen. Hoffentlich wird das bald.

FÜRBITTEN

Lektor/in: Gott, du bist unser Vater, in Gemeinschaft mit allen Christen beten wir zu dir:

Gott, Vater der Menschen – (A) führe uns durch deinen Geist

  • Wir beten für die Kinder, die heuer das erste Mahl die heilige Kommunion empfangen werden: dass sie in ihren Familien lernen, als Jünger Jesu zu leben. Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten für die Eltern, die ihre Kinder zur Taufe gebracht haben: dass sie die Verbindung mit Jesus halten und mit ihren Kindern beten und Nächstenliebe üben. Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten für alle Menschen in unserem Stadtviertel: dass wir offen sind füreinander und dass Menschen in Not geholfen wird.
    Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten für unsere Pfarrgemeinde und für die Matthäusgemeinde und für die Pfarrgemeinde von St. Albertus Magnus: Dass wir den Glauben gemeinsam leben lernen und dass wir zum Segen für die Menschen in unserem Stadtviertel werden. Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten für alle christlichen Kirchen: dass wir die Spaltungen überwinden, dass wir unsere Gemeinsamkeiten immer mehr entdecken und dass wir bald gemeinsam das Herrenmahl feiern können.
    Gott, Vater der Menschen –
  • Wir beten um den Frieden überall dort, wo Menschen Krieg gegeneinander führen, wo Feindschaft besteht, wo Angst und Schrecken die Menschen plagen. Gott, Vater der Menschen –

Priester: Himmlischer Vater, wir loben dich für deine Gaben, für den Geist, der in uns ist und uns lenkt und treibt. Gib, dass wir deinen Segen erfahren, dass wir dir danken durch Jesus Christus, unseren Herrn.

06.12.2020: 2. Adventsonntag 2020

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Liebe Schwestern und Brüder,
heuer gab es keinen Bußgottesdienst: in der Fastenzeit waren öffentliche Gottesdienste verboten und jetzt im Advent möchte ich ehrlich gesagt keine zusätzlichen Gottesdienste anbieten.
Und: wenn ich ganz ehrlich bin, frage ich mich, ob es überhaupt jemandem abgeht – dieses Nachdenken über die eigenen Sünden.

Dabei ist das eine Grunderfahrung der Menschheit und jedes Menschen:
wir sind nicht immer gut, sondern wir sind oft auch böse und tun Böses.

Dabei bleibt es sehr schwer, festzulegen, was genau böse ist, was eine Sünde ist. Die Messlatte kann sehr verschieden angesetzt werden.

Ist es nur eine Sünde, wenn ich jemand anderem oder mir selber absichtlich und vermeidbar Schaden zufüge?
Dann gibt es tatsächlich gar nicht so viele Sünden: denn wer stiehlt schon? Wer betrügt schon?

Oder sündige ich auch schon, wenn ich nachlässig bin, wenn ich vergesse Gutes zu tun (beten) oder zu wenig von meinem Besitz mit denen teile, die weniger haben als ich. Ist es schon eine Sünde, weil mein Vertrauen größer, meine Hoffnung stärker und meine Gottes- und Nächstenliebe stärker brennen könnten?

Jeder kann sich selbst fragen:
Habe ich jemand anderem oder mir selbst Schaden zugefügt? War ich ungerecht?

Habe ich das rechte Maß nicht eingehalten – beim Arbeiten und Ruhen, beim Essen und Trinken und beim Fasten, beim Streit und beim Vermeiden eines Streits?

War ich klug genug, um nachzudenken, welche Wirkungen mein Reden und Handeln hat und habe ich abgeschätzt, ob ich den anderen richtig verstehe. Kümmere ich mich darum, was dieser Gesellschaft hilft, menschlicher zu werden oder ist es mir einfach egal? Leiste ich einen Beitrag dazu?

Bin ich zu feige, um für meine Wertvorstellungen einzutreten?
Gebe ich schnell auf, wenn ich merke, dass es anstrengend und schwierig wird?
Vermeide ich alles, was Anstrengung und Ausdauer kostet?

Und es stellt sich die Frage:
Warum bin ich so? Könnte ich anders?
Was könnte ich ändern?

Denn eines steht fest:
So sehr auch jeder einzelne an sich arbeitet, ein immer besserer Mensch und Christ zu werden – wir werden immer auf die Vergebung anderer und auf die Vergebung Gottes angewiesen sein.

Unser Liebe könnte immer noch heller leuchten
unsere Hoffnung stärker und unser Vertrauen größer sein.

Die Botschaft Johannes des Täufers ist:
Kehrt um zum Herrn – immer wieder –
bleibt nicht stehen auf dem Weg, als Kinder Gottes sein Reich aufzubauen.

Denn: Gott hat Erbarmen. Er vergibt euch eure Sünden, wenn ihr auf dem Weg bleibt:
er vergibt euch euer zu wenig und er vergibt euch sogar das Böse –
wenn ihr nur auf dem Weg bleibt und immer wieder umkehrt zu eurem Gott.

22. Februar 2015: 1. Fastensonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Wann haben Sie den letzten Regenbogen gesehen?
Es ist faszinierend wenn sich dieses vielfarbige Band über das ganze Himmelsgewölbe spannt. Das passiert wenn – meistens im Sommer – es regnet und zugleich die Sonne scheint..

Ich kann verstehen, dass die Menschen vor ein paar tausend Jahren in dieses Naturschauspiel als göttliches Zeichen deuteten: als Zeichen dafür, dass Gott diese Erde nicht verwirft und das Leben und den Menschen nicht dem Untergang anheim gibt.

Die Geschichte wie Noah die große Flut in der Arche überstand, ist eine großartige Bildergeschichte, die im alten Orient in verschiedenen Kulturen so ähnlich verbreitet war – vielleicht als Erinnerung an zerstörerische Fluten wie wir sie 2002 an der Elbe oder 2013 in Niederbayern erlebt haben.

Der erste Petrusbrief sieht in der Rettung des Noah aus dieser Flut ein Sinnbild für die Taufe:
Die Taufe ist Zeichen dafür, dass wir durch Christus und seine Aufersteh­ung gerettet sind wie Noah durch die Arche gerettet wurde:
Obwohl wir einander und Gott so viel Liebe schuldig bleiben, nimmt er uns an und schenkt uns ewiges Leben – in seinem Licht und seiner Herrlichkeit.

Liebe Schwestern und Brüder,
gehen wir aber nochmal einen Schritt zurück: Die Geschichte von der großen Flut nennt einen Grund für diese Katastrophe: Man überlegte: Gott wollte das Menschengeschlecht vernichten, weil er die Schlechtigkeit der Menschen sah!

Es heißt: „Es reute den Herrn, auf der Erde den Menschen gemacht zu haben, und es tat seinem Herzen weh.“

Manchmal klagen wir, dass es so viel Elend gäbe in der Welt. Wir werfen es Gott vor, dass er es nicht besser gemacht hat und zweifeln an seiner Allmacht und Liebe!

Wer so denkt, ist ganz nahe an den Vorstellungen dieser alten biblischen Bildergeschichte: Es wäre besser, wenn es diese Welt gar nicht gäbe!

In der Bibel heißt es aber: „Nur Noah fand Gnade in den Augen des Herrn.“

Die Zerstörungsgeschichte wird zugleich zu einer Geschichte des neuen Anfangs. Obwohl die Menschheit nach der Flut nicht besser war als zuvor und obwohl Not und Tod weiterhin das Leben und die Schönheit der Erde in Frage stellen, setzt sich die Erkenntnis durch:
Der Regenbogen ist das Zeichen dafür, dass das Leben auf der Erde weitergeht.

Es ist besser auf dieser von Not und Tod geprägten Erde zu leben, als dass sie gar nicht existieren würde!

Liebe Schwestern und Brüder!
können wir uns dieser Sicht anschließen?
Können wir ja sagen zu der Erde und zu uns selbst – ja zu ihrer Schönheit, ja zu unserer lebendigen und begrenzten Freiheit –
Können wir ja sagen – trotz der Schrecken der Natur und der Bosheit der Menschen?

Es ist eine Versuchung, diese Erde und das Universum und das Leben gering zu schätzen – weil es zugleich Schrecken und Tod und Bosheit gibt.

Es ist eine Versuchung nur auf das Negative zu starren.

Es ist eine Versuchung, die Erde mit Gewalt verbessern zu wollen.

Es ist eine Versuchung, die Erde als Besitz anzusehen, von dem man möglichst viel für sich gewinnen will.

Jesus war ganz und gar Mensch: auch er kannte diese Versuchungen.
Doch er sagte in seiner tiefsten Seele Ja zur Schöpfung Gottes und ihrer Gestalt – er sagte Ja zum Menschen und seiner Freiheit.

Aus diesem Ja heraus verkündete er die frohe Botschaft:
Diese Welt ist Gottes Welt. Gott ist euch nahe.
Er verurteilt nicht. Er ist da und er kommt! Kehrt um und glaubt!