27. September 2015: 26. Sonntag im Jahreskreis (LJ B)

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder,
diese Sätze des Markusevangeliums sind wieder verstörend.
Bevor ich versuche, sie auszulegen, möchte ich uns erinnern:

Die Jünger stritten sich, wer unter ihnen der Größte sei. Da belehrte Jesus sie und sagte: Wer unter euch der Größte sein will, soll der Diener aller sein.

Dann meldet sich – in der Dramaturgie des Mk Evangeliums – Johannes zu Wort: Wir haben einen Fremden daran gehindert in deinem Namen Dämonen zu vertreiben!

Es klingt, als ob Johannes die Loyalität der Jünger mit Jesus dadurch beweisen wollte. Doch auch da wird er von Jesus korrigiert: Hindert ihn nicht daran. Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.
Und wer nur eine kleinste Hilfe gibt, weil jemand zu Christus gehört, wird dafür von Gott belohnt werden!

Dann aber kommt eine Mahnrede an alle, die von sich sagen, dass sie zu Christus gehören und noch mehr für die, die die Botschaft Jesu verkünden: als Apostel, als Bischöfe, als Priester in deren Auftrag:

Wer durch sein Verhalten einen Menschen im Glauben verunsichert,
oder gar vom Glauben abbringt, für den wäre es besser, gar nicht die Möglichkeit dazu zu haben!
Und deshalb soll keiner, der an Christus glaubt zulassen, dass er durch sein Verhalten ein Hindernis wird für den Glauben.

Schwestern und Brüder,
das macht mich sehr nachdenklich:
ich überlege: Gibt es Menschen, für die ich selbst zum Hindernis des Glaubens wurde. Die sagen: wenn der sich so verhält, dann will ich damit nichts zu tun haben?

Und ich denke an die dunklen Seiten der Geschichte: wie viele Bischöfe und christliche Herrscher haben schon Böses getan und damit den Glauben der Menschen an Christus zerstört?

Heute noch ist es so, dass manchen Menschen gesagt wird: du gehörst nicht an den Tisch des Herrn, weil du so lebst oder handelst.

Schwestern und Brüder,
die positive Aussage dieser Sätze ist die:

Ihr Christen alle, besonders ihr Führenden in der Kirche,
vermeidet unter allen Umständen etwas Böses zu tun,
damit ihr und euer Verhalten niemanden den Glauben an Christus erschwert oder gar raubt.

Gäbe es etwas schlimmeres, als eingestehen zu müssen:
Wegen mir hat ein Mensch den Glauben an den guten Gott verloren?

Gäbe es etwas schlimmeres, als von sich sagen zu müssen:
Ich habe einem Menschen die Hoffnung geraubt und ihn in Verzweiflung gestürzt?

Gäbe es etwas schlimmeres, als die Schuld auf sich geladen zu haben,
dass ein Mensch nicht mehr an die Liebe glauben kann?

Schwestern und Brüder,
wir wollen nicht Barrieren errichten zwischen Gott und Mensch,
sondern wir wollen und sollen seine ausgestreckten Hände sein, die die Menschen einladen und die den Frieden Gottes zu den Menschen bringen.

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