06.04.26: Ostermontag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung:
Frère Roger Schütz von Taizé hat den Pilgerweg des Vertrauens begonnen und ausgerufen.

Der Osterglaube ist darin aufgegangen und fruchtbar geworden.

Wenn wir zum Vertrauen finden, hören wir auf einander zu misstrauen

Das Vertrauen in Gott ist der Wurzelgrund für das Vertrauen im Miteinander der Menschen.

Wir dürfen aus dem Vertrauen leben, dass unser Leben Gottes Gabe ist und uns deshalb in seine Ewigkeit führt.

Grüßen wir Christus, der uns den Weg des Vertrauens vorausgegangen ist:

Ansprache:

Liebe Schwestern und Brüder,
Immer wieder einmal erlebe ich ein Gespräch, in dem jemand zweifelt, ob es denn wirklich etwas gibt, wenn wir einmal gestorben sind. Dann fällt oft dieser Satz: „Zurückgekommen ist noch keiner“ Dieses Argument begründet, warum der Zweifel aufkommen kann.

Was wäre denn, wenn einer zurückkommen würde?

Da gibt es ja die schöne Gleichnisgeschichte vom armen Lazarus, der in Abrahams Schoß getröstet wird. Der Reiche, der ihm nichts zu essen gab, wird gequält vom brennenden Schmerz der Reue und bittet Abraham Lazarus solle seine Brüder warnen, dass sie nicht den gleichen Fehler machen: Abrahams Antwort: „Das wir nichts helfen. Wenn sie auf Moses und die Propheten nicht achten, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht!“

Fast möchte ich sagen: Jesus ist auferstanden. Und doch gibt es viele, die nach wie vor ihr Herz verhärten für die Not ihrer Mitmenschen.

Sowohl die Lazarusgeschichte, als auch die Emmausgeschichte finden wir im Lukasevangelium, das sich in vielen Teilen liest wie ein biographischer Roman über Jesus, den aus Nazareth.

Die Emmausgeschichte ist eine Geschichte über den Zweifel und seine Überwindung:

Die beiden Jünger nehmen die Rolle der Zweifler ein:

Sie jammern, weil wieder einmal ein Guter dran glauben musste.
Sie jammern, dass dies ein ungerechtes Urteil war.
Sie jammern, dass die Mächtigen sich wieder einmal mit Gewalt durchgesetzt haben, um an der Macht zu bleiben.
Sie jammerten, weil am Ende eben doch immer die Ruchlosen und Herrschenden am längeren Hebel sitzen.

Liebe Schwestern und Brüder,
alle Ähnlichkeit mit heutigen Vorurteilen und Meinungen sind keineswegs zufällig, sondern gewollt und beabsichtigt.

Es kommt noch besser:

Die beiden Zweifler kennen sogar schon Menschen,
die den Zweifel überwunden haben.
Sie kennen die Nachricht, dass Jesus auferstanden ist.
Sie kennen die Gewissheit, dass die Mächtigen ihre Macht verloren haben, sobald wir die Schwelle zu Gott hin überschreiten.

Aber das können sie nicht glauben – und damit auch nicht, dass Jesus eine neue Ordnung aufgerichtet hat – gerade auch in seinem Tod.

Das Lukasevangelium setzt den Zweiflern eine seltsame Gestalt entgegen:

Ein Fremder. Denn das, was er zu sagen hat und das, was Jesus immer gesagt hat – solange er durch das Land zog und das Reich Gottes verkündete – das ist den Zweiflern fremd.

Lukas scheut sich nicht, die Zweifler „unverständig“ zu nennen. Sie hätten ein Herz, das zu „träge“ ist, um zu glauben, dass Jesus auferstanden ist.

Der Fremde macht ihnen verständlich, dass es in der ganzen Schrift immer schon darauf hinausläuft, dass der Gerechte in dieser Welt leiden muss – aber dass er nur so gerecht bleiben kann.

Am Ende dieser Geschichte ist der Zweifel überwunden: Sie glauben an Jesus und dass er lebt und teilen mit den anderen Jüngern die Erfahrung:
Jesu Botschaft ist wahr: Der Gerechte muss leiden – aber genau So legt er Zeugnis ab für Gott und schenkt Gemeinschaft mit Gott.

Liebe Schwestern und Brüder,
die daran zweifeln, dass das Gute eine Chance hat, ja dass es sogar das Böse überwindet, sind immer in Gefahr, sich der Macht des Bösen zu beugen: Schießt du auf mich, dann schieße ich auf dich.
Beleidigst du mich, so beleidige ich dich.
Greifst du mich an – dann greife ich dich an.

Als ob das Leben ein Fußballspiel wäre.

Die an Jesus glauben und dass er in Gottesherrlichkeit lebt, sind anders.

Sie sind widerständig und stark – wie Jesus. Sie denken:

Du kannst mich nicht davon abbringen, dich zu lieben – oder noch süffisanter formuliert: „Meine Feindschaft kriegst du nicht!“

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Gott, du bist gut und in deiner Barmherzigkeit gerecht, weil du sie jedem gewährst. Wir beten zu dir:

Pfarrer singt nach jeder Bitte:
Gott unsres Lebens           A: Wir bitten dich, erhöre uns

  • Dass die Zweifelnden zum Vertrauen finden.
  • Dass die Liebenden stärker sind als der Hass.
  • Dass die Vertrauenden, die Angst überwinden.
  • Dass die Glaubenden, den Glauben an das Gute bewahren.
  • Dass die Gewalttätigen weniger werden.
  • Dass die Frieden liebenden mächtiger werden.
  • Dass die Verstorbenen bei dir Leben

Lektor/in: Gott, wir danken dir für deinen Sohn, der für uns den Verführungen durch Hass und Feindschaft widerstanden hat, damit wir an die größere Liebe glauben können. Wir preisen dich in Ewigkeit. Amen

15.03.26: 4. Fastensonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder
Wir geben diesen Sonntag dii Überschrift: „Sonntag der Versöhnung“. Nicht, weil sie alle zerstritten wären, nicht, weil wir so schlimme Sünder sind, sondern weil wir uns über diesen kostbaren Schatz bewusst werden: dass uns durch Jesus Versöhnung geschenkt wurde.

Er zeigt uns, dass Gottes Liebe immer größer ist ‑
größer als alles Glück und Leid dieser Erde.
So sehr wir Menschen auch aneinander schuldig werden können und uns gegenseitig Liebe schuldig bleiben:
Gottes Liebe ist größer.

Grüßen wir Christus, der uns Versöhnung gebracht hat:

Es ist heute eher anders herum: Gott sitzt auf der Anklagebank:
Hätte er nicht eine bessere Welt, ein besseres Universum erschaffen können? Müsste er nicht eingreifen, wenn die Herrscher dieser Welt Kriege beginnen und Tausende und abertausende Menschen in den Tod schicken?

Wir zweifeln an Gott: an seiner Liebe, an seiner Kraft, an seiner Macht.

Tatsächlich aber sind wir gefordert, die 10 Gebote zu halten, damit wir mit Gott verbunden bleiben und niemandem Unrecht tun und dem Neid und der Missgunst keinen Raum geben.

Denkwürdig ist, was Jesus über den Blindgeborenen sagt:

Seine Behinderung hat nichts mit Sünde zu tun – sondern, an ihm soll sichtbar werden, dass er vor Gott genauso wertvoll ist, wie jeder andere.

Am Ende sagt der Gelähmte: „Ich glaube“. Er hat das Sehen gelernt – nicht nur mit den Augen: Er glaubt an den Menschensohn, an Jesus. Er glaubt ihm, dass er selbst für Gott wertvoll ist. Er sieht, dass wir Men­schenkinder auf der Welt sind, damit wir einander zeigen, dass wir wertvoll sind.

Liebe Schwestern und Brüder, so rechtschaffen wir alle – glaube ich – sind:
Wir tun gut daran, dass wir uns immer wieder bewusst machen und einsehen, dass unsere Liebe noch wachsen kann; dass unsere Liebe noch Grenzen überschreiten kann: unsere Liebe zu Gott, unser Glauben an Gottes Liebe und die Liebe zu unseren Mitmenschen.

Darum laden wir sie heute ein, einen symbolischen Ritus zu vollziehen:

Wenn ich das Segensgebet gesprochen habe, können sie nach vorne kommen und entweder ein Kreuzzeichen mit dem Wasser machen als Zeichen dafür, dass wir zu Gott gehören und an Jesus glauben.
Sie können sich aber auch mit den vom Wasser benetzten Fingern über die Augen streichen und sich bewusst werden, dass Gott uns öffnen will, dass wir sein Wirken in den Menschen und in der Welt erkennen.

Segnung des Wassers

Gott, himmlischer Vater,
Jesus, unser Erlöser, hat uns die Frohe Botschaft verkündet.
Wir sind deine Kinder. Nichts kann uns von Dir trennen:
Keine Krankheit, kein Unglück, kein Ruhm und keine Glückseligkeit und auch nicht unser Mangel an Liebe und Vertrauen. Deine Liebe ist größer!

Der Blindgeborene wusch sich mit dem Wasser aus dem Teich Schilóach die Augen und konnte wieder sehen.

Wir bitten dich:
Segne + alle, die ihre Hände in dieses Wasser tauchen und damit das Kreuz über sich zeichnen.

Öffne ihre Seele, damit sie sehen, wie deine Liebe in den Mit­men­schen wirkt und wie sie anderen Liebe schenken können.

Stärke in ihnen den Glauben an deine immer größere Liebe und vergib ihnen alles, was sie anderen an Liebe schuldig geblieben sind.

22.02.26: 1. Fastensonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
Vertrauen und Misstrauen sind zwei Gegenpole.

Das Misstrauen zweifelt, ob der andere ehrlich ist;
ob er nicht etwas im Schilde führt; ob er das wirklich kann;
ob er sich richtig einschätzt; ob es wirklich so ist.

Das Vertrauen nimmt den anderen an, öffnet sich für den anderen, glaubt ihm, verzichtet auf Sicherheiten und Vorbehalte.

Ich lade sie ein, sich zu fragen:
Bin ich eher ein misstrauischer Mensch oder eher ein vertrauensvoller Mensch

Jesus lehrst uns, dem himmlischen Vater zu vertrauen.
Du rufst uns, vertrauenswürdige Menschen zu sein.
Du hast uns das Reich Gottes in der Welt anvertraut.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Ich mag diese beiden Geschichten sehr, die wir heute im Wortgottesdienst gehört haben. Ich mag sie, weil sie so anschaulich sind und so eingängig; so plastisch, dass man nur denken kann: so muss es gewesen sein.

Um es einfach und klar zu sagen: Ich glaube nicht, dass Adam und Eva die ersten Menschen waren und von Gott eigenhändig aus Erde getöpfert wurden. Ich bin mir ziemlich sicher: Auch Papst Leo glaubt das nicht.

Viel einleuchtender scheint mir die Theorie, dass sich an mehreren Stellen der Erde – wahrscheinlich aber in Ostafrika – der Homo sapiens aus einer Art heraus entwickelt hat, die den heute bekannten Menschenaffen sehr ähnlich war.

Was die Geschichte von Adam und Eva und ihrem Ungehorsam angeht:
Es ist eine wahre Geschichte vom Menschen – sie beschreibt uns, wie wir sind: Wir wollen über uns selbst hinauswachsen.
Deswegen bewegen wir uns heute auf Rädern, die von Motoren angetrieben werden und können sehr viele Krankheiten heilen.

Wir wollen über uns selbst hinauswachsen – das bedeutet leider auch:
Wir Menschen sind misstrauisch. Das Misstrauen legt die Geschichte der Schlange in den Mund, die verspricht: „Ihr werdet sein wie Gott und erkennt Gut und Böse.“

Das ist menschlich: Wir unterscheiden Gut und Böse: Gesundheit ist gut – Krankheit ist schlecht; Hunger ist schlecht – satt sein ist gut. Wir und neigen dazu, anderen Böses zu tun, damit wir es gut haben. Wir stellen uns über den anderen: Der Mensch neigt dazu, um Wasser, um Öl, um Diamanten zu kämpfen, anstatt sie zu teilen.

Eine ganz andere Geschichte erzählt das Matthäusevangelium: Es erzählt von Jesus, nämlich, dass er der Versuchung des Misstrauens widerstanden hat und der Versuchung, etwas Böses zu tun, damit es ihm gut geht.

Die Versuchung faltet das Evangelium dreifach: Unter der Überschrift: Du bist doch Gottes Sohn – Du bist doch wie Gott – legt das Evangelium dem Teufel drei Versuchungsworte in den Mund:

Wie immer sie auch die Versuchungen deuten – Jesus widersteht ihnen mit Worten des Vertrauens – des Gottvertrauens:

Ich lebe durch das Wort Gottes.
Ich stelle Gott nicht auf die Probe:
            ich verlange nicht, dass er mir den Tod erspart.
Ich will Gott dienen – ihm allein, weil in ihm das Leben ist.

Liebe Schwestern und Brüder,
unsere Übungen in der Fastenzeit entsprechen diesen drei Antworten:

Der Verzicht auf gewisse, so selbstverständliche Annehmlichkeiten
            stärkt in uns die Erfahrung, dass wir durch Gott leben.

Das Beten stärkt unser Gottvertrauen
            und hilft uns, unsere Sterblichkeit anzunehmen.

Durch die Spenden für Menschen in Armut und Not,
            durch die Zuwendung zu unseren Mitmenschen dienen wir Gott
            und handeln wir nach seinem Willen.

Liebe Schwestern und Brüder,
dass der Mensch über sich selbst hinauswachsen möchte, ist seine Besonderheit und wir sind dabei schon weit gekommen.

Es ist aber auch die Ursache für viel Leid, das Menschen einander antun.

In Wirklichkeit muss der Mensch, um über sich selbst hinauszuwachsen, nicht wie Gott werden und sich alles unterwerfen. So ist er ein Zerrbild Gottes und wirft alles durcheinander – ein Satan eben.

Der Mensch muss wie Gott werden und alles teilen,
alles Gute, das es auf der Erde gibt und das wir entdecken und erfinden.

Die Erde gehört nicht mir – Ihre Schätze und Geheimnisse gehören uns,
weil Gott sie uns schenkt!

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Herr, Jesus Christus du hast das Vertrauen in deinen und unseren himmlischen Vater bewahrt. Wir beten zu dir, unseren Bruder und Herrn, unseren Weggefährten und Heiland:

L/A: Herr, erhöre unser Rufen

  • Wir beten für die Menschen, die nach Erfüllung suchen und nach einem Sinn und Ziel für ihr Leben. Dass sie finden, was sie suchen.
  • Wir beten für die Menschen die Angst vor Krankheit und Gebrechlichkeit haben. Dass sie sich dir anvertrauen können.
  • Wir beten für die Menschen, die Autorität und Macht über andere ausüben. Dass sie, ihre Stellung nicht missbrauchen:
  • Wir beten für die Menschen, die um andere trauern oder selbst dem Tod entgegensehen: Dass sie nicht verzweifeln:

Lektor/in: Herr und Gott, stärke uns in den Versuchungen unseres Lebens. Wir vertrauen auf dich, loben und preisen dich, den einzi­gen Gott und Herrn in Ewigkeit. Amen.

15.12.2019: 3. Adventsonntag LJ A

Hier geht es zu den Texten der Liturgie: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Das sind leere Versprechungen! – Das ist ein schlimmer Vorwurf!
Darin drückt sich tiefes Misstrauen aus. „Leere Versprechungen“.

Es wird versprochen: Die Steppe wird blühen! Sie werden die Herrlichkeit des Herrn sehen! Gott wird kommen und euch retten!

Die Engel versprechen: Er wird groß sein! Friede auf Erden den Menschen!

Und was ist?
Kriege toben. Christen werden verfolgt. Israel ist in sich gespalten und seine Existenz wird von anderen Staaten in Frage gestellt.

Die Kirchen bieten einen traurigen, verbrauchten Anblick: sie erschöpfen sich in Lehre und Caritas – doch begeistern sie nur noch sehr wenige für die eigentliche Botschaft vom Reich Gottes.

Ist Christus eine falsche Versprechung? Können wir ihm wirklich glauben?
Hat er die Königsherrschaft Gottes gebracht?

Zweifel über Zweifel – geweckt und genährt von der Wirklichkeit.

Ähnliche Zweifel bedrängen Johannes. Deshalb lässt er zwei seiner Jünger Jesus fragen: bist du der der kommen soll?

Schwestern und Brüder: Können wir glauben und können wir vor unseren Bekannten und Freunden vertreten: Jesus ist der Messias!
Jesus ist der Retter der Welt und der Menschen!

Oder bleibt ihnen dabei das Wort im Mund stecken?

Welche Argumente gibt es gegen den Zweifel?
Warum bin ich überzeugt davon, dass Jesus wirklich der Messias ist?

Jesus verändert die an ihn glauben:

Ich sehe die vielen Menschen, die sich für andere einsetzen – ob mit Rettungsschiffen auf dem Mittelmeer oder in der Krankenpflege oder in der Erziehung.

Ich höre die Nachrichten von den vielen Projekten und Aktionen, die die Lebensverhältnisse armer Menschen in jedem Erdteil dauerhaft verbessern.

Und ich begegne selber Menschen, die neu angefangen haben und wieder an sich selber glauben und ihre Möglichkeiten, etwas Gutes zu tun.

Jesus heilt auch mich selbst und bewahrt mich vor Pessimismus und Mutlosigkeit:

Trotz vieler Verbrechen und trotz der Bosheit,
sehe ich das Gute in der Welt und auch in mir.

Trotz mancher Rückschläge verliere ich nicht den Mut und sehe einen Sinn darin, für den Frieden, für das Reich Gottes zu arbeiten und zu werben.

Jesus gibt mir durch sein Leben, durch seine Art zu leben,
durch seine Unerschrockenheit und seine Leidenschaft für Gott und Mensch
Mut und Zuversicht und den Glauben daran,
dass die Menschheit darin ihre Zukunft findet.

Liebe Schwestern und Brüder,
Jesus hat die Menschheit gerettet:
Er hat sie davor gerettet, sich den dunklen Kräften der Seele auszuliefern.

Jesus bewahrt uns im Glauben und im Einsatz für
Gerechtigkeit und Wahrheit und Freiheit und Barmherzigkeit und Liebe.

Das Reich Gottes ist mitten unter uns und es kommt unaufhörlich –
wo immer Menschen auf Gottes Geist hören und ihm folgen

12. April 2015: 2. Sonntag der Osterzeit

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder!
Immer wieder ärgern sich Menschen über mich, wenn sie mir etwas erzählen und ich antworte: „Das glaube ich nicht! Das muss ich selber sehen!“ – Ich weiß nicht, ob Sie das auch manchmal sagen, oder denken!

Das glaube ich nicht! Das kann ich nicht glauben! Das kann ich mir nicht vorstellen! Das muss ich selber sehen!

Ich reagiere so, wenn ein Bericht, eine Schilderung, eine Erzählung ganz anders ist als meine eigene Erfahrung und Kenntnis: „Das gibt es nicht!“
sagt man ganz spontan und möchte dabei weniger die Glaubwürdigkeit und Vernunft des Erzählers in Frage stellen, sondern drückt noch mehr seine eigene Verwunderung, Überraschung aus – und sein Unverständnis.

Wenn etwas so stark meinen Erfahrungen widerspricht, dann muss ich es selber sehen, damit ich mein Weltbild anpassen kann, damit ich es mir vorstellen kann.

Das ist unsere Situation im Hinblick auf den Glauben an die Auferstehung Jesu: es ist nicht verwunderlich, wenn wir sagen: Das kann ich mir nicht vorstellen. Das gibt es nicht. Das kann ich nicht glauben!

Deshalb bin ich froh, dass das Johannesevangelium diese Geschichte vom Apostel Thomas erzählt, der genau so reagiert:
„Das möchte ich selber sehen, erleben, damit ich es glauben kann.“

Denn gerade auf diese Geschichte kann ich meinen Glauben stützen:
einer der Apostel – oder eigentlich alle – haben so normal reagiert:
Sie konnten es zuerst nicht glauben.
Sie konnten ihrer eigenen Erfahrung nicht trauen.
Es heißt auch in anderen Ostergeschichten: Sie waren noch nicht zum Glauben gekommen! Es wird erzählt, das die Apostel bei der zweiten und dritten Erscheinung des Auferstandenen ihn immer noch nicht sofort erkannten und sie meinten er sei ein Gespenst.

Langsam erst festigten sich in ihnen der Eindruck und die Gewissheit über das, was sie erlebt hatten. Dann aber verkündigten sie es offen und ohne Angst: Jesus, der gekreuzigt wurde. Er ist auferstanden! Er lebt!

So dürfen auch wir heutigen zugeben, wenn es uns schwer fällt, an die Auferstehung zu glauben: Wie ist das möglich?

Was haben die Apostel erlebt oder gesehen? Gibt es andere Erklärungen – Selbsttäuschung, Betrug, Illusion, Einbildung?

Das alles beschäftigt uns – und wir können die Fragen nicht sicher beantworten über das hinaus, was uns die Ostererzählungen überliefern – und das ist sehr vieldeutig und unterschiedlich.

Eines aber ist sicher: Kaum hatte man Jesus hingerichtet, vermehrte sich die Schar seiner Jünger rasant und in kurzer Zeit.
Man schloss sie aus der Synagoge aus, man verhörte sie, man nahm sie gefangen, man peitschte sie aus – und immer wegen dieser einen Sache:
Sie verkündigten Jesus als Messias Gottes, der von den Toten auferstan­den sei! Und wie Jesus selbst gefährlich erschien, weil er die Führenden in Frage stellte, so erschienen auch seine Jünger gefährlich, weil sie die Autoritäten nicht mehr anerkannten, sondern an Jesus glaubten und wie er das Reich Gottes verkündeten:

Was immer auch geschehen war? Was immer sie erlebt hatten?
Es war stark! Und es veränderte die Jünger! Es machte sie stark und unerschrocken.

Liebe Schwestern und Brüder!
Jesus ist auferstanden, ich glaube daran und bin auf die Antworten gespannt, die meine Fragen finden werden.
Jesus ist auferstanden! Dieser Glaube prägt das ganze Leben, die Ideale, die Werte, alles steht unter diesem Vorzeichen. Es geht nicht um Jetzt! Es geht um danach! Das danach wird es geben – von Gott geschenkt, wie das jetzige Leben!

Und welche Konsequenzen das zu Ende gedacht und gelebt hat, das sagt die Apostelgeschichte: Sie hatten alles gemeinsam. Niemand nannte etwas sein Eigentum. Alle brachten ihren Besitz und jedem wurde zugeteilt, was er nötig hatte.

Liebe Schwestern und Brüder! Selig sind wir, wenn wir glauben.