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Einführung:
Ich grüße Sie sehr herzlich zur Feier des Letzten Abendmahls. Wir freuen uns, dass Sie heute gekommen sind.
Liebe Schwestern und Brüder! Wir feiern das Gedenken verschiedenster Anlässe: Wir gedenken der im Krieg gefallenen; der von den Nazis ermordeten psychisch Kranken, dem Erlangen der Einheit Deutschlands.
Die Gedächtnisfeier unserer Erlösung ist geht noch weiter: In dem wir das Gedächtnis feiern, empfangen wir die Versöhnung mit Gott. Wir werden in den Bund Gottes mit uns Menschen hineingenommen.
Beginnen wir die Dreitagefeier unserer Erlösung, lassen wir unseren Glauben stärken und erneuern wir unsere Entscheidung als Jesu Jünger zu leben.
Ansprache:
Zu meinen Kindheits- und Jugenderinnerungen gehören unsere Besuche von Landshut aus bei der Mutter meiner Mutter in Weiden.
Die Kurz Oma, wie wir sie nannten, hat sich einfach gefreut, wenn ihre Tochter mit ihrer Familie kam und hatte natürlich Kuchen gebacken, Brotzeit eingekauft, das Feiertagsgeschirr aufgedeckt.
Natürlich gab es auch kleine Mitgebsel, wenn wir uns verabschiedeten.
Über all diesen liebevollen Gesten stand ein Satz: „Des braucht’s doch net!“ oder „Des hätt’s doch net braucht!“ Das konnte sich bis fast zur Verweigerung der Annahme steigern.
„Des braucht’s (geht) doch net!“ Hat Petrus nicht gesagt, als Jesus ihm die Füße waschen wollte. Er wollte es nicht zulassen!
Petrus ist der Felsenmann. Petrus ist der Sprecher der Jünger.
Er sagt, was alle denken. – Auch an dieser Stelle?
Vordergründig geht es darum, dass er nicht zulassen will, dass Jesus, den er als Messias erkennt, ihm die Füße wäscht. Da wäre ja: als ob der König die Wäsche seiner Diener wäscht. Das stellt doch die Welt auf den Kopf.
Es fällt uns schon schwer, einen Liebesdienst anzunehmen.
Es fällt uns schon schwer, unsere Bedürftigkeit zuzugeben.
Das schwingt auch bei Petrus mit. Lieber liegt er mit ungewaschenen Füßen bei Tisch – als dass Jesus sie ihm wäscht.
Lieber haben sie alle ungewaschene Füße, als dass einer es tut und es sich die anderen tun lassen.
Diese ungewaschenen Füße sind ein Gleichnis für einen Aspekt unserer Gottesbeziehung: Es fällt vielen Menschen unsagbar schwer, zuzugeben und sich einzugestehen, dass sie vor Gott schmutzig sind: dass wir uns selbst nicht aus unserer misslichen Lage befreien können:
Das erste ist: wir leben und können nichts dafür. Und wir sterben und können nichts dagegen tun. Wir können uns das Leben nicht selbst geben.
Und zum zweiten:
Neid, Stolz, Hochmut, Gier, Unbehrrschtheit, Angst, Gleichgültigkeit, Abneigung, Feindschaft und Hass und unauslöschliche Selbstsucht – sie machen uns zu schaffen. Deshalb werten wir andere ab, deshalb vergleichen wir uns und wollen besser dastehen und sein.
Diese un‑menschlichen Eigenheiten unterscheiden uns von Gott und vom Himmel Gottes – so dass wir uns unweigerlich von Gott getrennt fühlen und fühlen müssen. Und wir denken fast zwangsläufig, dass wir auch gar nicht anders sein können.
Liebe Schwestern und Brüder,
Wir können uns nicht selbst aus diesem Sumpf ziehen.
Es geht nicht anders: wir müssen uns von diesen unmenschlichen Eigenheiten befreien lassen, reinwaschen lassen.
Wir hören Jesus sagen: Deine Sünden sind dir vergeben.
Ich verurteile dich nicht. Sündige nicht mehr! Ich bin gekommen, damit du das Leben in Fülle hast. Und eben auch: Wenn du dir nicht von mir die Füße waschen lässt, hast du keine Gemeinschaft mit mir.
Von Jesus lernen wir, dass uns nichts von Gott trennen kann.
Sein ganzes Leben – bis zum Sterben – hat den Sinn, uns zu lehren,
dass wir immer Gottes Kinder bleiben und dass Gottes Geist und Kraft das Böse in uns im Zaum hält und uns zu guten Menschen macht.
Die Verbindung zu Gott kommt nicht von uns.
Die Verleugnung unserer unmenschlichen Eigenheiten lässt diese nicht verschwinden.
Es geht nur so: Gott spricht sein Ja zu uns: durch und in Jesus.
Es geht nicht anders, als dass wir Jesu Liebesdienst annehmen
– so haben wir Gemeinschaft mit Gott.
Christen sind also Menschen, die sich von Jesus die Füße waschen lassen.
die sich von ihm in die Gemeinschaft mit Gott aufnehmen lassen.
Übrigens: Ich habe gelernt und muss es immer wieder üben, die liebvollen Gesten einfach anzunehmen: Statt: „Des braucht’s doch net“ – einfach danke sagen und sich beschenken lassen.
Das ist ein Gleichnis für unsere Gottesbeziehung. Amen.
Allgemeines Gebet:
Lektor/in: Gott, Vater Jesu und unser Vater, durch Jesus hast du den neuen Bund mit uns geschlossen: den Bund der Versöhnung und des ewigen Lebens. Wir beten zu dir:
- Wir beten für alle, die in diesen Tagen Ostern feiern: dass sie Ostern in Frieden feiern können.
Pfr: Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.
- Wir beten für alle die freiwillig ihre Zeit und ihre Kraft für andere einsetzen: in Vereinen und Gruppen und in Hilfsorganisationen.
Gib ihnen immer wieder neue Kraft.
Pfr: Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.
- Wir beten für alle, die über den Einsatz von Soldaten und Waffen entscheiden, über Krieg und Frieden: dass sie den Frieden suchen und Kriege beenden.
Pfr: Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.
- Wir beten für alle, die Angst haben vor dem, was auf sie zukommt:
um Menschen, die ihnen beistehen und sie stärken.
Pfr: Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.
- Wir beten für alle Menschen, die alleine essen müssen und niemanden haben, der mit ihnen am Tisch sitzt.
Pfr: Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.
Lektor/in: Herr, Jesus Christus, in dir ist Gottes Liebe Mensch geworden. Du gibst uns die Kraft, füreinander einzustehen und in jedem Menschen das Abbild Gottes zu sehen. Dafür danken wir dir heute und alle Tage bis in Ewigkeit.