23.04.2017: 2. Sonntag der Osterzeit

Liebe Schwestern und Brüder,
Christen in Ägypten, im Irak und im Iran und in vielen anderen Ländern der Erde stehen heute in einer ähnlichen Situation wie die Christen, für die der erste Petrusbrief geschrieben ist: Sie müssen mit Verfolgung und mit Ermordung rechnen – weil sie Christen sind.

Der erste Petrusbrief wurde wahrscheinlich nicht von dem Fischer Simon Petrus geschrieben, dem Jesus den Auftrag gab: Weide meine Lämmer.

Der Brief dürfte während der reichsweiten Christenverfolgung unter Kaiser Domitian in den Jahren 95 und 96 n.Chr. geschrieben worden sein, um den verfolgten Christen Mut zu machen. Der Absender des Briefes wollte den verfolgten Christen Mut machen – so wie es Petrus an seiner Stelle getan hätte – deshalb gibt er Petrus als Absender des Briefes an.

Ich staune darüber, dass uns ein so alter Text noch aus dem ersten Jahrhundert vorliegt, der bereits auf jahrzehntelange Traditionen zurückgreift, die an die Zeit unmittelbar nach Karfreitag und Ostern heranreichen. Christen gibt es nachweislich seit Mitte des ersten Jahrhunderts: Grund dafür ist das Ereignis, das alle Schriften des Neuen Testaments die „Auferstehung Jesu Christi von den Toten“ nennen.

Die Christen fühlen sich wie neu geboren durch die Taufe: neu geboren für das unverlierbare Erbe im Himmel auf das sie durch die Auferstehung Christi hoffen.

Sie fühlen sich behütet von Gottes Macht, also unter seinem Schutz:
damit sie sie die Verfolgung als Prüfung des Glaubens verstehen, damit sie die Prüfung bestehen und am Glauben festhalten.
Sie hoffen auf Lob und Herrlichkeit und Ehre bei der Offenbarung Jesu Christi – den sie zwar nicht gesehen haben, den sie aber doch lieben und an den sie glauben.

Auch wir haben Christus nicht gesehen und wir sehen ihn nicht.
Wir glauben aufgrund der Verkündigung der Apostel und der vielen Generationen von Christen in den vergangenen 2 Jahrtausenden.

Dass wir ihn nicht sehen können, hat immer schon Zweifel aufkommen lassen an der Botschaft: „Jesus ist von den Toten auferstanden!“

Diese Zweifel spiegeln sich in allen vier Evangelien – obwohl doch gerade die Evangelien Werbeschriften für den Glauben an Jesus und seine Auferstehung sind. Ganz ausdrücklich formuliert im Johannesevangelium Thomas, ein Apostel, den Zweifel: „Wenn ich ihn nicht sehe, glaube ich nicht!“ Er fragt nach den Wunden Jesu: Wie kann einer, den man ans Kreuz schlug, auferstehen? Wie kann Jesus der Erlöser sein, der Messias, da er doch so erbärmlich zugrunde gerichtet wurde?

Thomas durfte es sehen und einsehen: durch seine Wunden sind wir geheilt. Da er für die Botschaft des Lebens, für seine Liebe den Tod erlitt, wurde er uns zum Erlöser. Darin liegt seine unzerstörbare Kraft, die Welt zu verändern und zu heilen. Nicht mehr der Tod ist der Horizont, sondern das Leben erwartet uns am Horizont. Nicht der todbringende Hass, Neid Geiz und Eifersucht – sondern die leben schaffende und zeugende Liebe, die Großzügigkeit, Barmherzigkeit und Erbarmen – bestimmen das Leben.
Nicht Angst und Traurigkeit, sondern Hoffnung und Freude.

Deshalb sagt Jesus: Empfangt den Heiligen Geist. Habt meinen Geist in euch. Er soll den alten Geist aus euch vertreiben, der Zweitracht bringt und Trennung. Diese Zusage: Empfangt den Heiligen Geist erinnert mich an das Bild vom Weinstock, das ebenfalls vom Johannesevangelium überliefert wird: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“

Wenn wir an Jesus Christus glauben, wenn wir ihm vertrauen, dann ist sein Leben in uns, seine Freude, seine Hoffnung, seine Barmherzigkeit, seine Liebe! Gott behüte uns, damit wir daran festhalten und nicht schwach werden im Kampf gegen die Mächte des Todes.

Umso wichtiger ist für uns die Gemeinschaft, in der wir uns gegenseitig stärken: Wir teilen miteinander, wir freuen uns, wenn wir zusammen kommen, wenn wir erzählen, was Gottes Geist in uns bewirkt.
So halten wir miteinander Mahl und brechen das Brot, und er ist unsichtbar in unserer Mitte.
Ganz sicher brauchen wir diese gegenseitige Stärkung – erst Recht aber
Brauchen die verfolgten Christen Stärkung durch unsere Gemeinschaft

17. 04.2017 Predigt in der Osternacht

Fürchtet euch nicht!
Liebe Schwestern und Brüder, das sind die ersten Worte des Engels an die zwei Marias.

Ist es zum Fürchten, wenn man einen Engel sieht?
Warum aber sagen dann manche Menschen zum anderen:
„Du bist mein Engel!“

Aber ja: es ist zum Fürchten, wenn mitten in unserer Zeit und Geschichte eine andere Dimension auftaucht und alle unsere Erfahrungswerte ins Wanken bringt.

Ich habe noch nie ein Erdbeben gespürt. Ich stelle es mir erschreckend vor, wenn der so sichere Erdboden plötzlich nicht mehr fest ist, sondern wankt und schwankt. Woran soll man sich dann noch halten. Was hält dann noch stand?

Die Erschütterung der Osterbotschaft ist ein solches Erdbeben im übertragenen Sinn: wenn ein Toter „aufersteht“ – worauf kann man sich dann noch verlassen. Was zählt dann noch? Woran kann man sich dann noch halten?

Den Frauen wird gesagt: geht nach Galiläa! Galiläa, das ist der Ort der Seligpreisungen; dort hat Jesus Kranke geheilt, Hungernde gespeist,
das Reich Gottes verkündet.

Daran sollen sich die Jünger halten in diesem Beben der Gewissheiten – völlig verunsichert durch das katastrophale Scheitern ihres Meisters.

Noch ein Angebot bekommen die Frauen: Jesus selbst. sie umfassen seine Füße. Sie wollen ihn festzuhalten und sich an ihm festhalten.
Diese „handgreifliche“ Szene macht deutlich: Das Osterereignis ist kein Traum, keine hysterische Einbildung – es ist real – handfest sozusagen.

Jesus, der Auferstandenen schickt selbst die Frauen zu seinen Brüdern, wie er sagt. Sie sollen ihnen ausrichten, dass sie nach Galiläa gehen sollen.

Sie sollen sich daran erinnern, was sie dort mit Jesus erlebt haben.
Sie sollen sich an seine Botschaft vom Reich Gottes erinnern:
Es wächst, es ist mitten unter ihnen, es ist Gegenwart.
Man muss es annehmen wie ein Kind, um hineinzukommen.

Die Jünger sollen sich erinnern, dass die Sünde den Menschen nicht von Gott trennt, dass kein Kranker von Gott getrennt ist, sondern dass Gott in jedem Menschen ist.

Sie sollen sich erinnern, dass für Gott kein Mensch verloren ist.

Schwestern und Brüder,
unsere Welt wird von vielen Schrecken erschüttert in diesen Jahren:
Völkerwanderungen, nicht enden wollende Kriege, die Veränderung des Weltklimas, zuletzt geht es gar um den Einsatz von Atomwaffen.

In diese Erschütterungen hinein trifft uns das Engelswort, das Wort Jesu:
Fürchtet euch nicht! Geht nach Galiläa. Haltet fest an dem, was ich euch gelehrt habe:

Haltet Frieden, teilt mit den Armen, steht den Kranken bei.
Vergeltet Böses nicht mit Bösem, sucht nicht über andere zu herrschen, sondern ihnen zu dienen.

Glaubt an das Reich Gottes. Es ist euch anvertraut. Es ist schon da.
Ihr könnt darin leben und ihr werdet darin leben.

Liebe Schwestern und Brüder,
In unserem Osterlob preisen wir diese Nacht und singen:
Dies ist die Nacht, die alle, die an Christus glauben, dem Elend der Sünde entreißt und sie ins Reich der Gnade heimführt.

Ostern bringt die Gesetzmäßigkeiten des Todes zum Einsturz und gründet einen neuen festen Halt: das Leben, den Glauben an das Leben, an die Zukunft des Lebens in dieser Welt und an die Zukunft des Lebens in Gottes Herrlichkeit. Nicht Feindseligkeit, sondern Vertrauen; nicht Angst, sondern Hoffnung; nicht Tod, sondern Leben.

14.04.2017 Predigt zum Karfreitag

Liebe Schwestern und Brüder,
wir haben die Geschichte wieder gehört:
Verrat; Festnahme; Verhör; Demütigung; Folter; Freunde, die weglaufen; der Weg nach Golgota, bis man ihn schließlich ans Kreuz nagelt.

Diese Station des Kreuzweges ist mir schier unerträglich.
Es ist kaum auszuhalten, wenn man sieht, wie Menschen manchmal leiden müssen durch Verletzungen, an Krankheiten, wie ihnen das Atmen zur Qual wird. Man steht daneben und kann nichts dagegen tun.

Die Lippen benetzen, Schmerzmittel geben – aber die Qual, das Elend kann man nicht nehmen.

Genauso bewegt mich der Leidensbericht Jesu. Es ist kaum erträglich. Es fällt schwer, dabei zu bleiben. Kann man das nicht weglassen?
Warum muss man das immer wieder lesen und hören und sich vorstellen? Wozu?

Die Karfreitagsliturgie ist nicht die einzige Gedenkfeier:
Jedes Jahr gibt es eine Gedenkfeier für die 2989 Toten vom 11. Sept 2001.
Warum und Wozu? ….
All der Toten wird sogar namentlich gedacht, um sie zu ehren, um sie nicht zu vergessen, um zu mahnen, um den Entschluss zu erneuern, dass so etwas nicht wieder geschehen darf. Und auch, damit die Trauer der Betroffenen sich ausdrücken kann.

Wird man in 2000 Jahren noch eine Gedenkfeier für nine eleven halten?

Wir Christen aber halten seit 2000 Jahren das Gedächtnis an das Leiden Jesu wach –fest. Warum und Wozu?

Wir wollen es nicht vergessen, weil er für uns der wichtigste Mensch ist, der jemals geboren wurde. In ihm ist Gottes ewiges Wort, das schöpferische Wort, Gottes Mensch geworden – ein sterblicher Mensch.

Und dieser Jesus, in dem Gott selbst unter uns gelebt hat, hat damit unsere menschliche Natur angenommen – in all seinen Begrenzungen.

Und indem Jesus Verrat; Festnahme; Spott und Hohn, Folter, und das Kreuzesleiden ertrug, hat Gott durch ihn sein endgültiges JA zu unserer Schöpfung und zu uns Menschen gesprochen: zu uns Menschen, so wie wir sind: schöpferisch und verletzlich, stark und auf Liebe ausgerichtet, böse und leidensfähig.

Jesus selbst blieb der Liebe treu – in allem, was er tat und was ihm angetan wurde: aus Liebe vergab er das Böse, aus Liebe heilte er, aus Liebe schenkte er Freiheit.

Auch in seinem Kreuzesleiden blieb er der Liebe treu.

Jesus ist das Urbild des liebenden, schöpferischen Menschen.
Er macht uns fähig, dass auch wir im Leid der Liebe treu bleiben.
Auch im Leid sind wir von Gott geliebt und fähig zu lieben.

Selbst wenn wir Böses tun, hört Gott nicht auf, uns zu lieben.
Auch dazu hat er sein Ja gesagt, als Jesus die Bosheit ertragen hat.

Schwestern und Brüder,
wir erinnern uns an Jesu Leid, nicht, weil wir an seinem Leid und den Schmerz ergötzen wollen, nicht weil wir das Leid verherrlichen,

sondern, weil sein Kreuzesleiden uns heilt und versöhnt. Es zeigt uns, wie unermesslich Gottes Liebe zu uns Menschen ist. Bedingungslos und grenzenlos.

Amen.

09.04.2017: Palmsonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Pilatus – der zufällig zu dieser Zeit römischer Statthalter war, hat es bis in das Glaubensbekenntnis geschafft.

Dass sein Name erwähnt wird ist wichtig, weil damit klar ist:
Jesus Christus gehört zur Geschichte der Welt. In einer bestimmten Stunde fällte ein hoher römischer Beamter das Todesurteil über ihn.

Halbherzig – gedrängt – gab er nach und wusch sich seine Hände in Unschuld.

Wir verstecken uns nicht selten hinter sachlichen Begründungen, wenn wir unsere Zustimmung geben oder eine Bitte ablehnen –
obwohl wir spüren, wie fragwürdig unsere Entscheidung ist.

  • Es ging nicht anders. Ich wollte den anderen nicht verärgern.
  • Die Umstände haben das verlangt.
  • Ich war gerade in einer Zwangssituation.

Solche Erklärungen geben wir dann ab, damit wir uns rechtfertigen.

Bis heute werden Menschen diesen scheinbaren Zwängen geopfert.
Nicht immer geht es um das Leben – oft geht es nur um kleine Ungerechtigkeiten, Bevorzugungen, Benachteiligungen.

Aber es geht vor allem darum:
Dass wir unserem Gewissen folgen müssten.

Das wir nicht opportun entscheiden, sondern aus Überzeugung.

Jesus hat sich nicht opportun verhalten, er hat sich nicht einfach den Gegebenheiten angepasst. Er stand zu sich, zu seiner Überzeugung, zu den Menschen, die auf ihn bauten und am allermeisten zu seinem himmlischen Vater, den er liebte und für den er alles tun wollte, um seine Liebe bekannt zu machen.

Der Blick auf Pilatus lehrt uns, dass wir uns nicht hinter Zwängen verstecken, sondern besser zu unserer Überzeugung stehen und unserem Gewissen folgen, wenn wir Urteile fällen und Entscheidungen treffen.

Bußgottesdienst in der Fastenzeit 2017: Das Reich Gottes ist mitten unter euch

 

Eröffnung

Lied:                   O Herr, aus tiefer Klage                                 271,1-3

Einführung
Man könnte die Botschaft Jesu auch als Botschaft der Versöhnung bezeichnen. Denn Jesu Leben und Jesu Gleichnisse, sein ganzes Handeln ist auf Versöhnung ausgerichtet:
Dass Gott sich mit uns versöhnt. Dass er sich uns zuwendet.
Dass er nicht herrschen und richten und verurteilen will, sondern dass er befreit – von Schuld und schlechtem Gewissen, von Krankheit und Schmerz – von Angst und Verzweiflung.

Gebet
Unser Vater im Himmel,
durch deine Gnade dürfen wir leben.
Du hast uns in der Taufe
als Deine Kinder angenommen.
Doch unser Vertrauen ist gering
und unsere Liebe oft schwach.
Unser Gewissen klagt uns an.
Rede uns nun zu Herzen,
Tröste, ermahne und ermutige uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus

Verkündigung

Lesung aus dem Römerbrief 14,7-13

7 Keiner von uns lebt sich selber und keiner stirbt sich selber:
8 Leben wir, so leben wir dem Herrn,
sterben wir, so sterben wir dem Herrn.
Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn.

9 Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende.

 Lied                     Jesus, dir leb ich                                                GL 367

 Evangelium Mt 6,19-21.25.33

Jesus sagte zu den Leuten, die gekommen waren, um ihn zu hören:
19 Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören, 20 sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen.

21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

25 Ich sage euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung?

33 Euch muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Wer ist Jesus Christus?
Das ist leicht aufgezählt, weil es hundertmal gelehrt und erklärt wurde: Sohn von Maria und Josef (um der Zugehörigkeit zu Davids Stamm willen); Der verheißene junge Trieb aus Isai; der Messias, der Erlöser, der Heiland, Sohn Gottes, Herr, König des Himmels und der Erde, der Richter, der kommen wird, …

Wichtiger und entscheidender ist aber die Frage:

Wer ist Jesus Christus für mich?

Hoffentlich denken wir alle immer wieder darüber nach.
Ich möchte versuchen, ganz persönlich und doch auch für uns alle darüber nachzudenken:

  1. Er beruft uns zu sich, dass wir ihm nachfolgen. Jedem, der ihn hört, gilt der Ruf: „Komm und folge mir nach!“

Wann hat es angefangen, dass Jesus und seine Botschaft und sein Leben und sein Tod und Auferstehung mir selbst wichtig wurden.  Dass er etwas in mir bewegt hat?
Wann fing ich an, bewusst Jesus nachzufolgen?

  1. Jesus hat das Reich Gottes verkündet:
    Seine ersten Worte im Mk sind: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium! (Mk 1,15)

In vielen Gleichnissen hat er versucht, das Reich Gottes aufzuschließen: Senfkorn – Schatz im Acker/wertvolle Perle – das Gleichnis vom Sämann.
Das Reich Gottes, das uns offen steht, ist die zentrale Botschaft Jesu:

Wenn das Reich Gottes für alle offenbar sein wird, gibt es keinen Mangel mehr, keine Feindschaft und keinen Tod.

Das Reich Gottes ist durch Jesus bereits Gegenwart:
In seinem Leben und in seiner Auferstehung.
Es wird Gegenwart durch alle, die ihm nachfolgen
und tun, was er getan hat: die heilen, vergeben, aus Angst und Not befreien.

  1. Er zeigt mir einen Weg für mein Leben, einen Lebensinhalt:

Jesus sagt: „Sorgt euch zuerst um das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit!“
Unser Leben hat für uns als Glaubende den Sinn, Gottes Reich in dieser Welt aufzubauen: durch Werke der Liebe, die Jesus Christus uns vorgemacht hat.

  1. Er bietet mir seine Freundschaft an

Im Johannesevangelium sagt Jesus zu seinen Jüngern; Ich habe euch Freunde genannt, weil ich euch alles offenbart habe, was ich von meinem Vater empfangen habe, (Joh 15,15)
„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ (Joh 15,5)

Die „Freundschaft mit Jesus“ ist anders, weil Jesus unserer sinnlichen Erfahrung nicht mehr zugänglich ist.  – Doch es kann eine echte Freundschaft sein. Seine Zuneigung zu mir wird mir zugänglich in seiner Botschaft, in seinem Handeln, das uns die Evangelien überliefern.
Ich kann echte Zuneigung zu Jesus fassen. ihn wirklich als Freund lieben.

So sind wir fähig, aus Freundschaft mit Jesus zu handeln.

  1. Er ist uns Vorbild durch seine Zuwendung zu den Menschen

Ein Ideal der christlichen Spiritualität heißt, sich zu bemühen „Ein anderer Christus zu werden“ also Christus nachzuahmen.

Natürlich wollen wir ihn nicht oberflächlich kopieren,– es geht um die Verwandlung unseres Wesens,
dass wir ihm ähnlich werden im Gehorsam gegen den Vater,
in der Liebe, in der Opferbereitschaft, das Leben hinzugeben
in der Treue zu den Menschen

  1. Er bringt Versöhnung und Vergebung

Das ist der letzte Punkt, den ich ansprechen möchte:

Sein erstes Wort an die Jünger nach seiner Auferstehung ist:
„Der Friede sei mit euch!“

Friede mit den Jüngern, die davon gelaufen waren, die geleugnet hatten, ihn zu kennen, die sich von ihm losgesagt hatten.

Jesus sagt zu ihnen: Friede sei mit euch!
Ich bin euch nicht gram und ihr braucht auch euch selbst nicht gram zu sein. Es gibt viele Beispiele, wie Jesus Menschen Verzeihung und Frieden gebracht hat:
Zachäus – barmherziger Vater – guter Hirt – die Ehebrecherin –
der Gelähmte – …

Seine Botschaft für sie alle und für uns ist:
„Deine Sünden sind dir vergeben!“

Deine Verfehlungen werden dir nicht angerechnet.
Du brauchst dir keine Vorwürfe zu machen.
Es ist gut. Du gehörst dazu.

Besinnung

In seiner Enzyklika „Pacem in Terris“ hat Johannes XXIII von Werten gesprochen, die nötig sind für eine Ordnung des Lebens, die dem Reich Gottes entspricht:

Frieden – Gerechtigkeit ‑ Freiheit ‑ Wahrheit – Liebe

Diese Werte sollen nun unsere Besinnung leiten

 Frieden
Wir sehnen uns nach Frieden. Frieden ist, wenn sich Menschen vertragen, wenn sie sich gegenseitig achten, wenn sie an den guten Willen des anderen glauben.

  • Was raubt mir den Frieden?
  • Mit wem lebe ich in Frieden? Mit wem habe ich Streit?
    Was ist meine Schuld daran?
  • Wer hat etwas gegen mich?
  • Kann ich etwas tun, damit Frieden wird? Wenigstens für den anderen beten, dass es ihm gut geht?

2 Minuten Orgelspiel

Lied:                    Bekehre uns                                                     GL 266,1+2

Gerechtigkeit
ist ein hohes Gut. Es bedeutet, dass jeder gleich behandelt wird. Dass niemand bevorzugt oder benachteiligt wird.
Jedem wollen wir achtsam so begegnen, wie es zu ihm passt, damit der Friede erhalten bleibt oder wieder hergestellt wird.

Gerechtigkeit heißt auch, dass  ich meine Verantwortung erkenne und sie erfülle: im Beruf, in der Familie, unter Freunden, in Vereinen

  • Nehme ich Ungerechtigkeiten wahr?
    Trete ich für Gerechtigkeit ein?
  • Fühlt sich jemand von mir ungerecht behandelt? Wodurch?
  • Was sind meine Pflichten? Kann ich unterschieden, welche Verpflichtungen wichtiger sind als andere?
    Komme ich meinen Pflichten nach gegenüber Familie,
    Kolleginnen, Arbeitgeber, Mitarbeitern,

2 Minuten Orgelspiel

Lied:                    Bekehre uns                                                         GL 266,3

Freiheit
Freiheit heißt für uns heute zunächst Selbstbestimmung.
Ich tu, was ich will und ich kann tun, was ich will!
Uns ist die Freiheit gegeben, damit wir die gestalten.
Dabei erleben wir die Herausforderung, die im Buch Genesis so einfühlsam und vieldeutig beschrieben wird: „Vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse dürft ihr nicht essen.“

Gut und Böse sind uns vorgegeben. Wir dürfen sie nicht willkürlich bestimmen.

  • Wozu nutze ich meine Freiheit?
  • Achte ich die Grenzen meiner Freiheit?
  • Tue ich manchmal etwas, das anderen schadet?

2 Minuten Orgelspiel

Lied:                    Bekehre uns                                                         GL 266,4

Wahrheit
Gibt es EINE Wahrheit? Oder hat jeder Mensch seine eigene Wahrheit?

Das Wort „Wahrheit“ weist darauf hin, dass es Wirklichkeiten gibt, die der Mensch vorfindet und achten muss, damit Gemeinschaft möglich ist.

Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“
(Joh 14,6). Gott ist die Wahrheit – in ihm ist keine Lüge.

Unwahrheit und Unehrlichkeit unterwandern die Gemeinschaft
Sie gebären Unverständnis, Zorn, Feindschaft

  • Bin ich ehrlich?
    Wenn ich über meine Motive und Absichten rede?
  • Verheimlichen kann eine subtile Form der Unehrlichkeit sein. Was verheimlich ich und warum?
  • Bin ich ehrlich in finanziellen Angelegenheiten?

2 Minuten Orgelspiel

Lied:                    Bekehre uns                                                         GL 266,5

Liebe
Jesus legt uns die Liebe zu Gott und zum Nächsten ans Herz – sogar die Liebe zum Feind.

Seine Liebe gibt er uns zum Maßstab, wenn er sagt:
„Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.

Die Liebe steht im Zentrum der Verkündigung Jesu.

Es geht dabei vor allem um eine Liebe, die dem anderen Gutes tut – nicht um eine emotionale besondere Zuneigung wie sie zwischen Freunden oder Eheleuten oder Kindern und Eltern besteht.

  • Liebe ich Gott von Herzen?
  • Liebe ich Jesus wie einen Freund?
  • Liebe ich den Mitmenschen, den Nächsten?

2 Minuten Orgelspiel

Lied:                    Bekehre uns                                                     GL 266,6+7

 

VERSÖHNUNG

 Bitte um Vergebung
Wir haben über uns und unser Leben nachgedacht.
Manches, was wir getan oder nicht getan haben, bedauern wir oder bereuen wir sogar.
Manches wollen wir besser machen, in Ordnung bringen.
Manches können wir nicht anders machen, obwohl es nicht gut ist:
vielleicht haben wir nicht genügend Mut oder Kraft
oder es gibt zu große Hindernisse.

So beten wir:
Herr, wir bekennen vor dir unsere Schuld:
Wir haben manchmal so gelebt, als ob wir dich nicht lieben würden.

Wir haben den Mitmenschen nicht geliebt,  wir waren ungerecht und auch unehrlich.

Wir haben Streit begonnen und waren oder sind nicht bereit,
um Verzeihung zu bitten oder Verzeihung zu gewähren.

Wir haben die Freiheit missbraucht, und Böses getan und gesagt.

Deshalb beten wir: Das Schuldbekenntnis: „Ich bekenne ….“

Vergebungsbitte
Gott, unser Vater, sei uns gnädig.
Er verzeihe uns unsere Sünden.
Er stärke uns im Guten. Er mehre unser Vertrauen.
Er erwecke in uns immer wieder die Liebe zueinander
und zu ihm, unserem Schöpfer und Retter. Amen

So singen und danken wir unserem Gott

Lied:                   Selig, wem Christus                                  GL 275,1-4

Abschluss

Gott vergibt uns und nimmt uns, uns seine geliebten Kinder,
sein Volk, das er sich erworben hat durch die Hingabe seines Sohnes  Jesus Christus.Er schenkt uns seinen Frieden,
der uns untereinander verbindet.

Lasst uns nun beten, wie der Herr es gelehrt hat.

Vater unser

Segensgebet

Der HERR,
erfülle euch mit seiner Kraft,
auf dass Ihr in Gelassenheit ertragt,
was er euch zumutet und auferlegt;

ER erfülle euch mit seiner Liebe,
auf dass ihr sie an die weitergebt,
die sich danach sehnen;

ER erfülle euch mit seiner Güte,
auf dass ihr denen Hilfe bringt, die Not leiden;

ER erfülle euch mit seiner Barmherzigkeit,
auf dass ihr sie an denen übt,
die verfolgt und rechtlos sind;

ER erfülle euch mit seinem Segen,
auf dass ihr selbst zum Segen werdet.

ER schenke euch seine Gnade,
auf dass ihr mit seiner Hilfe
ihm und den Menschen dient
und den Weg zu ihm findet.

Mit seinem Segen begleite euch
Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

(nach Heinz Pangels)

© Erarbeitet von Martin Müller, Regensburg

26.03.2017: 4. Fastensonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Ich habe Erbarmen – heißt auf lateinisch: Misereor. Jesus sieht die Menschen, die schon drei Tage bei ihm sind und nichts zu essen haben und sagt: Ich habe Mitleid mit diesen Menschen. Sein Mitleid lähmt nicht, sondern bewirkt etwas. Er lässt Brot austeilen, so dass es für alle reicht.

Mitleid und Erbarmen sind Tugenden, weil sie zur tätigen und wirksamen Hilfe führen. Das Hilfswerk MISEREOR gegründet von den deutschen Bischöfen hilft wirksam den Menschen – zum Beispiel in dem Dorf Tambolo im Süden von Burkina Faso. Dort leben 53 Familien mit ihren Rindern. Die Männer sind mit den Rinderherden oft wochenlang unterwegs auf der Suche nach guten Weiden. Für die Verarbeitung der Milch sind die Frauen zuständig. Sie haben es mit fachlicher und finanzieller Hilfe von MISEREOR geschafft, in ihrem Dorf eine kleine Molkerei zu errichten mit einer solar- und gasbetriebenen Kühlanlage und so ihr Einkommen zu erhöhen. Vieles ist dadurch besser geworden. Auch die Möglichkeit, dass Mädchen und Jungen in eine Schule gehen.

Einfach ist es nicht, weil zum Beispiel die EU Milchpulver nach Westafrika exportiert und zum halben Preis pro Liter anbietet wie die heimische Milchwirtschaft.

Dieses Ungleichgewicht in den Handelsbeziehungen ist eine der Ursachen, warum auch ein demokratisches Land wie Burkina Faso kaum Chancen auf Wohlstand hat. Die reichen Nationen und ihre hochtechnisierten Industrien sitzen am längeren Hebel.

Es ist gerade nicht so wie auf dem neuen Fastentuch von MISEREOR, wo sich zwei Menschen ebenbürtig gegenüber stehen und in die Augen sehen. Die Hände gegenseitig auf die Schultern gelegt und so verbunden, dass die Arme jeweils die Farbe des Gegenübers annehmen.

Dieses Bild wirbt für eine andere Weise der Begegnung – entsprechen dem afrikanischen Sprichwort: Ich bin, weil du bist.

Wir Menschen brauchen einander – und wir brauchen jeweils die Fähigkeiten und Reichtümer, die der andere uns geben kann. Doch es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen und es muss gerecht sein.

Das berechtigte Gewinnstreben muss geregelt sein, so dass die stärkeren Partner die schwächeren Partner nicht übervorteilen, sondern gleichberechtigt behandeln. Wirtschaftlich arme Länder wie Burkina Faso, eines der ärmsten Länder der Erde, kann nicht am ungeregelten, zollfreien Markt mit Industrieländern konkurrieren – ohne von deren Wirtschaftskraft erdrückt zu werden.

Zu Recht ist dieses Motiv ein Fastentuch: denn in der Fastenzeit üben wir uns mit besonderem Eifer im christlichen Leben. Dieses Bild ermahnt uns, dass wir die Menschen in Afrika nicht von oben herab behandeln. Dass wir uns an ihre Seite stellen und ihnen helfen, Ihre Wirtschaft weiter zu entwickeln.

Wie denken wir über die Menschen in und aus Afrika?
Nehmen wir sie ernst als Partner? Sind wir interessiert daran, ihre Lebensweise, ihre Kultur, ihre Zivilisation, ihre Städte und Fortschritte kennen zu lernen. Oder ist es für uns nur ein Kontinent der Not und der Rückständigkeit? Denken wir darüber nach, welchen Anteil das Handeln der reichen Länder daran hat, dass die Not in Afrika scheinbar zuhause ist?

Jesus hat die Menschen nicht von oben herab behandelt. Er hat die aufgerichtet, die im Staub saßen. Er hat sie sich ebenbürtig gemacht. So wie den Blinden, den er zweimal sehend gemacht hat: Er hat ihm das Augenlicht gegeben und er hat ihm die Augen dafür geöffnet, dass er nicht von Gott getrennt ist, sondern zu Gott gehört.

Ich lebe, weil du bist. ist der Titel dieses Fastentuches. Wir leben, weil Gott ist, weil er sein Leben an uns weitergegeben hat.

Wir leben, verbunden mit den Menschen auf der ganzen Erde.
Wir leben mit ihnen, um mit ihnen gemeinsam die Güter der Erde zu genießen und diesen Garten Eden zu bewahren.
Wir stehen nicht über denen, die ärmer sind, sondern müssen uns eher dafür schämen, dass wir ihre Armut ertragen und sogar verursachen.

Vielmehr sollten wir so handeln, dass wir uns ebenbürtig in die Augen sehen und zueinander sagen können: Ich lebe, weil du bist.

26.02.2017: 8. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
eigenartig: gerade da, wo der Wohlstand am größten ist, werden die Menschen weniger, die Gott vertrauen und auf ihn ihre Hoffnung setzen.
Die Argumente sind: Wir sind zu Wohlstand gekommen, weil wir klug sind und hart arbeiten – nicht weil Gott uns etwas geschenkt hat.
Außerdem: wenn es einen guten Gott gäbe, könnte er nicht all das Elend in der Welt zulassen.

Es könnte auch anders sein:
Wir könnten das Loblied auf Gott anstimmen, der unser Tun gesegnet hat, der sich unser erbarmt hat und uns wieder in die Höhe kommen ließ, so dass wir jetzt 72 Jahre nach der totalen Niederlage besser da stehen, als die meisten Länder der Erde.

Es gibt viele Menschen, die in wesentlich schlechteren Bedingungen leben als wir: sie haben oft viel mehr Vertrauen zu Gott und mehr Hoffnung.
Sie haben Angst vor dem Hunger, vor dem Ertrinken, vor Bomben und Granaten und Heckenschützen.
Diese Menschen erlebend die Bedrohung der Natur durch Trockenheit oder Wirbelstürme oder Erdbeben und die Bedrohung durch die Gewalttätigkeit der Eroberer und Kriegsherren, die aus Habgier oder Hass oder Machtgier handeln.

Sie beten zu Gott, hilf uns, rette uns, befreie uns.

Schwestern und Brüder, vielleicht können wir unsere Gedanken und Glaubensempfindungen neu sortieren und uns dabei von der Heiligen Schrift leiten lassen.

Israel ist das Volk Gottes. Es wird auch Zion, die Braut Gottes, genannt, nach dem Hügel auf dem in Jerusalem der Tempel steht

Dieses kleine Volk erinnert sich, wie es aus der Sklaverei befreit wurde – durch Gottes machtvolle Hilfe. Es kommt zu Wohlstand.
Dann breiten sich Missstände aus: Benachteiligung der Armen durch die Reichen, Betrügereien, Versprechen gegenüber Freunden und in der Ehe wurden gebrochen, man wendete sich fremden Göttern zu, weil der Kult sinnenfreudiger war.

Die Propheten in Israel wurden nicht müde zu warnen. Sie haben immer wieder aufgezeigt, dass dieser Weg ins Chaos führen wird. Sie fanden aber keinen Glauben und kein Gehör, sondern wurden verspottet und verfolgt.

Schließlich wird Zion, die Braut Gottes von den Nachbarn angegriffen, geteilt, geschlagen, verschleppt.

Zion klagt nun: „Gott hat mich vergessen!“

Doch Jahwe, der Gott Israels sagt: „Ich vergesse dich nicht!“

Ich glaube dieser Zusage. Dazu gehört untrennbar, dass ich an die Zukunft nach meinem irdischen Tod glaube: dass Gott mir Anteil geben wird an seinem Leben in seinem Licht – in seiner Herrlichkeit. Da wird sich zeigen, dass Gott meiner nie vergisst.

Ich will dankbar sein, dass ich unter so hervorragenden Bedingungen leben darf. Ich weiß, dass das nicht allein mein Verdienst ist. Mir ist bewusst, dass dies für jeden einzelnen gilt. Deshalb will ich Gott  dafür danken, dass in den vergangenen 7 Jahrzehnten friedliebende Menschen unser Land regierten, denen die soziale Gerechtigkeit ein wichtiges Anliegen war. Es waren Menschen, in denen Gottes Geist am Werk war.

Und ich hoffe, dass durch alle Anfechtungen hindurch immer wieder Menschen im Geist Gottes handeln und entscheiden. In den Regierungen und in den Familien und in den großen und kleinen Unternehmen.

Die Botschaft Jesu geht darüber hinaus:
Er sagt: Du musst keine Angst um dich selber haben. Lass nicht zu, dass dein Leben, dass du beherrschst wird von der Sorge um Besitz.
Sorge dich zuerst um das Reich Gottes und um seine Gerechtigkeit.

Deine erste Sorge soll es sein, dass Du gerecht bist, dass du Armut linderst, dass du Kranke pflegst, dass du Anteilnahme zeigst, dass du für deine Familie sorgst, dass du in Frieden lebst, das du fair und ehrlich bist und das Vertrauen deiner Mitmenschen rechtfertigst, …

Dann – sagt Jesus – wird dir alles andere dazu gegeben. Dann wirst Du Nahrung haben und Kleidung und Wohnung – hier in der Welt und erst recht in der kommenden Welt, wenn DU bei Gott sein wirst.

01.03.2017: Aschermittwoch

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
40 Tage und 6 Sonntage liegen vor uns: die österliche Bußzeit!
Von ihrem Ziel her erhalten diese 7 Wochen die Eigenschaft „österlich“ zugesprochen. Wir bemühen uns 46 Tage lang in besonderer Weise, österliche Menschen zu werden. Um das zu erreichen, versuchen wir Buße zu tun.

Christen – also die, die im Herzen glauben, dass Christus von Gott gekommen ist, um uns Frieden zu bringen – sind österliche Menschen.
Wir glauben an die Auferstehung vom Tod zum Leben;
wir glauben an den Sieg des Lebens über den Tod;
Wir Christen freuen uns über diese erlösende Erfahrung und Botschaft und Gewissheit im Glauben.

Genau das werden wir in 7 Wochen feiern und dabei unser Taufver­sprechen erneuern: unser Versprechen als österliche Menschen zu leben.

Was schwächt unseren Glauben?
Was trübt die Freude über die Botschaft des Lebens?

Sicher sind das Einflüsse von außen:
Ärger und Enttäuschung über andere und ihr Verhalten;
Schmerzen, Krankheiten und Misserfolge.

Schwächen wir nicht auch selbst unseren Glauben,
wenn wir kaum Zeit zum Beten finden?

Schwächen wir nicht selbst unseren Glauben,
wenn wir die Hl. Schrift, besonders das Neue Testament nur selten lesen?

Trüben wir nicht selbst die Freude, wenn wir unsere Zufriedenheit davon abhängig machen, was wir erleben, was wir kaufen und genießen können?

Trüben wir nicht selbst die Freude, wenn wir sie von Gesundheit abhängig machen, von Erfolg und von Anerkennung?

Liebe Schwestern und Brüder,
jetzt ist die Zeit der Kurskorrektur, jetzt ist die Zeit unseren Osterglauben neu zu stärken, damit wir ihn am Osterfest umso freudiger und dankbarer feiern können.

Wenn wir spenden für Menschen in Not, damit sie ihrer Armut entkommen und im Kampf Ungerechtigkeit gestärkt werden,  stärken wir unseren eigenen Glauben,
dass Gottes Gerechtigkeit stärker ist als das Unrecht der Menschen.

Wenn wir freiwillig auf etwas zu verzichten, dann werden wir leichter unsere Selbstsucht überwinden und offener für die Hoffnungen und Ängste, Trauer und Freude unserer Mitmenschen.

Wenn wir unser Herz im Gebet öfter und intensiver Gott zuwenden,
stärken wir unseren Glauben, also unser Vertrauen auf Gott.
Unser Glaube ist, dass wir in Gottes Hand geborgen sind, dass er um uns weiß, dass er weiß, was wir brauchen und dass wir erhalten, was gut ist.

Liebe Schwestern und Brüder,
in 7 Wochen werden wir unser Taufversprechen erneuern und die Auferstehung Jesu feiern, das Fest unserer Erlösung.

Im Sport heißt es manchmal, dass sich einer den Hintern zerreißt für den Erfolg seiner Mannschaft. – Verzeihen sie diese etwas grobe Hinführung zu dem, was der Prophet Joel im Auftrag Gottes den Israeliten zuruft:

Zerreißt Eure Herzen!

Wendet alle Kraft eures Herzens auf,
um österliche Menschen zu werden,
Menschen, die das Leben lieben, weil es zu Gott führt,
Menschen, die das Leben teilen, wie Gott es mit uns teilt;
Menschen, die sich freuen, weil sie erlöst sind von der Angst vor dem Tod,
weil Gott gnädig ist und barmherzig:

die Kleinen und Schwachen nimmt er an,
die Hungernden macht er satt,
die Geschlagenen richtet er auf,
mit den Sündern zeigt er Erbarmen
so dass in seinem Reich die Freude aller vollkommen wird.

12.02.2017: 7. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
wann haben Sie das letzte Mal gestritten? mit wem? worüber? Darf man streiten?

Natürlich gibt es Streit unter Menschen und manchmal ist er unvermeidlich und sogar notwendig!
Auch Freunde, Eheleute und Lebenspartner haben oft gegensätzliche Interessen: Es kommt Konflikten. Und zu Ärger, Wut und Zorn!

Es heißt auch von Jesus, dass er voll Zorn und Trauer war über das verstockte Herz seiner Gegner, die ihn wegen einer Heilung am Sabbat verurteilten.
Hat Jesus damit gegen sein eigenes Gebot verstoßen: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“?

Er hätte dann sogar gegen ein Gebot der Thora verstoßen. Wir haben es gerade in der Lesung aus dem Buch Leviticus gehört: Du sollst in deinem Herzen keinen Hass gegen deinen Bruder tragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Lassen Sie mich dazu ein wenig ausholen:
Diese Stelle stammt aus dem sogenannten Heiligkeitsgesetz im Buch Leviticus. Es heißt so, weil in einigen Kapiteln Israel immer wieder aufgefordert wird: Seid heilig, denn ich euer Gott bin heilig.

Israel lebte damals nach dem Exil als kleine Gruppe rund um den Tempel. Der Glaube an Jahwe, der Gottesdienst im Tempel, die Einhaltung der Thora unterscheidet die wenigen Juden von der Mehrheit der Bevölkerung – ähnlich wie wir Kirchgänger heute eine kleine Gruppe sind. Diese kleine Gruppe der Israeliten, des Gottesvolkes, soll und will sich unterscheiden und etwas Besonderes sein unter den anderen Menschen.

Wir haben gehört: Wenn es zu Konflikten kommt, sollen die Israeliten den Bruder nicht hassen, sondern ihn zurechtweisen.

Ob dies Ruhe brachte? Wer lässt sich schon gerne zurechtweisen? Da verteidigt man sich. Man sucht alle möglichen Gründe, dass die Zurechtweisung zu Unrecht geschieht. Es ist eine der größten zwischenmenschlichen Herausforderungen, wenn man zurechtgewiesen wird.

Dennoch wird dieser Weg vorgeschlagen – im Gegensatz zum Hass.

Hassen bedeutet, den anderen auszugrenzen, sich nicht mehr verbunden fühlen, die Solidarität mit dem anderen aufkündigen.
Mit Hass sind nicht die Gefühle gemeint, sondern das Aufkündigen der grundsätzlichen Solidarität – nur dann kann es zur Rache kommen.

Du sollst dich an den Kindern deines Volkes nicht rächen und ihnen nichts nachtragen, sondern (im hebr. Urtext sind die Sätze durch das Wort „sondern“ verbunden) du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!

Es geht also hier um Feindesliebe. Gerade die, mit denen die Solidarität, die Verbindung abzureißen droht, soll der Israelit lieben wie sich selbst.

Damit ist nicht die emotionale Liebe gemeint, die in Freundschaft und Ehe so viel Glück bringt. Damit ist gemeint, dem anderen Gutes zu wünschen und zu tun – eben mit ihm solidarisch zu sein.

Jesus übersteigert in der Bergpredigt dieses Gebot und gibt Beispiele dafür, was das konkret bedeuten kann. Freiwillig noch mehr geben, sich sogar doppelt schlagen lassen.

Er gibt uns aber auch eine Hilfe, wie wir den Hass überwinden können und stattdessen den anderen zurechtweisen und noch mehr Liebe erweisen:

Betet für die, die euch verfolgen!

Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir für die beten, mit denen wir Streit haben, wenn wir für sie um den Segen Gottes beten, um Frieden und Wohlstand – sind wir dann och im Stande, Rache zu üben?

Und doch gibt es im Evangelium auch Hinweise darauf, wie man sich verhalten soll, wenn ein Bruder sein Unrecht auch vor Zeugen nicht einsehen will.

Das, was Jesus, was die ganze hl. Schrift, was Gott will, werden wir oft nicht umsetzen können. Denn es ist schwierig, Zurechtweisung anzunehmen und es ist schwierig, den Zorn zu überwinden. Auch für uns Christen. Wir brauchen Gottes Barmherzigkeit.

05.02.2017: 5. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Manchmal fällt aufgrund von Unwettern oder technischen Störungen der Strom aus. Kein Licht mehr! Dann bricht Chaos aus. Panik.
Aber jeder weiß es: Ohne Licht gibt es kein Leben.

Schal, langweilig schmeckt jedes Gericht ohne Salz. Auch der Organismus funktioniert nicht ohne genügend Salz.

Licht und Salz: lebensnotwendig, große Wirkung auch schon in kleinen Mengen –
Jesus sagt zu Ihnen, zu uns: Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!

Wie geht es ihnen damit, für ihre Mitmenschen wie Salz zu sein und wie Licht?
Sind ihre Kraft und ihr Licht bei den anderen gefragt?
Oder nehmen die es für selbstverständlich, dass immer Salz und Licht da sind.
Fühlen sie sich als Salz und Licht im Dauereinsatz?
Woher nehmen sie die Kraft dafür?

Worin besteht unser Salzen und Leuchten für unsere Mitmenschen?
Das macht die Lesung aus dem Buch Jesaja deutlich. Sie entstammt dem sogenannten Trito-Jesaja, dem dritten Jesaja –der jüngsten Schicht dieses Prophetenbuches. Sie entstand nach der Rückkehr Israels aus dem Exil. Die Isareliten werden gemahnt, als sie jammern, weil es immer noch nicht recht vorwärts geht mit dem Wiederaufbau von Gesellschaft und Stadt.

Teile an die Hungrigen dein Brot aus!
Nimm die Obdachlosen in dein Haus auf!
Bekleide die nur noch Fetzen am Leib tragen!
Sorge für Deine Verwandten!
Beende die Unterdrückung bei Dir!
Verleumde niemanden und zeige nicht mit dem Finger auf andere!
Dann geht im Dunkeln dein Licht auf.
Deine Finsternis wird hell wie der Mittag!

Liebe Schwestern und Brüder, das sind einfach verständliche Ermunterungen und Hinweise, wie das geht: Salz und Licht sein für die Menschen, mit denen wir leben.

Christen setzten dies seit Anfang um und leben danach: die Sorge für Menschen in jeglicher Not: materiell, seelisch, geistig moralisch war immer und ist auch heute DAS Merkmal jeder Kirche. Das ist sozusagen die DNA der Christenheit.
Deshalb gibt es so viele kirchliche Gesundheitsdienste, Beratungsstellen, pädagogische Einrichtungen … ‑ auch wenn dies heute in unserer Deutschen Gesellschaft zum größeren Teil durch Versicherungen und staatliche Leistungen finanziert wird.
Die Werke der Barmherzigkeit werden von den Kirchen heute – notwendigerweise – in professioneller Weise angeboten. Millionen Menschen nehmen sie dankbar an.

Schwestern und Brüder, auch in unserer Pfarrei und im Leben des einzelnen Christen werden die Werke der Barmherzigkeit geübt: täglich, oft unauffällig und im Verborgenen. Genau dadurch geschieht, was Jesus sagt: wenn die Menschen dies sehen, werden sie sich dem zuwenden, der uns so salzig und hell sein lässt: unserem Vater im Himmel.

Ich möchte ihnen als Ansporn und zu ihrer Bestätigung Gedanken des früheren Bischofs von Erfurt Joachim Wanke weitergeben, die er „moderne Werke der Barmherzigkeit“ für die Menschen in unserer Gesellschaft genannt hat:

  1. Einem Menschen sagen: Du gehörst dazu
    Viele Menschen fühlen sich unwichtig, unbedeutend, und werden an den Rand gedrängt: die Arbeits­losen, die Ungeborenen, die psychisch Kranken, die Ausländer usw. Das Signal: „Du bist kein Außenseiter!“ „Du gehörst zu uns!“ z.B. auch zu unserer Pfarrgemeinde, ist ein sehr aktuelles Werk der Barmherzigkeit.
  2. Ich höre dir zu
    Viele Menschen sind sehr allein: die alleinerziehenden Eltern, die trauern und sich zurückziehen, die alten Menschen, die keine Kraft mehr haben, um herauszugehen. Ich bin da. Ich höre dir zu. Das ist ein not-wendendes Werk der Barmherzigkeit!
  3. Ich rede gut über dich
    Viele erwähnen zunächst einmal das Gute und Positive am anderen, an einer Herausforderung sehen. Manchmal muss man Kritik üben und Widerstand-leisten. Oft fehlt aber ein grundsätzliches Wohlwollen für den anderen, für seine Anliegen und die Achtung seiner Person. Gut über den anderen reden! Gutes anerkennen – das ist eine Wohltat, die wir anderen viel öfter gönnen sollten.
  4. Ich gehe ein Stück mit dir
    Zuhören können und miteinander beraten – das ist sehr viel. Oft aber braucht es ein bisschen mehr, bis der andere Mut und Kraft hat, einen neuen Weg alleine weiterzugehen. „Ich helfe dir. Ich unterstütze dich bei deinem neuen Anfang! Du schaffst das!“ Das ist ein Segen für jeden, der etwas neues anfangen will.
  5. Ich teile mit dir
    Es wird immer Hilfe nötig sein für Menschen, die sich selbst nicht helfen können. Wer Geld und Dingen mit anderen teilt, lindert oft schlimmste Not und sorgt dafür, dass das Leben weitergeht.
  6. Ich besuche dich
    Ein Besuch ist etwas ganz besonderes. Gerade, wenn es einem schwer fällt herauszugehen. Der Besuch schafft Gemeinschaft und stärkt den Besuchten. So zeigen wir den anderen – ohne Worte – dass wir sie achten und dass Gott sie achtet.
  7. Ich bete für dich
    Wer für andere betet, schaut auf sie mit anderen Augen. Er begegnet ihnen anders. Sag es als Mutter, als Vater deinem Kind, deinem Enkelkind: Ich bete für dich! Tun wir es füreinander, gerade wenn es schwierig wird im Miteinander. So kann Gottes Barmherzigkeit unsere Ratlosigkeit und Trauer verwandeln in neue Hoffnung und Freude.