07.04.23: Karfreitag

Liebe Schwestern und Brüder,
wir haben – wieder – gehört, wie Jesus festgenommen, angeklagt, verur­teilt, gefoltert und getötet wurde. Diese Leidensgeschi­chte ist nicht schön anzuhören. Aber wir tun es, weil das Leiden Jesu für uns Christen von größter Bedeutung ist. Warum eigentlich? Warum musste Jesus sterben?

Er starb, weil die jüdische Obrigkeit verurteilt Jesus nach ihrem Gesetz wegen Gotteslästerung zum Tod.
Sie hatten Angst, dass „alle an ihn glauben“. Dann würde vielleicht das Abkommen mit den Römern platzen und sie würden ihre Stellung und den Tempel und damit ihr gutes Auskommen verlieren.

Pilatus, der Vertreter der römischen Staatsgewalt, verurteilte ihn als „König der Juden“ also als einen Aufwiegler, einen, der die Staatsmacht nicht anerkennt, der die Macht an sich reißen will.

Warum starb Jesus? Mit diesen Erklärungen findet diese Frage für mich noch nicht eine richtige Antwort. Und außerdem: Es ist auch schwer und vielleicht gar nicht ganz möglich, diese Frage zu beantworten.

Jesus wäre für uns nicht der, der er ist, wenn er eines Tages an einer Krankheit oder an Altersschwäche gestorben wäre. Dieser Tod, diese Verurteilung gehört zu seinem Leben und war ihm – so erkennen wir im Nachhinein – von Anfang an vorbestimmt. Alle vier Evangelien stimmen darin überein, dass Jesus einen solchen Tod sterben musste. Sein ganzes Leben führte – trotz aller Begeisterung in Galiläa – auf dieses Ziel hin.

Aber warum musste Jesus sterben?

Wir können und dürfen und wollen die Augen nicht davor verschließen: Jesus starb, weil wir Menschen Sünder sind: Wir beschuldigen zu Unrecht. Wir erzählen falsche Gerüchte, Wir verraten. Wir sind bereit, um des eigenen Vorteils willen jemandem zu schaden, wir üben Gewalt, wir folgen unserer Angst, wir lassen uns aufhetzen und manipulieren.

An diesen Sünden ist Jesus gestorben. So wie jeden Tag Menschen an diesen Sünden sterben. Und wenn jemand es auf den Punkt bringt und sagt: „Diese Wirtschaft, diese Politik, tötet“ – wird er dafür ausgebuht – auch in unseren Tagen.

Warum musste Jesus sterben?

Das Evangelien erklärt immer wieder: Jesus musste sterben, damit wir an ihn glauben und durch den Glauben an ihn gerettet werden. Einer seiner letzten öffentlich im Tempel gesprochen Sätze ist: „Ich bin nicht in die Welt gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten.“

Nach diesen Worten ist Jesu Tod tatsächlich ein Tod für uns. Denn mit der Hingabe seines Lebens besiegelt Jesus seine Sendung, die er so beschreibt: „Der Auftrag meines Vaters ist ewiges Leben“.

Niemals würden wir diese Worte heute noch zitieren, wenn Jesus nicht bereit gewesen wäre, dafür sein Leben zu geben. Dadurch aber haben sie Kraft: sie überzeugen und sie wirken in den Menschen und bewegen die Glaubenden dazu, das Werk Jesu weiterzuführen und Menschen zu heilen und zu versöhnen.

Deshalb sagt Jesus zu Recht wiederholt: Der Menschensohn muss all das erleiden, „damit durch mich der Vater verherrlicht wird und damit ich im Vater verherrlicht bin“. Das bedeutet nichts anderes als:
Durch mein Leiden bin ich meinem Vater und seinem Auftrag treu. Er hat mich gesandt, den Menschen ewiges Leben zu verkünden.
Dass Jesus verherrlicht wird, bedeutet auch: „Alle Welt wird erkennen, dass meine Botschaft wahr ist: Gott schenkt Vergebung und ewiges Leben.
Das erste und wichtigste dabei ist: Gott über alles lieben und den Nächsten lieben, wie sich selbst.“

Jesus wird dadurch verherrlicht, dass wir Christen – gleich welcher Kirche – sein Werk weiterführen.
Es darf im Volk Gottes keinen höheren Wert geben als diesen:
Nichts darf uns daran hindern, diese Sendung zu erfüllen:
Nicht die Angst vor den Menschen und ihrem Urteil.
Nicht das Festhalten an der Spaltung des Volkes Gottes,
nicht die von der Kirche selbst festgesetzten Gesetze.

Jesus hat seinen Jüngern dafür die Vollmacht gegeben: Alles, was ihr bindet, wird auch im Himmel gebunden sein und alles was ihr löst, wird auch im Himmel gelöst sein.

19.05.2019: 5. Ostersonntag LJ C

Hier geht es zu den Texten der Liturgie: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Der Trainer von Bayern München hat die beiden Stürmer Ribery und Arjen Robben gerühmt, weil sie über 10 Jahre hinweg entscheidend zum sportlichen Erfolg des FC Bayern beigetragen haben.

Bei Abschiedsreden und Jubiläen werden die Menschen gelobt, gerühmt, geehrt.

Das, wovon Jesus hier spricht, ist etwas ganz anderes:

Der Menschensohn ist verherrlicht. In ihm ist Gott verherrlicht und Gott wird ihn in sich verherrlichen.

Was bedeutet verherrlichen? In Jesus wird Gottes Herrlichkeit sichtbar, in ihm wird sichtbar, wer und wie Gott ist.
Und Gott wird Jesus in sich verherrlichen – das ist schier unfassbar:
Gott wird in sich Jesus und seine Herrlichkeit sichtbar machen.

Diese Betrachtung führt das Johannesevangelium weiter mit dem Gebot Jesu an seine Jünger:

Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!

Warum ist dieses Gebot so wichtig?

Natürlich: Weil Liebe etwas Schönes ist – besonders die gegenseitige Liebe: Liebe bringt Frieden, Gemeinschaft, Wertschätzung, Geborgenheit.

Doch, wenn die Jünger, wenn wir, dieses Gebot erfüllen,
dann setzen wir fort, was Jesus in seinem ganzen Leben getan hat und besonders in seinem Sterben:

Wir verherrlichen Gott in uns. Gottes Glanz, Gottes Herrlichkeit wird in uns und durch uns sichtbar. Er kommt zur Geltung, wenn wir einander und gegenseitig lieben.

Und besonders, wenn wir einander so lieben, wie Jesus uns geliebt hat;
wenn wir einander dienen, die Füße waschen:
gerade, wenn es uns etwas kostet von unserer Kraft und Zeit,
gerade dann, werden Gott und seine Herrlichkeit in uns und durch uns sichtbar, denn Gott verschenkt sein Leben an uns, seinen Geist, sein Gott sein. Gott verschenkt sich selbst an uns.

Das ist der Grund, warum Gottes Herrlichkeit sichtbar wird, wenn wir uns an andere verschenken:

in der Liebe und Selbsthingabe der Eheleute ebenso wie in der Liebe und Selbsthingabe derer, die die Selbsthingabe an Gott in der Ehelosigkeit leben.

Ebenso wird die Selbsthingabe Gottes verwirklicht und sichtbar, wenn Lebensretter sich riskieren,
wenn Pflegende sich und ihre Kräfte verzehren.

Jesus Christus hat diese Selbsthingabe gelebt in dem Vertrauen, dass Gott ihn in sich verherrlicht: dass er ihn in seine Herrlichkeit aufnehmen wird.
Dass er in Gott sein wird.

Diese Zuversicht drückt die Offenbarung des Johannes in wunderbaren Bildern aus:

Gott wird in ihrer Mitte wohnen;
er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen,
der Tod wird nicht mehr sein;
keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal.

Denn Gott macht alles neu!

Darauf hoffen wir und deshalb haben wir Freude daran, aus Liebe uns selbst und unsere Kraft zu geben für Gott.