10. Juli 1016: 15. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder,
Ich finde diese Sätze aus dem Buch Deuteronomium anrührend:

Dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte,
geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir.
Es ist nicht im Himmel, Es ist auch nicht jenseits des Meeres,
Nein, das Wort ist ganz nah bei dir,
es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten.

Das Buch Deuteronomium ist seit dem 6. Jahrhundert vor Christus in der Form überliefert, die wir heute lesen. Es ist das letzte der fünf Bücher Mose und enthält eine Sammlung von Reden des Mose und es endet mit der Nachricht über den Tod des Mose auf dem Berg Nebo in Moab.

Der Titel des Buches heißt übersetzt „2. Gesetz“. Es wiederholt noch einmal die Rechtsvorschriften, die Inhalt des Bundes sind, den Gott mit dem Volk Israel geschlossen hat. Diese Gesetze soll Israel halten – dann wird es Gottes Segen erfahren, dann wir es ihm gut ergehen.

Dieses Gebot geht nicht über deine Kraft! – daraus spricht eine große Empathie: Gott fordert nicht mehr, als sein Volk zu halten vermag.
Das Wort ist in seinem Herzen: Das heißt: das, was Gott dem Volk als Gebote gibt, entspricht der Sehnsucht seines Herzens nach Frieden und Ordnung, nach Gerechtigkeit und Weisheit.

Liebe Schwestern und Brüder,
weise Theologen erinnern bis heute daran, dass Gesetze, Gebote und Verbote, erfüllbar sein müssen. Man kann von niemandem mehr verlangen, als er erfüllen kann. – Scherzhaft gesagt: Ein Fisch kann nicht auf einen Baum klettern und deshalb wäre es Unrecht, das von ihm zu verlangen.

Ist es noch Recht, wenn die Gesetzesvorschriften so umfangreich und differenziert sind, dass selbst Fachleute sie nicht mehr überblicken?
Öffnet diese Überzahl an Gesetzen nicht Tür und Tor dafür, um das eine mit dem anderen außer Kraft zu setzen, so dass die Gerechtigkeit auf der Strecke bleibt?

Das Gesetz Gottes ist im Herzen des Menschen: daraus spricht ein großes Zutrauen in die Kraft des Menschen: der Mensch weiß, was recht ist und er sehnt sich danach.

Paulus nennt Jesus Christus, den Erstgeborenen der Schöpfung (2. Lesung) und das Haupt der Kirche. In Jesus ist kein Unterschied zwischen der Sehnsucht nach Gerechtigkeit und seinem Tun. Er ist die Gerechtigkeit Gottes, weil in ihm Gott handelt und wirkt und aus ihm spricht – wie wir an seinen Taten erkennen können.

Die Frage des Gesetzeslehrers: Welches Gesetz ist das wichtigste? gibt er ihm zurück. Der antwortet prompt: Das wichtigste ist, Gott, den Herr zu lieben und den Nächsten wie sich selbst.
Wer der Nächste ist, erläutert Jesus mit der Geschichte vom barmherzigen Samariter, die uns so vertraut ist. Es kommt darauf an, dass ich mich dem anderen zum Nächsten mache, dass ich mit dem, was ich bin und kann, helfe und heile.

Liebe Schwestern und Brüder,
das Gesetz Gottes ist uns nah, es ist uns ins Herz geschrieben:

Es ist uns ins Herz geschrieben, nach dem zu suchen und uns zu sehnen und ihn zu verherrlichen, Gott, von dem alles Leben ausgeht

Die Liebe zu jedem Lebendigen folgt unmittelbar daraus:
denn Gottes Leben ist in jedem Lebendigen.

Das Gebot Gottes ist in unserem Herzen.
Wir können es halten. So wie Jesus zu dem Gesetzeslehrer sagt:
Geh und handle genauso.

26. Juni 2016: 13. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder
Zweimal ließ Elija Feuer auf einen Hauptmann und seine 50 Leute fallen, so dass es sie verzehrte – das jedenfalls wird im 2 Kön erzählt.
Überhaupt war Elija ein furchteinflößender Mann, der auch nicht zögerte, Baalspriester niedermetzeln zu lassen.

Dennoch ist Elija ein Vorbild für jeden Propheten in Israel – auch für Johannes den Täufer und ebenso für Jesus, den Nazaräer.
Er ist ein Vorbild, weil er seine Stimme erhebt, gegen die Verehrung der Götzen; weil er die Treue Jahwes verkündet und weil er selbst Jahwe treu bleibt – bedingungslos.

Die Könige Israels aber beugten ihre Knie vor den Götzenbildern der Nachbarvölker und dienten ihnen. Sie unterwarfen sich ihnen und deren Gesetzen – und zugleich wandten sie sich so von Jahwe ab – von ihrem Gott, der sie aus Ägypten befreit hatte. Sie brachen den Bund, den Gott mit ihnen geschlossen hatte, damit sie ein freies Volk seien.

Deshalb, Schwestern und Brüder, ist Elija auch zur Zeit Jesu aktuell und er ist es auch heute. Auch heute beugen wir uns vor allen möglichen und scheinbaren Zwängen und opfern ihnen unsere Freiheit.

Die Freiheit behalten wir, wenn wir Gott und sein Reich, wenn wir Frieden und Freiheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit an die erste Stelle setzen als das Ziel unseres Handelns.

Auch Paulus erinnert die Galater: Zur Freiheit hat uns Christus befreit! Paulus spricht vom „Begehren des Fleisches“, das die Freiheit der Kinder Gottes zunichtemacht.
Diese Ausdrucksweise lässt uns an Essen und Trinken denken, an Alkohol und Drogen, an Pornograpie und Ehebruch.

Paulus geht es aber um etwas anderes: Er spricht von der Freiheit der Kinder Gottes, die sich nicht durch die Erfüllung von Gesetzen Gottes Liebe verdienen, sondern die als erstes – so wie Jesus – aus dem Glauben leben, dass sie von Gott geliebt sind – so wie jeder Mensch, der auf dieser Erde lebt.

Liebe Schwestern und Brüder, und dies fordert ein radikales Umdenken.
Nicht Leistung ist entscheidend, dass wir Gott gefallen,
nicht das Geldvermögen gibt Sicherheit,
nicht die Erlebnisse in der Freizeit bringen Erfüllung,
nicht die Karriere verschafft das Ansehen,
nicht der Genuss von diesem oder jenem macht zufrieden.

Nicht das, was wir uns erarbeiten und leisten können ist entscheidend,
sondern, dass Gott uns liebt, dass Gottes Geist in uns ist,
das macht uns wertvoll und bedeutend – darin liegt unsere Zukunft.

Das bedeutet nicht, das alles abzuwerten, was wir in der Welt an schönem und gutem und an wertvollem finden. Doch wir Menschen sollen uns nicht darum streiten wie Kinder, sondern wir sollen es unter uns teilen, es soll unser Bestreben sein, dass jeder Mensch dies alles genießen kann – heute und in Zukunft.

Liebe Schwestern und Brüder, es ist ein Umdenken bis an die Wurzeln unseres Seins.
Denn wir sind ja gewohnt zu denken, wer besser angepasst ist an seine Umgebung ist im Vorteil und überlebt.
Wir sind ja gewohnt zu denken, dass der Stärkere Recht hat.

Wer mit Jesus gehen will, muss deshalb völlig umdenken:
Er muss tatsächlich sich von allem lösen, was ihn hindert Gottes Reich aufzubauen.
Er muss das Streben nach Besitz und Macht und Geltung hinter sich lassen.
Stattdessen muss er das Reich Gottes suchen: den Frieden miteinander, die Gerechtigkeit für den anderen und die Barmherzigkeit mit dem anderen.

Schwestern und Brüder, der Rückfall ins alte Deken lauert jeden Augenblick: Sollen wir Feuer vom Himmel fallen lassen? Sollen wir die Menschen bestrafen, die dich und uns ablehnen? Jesus sagt: NEIN.
Er geht weiter in ein anderes Dorf.

Liebe Schwestern und Brüder, Jesus ist unser Elias und wir sind Elischa.
Er hat uns in das Reich Gottes berufen. Wer will mit ihm gehen?

19. Juni 2016: 12. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder,
Wir haben gerade die Lesung aus dem Buch Sacharja (früher Zacharias) gehört. Sacharja ist ein Teil des sogenannten 12-Prophetenbuches am Ende des Alten Testaments. Auch die Juden haben bekanntlich eine Heilige Schrift, die Bibel. Bei den Juden bildet das 12- Pro-phetenbuch den Abschluss ihrer Hl. Schrift, die sie Tenach nennen. Nach der Niederlage im Krieg gegen die Römer im Jahr 135 n. Chr. wurde dieser Bestand festgelegt und seither nicht mehr verändert.

Aus welcher Zeit stammen die paar Sätze, die wir in der 1. Lesung hörten?
In welcher Situation verkündet Sacharja Gottes Botschaft?

Israel war etwa 475 v. Chr. aus der Gefangenschaft nach Israel, nach Judäa zurückgekehrt. Das Sagen hatten damals die Ptolemäer, die Herrscher in Ägypten waren. Immerzu sind Israel und die Hauptstadt Jerusalem und der Tempel auf dem Zionsberg bedroht von den kriegerischen Angriffen der großen Völker. Und Israel ist selbst immer und dauernd in Gefahr, sich vom Glauben an Jahwe, den einzigen und wahren Gott, abzuwenden und sich anderen Göttern zuzuwenden.

Den so angefochtenen Juden werden diese Sätze gesagt:
„Ich werde über die Bewohner Jerusalems den Geist des Mitleids und des Gebetes ausgießen.“

Den Juden wird also Mut gemacht: Der Herr hat noch etwas im Petto. Er hat Mittel und Wege, damit die Verheißungen wahr werden, die Israel seit Abrahams Tagen und seit Mose gegeben sind:

Der Geist des Mitleids und der Geist des Gebetes:
Das ist die Fähigkeit, die Not des anderen zu sehen und sie zu lindern oder zu wenden. Und der Geist des Gebetes, das ist das Vertrauen in den einzigen Gott, den Schöpfer des Universums. Der Geist des Gebetes, das ist auch die Bereitschaft, auf Gott zu hören und das zu tun, was in seinen Augen recht ist.

Dieser Geist des Mitleids und Gebetes bewirkt, dass die Einwohner Jerusalems auf den schauen, den sie durchbohrt haben und sie werden um ihn weinen wie um den Erstgeborenen.

Wen der Verfasser damit meint? Dieses Rätsel ist nicht mehr aufzulösen.

Entscheidend ist jedoch, dass der Geist das Herz der Menschen bewegt, so dass sie das Unrecht bedauern und auf Gott hören,

Die Totenklage um diesen Durchbohrten ist nicht das Ende.
Vielmehr wird es eine Quelle geben, eine Quelle zur Reinigung von aller Sünde und allen bösen Absichten und Gedanken.

Liebe Schwestern und Brüder,
Wir Christen kennen den einen, der durchbohrt wurde von den Nägeln mit denen er ans Kreuz geschlagen wurde.
Wir entdecken diese Worte und staunen, wie gut sie auf Jesus Christus passen:

Wir glauben daran, dass Gott uns seinen Heiligen Geist geschenkt hat:
den Geist, der uns voll Dankbarkeit und Trauer auf Christus schauen lässt, der auch für uns gestorben ist:
Denn Untreue, Verrat, Spott, Ausgrenzung und Gewalt vergiften  immer noch unser Miteinander – sogar unter Christen.

Diese wenigen Zeilen aus Sacharja wecken in uns Christen also das Mitleid mit Jesus, der auch wegen unserer Bosheit durchbohrt wurde.
Es ist auch für uns nicht hinfällig um ihn zu klagen, denn immer, wenn Menschen ausgegrenzt und abgelehnt werden, immer wenn jemand den anderen verrät und verspottet, wird in ihm Christus durchbohrt.
Es ist zum Weinen.

Am Ende der Sätze wird aber etwas neues zugesagt: Eine Quelle zur Reinigung von Sünde und Unreinheit:

Schwestern und Brüder, im Glauben tauchen wir in diese Quelle ein, wie es in der Taufe symbolisch vollzogen wird. Der Glaube an Christus reinigt uns immer wieder von dem, was an uns unmenschlich und unbarmherzig ist. In der Messfeier dürfen wir immer wieder aus dieser Quelle trinken, die uns reinigt, so dass wir erfüllt werden vom Geist Jesu, vom Glauben daran, dass jeder von uns Gottes geliebtes Kind ist.

5. Juni 2016: 10. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder
Elija war für die Könige Israels ein Schrecken. Er prangerte ihre Freveltaten an, wenn sie Götzen anbeteten und Jahwe untreu wurden. Vor fast 3000 Jahren wirkte Elija im Namen Jahwes in Israel.

Es war eine lange Trockenheit und eine große Hungersnot in der ganzen Gegend. Elija verließ Israel und ging zu einer Witwe im heidnischen Sarepta. Wie durch ein Wunder wurde der Mehltopf nicht leer und der Ölkrug nicht trocken, solange Elija bei ihr war.
In der Lesung hörten wir, wie ihr Sohn erkrankte und starb und wie durch Elijas Gebet das Leben wieder in ihn zurückkehrte.

Entscheidend ist die Reaktion der Frau: „Jetzt weiß ich, dass du ein Mann Gottes bist und dass du das Wort Gottes sprichst“.

Dies stellt die Verbindung her zu jener Episode im Lukasevangelium, die wir danach gehört haben: Die Erweckung des Jüngling von Naim.

„Man trug einen Toten heraus, den einzigen Sohn einer Witwe.“

Liebe Schwestern und Brüder, abgesehen von der Trauer um den Sohn –
diese Frau war auf dem sozialen Abstellgleis: Sie würde betteln müssen; vielleicht als Dirne arbeiten, wenn sie dazu nicht zu alt ist.

Lukas sagt: „Jesus hatte Mitleid mit ihr!“
Halten wir uns nicht damit auf, ob Mitleid haben gut oder schlecht ist.
Jesus hielt sich jedenfalls nicht damit auf die Frau zu bejammern und zu sagen, dass sie ihm wegen ihres Schicksals Leid tut.
Jesus ergriff Initiative. Er hielt den Trauerzug an und gab den „jungen Mann“ lebendig seiner Mutter zurück.

Natürlich liegt uns die Frage auf der Zunge: Ist das wirklich so geschehen?
Hat Jesus wirklich Tote auferweckt: Lazarus, das Töchterlein des Jairus und hier den Sohn einer Witwe, der übrigens wie seine Mutter ohne Namen bleibt.

Oder wird hier im Stil orientalischer Geschichten der Glaube an den Herrn verkündet, an Jesus Christus, in dem Gott sich seines Volkes annimmt.

Heute, am Namenstagsfest unserer Pfarrkirche und unserer Pfarrei, möchte ich das Mitleid Jesu in den Vordergrund stellen. – es sagt viel darüber aus, wie Jesus war und ist: ein mitleidvoller Mensch: Ein Mensch, der aus Mitleid handelte, um Leid zu lindern oder zu beenden.

Jeder, der seine Hände rührt, damit es einem anderen besser geht, hat diesen gleichen Impuls und handelt aus Mitleid.

Überlegen wir: Wen kennen wir, dem es schlecht geht?
Welche Menschen sehen wir leiden?

Was können wir für sie tun?
Wir können sie nicht zum Leben erwecken – aber wir können vieles tun:

Die kleinen Handgriffe im Alltag, die wir füreinander tun.

Das verlässliche Kümmern um einen Menschen,
der alleine nicht zurecht­kommt.

Das Aushalten bei jemand, der gerade nicht zu trösten ist.

Die Spende für Menschen, die in materielle Not geraten sind –
und für Hilfswerke, die dafür arbeiten, dass hilfsbedürftige Menschen sich aus ihrer Abhängigkeit befreien können.

Es ermutigt, wenn nach Katastrophen, wie jetzt, berichtet werden kann, wie viele Menschen freiwillig kommen und helfen.

Unter uns sind so viele Menschen, die ein mitleidvolles Herz haben, die anpacken, ihre Pläne zurückstellen, nur um zu helfen.

Lassen wir uns berühren vom Leid anderer, um es zu lindern oder zu heilen,
dann werden wir Christus ähnlich, der gekommen ist, um uns zu versöhnen und zu befreien. Amen.

26. Mai 2016: Fronleichnam

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Liebe Schwestern, liebe Brüder,
Melchisedek – heißt auf Deutsch: mein König ist Gerechtigkeit.
Er wird als Priester des höchsten Gottes bezeichnet.
Leider wird in der Leseordnung weggelassen, wie Abraham zu Melchisedek sagte: Ich erhebe meine Hand zum Herrn, dem Höchsten Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde.

Bis dahin war nur die Rede vom „Herrn“, der Abraham von seinem Vaterhaus weggerufen hatte und im neues Land und zahlreiche Nachkommenschaft verheißen hat.

Fast ist es, als ob Abraham durch Melchisedek besser verstehen lernt, wer dieser Herr ist, der ihn gerufen hat: der höchste Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde.

Liebe Schwestern und Brüder,
der Grund, warum die Kirche diese Episode aus dem Leben Abrahams für Fronleichnam auswählt,, liegt auf der Hand: Dass Melchisedek Brot und Wein zu Abraham herausbringt, wird als Hinweis gedeutet auf das, was Jesus Christus tat, der Brot und Wein mit den Frauen und Männern teilte, die zu seinen Jüngern, zu seinen Schülern gehörten.

Diese Worte: Das ist mein Leib für euch! Das ist der Kelch des neuen Bundes in meinem Blut
und diese Geste: das Verzehren eines Stückchens Brot und das trinken eines Schlucks Wein
Diese Handlung war und ist bis heute das Lebenselexier: Quelle und Mittelpunkt des christlichen Lebens.

Die Kraft unserer Liebe, die bereit ist, sich für den anderen aufzuopfern, wird dadurch erneuert;
die Freude über die Freiheit der Kinder Gottes, die befreit sind zur Freundschaft mit Gott und von jeder Unterwerfung unter Gesetze, wird durch diesen Wein belebt.

Alles andere, die Taufe und die Firmung, die Versöhnung mit Gott in der Lossprechung, die Ehe, die Weihe, die Krankensalbung sind bezogen auf dieses Sakrament.

Hier werden wir gestärkt und genährt.

So wertvoll eine Predigt manchmal sein kann,
so sehr einem Musik unter die Haut gehen kann,
so feierlich die Ausstrahlung eines Kirchenraumes sein mag.

Der Grund, warum wir die Messe brauchen ist,
dass wir im Evangelium die Botschaft von Jesus hören
und dass wir von dem Brot essen und von dem Kelch trinken.
Das ist das Eigentliche, das Besondere, das Bedeutende.

Die sympathische Wirkung der Leute in den Bänken, die Schönheit der Musik oder des Raumes oder die Ausstrahlung des Priesters können eine Hilfe oder auch ein Hindernis sein.

In Wahrheit aber geht es darum, dass wir Gäste sind und Gott selbst uns an seinen Tisch lädt, um uns zu stärken für ein Leben aus der Liebe.
Ein Leben, das auch schwierige Zeiten und Phasen durchsteht und bewältigt.

Liebe Schwestern und Brüder, angesichts der Beobachtung, dass über 90 % der Christen nicht die Messe feiern, könnte man sagen, sie sei offenbar doch nicht so wichtig. Diese Menschen sind ja nach wie vor Christen.

Sind sie es? Orientieren sie sich in ihrem Verhalten an Jesus Christus?
Stellen sie das eigene Wohl zugunsten anderer Menschen zurück?
Ist ihr Leben darauf ausgerichtet, dem Reich Gottes zu dienen?
Sind sie frei von den Zwängen, von den Erwartungen, von den Gesetzen, die das Leben einengen und die so viel Stress und Hektik erzeugen?

Ertränken sie nicht die tiefere Sehnsucht nach Sinn im Rausch der vielen Events, Feste, Luxusartikel und was die Wirtschaft sonst noch als glücksstiftend anpreist?

Wenn wir zur Messe kommen und Gäste sind am Tisch des Herrn, von ihm Brot und Wein empfangen, dann bleiben wir Menschen, die ihre Hände zum Höchsten Gott erheben, zum Schöpfer des Himmels und der Erde.

15. Mai 2016: Pfingsten

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Liebe Schwestern und Brüder!
Was treibt Menschen dazu, einen Kutter zu kaufen und umzubauen und es als Rettungsschiff für Flüchtlinge in Seenot einzusetzen?

Was treibt Ärzte dazu, aus einer gesicherten Praxis in Europa wegzugehen und sich Monate in Afrika um Kranke zu kümmern und auf Einkommen zu verzichten?

Was treibt Menschen dazu, sich im Roten Kreuz zu engagieren?

Was bringt Ehepaare dazu, Kindern das Leben zu schenken?

Was bringt Forscher dazu, die Welt immer mehr zu erkunden?

Immer, wenn eine Frau, ein Mann, ein Kind sich für den anderen öffnet und seine Not teilt,
immer wenn Menschen Nähe herstellen,
immer wenn neues Leben entsteht,
wenn Trost und Geborgenheit und Barmherzigkeit das Miteinander bestimmt,

ist es der Heilige Geist, der Geist Gottes, der in den Menschen wirkt.

Wir Christen nennen die Kraft Gottes, die den Menschen zum Guten antreibt, den Heiligen Geist.

Deshalb müsste ich noch viel mehr Beispiele aufzählen. Ich tue es nicht, um sie nicht zu sehr zu ermüden.

Ich hoffe aber, dass sie durch diese einfache Überlegung alle Schwierigkeiten hinter sich lassen, sich den Heiligen Geist vorzustellen und an seine Gegenwart und Wirksamkeit zu glauben.

Leider hat der Heilige Geist in mir jede Menge Gegenspieler, die mich oft daran hindern, auf ihn zu hören und ihm zu folgen:

Bequemlichkeit, Enttäuschung, Ärger und Zorn,
Selbstsucht, Stolz und Überheblichkeit, übertriebenen Ehrgeiz und Gleichgültigkeit.

Manchmal ist es wie verhext: Enttäuschung gebiert Ärger, Ärger führt zu Gleichgültigkeit oder gar zu dem Gelüst, es dem anderen zurückzuzahlen.

So entstehen unsere Zerwürfnisse, so macht sich Traurigkeit und Ängstlichkeit breit.
Die Zuversicht, die Hoffnung, die Gemeinsamkeit werden weniger und drohen zu verschwinden.

Genauso war es bei den Freunden Jesu, die sich nach seiner Hinrichtung eingeschlossen hatten und verzweifelt waren – ohne einen Hoffnungsschimmer.

So geht es uns selbst, wenn wir meinen, dass wir alleine dastehen und daran noch dazu selber schuld sind.

Sehr oft, sogar meistens oder fast immer passiert aber etwas anderes.
So verfahren es auch aussah – es gibt wieder eine gute Erfahrung, es wächst wieder weiter oder es wächst etwas Neues.
Oft können wir selbst gar nichts dafür. Es ist unerwartet. Ein Geschenk.

Das, Schwestern und Brüder, das ist Pfingsten, wie sie alle es schon erlebt haben und immer wieder erleben.

Hören wir nicht auf, um den Heiligen Geist zu beten,

Vor allem aber:
Wir dürfen das Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes bewahren:
Er wird immer wieder dem Leben, dem Miteinander, der Versöhnung, Wege öffnen.
Gottes Geist und Kraft, der Heilige Geist hat die Kraft und die Macht.

29. Mai 2016: 9. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Salomo, der zweite Sohn Davids, wurde sein Nachfolger auf dem Königsthron. Er verwirklichte den Plan seines Vaters und erbaute für die Bundeslade in der die Tafeln mit den Geboten waren einen Tempel in Jerusalem.
Am Tag der Tempelweihe betete Salomo. Von diesem Gebet haben wir in der Lesung einen Ausschnitt gehört:
Herr, Gott Israels, auch Fremde, werden aus fernen Ländern kommen, weil sie von dir gehört haben und sie werden hier zu dir beten.
Höre sie und tu alles,, um was der Fremde bittet.
So werden sie an dich glauben, so wie dein Volk Israel!

Schon vier Jahrhunderte vor Christus also entwickelt sich in Israel das Bewusstsein, dass der Gott Israels der Gott aller Völker sein kann.
Dass er nicht nur dem Volk Israel, sondern Menschen aus allen Völkern Heil schenken kann und will.

Wir Christen haben uns schon lange daran gewöhnt zu denken, dass Jesus Christus gekommen ist, um alle Menschen mit Gott zu versöhnen – auch wenn in neutestamentlicher Zeit darum gerungen werden musste:

Die Szene zwischen dem römischen Hauptmann und Jesus spiegelt dies wieder: Er ist so ein Fremder, der zu Jesus kommt und ihn bittet – und Jesus erhört die Bitte. Der Frieden, den Jesus bringt, soll alle Menschen ergreifen.

Liebe Schwestern und Brüder, wie halten wir das heute?
Missionieren ist heute verpönt: Man soll nicht andere von seinem Glauben überzeugen wollen. Das gilt als anmaßend, peinlich, respektlos dem anderen gegenüber. Jeder soll unbehelligt leben können, wie er will.

Diese Reserviertheit gegenüber Missionsversuchen hat einen selbstkritischen Hintergrund: Wir wissen, wie oft mit Gewalt missioniert wurde, mit welchem Druck gesagt wurde: Nur wer an Christus glaubt, kann das Heil erlangen.

Insofern ist Zurückhaltung bei der Mission angebracht.

Nun gibt es aber auch die andere Seite: Wir Christen sind befreit von der Angst vor Gott, vom Tod, von der Sünde. Durch Jesus Christus haben wir Versöhnung empfangen. Er hat uns Frieden gebracht und die Versöhnung und das ewige Leben bei Gott oder in Gott geschenkt.

Sollen wir davon schweigen? Sollen wir daran festhalten, wie an einem Raub? Sollen wir diesen Schatz nur für uns behalten?

Ist es nicht vielmehr höchst angebracht, wie die Jünger an Pfingsten laut die Botschaft zu verkünden:
Gott schenkt Versöhnung und Frieden!
Jeder Mensch hat das Leben von ihm empfangen.
Gott schließt niemanden von seiner Liebe aus.
Das Reich Gottes ist mitten unter euch.
Die Liebe zu Gott und zum Mitmenschen zum Nächsten ist das einzige Gebot?

Liebe Schwestern und Brüder,
viele Tausend Menschen in Deutschland – d sehr viele davon motiviert aus christlichem Glauben, kümmern sich um die Flüchtlinge, die zu uns gekommen sind und noch kommen.
Damit geben sie –ohne jede Missionsabsicht – Zeugnis von der Liebe, die das Einzige und wichtigste ist. Die jeden Menschen annimmt und anerkennt. Und es ist gewiss richtig, die Fremden, die zu uns kommen, nicht zu Christen machen zu wollen.

Zugleich aber denke ich:
Sollten nicht auch sie die Botschaft hören können:
Jeder Mensch ist Gottes geliebtes Kind!
Gott hat durch Jesus Frieden gebracht zu allen Menschen.

Sollten nicht alle Menschen die Botschaft hören können, dass Gott jeder Mensch willkommen ist, und dass deshalb die Menschen miteinander in Frieden leben?

Lassen wir aber zuerst und weiterhin die Taten sprechen. Der Einsatz für die Fremden, die zu uns kommen, soll eine Predigt ohne Worte sein – eine Predigt von der bedingungslosen Liebe Gottes zu jedem Menschen.

24. April 2016: 5. Ostersonntag

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Liebe Schwestern und Brüder,
die Apostelgeschichte erzählt ausführlich, wie sich die Gemeinschaft der Jünger nach der Himmelfahrt Jesu entwickelte:
Verängstigte Leute ohne Plan und ohne Mut veränderten sich durch „den Heiligen Geist“ wie sie das nannten:

Plötzlich verkündeten sie freimütig die Auferstehung Jesu:
„Kehrt um und glaubt an Jesus und lasst euch taufen! Dann werdet ihr gerettet!“ Das verkündeten sie im Tempel und in den Synagogen.

Die Konsequenzen waren dem sehr ähnlich, was Jesus zu ertragen hatte:
Festnahme, Folter, Tötung und: Ausschluss aus der Synagoge –
aus dem Volk der Juden, dem Volk Gottes.

Das musste so kommen – das war die Voraussetzung dafür, dass etwas Neues entstehen konnte. Die versprengten Jünger Jesu bildeten überall kleine Gemeinschaften. Und bald nannte man die Leute, die an Jesus glaubten nach ihrem Herrn: Man nannte sie „die Gesalbten“.

Christen nennen wir uns bis heute, weil wir gesalbt sind mit dem Heiligen Geist – mit dem Geist Jesu selbst. Er schenkt uns Einsicht und Weisheit,
Rat und Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht.

Liebe Schwestern und Brüder,
ideal wäre es, wenn jeder von uns sich zutrauen würde, auf seine Weise diese Gaben zu erklären. Wir können uns dabei bereichern durch unsere verschiedenen Gedanken und Sichtweisen.

Da ist noch eine Bemerkung, die in dem kurzen Abschnitt aus der Apostelgeschichte nicht ganz unwichtig ist:
Paulus und Barnabas „bestellten in jeder Gemeinde durch Handauflegung und Gebet Älteste.“

So werden die ersten Anfänge des Amtes in der Kirche geschildert:
Bis heute bestellen die Bischöfe durch Handauflegung und Gebet Männer mit dem Auftrag in der Gemeinde das Wort zu verkünden und dafür zu sorgen, dass den Armen geholfen wird. Sie sollen so wie Jesus die Menschen ermutigen, sie heilen, trösten, mahnen und mit ihnen das Brot brechen – gemäß dem Auftrag des Herrn.

Paulus erklärt im Titusbrief, welche Leute als Älteste geeignet sind:
rechtschaffene Männer, nur einmal verheiratet, mit wohl erzogenen Kindern …  –  seither hat sich einiges verändert.

Deshalb darf man ruhig fragen:
Wenn es nicht mehr wichtig ist, dass die Männer verheiratet sind,
sondern sogar inzwischen verlangt wird, dass sie ehelos sind,
warum ist es dann für alle Zeiten wichtig, dass es Männer sind?

Trotz solcher Fragen steht fest: das Bischofsamt und von ihm ausgehend das Priester- und Diakonenamt haben in allen christlichen Kirchen großen Anteil daran, dass das Evangelium bis heute den Christen Hoffnung gibt und Richtschnur ist für ihr Handeln. Das Amt garantiert, dass die Botschaft verkündet wird und überliefert wird.

Dennoch gibt und gab es immer viele Christen, die die Bischöfe und Priester und Diakone bei weitem übertroffen haben: in der Sorge für die Armen, in der festen Glaubensüberzeugung, im Einsatz für die Kirche.
Es ist sogar so, dass wir Amtsträger in der Kirche die anderen Christen brauchen, damit wir unsere Aufgabe im Volk Gottes erfüllen können.

Liebe Schwestern und Brüder, was wäre ich als Pfarrer, ohne Euch?
Wie sollte ich Zuversicht geben, wenn ich nicht sehen könnte: Da sind Christen, die aus dem Glauben leben möchten; wie sollte ich die Gemeinde leiten können, wenn niemand Lust hat zusammen zu kommen?

Wie sollte ich glauben können, wenn niemand mit mir den Glauben teilt?

Zu allererst sind wir Priester und Bischöfe ja Christen und haben den Glauben von unseren Schwestern und Brüdern empfangen und gelernt.

Liebe Schwestern und Brüder, die Kirche darf kein von oben nach unten sein. Wir sind das Volk Gottes. Eine Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern, in der jeder den anderen braucht. Wer der erste sein will, soll der Diener aller sein!  Unsere erste Sendung ist, dass wir das neue Gebot Jesu leben: dass wir einander lieben, wie Christus uns geliebt hat – dass wir also füreinander da sind und uns gegenseitig unterstützen. Das tun wir miteinander und wir brauchen einander, damit wir in dieser Zeit Christen bleiben können. Amen.

10. April 2016: 3. Ostersonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder,
mindestens drei innere Widersprüche hat diese Ostererzählung des Johannesevangeliums – und sie sind so auffällig, dass sie dem Evangelisten sicher nicht aus Versehen unterlaufen sind.
Wir können ruhig davon ausgehen, dass diese Widersprüche in der Erzählung uns – die Leser – auf das Wichtige hinweisen sollen.

Die erste Ungereimtheit:
Jesus stand am Ufer, aber sie erkennen ihn nicht – obwohl er sie vertraulich als „meine Kinder“ anspricht.

Dann, bittet Jesus seine Jünger, ob sie nicht etwas zu essen hätten – als sie auf ihren erfolglosen Fang hinweisen, gibt er ihnen einen ziemlich rätsel­haften Rat für einen guten Fang.
Als sie mit ihrem überreichen Fang ans Ufer zurückkommen, hat Jesus Brot und Fisch schon auf dem Feuer. Woher eigentlich?

Der überreiche Fang ist für den Jünger, den Jesus liebte, Anlass, Petrus darauf hinzuweisen: „Es ist der Herr!“ – Darum geht es im Johannesevangelium oft: dass die Jünger oder andere Menschen durch ein zeichenhaftes Geschehen Jesus erkennen:

Bei der Hochzeit von Kanaan offenbarte Jesus seine Herrlichkeit – und seine Jünger glaubten an ihn.

Als Jesus dem Thomas erschien, legt dieser das Bekenntnis ab: „Mein Herr und mein Gott!“

Und auch in dieser Geschichte kommen die Jünger zum Glauben:
Es ist der Jesus, der Herr.
Die Reaktion des Petrus ist die angemessene Reaktion: Er springt in den See – getrieben von dem Wunsch, so schnell wie möglich bei Jesus zu sein.

Liebe Schwestern und Brüder, diese Geschichte ist voller Andeutungen:
die Nacktheit des Petrus, die Zahl der Fische, der Ort des Geschehens am See von Tiberias, dass Jesus Brot und Fisch austeilt, wie bei der Brotvermehrung, das Kohlenfeuer wie im Hof des Kajaphas wo Petrus dreimal leugnete, ein Jünger Jesu zu sein.

Ich möchte zwei Punkte herausgreifen:

Als die Jünger den reichen Fang sahen, erkannten sie, dass es Jesus war, der sie am Ufer angesprochen hatte. Das Evangelium sagt damit: hört auf die Stimme des Herrn in eurem Herzen;
sorgt euch um Gottes Reich – um Frieden und Gerechtigkeit, um den Mitmenschen und sein Heil – tut, was ihr tut, so wie Gott es will – dann werdet ihr staunend sehen können, wie er euer Tun segnet.

Das zweite ist:
Jesus sagt zu den Jüngern: „Kommt und esst!“ Er nahm das Brot und gab es ihnen und ebenso den Fisch. Jesus brach den Jüngern beim Abendmahl das Brot und sagte: Das ist mein Leib. Ich werde mein Leben geben – für euch, damit ihr glauben könnt.

Wenn wir zur Kommunion gehen und damit der Einladung Jesu folgen, öffnen wir uns seine Liebe und nehmen sie an.
ER schenkt sich uns, er stärkt uns,
damit wir nicht müde werden, für Gottes Reich zu leben.

Damit wir nicht müde werden nachsichtig, gütig, geduldig, demütig, zuvorkommend und achtsam uns dem Mitmenschen zuzuwenden.

26.03.2016: Predigt in der Osternacht

Liebe Schwestern und Brüder,
Im Buch Ezechiel hören wir prophetische Worte:

Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust
und gebe euch ein Herz aus Fleisch.
Ich lege meinen Geist in euch und bewirke,
dass ihr meinen Gesetzen folgt
und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt.
Dann werdet ihr in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gab.
Ihr werdet mein Volk sein und ich werde euer Gott sein.

Liebe Schwestern und Brüder,
das sind Verheißungsworte, Worte voller Hoffnung auf Veränderung,
Dass Friede sein wird und Gerechtigkeit und dass die Völker der Erde erkennen werden, dass Jahwe, der Gott Israels, der Herr ist.

Die Völker werden, so deute ich das, erkennen, dass alle Geschöpfe dieser Erde zusammengehören, weil sie alle durch Gottes Wort ins Leben gerufen wurden, wie es der Schöpfungslobpreis im Buch Genesis so anschaulich besingt.

Wenn die Völker das erkennen, dann hören sie auf, gegeneinander Krieg zu führen. Vielmehr werden sie einander beistehen und miteinander teilen, damit niemand Not leiden muss. Dann haben sie ein Herz nicht mehr aus Stein, sondern aus Fleisch.

Dann verwirklicht der Mensch, was er ist: Der ist Mensch ist Gottes Abbild, in dem Gott sich selbst wieder erkennt. Und Gottes Wesen ist es, sein Leben mit-zu-teilen.
Genau das ist die Glaubenserkenntnis des Schöpfungsliedes: das ganze Universum existiert, weil Gott darin sein Leben mitteilt.

Auch wenn sich in der Bibel viele Sätze und Gedanken finden, die Israel, das Volk Gottes, in Konkurrenz sehen mit anderen Völkern.
Manchmal erscheint ihre Vernichtung in den Schriften der Bibel sogar als Gottes Gebot oder als Gottes rettende Tat.

Doch von Anfang an gibt es auch diesen anderen roten Faden:
Durch Abraham und seine Nachkommen sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.
Die Propheten künden an: Alle Völker der Erde kommen nach Zion, um vom einzigen Gott Weisung zu empfangen.

Dieser rote Faden, dass der einzige Gott allen Menschen aus allen Völkern Heil schenkt führt hin zu Jesus von Nazaret. Er verkündete: Das Reich Gottes ist euch nahe! – nicht nur den Juden, sondern jedem Menschen.

Er sprach von der Großzügigkeit Gottes und von seiner Barmherzigkeit in all den Gleichnissen und in der Zuwendung zu den Kranken und Armen und Niedrigen.

Jesus lehrte die Menschen, Gott als Vater anzusprechen;
Denn wie ein Vater und eine Mutter das Leben ihren Kindern mitteilen. so teilt Gott sein Leben mit uns.
Gott teilt sein Leben mit – also unvergäng­liches, ewiges Leben.

Deshalb verkündete Jesus die Auferstehung und das ewige Leben in Gottes Herrlichkeit. Deshalb feiern wir die Auferstehung Jesu.

Es konnte gar nicht anders sein: die Frauen, die Jünger, sie mussten erkennen: Jesus ist nicht im Grab. Denn das, was wir als Tod erfahren, als Verlöschen des Lebens, ist in Wahrheit der Übergang in das neue Leben in Gottes Herrlichkeit – jedenfalls, wenn wir ernst nehmen und glauben, was Jesus verkündet hat und was sich in der Bibel von Anfang an andeutet und immer deutlicher wird, bis hin zu Jesus und seiner Botschaft von Versöhnung und Frieden.

Gott teilt sein Leben mit – an alles, was es gibt und gab – in allem ist deshalb sein unvergänglicher Geist.

Darum ist Ostern ein Fest der ganzen Menschheit, ein Fest der ganzen Schöpfung. Ostern ist das Fest des Lebens.

Der Osterglaube, der Glaube an Auferstehung und ewiges Leben weckt eine neue Gewissheit und Zuversicht.

Solange die Menschen auch in der Dunkelheit verharren mögen, solange sie auch meinen, sie müssten mit Gewalt und Krieg einander etwas wegnehmen.  Es mag sein, dass die Menschen nicht aufhören einander auszunützen und zu übervorteilen.

In all dem drückt sich aus, dass sie noch nicht erkannt haben, wer Gott wirklich ist: Der, der sein Leben mitteilt für die Ewigkeit.

Doch weil Gott sein Leben mitteilt und weil dies sein Wesen ist, ist die Zukunft des Alls nicht sein Untergang und die Zukunft jedes einzelnen von uns Menschen ist nicht der Tod, sondern das Leben in Gottes Licht und Herrlichkeit.

Deshalb dürfen wir heute Nacht jubeln und singen:
Halleluja, Jesus lebt und mit ihm auch du und ich. Halleluja.
Lasst uns Jesu Werk weiterführen, lasst uns Versöhnung bringen und Frieden. Amen.