10.12.2017: 2. Adventsonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Das Markusevangelium ist das ursprünglichste. Es hat zum ersten Mal den Versuch unternommen, eine Erzählung von Jesus zu formen: wie er begonnen hat, was er getan, was sein Botschaft war, wie man auf ihn reagiert hat und wie er geendet hat.

Es ist keine Biografie, keine Chronik, aber das Evangelium erzählt ein Nacheinander der Ereignisse im Leben Jesu.
Es schildert seinen Weg: von Galiläa nach Jerusalem.

Von der Kindheit Jesu überliefert das Markusevanglium nichts. Es weiß nichts von einem Engelsbesuch bei seiner Mutter.

Die Sache mit Jesus begann – so Markus ‑, als Johannes, der Täufer auftrat und verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich. Er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

Im nächsten Satz bereits wird berichtet, dass sich Jesus von Johannes im Jordan taufen ließ – ebenso wie alle anderen Menschen, die zu Johannes gekommen waren.

Wir sollten daran denken, wenn wir an Weihnachten die Geburtsgeschich­ten von Matthäus und Lukas hören. Denn es hilft uns, sie besser zu verstehen – sie verkündigen Jesus als Sohn Gottes – ebenso wie Markus, der beginnt: „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.“

Alle Evangelien berichten aber, dass Johannes Jesus getauft hat.
Jedes Evangelium schildert ihn und sein Wirken: Den Umkehrruf, sein beeindruckendes Auftreten in Kamelhaar und seine karge Lebensweise.
Offenbar kann man die Jesusgeschichte nicht erzählen, ohne von Johannes auszugehen!

Die Jünger Jesu werden sich immer an ihn erinnern – ohne ihn wären sie nicht auf Jesus gestoßen. Ohne Johannes hätte Jesus kein Gehör gefunden. Er hat das Feld bereitet.

Johannes hat Jesus ankündigt. Er sagt: Er ist größer als ich.
Er tauft mit dem Heiligen Geist!

Wir – heute – sollten deshalb Johannes nicht als Vergangenheit abtun. Damit wir bereit sind für Jesus und seine Botschaft, sollten wir auf ihn hören.

Damit wir bereit sind für „die Taufe mit dem Heiligen Geist“.
Damit der Heilige Geist in uns stark werden kann, müssen auch wir uns von Johannes „taufen“ lassen: wir sollten unsere Sünden bekennen
und uns reinigen lassen, damit wir bereit sind für Jesus und sein Evangelium.

Das ist keine Handlung, die wir einmal tun, und dann ist es geschehen:
Das ist eine innere Angelegenheit, die wir immer wieder nötig haben:

Täuschen wir uns nichts über uns selbst:

  • Die Selbstliebe ist oft größer als die Nächstenliebe.
  • Wir urteilen statt zu verstehen.
  • Wir schließen andere aus unserem Leben aus – statt uns zu öffnen.
  • Wir behalten das unsere, statt zu teilen.
  • Wir verbiegen die Wahrheit – statt authentisch zu sein.
  • Wir sind blind und taub für die Not der Mitmenschen und
  • wir sind stumm und gelähmt, wenn es darauf ankäme, das Rechte zu sagen und zu tun.

Gehen wir zu Johannes: Bekennen wir uns zu unseren Sünden,
zu unserer Lieblosigkeit und Oberflächlichkeit,
damit wir Vergebung erfahren.

Damit wir bereits sind für die Taufe mit dem Heiligen Geist.

12.02.2017: 7. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
wann haben Sie das letzte Mal gestritten? mit wem? worüber? Darf man streiten?

Natürlich gibt es Streit unter Menschen und manchmal ist er unvermeidlich und sogar notwendig!
Auch Freunde, Eheleute und Lebenspartner haben oft gegensätzliche Interessen: Es kommt Konflikten. Und zu Ärger, Wut und Zorn!

Es heißt auch von Jesus, dass er voll Zorn und Trauer war über das verstockte Herz seiner Gegner, die ihn wegen einer Heilung am Sabbat verurteilten.
Hat Jesus damit gegen sein eigenes Gebot verstoßen: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“?

Er hätte dann sogar gegen ein Gebot der Thora verstoßen. Wir haben es gerade in der Lesung aus dem Buch Leviticus gehört: Du sollst in deinem Herzen keinen Hass gegen deinen Bruder tragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Lassen Sie mich dazu ein wenig ausholen:
Diese Stelle stammt aus dem sogenannten Heiligkeitsgesetz im Buch Leviticus. Es heißt so, weil in einigen Kapiteln Israel immer wieder aufgefordert wird: Seid heilig, denn ich euer Gott bin heilig.

Israel lebte damals nach dem Exil als kleine Gruppe rund um den Tempel. Der Glaube an Jahwe, der Gottesdienst im Tempel, die Einhaltung der Thora unterscheidet die wenigen Juden von der Mehrheit der Bevölkerung – ähnlich wie wir Kirchgänger heute eine kleine Gruppe sind. Diese kleine Gruppe der Israeliten, des Gottesvolkes, soll und will sich unterscheiden und etwas Besonderes sein unter den anderen Menschen.

Wir haben gehört: Wenn es zu Konflikten kommt, sollen die Israeliten den Bruder nicht hassen, sondern ihn zurechtweisen.

Ob dies Ruhe brachte? Wer lässt sich schon gerne zurechtweisen? Da verteidigt man sich. Man sucht alle möglichen Gründe, dass die Zurechtweisung zu Unrecht geschieht. Es ist eine der größten zwischenmenschlichen Herausforderungen, wenn man zurechtgewiesen wird.

Dennoch wird dieser Weg vorgeschlagen – im Gegensatz zum Hass.

Hassen bedeutet, den anderen auszugrenzen, sich nicht mehr verbunden fühlen, die Solidarität mit dem anderen aufkündigen.
Mit Hass sind nicht die Gefühle gemeint, sondern das Aufkündigen der grundsätzlichen Solidarität – nur dann kann es zur Rache kommen.

Du sollst dich an den Kindern deines Volkes nicht rächen und ihnen nichts nachtragen, sondern (im hebr. Urtext sind die Sätze durch das Wort „sondern“ verbunden) du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!

Es geht also hier um Feindesliebe. Gerade die, mit denen die Solidarität, die Verbindung abzureißen droht, soll der Israelit lieben wie sich selbst.

Damit ist nicht die emotionale Liebe gemeint, die in Freundschaft und Ehe so viel Glück bringt. Damit ist gemeint, dem anderen Gutes zu wünschen und zu tun – eben mit ihm solidarisch zu sein.

Jesus übersteigert in der Bergpredigt dieses Gebot und gibt Beispiele dafür, was das konkret bedeuten kann. Freiwillig noch mehr geben, sich sogar doppelt schlagen lassen.

Er gibt uns aber auch eine Hilfe, wie wir den Hass überwinden können und stattdessen den anderen zurechtweisen und noch mehr Liebe erweisen:

Betet für die, die euch verfolgen!

Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir für die beten, mit denen wir Streit haben, wenn wir für sie um den Segen Gottes beten, um Frieden und Wohlstand – sind wir dann och im Stande, Rache zu üben?

Und doch gibt es im Evangelium auch Hinweise darauf, wie man sich verhalten soll, wenn ein Bruder sein Unrecht auch vor Zeugen nicht einsehen will.

Das, was Jesus, was die ganze hl. Schrift, was Gott will, werden wir oft nicht umsetzen können. Denn es ist schwierig, Zurechtweisung anzunehmen und es ist schwierig, den Zorn zu überwinden. Auch für uns Christen. Wir brauchen Gottes Barmherzigkeit.

20. November 2016: 34. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder,
David ist der große König Israels. Von 1000 vor Christus an regierte er 40 Jahre lang als König. Über Ihn und seinen Vorgänger berichten das 1. und 2. Buch Samuel, das etwa 200 bis 400 Jahre später entstand.

Vom Hirtenjungen, der den Goliath besiegte, entwickelte sich David zum Liebling Sauls, der ihn dann aber hasste und töten wollte. David gelang es bei den Philistern, den Feinden Israels Zuflucht zu finden, bis ihm nach dem Tod Sauls die Königswürde übertragen wurde.

Einerseits wird David zum Vorbild stilisiert: Seine Regierungszeit ist die glanzvollste Zeit Israels. Nie mehr wird Israel diese Stärke erreichen. Von David wird aber auch berichtet, wie er schuldig wird, einen seiner Generäle in den Tod schickt, um dessen Frau nehmen zu können.

Wenn die biblischen Verfasser von Kriegen und Erfolgen, von der Politik des Königs berichten, verfassen sie nicht nur eine Chronik.
Sie wollen kundtun, wie Gott in der Geschichte Israels wirkt.
David ist von Gott erwählt. Gottes Kraft ist in ihm – solange er auf Gott hört, geht er mit seinem Volk einen guten Weg.

Die Geschichte ist die Geschichte Gottes mit den Menschen. Wenn auch die Menschen immer Unheil anrichten und das tun, was Gott nicht gefällt:
Gott bleibt uns Menschen treu. Er überlässt uns nicht dem Untergang, sondern sein Geist bewegt immer wieder Menschen dazu, den Frieden zu suchen.

David ist so ein von Gott Erwählter: Der Herr hat zu dir gesagt: „Du sollst der Hirt meines Volkes Israel sein.“

Liebe Schwestern und Brüder, wie können wir diese unsere Jahre deuten?
Können wir erkennen, dass es Gottes Geschichte mit den Menschen ist?

Menschen reißen die Macht an sich, die nicht den Frieden suchen: weder für ihr eigenes noch für die anderen Völker: Sie überziehen die Erde mit Gewalt und Krieg. Das Leben eines Menschen bedeutet ihnen nicht viel. Sie verführen die Menschen mit Versprechungen ihnen zu folgen: Sie versprechen Macht und Stärke für das eigene Land, größeren Reichtum und die Herrschaft über die anderen Völker.

Von ihren Gefolgsleuten fordern sie Opfer: Verzicht auf die Freiheit; sie müssen hinnehmen, dass ihre Städte zerstört werden.
Doch diese Gewalt ist nicht Gottes Wille.

Gottes Wille ist der Frieden der Völker, die Gerechtigkeit, die niemanden ausschließt von den Gütern des Lebens. Doch dagegen haben wir schon zu lange verstoßen.

Das Volk Gottes, die an Christus glauben, haben eine Sendung: dass sie die Stimme erheben und für den Frieden eintreten und für Gerechtigkeit.

Jesus Christus hat den Weg des Friedens gewählt:
Er hat den Kranken Heilung gebracht; den Ausgeschlossen gab er Achtung und Ansehen: den Kleinen, den Armen, den Witwen und denen, die als „Sünder“ gebrandmarkt waren.
Sie erkannten ihn als den Gesalbten des Herrn, den neuen David, den Hirten, den Gott gesendet hat, damit Friede wird.

Selbst am Schandpfahl, am Kreuz, an das man ihn geschlagen hatte, in seiner letzten Stunde, gibt er dem Verbrecher neben ihm Frieden und Hoffnung: Du wirst heute noch mit mir im Paradies sein.

Deshalb rühmen wir ihn: Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes!
Er ist der Ursprung allen Lebens, der erste, der von den Toten zu neuem Leben auferstand, denn Gott wollte durch ihn alles versöhnen.
Als Christus am Kreuz sein Blut vergoss, hat er Frieden gestiftet
für alle im Himmel und auf Erden.

Liebe Schwestern und Brüder, wir glauben an Christus;
wir glauben, dass Gott seine Schöpfung nicht dem Untergang überlässt.
Die Gewalt säen und die Güter der Welt für sich alleine haben wollen, werden nicht immer das Sagen haben.

Vielmehr wird Gott Menschen mit seinem Geist erfüllen, mit dem Geist Christi, damit sein Friede in diese Welt kommt, der Friede, der niemanden ausschließt. Diesen Geist haben wir im Glauben an Christus angenommen. Wir sind gesandt, Frieden zu bringen durch Christus,

Bußgottesdienst im Advent 2015: Im Licht der Barmherzigkeit

Nach der Vorlage des Deutschen liturgischen Instituts

 

 

Lied                 O Heiland reiß die Himmel auf                                    GL 231

Begrüßung:
„Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist.“ Sagt Jesus zu seinen Jüngern. Wir glauben, dass Gott barmherzig ist: Jesus hat dies in seinem Leben in vielen, vielen Beispielen sichtbar gemacht – und gerade dafür wurde er heftig kritisiert und angegriffen: „Er ist bei einem Sünder eingekehrt!“ empörten sich diejenigen, die sich für fromm und gut hielten.

Heute Abend wollen wir uns prüfen. Wir denken über uns nach und scheuen nicht davor zurück, uns zu erinnern, dass wir Böses getan und gesagt und gewollt haben. Gleichzeitig wollen wir uns erneut darauf ausrichten, nach Gottes Willen zu handeln und Gutes zu tun, zu sagen und zu wünschen.
Im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit können wir dies beginnen.

GEBET

Gott, du bist uns nahe, noch bevor wir zu dir kommen.
Schau auf unsere Sehnsucht nach Glück,  unseren Willen zum Guten.
Wir verbergen nicht unser Versagen. Habe Erbarmen mit unserer Armut.
Fülle du unser Herz mit deiner Freude, mit deiner Liebe, mit deinem Licht.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Verkündigung

 Lesung aus Psalm 139

Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich.
Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir.
Von fern erkennst du meine Gedanken.

Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt;
du bist vertraut mit all meinen Wegen.

Würde ich sagen: „Finsternis soll mich bedecken,
statt Licht soll Nacht mich umgeben“,
auch die Finsternis wäre für dich nicht finster,
die Nacht würde leuchten wie der Tag,
die Finsternis wäre wie Licht.

Lied: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht                                        GL 450

Evangelium        Lk 15,1-3.8-10  (Lektionar III, 352)

Alle Zöllner und Sünder kamen zu ihm, um ihn zu hören.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.
Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:

Wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet?
Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte.
Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.

Gewissenserforschung

Wir haben das Beispiel gehört von der Frau, die ihre verlorene Drachme sucht. Denken wir nun über uns nach, um uns zu erinnern, wie wir manchmal Gottes Willen missachtet haben.
Zwischen den einzelnen Impulsen halten wir immer wieder eine kurze Zeit der Stille.

  1. Suchen: Die Frau merkt, dass sie eine Münze verloren hat. Diese eine Münze schätzt sie nicht gering ein. Der Verlust schmerzt sie. Deshalb beginnt sie, nach dem Geldstück zu suchen.

Manchmal verlieren wir – nicht nur Sachen, Dinge, sondern noch viel Bedeutenderes:

die Gesundheit ‑ die Achtung vor sich selbst ‑ einen Freund ‑ die Liebe – die Freude am Leben ‑ den Bezug zu Gott – einen lieben Menschen durch den Tod – die Fähigkeit mich zu begeistern – die Fähigkeit loszulassen und zu entspannen

Was habe ich verloren?

2 Minuten Stille oder meditative Musik
2 mal Liedruf: Herr, erbarme dich (GL 157 – 2mal)

  1. Bewahren: Die Frau hat zehn Drachmen gespart – als Reserve vermutlich. Es ist ihr kleiner Schatz. Deshalb hat sie sich vergewissert, dass noch alle 10 Drachmen da sind. Die restlichen 9 Münzen hat sie sorgfältig auf den Schemel gelegt.

Manchmal vergessen wir, dass wir uns um das, was uns wertvoll ist, kümmern: Wir nehmen uns keine Zeit ‑ wie nehmen zu wenig Rücksicht – wir zeigen kein Interesse – wir meinen, es sei selbstverständlich – wir pflegen die Freundschaff zu wenig.

Was möchte ich wieder besser machen?

2 Minuten Stille oder meditative Musik
2 mal Liedruf: Herr, erbarme dich (GL 157 – 2mal)

  1. Leuchten: Die Frau zündet eine Lampe an. Mit dem zusätzlichen Licht hofft sie, ihre Münze wieder zu finden. Das Licht fällt auch auf die Frau, die sich bückt und sucht.

Uns geht manchmal ein Licht auf und wir verstehen etwas, oder wir nehmen etwas wahr, was wir bisher nicht gesehen haben.
In dieser Stunde wenden wir uns Gott zu, damit sein Licht in unser Leben fällt und wir wieder klarer sehen.

Jesus bringt mit seiner Botschaft ein Licht in unser Leben: Orientierung und Hoffnung und eine ganz besondere Freude.

Was bedeutet mir der Glaube an Gott den Vater für mein tägliches Leben?
Was bewirkt der Glaube an Jesus und seine frohe Botschaft in meinem Tun?

2 Minuten Stille oder meditative Musik
2 mal Liedruf: Herr, erbarme dich (GL 157 – 2mal)

  1. Schatten werfen: Im Licht der Lampe wirft die Frau einen fast furchterregenden Schatten an die Wand des Zimmers.
    Wer hinter ihr steht, steht ziemlich im Dunkel.

Manchmal stehen wir anderen im Weg und verdunkeln ihr Leben.
Wir sind ungeduldig – unfreundlich – rechthaberisch – legen schonungslos ihre Fehler offen – machen die Schwächen der anderen groß ‑
wir stellen uns selbst im besten Licht dar.
Habe ich das Leben anderer dunkel gemacht?
Was kann ich, was muss ich  ändern?

2 Minuten Stille oder meditative Musik
2 mal Liedruf: Herr, erbarme dich (GL 157 – 2mal)

  1. Helfen: Wir als Betrachter des Bildes sehen mehr als die Frau: in einer kleinen Spalte zwischen den Steinplatten liegt die Münze versteckt. Am liebsten würde man zu der Frau sagen: Schau, da ist das Geldstück, das du suchst.

Im Alltag gibt es so viele genutzte und ungenutzte Gelegenheiten, um anderen zu helfen: am einfachsten sind die kleinen Gesten: sich für jemanden bücken, jemand die Tür aufhalten, jemand den Vortritt lassen.
Geld zu spenden für Menschen in Not oder für eine gute Sache – das fällt manchen leicht, für manchen ist das aber auch sehr schwer – manchmal könnten wir auch Verantwortung übernehmen und jemandem beistehen, Verständnis zeigen und immer wieder für ihn da sein.

Konnte ich helfen? War ich bereit dazu?
Könnte ich noch aufmerksamer dafür sein, wann jemand meine Hilfe braucht, wann ich helfen könnte?

2 Minuten Stille oder meditative Musik
2 mal Liedruf: Herr, erbarme dich (GL 157 – 2mal)

  1. Danken: Wenn die Münze gefunden ist, ruft die Frau ihre Freundinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir! Sie freut sich dass sie die verlorene Münze wieder gefunden hat.

Immer wieder gibt es kleine und große Freuden in unserem Leben. Kann ich mich freuen? Erkenne ich die Anlässe, um mich zu freuen?
Teile ich meine Freude mit anderen? Wofür bin ich dankbar und erleichtert? Wie kann ich meinen täglichen Dank Gott sagen?

2 Minuten Stille oder meditative Musik
2 mal Liedruf: Herr, erbarme dich (GL 157 – 2mal)

Versöhnung

Schuldbekenntnis
Wir haben nun über uns nachgedacht. Wir haben danach gesucht, was uns an Gutem noch fehlt. Wir haben nachgedacht, was wir verloren haben. Bekennen wir nun miteinander und voreinander, dass wir gesündigt haben und bitten wir Gott, dass er uns seine Barmherzigkeit schenkt: dass er uns annimmt, dass er unseren guten Willen und unsere Bereitschaft stärkt, dass er uns seinen Frieden schenkt.

Wir sprechen das Schuldbekenntnis

Vergebungsbitte
Gott ist barmherzig. Er verzeiht uns unsere Sünden. Er sieht voll Liebe auf uns als seine geliebten Kinder. Er stärkt uns im Entschluss, gleich ihm barmherzig zu sein. So führt er uns durch das Leben, bis er uns aufnehmen wird in seiner Herrlichkeit und sein ewiges Licht.

Amen.

Friedensgruß

Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch

Lied                 Nun danket alle Gott                                             GL 405,1+2

Vater Unser

Segen

Lied                 Tauet Himmel den Gerechten                                    764,1-3

 

 

18. Oktober 2015: 29. Sonntag im Jahreskreis (Kirchweih)

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder, erinnern Sie sich noch?
Vor 4 Wochen hat Jesus seinen Jüngern schon das gleiche gesagt: Wer der erste sein will, soll der letzte von allen und der Diener aller sein!
Und nun: Im Ablauf des Markusevangeliums ist nicht viel Zeit vergangen, das Gleiche wieder: Jakobus und Johannes beantragen bei Jesus eine Bevorzugung vor den anderen Jüngern!

Die Antwort Jesu ist die gleiche: „Wer bei euch groß sein will, soll euer Diener sein. Wer bei Euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.“

Das Evangelium begründet das mit dem Leben Jesu selbst: „Der Menschensohn gekommen, um zu dienen!“

Ich finde, gerade heute am Kirchweihsonntag passen diese Sätze wunderbar, weil sie uns davor bewahren, dass wir eine Kirche wünschen und ersehnen, die die Welt regiert:
Ich singe gerne das Lied: ein Haus voll Glorie schauet, weit über alle Land!“
Das Lied hat Schwung, ist zuversichtlich und vermittelt mir beim Singen: Du gehörst zu etwas ganz Großem!“

Doch rühmen soll sich die Kirche, dessen, dass sie auf Gottes Wort gebaut ist, auf Christus, der gekommen ist, um uns zu dienen und damit wir einander und den Menschen dienen.

Der französische Bischof Jacques Gaillot prägte den Satz: „Eine Kirche, die nicht mehr dient, dient zu nichts!“

So lerne ich: Kirche ist kein Selbstzweck. In der Kirche darf es nicht um Macht gehen und um Herrschaft, um Privilegien und Vorrechte, um Titel und würden: weder für den Einzelnen noch für die Kirche als Ganzes.

Vielmehr hat die Kirche eine Sendung in der Welt und zu den Menschen: Die Kirche soll das Werk der Versöhnung weiterführen, dass Jesus begonnen hat:
Die Kirche muss sich für den Frieden in der Welt einsetzen;
die Kirche muss immer und überall Wege suchen, wie Frieden werden kann.

Die Mächtigen in der Welt missbrauchen ihre Macht über die Menschen: Sie säen Gewalt und Unterdrückung – dafür darf in der Kirche kein Platz sein!
Und wenn die Versuchung noch so groß ist: wenn ich noch so sehr meine, mich wehren zu müssen: es soll mich nichts davon abbringen, gerecht zu sein und ehrlich und barmherzig.

Schwestern und Brüder, vor 50 Jahren ging das 2. Vat. Konzil zu Ende: Die Konzilsväter lehrten über die Kirche, sie sei das Sakrament der Einheit für die ganze Menschheit:
Damit ist uns für unser persönliches Leben eine wichtige Sendung gegeben: Wir müssen dem anderen dienen wollen, dass er Frieden findet, dass er versöhnt leben kann und dass er zur Einheit findet mit Gott:

Für mich bedeutet das: niemals kann ich zu jemandem sagen: für dich ist es zu spät.
Vielmehr muss ich sagen:  Du kannst Versöhnung finden. Der Weg, um Frieden zu finden, steht dir offen. Wie kann ich dir dabei zur Seite stehen?

Schwestern und Brüder, wie schwer tun sich die Bischöfe in der Kirche , diese Sendung der Kirche ganz ernst zu nehmen: Zu Recht lehrt die Kirche, dass die Ehe zwischen Mann und Frau ein Sakrament ist für die Liebe Gottes zu den Menschen. Zu Recht ruft die Kirche dazu auf, in der Liebe treu zu bleiben.

Doch ist es recht, die Menschen zu verurteilen, die trotz guten Willens und ernsthaften Bemühens dieses Ideal nicht verwirklichen konnten? Bei denen der gute Wille vielleicht nicht groß genug war?
Ist es recht, ihnen den Weg zu verschließen, den Weg zu Versöhnung und Frieden?
Ist es nicht so, dass die Kirche alle Sünden vergeben kann, auch die schwersten, wenn ein Mensch umkehrt und Frieden sucht?

Schwestern und Brüder, wer der erste sein will, soll der Sklave aller sein, sagt Jesus. Eine Kirche die nicht dient, dient zu nichts, übersetzte Bischof Gaillot. Jedem Christen ist aufgetragen, den anderen zu dienen:
So werden wir, was wir sein sollen: Zeichen und Werkzeug der Einheit des ganzen Menschengeschlechtes.

12. Mai 2013: 7. Ostersonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Kennen sie den „Baum des Lebens“?
Das Buch Genesis enthält die Geschichte: Adam und Eva essen gegen das Verbot Gottes vom Baum der Erkenntnis von gut und böse.

Diese Auflehnung gegen ihren Schöpfer, gegen ihre Natur hat allerlei schlechte Wirkungen – insbesondere werden sie aus dem Paradies vertrieben, damit sie nicht auch noch vom Baum des Lebens essen.

Nun aber lesen wir in der Offenbarung des Johannes am Ende der Bibel:
„Wer sein Gewand wäscht, hat Anteil am Baum des Lebens!“
und einige Sätze später: „Wer will, empfange umsonst das Wasser des Lebens!“

Das letzte Buch der Bibel stellt die Verbindung mit dem ersten Buch der Bibel her. Was dort verloren gegangen ist – das ist die Botschaft – ist durch Christus wiederhergestellt.

Was aber ist der Menschheit verloren gegangen?
Was fehlt dem Menschen?
Was ist seine tiefste Sehnsucht?

Der Mensch will leben –
ohne Krankheiten, die das Leben zur Qual werden lassen;
ohne Feindschaften, die den Menschen zum Unmenschen machen,
ohne den alten Widersacher des Menschen, den Tod.

Der Mensch will
gesund sein, will sein Leben bestimmen, möchte den Frieden und will nicht sterben, bevor er satt an Jahren ist.

Das letzte Buch der Bibel endet mit der Zusage des Lebens für den, der sein Gewand wäscht.

Was ist damit gemeint?
Selbstverständlich ist damit nicht die Kleiderpflege gemeint.
Vielmehr geht es darum, wie der Mensch lebt,
oder noch genauer: es geht darum, ob ich an Christus glaube.

Wenn ich an ihn glaube, dann steht mir sozusagen das Paradies offen.
Das Paradies, in dem der Mensch zu keiner historischen Zeit war und sein kann.

Offen steht mir dann das Paradies, das mir verschlossen ist,
weil ich sterblich bin, weil ich Zorn und Angst kenne.
weil ich uneins bin mit meinem Leben, mit mir selbst,
mit meinem Mitmenschen und mit dem mir so unbekannten und fremden Schöpfer des Lebens.

Schwestern und Brüder,
im Johannesevangelium überliefert ein langes Gebet Jesu zum Vater am Abend vor seiner Hinrichtung, nachdem er den Jüngern die Füße gewaschen hat.
Aus diesem Gebet, das er in Gegenwart der Jünger spricht, betet er:
Vater sie sollen eins sein, wie wir eins sind: ich in ihnen und du in mir.
Der innerste Punkt der Einheit ist also der Vater, der in Jesus lebt, der wiederum in seinen Jüngern lebt.

Es drängt sich auf, diese biblischen Vorstellungen und Bilder miteinander zu verbinden:
Gott hat durch Jesus die Spaltung beendet.
Gott und Mensch sind miteinander versöhnt.
Der sterbliche Mensch hat Zugang zum Vater – der ewige Schöpfer des Lebens ist in ihm und er hat Anteil an seiner himmlischen Herrlichkeit.
Das wird offenbar werden, wenn das vergängliche Leben hineinmündet in das Leben in Gottes Herrlichkeit.

Durch den Glauben an Christus,

der den Namen Gottes bekannt gemacht hat, in seiner Liebeshingabe am Kreuz,

dürfen wir jetzt schon, in dieser vergänglichen Welt,
uns erfreuen an der Einheit mit Gott, der Quelle des Lebens.

10. März 2012: 4. Fastensonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

„Jetzt müssen wir uns freuen und ein Fest feiern!“ –
Die Geschichte vom barmherzigen Vater ist so anschaulich erzählt, dass ich die Personen direkt vor meinem Auge sehe. Die Handlung ist so klar, als ob ein Erlebnis geschildert würde!

Fragen wir uns: Wer bin ich in dieser Geschichte? Wo stehe ich in dieser Geschichte? Es gibt viele Möglichkeiten:
Sie können sich in einem der beiden Söhne erkennen; Oder nehmen sie lieber die Rolle des Vaters ein?
Es gäbe aber auch noch die Nachbarn – oder die falschen Freunde.

Ich selber – möchte einer der Tagelöhner sein, die das Fest feiern und sich mit dem Vater freuen. – Doch für sie hat Jesus das Gleichnis nicht erzählt. In dieser Rolle stehle ich mich davon und weiche der Botschaft Jesu aus!

Jesus spricht die Pharisäer und Schriftgelehrten an, die sich empören, weil er mit Zöllnern und Sündern zusammen ist. Aber auch sie hören diese Geschichte und sind also angesprochen – das möchte ich nicht vergessen.

Ziemlich schonungslos schildert Jesus ihr Versagen:
Der jüngere Sohn geht mit seinem Kapital: Sein Wissen, sein Verstand, alles, was er hat, hat er geerbt – er geht weg und tut, was er will. Er wirft alles, was er gelernt hat hinter sich und führt ein liederliches Leben!

Ich sehe darin nicht nur einen Menschen, der sein Leben verfehlt. Das ist für mich die Beschreibung unserer Welt:
In jeder Zeit erliegt der Mensch der Versuchung, seine Mittel und Möglichkeiten, seine Erkenntnisse, die Bodenschätze und die Schöpfung so zu behandeln, als könne er damit machen, was er will:
Wie sonst könnte verschimmeltes Futter verkaufen und verfüttert werden?
Wie sonst könnte jemand Kobaldminen in Afrika einrichten – und dabei jegliche Rücksicht auf die Arbeiter und auf die Natur außer Acht lassen?

Der jüngere Sohn hat erfahren, wie sein Weg der rücksichtslosen Ausbeutung seiner Vorräte ihn in den Abgrund führte.
Wenn wir Gottes Gebote nicht achten, wenn wir den Mitmenschen und die Schöpfung nicht achten, wird der Weg uns genauso in den Abgrund führen!

In seinem Elend beschließt er zurückzukehren.
Der Vater sieht ihn kommen und weiß er: mein Sohn kehrt nicht nur zu den Fleischtöpfen zurück – er wird in Zukunft das Leben und die Schöpfung achten.

Jesus offenbart in dieser Geschichte Gott, der keine zurückstoßen wird, der zu ihm kommt.

Können wir glauben, dass Gott dieser Welt und dem Menschen in der Welt immer wieder einen Weg offen lässt, einen Weg des Lebens?
Können wir glauben, dass diese Schöpfung uns immer wieder den Weg des Lebens gehen lässt, sobald wir ihn suchen?

Es wäre natürlich widersinnig zu sagen: Gut, dass Gott barmherzig ist: Alles, was mir gefällt und mir nützt will ich tun! Gott wird mir ja vergeben.

Jesus ermutigt nicht zur Sünde! Er ermutigt die Sünder, auf Gottes Barmherzigkeit zu vertrauen und umzukehren.
Die Pharisäer und Schriftgelehrte und jeden, der andere beurteilt ein, lädt Jesus ein, sich zu freuen, wenn ein Mensch neu anfangen will.

Da Gott also barmherzig ist und seinen verlorenen Söhnen entgegengeht, kann ich Mut fassen. Ich muss nicht so tun, als ob ich keine Fehler hätte.
Ich kann mich hinsetzen und ehrlich zu mir selber sein:

Wie oft rede ich Dinge, die mir dann leid tun? – Gehe ich nicht oft den bequemen Weg, statt dem, was die Liebe sagt?

Ich brauche nicht Angst zu haben, sondern kann in mich gehen.

Ich kann und darf jeden Tag und jeden Augenblick neu anfangen, danach zu fragen und das zu suchen, was die Liebe tut.
Gott, der die Liebe ist, wird mich kleiden mit dem Festkleid der Freude und wird mich aufnehmen in die Gemeinschaft des Lebens und derer, die das Leben des anderen lieben wie das eigene.
Dazu macht Jeus mir in diesem Gleichnis Mut – gegen jene, die sagen:  Für Dich ist es zu spät!

Für die Liebe Gottes ist es im Leben nie zu spät!